Wahlkampf in den USA - Ein Frontalangriff auf die Eliten

Eineinhalb Jahre erbitterter US-Wahlkampf gehen morgen zu Ende. Sachlichkeit, Respekt, Wahrhaftigkeit und Intellektualität suchte man vergeblich. Ähnliches könnte uns auch hierzulande blühen

Ein Trump-Anhänger hält eine Fahne mit einem Maschinengewehr darauf
Gewalt und Hass sind im US-Wahlkampf schon lange kein Tabu mehr / picture alliance

Autoreninfo

Markus Ziener ist Professor für Journalismus in Berlin. Zuvor berichtete er als Korrespondent aus Washington, Moskau und dem Mittleren Osten.

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Nichts wird wirklich vorbei sein am Morgen des 9. November. Und zwar auch dann nicht, wenn Hillary Clinton gewonnen und Donald Trump seine Niederlage eingeräumt hat, ohne danach den Bürgerkrieg auszurufen. Dieser albtraumhafte Wahlkampf der letzten eineinhalb Jahre wirkt nach. Er macht vor allem deshalb so betroffen, weil es seine Phänomene auch hierzulande gibt. Die USA sind nur einen Schritt weiter als Europa, als Deutschland. Viel mehr aber nicht.

Mit Betroffenheit schaut man auf die lange Opferliste, die dieser Wahlkampf zu beklagen hat: Sachlichkeit, Respekt, Wahrhaftigkeit, Intellektualität wurden vermisst – um nur einige zu nennen. Natürlich: Wahlkämpfe werden von jeher mit harten Bandagen geführt. Doch diese Kampagne war anders. Leitplanken gab es nicht oder sie wurden im Sog von Donald Trump unverzüglich eingerissen. Barrieren des Anstands und der Moral besaßen keine Gültigkeit mehr. Vor Monaten schon dachte man, dass es in diesem Wahlkampf schlimmer nicht kommen könnte. Doch es ging immer weiter, das Schlimme wurde von dem noch Schlimmeren getoppt. Das Karussell drehte sich so schnell, dass man sich an die schier endlose Abwärtsspirale schon gewöhnte. Auch das wird bleiben: Das abgestumpfte Empfinden.

Schande für die konservative geistige Elite

Was bestürzt, ist, dass sich dieser Prozess innerhalb einer altehrwürdigen Partei wie den Republikanern abspielen konnte. Dass neue, populistische Parteien – wie in Deutschland die AfD – diese Welle reiten, mag noch einigermaßen nachzuvollziehen sein. Der kalkulierte Tabubruch ist deren „selling point”. Dass sich aber die Grand Old Party (GOP) der USA, die Partei Abraham Lincolns, überrollen lässt von der Trivialität eines Donald Trump – das ist neu. Zwar hatten die amerikanischen Konservativen selbst den Boden dafür bereitet, in dem sie schon vor Jahren dem rechtslibertären Teaparty-Flügel freien Lauf ließen und mit ihr der inhaltlichen Niveaulosigkeit. Der Erfolg von Donald Trump stellt dennoch einen ungeahnten Tiefpunkt dar.

Dabei ist es eben weniger der Aufstieg des Immobilienmilliardärs an sich, als die Unfähigkeit der republikanischen Partei, Trump zu stoppen. Die GOP verfügte weder über den Mut noch über die intellektuelle Kraft, Trump etwas Gleichwertiges entgegen zu setzen. Das hat auch mit der Uneinigkeit der konservativen geistigen Elite zu tun. Wenige von ihnen zeigten die erforderliche Courage, haben rechtzeitig öffentlich widersprochen oder gewarnt. Viele warteten opportunistisch ab, weil sie sich um Pfründe und Sitze im Kongress sorgten. Wieder andere schürften in Trumps Wortkaskaden nach intellektuellem Gold, auf das sie ihre Hoffnungen setzen konnten. Fanden sie dort mal ein Nugget, dann hielten sie es wie eine Trophäe in die Höhe. Trump sei vielleicht etwas roh im Stil, aber er sage doch durchaus Vernünftiges, hieß es dann. Und: Im Amt werde er sicher präsidialer werden, ruhiger.

Wir da unten gegen die da oben

Was viele indes nicht verstanden: Trumps Erfolg ist nichts weniger als der Frontalangriff auf die intellektuelle Elite. Einmal im Amt wird er sich nicht scheren um das, was die republikanischen Vordenker glauben und für richtig halten. Trump verachtet sie. Genauso wie sie von seinen Gefolgsleuten verachtet werden. Der Kasinobesitzer aus New York hat das Wort „Eliten” zum Schimpfwort erklärt. Er benutzt es regelmäßig, um seine Kontrahentin herabzuwürdigen. Und er wird es auch in der eigenen Partei in Stellung bringen.

Trump folgt damit einem alten populistischen Muster: Zunächst teilt man die Gesellschaft auf in „us and them”, in „die da oben” und „wir da unten”. Dann macht man sich zum Sprecher der angeblich Entrechteten. Und auf deren Schultern lässt man sich ins Amt tragen. Dass Trump selbst zu „denen da oben” gehörte und gehört – geschenkt. Dass Trump selbst sich bis heute gerne mit der Elite zeigt – vergessen. Als Präsident wird der wandelbare Trump „denen da unten” kaum gefallen. Weil er viele seiner Versprechen gar nicht einlösen kann, gar nicht einlösen will. Aber das interessiert den Wähler nicht im – ich bitte mir das inzwischen etwas abgegriffene Wort nachzusehen – postfaktischen Internetzeitalter. Es geht um Emotionen, um ein „Denen-zeigen-wir-es-jetzt-mal”-Gefühl, um wenigstens ein bisschen Vergeltung.

Politische Langeweile hat auch ihr Gutes

Rechtspopulisten in Deutschland und anderen europäischen Staaten benutzen die gleiche Blaupause: Keile in die Gesellschaft treiben, Emotionen schüren, Ängste generieren, Tatsachen wegwischen und die Lust am Abstrafen „der da oben” befördern. Nur: Aus dieser negativen Roadmap kann nichts Gutes erwachsen, es kann nichts entstehen, was die Gesellschaft zusammenhält. Dieses Modell gründet auf Neid und Missgunst, auf persönlichem Frust und dem Gefühl der Revanche für alle Unbilden dieser Welt. Und darauf soll also nun das Regieren beruhen?

