Brexit - Deutsche Härte ist fehl am Platz

Die Arroganz, mit der die EU in die Brexit-Verhandlungen geht, ist so unangebracht wie kontraproduktiv, schreibt der Wirtschaftswissenschaftler Gunnar Heinsohn. Großbritanniens Position ist besser als angenommen. Deutschland ist gezwungen, von seinen Schwächen abzulenken

Theresa May lächelt. Hinter ihr die britische Flagge
Im Moment kann Premierministerin Theresa May bessere Laune haben als ihre europäischen Gegner / picture alliance

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Gunnar Heinsohn lehrt Militärdemografie am NATO Defense College in Rom und Eigentumsökonomie am Management-Zentrum St. Gallen. 

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Gunnar Heinsohn

Theresa May formuliert am 17. Januar 2017 ihre Prognose für den Brexit-Vollzug: „Ich weiß, dass etliche Stimmen einen für uns schädlichen Deal fordern, um Großbritannien zu bestrafen und andere Länder davon abzubringen, denselben Weg zu gehen“. Unverhohlene Freude verspürt denn auch Deutschlands Kanzlerin am 29. April über das Verstreichen von nur vier Minuten, bis 27 EU-Mitglieder den Fehdehandschuh über den Kanal schleudern: „Das ist bisher extrem gut gelungen“, strahlt sie in die Kameras.  

„Der Brexit kann kein Erfolg werden“

Erst wenn London 100 Milliarden Euro Scheidungskosten akzeptiere, könnten Verhandlungen überhaupt beginnen. EU-Experten wissen, dass es keine Rechtsbasis für diese Summe gibt. Am Ende jedoch werde Großbritannien immer noch schlechter dastehen als die Türkei. Merkels Botschaft wird am 26. April 2017 durch Jean-Claude Juncker sogar direkt an Mays Esstisch in Downing Street 10 verkündet: „Der Brexit kann kein Erfolg werden.“  Sicherheitshalber keilt die Kanzlerin am 27. April noch einmal nach. Niemand in Großbritannien solle sich „Illusionen machen“, der Brexit werde eine kostspielige Niederlage. Wer anderes erwarte, gewinne lediglich „vergeudete Zeit“.

Merkels Parole „Deutschland ist stark“, mit der sie 2015 nach dem Hereinholen von Millionen Fremden antrat, soll die Wähler auch diesmal beflügeln. Doch wie groß ist diese Kraft wirklich? Vorsichtige heben warnend hervor, dass die hiesige Industrie 2016 für 86 Milliarden Euro ins Vereinigte Königreich exportierte, während im Gegenzug Waren für nur rund 36 Milliarden hereinkamen. Die daraus resultierende Gefährdung einheimischer Unternehmer und Arbeitnehmer ist gewiss unstrittig, verbirgt aber viel tieferliegende Schwächen.

Die stolze Führungsmacht unter Englands Gegnern erreicht schon beim Prokopfeinkommen unter den 27 Mitgliedstaaten der EU gerade mal den 5. Platz, ist aber mit 14,3 Milliarden Euro Hauptzahler der Gemeinschaft. London folgt mit alsbald wegfallenden 11,5 Milliarden. 22 Nationen, die am 29. April gegen May scheinbar einträchtig mitzogen, sind sogar ärmer als die Deutschen. 15 der 27 Länder von Estland bis Portugal und Griechenland sind Empfänger von EU-Geldern. Ihre 170 Millionen Einwohner rechnen für die antienglische Treue auf zusätzliche Megabeträge aus Berlin für den Ausgleich der entfallenden britischen Zahlungen. Wie heftig es beim Ausbleiben deutscher Milliarden zugehen kann, demonstriert – seit Rettungsbeginn im Jahre 2010 – Athen, das ungehemmt mit „Flüchtlingswellen“ droht oder viele hundert Milliarden für die NS-Zeit einfordert.

Ringen um den erfolgreichen Nachwuchs

Merkel marschiert also mit 15 Fußkranken, die gleichwohl schmerzhaft nach ihren Hacken schnappen können, während May frei von solchen Handicaps agieren kann. Überdies behält die britische Regierungschefin  ihre Stärken. Mit einem Durchschnittsalter von knapp 41 Jahren wirken ihre Bürger gegen Deutschlands 47 Jahre geradezu frisch. Beim Bevölkerungsverhältnis soll Deutschlands Vorsprung von 81:65 Millionen (2015) bis 2040 abschmelzen auf 77:73 Millionen. Fremde Talente, die ohnehin englischsprachige Territorien bevorzugen, kann May mit einer Steuer- und Abgabenquote von 35 Prozent gegen 40 Prozent in Deutschland anlocken, wo man gerade die jungen Tüchtigen, die in der globalen Konkurrenz noch mithalten können, mit Extremsteuern aus dem Lande treibt.

