Meistgelesene Artikel 2016 - Wie sich die konservativen Islamverbände wegducken

Im 7. Teil unserer Meistgelesen-Serie fordert der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi drastische Maßnahmen gegenüber konservativen muslimischen Dachverbänden. Sie seien noch meilenweit von einem aufgeklärten Islam entfernt

Zentralmoschee der türkisch-islamischen Union Ditib in Köln
Zentralmoschee der türkisch-islamischen Union Ditib in Köln / picture alliance

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Der Autor leitet den Fachbereich Islamische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Breisgau. 

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Abdel-Hakim Ourghi / Hochschule Freiburg

Vor einigen Jahren sagte der heutige Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdogan: „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Gewiss prägen solche ideologischen Sätze das kollektive Gedächtnis und bestimmen den Umgang der türkischstämmigen Menschen mit Nichtmuslimen. Solche Sätze sind nicht nur sinnstiftend, sondern bilden sogar eine Barriere für die Integration der türkischstämmigen Menschen. Und sie sind auch die Ebnung eines Wegs für die Parallelgesellschaft, besonders wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der türkischen Moscheen, wie etwa die der Ditib, von diesem finanziellen und ideologischen Einfluss abhängig sind.

Der türkische Islam wird immer islamistischer und nationalistischer. Er bildet sogar die Basis für einen „Ghetto-Glauben“ in die Parallelgesellschaft. Es ist auch kein Wunder, dass ein Drittel aller deutschen Gotteskrieger in Syrien und im Irak türkischstämmig ist. Aus Dinslaken-Lohberg ist eine Gruppe von 22 Jugendlichen geschlossen in den „Heiligen Krieg“ gezogen. Auch die Ditib-Jugendlichen posierten mit dem Finger als Siegeszeichen des IS im Netz. Auf der Internet-Seite der Ditib-Gemeinde in Melsungen sind im Jahre 2015 antisemitische Hetzparolen übelster Sorte gegen die Juden aufgetaucht.

Der Beitrag der Islamverbände zur Radikalisierung

All diese Extremisten sind Muslime und sie verbindet die religiös-politische Sozialisation durch die Importimame aus der Türkei in den türkischen Gemeinden. Hierbei leisten einige der Moscheen als Vorstufe der islamistischen Radikalisierung einen massiven Beitrag. Dies führt dazu, dass die Kluft zwischen einer modernen und einer konservativ-religiösen Identität größer wird. Scharfe Identitätskonflikte, die zur Entfremdung der Kinder von der westlichen Gesellschaft und zu einer Stärkung der Bindung an die Herkunftsländer der Eltern führen, sind durch Wochenend-Koranunterricht im Rahmen einer „Pädagogik der Unterwerfung“ in den Moscheen vorprogrammiert.

Die Formel „Allahu Akbar“ (Gott ist am größten) riefen die Imame in den Moscheen in der Türkei, um die Menschen gegen den fragwürdigen Putsch in der Nacht vom Freitag auf Samstag zu mobilisieren. Auch in vielen deutschen Städten und in Wien sind Tausende türkischstämmige Demonstranten auf die Straße gegangen. Einige unter ihnen riefen „Allahu Akbar“, um ihre Solidarität mit dem Despoten von Ankara zu verkünden. Als Zeichen ihrer Überlegenheitsideologie riefen bereits die christlichen Kreuzfahrer „Deus vult“ (Gott will es!). Auch die Islamisten fühlen sich durch „Allahu Akbar“ als Schlachtruf mit dem Islam verbunden. Nicht nur die Terroristen von Paris, Brüssel, Madrid, Bagdad und Würzburg brüllten diese islamische Glaubensformel heraus, sondern Islamisten aller Couleur in der ganzen Welt. 

„Allahu Akbar“ als Schlachtruf

„Gott ist am größten“ wird im Hocharabischen als „Takbir“ bezeichnet und ist eigentlich ein Aufruf der Muslime zum gemeinsamen friedlichen Gebet in den Moscheen,  der  als Ausdruck mehrmals zu wiederholen ist. „Allahu Akbar“ ist im Koran  zu lesen als: „Preise deinen Herrn“ (Koran 74:3), oder „und preise ihn allenthalben!“. Im Kern sagt diese Parole nichts über die Religiosität des Sprechers aus. Jedoch hat dieser Satz im politischen Sinn als Schlachtaufruf eine wundersame Kraft als Symbol für Zugehörigkeit zur muslimischen Gemeinde und betont die Bekämpfung der Gegner des Islams durch Gewalttaten. Der Satz soll „Angst in den Herzen der Ungläubigen hervorrufen, denn wir [die Extremisten] leben den Tod und die anderen leben das Leben“.     

Während Schauplätze des islamistischen Terrors nicht nur Länder in der islamischen Welt sind, sondern längst auch westliche Metropolen, blieb Deutschland bis zur Axt-Attacke von Würzburg lange Zeit verschont. Deutschland ist auch nicht mit Frankreich mit seiner kolonialen Geschichte und seiner desaströsen Integrationspolitik zu vergleichen. Sicherheitsbehörden gehen jedoch insgesamt von 8.900 Salafisten in Deutschland aus. In NRW sind es zurzeit 2.700, von denen 640 als gewaltbereit eingestuft werden. Genauer gesagt: Es handelt sich um tickende Zeitbomben – Tendenz ist steigend.

Islamverbände als bequeme Apologeten

Auch wenn es ironisch klingt, droht die Gefahr nicht von den Salafisten, denn die Sicherheitsbehörden leisten hier eine hervorragende Arbeit. Viel gefährlicher sind die sogenannten „moderaten Islamisten“, die nichts für den sozialen Frieden unternehmen und ständig betonen, dass es keinen Extremismus in ihren Gemeinden gibt. Mit Pathos wiederholen sie, dass der Islam mit dem Islamismus nichts zu tun. Zu diesen bequemen Apologeten gehören die konservativen Dachverbände wie die Ditib und der Zentralrat der Muslime, die einerseits die meisterhaft stilisierte Pflege der Opferrolle bevorzugen, andererseits in der Öffentlichkeit Akzente auf den Ton des Überlegenen setzen, der zu fordern und nicht so sehr zu geben hat. Ihre konservative Islamkonzeption und ihre ständig manipulativ zum Ausdruck gebrachte weinerliche Opferhaltung werden gewiss keinen Beitrag zur Integration der hier lebenden Muslime und der Deradikalisierung der Islamisten leisten.