Lange galten die Nachkriegsdeutschen als langweilig. Die Kanzler regierten Ewigkeiten, die Parteien bildeten Dauerkoalitionen, die Verwirrten blieben am Rand. In Deutschland regierten kluge Köpfe in grauen Anzügen – und, ja, nennen wir sie ruhig so: Eliten. Sie waren vielleicht alle etwas rheinisch-bieder, aber zumeist doch fachlich kompetent, vernünftig und verlässlich. Das Land ist gut gefahren mit ihnen.

Welch hohes Gut dies ist, diese elitäre Langeweile, zeigt der Blick auf das Amerika des Jahres 2016. Was dort passiert ist eine Warnung. Es muss hierzulande verhindert werden.

Herbert Trundelberg | Mo, 7. November 2016 - 11:25

noch einmal Baffett. Wir haben den Krieg gegen die Völker der Erde begonnen und wir haben nicht vor den zu verlieren. Genau dorthin führt uns die Globalisierung, die EU und unsere Berliner Volkskasperleverein. Anstatt diese Herrschaften den Menschen eine Perspektive geben verarschen sie die Bürger Europas mit CETA-TTIP und sonstigen Schwachsinn der nur der Ausbeutung dient.

Arndt Reichstätter | Mo, 7. November 2016 - 11:46

Zunächst ist es für einen Professor für Journalismus peinlich, mit dem Abraham Lincoln-Argument zu kommen, bei dem die republikanische Partei anscheinend vom rechten Weg abgekommen ist. Die Geschichte um Lincoln ist weitgehend geschönt und teilweise sogar gelogen. Wenn Trump die "Partei Lincoln's" zerstört, dann ist das gut so! Niemand braucht enen pro-Sklaverei eingestellten Kriegsverbrecher als Nationalhelden!

Und die Partei des "rechtslibertären Teaparty-Flügels" WAR eigentlich der Kern der konservativen Partei, BEVOR diese von den neokonservativen Weltrevolutionären unterwandert wurden. Unter diesem "Flügel" (siehe die Kandidatur von Ron Paul) gäbe es heute weniger Staatsschulden, weniger Morde durch illegale Einwanderer und keinen Afghanistan-Irak-Syrien-Lybien-Krieg.

Und ich frage mich wirklich, wie ein solch zartes Gemüt im Angesicht dieser angeblichen Wahlkampf-Schlammschlacht es schafft, im täglichen Geschäft die wirklich harten Fragen zu stellen?

Solche haarstreubende historische Entgleisungen kann man nicht so stehen bleiben. Abraham Lincoln war klip und klar gegen de Sklaverei. Kriegsverbrecher? Vielleicht aus der Sicht der Südstaatlern, weil er sie besiegt hat, sonst gab es die üblichen Kriegshandlungen auf beiden Seiten.

Sie glauben der Ron Paul ist Teil der Tea-Party Bewegung? Nein, er ist Libertarier, eine Strömung die längst vor der Tea-Party Bewegung existierte.

Ich muss sagen, Sie wissen gar nichts über die amerikanishe Geschichte. Sie praktizieren nur Putinismus, wo behauptet wird, "Ihr alle seit genauso schlecht wie wir".

Lincoln hat nach eigenen Angaben den Krieg gefochten, um "das Reich zu einen", und nicht um die Sklaveri abzuschaffen. Lincoln hat Schwarze als niedere Rasse angesehen und wollte alle Schwarzen nach Liberia abschieben. Sklaverei war sowieso im Begriff, in ganz Amerika abgeschafft zu werden, und es hätte dazu keinen Krieges bedurft.

Der Unterschied zwischen den Libertären und der Tea-Party ist vorhanden, aber aus der Sicht der derzeitig vorherrschenden linksgrünen Deutungshoheit marginal, die alles nichtlinke als rechts und falsch darstellt. Für ARD oder SPIEGEL ist Ron Paul ein Nazi.

Dass ich "gar nichts" über die amerikanische Geschichte weiß, ist übrigens sehr gut möglich. Ich habe nämlich, Danke meiner staatlichen Erziehung und der linksgrünen Medien kaum etwas über diesen Teil der Geschichte gehört. Alles was wir hier zu hören bekommen, ist dass Wilson weltweit die Demokratie gerettet und Roosevelt die große Depression beendet hat, was beides falsch ist.

Charlotte Fritsch | Mo, 7. November 2016 - 12:57

Ich gebe Ihnen absolut recht, Herr Ziener. Unser Land ist gut gefahren mit den kompetenten und verlässlichen Eliten. Aber wo sind sie geblieben? Uns regieren zum großen Teil inkompetente Politiker, die ihr Fähnchen in den Wind hängen und für den eigenen Machterhalt arbeiten.

Claudia Korthals | Mo, 7. November 2016 - 13:08

Wenn die Politik der letzten Jahre tatsächlich so gewesen waere - wahrhaftig, intellektuell, voller Respekt und sachlich - dann haetten Populisten heute nicht die geringste Chance.

Helmut Malente | Mo, 7. November 2016 - 13:51

... das ist wahrlich seit Menschengedenken so gewesen. Der Artikelschreiber hat wohl die Transformation der Ostblockländer vergessen, den arabischen Frühling usw..

Was auffällt ist die Polarisierung u. deren negative Bewertung nach "unten". Fakt ist halt das die einen reicher werden u. die anderen trotz Arbeit ärmer. Das hat nix mit Neid zu tun, da ist halt jeder für sich ein guter Kaufmann, der sich über den Tisch gezogen fühlt.

Die Frage müsste lauten: Wieso schaffen es die Eliten nicht mehr einen Konsens durch alle Gesellschaftsschichten aufrechtzuerhalten?

Die Antwort: Die Ränder sind ausgegrenzt u. die Mitte rutscht dank der "Elitenfehler" wie Banken- u. Flüchtlingskrise ab. Nur die Elite bleibt da wo sie ist.

Die Elite schafft sich u. ihre Privilegien nicht selbst ab. Der Wunschtraum der Elite wäre (wie Z. schreibt) die polit. Langeweile = polit. Stillstand. Mit anderen Worten: feudale Ständegesellschaft in neuen Kleidern. Nix mit Demokratie!