Neubürger des Königreiches treffen überdies auf einen Nachwuchs, der 2015 unter 1000 Schülern 166 Mathekönner aufbietet, während es zwischen Rhein und Oder nur noch 51 sind. Das deutsche Fiasko bei den Innovationsträgern von morgen ist schon lange bekannt. Bei Pisa 2012 schnitten 508 von 1000 Migrantenkindern mangelhaft bis unbenotbar schlecht ab. 42 Prozent bis 78 Prozent der hiesigen Muslime leben von Hartz IV. Unter den Neuankömmlingen von 2015 ist nur jeder Siebte auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar. Die Kosten allein für sie und ihre Nachzügler bis 2020 werden auf 1,5 Billionen Euro veranschlagt

Großbritannien sorgt sich selbst um seine Sicherheit 

Geht es um äußere Sicherheit, soll Berlin seinen Verteidigungshaushalt um 25 Milliarden Euro jährlich erhöhen, um Amerikas Nuklearschutz zu behalten. Großbritannien dagegen schützt sich mit eigenen Atomwaffen, international erfahrenen Streitkräften und ist im UNO-Sicherheitsrat dabei. Mit den Geheimdiensten Kanadas, Australiens, Neuseelands und der USA arbeitet es in den Five Eyes zusammen, die mit dafür sorgen, dass die 460 Millionen Anglo-Bürger auf knapp 28 Millionen Quadratkilometern in Sicherheit bleiben. 

Sie sind andere Kaliber als die 15 Kostgänger, an die Deutschland sich gekettet hat und sie mögen es nicht, wenn man einem von ihnen ans Leder will. Deshalb wirkt der Stolz erstaunlich, mit dem sich Junckers deutscher Stabschef Martin Selmayr als Monster, Rasputin oder Darth Vader im Dienst gegen die Briten bezeichnen lässt. Er erzeugt in England zwar keine Angst, steigert aber dafür den Zusammenhalt. Selbst heftigste Brexit-Gegner wie Tony Blair oder die Autoren des Economist warnen, dass teutonische Strafankündigungen sogar Gegner Mays auf die Seite der Tories treiben. All das verhallt ungehört. 

Von Deutschlands Schwächen ablenken

Nun ist die Schlacht im Gange. „Brüsseler Bürokraten werden uns nicht über den Haufen rennen“, eröffnete May am 3. Mai. Die so siegesgewiss auftretende Kanzlerin machte mit einer kosmetischen Distanzierung von Junckers Ton bereits einen kleinen Rückzieher. Sie muss von Deutschlands Schwächen ablenken. Werden die offensichtlich, könnten andere Nettozahler – neben den Skandinaviern vor allem die am tiefsten mit der britischen Ökonomie verwobenen Niederländer – zur Vernunft mahnen. Die Scharfmacherei gegen den natürlichen Partner London kann ihnen nicht gefallen. Auch sie würden die EU-Personenfreizügigkeit gerne so verändern, dass sie erhalten bleibt, ohne die Starken zu ruinieren.

Dazu muss man lediglich die Freiheit der Arbeitsplatzwahl abtrennen von der freien Wahl des Sozialhilfebezugs. Die Bundesrepublik hat an einer solchen Reform das stärkste Interesse. Immerhin sprang die Zahl der Nicht-EU-Ausländer, die Hartz IV beziehen, von 130.000 im Jahre 2010 auf 979.000 im Jahre 2015. Dazu kommen 440.000 EU-Bürger, die Sozialhilfe aus deutschen Kassen beziehen. Jährlich fallen für beide Gruppen knapp 20 Milliarden Euro an – kein Pappenstil. Wer mit London nach Kompromissen sucht, wird hier fündig.

Gerdi Franke | Di, 9. Mai 2017 - 11:34

GB wird die Schulden, die die EU im Namen GBs gemacht hat, sicher nicht mitnehmen. Also wird die EU versuchen jemand anders dafür zu finden und schielt natürlich auf Deutschland. Besser wäre es, konsequent zu sein und die EU eben entsprechend abzuschmelzen. Wäre ehricher!

Johannes Diembecke | Di, 9. Mai 2017 - 11:42

Alles richtet sich nach der Frage, welches System wir eben wollen. Alles scheint auf eine Auflösung der Nationalstaaten hinzulaufen, die Abrüstung nationaler Armeen, die Schuldengemeinschaft, die zentralistische Bürokratie, die One-World-Ideologie an den Eliteschmieden und Medien.

Wollen wir keine Vereinten Staaten von Europa, dann stellen sich ganz andere Machtfragen, wie etwa ein Bismarck gewusst hätte. Wirtschaftliche Fragen haben dem zu folgen, auch wenn sie natürlich sehr wichtig sind.

Härte gegen England ist nicht richtig, das sehe ich auch. Vor allem sollten wir eher mehr als weniger der englischen Kultur übernehmen. Allerdings müssen wir uns schon fragen, ob wir der militärischen Führung der Five-Eyes-Staaten überhaupt vertrauen können. Nicht dass uns diese lediglich für eine Pufferzone gegenüber Russland halten.

Welches System wollen wir?

Ich bin für möglichst freien Handel innerhalb Europas, aber die EU verliert zusehend an Attraktivität.

