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Realismus statt Träumerei - Ambition zum Kopfschütteln

Deutschland hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt und es nun auch im Grundgesetz erwähnt – die Klimaneutralität unseres Landes bis zum Jahre 2045. Halten wir an diesem Ziel fest, werden die Kosten enorm sein.

Daniel Stelter

Autoreninfo

Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums „Beyond the Obvious“. Zuvor war er bei der Boston Consulting Group (BCG). Zuletzt erschien sein Buch „Ein Traum von einem Land: Deutschland 2040“.

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Auf dem 22. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) im Oktober 1961 wurde ein ambitioniertes Programm beschlossen. Demnach sollte die Sowjetunion bereits 20 Jahre später die USA in jeder Hinsicht überholt haben: bei Arbeitsproduktivität, Industrie- und landwirtschaftlicher Produktion und dem Wohlstand der Menschen. 

Die Nutzung von Wohnraum, die Versorgung mit Wasser und Wärme, die kommunalen Verkehrsmittel und die Versorgung der Kinder sollten für alle unentgeltlich sein. Bekanntlich sind diese großen Pläne gescheitert und die UdSSR ist genau zehn Jahre nach dem anvisierten Zeitpunkt untergegangen. 

Daraus folgt aber nicht automatisch, dass man sich als Nation keine ambitionierten Ziele setzen sollte. Man sollte daraus aber schlussfolgern, dass die eigenen Mittel ausreichend vorhanden und geeignet sein müssen, um das gesetzte Ziel realistisch zu erreichen und man sollte zudem einen Plan B für den Fall haben, dass sich die Zielerreichung als schwieriger herausstellt. 

Fünf Jahre vor den anderen EU-Staaten

Deutschland hat sich ebenfalls ein ambitioniertes Ziel gesetzt und es nun auch im Grundgesetz erwähnt – die Klimaneutralität unseres Landes bis zum Jahre 2045. Wir wollen, nachdem es 33 Jahre (1990 – 2023) gedauert hat, den CO2-Ausstoß um 43 Prozent (1,3 Prozentpunkte p.a.) zu senken, die restlichen 57 Prozent in 22 Jahren schaffen (2,6 Prozentpunkte p.a.). Obwohl die schlechte Konjunktur und die fortschreitende Deindustrialisierung in den letzten zwei Jahren geholfen hat, muss jeder, der schon mal etwas vom Pareto-Prinzip gehört hat – die ersten 80 Prozent des Erfolges erreicht man mit 20 Prozent des Aufwands, die letzten 20 Prozent des Erfolges mit 80 Prozent des Auswands – ob dieser Zielsetzung den Kopf schütteln. Vor allem dann, wenn man noch dazu versucht, dieses Ziel ohne Kernenergie zu erzielen, decken doch Wind- und Solarstrom zur Zeit nur sieben Prozent des Primärenergiebedarfs des Landes.

Hinzu kommt, dass Deutschland sich vorgenommen hat, das Ziel der Klimaneutralität bereits 2045 zu erreichen, während die EU als Ganzes das Jahr 2050 anstrebt. Abgesehen davon, dass die anderen Staaten der EU auch feststellen werden, dass die Kosten exponentiell steigen und der Nutzen der Klimaschutzmaßnahmen gegen Null geht, wenn die wichtigsten Emittenten China, USA und Indien nicht genauso ambitioniert vorgehen – was sie nicht tun – stellt sich die Frage, welchen Nutzen es hat, wenn Deutschland fünf Jahre vor den anderen EU-Staaten klimaneutral ist.

Die Kosten werden enorm sein

Leider gibt es einen solchen Nutzen nicht, wie Professor Manuel Frondel vom RWI – Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung in einer Studie zum Thema vorrechnet. Aufgrund des EU-weiten Emississionshandels würde eine frühere Zielerreichung Deutschlands den anderen Staaten erlauben etwas langsamer bei der eigenen Emissionsreduktion vorzugehen. Der kumulierte Ausstoß der EU an Treibhausgasen bliebe unverändert. Hinzu kommt, dass im Jahre 2045 der Anteil Deutschlands an den weltweiten Emissionen deutlich geringer sein wird, weshalb die fünf Jahre dann wohl nur wenigen Wochen des chinesischen Ausstoßes entsprechen werden. 

Halten wir dessen ungeachtet am Ziel 2045 fest, werden die Kosten enorm sein. Allein deshalb, weil naturgemäß die teuersten Maßnahmen am Schluss ergriffen werden – ein Grundsatz, der zugegebenermaßen in der deutschen Klimapolitik oft vergessen wird und zu hohen Kosten für uns alle führt. Frondel beziffert die Mehrkosten des um fünf Jahre nach vorne gezogenen Ziels auf einen hohen dreistelligen Milliardenbetrag. 

Optimisten verweisen auf die technologische Vorreiterrolle Deutschlands, weil wir angesichts der Herausforderung gezwungen sind, Lösungen für die am schwersten zu reduzierenden Emissionen zu finden. Das Problem ist dabei die nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass wir die Einzigen auf der Welt sein werden, die diese Technologien auch anwenden. Die anderen pflanzen lieber Bäume oder verabschieden sich vom Ziel der Klimaneutralität.
 

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Ingofrank | So., 30. März 2025 - 14:01

„Nicht Mittig“- Konservativ national eingestellte Regierung.
Hoffentlich !
Mit besten Grüßen aus der Erfurter Republik

Hans Jürgen Wienroth | So., 30. März 2025 - 14:19

Was ist „KLIMANEUTRALITÄT“, Herr Stelter? Ist der Einfluss des CO2 auf das Klima durch naturwissenschaftl. Gesetzmäßigkeiten bewiesen oder genügen grüne Populisten mit einer absolutistischen Wissenschaftshypothese? Ist das nur von dieser Emission abhängig? Wieviel °C Erderwärmung bringt die t CO2? Wer kann das berechnen?