Die konservativen Dachverbände beherrschen kunstvoll das rhetorische Spiel. Einerseits verkaufen sie den Islam politisch ambitioniert nach außen als „Religion des Friedens“,  andererseits predigen sie ihn heimlich in den Gemeinden nach innen als „gottesrechtliche Gesellschaftsordnung“. Angesichts dessen kann man nur tief besorgt sein. Auch der Vorwurf der Islamophobie gegen ihre Kritiker ist eine gut durchdachte Strategie, um nicht nur ihr Islamverständnis im westlichen Kontext unangreifbar zu machen, sondern auch die Macht der konservativen Dachverbände in der Öffentlichkeit zu stärken.  

Es ist für mich als liberalen Muslim würdevoll zu sehen, wie sehr die Politiker der etablierten Parteien und die beiden Kirchen um Dialog mit den konservativen Dachverbänden bemüht sind. Eine Gefahr, die ich jedoch konstatiere, ist, dass durch die dominierende Kultur der an sich löblichen politischen Korrektheit ein mutiges Ergreifen des kritischen Wortes und das Aussprechen unangenehmer Wahrheiten vermieden werden, um sich nicht den Zorn und die Wut der muslimischen Minderheitsgesellschaft auf sich zu ziehen. Hilflosigkeit und Überforderung auf Seiten politischer Entscheidungsträger werden es aber den Dachverbänden ermöglichen, einen konservativen Islam zu etablieren – einen Islam, der mit einer säkularen und pluralistischen Staatsordnung und den damit verbundenen Werten nicht vereinbar ist.

Selbstverständlich darf der Staat Moscheen observieren

Die AfD und die Rechten haben wahrlich an Stärke und Macht gewonnen, weil unangenehme Themen tabuisiert worden sind. Die Politiker haben es nicht geschafft, eine mutige und differenzierte Debatte in der Mitte der Gesellschaft über den Islam und die Muslime zu führen. Es muss möglich sein, kritisch zu begründen, warum man der Meinung ist, Richterinnen sollten kein Kopftuch tragen oder darüber zu diskutieren, ob der Terror mit einem bestimmten Islamverständnis zu tun hat oder ob ein muslimischer Student seiner Lehrerin die Hand schütteln sollte oder nicht.  Durch derart ehrliche und mutige Debatten auf der Grundlage der Vernunft beginnt die Prävention statt die Intervention. Denn im Vorbeugen statt dem reflexartigen Agieren liegt die fundierte Basis für ein friedliches Zusammenleben zwischen Muslimen als Minderheit und Nichtmuslimen als Mehrheit.

Mit der Prävention meine ich rechtzeitig ergriffene Maßnahmen zur Vermeidung von unkontrollierbaren Zuständen. Selbstverständlich darf der Staat jederzeit die Moscheen observieren. Moscheen, in denen ein erzkonservativer Islam durch verfassungsfeindliche Predigten zur Radikalisierung beiträgt, müssen durch Gerichte geschlossen werden. Zum Wohle der Freiheit in dieser Gesellschaft und zum Mut von Politik und der beiden Kirchen gehört die Einsicht, dass durch die Zusammenarbeit mit muslimischen Dachverbänden ein Fehler begangen wird. Die politische Ideologie der konservativen muslimischen Dachverbände und die Gefährlichkeit ihres religiösen Diskurses darf nicht unter den Tisch gekehrt werden.

Sowohl Politik als auch Kirchen sollten zwischen einem modernen und humanistischen, Islam auf der einen und einem orthodoxen und archaischen Islam auf der anderen Seite unterscheiden. Nur ein moderner und humanistischer Islam ist mit den säkularen Gesetzen des demokratischen Rechtsstaates und den Menschenrechten vereinbar. Politik sollte darauf bedacht sein, nicht die Stimmen der muslimischen Wähler wichtiger zu nehmen als den aufgeklärten und modernen Islam.

Der nicht reformierte Islam passt in keine freiheitliche Gesellschaft

Denn der nicht reformierte Islam der Dachverbände passt in keine freiheitliche und pluralistische Gesellschaft. Und tatsächlich sind die konservativen Verbände noch meilenweit davon entfernt, einen aufgeklärten, humanistischen Islam zu etablieren, der ihnen eine den Kirchen vergleichbare Rolle in der deutschen Gesellschaft ermöglichen würde. Als Alternative bei der Etablierung eines humanistischen und modernen Islams wäre seitens des Staates die Gründung eines bundesweiten Rates denkbar, der sich aus muslimischen grundgesetzestreuen Persönlichkeiten zusammensetzt und in dem sowohl Sunniten als auch Schiiten, wie auch andere Glaubensgemeinschaften vertreten sind. 

Die ausländische Finanzierung der konservativen Dachverbände, die nur fünfzehn Prozent der hier lebenden Muslime vertreten, muss per Gesetz gestoppt werden. Nur dadurch kann der ideologische und religiös konservative Einfluss auf die Muslime eingedämmt werden. Auch der Import der Imame, die blinden Gehorsam predigen, die religiös-konservative Interessen verfolgen und die auch politische Ziele wie zum Beispiel die Stärkung der Bindung an die Herkunftsländer der Eltern zum Ziel haben, muss verboten werden. Hierbei müssen die islamisch-liberale Theologie und die Religionspädagogik wie an der Universität Münster und an der pädagogischen Hochschule Freiburg verstärkt unterstützt werden. 

