Gaspipeline Nord Stream 2 - Freundschaft zahlt sich aus

Nach Nord Stream 1 soll bald Nord Stream 2 kommen. Eine Gaspipeline, die Deutschland abhängig vom russischen Gas macht und für Spannungen innerhalb der EU sorgt. Längst verschwimmen bei dem Projekt wirtschaftliche und politische Interessen

Der Start der ersten Nord Stream-Pipeline wurde mit hochkarätigen Politikern gefeiert
Der Start der ersten Nord Stream-Pipeline wurde mit hochkarätigen Politikern gefeiert / picture alliance

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Chiara Thies studiert Journalistik und arbeitet für Cicero Online.

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Seit 2011 pumpt die Nord Stream AG russisches Erdgas über einen 1200 Kilometer langen Doppelstrang nach Deutschland und Westeuropa. Dabei werden Polen und die Ukraine übergangen. Es soll noch mehr Gas kommen. Denn die alten SPD-Freunde Sigmar Gabriel und Gerhard Schröder planen den Bau von Nord Stream 2. Die Pipeline soll direkt neben der ersten entstehen. Daraus entstehen jedoch internationale Spannungen. Außerdem zeigt das Projekt die enge Verzahnung zwischen Wirtschaft und Politik in Deutschland auf. Die SPD steht ihm besonders nah und gefährdet so die Klimaziele der Bundesrepublik.

Nord Stream 2 soll Ende 2019 in Betrieb genommen werden und gehört dem vom russischen Staat gelenkten Konzern Gazprom. Damit unterliegt das Vorhaben dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Ursprünglich war die Pipeline, ähnlich wie die Nord Stream AG, ein gemeinsames Vorhaben der Firmen Gazprom, BASF SE, E.ON SE, ENGIE, OMV und Royal Dutch Shell. Am 4. September 2015 unterschrieben sie den Gesellschaftsvertrag.

Die Schröder-Putin-Connection

Die polnische Wettbewerbsbehörde äußerte jedoch Bedenken wegen einer Gefährdung des Wettbewerbs und legte in einem Kartellverfahren Einspruch ein. Daraufhin sprangen die anderen Firmen ab. Einzig Gazprom blieb. Bereits vor Ende seiner Kanzlerschaft hatte Gerhard Schröder gemeinsam mit Russlands Präsident Putin den Weg für die erste Nord Stream Pipeline freigemacht. Nach Schröders Ausscheiden aus der Politik machte ihn sein alter Freund dort zum Aufsichtsratschef. Seit dem 29. Juli ist Schröder zudem noch Präsident des Verwaltungsrates bei Nord Stream 2. Dank ihm hat die Firma sehr gute Beziehungen in die deutsche Politik.

Die einzelnen Positionen zum Unternehmen sind hier klar gekennzeichnet. Im Sinne Schröders steht der Großteil der SPD zu dem Projekt. Der SPD-Vorsitzende Gabriel wirbt öffentlich für die Pipeline. Er setzt sich unter anderem für engere Beziehungen mit Moskau ein. Und auch der ehemalige SPD-Chef Matthias Platzeck spricht sich, nun als Chef des Deutsch-Russisch-Forums, ebenso für festere Banden zwischen der deutschen und russischen Wirtschaft aus. Doch auch unter den Christdemokraten befinden sich viele Befürworter. So erkennt Angela Merkel in dem Projekt nur wirtschaftliche Interessen und keine außenpolitische Verantwortung.

Politik und Wirtschaft Hand in Hand

Damit steht die Kanzlerin dem ehemaligen Bundesumweltminister Norbert Röttgen gegenüber. Dieser sagte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, das Projekt sei energie- und außenpolitisch falsch – es widerspreche allem, was die EU an gemeinsamen Grundsätzen in der Energie- und Außenpolitik verabredet hätte. Seit 2014 ist Röttgen Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses und beschreibt die außenpolitischen Gefahren des Projekts so: „Polen, Balten und Ukrainer sehen durch dieses Pipeline-Projekt ihre Sicherheit bedroht. Die Bundesregierung sollte diese Sorgen anerkennen.“ Röttgen macht so deutlich, dass Nord Stream 2 ein politisches Projekt ist.

Das zeigt auch Marion Schellers Wechsel aus dem Bundeswirtschaftsministerium zu Nord Stream 2. Seit dem 1. Oktober ist sie Senior Advisor for Governmental Relations bei der Firma. Zum Glück für das Unternehmen unterliegt sie als Tarifangestellte nicht der Karenzregel. Zu ihren Aufgaben zählt es, den Kontakt zur Regierung und wichtigen Einzelpersonen zu pflegen. Dafür hat Scheller beste Voraussetzungen. Von 2011 bis 2013 leitete sie im Bundeskanzleramt das Büro von Altkanzler Helmut Kohl. Im Bundeswirtschaftsministerium war sie unter Gabriel Leiterin des Referats IIB6. Das Referat strukturiert die Energie- und Klimafonds, welche jährlich über drei Milliarden Euro verfügen. Das Geld soll die Energiewende vorantreiben. Für Nord Stream 2 versucht Scheller anscheinend Deutschland nun jedoch wieder abhängiger von russischem Gas zu machen. Denn durch den Doppelstrang würde die Bundesrepublik mehr Gas verbrauchen können. Damit wird gleichzeitig der Ausbau erneuerbarer Energien behindert, weil die Energienachfrage auf diese Weise gedeckt werden kann.