Sie, Herr Malente, schreiben immer von Elite(n). Ich wünschte mir, Sie hätten wenigstens "Eliten" geschrieben oder eben sogenannte Eliten! Akademiker, die öffentlich Fäkalausdrücke der schlimmsten Art verwenden, andere, die Wähler als Pack bezeichnen - nur weil die meinen, sich auch "gehoben" auszudrücken, wenn sie den Akademikern nacheifern, sind das unsere Eliten? Für mich ist das schlimmste an dieser Entwicklung, dass die Bevölkerung dies alles, was da abläuft - auch an Ausbeutung - geradezu fatalistisch hinnimmt. Dabei ist es ihre Zukunft, die diese "Eliten" da verfrühstücken! Dazu zähle ich auch die "Wissenschaftler", die vielfach so unnötig sind wie ein Kropf!

Horst Brandner | Mo, 7. November 2016 - 14:03

Die Eliten der Bundesrepublik sind nicht in der Lage, eine breit akzeptierte Verteilungsgerechtigkeit herzustellen. Sie sind feige, arrogant´und selbstzufrieden.

Selbst die Linke hat den letzten Rest Boden unter den Füßen verloren. Wie kann eine Vorsitzende eine Mindestrente in Höhe des Nettos eines Mindestlöhners fordern. Es muss einen Unterschied zwischen Leistenden und Sozialleistungsempfängern geben.
Sollten die Lösungen doch von Rechts kommen?

Yvonne Walden | Di, 8. November 2016 - 10:44

In reply to by Horst Brandner

Die Mindestrente sollte unter allen Umständen dem durchschnittlichen Mindestlohn entsprechen.
Zur Verteilungsgerechtigkeit: Diejenigen, die heute über ein Riesenvermögen verfügen oder über ein Einkommen wie einst der VW-Vorstandsvorsitzende Winterkorn (rund 15 Millionen EURO jährlich), sind in aller Regel raffgierig und werden nicht ohne Druck auf ihr Milliarden-Vermögen verzichten wollen.
Dazu muß sich die Mehrheit unseres Volkes, die Wählerinnen und Wähler, bequemen, aufzustehen und die politischen Parteien zwingen, eine "andere" Politik zu machen.
Ein Hoffnungsschimmer könnte eine rot-grün-rote Bundesregierung sein, wobei die "Rechten" innerhalb der SPD gehörig umdenken müßten.
Denn dann gilt es, nicht weiterhin dem Großkapital "nach dem Munde zu reden", sondern sich ernsthaft für eine Umverteilung von oben nach unten stark zu machen.
Parteispenden ade? Na klar, aber dies waren und sind doch lediglich "Bestechungsgelder" zur Aufrechterhaltung bestehender Ungerechtigkeiten.

Wähler, bequemen, aufzustehen." Ja, Frau Walden - aber wie bringt man sie dazu?
"Lass mich in Ruh mit Politik" - "Ich kümmere mich um mein Umfeld...." Das bekomme ich fast täglich zu hören! Es scheint mir, es muss erst noch viel, viel schlimmer kommen, bis Deutsche sich aus dem Sessel der Bequemlichkeit erheben!
Und Rot-grün-rot als Hoffnungsschimmer? Wer bitte hat mit der Agenda 2010 die Mehrheit an die Minderheit verkauft? Wer fordert noch mehr Zuwanderer? Wer nennt CETA einen "exzellentes Abkommen"?

Ottmar Gerstner | Mo, 7. November 2016 - 14:09

ist darin ein ganz großes Vorbild: Gruppe 1) Illegale Grenzübertreter: liebevoll Flüchtlinge genannt, sind herzlich willkommen, Vollversorgung ohne Gegenleistung; vor allem, wenn sie der "Religion des Friedens" anhängen. Gruppe 2) die Deutschen: als Dunkeldeutsche degradiert, haben sich an die "Neudeutschen" anzupassen, Steuern zu zahlen und alle 4 Jahre bei der CDU das Kreuz zu machen.

Peter Büge | Mo, 7. November 2016 - 14:11

Na wenn ich mir die tägliche "Liste" ansehe, haben wir bereits ein Teil von Verhältnissen. Elle lange Diskussionen die langweilen, dir tägliche Kriminalität usw. Die Zukunft Deutschland sieht düster aus!

Jonathan Oldeson | Mo, 7. November 2016 - 14:28

Nun dem Autor ist weitgehend zuzustimmen. Nur wurde nicht immer die "Diktatur des Proletariats" von linker Seite beschworen? Der Aufstand der Entrechteten und Zukurzgekommenen gegen die herrschende und ausbeutende Klasse? Jetzt passiert's und nun ist's auch wieder nicht recht. Das Ganze fällt ja nicht vom Himmel. Insbesondere linke "Eliten" haben sich doch dauernd gegen den Staat als dem eigentlichen Übel gewendet. Polizei bäh, Justiz brech, Bundeswehr pfui, Verfassungsschutz igitt. Sie haben die Burg selbst sturmreif geschossen. Nur jetzt sind sie selbst die Mächtigen, die sich dort nett eingerichtet haben, sich und ihren Wassserträgern die Pfründe parteilich zuschanzen und ihre verfehlte Politik andere ausbaden lassen. M.E. ist nichts anderes zu erwarten, als dass diejenigen, die das alles wieder "Hosianna" rufend ausbaden und dulden sollen, irgendwann keinen Bock mehr haben und dann dreht sich das Karussell wieder und neue Eliten enstehen. Animal Farm lässt grüßen.

Michaela Diederichs | Mo, 7. November 2016 - 14:28

Graue Anzüge gibt es genug im Parlament, nur wo sind die klugen Köpfe dazu? Gabriel mit einem Refugees welcome Button der BILD-Zeitung im Bundestag, der Menschen als Pack tituliert, Seehofer, der seine BK wie ein besonders dummes Schulmädel abkanzelt, eine Kanzlerin, die sich das grimassierend anhört, ein BP, der von Dunkeldeutschland spricht, Göring-Eckart, die nur noch Geschenke möchte (in Form von Flüchtlingen) usw. Wenn Menschen (ein sehr kleiner Teil des Volkes) darüber verbal entgleisen, passiert dies meist aus hilfloser Wut heraus. Und unsere Politiker reagieren darauf mit - ja wütender Hilflosigkeit. Das wirkt überfordert auf mich. Leider finde ich keinen klugen, staatstragenden Kopf und leider auch keine wählbare Partei. Die Sehnsucht nach Zuverlässigkeit, Vernunft und Kompetenz in der Politik ist da, wenn ich die passenden Köpfe dazu finde, kann ich mich sehr gut mit elitärer Langweiligkeit abfinden.

