
- Lob der Wahrheit
Die Suche nach Wahrheit ist der Kern aufklärerischen Denkens und das Herz westlicher Zivilisation. Wer den Wahrheitsanspruch aufgibt, öffnet dem Totalitären Tür und Tor – nicht umgekehrt. Eine Entgegnung auf Alexander Grau.
Lügen ist ein Menschenrecht, schreibt Alexander Grau in seiner Cicero-Kolumne. Vor Gericht haben Angeklagte in einem freiheitlichen Rechtsstaat in der Tat das Recht zu lügen, denn sie können nicht verpflichtet werden, sich selbst anzuklagen. Das würde den Menschenrechten widersprechen. Es gibt ein Recht auf Selbstbetrug, aber dennoch bleibt es Betrug. Denn das Bestreben des Gerichts besteht fort, die Wahrheit über die Tat herauszufinden, um Gerechtigkeit gegenüber jedermann zu üben. Ohne Wahrheit keine Gerechtigkeit.
Keinesfalls ist es die Wahrheit, die einengt, sondern allein „die Wahrheit wird euch frei machen“, wie Paulus an die jungen christlichen Gemeinden schreibt. Alles andere ist totalitär. Doch ist die Wahrheit kein christliches oder biblisches Konzept, vielmehr ist es das Konzept der westlichen Zivilisation, welches sich von der Antike bis hin zur Aufklärung entwickelt, verfestigt hat und fortschreibt. Wahrheit ist eine Sehnsucht und eine Verpflichtung.
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Aber, bei allem Respekt, das Problem ist nicht die Wahrheit selbst, sondern der Umgang mit ihr. Wenn intolerante Gruppen ihre Ideologie zur Wahrheit erklären, ist das totalitär, dann reicht der Wahrheit auch das sprichwörtliche „schnelle Pferd“ nicht mehr. Die aktuelle Tagespolitik macht es vor.
Sie lutschen im ÖRR die Worte solange rund, bis die Lüge zu ihrer Wahrheit wird.
Kompromisse beispielsweise werden in Wirklichkeit durch den Preis des Koalitionspartner bestimmt.
Sowas als Kompromisse zu bezeichnen ist dann auch schon dreist.
Wenn der Preis aber stimmt ist alles möglich.
Die Wahrheit, die interessiert dabei niemanden, denn was interessiert sie schon ihr Geschwätz von gestern.
Selbst jetzt, wo die Lügen eines Friedrich Merz offensichtlich sind, ändert das nur wenig.
Die ehrenhaften CDU ler müssten protestieren und geschlossen aus der Partei austreten, jedoch haben sie sich offenbar dazu entschlossen ihre Wähler weiterhin zu belügen.
Das ist die Wahrheit.
dass Wahrheit in der Politik und dem zwangsfinanzierten ÖRR weniger zählt als Haltung. Aber die Bürger in immer mehr Meldestellen denunziert und von einer staatlich finanzierten Zivilgesellschaft politisch überwacht werden können. Dies alles bereits im Vorfeld unserer Rechtsordnung. Warum sehen die Hüter der Verfassung - wie Unbeteiligte - weg?
... das Pilatus-Thema Was ist Wahrheit?" so wichtig wird, ist doch ganz erfrischend.
Pilatus, ein hoher Richter und Staatsbeamter merkt, dass er ein FALSCHES Todesurteil gefällt hat, und hofft, das Blut von seinen Fingern wegwaschen zu können.
Ohne Moral, ohne Pflichtgefühl, ohne Verantwortung, ohne Begrenzung der Gewaltbereitschaft kann es kein ziviles Leben geben. Dass es immer auch schlechte Richter gibt, das ändert daran nichts.
Die Auseinandersetzung um wahr und Falsch, von gerecht und ungerecht muss immer weiter geführt werden. Die pyrrhonische Maxime "Richtet nicht, auf dass Ihr nicht gerichtet werdet" hebt nicht die Notwendigkeit des öffentlich ehrlichen Rechts auf, solange es wirklich mit "verbundenen" Augen angewendet wird.
Wird Recht aber zur Bekämpfung des privaten Feindes eimngesetzt, dann wird es Unrecht.