Solidarität der EU-Mitgliedsstaaten bedroht

Deswegen prüft die Europäische Kommission, ob die Pipeline überhaupt mit Europäischem Recht vereinbar ist. Am 25. Oktober sprach sich das Europäische Parlament in einer Resolution an die Kommission gegen den Bau von Nord Stream 2 aus. Durch die höhere Kapazität könne die Energiesicherheit der EU nicht geschützt werden. Würde Russland kein Gas mehr liefern, wäre der Energiebedarf nicht gedeckt. Die Vielfalt der Versorgungsquellen könne ebenso gefährdet sein. Denn wenn es mehr Gas gäbe, bestehe kein Zwang, auf erneuerbare Energien umzusteigen. Auch die Solidarität zwischen den Mitgliedsstaaten ist laut dem Parlament bedroht. Wenn Nord Stream 2 in Betrieb genommen würde, liefen weniger Gasimporte durch die Ukraine. Für die fielen dann jährliche Transitgebühren in Höhe von zwei Milliarden Euro weg. Das könnte ein weiterer Versuch des Kremls sein, das Land zu destabilisieren.

Um dem vorzubeugen, hat der ukrainische Gaskonzern Naftogaz Beschwerde bei der Europäischen Energiegemeinschaft eingereicht. Das ist Anlass für weitere Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern der Europäischen Union. Denn die ablehnende Haltung gegenüber dem Projekt entspringt auch nationalen Interessen. Besonders vor dem Hintergrund der 2014 verhängten Sanktionen gegen Russland werfen die Mitgliedsstaaten Deutschland ein doppeltes Spiel vor. Die Bundesrepublik verliert außenpolitisches Prestige, weil kein Land das Klammern der Bundesrepublik an der Pipeline begreifen kann.

Energiewende steht auf dem Spiel

Deutschland würde sich bei der Energiewende verstärkt auf russisches Gas verlassen und sich so in eine Abhängigkeit begeben. Jederzeit könnte Russland den Gashahn für die Bundesrepublik zudrehen und sie so politisch unter Druck setzen. Dadurch wäre die Energiesicherheit dahin und alle Bemühungen um die Vielfalt von Stromquellen für die Katz. Die angeblich geplante Versorgung durch erneuerbare Energien entpuppt sich als Farce.

Was bleibt, ist das Liebesspiel von Politik und Wirtschaft. Profiteure gibt es genug. Darunter leiden vor allem Polen und die Ukraine. Damit nicht genug: Das Projekt schadet dem Ansehen der Bundesrepublik, sorgt für Spannungen innerhalb der EU und bedroht die Energiewende. Die alten Freunde ignorieren das und pumpen fröhlich weiter Geld in ihre Taschen.

Christop Kuhlmann | Fr, 2. Dezember 2016 - 12:27

Die russisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen auf dem Energiesektor gehören, gerade beim Gas, zu den stabilsten Lieferanten-Kundenbeziehungen weltweit.
Wer russisches Gas substituieren will, der muss auch die Risiken der neuen Lieferanten beim Namen nennen. Abu Dingsbums vielleicht? Was ist beim nächsten arabischen Frühling? Russland braucht das deutsche Geld zur Finanzierung des Staatshaushaltes, Deutschland das russische Gas für eine sichere Energieversorgung. Die Proteste der Transitländer nennen den wahren Grund nicht. Diese Länder verlieren die Macht, die Gaslieferungen zu unterbrechen. Wenn es Störungen gab, dann immer wegen unbezahlter Rechnungen und illegal abgezweigter Mengen durch die Transitländer. Kein anderes Land in Europa tut soviel für den Energiemix und die zunehmende Autonomie in der Energieversorgung wie Deutschland. Dazu gehört auch die Pipeline nach Russland, einem Partner der seit ca. 50 Jahren ohne Erpressung zuverlässig liefert. Man muss halt zahlen können.

Ich stimme Herrn Kuhlmann voll zu. Es ist schon sonderbar, wie die Verhaltensmechanismen der einzelnen Länder in der EU funktonieren. Geht es um Eigeninteressen, verbittet man sich jede Einmischung. Geht es gegen Deutschland, sehen alle plötzlich EU-Interessen tangiert und wehren sich. Es ist noch in guter Erinnerung, wie die Ukraine, die ihre Gasrechnungen an Russland nicht bezahlt hatte, den Gashahn zudrehte und Europa um Hilfe erpresste. Wenn diese Transitländer künftig umgangen werden, ist das eine kluge Entscheidung, die Deutschland Energiesicherheit gibt. Als Parallele erwähne ich die deutsche Autobahngebühr, die durch EU-Kommission und andere Staaten so zerredet wurde, dass am Ende nichts Vernünftiges mehr davon übrig blieb. Es stünde Deutschland und seiner Regierung sicherlich gut an, auch einmal Politik zum Nutzen des eigenen Volkes zu machen, wie das jedes andere Land in der EU tut.

Lutz Hofmann | Di, 6. Dezember 2016 - 07:55

In reply to by Gerhard Brill

Die Entsolidarisierung innerhalb der EU ist Putins oberstes Ziel. Jedes europäisches Mitglied soll gefälligst seine eigenen Interessen vertreten. Putin macht schon den Rest. Die Pipeline dient einzig dem Zweck die Ukraine und Polen von wichtigen Einnahmequellen abzuschneiden. Deutschland braucht die Pipeline nicht. EEG läuft auf Hochtouren. Gasthermen werden schon in wenigen Jahren verboten sein. Peinlich ist, dass sich Schröder, Gabriel und weite Teile der SPD als Putins 5. Kolonne missbrauchen lassen.