Jonathan Oldeson | Mo, 7. November 2016 - 14:29

Nun dem Autor ist weitgehend zuzustimmen. Nur wurde nicht immer die "Diktatur des Proletariats" von linker Seite beschworen? Der Aufstand der Entrechteten und Zukurzgekommenen gegen die herrschende und ausbeutende Klasse? Jetzt passiert's und nun ist's auch wieder nicht recht. Das Ganze fällt ja nicht vom Himmel. Insbesondere linke "Eliten" haben sich doch dauernd gegen den Staat als dem eigentlichen Übel gewendet. Polizei bäh, Justiz brech, Bundeswehr pfui, Verfassungsschutz igitt. Sie haben die Burg selbst sturmreif geschossen. Nur jetzt sind sie selbst die Mächtigen, die sich dort nett eingerichtet haben, sich und ihren Wassserträgern die Pfründe parteilich zuschanzen und ihre verfehlte Politik andere ausbaden lassen. M.E. ist nichts anderes zu erwarten, als dass diejenigen, die das alles wieder "Hosianna" rufend ausbaden und dulden sollen, irgendwann keinen Bock mehr haben und dann dreht sich das Karussell wieder und neue Eliten entstehen. Animal Farm lässt grüßen.

Politiker (nein, nicht "ELITE") leben offenbar in einer Scheinwelt, Trump-Wähler auch. Die Scheinwelt der Politiker ist ihre geglaubte ideologische Wahrheit, die der Trumpisten ist mit realen Finanzproblemen und Abstiegsängsten etwas realer unterfüttert. Wie wäre es damit, wenn beide Gruppen jenseits von Theater zur Realität zurückkehrten. Oder doch wenigstens die Politiker dies täten. Für die ist Realismus existenziell. Wenn die Probleme der Mehrheit der Menschen, die den Trumpism befördern, benannt und bekämpft werden, wird auch der Trumpism aufhören. Denkverbote reichen hier nicht mehr, lieber Herr Autor, man muss an die Probleme ran.

Rüdiger Schellberg | Mo, 7. November 2016 - 14:52

Warten wir erst einmal ab, welche Position die Kandidaten nach der Wahl einnehmen werden. Wir erinnern uns, bei der letzten Bundestagswahl an die Wahlversprechen der FDB und auf welche Art und Weise sie die "kleinen Wähler" geködert und letztendlich auch eingefangen haben.

York Riedel | Mo, 7. November 2016 - 15:42

Das Dumme daran ist aber, daß auch die Doofen mitmachen dürfen und die sind in der Überzahl.
Das gilt jetzt leider immer häufiger auch fürs politische Personal, die keine Eliten mehr sind.

Jens Berger | Mo, 7. November 2016 - 16:06

Wer sind die Eliten, oben + unten, was für ein Geschwurbel ? Ich kenne nur intelligente oder dumme Menschen !

York Riedel | Mo, 7. November 2016 - 16:36

In reply to by Jens Berger

in den USA und Deutschland.
Es gilt für beide gleichermaßen:
Demokratie an sich ist eine feine Sache.Das Dumme daran ist aber , daß auch die Doofen mitmachen dürfen und die sind in der Überzahl.Das gilt leider auch fürs politische Personal, die keine Eliten mehr sind.

Christian Bauer | Mo, 7. November 2016 - 16:09

Die erste: Wer oder was ist heute "Elite"? Soll ich Angehörige der derzeitigen Regierung hier in D für "Elite" halten?
Die zweite Frage: Wer treibt eigentlich den Keil in die Gesellchaft? Die Rechtspopulisten? Die benennen, mangels Macht, die Dinge, die hier schief gehen. Die zeigen nur den Keil! Der Keil, das sind Dinge wie Altersarmut, oder die Kluft zwischen "Arbeitsplatzbesitzenden" und solchen, die daran nicht mehr, noch nicht oder überhaupt nie dazu gehören werden. Der Keil, das ist das Aussterben der Mittelschicht, deren "Sparstrumpf" schon längst geplündert wird zugunsten einer vermeintlichen Dienstleistungsgesellschaft, die genau dann stirbt, wenn der letzte Angehörige des Mittelstandes seinen leeren Sparstrumpf ansieht.

Peter Voit | Mo, 7. November 2016 - 16:14

Das "könnte" uns nicht nur blühen, das blüht uns auch hierzulande schon längst. Etwa, wenn der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, fordert: "Wir müssen klare Kante zeigen gegenüber allen Versuchen, ´völkisches´ Gedankengut und rechtsextremistische Kampfrhetorik in unserem Land wieder salonfähig zu machen".
Wie niederträchtig, alle jene, die nicht nur auf den Erhalt des eigenen Volkes, sondern überhaupt auf den Erhalt der Völker Europas bedacht sind, derart zu diffamieren und zu verleumden! Ist es etwa rechtsextremistische Kampfrhetorik, wenn laut Evangelium der Engel des Herrn Joseph auffordert, nach seiner Flucht nach Ägypten wieder, als die Gefahr vorüber ist, in das Land Israel, das Land seiner Herkunft und seines Volkes, zurückzukehren (Mt 2, 19)?
"Ob wenig oder viel, sei zufrieden / und laß dich nicht in der Fremde bewirten" (Sir 29, 23). Diese Worte mögen nicht "salonfähig" sein. Doch das müssen sie auch nicht sein.

Thorsten Rosché | Mo, 7. November 2016 - 16:19

Mit klugen Köpfen in grauen Anzügen sind wir gut gefahren ? Ich wälze mich am Boden vor Lachen. Eher umgekehrt die grauen, inkompetenten Eliten hatten ein kluges, fleißiges und geduldiges Volk und innovative Unternehmer. Die "Grauen" sind mit uns gut gefahren, lieber Herr Professor.

Siegfried Stein | Mo, 7. November 2016 - 16:37

So ein Mist auch, dass die da unten nicht einfach unten bleiben wollen.