Wo waren die Demonstrationen der Muslime nach den Anschlägen in Würzburg, Nizza, Paris oder in anderen Städten? Der kollektive Aufschrei aller Muslime gegen den politischen Islam wird stark vermisst, insbesondere wenn man die Demonstrationen der türkischstämmigen Bürger bei der Unterstützung des türkischen Präsidenten in Betracht zieht. Wir Muslime, besonders die hier lebenden Muslime, müssen mit einer mutigen Debatte über den Islam und seine Geschichte beginnen. Die kritikfähige und diskursive Auseinandersetzung mit der eigenen religiösen und kollektiven Islamidentität bildet eine Voraussetzung für einen toleranten Umgang und ein Zusammenleben der Muslime mit der nichtmuslimischen Mehrheit. Zunächst muss die Freiheit des Individuums als höchstes Gut auch im Islam verankert werden. Auch Meinungsverschiedenheit und -freiheit müssen pointiert akzentuiert werden.

Gewaltvolle Koraninhalte nicht verharmlosen

Allah ist kein Tyrann, der sehnsüchtig auf die höllische Bestrafung seiner Menschen wartet. Gott ist gnädig und barmherzig (Koran 3:31; 5:34; 11:41 und 12:35). Die Juden und die Christen sind nicht diejenigen „die Deinem Zorn verfallen sind und irregehen“! (Koran 1: 6-7), denn keine Religion besitzt die absolute und exklusive Wahrheit. In Sure 2, Vers 120, werden sowohl Mohammed als auch die Muslime aufgefordert, Juden und Christen zu meiden. Jedoch gibt es überall gute und böse Menschen und sogar Atheisten sind berechtigte Ansprechpartner. Wir Muslime sind nicht „die beste Gemeinschaft, die Gott je gestiftet hat.“ (Koran 3:110). Denn jede Gemeinschaft kann durch ihre im Diesseits gestifteten guten Taten die beste sein.

Und ohne Zweifel bieten Koranpassagen Anknüpfungspunkte für die heutige Gewalt und die Unterdrückung der Frauen. Diese radikalen Koraninhalte dürfen nicht mehr verharmlost und in den Moscheen ignoriert werden. Es ist unsere essenzielle Aufgabe, sie als historisch-politische Äußerungen mit nur einer temporären Gültigkeit anzuerkennen. Sie sind sogar revisionsbedürftig. Sonst wird sich  der Islam mit den europäischen Werten nie versöhnen.

Der Autor leitet den Fachbereich Islamische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Breisgau. Lesen Sie auch Ourghis Plädoyer für eine Aufklärung des Islam.

Kat Teker | Mi, 20. Juli 2016 - 17:42

Unsere Regierung fördert sogar Projekte des ZdM wie saferspaces.de, auf denen es unter dem Menüpunkt Jugend heißt:
"...dass die Umstände, in denen Sie sich hier befinden (Anm.: Gesellschaft, in der Muslime in der Minderheit sind), keineswegs gewöhnlich sind. Genau aus diesem Grund gibt es bestimmte Dinge, welche die Scharia in solchen Situationen zulässt, sonst aber, wenn diese Umstände nicht gegeben sind, verbietet. Was wirklich wichtig ist, und was Sie alle zu Herzen nehmen sollten, ist, dass wir in diesen Ländern nachgiebige Textpositionen(!) in Bezug auf Frauen anwenden sollten. Wir sollten die Frauenproblematik lösen, dabei meine ich nicht, dass wir den Rahmen des Erlaubten im Islam verlassen sollen. Vielmehr sollten wir gemäß den islamischen Vorschriften handeln(!), und soweit es geht, uns für die moderate(!) Stellung von Frauen einsetzen."
Weiter heißt's da, Frauen sollten 'nen Heiratsvormund haben usw.

Diese Gelder bitte streichen, besser für moderate Muslime verwenden!

ausgedrückt, dank der Zeichenbegrenzung streiche ich manchmal sinnverzerrend oder zumindest sinnverwässernd zusammen.

Folgendes meinte ich: Das Geld, das der Staat zur Förderung von islam(ist)ischen Verbänden, Schulen, Moscheen, ... ausgibt, sollte er besser anders investieren. Niemals würde ich vorschlagen, der Staat solle Geld für irgendeine Religionsgemeinschaft ausgeben, egal wie moderat sie auch sein mag. Ich halte schon die in Deutschland fehlende Trennung zwischen Staat und christlichen Krichen für vollkommen falsch! Vom Gedanken, dass Glauben etwas kosten muss/soll, mal ganz abgesehen...

Mit der o.g. Formulierung bezog ich mich nur auf die moderaten Muslime, die hier Zuflucht gesucht haben. Lieber denen, die sich nur so weit dem Islam verschrieben haben, dass er nicht der Integration in eine freiheitlich demokratische Gesellschaft verhindern muss, lieber diesen Menschen mit den Geldern mit Deutschkursen und Berufsausbildungen etc helfen, das meinte ich.

Gudrun Philipp | Mi, 20. Juli 2016 - 17:53

Es sind leider nicht nur die Muslimverbände, die sich hier in Deutschland wegducken, nein es sind auch unsere Politiker, die eine ehrliche Auseinandersetzung mit diesen Verbänden oder auch Moscheen scheuen. Ich habe vor ein paar Wochen einen bekannten Regierungs-Politiker schriftlich gefragt, warum die Bundesrepublik beispielsweise das Tragen des Kopftuches und der Ganzkörperverschleierung nicht untersagt, als kundige Bürgerin wohl wissend, daß das Tragen dieser beiden Kleidungsstücke keine religiöse Pflicht ist. Als Antwort erhielt ich, daß ein solches Verbot mit "unserer Verfassung nicht vereinbar sei." Ich frage mich ganz ernsthaft, ob unsere Politiker über den Islam nur unzulänglich informiert sind oder ob sie glauben, daß ein solches Verbot Proteststürme in den Verbänden und Moscheen auslöst, was u.U. zu blutigen Anschlägen führt. Wer sich wegduckt und immer seinen Kopf einzieht, muß damit rechnen, daß er immer wieder Hiebe auf seinen Kopf, bis das Gehirn Schaden nimmt.