Reiner Jornitz | Fr, 2. Dezember 2016 - 13:03

Zufälliger Weise arbeite ich in der Branche alternativen Energien und bin sprachlos welchen Coup die Bundesregierung da gelandet hat. Wie war das noch gleich: Zum Wohle des deutschen Volkes " so war mir Gott helfe! Wieviel Schaden bis zur Bundestagswahl 2017 muss noch getätigt werden , das man diesen Leuten das Handwerk legt. Allein im dem kleinen Niederbayern wird Strom aus alternativen Energien von 7 Atomkraftwerken in der Größe Temlins in der Chechoslowakei produziert. Wir sind fast komplett unabhängig von fremdem Strom ! Baut denn die Bundesregierung nur Mist? ohne unsere Nachbarn mit einzubeziehen. Ach ja, Georg Friedman , Präsidentenberater und Think-Tank Mitglied äußerte sich ! Europa ist für die USA uninteressant! Deutschland verkommt in den nächsten Jahren zu einen nicht einzuschätzender Staat wie eine Bananenrepublik und nicht als Vorbild für Europa bei dieser Bundesregierung. Frage ? Was kommt als nächstes ? Weihnachten steht vor der Tür!

Arndt Reichstätter | Fr, 2. Dezember 2016 - 13:15

Eigentlich sollte es eine Trennung von Staat und Wirtschaft geben. Eine staatliche Kartellbehörde, die Bedenken wegen Gefährdung des Wettbewerbs äußert, ist wie ein Serienmörder, der sich über die „Konkurrenz“ von skalpellschwingenden Ärzten beschwert.

Dass die Pipeline Deutsche abhängig von Russland macht, ist falsch, denn wir werden ja nicht gezwungen, das Gas zu kaufen. Und wenn die Russen ihre eigene Wirtschaft schwächen, indem sie ihr Gas staatlich fördern und uns dieses unter Marktpreisen verkaufen, dann sollten wir das ausnutzen.

Ob ehemalige Bürokraten nun Lobbyisten sind ist mir realpolitisch egal. Ökonomisch ist es nur ein Argument mehr für die von mir bereits beschriebene Trennung zwischen Staat und Wirtschaft.

Und „Klimapolitik“ gibt es nicht. Diese ganze Energiewende ist Unsinn und gehört aus den Händen des Militärs und ihrer ideologischen mittleren Angestellten geschlagen.

Folker Pappa | Fr, 2. Dezember 2016 - 13:38

Die Annahme, der Rückgriff auf Erdgas würde die Energiewende gefährden, ist schlicht falsch. Gas trägt lediglich 10% des deutschen Strommixes und ist dabei sauberer und effizienter als Kohle, die in Summe 44% ausmacht. Viel wichtiger ist Erdgas für die Gebäudeheizung, nämlich mit fast 50% in Deutschland. Hier ist Gas unverzichtbar und derzeit der beste Kompromiss zwischen Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit. Um effektiv Klimaschutz zu betreiben, sollten wir GERADE auf Erdgas setzen, um Kohle und Öl sukzessive zurückzuschrauben.
Mit der Nord Stream 2 erhöhen wir tatsächlich unsere Abhängigkeit von Russland. Der irrationale Widerstand gegen unkonventionelle Gasförderung in Deutschland trägt dazu allerdings wesentlich bei. Anscheinend ist es den Naturschutz-NGOs lieber, dass sibirisches Erdgas nach russischen „Umweltstandards“ gefördert wird, statt dass wir heimische Vorkommen nach eigenen Maßstäben erschließen und uns energiepolitisch unabhängiger machen.

Heinrich Späth | Fr, 2. Dezember 2016 - 13:55

... würde man ihn als Verschwörungstheorie bezeichnen ;) Angst und Unsicherheit allerorten. Viel hätte, wäre, wenn garniert mit einem dicken Fehler: Gaskraftwärme sind umweltfreudlich und können einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten. Erstens sind sie die einzigen Kraftwerke, die sich verhältnismäßig schnell hochfahren lassen - damit können sie also die stark schwankenden Stromerträge von Wind- und Solar ausgleichen. Ohne solche Regelleistung ist die Energiewende nicht zu schaffen.
Zweitens entsteht weniger CO2 als bei der Kohleverbrennung, minus ne Menge anderer Schadstoffe (Quecksilber, etc.). Drittens sind dezentrale Kleinkraftwerke mit Gas einfach zu haben und kommen durch Ausnutzung der Wärmeleistung auf über 80% Wirkungsgrad.
Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass russisches Gas selbst zu Hochzeiten des kalten Krieges zuverlässig geliefert wurde. Meint der Autor wirklich, dass die Zeiten aktuell NOCH schlimmer sind? Falls ja warum?

helmut armbruster | Fr, 2. Dezember 2016 - 14:23

So steht es im Artikel. Worin soll dieses Leiden bestehen?
kommt weniger Gas über ihre Länder, dann könnten sie auch weniger Gas illegal für sich abzweigen. Und außerdem könnten sie nicht mehr den Gastransit nach D behindern um erpresserisch ihre Forderungen durchzusetzen.
Wenn das ein Leiden sein soll, dann muss ich jeden Dieb bemitleiden, dem man die Gelegenheit zu stehlen genommen hat.