Wo wären wir ohne das Recht auf Lüge? Fordert dieses Recht doch die Suche nach der Wahrheit heraus, den wissenschaftlichen Beweis oder Gegenbeweis einer Theorie, ggf. auch nur einer Provokation des Gegenübers, die einer „Richtigstellung“ bedarf. Die Suche nach der Wahrheit, auch die Diskussion, fördert doch den Fortschritt.
Warum ist ein Zusammenleben nicht mehr möglich, wenn es ein Recht auf Lüge gäbe? Werden wir nicht alle laufend belogen in unserem Leben? Müssen wir uns dann gleich gegenseitig vernichten? Wo bleibt das Recht auf eigene Meinung, eigene Fehler, wenn es nur die Wahrheit (, diese eine Wahrheit?) gibt?
Zitat: „Die Anti-Wokeness wird ihren Gegnern zu ähnlich und schlägt selbst ins Totalitäre, wenn sie nun selbst die Wahrheit beansprucht oder negiert, was auf dasselbe hinausläuft.“ Wo fordert die Anti-Wokeness die Wahrheit für sich? Es ist doch gerade die Auflehnung gegen das autoritäre in der Wokeness, gegen die rebelliert wird.
stimme Ihnen da zu! Guter Kommentar.
heutzutage jeder zu besitzen glaubt. Außerhalb von physikalischen oder biologischen Tatsachen ist sie relativ, abhängig vom jeweiligen Standpunkt. Wahrheit soll das Konzept der westlichen Zivilisation sein? Das war, aber auch nur vielleicht, irgendwann einmal so. Heute gibt es demnach aber keine solche mehr. Kriege wurden auf Grundlage von Lügen (auch vom "aufgeklärten" Westen) vom Zaun gebrochen, da stirbt die Wahrheit zuerst, aktuell werden Wahlen solcherart gewonnen. Heute wird die Lüge zum Gesetz gemacht, die Wahrheit konterkariert, Wissenschaft lässt sich kaufen, und folgt dem Geld. Eine Demokratie wird auf Grund von Lügen (Corona, Klima…) geschleift, sog. Demokraten demaskieren sich, zeigen ihre Lügenfratze. Nicht nur in offiziellen Diktaturen. Heute soll ein Wahrheitsministerium erschaffen werden, welches entscheidet, was wahr ist oder nicht. Wer den Kaiser nackt nennt, braucht ein schnelles Pferd. Im "Wertewesten" ist die Lüge der Standard.
DAS, Herr Resing, ist Ihre Wahrheit.
Wahrheit gibt es nicht nur in der Einzahl. Der Begriff beinhaltet mehr als Wissen oder faktische Korrektheit. Wahrheit beinhaltet gerade im Politischen eine Interpretation und ist oft kaum mehr als ein daraus abgeleitetes Konstrukt, das auf gemeinsamen Überzeugungen von Menschen beruht. Man kann das selbe Faktum - wie das Ergebnis eines medizinischen Experiments - u.U. komplett gegenteilig darstellen. Beides beruht auf den selben Fakten: "Die Therapie bringt nichts" oder "Die Therapie hat einen gewissen Effekt". Für die Nazis war die Minderwertigkeit bestimmter Menschen eine über jeden Zweifel erhabene Wahrheit, heute ist sie eine Lüge.
Für Letztere gilt allgemein, dass Gesellschaft ohne sie kaum vorstellbar ist. Sie ist allgegenwärtig im Zwischenmenschlichen, Bestandteil der oft gutwilligenManipulation von Mitmenschen, und unsere Politik macht davon reichlich Gebrauch.
Wer also behauptet, im Besitz der Wahrheit im Sinne der unzweifelhaften, belegten Richtigkeit zu sein, der lügt.
Teil der (Nicht)-Wahrheit ist auch, dass man sich am Begriff der Wahrheit festhalten kann, wenn man dann dieses so interpretiert und jenes so folgert. Kann man machen - ich würde davon abraten.