Romuald Veselic | Mi, 20. Juli 2016 - 17:58

von einem aufgeklärten Islam entfernt.
Die Matrix der Aufklärung und des Humanismus, kann Umma (islamische Gesellschafft) niemals akzeptieren, ohne sich selbst zu veleugnen und damit den Glaubenssuizid vollzustrecken. Der Verzicht auf die Kontrolle des Individuums, ist im Islam nicht zu bewerkstelligen. Unterwerfung und individuelle Freiheit (körperliche und mentale), sind kosmische Antagonismen, die in Raum und Zeit, keinen gemeinsamen Berührungspunkt haben.

Gerdi Franke | Mi, 20. Juli 2016 - 18:00

Wegducken? Brauchen die nicht! Die werden immer stärker! Denn sie gehören ja zu Deutschland. Das ist auch offiziell bestätigt! Das heisst aber nicht, dass deutschsein Ziel dieser Muslimverbände ist.

Kat Teker | Mi, 20. Juli 2016 - 18:17

In der Nacht des Putschversuches und in den Tagen danach konnte man in vielen deutschen Städten Fahnen der MHP und zahlreiche Menschen sehen, die unbehelligt direkt unter den Augen der Polizei den Wolfsgruß zeigten. Die Polizei darf bei der Reaktion auf Rechtsextremisten aber einfach nicht länger derart rassistisch handeln und so etwas tolerieren.
Ein Wolfsgruß unterscheidet sich schließlich nicht nennenswert vom Hitlergruß; nicht nur Deutsche können gewaltbereite Rechtsextremisten sein. Der eine denkt dabei an die Türkei, der andere an Deutschland, viel mehr unterscheidet die Grauen Wölfe aber leider nicht von Neonazis und genauso wenig, wie man Hitlergrüße zeigen sollen dürfte, sollte auch das Zeigen von Wolfsgrüßen nicht ungeahndet bleiben. (Der konsequente Ausschluß von Grauen Wölfen aus der CDU wäre auch noch so 'ne Idee, aber wir wollen ja mit unseren Wünschen bescheiden bleiben.)

Die Angst in der deutschtürkischen Gemeinde wird leider nicht ganz unbegründet immer größer...

Herbert Trundelberg | Mi, 20. Juli 2016 - 18:26

Genau so habe ich es seit 2000 in der Türkei erlebt, immer militanter wurde der AKP Islam. Erst Kopftuch, dann Burka und schwarz liefen die bezahlten arbeitslosen jungen und älteren Frauen auf den Plätzen herum. Das dies exportiert wurde war ja an den Äusserungen eines Sultans zu erkennen. Dort hat die Politik der etablierten Blockparteien in der brd versagt, frühzeitig Schranken einzuziehen. Jetzt steuert der Sultan über die Moscheen und seine bezahlten Vereine die Parallelgesellschaft in Deutschland. Hilfreich ist nur noch ein stricktes Verbot wie schon im Artikel geschrieben. Aber wer von den Blockparteien ist dazu bereit ?? KEINE

Karola Schramm | Mi, 20. Juli 2016 - 20:10

Klasse Artikel, der sich gekonnt mit den konservativen Islamverbänden auseinandersetzt.
Doch wie einen"konservativen" Islam entschärfen in einer Gesellschaftslage, die selbst wieder von Tag zu Tag konservativer wird ? Die Religionskonservativen lehnen Papst Franziskus ab, weil zu liberal und weltoffen. Die Nationalkonservativen fürchten den Untergang des Abendlandes durch eine Überzahl von Muslimen.
Der pol. Konservatismus ist auferstanden durch Merkels Flüchtlingspolitik. Zu viele Muslime die zur Radikalität von Erdogan ermuntert werden und Imame, die als Erdogans Abgeordnete gelten können, heizen das Feuer an.
Warum das Alles ? Merkels Deal mit Erdogan muss doch als Zustimmung für Imame und potenzielle Selbstmordtäter interpretiert werden. Auch die Kirchen könnten protestieren im Namen Gottes, auf Gewalt & Missionierung zu verzichten. Aber wie geht das, wenn sie selbst es auch tun ?
Die Bilder gleichen sich.
Bleibt nur noch der Protest derer, die das Alles nicht wollen.

Jacqueline Gafner | Mi, 20. Juli 2016 - 20:25

Ich sags mal so: wäre der Islam ein Kind, das sich in seine Schulklasse nicht einordnen kann oder will, durch aggressives Verhalten auffällt, sich nicht an allgemein gültige Regeln hält, demonstratives Desinteresse am Schulbetrieb zeigt und konsequent sein eigenes Ding durchzuziehen sucht, würde man von sozialer Auffälligkeit sprechen. Niemandem würde es einfallen, das einfach hinzunehmen, sondern man würde dem Kind zum einen unmissverständlich klar machen, dass sein Verhalten nicht akzeptabel ist und Konsequenzen nach sich zieht, und sich zum andern bemühen, die seinem Verhalten zugrunde liegenden Probleme zu eruieren, sie zu entschärfen und ihm dabei zu helfen, sich aus der Isolation zu befreien, in der es sich befindet. Letzteres funktioniert nur, wenn das Kind mitzieht und begreift, dass es nicht auf einer Insel lebt und leben kann. Sonst bleiben nur Sanktionen, bis hin zum Schulausschluss. Mit dem Islam in Europa verhält es sich analog: entweder er passt sich ein oder er geht.

Leider ist Ihr Vergleich des Islam mit einem verhaltensauffälligen Kind
wenig hilfreich, liebe Frau Gafner.
Denn: Störende und aggressive Kinder werden in Deutschland nicht mehr der Schule
verwiesen, sondern inzwischen "includiert", so wie auch der Islam in unsere Gesellschaft integriert werden soll. Das heisst, dass diese Schüler
im Klassenverband verbleiben und - wenn möglich - Sonderbetreuung bekommen.
Gibt es keine Fachkraft, dann muss die betroffene Klasse und ihre Lehrperson eben sehen, wie sie mit dem Dauerstörer zurechtkommen... Häufig bedeutet das einen Riesenverlust an effektivem Unterricht, der die "normalen" Schüler schmerzlich trifft.
D A S nennt sich pädagogischer Fortschritt! Wussten Sie das noch nicht?