Christa Wallau | Fr, 2. Dezember 2016 - 14:30

Die Energiepolitik zeigt exemplarisch auf, daß jedes Land in Europa weiterhin sich selbst der Nächste ist und seinen eigenen Nutzen, Vorteil oder möglichen Nachteil im Visier hat. Das ist nicht verwunderlich oder gar zu kritisieren, weil es vollkommen natürlich ist.
Was denn sonst?
Das ganze Gerede von einer gemeinsamen Politik in der EU ist bloßes Geschwafel, wie neben der Energiepolitik auch die Außen-, FLüchtlings- , Steuerpolitik usw. zeigen.
Warum setzt man nicht endlich die verlogene EU zurück auf "Start" und beginnt mit der Gemeinsamkeit entweder dort, wo das Ganze noch EWG hieß oder verhandelt total neu, was m. E. noch besser wäre, vor allem im Hinblick auf die falsche Landwirtschaftspolitik.

Juergen Placzek | Fr, 2. Dezember 2016 - 14:33

warum sollten sie der BRD das Gas abdrehen,selbst zu Zeiten der UdSSR wurde pünktlich geliefert.Die Ukraine hat immer Gas aus der Pipeline abgezweigt.Pölen und die Ukraine können doch weiterhin Gas aus Russland beziehen.
Baltische Länder haben schon Flüssigkeitsterminals gebaut,um selbiges von ihrennTransatlantischen Freunden zu beziehen
und nicht von ihrem verhaßten Nachbarn.Gasturbinen sind schnell einsetzbar
um bei nachlassendem Wind schnell Energie erzeugen zu können.Wird sind auch von Erdöllieferanten abhängig.Die USA können doch eine Pipeline nach Europa verlegen.

Hartmut Müller | Fr, 2. Dezember 2016 - 14:50

Bitte nochmal auf Null und das ganze von vorn!
Sehr einseitig betrachtet! Warum sind denn die Ukraine und Polen immmer die guten???
Egal von wem wir Erdgas beziehen würden, Deutschland würde sich immer von dem Hauptlieferanten abhängig machen!
Und tun Sie bitte nicht, was in puncto energiewende sämtlichst alle Politiker tun - zu unterschlagen, daß die BR Deutschland im nördlichen Teil europas liegt! Was bedeutet, dass wir hier, trotz Klimawandel immernoch den winter haben und geheißt werden muss. Wenn wir keine Kohle mehr fördern und kaum eigenes Erdgas und Erdöl haben, womit dann?!

Bernhard Jasper | Fr, 2. Dezember 2016 - 15:29

Herr Christoph Kuhlmann, vielen Dank für Ihren Kommentar!

Was ist eigentlich mit unserem Journalismus los, fragt man sich als Bürger in diesen Zeiten. Ich persönlich war selber einmal in Russland tätig und hatte als „Deutscher“ auf der Projekt-Arbeits-Ebene nicht die geringsten Probleme, ebenso nicht politisch. Wir waren gern gesehene Partner (Stichwort Technologietransfer). Die Zusammenarbeit war sehr gut. Und wenn man mal mit der Moskauer Metro gefahren ist, wo einige Stationen Kronleuchter, Mosaiken, Skulpturen sowie Säulen aus Marmor schmücken, merkt man auch, dass man irgendwie immer noch in Europa ist.

bernhard willis | Fr, 2. Dezember 2016 - 15:39

Die Landwirtschaft und andere Produzenten zu halbherzigen Sanktionen zwängen und auf der anderen Seite Gas in großem Umfang abnehmen, damit sich die Genossen und andere Geschmierte die Taschen füllen können.
Hoffentlich gibt es einen Gott und hoffentlich gilt dann NT Markus 10, 23

Bernhard K. Kopp | Fr, 2. Dezember 2016 - 16:28

Ausserdem ist sie sehr relativ. Gas lässt sich verdichten und speichern, sodass die Diversität der Versorgung nicht kurzfristig zum Problem werden kann. Polen und die Balten können sehr leicht mit kurzer Leitung auch Gas aus Deutschland bekommen. Auch die Ungarn und die Balkanländer. Die Ukraine war noch nie ein besonders verlässlicher Durchleitpartner, weder für die Russen noch für die Europäer, weil sie notorisch Gas abzweigen/stehlen. Von Gasprinzessin und Gas-Oligarchen ganz zu schweigen. Gasprom bekommt für das Gas in Europa ein Vielfaches dessen, was die russischen Industrieunternehmen und Endkonsumenten bezahlen, und noch lange werden bezahlen können. Sie brauchen die Euro !

Volker Krull | Fr, 2. Dezember 2016 - 16:30

Der Artikel ist doch sehr einseitig gegen Russland gerichtet. Deutschland kann frei wählen wie es sein Erdgas einkaufen möchte.
Vermutlich ist es politisch schlecht, wenn man die Rohstoffe Gas/Erdöl in Euro anstatt Dollar bezahlt.
Polen wurde ein Direktpiplineanschluss angeboten, wurde aber von Polen abgelehnt. US Interessen: Hunter Biden, Sohn des US-Vizepräsidenten arbeitet für einen ukrainischen Gaskonzern. Die USA haben Lizenzen um grosse Mengen Gas in der Ukraine zu fördern, welches die EU dann teuer bezahlen könnte. (Quelle: Spiegel Online 14 Mai 2014). Alles ist eine Frage des Preises. Erpressung droht uns eher von der Ukraine und arabischen Ländern (Dollar System) als wie von Russland.
Flüssiggas per Schiff ( aus Australien, Usa, Kanada, Katar) ist sehr viel teurer. Polen hat teure Flüssigasterminals gebaut, welche wegen des hohen Flüssigaspreises derzeit nicht gebraucht werden. Die politische Motivation von Polen und Ukranie ist hier klar erkennbar gegen Deutschland.