Axel Kreissl | Di, 9. Mai 2017 - 12:17

Der Brexit ist völlig richtig und keineswegs antieuropäisch. Die Konstruktion der EU ist falsch. Sie war von den Gründervätern gedacht als eine Gemeinschaft der Vaterländer, die entkoppelt und unabhängig, aber nach gleichen Regeln handelnd, ihre Stärken ausbilden können. Das ist eine vertikale Konstruktion, die die Souveränität der Einzelnen achtet. Sie ist in Jahrzehnten verkommen zu einem undurchsichitigen horizonalen Knäuel voller Verstrickungen, angeführt von Deutschland und untauglichen Schreihälsen und Angsthasen. Deutschland ist relativ reich, aber absolut oberpleite. Und der gescheiteste Migrant kann mit einem Sprachkurs der Volkshochschule Hamburger verkaufen, aber keine Flugzeuge bauen. Deutschland versucht, mit angezogener Handbremse Höchstgeschwindigkeit zu fahren, aber die Quadratur des Kreises ist noch nie gelungen. Geht nach Rom 1957 und fangt noch einmal von vorne an, an der Hand und im Geiste eurer Großväter,

Frank Goller | Di, 9. Mai 2017 - 12:38

Härte ??? Davon habe ich ausser Geschrei im Vorfeld noch nix mit bekommen. Wie der griechische Ex Finanzminister schon sagte : Zuletzt zahlen immer die Deutschen. Zur EU ist schon alles xxx fach gesagt.

martin falter | Di, 9. Mai 2017 - 12:38

wird Deutschland und die EU nicht den Brexit als Chance verstehen die EU im positiven Sinne zu verändern. Es wird weiter so mit voller Fahrt ins Chaos gefahren. England/Brexit ist da nur der Auslöser, der die Veränderung bringen könnte. Die Engländer waren - trotz Nettozahler - immer Störenfried und haben Rosinen gepickt. Also wäre mit dem Brexit eigentlich alles gut. Wenn ja wenn die Chance zum Wandel nutzen würde...

schwächt die EU erheblich, denn GB war nicht nur “Rosinenpicker“, sondern auch Nettozahler. GB dürfte gestärkt aus der Sache hervorgehen, denn es kann sich ohne Rücksicht auf die EU - Bürokratie auf seine Stärken konzentrieren und unnötigen Ballast abwerfen. Beleidigungen und Hasstiraten gegenüber GB sind unprofessionell, unnötig und schaden Allen.

Anna Bolika | Di, 9. Mai 2017 - 17:21

In reply to by Karin Zeitz

Sie schauen offensichtlich nur auf die Einnahmenseite der EU und vergessen darüber völlig die Ausgabenseite. Der große Nettozahler GB hat nämlich nicht nur (Dank Sonderregelungen) weniger eingezahlt als eigentlich richtig gewesen wäre sondern hat im großen Stil Gelder aus der EU Kasse empfangen. Bei einer Aufrechnung bleibt unter dem Strich eine Finanzlücke von "nur " etwa 5 Milliarden Euro. Tja, da wird das große Geschrei um den Verlust des Nettozahlers GB plötzlich ganz klein ;)

Ich pflichte Ihnen voll uns ganz bei. Anscheinend gibt es viele in unserem Land für die "Mengenlehre" und nicht Rechnen der Weisheit letzter Schluss ist.

mich stört das ewige "die Engländer sind Rosinenpicker". Sie haben ihre Grenzen geschützt und ihre Währung behalten und ihre Individualität. Ich wünschte, unsere Regierung würde auch für uns Deutsche innerhalb der EU Vorteile "erkämpfen". Aber wir sind das Sozialamt der EU und der Welt und dürfen nicht einmal eine Kultur beanspruchen.

Die Briten hatten einfach immer die bessere Nase, das bessere Gespür für die Weltordnung und wussten, wann man am besten ein- bzw. aussteigen sollte. Das macht sie so erfolgreich und - überlebensfähig!

Max Hoffmann | Mi, 10. Mai 2017 - 11:29

In reply to by Michaela Diederichs

Es ist die Zeit gekommen, sich der Engländer zu erinnern, die Hitlerdeutschland widerstanden haben - mit dem Stolz des Commonwealthers, mit der ihm eigenen Sturheit, der Überzeugung des Welteroberers und - vor allem, seit dem WK I seinem Hass auf Deutschland. Hat es Hitler schon an historischen Kenntnissen gewaltig gemangelt, sind Merkel, Juncker und deren Heloten in Brüssel von Historie absolut unbeleckt. Und da sind noch die USA. Sie sehen den Brexit mit Vergnügen, schwächt er doch einen Konkurrenten. Hat man in Brüssel vergessen, dass zu einer Zeit, als in ihrer Stadt es sich die Wehrmacht gut gehen ließ, US-Transporter GB am Leben erhielten? Darauf würde man es in Washington wieder ankommen lassen, da bin ich mir sicher.

Daniel Sunnus | Di, 9. Mai 2017 - 13:31

Im Vereinigten Königreich sind es unter tausend Schülern 166, in Deutschland 51.