Oder genauer gesagt: Nicht noch weiter nach unten wollen.

Es war doch abgemacht, dass die Präsidentschaft zwischen den Bush's und den Clinton's ausgespielt wird - und dann kommt einer und stört deren Kreise.
Shit democracy.
Immerhin in Deutschland wacht 'man' darüber.

Wilhelm Maier | Mo, 7. November 2016 - 16:45

"Schande für die - geistige Elite",
da haben sie recht Hr. Professor.

Claudia Drost | Mo, 7. November 2016 - 17:13

Eigenartigerweise waren es nicht die "geistligen Eliten", welche in Aufständen unsere freiheitliche, demokratische Ordnung ermöglicht hatten. Bauern, Leibeigenn, Sklaven, Arbeiter und einfache Soldaten hatten den Mut auf die Straße zu gehen, während die "Eliten" als Chaiselongue-Revoluzzer ihre geistigen Ergüsse im Salon beim Wein frönten.

Claudia Drost | Mo, 7. November 2016 - 17:16

„Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen!“

Elfie Jung | Mo, 7. November 2016 - 17:31

ein Grund, warum das auch bei uns passieren könnte ist: dass unbekümmerter Hedonismus der Eliten als nachahmenswert empfohlen wird, anstelle eines strikten Moralcodes, dass eine Familie mit Vater, Mutter, Kinder, als altmodisch und überholt belächelt wird, dass alte Werte, die Jahrtausende lang Gültigkeit hatten (harte Arbeit statt Sozialhilfe etc. von der Elite herablassend beurteilt werden.
In Paris sind vor ein paar Wochen 200.000
Menschen für den Erhalt der Familie auf die Straße
gegangen, das würde ich mir hier auch wünschen.
Dank unserer Eliten muß man hier schon für den
Erhalt der Familie kämpfen, die ja doch immer die
Grundlage jeder Gesellschaft gewesen ist.
Ohne sie wird die westliche Zivilisation zerstört.

Nicolas Wolf | Mo, 7. November 2016 - 17:43

"inhaltlichen Niveaulosigkeit" trifft es ganz gut und zwar auf den ganzen Artikel, denn der bietet nur eins: Trump als Fetisch. Sonst nix! Ursachen der Misere? Muss wohl schuld der Untertanen sein. Haben die USA eigentlich nur die Republikaner? War nicht Obama 8 Jahre Präsident, welcher Partei gehört der an? Demokraten, na das ist doch fast SPD, na die haben damit nix zu tun? Und wenn bei uns alles paletti ist, wieso haben unsere Eliten gerade mal die EU gegen den Baum gefahren, GB wird wohl austreten und dafür behalten wir Griechenland, was kommt als nächstes ein blutiger Bürgerkrieg a la Lincoln?

Die "Eliten" kriegen gerade Druck und das ist gut so. Warum denn auch nicht, sind die Bewohner der Elfenbeintürme über jeden Zweifel erhaben und brauchen nicht mehr hinterfragt zu werden, schon gar nicht vom Pöbel? Schon ein sehr sonderbarer Weltbild.

Detlev Bargatzky | Mo, 7. November 2016 - 17:53

Ein krasses Beispiel: Der Wahlkampf in SH, bei dem die BILD-Zeitung speziell einen Mann "fürs Grobe" einstellte und ihn im Wahlkampfteam eines Herrn Barschel unterbrachte.

Oder aus der etwas jüngeren Geschichte: Die Unterstützung der Unionsparteien durch Medien seit den 90er Jahren.. Hier könnte man an die Akteure der diversen Medienhäuser sogar Namen dran schreiben.
Schön wäre es, wenn neben den Methoden des US-Wahlkampfes auch die rechtlichen Rahmen hier übernommen würden. Aber da sind die Parteien schlau genug, sich diesen Ärger vom Hals zu halten.

Christa Wallau | Mo, 7. November 2016 - 17:56

Gehören die Bushs und Clintons tatsächlich zur
Elite der USA???

Wie auch in Deutschland inzwischen, sind es in den Vereinigten Staaten keineswegs geistig-moralische "Eliten", die das Land führen, sondern nur Karrieristen, Heuchler, Geldgierige, Lügner, Betrüger und zu jeder Sauerei Fähige, welche nur viel besser ihre miesen Eigenschaften unter einer Tünche von feiner Sprache und zivilisierten Umgangsformen verbergen können als ihre vielfach tumben Landsleute.

Das ist der einzige Unterschied.

Arne Bruhn | Di, 8. November 2016 - 16:44

In reply to by Christa Wallau

oder glauben zumindest, es nicht mehr nötig zu haben: "Herr" Dr. (!) Peter Tauber, Generalsekretär der CDU, hat öffentlich Andersdenkende mit dem bisher schlimmsten Fäkalausdruck belegt, den man sich vorstellen kann! Aufschrei der Partei(en)? Aufschrei der Presse/Medien? Aufschrei der sonstigen "Eliten"? WANN? WO? WIE OFT? (Damit 'die anderen da oben' es irgendwann hören!)

Yvonne Walden | Mo, 7. November 2016 - 17:58

Aus welchen Bevölkerungsgruppen besteht den "die Elite" in den USA?
Aus der Selbstsicht dieser Eliten handelt es sich um die Reichen und Superreichen, die mit ihren finanziellen Mitteln alles Politische steuern können und tatsächlich auch vorbestimmen.
Eliten im eigentlichen Sinn wären jedoch die humanistisch Gebildeten, also Menschen mit einem erweiterten Weltbild.
Diese Eliten sind nicht nur in den USA in der Minderheit, weil es die Herrschenden, also die "Oberen Zehntausend" auch in den USA zu verhindern wissen, daß die breite Masse überhaupt umfassend gebildet ist.
Hierzulande erleben wir ein ähnliches Phänomen.
Junge Leute verlassen die Schulen ohne umfassende Allgemeinbildung, zum Teil auch noch mit dürftigen Mathematik- und deutschen Sprachkenntnissen.
In den USA hätte es beispielsweise jemand wie etwa Willy Brandt niemals geschafft, Regierungschef zu werden.
Es sei denn, er hätte sich mit der Geld-Elite verbindet und deren Interessen vertreten.

