Rumänien - Fakten zur Situation der Roma

Rumäniens Ex-Präsident Emil Constantinescu behauptet, in Rumänien gebe es keine Diskriminierung von Roma. Was ist dran an der Behauptung?

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Vinzenz Greiner hat Slawistik und Politikwissenschaften in Passau und Bratislava studiert und danach bei Cicero volontiert. 2013 ist sein Buch „Politische Kultur: Tschechien und Slowakei im Vergleich“ im Münchener AVM-Verlag erschienen.

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Etwa 1,85 Millionen der gut 20 Millionen Einwohnern Rumäniens sind laut Angaben des Europarates ethnische Roma. Damit leben in keinem Land mehr Angehörige der Roma-Minderheit. Sie haben mit strukturellen Nachteilen und Diskriminierung zu kämpfen – das zeigen verschieden Beispiele, die von NGOS oder auch vom Europarat in den letzten Jahren angeführt werden.

Health Gap und schlechte Bildung


Rassistische Ressentiments gegenüber Roma – der sogenannte Antiziganismus – spielt beispielsweise bei der Vergabe von Arbeitsplätzen eine Rolle, wie es in einem Bericht des Europarates aus dem Jahr 2006 heißt. So wurden in Lokalzeitungen teilweise  Stellenanzeigen mit dem Zusatz versehen, dass sich keine Roma zu bewerben brauchten. Bisweilen hindern bürokratische Hürden Roma-Kinder daran, Schulen zu besuchen. Im Jahr 2002 besuchte nur etwa ein Fünftel der Roma-Kinder zwischen 15 und 18 Jahren eine Schule.

Viele Roma leben buchstäblich am Rand der Gesellschaft - in kleinen Niederlassungen an Stadträndern und im Umland. Immer wieder kommt es zu Räumungen dieser Romasiedlungen. So veranlassten die Behörden 2012 die Zwangsräumung der Hälfte des Dorfes Craica und siedelten die betroffenen Roma-Familien in eine ehemalige Chemiefabrik um. Weiteren 30 Familien drohte in diesem Sommer die Umsiedlung, die Amnesty International für illegal hält.

Auch aus gesundheitspolitischer Perspektive sind die rumänischen Roma schlecht in die Mehrheitsgesellschaft integriert. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2009, die die Europäische Union zur Gesundheit der Roma-Minderheit durchführen ließ, kommt zu dem Schluss, dass in Rumänien „strukturelle Probleme den Zugang zu guten Gesundheitsdienstleistungen verwehren“. Auch das European Roma Rights Centre (ERRC) spricht von schlechterem Zugang zu Gesundheitsinfrastruktur für Roma, die eine geringere Lebenserwartung hätten als die Mehrheitsrumänen. Es gebe einen „Roma Health Gap“.

Die Organisation beschreibt zudem, dass die Roma-Minderheit kaum in die politischen Prozesse des Landes eingebunden sei: „Romabeteiligung steht noch immer für einen leeren Slogan“.

Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und in den Medien


Die schlechte gesundheitliche Versorung der ethnischen Minderheit geht Hand in Hand mit ihrer prekären wirtschaftlichen Lage. Wie eine Studie des rumänischen Arbeits- und Familienministeriums herausfand, lebten im Jahr 2009 25,4 Prozent der Angehörigen der Roma-Minderheit in absoluter Armut – der Prozentsatz ist damit sechs Mal höher als in der Gesamtbevölkerung Rumäniens.

Wie stark nebst dieser strukturellen Probleme persönliche Diskriminierung gegenüber Roma stattfindet, ist statistisch schwer festzustellen. Ein Strategiepapier der Europäischen Union zur Inklusion der Roma-Minderheit in Rumänien weist jedenfalls bezüglich der Diskriminierung Zahlen auf, die deren Rückgang andeuten: Innerhalb von 13 Jahren habe sich beispielsweise die Toleranz der Bevölkerung gegenüber Roma, die in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnen, verbessert.

Allerdings seien Angehörigen der Minderheit weiterhin Opfer von „Diskriminierung in Bezug auf öffentliche Dienstleistungen, Arbeitsmarkt und Darstellung in den Medien“. Vor allem negative Stereotype spielten hier eine Rolle.

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