Sozial gestoerte Kinder erniedrigen das Niveau der Klasse genauso
wie anpassungsresistente Zuwanderer in ihnen unverstaendliche Kulturkreise, das sollten Merkel und Co.endich begreifen.
Menschen und Kulturen kommen nun mal nicht aus einer Gussform, und das ist auch gut so. Sie koennen sich gegenseitig bereichern, sollten aber, wenns auch schwierig ist, in ihrer eigenen Gesellschaft leben, damit sich ihre Tradition und Kultur weiter entwickeln kann.
Ich finde es unanstaendig, dass junge und faehige Menschen einfach abhauen in bequemere Gefilde, statt die Aermel hochzukrempeln und ihr Land aufzubauen. Nach Ww2 haben die Europaeer schwer geschuftet, damit sie den heutigen Standard erreichten, und nun wollen die meisten Einwanderer einfach so ein Stueck vom
Kuchen? Lernt erst den Teig kneten, bei den Zutatan bekommt ihr schon jahrelang Hilfe.

Liebe Frau Falk, warum nur wollen oder können viele Menschen die einfachsten Dinge nicht begreifen? Das gehört für mich zu den größten Rätseln überhaupt.

Daß es Naturgesetze bzw. Erkenntnisse aus der jahrtausendelangen Beobachtung der Menschen gibt, was grundlegende Befindlichkeiten ihrer Geschlechtsgenossen anbetrifft, sollte doch eigentlich nicht immer wieder
neu in Zweifel gezogen werden.
Derartig unverantwortlich wie sich heutige Phantasten verhalten - Darunter Politiker wie Madame Merkel! - kommt einem umso unglaublicher vor als sich auf der anderen Seite der technische Fortschritt rasant weiterentwickelt hat.
(Vielleicht ist dies sogar ein Grund dafür, daß die Vernunft in verheerendem Maße zurückgeblieben ist...)
Wenn nicht bald einige mutige u n d verständige Leute die Sache Europas in die Hand nehmen, sehe ich totschwarz für die Zukunft unseres Kontinents. Sobald chaotische Zustände (Bürgerkrieg) ausbrechen, ist es zu spät. Dann kommt die Stunde der Scharlatane.

paul peters | Do, 21. Juli 2016 - 05:48

... und in welchem land der erde, in dem überwiegend muslime leben, wird ein islam praktiziert, der den deutschen wunschvorstellungen eines aufgeklärten islams entspricht bzw. diesem am nähesten kommt?

und nun könnte man ja mal beleuchten, was für ein islam in den ländern praktiziert wird, aus denen die mehrzahl der flüchtlinge der letzten zwei jahre kommt. die vorstellungen des is, der in teilen dieser länder herrscht/wütet, dürfen großzügigerweise ausgeblendet werden. es reicht, sich mit dem üblicherweise dort praktizierten islam auseinanderzusetzen.
anschließend kann man sich fragen, wie weit unserer wunsch-islam von der realität entfernt ist.
und noch viel wichtiger wird die frage sein, warum ein gläubiger muslim, von seinem praktizierten islam abrücken sollte?

Doch selbst dort herrscht in einigen Teilen schon die Scharia und eine "Religionspolizei" ist in der Öffentlichkeit auf der Jagd. Die voranschreitende Islamisierung ist ja leider, leider kein Hirngespinst Ungebildeter, die die Welt angstverzerrt wahrnehmen und Populisten auf den Leim gehen. Die Art des so häufig praktizierten Islams ist einfach ein Albtraum für jeden Menschen, der selbstbestimmt leben können möchte. Stimme Ihnen zu, Nähe zur Aufklärung ist meilenweit weg.

Gründe für gläubige, aber moderate Muslime, sich von einer ursprünglichen Auslegung des Islams abzuwenden, gäbe es sicher viele (sie gehören schließlich zu denen, die am allermeisten darunter leiden!), nur dummerweise müssen sie sich dafür Islamisten entgegenstellen, mit denen nicht mal hier in D gut Kirschen essen ist.

Von der Abkehr vom Glauben ganz zu schweigen; Muslime (also jeder, der in eine muslimische Familie geboren wurde) droht in der falschen Region dann das, was der Koran für Apostasie fordert: Tod.

Schabert Albert | Do, 21. Juli 2016 - 07:26

Wir im Christentum sind doch immer noch nicht aufgeklärt.Wenn es da heisst"Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde"so bedeutet das für mich,dass der Mensch sich Gott so zusammengebastelt hat,wie er ihn sich vorstellt.
Affen und Menschen haben nur zwei unterschiedliche Chromosomen,welch ein Unterschied.
Wie soll dann eine Aufklärung im Islam funktionieren,wo im Koran die Tötung von Ungläubigen gebilligt wird.Wenn das das Wort Gottes sein soll,dann ..ich will nicht beleidigend werden.
Herr Ourghi vertritt noch keinen aufgeklärten Islam,dann müsste er sich vom Koran distanzieren.
Albert Schabert

Kat Teker | Do, 21. Juli 2016 - 11:10

In reply to by Schabert Albert

auch für mich strenggenommen immer ein Oxymoron. Ich verwende sie nur, um der Kürze einer Aussage willens, aber wie man auch die gemäßigste Form von Religiösität ernsthaft aufgeklärt nennen kann, erschließt sich mir einfach nicht.

Bibel und Koran etc sind sicher hochinteressante Geschichtserzählungen, aber sich bei Fragen danach, was der Sinn des eigenen Lebens ist, was richtig und falsch ist etc pp, maßgeblich an einem Buch zu orientieren, dass sich irgendwelche Menschen vor ein paar Jahrhunderten ausgedacht haben, das wird mir immer wie das exakte Gegenteil von Aufklärung erscheinen.