Frau Walden,
Frau Walden
bei der von Ihnen verwendeten Begrifflichkeit " Elite" sei angemerkt
es gilt nicht mehr ein substanzielles Eliteverständnis - höhere Moral
und Integrität..........
mir scheint, es genügen
Bewußtsein und Gebaren ,um einer " Elite" anzugehören ............
(auf Beispiele verzichte ich)

Max Hoffmann | Mo, 7. November 2016 - 18:15

"Trumps Erfolg ist nichts weniger als der Frontalangriff auf die intellektuelle Elite." Eigentlich könnte man ja erst einmal die Wahl abwarten, ehe man Öl ins Feuer gießt. Aber Trump-Verdammung entspringt nicht der Sorge um das Wohl der USA oder dieser Welt, sondern ist BRD-Wahlkampf 2017. Mit Trump ist die AfD gemeint und alles, was auf Trump abgeladen wird, ist der AfD zugedacht. Auch der mehr oder weniger dirkte Hinweis, dass die Erfolge der AfD Frontalangriffe auf die intellektuelle Elite der BRD seien. Nun fehlt mir die Kenntnis über die intellektuelle Elite der USA. Aber die AfD kann unmöglich gegen die intellektuelle politische Elite der BRD kämpfen, weil es diese schlicht und einfach nicht gibt. In dieser Hinsicht kämpft die AfD gegen Windmühlenflügel ... Oder kann jemand behaupten, diejenigen, die uns die gegenwärtige Situation einbrockten, seien intellektuelle Elite.?

hans jürgen laumann | Di, 8. November 2016 - 19:59

In reply to by Max Hoffmann

Herr Hofmann,
Intellekt für "Verstand".....
oder als Bedeutung "Vernunft" - "Bewußtsein" - "Geist" ?
Wer und Wo ist d i e "Elite" - wer macht "Elite", was zeichnet sie aus ?

hans jürgen laumann | Mo, 7. November 2016 - 18:42

Herr Professor,
was sind denn "Eliten" ?
Denken Sie an unsere Funktions/Leitungs-Eliten
oder
die Macht-und Öko-Eliten ?
( die mit den Nadelstreifen, besonderen Habitus - Ackermann- Gebaren)
Gesucht werden Persönlichkeiten mit eigener
Leistung auf der Grundlage von Werten und
persönlicher Vertrauenswürdigkeit .................
von denen hören wir nicht!

Wolfgang Tröbner | Mo, 7. November 2016 - 18:58

US-Wahlkampf "Sachlichkeit, Respekt, Wahrhaftigkeit und Intellektualität" vergeblich suchte und dass hierzulande Ähnliches blühen könnte.

Meiner bescheidenen Wahrnehmung nach gibt es in den politischen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien hierzulande schon seit vielen Jahren weder Sachlichkeit noch Wahrhaftigkeit oder Intellektualität. Und dass hat nichts oder nur sehr wenig mit den "Rechtspopulisten" zu tun, sondern ist wohl eher eine Erfindung der sogen. etablierten Parteien. Ich kann mich noch sehr gut an diverse Talkshows im Fernsehen erinnern, als es noch keine AfD gab, und wo man nicht gerade zimperlich mit der Wahrheit oder dem politischen Gegner umgegangen ist. Der Unterschied zu heute besteht allenfalls darin, dass man jetzt mit vereinten Kräften auf die AfD einschlägt.

Karin Zeitz | Mo, 7. November 2016 - 19:23

in den derzeitig agierenden Politikern aller Parteien eine geistige Elite zu sehen. Eher kommen sie mir realitätsfern und wie ferngesteuert vor. Sowohl in den USA als auch in D haben sie sich so weit von den Leistungsträgern der Gesellschaft - den arbeitenden Menschen - entfernt, dass sie denen einfach nicht mehr glaubwürdig erscheinen.

Bernd Windisch | Mo, 7. November 2016 - 19:28

Was ist das eigentlich für ein Geschwätz über Eliten und Populisten? Dient dieser Artikel nicht einzig der Selbstvergewisserung des Autors? Die Welt ist angeblich zu komplex für Otto Normalverbraucher. Er hat Angst, keine Ahnung und ist deshalb unberechenbar. So einfach ist das. Die Elite bestehend aus Journalisten (ab einer bestimmten Einkommensklasse), Politikern und selbst ernannten Intellektuellen mit Pensions- oder Versorgungsanspruch hat den Durchblick. Wie kann es dann zu den katastrophalen Fehlern in der deutschen Einwanderungspolitik kommen. Kein anderes europäisches Land hat die tatsächliche Lage derart verkannt wie wir. Wer zahlt den die Zeche für diese naive und verfehlte Politik? Die Eliten? War es nicht viel mehr so, dass sich die Eliten gegenseitig bis zum Realitätsverlust in dieser Sache angefeuert haben. "Wer halb Kalkutta nach Deutschland holt, hilft nicht Kalkutta, sondern wird selbst zu Kalkutta". Das waren noch Eliten.

Clara Schwarze | Mo, 7. November 2016 - 20:43

Leute wie Trump sind nicht Ursache, sondern Symptom einer tief gespaltenen Gesellschaft. Die Gründe sind auch im Grunde gar kein Geheimnis. Einer ist zB die ewige Selbstüberschätzung in der Außenpolitik, die ein ernsthaften und auch theoretisches Problem ist. George Friedmann schreibt länger in dieser Zeitschrift dazu. Das Problem ist auch eher, dass unsere "Eliten" selbst post-faktisch denken und das Scheitern ihrer Ideologie vom Ende der Geschichte nicht wahrhaben wollen. Dieses Problem hat Trump übrigens auch nicht. Das macht einen Teil seiner Popularität aus. Eine Lösung ist er nicht, aber das wird auch Clinton nicht sein.

Felix Haller | Mo, 7. November 2016 - 21:33

Ich kann Sie alle beruhigen: Einen Präsidenten Trump wird es nicht geben. Warum also diese Aufregung? Der deutsche und europäische politische Hauptstrom wird seine favorisierte Hillary Clinton bekommen. Sie wird es irgendwie schaffen.

Die Amis wählen das kleinere Übel. So schaut es wohl aus. Der alte weiße Mann (im politisch-korrekten Jargon „white trash“) scheint bereits derart müde zu sein, daß er sich noch nicht einmal mehr in genügender Anzahl an die Wahlurne begibt; sich mit seinem Untergang abzufinden scheint.