Für mich die prognostisch aussagekräftigste Zahl, weil sich an ihr lässt sich am einfachsten und genauesten das Abstraktionsvermögen von Schülern messen lässt. Also Bildung und Bildungsfähigkeit jener Altersgruppe, die mit ihrer Leistung das zukünftige Staatsgebilde (respektive Staatengebilde) wird tragen müssen.

Die Briten haben zur rechten Zeit die Reißleine gezogen. Wünsche diesen Beneidenswerten eine glückliche Landung!

Daniel Sunnus | Di, 9. Mai 2017 - 14:03

In reply to by Daniel Sunnus

Bitte, meinen Copy-&-Paste-Fehler zu entschuldigen.

Nehme ihn zum Anlass, um zu verdeutlichen (auch, wenn dieser schöne Begriff gerade in Verruf gebracht wird): Es geht um Haltung, nicht um Perfektion.

Christian Fröhlich | Di, 9. Mai 2017 - 13:48

Ich finde, hier muss nicht nur eine harte, sondern eine knallharter Kurs gefahren werden. Handelsembargo, Abbruch von Diplomatischen Kanälen ... Ob England dann wirklich eine stärkere Position hat, mag ich stark bezweifeln, wenn auf einmal Eisen, Nahrungsmittel und andre Grundressourcen Monate, statt Stunden brauchen um herangebracht zu werden

Stimmt, die EG / EWG reichte vollkommen aus, jede Währung durfte leicht auf- bzw abgewertet werden, die Wirtschaft florierte und an der Grenze wurde eben der Ausweis vorgezeigt. Schlimm, diese vergangen Zeiten, einfach schlimm.
Und heute : die EU als Spielball profilierungssüchtiger drittklassiger Polit-Amateure.

Alfons Kuchlbacher | Mi, 10. Mai 2017 - 07:14

In reply to by Christian Fröhlich

Das hört sich ja so an, als ob GB am Tropf der EU hinge? Zugegeben ist der Handel mit der EU am bedeutendsten. Der Industriesektor hat in GB aber geringe Bedeutung, GB ist aber ein bedeutender Exporteur von Kohle, Erdöl und Erdgas. Ausserdem ist der Dienstleistungssektor gut ausgebaut (London ist nach wie vor der größte Finanzplatz der Welt, da wird auch der Brexit nicht viel ändern) und auch der Tourismus spielt eine große Rolle (müssen wir halt wieder den Pass bei der Einreise herzeigen, na und?).

Thorsten Rosché | Mi, 10. Mai 2017 - 10:52

In reply to by Alfons Kuchlbacher

Schön wäre es wenn die Waren auch bezahlt werden, Target 2 läßt grüßen. Liegt bei ca. 1 Billion.

Rizzo Chuenringe | Sa, 13. Mai 2017 - 16:24

In reply to by Christian Fröhlich

Ja genau! Mit U-Booten umzingeln, darin hat Deutschland schliesslich hervorragende Expertise. Und dann hätten wir auch noch die anderen berühmten Vergeltungswaffen. Endlich hätte die Bundeswehr mal eine lohnende Aufgabe, stimmts?

Wolfgang Henning | Di, 9. Mai 2017 - 13:54

Die Engländer wollten den Brexit und sie werden ihn bekommen. Die Mehrheit der Schotten und Nord-Iren war dagegen und sieht ein Desaster auf GB zukommen. Zunächst steht also GB vor einer Zerreißprobe. England kann nicht erwarten, diesen Ausstieg aus der Gemeinschaft zum Nulltarif zu erhalten. Finanzielle Nachteile werden alle haben; das aber wird den Briten verschwiegen. Rosinenpickerei, so wie bisher durch die Briten, kann es nicht weiter geben.
Als positiven Effekt dieses Schrumpfungsprozesses der EU, kann man durchaus das engere Zusammenwachsen und die Einsicht zu konsequenter EU-Außenpolitik sehen. Die EU muss loskommen vom Einstimmigkeitsprinzip, hin zum Zweidrittel-Mehrheitsprinzip. Die EU braucht vorrangig eine einheitliche Außen-, Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik. Das bedeutet noch lange nicht die Aufgabe der Subsidiarität, unter der die europäischen Vaterländer ihre eigenen Interessen wahren und Kulturen behalten können. England aber - ist außen vor!

Durch den Brexit ändert sich nichts, da wo es das Einstimmigkeitsprinzip in der EU noch gibt, aber es gibt Bereiche wo das anders gehandhabt wird. Dabei wurde immer mit den Briten gerechnet, also verschiebt dort der Brexit die Machtstatik. Ohne genaueres darüber zu wissen, vermute ich, dass dort dann die Südländer mehr Gewicht bekommen werden.