Jürgen Lehmann | Fr, 2. Dezember 2016 - 18:29

Hier muss ich ausnahmsweise einmal Frau Merkel zustimmen.
Erdgas ist eine umweltfreundliche Energie und Russland ein immer zuverlässiger Geschäftspartner. Geschäfte mit diesem Land sind jederzeit einem islamistischen Land vorzuziehen (oder wünschen sich die Gegner von Putin lieber Atomstrom aus Ländern außerhalb der BRD?).

Polen, Balten und Ukrainer sollen sich um ihre eigenen Probleme kümmern - und davon gibt es mehr als genug (z.B. das miserable BIP, trotz laufend fließender Milliarden Euro aus dem EU-Topf)

Es bleibt zu hoffen, dass Nord Stream 2 bald umgesetzt wird.

Joost Verveen | Fr, 2. Dezember 2016 - 20:00

Gilt erst recht für irgendwelche osteurop. Minidikatoren die die Pipeline anzapfen. Abgesehen davon ist die Beschwerde der Polen schlicht lächerlich, denn in der Eu dürfen nur die westl. Multis plus (die polnische) Orlen Benzin verkaufen. Die russischen Konzerne nicht. Die Polen kaufen den Sprit billigst in Russland und verkaufen ihn teuer in D. Wenn es nach mir ginge, dann hört dieser Besch... sofort auf und die russische Gazprom kann in D sofort ihr eigenes Tankstellennetz aufbauen.

Fred Sonnleitner | Fr, 2. Dezember 2016 - 22:53

Der Artikel sollte etwas differenzierter einsteigen. Die Klimarettung ist eine deutsche Edel-Marotte, kommt direkt vor der Weltall-Rettung durch Frau Merkel und ist hinsichtlich unserer Gasversorgung völlig ohne Belang. Wenn wir eine Pipeline ziehen, so geht das die Anrainerstaaten einen feuchten Kehricht an. Sie würden für uns im Zweifelsfall keinen Finger rühren und haben bisher ausschließlich die Hand aufgehalten und stets von Neuem geklagt. Das brauchen wir nicht länger.

Volker Leyendecker | Sa, 3. Dezember 2016 - 09:01

Warum lässt sich Deutschland immer noch am Nasenring wie ein Ochse von der EU gängeln ? Nur wenn es ums Bezahlen geht darf Deutschland die Taschen sehr weit aufmachen ! Ansonsten hat Deutschland zu kuschen. Die EU bricht alle selbst gesetzten Rechtsvorschriften, nur wenn Deutschland, wie auch andere Länder Maut erheben will ist die Freizügigkeit in großer Gefahr dann wird die Maut so eingeschränkt das nichts mehr für die Straßensanierung übrig bleibt. Das Gasgeschäft sieht doch genau so aus. Deutschland bezahlt und alle anderen werden durch Lieferungen aus der EU ihr Gas bekommen. Wie lange lässt sich das der Deutsche Steuerzahler noch gefallen ??

Benno Pluder | Sa, 3. Dezember 2016 - 09:58

Mit der neuen Pipeline erhöhen die Bundesregierung und Russland unsere Sicherheit vor den politisch unsicheren und ökonomisch instabilen Kantonisten Polen und Ukraine. Russland war jederzeit ein Garant von Stabilität in Fragen wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Welchen Grund sollte dieses Land, abhängig von Rohstoffexporten, haben, diesen Ruf aufs Spiel zu setzen?
Gern noch eine dritte Leitung.

Harro Meyer | Sa, 3. Dezember 2016 - 12:10

Energiewende mit wirtschaftlichen, d.h. bezahlbaren Kosten, das soll man mir mal beweisen! Im Augenblick kommt die elektrische Energie zu fast 50% aus fossilen und 30% aus atomarer Herstellung und ist immer noch zu teuer; und das ohne Gebäudeheizung. Solange diese Wende nur aus dem unbewiesenen Wahn einiger Hysteriker besteht, danke ich dem Herrn Schröder für seine Bemühungen. Er hat uns ja schon einmal uns auf den richtigen Weg gebracht, und nicht die Probleme einfach ausgesessen.

Ruth Müller | Sa, 3. Dezember 2016 - 14:34

Die Russen wollen leben und wir wollen in beheizten Wohnungen kuscheln. Wer hat hiermit ein Problem?
Alle "Schwätzer" (Entschuldigung im Voraus!) im Forum sind Menschen die in beheizten Wohnungen vor dem China-Menschrechts-Computer sitzen und mit Wahabiten-Öl Ihre Autos betanken und Kleidung aus Bangladesh etc. auf dem Leib tragen und Urlaub in Ländern machen - die moralisch nicht einwandfrei sind.
Oje - diese Scheinheiligkeit.
Das musste jetzt raus.
Wahrheit tut immer weh.