Dr. Stefan Funk | Do, 28. Juli 2016 - 22:55

In reply to by Schabert Albert

Der Unterschied zwischen einem Schimpansengenom und einem menschlichen Genom ist entgegen ihrer aufgeklärten Meinung ein gewaltiger. Bereits der reine "Gentextvergleich" führt zu einem Unterschied von fast einem Viertel (!) des gesamten Genoms, d.h. 1/4 der genetischen Substanz im Schimpansengenom kann dem menschlichen Genom schon gar nicht zugeordnet werden. Bei den verbleibenden vergleichbaren Genomsequenzen sind vermutlich erneut wenigstens 20 % aufgrund Mutationen, Genregulation etc. unterschiedlich. Angesichts der annähernd vollständig fehlenden Kenntnis von der Funktion eines Genoms sind im Übrigen alle Vergleiche auf dieser Ebene höchst vorläufig. So ist das, wenn man sich vorschnell für aufgeklärt hält. Eine genetische Entwicklung vom Schimpansen oder einem Vorläufer zum Menschen ist leider derzeit wissenschaftlich alles andere als gesichert.
Dass der Islam unter anderem mit seinem Apostasieverbot eine verfassungsfeindliche politische Ideologie ist, stimmt deswegen trotzdem.

wird in manchen Medien, wie im Cicero gestattet. Ich habe in dieser Woche 4 kritische
Kommentare über den Islam in Deutschland im Focus geschrieben, mit Quellenangaben und Bezugsnachweisen. Alle 4 wurden abgelehnt, trotzdem kein Kommentar aggresiv oder beleidigend war.

Nur Hamanda | Di, 10. Januar 2017 - 16:32

In reply to by Reinhard Seidel

..habe bestimmt acht Mal vergeblich versucht Kommentare zu veröffentlichen. Harmlos, nicht beleidigend. einfach kommentirend. Keine Veröffentlichung. Ich lass es jetzt einfach

Ronald 'Asch | Do, 21. Juli 2016 - 09:58

Das ist ein guter Artikel. Aber ist das überhaupt noch umsetzbar? Das Grundgesetz ist religionsfreundlich reaktionäre religiöse Bewegungen zu bekämpfen ist viel schwieriger als z. B. in der Schweiz. Dazu kommt ein Anderes. Die hier ansässige türkischstämmige Bevölkerung re-islamisiert sich sehr rasch (Rückkehr zum konservativen Islam). Die Einwanderer, vorwiegend jung, aus islamischen Ländern, vermutlich jedes Jahr an die 600.000 oder noch mehr sind zu mindestens 70 % eher konservative Muslime, wenn nicht zu 80 %. D. h. diese Bevölkerungsgruppe wird in 10 Jahren schon vermutlich an die 20 % der Bevölkerung unter 30 stellen. Die Parteien werden sich diese Stimmen bei den Wahlen nicht entgehen lassen wollen, daher werben jetzt schon alle Etablierten außer der FDP sehr intensiv um diese Wählergruppe und sind bereit dafür enorme Zugeständnisse zu machen. Warum ist in der Türkei die AKP so stark? Konservative Muslime haben mehr Kinder als die Kemalisten.

Diese Politik ist selbstmörderisch auch für die Politiker, keine Frage. Auf der anderen Seite familienfeindlich und fördert Gender und Homosexualität. Von Intelligenz ist das sehr weit entfernt. Das kleine Österreich emanzipiert sich gerade davon, beispielhaft.

Robert Müller | Do, 21. Juli 2016 - 10:32

Ein Satz wie "der nicht reformierte Islam der Dachverbände passt in keine freiheitliche und pluralistische Gesellschaft" ist Unsinn und falsch. Natürlich hat der hier seinen Platz, genau wie orthodoxe Christen, Juden und auch die AFD. Die Ausgrenzung der AFD von den Mainstreamparteien ist genauso zerstörerisch wie das Ausgrenzen dieses "liberalen" Moslems. Der Mann hat überhaupt nicht verstanden was "liberal" heißt. Tatsächlich ist er genauso fundamentalistisch wie die anderen, nur halt anders. Der liberale Ansatz ist dagegen, dass jeder nach seinen eigenen Vorstellungen glücklich werden können soll, solange er/sie nicht andere Menschen einschränkt. Ich habe keine Ahnung warum die Muslime seit Jahrzehnten überall immer konservativer werden. Wenn diese Leute hierzulande nicht glücklich sind, weil ihnen religiöse Vorgaben fehlen, dann sind sie hier falsch. Im übrigen sind letztes Jahr 2 Mio nach DE gekommen und 1 Mio wieder gegangen.

Dann könnten Sie den Fehler in Ihrer Argumentation finden. Den Fokus sollten Sie dabei hierauf legen: "solange er/sie nicht andere Menschen einschränkt". Da liegt nämlich das Problem. Sie persönlich sind davon offenkundig nicht direkt betroffen und werden es in Deutschland vermutlich während ihrer Lebensspanne auch nicht mehr sein werden, aber unsere Gesellschaft umfasst hunderttausende Menschen bei denen das ganz, ganz anders aussieht.

Ich sprach vom "liberalen" Ansatz. Daneben gibt es den linken Ansatz den ich mit "verrecke Deutschland" beschreiben würde, dann den konservativen Ansatz, der von der AFD verkörpert wird und den der Neubürger, der mit "der Islam ist die Lösung" benannt werden dürfte. Die öffentliche Ordnung in Deutschland ist noch weitgehend nach den liberalen Vorstellungen geprägt. Jedenfalls offiziell. Inoffiziell hat uns Snowden gezeigt, dass es bereits eine andere Ordnung gibt, die des globalen Kriegs gegen den Terror. Und es scheint, dass diese Ordnung ständig präsenter wird. Ein "Grundrecht auf Sicherheit" wird aber auch der Tod der liberalen Ordnung sein und die AFD, Le Pen oder der Autor dieses Artikels werden ganz sicher nicht die liberale Ordnung wieder aufrichten. Irgendwie kommt mir der Satz von Lenin in den Sinn, wonach die Kapitalisten den Strick verkaufen an dem sie hängen werden. Merkel ist so ein Verkäufer: Um Griechenland zu retten hat sie unsere Zukunft verkauft.

Strömungen, deren erklärtes Ziel die Verbreitung des exakten Gegenteils einer freiheitlichen Gesellschaft ist, beliebig viel Raum bieten? Wer islamistischem Totalitarismus nicht die Chance geben will, irgendwann die Freiheit aller Gesellschaftsmitglieder massiv einzuschränken, der sei gar nicht wirklich liberal, sondern genauso totalitär wie die Islamisten?
Das verstehen Sie unter einem "liberalen Ansatz"? Wäre das so, könnte es dann sein, dass es nicht der Autor ist, der nicht verstanden hat, was liberal zu sein bedeutet?