"Ohne Wahrheit keine Gerechtigkeit" bringt schön zwei ähnlich schwierige Begriffe zusammen. Gerechtigkeit ist vielleicht DAS, was Menschen definiert (für Kalkstein kann man G. nicht definieren). Aber wie der Mensch ist sie nicht klar und nicht widerspruchsfrei - was der Eine für seine Gerechtigkeit unbedingt braucht, zerreißt den Anderen. Ansätze Gesellschaften rein auf Gerechtigkeit aufzubauen, enden glaube ich regelmäßig fürchterlich. Ein Teil der Wahrheit ist hier, dass der Mensch sich seiner widersprüchlichen Natur stellen muss - zB keine klare Wahrheit, Gerechtigkeit.
Man muss nach Wahrheit streben, also Bedingungen in und außer uns beschreiben, aber diese Wahrheit ist kein Fixpunkt für Politik und Gesellschaft. Ja, nicht alles geht. Aber Wahrheit legt auch nichts Wichtiges konkret fest.
Das ist das Problem unseres binären Gehirns, dass eine stabile Position sucht und durch unsere Spiegelneuronen befriedigt werden kann.
sage, dass mit der Lüge als Menschenrecht ein Zusammenleben unter Menschen nicht möglich wäre. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Ohne Lüge wäre ein Zsleben nicht möglich. Jeder lügt jeden täglich zig mal an und würde jeder jedem immer genau das sagen, was er wirklich denkt, es wäre eine Katastrophe. Dauerzwist.
Ansonsten: Grau negiert nicht die Existenz von Wahrheit und Lüge, sondern den Umgang damit. Und er sieht im Anspruch, die Wahrheit zu sagen den Totalitarismus. Und da hat er 10%ig Recht.
Alles, was Sie hier sagen, Herr Resing, ist oberflächlich. Passt zum Heiligen wie auch zum Nazi. Die Nazis „logen“ nicht im „klassischen Sinne“, sie waren einfach nur die Brutalsten im Durchsetzen ihrer eigenen Wahrheit. Und da liegt die Crux und deshalb war Graus Beitrag so brillant.
Denn auf dem Felde der Politik, der Ideologie, auch der Philosophie, etc. kann niemand sagen, wer lügt oder eben nicht.
Nur die Natur, die lügt nicht. Der Apfel wird immer nach unten fallen. Das ist d Wahrheit.
Ich meinte natürlich "100% Recht".
Vielleicht noch eine Unterscheidung, die ich wichtig finde: Wahrheit in dem Sinne, dass ich nicht Lüge, meine wahre Kenntnis und Absichten mitteile - ok. Das ist sicher eine Voraussetzung für ein gutes Zusammenleben. Als akademische Betrachtung würde ich aber auch hier die Grenzen anmerken: in endlich vielen Worten kann man nie eine vollkommene gemeinsame Faktenlage ausdrücken und 100% ehrlich in jeder Aussage funktioniert auch keine Gesellschaft, Freundschaft, Beziehung - aber das nur am Rande.
Der wesentliche Punkt scheint mir, dass alle großen Fragen zu Werten und Sichtweisen: Volk, Familie, Vaterland, Menschenrechte, Gerechtigkeit, Wohlstand, Gesundheit, Ehre, Religion, Erfolg, Freiheit, Recht und Rechtsstaat, Demokratie, Offenheit, Vielfalt, EU oder Brexit und egal was, nichts zentral mit Lüge oder Nicht-Lüge zu tun haben und nicht durch einen absoluten Wahrheits-, Gerechtigkeits-, Menschlichkeits- etc. Begriff festlegbar sind.
dass der Autor vor dem autoritärem Wahrheitsbegriff ebenso viel hält, wie die Regierung.(meine Wahrheit) Die Suche nach Wahrheit sollte nicht aufgegeben werden, schön. Doch damit wird das Thema verfehlt. Wahrheiten ändern sich. Auch in der Wissenschaft. Bei Paradigmenwechsel oder einfach nur bei neuen Erkenntnissen. Das unterscheidet die Wissenschaft von der Kirche. Deshalb kann es viele mögliche Wahrheiten geben und niemals die eine fixe und unendlich gültige. Deshalb ist der Anspruch der Regierung oder des Menschen im Allgemeinen absurd, eben solche Wahrheiten jetzt festlegen zu wollen. Und daraus auch noch strafrechtliche Konsequenzen herleiten zu wollen. Das ist voraufklärerisch. Wahrheiten lediglich nach Lust und Laune zu behaupten, wie das mit den tausend Geschlechtern, wäre kein Problem, wenn eben diese „Wahrheit“ nicht zur allein selig machenden erklärt werden würde. Bleibt man aufgeklärt ist diese Meinung eben maximal lustig. Vor allem aber unwichtig.