Wilhelm Maier | Sa, 3. Dezember 2016 - 16:04

Also, wen paar kranke Nachbar von links unter Paranoia leiden, soll ich dann bei anderem Nachbar von rechts keine Hühnereier kaufen?. Kann ich das alles aus (eventuell) altersbedingte Gründe nicht begreifen.
Sie denken halt anders, Fr. Chiara Thies. Und, glaube ich, einseitig!.
Und wen ich auf den Markt gehe zu Eier kaufen kann ich doch wohl auch frei wählen? .Oder?.
„Polen, Balten und Ukrainer sehen durch dieses Pipeline-Projekt ihre Sicherheit bedroht. Die Bundesregierung sollte diese Sorgen anerkennen.“ so der ehemaligen Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Krankhaft!. (Krankheit s. oben.)Mit so einer Neocons-außenpolitik kommt er nicht weit. Bestimmt!.
Es soll man dem Gerhard Schröder dankbar sein für seine Weitsicht, nicht nur für
Nord Stream , aber AUCH für absage an der Beteiligung im Irakkrieg. Das war sehr mutig. Von jetziger Politik- nicht zu erwarten.
Ich Danke Herr Schröder.
Er hat auch Fehler gemacht, aber für vieleSachen: Danke Herr Schröder.

Max Hoffmann | Sa, 3. Dezember 2016 - 17:04

Fassen wir mal zusammen: Nordstream 2 (NS 2) verbessert die Gasversorgung der BRD.
NS 2 hebelt die sog. Energiewende der BRD aus.
NS 2 ist Brüssel ein Dorn im Auge.
NS 2 verhindert, dass die Ukraine russisches Gas klaut und von der BRD bezahlen lässt.
NS 2 verbessert die Beziehungen zwischen Russland und der BRD.

Ich sehe rundum nur Vorteile bei dem Projekt. Wer gegen NS 2 ist, handelt gegen die Interessen der BRD und ihrer Bürger.

Ruth Falk | Sa, 3. Dezember 2016 - 18:19

Kaum ein anderes Thema in dem soviel Schrott produziert wird wie beim "Klimawandel". Dabei gabs schon immer Kaltzeiten und Warmzeiten, auch in der kürzeren Geschichte. Ein anständiger Vulkanausbruch produziert mehr CO2 als alle Industrie der Welt. Das ist die eine Seite.
Mit der Überisolierung der Häuser (dabei erhöhter Brandgefahr) und dem Aufbau erneuerbarer Energie lässt sich vorzüglich Geld machen. Ich jedenfalls möchte keine kreischende Windmühle, die dazu noch Vögel und wahrscheinlich auch Bienen zermalmt, vor meinem Fenster haben. Hat eigentlich wer mal ausgerechnet, wieviel und welches Material dafür investiert werden muss, und wie lang die Amortisation dauert?
Durch Gasprom abhängig von Putin? Der tut, was für SEIN Land gut ist, er wird den Schieber nicht zumachen, wenn die Rechnung bezahlt wird. Aber OPEKs haben schon oft mit Ölmanipulationen die Welt erpresst. Und Gas ist sauberer als Kohle und Öl.
Für wie doof hält man eigentlich die Menschen?

Robert Flag | Mo, 5. Dezember 2016 - 12:37

In reply to by Ruth Falk

Ich möchte lieber zehn Windmühlen vor meinem Fenster haben, als ein einziges Atomkraftwerk !

Ruth Falk | Mi, 7. Dezember 2016 - 14:20

In reply to by Robert Flag

Als ob nur AKWs die Alternative wären, das ist an der Realität vorbei. Waren Sie denn schon mal bei normalem Wind in einem Windpark? Ich wette: nein (oder hatten Ohrschützer auf). Oder wurden Sie schon mal von einem Feld von Sonnenkollektoren geblendet? Auch noch nicht? Also, was ist falsch an einer zweiten Gasleitung. Nur weil Putin, warum auch immer, unbeliebt ist, das ist kein Grund. Er wird liefern, wenn die Rechnung bezahlt wird, und wenn ihn niemand beklaut, wie das die Ukraine versucht hat.
Bleiben Sie bitte sachlich.

Ruth Falk | Do, 8. Dezember 2016 - 00:01

In reply to by Robert Flag

Sie haben bestimmt noch nicht den Krach eines Windparks gehört, und sind sicher noch nie von einem Feld von Sonnenkollektoren geblendet worden. AKWs kann auch ich nicht ab, weil unbeherrschbar. Aber bei dem immer wachsenden Energiebedarf ist Gas eine vernünftige Quelle. Nur weil ein paar Leute Putin nicht leiden können, und AM vom grossen Weltbeschützer USA zum dümmsten aller Embargos, weil "ein Schuss ins Knie", angewiesen wurde, muss man sich doch nicht den Manipulationen der Ölsheichs aussetzen. Putin liefert, wenn die Rechnung bezahlt wird, und bei einer Direktleitung kann auch keiner "abzweigen".

Josef Garnweitner | Mo, 5. Dezember 2016 - 14:19

In reply to by Ruth Falk

Sie liegen genau richtig. Ich habe schon vor Urzeiten gefragt, weshalb niemand eine Gesamtenergiebilanz veröffentlicht. Wieviel Energie wird z.B. zur Herstellung von Styropor gebraucht. Dazu kommt, daß eine sog. moderne Wohnung heutzutage eine Zwangslüftungsanlage braucht, sonst ist sie in kurzer Zeit total verschimmelt. Es kursiert eine Zahl von ca. 1 Mio. Wohnungen, die praktisch entkernt werden müssen, weil sie völig verschimmelt sind. Ich behaupte, daß da ganz bewußt gelogen - oder nennen wir es Fakten verschwiegen werden - denn sonst müßte die Politik zugeben, daß diese Irrsinnsisolierung keinen Sinn ergibt, sondern nur Teilen der Wirtschaft nützt. Wo liegt der tatsächliche Wirkungsgrad der Wiindanlagen usw. usw. Ebenso wie alle "alternativen" Energien plötzlich nicht mehr so toll ausschauen würden.