Im übrigen ist das Problem bei einer einheitlichen Außen-, Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik, welche Politik dann betrieben wird. DE will sicher keine französische Wirtschaftspolitik und FR keine deutsche haben wollen. Soll das dann so wie bei der Geldpolitik laufen, die momentan für DE eher falsch ist (der hohe Exportüberschuss ist eine Folge daraus)? Ich bin eher für den dezentralen Ansatz. Z.B. wäre es sinnvoll, wenn auch in DE Regionen ihre lokale Währung abwerten oder aufwerten könnten. Z.B. müsste München aufwerten, Duisburg abwerten. Heute wird das über den Länderfinanzausgleich gemildert.

helmut armbruster | Di, 9. Mai 2017 - 15:10

oder wie Napoleon III es ausdrückte, "on ne s'allie pas avec un cadavre" sind Wahrheiten, die wir vergessen haben.
Wie viele Kostgänger
-wie Herr Heinsohn sich ausdrückt - kann D durchfüttern u. vor allem wie lange und zu welchem Preis für die deutsche Bevölkerung?
Absurd ist auch, dass uns Franzosen, Spanier und Italiener als Profiteure des Euro sehen. Dass die "Kostgänger" an uns hängen u. wir sie praktisch alleine durchfüttern wird nicht wahrgenommen.
Da erhebt sich doch die Frage, ob England vielleicht nicht doch den besseren Weg gewählt hat.
Sich auf seine Freiheit u. seine Stärke verlassen ist bestimmt nicht das schlechteste Rezept für die Zukunft. Wir sind nicht frei u. unsere Stärke wird sehr relativiert durch alles was an uns hängt. Das ist sehr beunruhigend.

werner offergeld | Di, 9. Mai 2017 - 15:32

Ja, ja. Die deutsche Härte. Gestern und heute waren der 08.05./09.05.2017. Denken wir mal an dieses historische Datum und setzen noch ein 1945 nach. Da haben alle auf der Welt die "Deutsche Härte", wie sie wirklich war, kennengelernt. Nur, Deutschland lag im Matsch, gesäumt von Millionen von Toten. Und wer zeigte danach Stärke? Great Britain, Amerika, Frankreich etc. indem sie halfen. Den Deutschen halfen wieder aufzustehen und reichten den Deutschen die Hand um ihnen wieder zum aufrechten Gang zu verhelfen. Und das soll jetzt der Dank der Deutschen an Großbritanien sein? Daran sollte Frau Merkel mal denken.

dass man D-West nach 45 geholfen hat. Da gab es schließlich auch noch den Ostblock. Dennoch: GB wird sich von der EU nicht niedermachen lassen. Noch bellen die EU-Granden lautstark - bis Donald Trump an der Seite von Theresa May erscheint.

ist bekanntlich in Ostdeutschland aufgewachsen, wo der Wiederaufbau nicht nur ohne die Wohltaten der westlichen Alliierten erfolgt, sondern durch enorme Reparationen an die UdSSR belastet worden ist. Der Abbau der vom Krieg verschont gebliebenen Betriebe wurde erst gestoppt, nachdem klar geworden ist, dass die Sieger mit den Anlagen nichts anfangen konnten und statt dessen Fertigprodukte und Uran weit unter den Weltmarktpeisen haben wollten. Man sollte auch nicht vergessen, dass die westlichen Alliierten die von ihnen besetzten Gebiete zu ihrem eigenen Vorteil als Pufferzone gegen den Bolschewismus aufgebaut haben.

Gerdi Franke | Di, 9. Mai 2017 - 16:03

Die EU als Prestigeprojekt der Eliten ist passe. Sie hat in dieser Form keine Zukunft mehr. Und der Euro hat so viele Schulden am Hals dass er nur mit einer Währungsreform beerdigt werden kann. Eine neue europäische Wirtschaftsunion kann man dann auch wieder mit GB gestalten.

Thor Odinson | Di, 9. Mai 2017 - 16:29

Als Deutschland 1990 ein wieder vereintes Land wurde, entstand in der Mitte Europas wieder diese Unwucht, wie wir sie 1871 hatten.
Dtl. allein zu klein, um den Kontinent zu beherrschen, zu groß, um im Gleichklang mit UK und Frankreich die Geschicke Europas im Guten zu lenken. Die Folgen kennen wir.
Heuer ist die Wirtschaftskraft - angefeuert durch den Euro - und damit die Unwucht, die Deutschland mitbringt wieder gefährlich für Europa.
Und mit dem Brexit wird diese nur noch größer!
Wir als Deutsche jetzt noch den 'Harten' in der Diplomatie spielen zu wollen, erinnert stark an die Wilhelminische Politik. Nur das unser 'Kaiser' heute Angela heißt.
Ein sehr gefährliche Spiel mit dem Feuer...

Wolfgang Henning | Mi, 10. Mai 2017 - 09:31

In reply to by Thor Odinson

Sehr geehrter Herr Odinson,
Deutschland als Kriegstreiber und gefährlich für Europa - geht's nicht eine Nummer kleiner?
Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Möller | Mi, 10. Mai 2017 - 17:36

In reply to by Thor Odinson

Gestern noch war doch Frau le Pen für eine potentielle Kernschmelze von Europa verantwortlich - und jetzt wie immer Deutschland.
Wenn schon Geschichte zitiert wird : von 1871 - 1914 herrschte in Europa Frieden.
Und daß England seit jeder bedacht war, den Kontinentstärksten zu schwächen, sei es Deutschland, Frankreich, Spanien oder NL, dürfte auch einem T(h)or bekannt sein.