Oder haben Sie sich nie angehört, was sich die Islamvertreter in Deutschland so alles wünschen, was sie versuchen zu erreichen? Nie mit den vielen islamischen Gesellschaften beschäftigt? Das könnte Ihren Irrtum natürlich auch erklären, denn denen geht es mitnichten darum, nur ihre Religion ausüben zu wollen. Wäre das so, hätten sie sicher einen Platz in einer liberalen Gesellschaft, aber auf diesen Punkt ging ich ja bereits in meiner ersten Erwiderung ein.

Genau das ist Liberalismus (jedenfalls nach deutscher politischer Tradition). Im obigen Text wird "liberal" als anti-konservativ verstanden, die Linken sehen ihn als Neoliberalismus und die Rechten als "anything goes". Die FDP interessiert sich für diesen Liberalismus im übrigen auch nicht sehr. Ich selber weiß derartiges nicht weil ich uralt bin, sondern weil ich Wikipedianer bin. Interessant ist übrigens, dass die liberale Weimarer Demokratie an genau dem von Ihnen beschriebenen Problem gescheitert ist. Deshalb wurde die Bundesrepublik auch als "wehrhafte" liberale Demokratie neu gegründet. Dazu gehört auch, dass das Verfassungsgericht das letzte Wort hat, und das Teile des Grundgesetzes unveränderbar sind. Auch die EU steht nicht über dem Grundgesetz. Imho ist das ziemlich einmalig und eventuell wird sich diese Konstruktion nun behaupten müssen. PS: Ich selbst sehe mich im übrigen nicht als Liberalen, in den letzten Jahren habe ich jedenfalls die FDP nicht gewählt.

Kat Teker | Sa, 23. Juli 2016 - 19:22

In reply to by Robert Müller

dass es unliberal wäre, sich dagegen zu wehren, wenn jemand anderen aufzwingen möchte, nach seinen Glaubensregeln zu leben. Wie gesagt, Sie haben da offenkundig etwas missverstanden. Es geht hier nicht darum, jemanden in seiner Freiheit zu beschneiden, für sich selbst leben zu können wie er möchte. Es geht darum, seine eigene Freiheit gegen über jemandem zu verteidigen, der einem diese nehmen möchte. Aber ich beginne mich zu wiederholen, lassen wir's also einfach auf sich beruhen?

Dennis Kassel | Mo, 25. Juli 2016 - 02:05

In reply to by Robert Müller

Ich bin nicht der Meinung, dass der Satz "der nicht reformierte Islam der Dachverbände passt in keine freiheitliche und pluralistische Gesellschaft" falsch ist. Der nicht reformierte Islam mit seinem sozialen und kulturellen Herrschaftsanspruch bildet ein geschlossenes, unangreifbares System. Solch ein Islam, der zum Beispiel die Scharia vorschreibt, ist natürlich nicht mit einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung vereinbar.

peter hauser | Do, 21. Juli 2016 - 11:48

Ich weiß nicht, ob es noch lohnt, sich hier weiter über den Islam auszutauschen.
Hamed Abdel-Samad hat in diversen Beiträgen überall (auch im Internet) eigentlich genug mit sachlicher Präzision aus Bildung und kompetenten biographischem Hintergrund den Islam "durchleuchtet".

Da der Mensch sinnstiftende Volksmethaphysiken bedarf, wird Religion immer auch zweckdienlich nützlich sein. Der Islam ist allerdings unhinterfragt eine ziemlich "flache Weltanschauung"......und man kann ihn leider textbezogen verstanden kaum privatisieren; das ist das Problem.

Politik versucht natürlich, Muslime irgendwie neuzeitlich zu integrieren, deshalb gerade auch von religiöser(monotheistischer) Seite nur verhaltende Kritik, da sie "im selben Boot" sitzen.
Da Deutschland inzwischen eine amerikanisiert kulturlose Nation geworden ist, der nur noch Ökologie als Surrogat mit moralischem Anspruch geblieben ist, gibt es wohl kaum die Bereitschaft zu einer inhaltlichen Differenz zum Islam, die nötig wäre.

Paul Reuter | Do, 21. Juli 2016 - 13:54

In reply to by peter hauser

"Ökologie als Surrogat", das hat mir sehr gefallen. Eigentlich sind die Leasingfahrzeuge der Mittelklasse (inklusive bösem Blick) doch die Surrogates der Deutschen :)
Ich finde den Begriff "Amerikanisierung" aber nicht passend. Der Begriff "Amerikanisierung" wird meist von Linken benutzt um sich über die Globalisierung zu ärgern. Kultur ist etwas sehr facettenreiches, aber selbst wenn Deutschland "amerikanisiert" wurde, der Markt hat halt immer recht.
Dass die Ökologie benutzt wird um sich moralisch zu erhöhen, das ist auch richtig. Worauf sollte das Ego auch sonst aufbauen? Wer erkennt dass er mit der Konkurrenz nicht mithalten kann, versucht halt die Ziele der Konkurrenz zu diskreditieren.

Renate Aldag | Do, 21. Juli 2016 - 14:37

Danke für Ihren Islam-kritischen Artikel. Ich horche auf, wenn studierte und gebildetete Menschen und Islam-Kenner, wie Sie Herr Tibi und v.a. mehr vor dem politischen oder konservativen Islam besonders hier in Europa warnen und ganz klar Versäumnisse und Wegduckerei der deutschen Regierung und der Islam-Verbände nicht nur kritisieren, sondern auch harte Massnahmen einfordern. Ich als deutsche Frau, finde Kopftuch, Burka und türkische Fahnen mit dem dazugehörigen faschistischen Islamismus höchst störend und ich werde auch mein Wahlverhalten dementsprechend ausrichten.