Aber Sie wissen doch, alles was der Industrie nicht ins Konzept paßt, wird von der Politik schöngeredet. Wofür sonst werden tausende von Lobbyisten fürstlich bezahlt. Wie J. Fischer

Alexander Mazurek | So, 4. Dezember 2016 - 01:08

... gehört zu Europa, wie die Butter zum Fisch. Fakt. Der europäische "Westen" hat bisher den europäischen "Osten" immer wieder verraten, angefangen mit Byzanz, über den Ex-/Import von Lenin (Bolschewismus), über den Verrat an Gorbatschow und jetzt beim Verrat der Interessen eigener Bürger für das Interesse des 0,01%, der Plutokraten dieser Welt. Wahrlich kein Ruhmesblatt. Aber konsequent. Vielleicht, aber nur vielleicht, macht ein Trump dem ein Ende.

Arnold Heisterbach | So, 4. Dezember 2016 - 07:58

"Auch die Solidarität zwischen den Mitgliedsstaaten ist laut dem Parlament bedroht. Wenn Nord Stream 2 in Betrieb genommen würde, liefen weniger Gasimporte durch die Ukraine."

Und jedes Kind weiss, dass die Ukraine kein Mitgliedsstaat ist.

Sven Bergmann | So, 4. Dezember 2016 - 08:53

Bewertete man die politischen Abhängigkeiten im Erdöl mit gleichem Maßstab, müsste es eine Revolution geben.
Denn gegen arabische Großaktionäre und ihre politische Einflussnahme ist eine zweite Gasstrippe nun wirklich Peanuts.

Hauptsache, man kann irgendein Grossbauwerk verhindern, daran krallt sich ja immer mehr politischer Handlungswille fest.

Natürlich ist die zweite Pipeline auch ein politisches Projekt.
Und natürlich reagieren Staaten, die vom Status quo profitieren, verschnupft.
Und?

Es bleibt die Thematisierung des deutsch-russischen Verhältnisses, das nicht so gut sein darf wie es könnte.

Nicolas Wol | So, 4. Dezember 2016 - 09:13

Seid wann ist denn die Ukraine ein EU Mitgliedstaat? "Solidarität der EU-Mitgliedsstaaten bedroht" steht im Artikel als Unterüberschrift und dann wird aufgeführt, dass die Ukraine durch Pipeline Geld verliert, sonst nix. Auch wenn ich durchaus der Meinung bin, dass die Ukraine unsere Solidartät erhalten sollte, sehe ich keinen Grund sie einfach mal zur EU zu zählen.

Auch der Energiewendeteil ist pure Propaganda, naja damit passt er zum Thema. Erdgas setzt bei der Verbrennung für die gleiche Energieabgabe nur rund 3/4 so viel CO2 wie andere fossile Energiequellen frei. Das bedeutet überspitzt, würde Deutschland ab morgen nur noch Erdgas benutzen um damit den Energiebedarf zu decken (das ist technisch nicht möglich, da wir dafür nicht genügend Kraftwerke etc. haben) würde die Deutschen CO2 Emmissionen um 25% sinken. Das ist eine große Zahl im Vergleich zu dem nahezu nichts was die Energiewende bisher auf die Reihe bekommen hat.

Wie wäre es denn mal wenn man bei den Fakten bleibt?

Jan Lolling | So, 4. Dezember 2016 - 13:50

Zitat: "Das könnte ein weiterer Versuch des Kremls sein, das Land zu destabilisieren."
1. Wieso destabilisiert "der Kreml" die Ukraine? Das haben doch wohl die USA schon erfolgreich geschafft, sa braucht es kein Russland.
2. Wieso ist der Wegfall von zusätzlichen Kosten auf einmal schlecht? Die Ukraine erbringt keine weitere Leistung und bekommt dann auch weniger Geld - so what...
3. Wieso wird die Sicherheit von Polen und der Ukraine gefährdet wenn die Pipeline nicht durch diese Länder gebaut wird?
Das macht doch alles keinen Sinn.

Josef Garnweitner | So, 4. Dezember 2016 - 15:59

scheinbar noch nicht herumgesprochen, daß die Wirtschaft, die Finanzwelt eigentlich, die Politik bestimmt und nicht umgekehrt. Jedenfalls in den meisten Ländern dieser Welt. Die wirklichen Strippenzieher sitzen in der Wirtschaft und da wiederum hauptsächlich in den USA.

Nur Deutschland macht eine Ausnahme, da wird gegen die Wirtschaft und gegen die Bevölkerung regiert. Es wäre interessant zu erfahren, wer diesen Kurs wirklich bestimmt.

Steffen Ebert | Mi, 7. Dezember 2016 - 16:13

Sehr geehrte Frau Thies, sehr geehrter Herr Schwennicke,
bezugnehmend auf diesen Artikel wenden wir uns heute an Sie, um einen Beitrag zur sachlichen Diskussion unseres Projektes zu leisten. Angesichts der wachsenden Polemik möchten wir Fakten liefern. Dass wir mit unserer Sichtweise jedoch nicht ganz allein sind, zeigen uns die Kommentare auf Ihrer Seite.
Es ist unstrittig, dass die Eigenproduktion von Gas in der EU sinken wird, insbesondere in der Nordsee. Selbst bei stagnierendem Bedarf muss deshalb ein Viertel des gegenwärtigen Verbrauchs zusätzlich importiert werden. Diese Lücke kann durch russisches Gas ebenso wie durch verflüssigtes Erdgas (LNG) gefüllt werden und nur der Wettbewerb wird über die Verteilung entscheiden. Nord Stream 2 ist nur ein Teil der Lösung.
Das Pipeline-Projekt stärkt somit nach Expertenmeinung zweifelsfrei die Versorgungssicherheit.