Wolfgang Kaufmann | Sa, 13. Mai 2017 - 15:22

In reply to by Thor Odinson

Keiner will einen Krieg anfangen. Aber Bismarck hat die strukturelle Unwucht auf dem Kontinent damals mit kluger Bündnispolitik ausgeglichen. Doch das vereinigte Deutschland mit seinen moralingeschwängerten Syndromhelferinnen gleicht nicht aus, sondern belehrt und überhebt sich über die anderen Nationen. Fast scheint es, als wenn die deutsche Überheblichkeit nach drei Generationen Winterschlaf wieder erwacht ist. Wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!

Alexander Steinmann | Di, 9. Mai 2017 - 17:40

Es war Lebenslüge der Brexiteers, dass man sich aus den Pflichten verabschiedet und alle Vorteile der EU auf dem Verhandlungsweg bleiben. Allerdings ist ein fairer Verhandlungsprozess und eine gedeihliche Perspektive für die künftige Zusammenarbeit wichtig. Teilweise hat man aber den Eindruck, dass die bei EU-Südländern extrem nachsichtige EU hier besondere Härte zeigen will, um weitere Austrittskandidaten zu entmutigen. Besonders lustig dabei die Gibraltar-Klausel. Wie war das mit der Unverletzlichkeit von Grenzen im Nachkriegseuropa /Friedensprojekt EU ?

Ralf Grünewald | Di, 9. Mai 2017 - 19:02

Also ich kann den Schritt der Engländer gut nachvollziehen und finde das Getrommel der EU und was Frau Merkel absondert unerträglich. Wir müssen es ja nicht ein paar Vollpfosten wie Herrn Farage oder Johnson gleichtun. Die EU sollte sich anständig verhalten und endlich mal nach den Werten, über die unsere Politiker so gerne schwadronieren, handeln. Nicht zu vergessen, dass die Engländer direkte Nachbarn sind mit denen man, ob man will oder nicht, auskommen muss. Deshalb sollte die Probleme diplomatisch, pragmatisch und vor Allem im Interesse der Menschen auf beiden Seiten lösen und endlich aufhören zu eskalieren. Mir drängt sich der EIndruck auf, dass man den anderen Mitgliedern damit unmißverständlich klar machen will, wer hier das sagen hat und dass ein Austritt in jedem Fall teuer, sehr teuer wird. Das ist schäbig und wird auf lange Sicht nicht zur Stabilität beitragen. So treibt man die EU nur noch weiter auseinander.

Dr. Lothar Sukstorf | Di, 9. Mai 2017 - 19:11

Ich bitte Sie, deutsch und Härte, contradictio in se!
Im Zücken des Geldbeutels sind wir sehr geübt und versiert. Heute nennt und umschreibt man Schwächen und stetiges Nachgeben, mit Kompromiss. Im Übrigen, Übereinstimmungen mit der Wilhelminischen Epoche einzuspielen ist vollkommen unhistorisch und überhaupt nicht zutreffend. Es ist davon auszugehen, daß bei den "think tanks" der Regierungen in der EU, bei den strategischen Abteilungen der Regierungen, Pläne für ein totales Scheitern der EU vorliegen. Ein Szenario wird sicherlich sein, die EU wieder zurück zu entflechten auf eine simple EWG, unter Beibehaltung des bisherigen status quo. Was wird der große Auslöser für all dies sein? 1.) Der wachsende Flüchtlingsstrom aus Afrika, einzelne Staaten machen da nicht mehr mit und auch D. wird, wenn die magische Zahl von 10 Mio. in den nächsten 5-10 Jahren erreicht wird, ausscheren und sich eigensinnig um die eigene Grenzsicherung kümmern. 2.) Das Finanzproblem innerhalb der EU.

Dimitri Gales | Di, 9. Mai 2017 - 21:47

abschrecken und strafen. Ein Armutszeugnis für das resteuropäische Politpersonal und vor allem für Brüssel. England hat historisch gewachsene Bindungen mit dem Commonwealth, es hat internationalen Einfluss und ist Atom-Macht. Das Land hat stets externem Druck und Angriffe von aussen getrotzt und dabei seine Identität bewahren können. So auch diesmal.
Ich finde, das Vereinigte Königreich ist auf dem richtigen Weg.

England hat eine starke Identität, die zu sehr mit gesamteurop. Verbindlichkeiten kollidierte in dem einen/anderen Fall.
Es zeigt eigentlich den zukünftigen kontinentalen Weg Europas, der sowohl russische Gesellschaften wie die Ukraine als auch die Türkei und auch die afrikanischen Staaten ausschliessen sollte.
Ich wünsche zwar der Welt europäische Verhältnisse, die auch noch nicht lange friedlich verlaufen, aber ich halte die kulturellen Gepflogenheiten für zu unterschiedlich, als dass man daraus eine Verwaltungseinheit bauen könnten.
Das "funktionierte" kolonial und ist also nicht zeitgemäß.
War es im europ. Geiste nie, nur als Mission.
England ist für Europa nach den skandinavischen Ländern die erste Adresse innerhalb funktionierender Verwaltungseinheiten.
Das sollte man sowenig wie nötig aufkündigen, es bleibt eng.
Wenn Merkel daraus eine Soapopera machen wollte, passt es m.E. zu ihr, nicht zu Europa
Verbindlichkeiten sollten prospektiv, aber europ. SICHER geregelt werden