Was ist mit Windrädern und Solaranlagen, haben die keinen Einfluss auf das Klima? Ist es klimaneutral, wenn hunderte Windräder, den Naturgesetzen folgend, den Wind bremsen oder umleiten? Ist es klimaneutral, wenn bei der Stromerzeugung in Solarmodulen Wärme entsteht, die über die Oberfläche an die Umgebung emittiert wird? Wollten wir damit nicht etwas gegen die „Erderwärmung“ tun?

Man spricht von „erneuerbaren Energien“, aber wer erneuert denn da, der seine Kräfte sonst nicht wirken lässt? Sitzen wir am Ende einer großen Lüge von ein paar reichen Philanthropen (Soros, Gates & Co.) auf, die am Ende des kalten Krieges nach neuer Geldanlage suchten, wie Welt berichtete?

Ernst-Günther Konrad | So., 30. März 2025 - 18:00

Antwort auf von Hans Jürgen Wienroth

Was erlauben Sie sich Herr Wienroth, solche Fragen nur zu formulieren? Sie haben doch bereits selbst die Antworten gegeben. Was im GG steht ist "heilig". Und wenn man das so reinschreibt, haben Sie das gefälligst zu glauben. Immerhin sind das "wissenschaftliche" Erkenntnisse der GRÜNEN und der Klimahysteriker, das kann und darf man nicht anzweifeln, geschweige denn Fragen dazu stellen und sich gar selbst kritisch beantworten. Und wenn man Ihren Kommentar liest, so haben sie erst angefangen, die richtigen Fragen zu stellen und sind ja noch gar nicht tief eingedrungen in die CO² und Klimalüge und schon wird es kritisch. Aber mal im Ernst. Was bedeutet es denn für heutige Politiker noch das GG? Doch gar nichts mehr. Wenn es einem nicht passt wird das einfach uminterpretiert und dann so ausgelegt, wie man es gerade braucht. Dieser Wahnsinn findet nur dann ein Ende, wenn wir komplett neu anfangen, mit direkt gewählten Volksvertretern/Volksabstimmung, ohne Parteien und eigener Verfassung.

Ich bemühe mich, mein Risiko zu minimieren, indem ich kein soziales Medium nutze, nicht einmal WhatsApp. Dabei hilft es auch, Fragen zu stellen, statt Aussagen zu machen, die als Verschwörungstheorie gebrandmarkt werden können.

Ich bin bekennender „Querdenker“ und bemühe mich immer darum, das große Ganze zu sehen. Insofern hinterfrage ich als naturwissenschaftlicher Praktiker vieles.

Bei uns in Salzgitter soll z. B. für die Stahlproduktion vor Ort grüner Wasserstoff produziert werden. Da bleibt die Frage, woher das Wasser dafür kommen soll (1kg H2 benötigt 9 kg aufbereitetes H2O), wenn gleichzeitig in der Landespolitik darüber diskutiert wurde, dass der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft wg. Mangel reduziert werden soll. Müssen wir demnächst für die Klimarettung hungern und frieren? Entweicht dann der bei der Stahlproduktion verbrannte Wasserstoff als Wasserdampf in die Atmosphäre und kommt als (Stark-) Regen auf die Erde zurück?

Ich wünsche noch eine schöne Woche.

Herr Stelter beschreibt hier treffend die Irrationalität der deutschen Klimapolitik. Denn gerade hierbei kommen die deutschen Eigenschaften mal wieder geballt zum Ausdruck: „Deutsch sein, heißt eine Sache um ihrer selbst willen tun“.
Das Pareto-Prinzip 80:20 anzuwenden? Nicht in Deutschland.
Klimaneutral bis 2050 in der EU? Als strebsamer Musterschüler schreibt sich Deutschland 2045 in die Verfassung. Dass davon nur andere EU-Länder profitieren werden, sich aber fürs Klima nichts ändern wird. Egal. Hauptsache, man hat den anderen gezeigt, wo der Klimahammer hängt.
"Am deutschen Wesen soll die Welt genesen"? Aber sowas von ….

ps. Sorry, Herr Konrad, ich habe mir erlaubt auf Ihren Kommentar zu "antworten", weil ich bei diesem Artikel das gleiche Problem habe, wie Sie (und einige andere wohl auch) des öfteren, nämlich keinen eigenständigen Kommentar schreiben zu können.

Sabine Jung | Mo., 31. März 2025 - 11:59

leider wird das meiner Generation 60+ nix mehr helfen. Wir müssen zusehen, wie wir immer mehr verarmen, wie uns aufgrund dieser enormen Ausgaben zum grünen Ideologiebild das Geld vom Konto geholt wird, wie wir mit unseren Häusern verarmen. Vielleicht fällt es einer jungen Generation 20+ noch nicht auf, vielleicht wurded diese junge Generation schon ideologieverblendet erzogen in Schule und auf der Arbeit, vielleicht ist ihr Bild vom leben einmal anders,
unseres und das meiner generation, die jahrelang hart gearbeitet haben und sich nun auf den Ruhestand freuen mit etwas Ersparten und Haus und Hof, uns jedenfalls wird diese Erkenntnis nichts helfen, auch wenn Thyssen Krupp nun grünen Stahl produzieren wird und bei Rheinmetall fortan grüne Waffen raus kommen............