Überzeugungen von Menschen können sich in der Realität irgendwann als wahr oder als falsch erweisen. Da aber die 'Realität' etwas ganz anderes ist als der 'Mensch', der eine Überzeugung besitzt, gibt es grundsätzlich KEIN 'Menschenrecht' auf 'Wahrheit' oder 'Lüge'.
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Vielmehr geht es in der ganzen Diskussion um das Menschenrecht, seine Überzeugungen äußern zu dürfen, ohne dafür bestraft zu werden.
Es geht um das Menschenrecht der Meinungsfreiheit, die von diktatorischen, autoritären oder auch von einfach nur dummen Politikern immer wieder als Bedrohung der Demokratie diffamiert wird.
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Die Gedanken sind frei,
Wer kann sie errathen?
Sie rauschen vorbei
Wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
Kein Jäger erschießen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.
"Wenn Lüge ein Menschenrecht wäre, dann ist ein Zusammenleben zwischen Menschen im Kleinen wie im Großen nicht mehr möglich, dann ist Betrug und Selbstbetrug das Grab, das sich die Menschen selbst schaufeln."
Wohl unhaltbar, denn absolut jeder nimmt sich täglich das Recht, mehr oder weniger zu lügen, was unserem Zusammenleben keinen Abbruch tut.
Wahrheit ist nichts weiter als ein statistischer Wert.
Es muss jedem uneingeschränkt zustehen, an diesem Wert in jeder Richtung zu kurbeln.
Nur autoritäre und/oder faule Geister wollen sich nicht der Mühe der ständigen Plausibilitätsprüfung unterziehen.
Ein kultivierter Umgang baut nicht auf die Pflicht zur meist diktierten Wahrheit, sondern schlicht auf das Toleranzband des Vertrauens.
Deshalb ist die Lüge wie die Suche nach Wahrheit selbstverständlich ein Menschenrecht.
Wahrheit ist ein hochmoralischer Begriff - so wahr mir Gott helfe. Lüge ist ein Vorsatz wider besseren Wissens. Wahrheit ist lediglich im persönlichen Bereich messbar, wenn man z.B. eine Sache nicht getan hat und trotzdem behauptet, man habe diese gemacht. Außerhalb des persönlichen Bereichs sind Wahrheiten über viele Äußerlichkeiten beschreibbar und verwaschen. So ist das "Spaltung der Gesellschaft" in Demokratien einerseits eine Wahrheit (Spaltung in der Harmonie), andererseits Unsinn, da Demokratie Vielfalt voraussetzt und deshalb eine allumfassende Harmonie Unfug ist. Ähnlich verhält es sich in der Demokratie, wenn politische Maßnahmen alternativlos seien. Hat A.Merkel die Wahrheit gesagt, als sie ab 2009 immer wieder behauptete, es sei alternativlos? Hat M.Krah (AfD) die Wahrheit gesagt, wenn die AfD fünfzig Prozent Stimmen erhält, dann würde regiert werden? Wird seit 1949 nicht regiert?
Überzeugungen von Menschen können sich in der Realität irgendwann als wahr oder als falsch erweisen. Da aber die 'Realität' etwas ganz anderes ist als der 'Mensch', der eine Überzeugung besitzt, gibt es grundsätzlich KEIN 'Menschenrecht' auf 'Wahrheit' oder 'Lüge'.
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Vielmehr geht es in der ganzen Diskussion um das Menschenrecht, seine Überzeugungen äußern zu dürfen, ohne dafür bestraft zu werden.
Es geht um das Menschenrecht der Meinungsfreiheit, die von diktatorischen, autoritären oder auch von einfach nur dummen Politikern immer wieder als Bedrohung der Demokratie diffamiert wird.
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Die Gedanken sind frei,
Wer kann sie errathen?
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Wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
Kein Jäger erschießen.
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