Sepp Kneip | Di, 9. Mai 2017 - 22:58

Gibt es ein Gesetz, das den Austritt aus der EU verbietet? Nein. Gibt es ein Mittel, den Austritt zu verhindern? Nein. Gründe, dieses Gebilde EU zu verlassen, gibt es genug. Besonders dann, wenn die Geschäftsgrundlage für eine Mitgliedschaft entfallen ist. Und das ist sie. Rechtsbruch steht hier an erster Stelle. Wie viele Verträge, Vereibarungen und Abmachungen sind hier schon gebrochen worden. Die meisten im Euro-Raum, dem die Briten zwar nicht angehören, aber dennoch die Folgen -wie alle- zu spüren bekommen. Ein solches Gebilde, dessen Arroganz und die einiger Mitglieder, insbesondere Merkel-Deutschlands, kaum noch zu ertragen ist, muss auf Dauer weitere Austritte nach sich ziehen. Wenn den einzelnen Staaten erst mal richtig klar wird, welches Finanzdesaster sich hier anbahnt, wird es zu einer Erosion kommen. Es sei denn, in Brüssel, Berlin und Paris setzt sich endlich die Erkenntnis durch, dass reformiert werden muss, statt die beleidigte Leberwurst zu spielen.

Reinhard Czempik | Mi, 10. Mai 2017 - 02:46

Der Eingangstext muss richtigerweise so lauten:
Die Arroganz mit der Großbritannien in die Brexitverhandlungen geht ist ebenso unangebracht wie kontraproduktiv. Die Position der EU ist besser als angenommen.Großbritannien ist gezwungen von seinen Schwächen abzulenken.
Herr Heinson trägt völlig einseitig nur die Probleme Deutschlands und Europas als Argumente vor und blendet die immer größer werdenden Probleme Großbritanniens völlig aus.

Nostra Damus | Mi, 10. Mai 2017 - 08:25

…ohne Zweifel, vielleicht wird es auch ein bißchen hageln. Aber auf Deutschland kommt ein Tsunami zu, zwar später, aber umso heftiger!

Martin Michael | Mi, 10. Mai 2017 - 10:39

Leider funktioniert der Link nicht.
Die Kosten allein für sie und ihre Nachzügler bis 2020 werden auf 1,5 Billionen Euro veranschlagt . 

Ticks and Leeches
Ja spaßig wird die Sache wenn auch uns das Geld ausgeht , dann wird sich zeigen wo wir stehen.

Günther Heinz | Mi, 10. Mai 2017 - 22:14

Wäre der Autor nicht besser beraten gewesen, sich auf ein Argument im Artikel zu konzentrieren anstatt alle Argumente nur kurz anzureißen. So leidet doch die Qualität.Es wird Deutschland mit GB verglichen, GB mit der Rest EU und mit der Eurozone. Da passt alles nicht zusammen. Ich frage mich auch was die Mathematikkenntnisse der Schüler mit den aktuellen Brexitverhandlungen zu tun haben sollen

Christian Heinze | Fr, 12. Mai 2017 - 14:12

Schon die Reaktion der EU auf die seit 2014 in ultimativer Form erhobene Forderung Englands von Ausnahmen vom Freizügigkeitsprinzip der EU und erst recht auf den Austritt selbst bringt an den Tag, dass in Europa keine klare Vorstellung von einer lebensfähigen europäischen Vereinigung und ihren Voraussetzungen herrscht. Nicht der Brexit, der die Notwendigkeit europäischer Selbstbesinnung und Umkehr offenbart, sondern die Reaktion darauf wirft den europäischen Einigungsprozess um Längen zurück. Die Reaktion wirft zugleich ein Licht auf eine in Europa verbreitete Unterschätzung und Vernachlässigung der Voraussetzungen für Staatlichkeit und sogar auf einen Mangel der Fähigkeit gegenwärtiger europäischer Regierungen, allen voran Deutschlands und Frankreichs, zu einer rationalen Politik, während der Brexit das Vorhandensein dieser Fähigkeit Englands unter Beweis stellt. (Siehe auch: pro-re-publica.de/Brexit.php)

Nicolas Wolf | Fr, 12. Mai 2017 - 19:35

Sehr richtig die deutsche Position wirft so einige Fragen auf. Der Brexit ist ein weiterer Fehlschlag Merkels Politik (oder war das ein gewünschter Erfolg, man kann ja nie wissen). Nach dem Wunsch nach Unabhängigkeit war die Migration das wichtigste Argument für das Abstimmungsverhalten der Briten. Eine merkelgemachte Krise also. Und jetzt dieses Verhalten. Wie in einer völlig kaputten Beziehung. Kein: "ich liebe Dich trotz allem", "auch ich habe Fehler gemacht" usw. Nein eine völlig hassverzerrte Fratze blickt nach London. Man muss sich schon fragen in was für eine kranke Gemeinschaft man sich mit dieser EU begeben hat. Und weit und breit ist keiner, der diesen Vögeln in Berlin und Brüssel sagt: fahrt Ihr zur Hölle, ich fahr nach London...