Das gesamte politische System der USA ist über 225 Jahre alt und ist an die moderne, komplexe, ausdifferenzierte Gegenwartsgesellschaft nie angepaßt worden. Die USA haben gewaltige Reform- und Anpassungsbedarfe an eine durch Globalisierung sich verändernde Welt. Allein, der weitere allmähliche Abstieg der USA scheint mir unaufhaltsam. Gerade auch Clinton mit ihrer Administration wird die Talfahrt nicht aufhalten.

Felix Haller (Bakwahn)
Hamburg Bangkok Düsseldorf

Felix Haller | Mo, 7. November 2016 - 21:46

Die systemischen Probleme für die USA sind meiner Meinung nach die beiden großen amerikanischen „Volksparteien“, die sich zunehmend gegenseitig lahmlegen und damit das Land paralysieren.
Dazu kommt das Mehrheitswahlrecht, „the winner takes it all“. Es kann passieren, daß derjenige mit der geringeren Gesamtanzahl an Wählerstimmen Präsident wird. Einfach verrückt.

Kritik an der AfD:
Die an den Haaren herbeigezogene Kritik der AfD ist lächerlich und falsch. Nicht die kleine, nicht im BT vertretene AfD treibt Keile in die Gesellschaft, sondern führende Repräsentanten der deutschen „Eliten“ („Pack“, „Mob“, „Dunkeldeutschland“ etc.).

Die CSU übernimmt zunehmend Positionen der AfD, dito de Maizière, der CDU Innenminister, der Flüchtlingsboote zurückschicken will. Die SPD erarbeitet ein Einwanderungsgesetz, welches bei der AfD abgeschrieben sein könnte.

Wer ist hier „populistisch“?

Felix Haller (Bakwahn)
Hamburg Bangkok Düsseldorf

Richtig, Herr Haller, s o sieht es aus:
Positionen, die gestern noch als "schlimm" (um es milde auszudrücken) und
unakzeptierbar bei der AfD bezeichnet wurden, werden nun - peu à peu -
von SPD und CDU übernommen.
Und viele Menschen, die bestenfalls offenbar ein Gedächtnis haben, das von gestern bis heute reicht, nehmen ihnen diesen tollen Schwenk auch noch als
eigene Leistung ab!!!

Norwin Glarner | Mo, 7. November 2016 - 22:51

Sehr geehrter Herr Professor, habe mir erlaubt, Ihren Artikel von hinten nach vorn zu lesen und möchte zustimmen. Also zumindest dem Teil, in dem Sie "Kluge Köpfe" in der Vergangenheit verorten. Jipp, lang her. Was unsere "Eliten" betrifft, sicher sei es ihnen vergönnt, als Menschen in guter Kantscher Tradition sich selbst zu genügen, im besten Sinne "nutzlos" zu sein. Sich selbst feiernd, in handverlesenem Umfeld, elitär. Irritierend allerdings der Anspruch, uns diese "Nutzlosigkeit" als schöpferische Leistung für die Gesellschaft verkaufen zu wollen. Aktivisten glauben, sie wären die Regierung und die Reg. vermeint, sie wär eine Aktivistengruppe, die Presse ist beides und zusammen feiert sich ein freudiger Gangbang. Die Wahrheit ist aus dem Spiel und zum Eigentum erklärt, der Bürger empfängt Moral von oben herab, Utopie heißt die neue Ideologie und da wundert sich irgendwer, dass das so vorbereitete Volk die krassest mögliche Sprache dustig aufnimmt? Im Ernst jetzt??

Michael Sander | Di, 8. November 2016 - 07:50

Der "Tabubruch", welcher die angeblichen Rechtspopulisten in Deutschland stark gemacht kam, wurde von Angela Merkel selbst begangen.
Und es sind ja wohl überwiegend die Regierungsparteien, welche heute "Keile in die Gesellschaft treiben, Emotionen schüren, Ängste generieren, Tatsachen wegwischen".

Wenn die Eliten in Amerika, Europa und Deutschland nicht so eklatant versagt hätten und sich dabei auch noch in Selbstgefälligkeit suhlen würden, bräuchten wir uns über Trump und Ähnliche nicht zu unterhalten.

Thomas Hellerberger | Di, 8. November 2016 - 13:34

Auch ich teile eine Abneigung gegen links-linksliberale Eliten, die ich habe, seit mir nickelbrillentragende Lehrer pausenlos den Satz "gerade wir als Deutsche..." einhämmerten. Ich denke, das Problem dieser Eliten, von denen hier die Rede ist, ist daß sie in einer Art nichtauflösbaren Symbiose mit den "den da unten" (also den "Rechten") leben müssen - denn es sind diese, die den Eliten ihr Leben finanzieren. Das kann und konnten die Eliten noch nie, egal ob bei den alten Ägyptern, den Römern oder jetzt im "Westen". Daran scheiterten sie und ihre Staatsgebilde immer. Jetzt, im 21. Jahrhundert, ist der Westen dran wie Rom im 6. Jahrhundert. Was für uns betrüblich ist, daß wir Zeitzeugen dieses Niederganges sein müssen, "zu spät" geboren wurden für die guten Zeiten des Westens. Was aber auch wahr ist: Irgendetwas wird nachfolgen. Wenn auch nicht unbedingt, wie das Mittelalter zeigte, etwas besseres.

Jay Smith | Di, 8. November 2016 - 14:20

*
Es geht nicht um "die von unten gegen die da oben"
Das ist typische "rechts/links extreme Propaganda"

TRUMP redet auf dem Level eines verwöhnten Schuljungen in der Pubertät...und hat damit Erfolg bei ungebildeten Weissen Männern.
Das ist auch die einzige Gruppe die er auf seiner Seite hat.
Selbst Republikaner mit College Degree wählen überwältigend für Clinton.
George W. Bush z.B. war beliebt bei den Latinos in Amerika und sie brachten ihm den Sieg in 2000.
TRUMP hingegen hat alle ethnischen Gruppen verprellt und kann mit seiner Horde "weisser, brüllender Proleten" nicht gewinnen.
Purer mathematischer Fakt.

Lange Rede..kurzer Sinn...

VICTORY for HILLARY!