Steffen Ebert | Mi, 7. Dezember 2016 - 16:14

Die Aussage, das Projekt widerspreche „allem, was die EU an gemeinsamen Grundsätzen in der Energie- und Außenpolitik verabredet hätte“, trifft demnach nicht zu. Versorgungssicherheit ist erstes Ziel der EU-Energiepolitik. Durch die Diversifizierung können die meisten Versorger in Europa bereits heute ihr Gas aus mehreren Quellen wählen – ganz im Sinne der Energiepolitik der EU. Nord Stream 2 beansprucht im Übrigen keine Ausnahmen von den Regeln des europäischen Energiebinnenmarkts. Im Gegenteil gehen wir davon aus, dass die Pipeline genauso wie alle anderen vergleichbaren Pipelines behandelt wird, die Gas von außerhalb des EU-Binnenmarktes an die Außengrenzen des Binnenmarkts transportieren.
Zur vermeintlich zunehmenden Abhängigkeit von russischem Erdgas ist festzustellen, dass der russische Anteil 30 % des Gasverbrauchs in der EU ausmacht – und nur 6 % des gesamten Energieverbrauchs.

Steffen Ebert | Mi, 7. Dezember 2016 - 16:15

Daran wird auch Nord Stream 2 nichts Wesentliches ändern. Vielmehr müssen der Vergangenheit angehörende Vorwürfe wie Abhängigkeit oder Monopol als Ausdruck von wirtschaftlichen Interessen verstanden werden: Transitgebühren, LNG-Exportambitionen beispielsweise der USA oder die polnischen Pläne, ein nordosteuropäischer Hub zu werden. Derartige legitime Wirtschaftsziele sollten jedoch nicht hinter politischen Argumenten versteckt werden.
Dass das Vorhaben Nord Stream 2 auf gründlichen wirtschaftlichen Überlegungen beruht, zeigt sich auch daran, dass die westeuropäischen Partner weiterhin am Projekt festhalten. Unter anderem schreiben Sie, nach dem Einspruch der polnischen Wettbewerbsbehörden seien diese „abgesprungen“. Auch nach der Aufhebung des Gesellschaftervertrages haben jedoch die beteiligten Unternehmen in jüngerer Zeit mehrfach betont, dass sie intensiv an anderen Formen der Zusammenarbeit für das Projekt arbeiten.

Steffen Ebert | Mi, 7. Dezember 2016 - 16:15

Auch zur Erreichung der Klimaziele der EU trägt Nord Stream 2 bei, denn durch die Nutzung von Erdgas statt Kohle in der Stromerzeugung kann der CO2-Ausstoß umfassend gesenkt werden: Gaskraftwerke setzen nur halb so viel CO2 frei wie Kohlekraftwerke und sind effizienter. Erdgas könnte den CO2-Ausstoß der EU-Stromerzeugung um 14 % senken, wenn es anstatt von Kohle eingesetzt würde. Deshalb ist Erdgas ein objektiv strategischer Partner der Erneuerbaren auch in Zukunft sowie eine Voraussetzung für die Erreichung der EU-Klimaziele, und keine „Behinderung“ der Energiewende, wie oben dargestellt.
Unser Beitrag zum wachsenden Wettbewerb im Sinne der EU-Bürger ist, erneut höchste Standards für technische Sicherheit, für Minimierung von Umwelteinflüssen sowie für effektive Projektumsetzung zu setzen. Diese und weitere Aspekte können wir gern in einem persönlichen Gespräch erläutern, da es aus unserer Sicht bei der Erarbeitung von Inhalten unabdingbar ist, mit den Betroffenen selbst zu sprechen.

Marianne Stuber | So, 11. Dezember 2016 - 09:36

Wir sollten endlich aufhören, Russland als unseren Erzfeind zu sehen. Russland ist unser Nachbar! Die Vorgaben aus Amerika die von Angela Merkel devot ausgeführt werden,sind nicht zu unserem Vorteil. Wir brauchen die Gaspipeline und zwar ohne Umwege. Die Interessen Deutschlands sollten endlich wieder erste Priorität haben.

André Kalinowski | Mi, 14. Dezember 2016 - 21:18

Dass die Ukraine vor Jahren mal ihre Gasrechnung nicht bezahlte, woraufhin Russland 2 Wochen lang den Hahn zudrehte, reichte, dass der Hühnerhaufen in Brüssel 2009 vollkommen panisch eine „Diversifizierung“ seiner Gasimporte beschloss und wegen der herumzickenden Ukraine „diversifiziertes“ Erdgas bestellte.

Der Preis dafür sind tote und entwurzelte Syrer.

Von daher ist es nur gerecht, dass die gehirnamputierte EU jetzt dieses Flüchtlingsproblem am Hals hat und infolge dieses Problems politische Köpfe rollen werden bis der Kontinent wieder bei Verstand ist.

Karl Johansson | Do, 5. Januar 2017 - 18:18

Die Naivität der Deutschen, sich von Putin abhängig machen ist unglaublich.
Die Schweden haben Nordstream den Zugang zu dem Hafen Slite auf Gotland untersagt.
Ex-Bundeskanzler Schröder sitzt bei den Russen im Verwaltungsrat, Ex-General Kujat in dem Beirat eines russischen think tanks und wandert als Putinversteher durch all Talkshows..
Kann das denn wahr sein?

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