Armbänder - Höchststrafe Til-Schweiger-Appeal

Lederarmbänder wirken leicht etwas streberhaft und sehen schnell speckig aus. Und Metallarmbänder verbreiten mitunter eine zweifelhafte Aura. Zum Glück gibt es Nylonbänder

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Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Im Oktober erscheint sein Buch „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ beim Claudius Verlag München.

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Klar, an eine wirklich gute, schöne und am Ende auch noch teure Uhr gehört ein entsprechendes Armband. Etwa vom Alligator oder vom Krokodil, von der Eidechse, vom Strauss oder vom Kalb. Wer es etwas extravaganter haben möchte, der präsentiert seine Uhr an einem Band aus Haifischhaut oder Shell Cordovan. Und natürlich gibt es da auch noch das gute alte Metallband. Das hat allerdings so seine Tücken – zumindest bei Herrenuhren: zum ein sieht sein Träger immer aus wie der ewige kleine Junge, der später einmal Pilot werden möchte und zum anderen – und das ist wirklich die Höchststrafe – vermittelt es einen sehr unguten Til Schweiger-Appeal.

So apart Metallarmbänder an manchen Damenuhren wirken können, bei Herren verbreiten sie mitunter die zweifelhafte Aura eines Proleten, Parvenüs oder Playboys. Das liegt allerdings, um den Armbändern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, nicht selten an den Uhren, an denen sie befestigt werden. Denn vielen klassischen Sportuhrenmodellen erging es wie dem 911er Porsche: irgendwie ist es den modernen Designern gelungen, aus zeitlos eleganten und nahezu perfekten Formen klobige, brutale und vulgäre Ungetüme zu formen, die sicher osteuropäische Mafiosi beeindrucken, den kultivierten Zeitgenossen jedoch eher abschrecken. Vergleichen Sie mal einen Rolex Oyster Perpetual aus den 50er Jahren mit den heutigen Modellen. Doch das nur nebenbei.

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Für all jene Herren, die ungern als die Provinzausgabe von Bruce Willis gelten möchten (der übrigens in „Die Hard“ den geschmackvollen Jazzmaster von Hamilton mit Lederarmband trägt), aber auch nicht Gefahr laufen wollen, wie ein streberhafter Jurastudenten zu wirken, der von seinen Alden-Schuhen über das Ralph-Lauren-Hemd bis zur mechanischen Armbanduhr mit römischem Zifferblatt und Lederband nichts aber auch gar nichts falsch machen möchte, gibt es eine ebenso praktische wie schöne und zudem günstige Alternative: nein, nicht das Kautschukband in grellorange, sondern das gute alte Nylonband.

Wie manches, das sportlich, elegant und stilsicher zugleich ist, verdanken wir das Nylonarmband dem britischen Militär. Das hat es zwar nicht erfunden – über den tatsächlichen Urheber streiten sich die Geister –, den Briten kommt aber das bleibende Verdienst zu, die Vorteile des Nylonarmbandes erkannt und es in die Liste ihrer Ausrüstungsgegenstände übernommen zu haben. Dadurch bekamen die Armbänder eine NATO-Lagerungsnummer, was der Grund dafür ist, dass die netten Bänder auch unter dem martialischen Namen „NATO-Band“ bekannt sind. In Großbritannien spricht man allerdings in Anlehnung an die ursprüngliche Inventarnummer vom „G10“.

Eingeführt wurde der neue Ausrüstungsgegenstand im britischen Militär Anfang der 50er Jahre. Dass die Synthetikbänder auch im zivilen Sektor in kürzester Zeit weite Verbreitung fanden und eng mit der Ästhetik der 50er und frühen 60er verbunden sind, hat mit dem vielleicht berühmtesten Offizier der Royal Navy zu tun: James Bond.

In den ersten beiden James-Bond-Filmen, „Dr. No“ und „From Russia with Love“, trägt Sean Connery seine Rolex Submariner mit einem Alligator- oder Krokodilband. Doch in „Goldfinger“ und „Thunderball“ verwendet 007 ein „G10“ Nylonband, das ihn unmissverständlich als Militär ausweist. Lustigerweise ist das Band, das Bond an seiner Submariner trägt, mindestens 2 Millimeter zu schmal, wie einige Close-ups deutlich machen. Dieses kleine Missgeschick ändert jedoch wenig daran, dass das Nylonband Bonds Uhr sehr wirkungsvoll in Szene setzt – auch und gerade zu dem weißen Dinner Jacket, das der Geheimagent in einer berühmten Szene trägt.

Als Commander der Royal Navy trägt Bond das original „G10“, schwarz, mit zwei grauen Streifen, die – als kleine Extravaganz – mit feinen roten Linien gefasst sind. Das derzeitige originale NATO-Band kommt demgegenüber äußerst schlicht und in einer Farbe daher, die etwas euphemistisch als Admiralsgrau bezeichnet wird. Aber für den Herren, der sich auch in einer Camouflagehose gut aufgehoben fühlt, ist das vielleicht nicht einmal die schlechteste Wahl.

Für alle anderen, etwas weniger militaristisch gesonnenen Zeitgenossen gilt jedoch: Nylonbänder gibt es zum Glück inzwischen in allen Farben und unzähligen Mustern, und seit einigen Jahren sind sie, dem Internet sei einmal mehr Dank, auch in Deutschland einfach zu bekommen – sogar die sehr dezente, beinah elegante Variante, die einst Sean Connery trug.

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Allerdings ist Nylonband nicht gleich Nylonband. Zum einen ist darauf zu achten, dass das Band tatsächlich aus hochwertigem ballistischem Nylon gefertigt ist, vor allem aber muss es sich um ein Durchzugsband handeln. Mit anderen Worten: anders als seine Kollegen aus Leder, besteht das gute Nylonstück nicht aus zwei Teilen, die an den Federstegen der Uhr befestigt werden, sondern aus einem Band, auf das die Uhr aufgezogen wird. Eine Lasche am Ende des Bandes ermöglicht es dabei, eine Sicherheitsschlaufe zu bilden, die verhindert, dass die Uhr auf dem Band hin und her rutschen kann. Zudem liegt die Uhr dadurch nicht direkt auf der Haut auf, was bei feuchtigkeitsempfindlichen Stücken durchaus seine Vorteile hat.

Damit wären wir bei einem nicht unwichtigen Aspekt der Nylonbänder: sie sind nicht nur äußerlich attraktiv, sie sind auch noch praktisch. Anders als Lederbänder sind sie problemlos zu reinigen, man kann die Uhr in Sekunden herunterfädeln, ohne dass dabei die Federstege kaputt gehen oder die Gehäusehörner zerkratzt werden und vor allem: man hat zu jedem Anlass, zu jedem Wetter, zu jeder Stimmung das richtige Band in der passenden Farbe. Und wenn tatsächlich mal ein Federsteg brechen sollte – so was kann vorkommen –, dann fällt das gute Stück aus Schaffhausen nicht auf den Boden, vom Balkon oder in den See, sondern bleibt am Handgelenk.

Erwähnen sollte man schließlich auch, dass selbst hochwertige Bänder für unter 20 Euro zu haben sind. Wem das an seiner Omega Seamaster dann doch etwas zu popelig ist, der ist bei der Züricher Uhrenmanufaktur Maurice de Mauriac gut aufgehoben: da kosten die bunten Bänder immerhin 50 Franken.

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