Meine Prognose:

Hillary gewinnt mit mindestens 322 electoral votes.

Die "TRUMP SHOW" ist am Ende. Licht aus...

Das dumme Gebrüll und Gelaber wird leider noch lange weitergehn...

Medien brauchen ja schliesslich "Talking Points" um Kohle zu machen. ;-)

Schmerzlichst....

... Die TRUMP SHOW geht auch ohne Ihr Einverständnis munter weiter.
Vielleicht sollten Sie jetzt endlich mal vom hohen Roß Ihrer zur Schau gestellten
überheblichen Allwissenheit heruntersteigen. (Selbstkritik gehört zu jedem
wirklich gebildeten Menschen.)
Es würde Sie sicher vielen Forumsteilnehmern sympathischer machen.

Mit der hilery. Trump hatte anscheinend doch mehr Wähler als weiße proleten auf seiner Seite. Die als Dummköpfe zu betiteln zeugt von einer eingebildeten Arroganz, die sich als intellektuellen Nabel der US-amerikanischen Welt hält.
Als wahlprognosenfrosch haben sie zwar versagt, aber als Patriot können Sie sich an trump gewöhnen, der ihnen politisch nicht fremd aber nur unsympathisch sein dürfte.

Was finden Sie an der hilery eigentlich gut? Oder anders gefragt: was haben sie von der was trump für sie nicht hat?
Anscheinend handelt es sich eher um eine geschmacksfrage, was ein luxuriöser dummer Standpunkt wäre bei dem, dessen materielles Wohlergehen in dem des Staates aufgeht.
Aber so sind Patrioten ... .
Kopf hoch Mr. Smith. In 5 Jahren sind sie sich mit trump einig und versöhnt. Denn kein Schwein weiss, was der guteste für die USA veranstalten wird, weil ja das Amt den Charakter prägt und nicht umgekehrt - oder?!

Arne Bruhn | Di, 8. November 2016 - 15:10

"In Deutschland regierten kluge Köpfe...." REGIERTEN! Das ist Vergangenheit! Mit Frau Merkel aber ist diese Zeit zu Ende gegangen! Und vor einigen Tagen hat der Generalsekretär der auch einst "altehrwürdigen Partei" der CDU, ein "Herr" Dr.(!) Peter Tauber öffentlich folgenden Satz ausgesprochen "Wer gegen Merkel ist, ist ein A....loch!" - Wie schreiben Sie "Sachlichkeit, Respekt, Wahrhaftigkeit, Intellektualität wurden vermisst" und "Barrieren des Anstands und der Moral besaßen keine Gültigkeit mehr." Haben wir das bei unserer "Elite", akademisch "gebildet" nun nicht auch -siehe obiges Zitat? Sehen Sie denn nicht die von Ihnen erwähnte "Unfähigkeit der - hier CDU- Partei, das zu stoppen? Die CDU verfügt weder über den Mut noch über die intellektuelle Kraft, dem Einhalt zu gebieten. Bei uns regiert Madame Merkel - und keiner hat Mut und Kraft, sie zu stoppen!
Bitte kehren wir erst vor unserer Haustür, da ist wahrlich genug zu tun!!!

Bonga Rottanina | Di, 8. November 2016 - 17:13

Hetzmedien dann, wenn er doch gewinnen sollte und was ist dann mit unserer Islamisierung, ich hätte gerne diese zeit erlebt, aber wir werden erst 2017 wählen...

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 9. November 2016 - 06:57

Vor allem ordnet er Trump innerhalb des republikanischen Lagers richtig ein, "ohne" ihn jedoch zu Clinton in Bezug zu setzen.
Die Demokraten gaben den Ton vor mit HC, von der nicht wirklich ausgemacht ist, dass sie zur Elite der Demokraten zählt. Ich würde meinen, sie repräsentiert das, was der Autor Trump vorwirft und darauf wäre Ted Cruz in dieser Situation noch nicht die richtige oder anders "schlagende" Antwort gewesen.
HC zählt zum Establishment der USA, nicht zur Elite, wie Trump auch.
Trotz wichtiger Stabilisierung durch Obama liegen die USA am Boden.
Trump spricht diese Menschen an und ich hoffe sehr, dass er es ehrlich mit ihnen meint.
HC spricht die Abgehängten ihrer Partei wohl weniger an ob bewusst oder unbewusst.
Sie wird nicht von den Demokraten getragen. Steigbügelhalter/Vorsänger dafür war Sanders, auch er ohne Bodenhaftung.
Die konservativen Eliten konnten die USA im enthemmten Finanzkapitalismus nicht retten.
Trump will es.
Stay at the side of the US-People.

halte ich für naiv. Sie hält sich m.E. für unersetzlich und ähnelt darin Merkel.
Um sie herum verkümmern alle Potenziale, aber wichtig ist der Frau m.E. ihr Sieg.
Auch Ted Cruz hätte gegen Clinton gewonnen, aber er wäre dem "Schmutz" und den m.E. letztlich inhaltslosen Wortkaskaden einer Jahrzehntelang auswendig gelernten Politikstrategie einer Clinton ausgesetzt gewesen und hätte Schaden genommen.
Er hat Glück gehabt, dass Trump in den Ring gestiegen ist.
Trump kannte HC, das könnte schon als Beweggrund ausgereicht haben, denn vielleicht hat er nie das bei ihr feststellen können, was man gemeinhin unter Politik versteht.
Da hat er es auch mal mit Politikshow versucht.
Ob er eine tragenden Politik zu entwickeln vermag, ist nicht ausgemacht.
Bei HC wäre ich nie davon ausgegangen.
Obama war schon die "Erlösung" von einer Kandidatin HC.
Vielleicht sind die Demokraten so klug und setzen wieder bei Obama an.
Vergesst HC.
Mein Anliegen war, dass sie verhindert wurde.
DANKE

Robert Müller | Mi, 9. November 2016 - 07:43

Bei dieser Wahl in der USA kann man sehen wie schnell aus "post-faktisch" ein Fakt wird. Willkommen in der neuen Realität! Bin gespannt was Trump aus dieser Chance macht. Ich war vor zwei Wahlperioden auf Obame neugierig gewesen und er hat es ganz gut gemacht, vielleicht nun auch Trump. Den Amerikanern ist das zu wünschen.

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