Ernst Laub | Sa, 13. Mai 2017 - 00:32

Schon Hitler glaubte sich den Briten (und Russen) überlegen…… Wie verrückt muss Restdeutschlands Führerin sein, um nun ebenfalls diesem Wahn zu verfallen. Deutschlands aussenpolitische Dummheit ist wohl genetisch bedingt; nicht wahr Herr Schäuble! Es fehlen der BRD ein paar hugenottische Einwanderer wie Thilo Sarrazin, die noch nicht den landesüblichen Dummheitslevel erreicht haben. Übrigens brachte die deutsche Dummheit bereits 1914 einen Hugenotten vor Verzweiflung zum Weinen: den deutschen Botschafter Friedrich von/de Portalès (aus einem Berner Hugenottengeschlecht), als er der russischen Regierung die kaiserlich-dumm-deutsche Kriegserklärung überreichen musste.

Wolfgang Kaufmann | So, 14. Mai 2017 - 12:06

Was mich am Gerede von der Rosinenpickerei so stört, ist die kleinbürgerliche Moral, die dahinter steckt. Es erinnert mich an eine geschiedene Frau, die aus purer Rachsucht nach der Scheidung ihrem Ex das Leben zur Hölle machen will.

Politik hingegen hat etwas von Business. Solange beide Partner einen Vorteil haben, ist man im Geschäft. Aber jeder ist jederzeit frei, sich andere Partner zu suchen.

Pikiertes Nachtreten für angebliche Rosinenpickerei ist brandgefährlich. GB wird überall auf der Welt vorteilhafte Handelsbeziehungen finden. Eine mediterranisierte EU hingegen wird ihre gescheiterten Staaten allenfalls noch für kurze Zeit mit den Mitteln des französischen Etatismus künstlich beatmen können.

Sobald die EU scheitert, werden wir die Briten auch in militärischer Hinsicht brauchen! Es ist also in hohem Maße iq-negativ, dem Ex-Partner die Tür gegen die Nase zu schlagen, wie es das deutsche Spießertum gerade fordert.

Heiner Hummel | So, 14. Mai 2017 - 18:46

M.E.hat hier keine Seite einen Finanzanspruch an die Gegenseite. Es geht allenfalls um den Preis für bessere Konditionen als laut WTO verbleiben (EU und UK verbleiben ja in der WTO)

Ilse Mechler | So, 28. Mai 2017 - 10:54

Verhandlungen sind nie einseitig und wer am längeren Hebel sitzt wird sich zeigen.
Sowohl die EU wie auch GB haben ernstzunehmende strukturelle Probleme.
GB ist zum Beispiel bis über beide Ohren verschuldet und hat nicht den Zusammenhalt in seinem Inneren den es eigentlich bräuchte. Stichworte Nordirland, Schottland, desolate Industrien abseits des Finanzsektors, extrem abgehängte Unterschicht und massive Integrationsprobleme.
Die EU ist bürgerfern und die Wohltaten kommen nicht im nötigen Umfang bei der breiten Masse an.
Es handelt sich um eine Wirtschaftsunion und keine Bürgerunion. Ein gerechter und sinnvoller Ausgleich im inneren der EU fehlt. Viele Regierungen in ihr sind unfähig bis korrupt. Manche tendieren zu failed states und sind fast offen faschistisch.
Die paar Flüchtlinge über die sich da alle aufregen sind bei der Gemengelage noch das geringste Problem. Eher ein Symtom der g
Aber auch für das "Resteuropa" und vor allem für DE ergeben sich neue Chancen. Stichwort EU-Armee.

Dr. Lothar Sukstorf | Mo, 26. Juni 2017 - 11:45

Der Brexit steht in keinem kausalen Zusammenhang mit deutscher Politik. Alles, was darüber in GB geredet wurde, war im Grunde genommen nur der alte Reflex, antideutsche Ressentiments erneut zu instrumentalisieren. Da spielt es auch keine Rolle, wenn z.B. das Massenblatt, The Sun, wie fast immer, das alte, abgedroschene "Hitlerbärtchen" strapaziert. Das dürfte allmählich auch endgültig abrasiert sein! Langsam ist dies nur noch zum Anöden und einfaltslos. Man könnte eigentlich mehr vom britischen Humor erwarten. Und wir sollten uns mal dagegen wehren, für alles zum Sündenbock gestempelt zu werden. Siehe Hellas und auch in Italien, wenn es irgendwo "kneift" und die Deutschen nicht so rasch wie gewünscht die Geldbörse zücken, wird die alte, abgeleierte Nazikeule rausgeholt. Vielleicht sollte die Republik Griechenland den Freistaat Bayern auf Milliarden Wiedergutmachung verklagen, weil Anfang des 19. Jhdts. die Wittelsbacher dort kurzzeitig "übernommen" hatten. Melkkuhpolitik ist das!

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