Werner Kaunzner | Do, 21. Juli 2016 - 17:58

sind Teil des Problems, nicht Teil der Lösung. Sie haben aus eigenem Selbsterhaltungstrieb kein Interesse an konfliktfreiem Zusammenleben zwischen Christen und Moslem. Sie beziehen ihre Existenzberechtigung aus dem Konflikt zwischen Christen und Moslem.
Dazu ein Juristenwitz - wird gelegentlich unter Anwälten erzählt.

Anwalt A zu Anwalt B: Wie geht es Ihnen??
Anwalt B zu Anwalt A: schlecht, ich kann nicht klagen<. gelegentlich auch "gut, ich kann klagen.

Das trifft auch für die Feministinnen zu. Sie müssen Probleme erfinden.

Jochen Wegener | Do, 21. Juli 2016 - 22:06

Wie berechtigt die Vorbehalte gegen diese religiö verbrämte Idologie sind, zeigt etwa die facebook-Reaktion der in Berlin ihre juristische Referendarausbildung unter dem umgeschnaltem Kopftuch durchsetzen wollenden Betül Ulosoy, die auch Mitglied der Jungen Union ist. "Jetzt" (nach dem Ende des Putsches) könne die Säuberung vom Schmutz erfolgen. Und jeder bekommt das, was er verdient. Wir geben es nicht mehr so schnell her, mit Gottes Hilfe.“ Jedem das Seine, diese Wortwahl dürfte wohl nicht zufällig erfolgt sein und eben jenes geschichtliche Vorbild auch Hinweis auf die Zukunft in Deutschland sein, wenn der Islam hier im Sinne Erdogans und seiner hiesigen Statthalter die Macht übernommen haben wird. Daher müssen sofort alle Verträge mit der Ditib gekündigt werden, es kann nicht, dass die türkische Diktatur ihre Imame als Anleiter der 5. Kolonne in ihre präsumtive deutsche Provinz entsendet und hier hoheitliche Rechte etwa bei der Eheschließung genießt. Kein Erdogan hier.

Gerd K. Schüssler | Fr, 22. Juli 2016 - 02:17

Excellente Situationsanlyse + Empfehlungen. Solche Leute wie der Verfasser sollte man als Experten in eine Neuformulierung einer Integrationpolitik für Mulime einbeziehen.

Dennis Kassel | Mo, 25. Juli 2016 - 01:58

In Ihrem Artikel schreiben Sie, dass nur der reformierte Islam in eine freiheitliche Gesellschaft passt.

Was genau verstehen Sie unter "reformierter Islam" und wo findet man ihn aktuell? Ich möchte hierzu auf eine Studie (Umfrage) hinweisen, die festgestellt hat, dass Fundamentalismus in Westeuropa überproportional oft anzutreffen ist: https://www.wzb.eu/sites/default/files/u8/ruud_koopmans_religious_funda…

Wenn selbst demokratische Länder zu einem großen Teil einen fundamentalistischen Islam hervorbringen, dann frage ich mich, wo der humanistische Islam sein soll?

Hat der Islam eine inhärente Tendenz zum Fundamentalismus oder zumindest zum Konservatismus und lassen sich moderner Islam und fundamentalistischer Islam klar voneinander trennen?

PS: Der Artikel zur o.g. Studie ist hier zu finden http://www.nzz.ch/feuilleton/zeitgeschehen/radikaler-islam-sympathisant…

Walter Böhm | Mo, 25. Juli 2016 - 18:02

In Österreich und Italien wird neuerdings durch die Gesetzgebung darauf hingewirkt das von den Moscheen ausgehende islamistische Gefahrenpotential einzudämmen: Predigten nur in der Landessprache, kein Import von von landesfremden, sprachunkundigen, einem anderen (islamistischen) Staat verpflichteten Imamen. Vorrang der Landesgesetze vor den religiösen Regeln etc. Warum ist das im hiesigen poltitisch medialen Mainstream, wenn überhaupt, nur ein Randthema?

Martin Wienand | Di, 26. Juli 2016 - 00:12

Einer der differenziertesten, klarsten und mutigsten Artikel, die ich zu der Thematik bisher gelesen habe. Normalerweise sind doch hier alle sehr brav und schreiben für Merkel und den superkorrekten Bibelclub (genannt "Die Grünen")der Göring-Eckhardt, die sich ja nun auch mal gern mit Vertretern der Islam-Verbände an einen Tisch setzt (ach, das ist ja so schön religiös hier).

Dieter Freundlieb | Di, 26. Juli 2016 - 11:04

er geht leider nicht weit genug in seiner Kritik. Von einem Theologen, gleich welcher Religion, ist das wohl nicht zu erwarten. Und einen 'europäischen', aufgeklärten Islam wird es nie geben.

Ein Forist hat bereits darauf hingewiesen, dass der Begriff 'aufgeklärte Religion' eigentlich ein Oxymoron ist. Auf den Islam trifft das noch mehr zu als auf andere theistische Religionen.

Entlarvend finde ich in dem Artikel, dass es dort an einer Stelle heißt: "Jedoch gibt es überall gute und böse Menschen und sogar Atheisten sind berechtigte Ansprechpartner". Das entlarvende Wort hier ist 'sogar'. Was ist das anderes als eine Diskriminierung, wenn auch nur eine gemäßigte, von Menschen, für die 'Aufklärung' heißt, nicht an einen von Menschen erfundenen Gott zu glauben zu können oder zu wollen.

auch mir ist das "sogar" in dem Artikel sauer aufgestoßen.
Mir fehlt der Glaube daran, dass es einen europäischen (reformierten) Islam geben kann, auch wenn es sich viele friedliebende, aufgeklärte Muslime wünschen würden. Der Koran soll das direkte Wort Gottes darstellen und - anders als das Neue Testament - nicht von Menschen geschrieben sein . Die Suren stellen eindeutige Handlungsanweisungen dar; Veränderungen der Texte bzw. abweichende Interpretationen würden demzufolge eine Gotteslästerung darstellen.

Tibor Pataky | Mi, 27. Juli 2016 - 00:57

Ein wichtiger Artikel! Ich hoffe, die Diskussion wird (weiter) geführt und dringt auch in die Politik vor. Lauter dringende, überfällige Themen.

Birgit Friederike | Mi, 27. Juli 2016 - 13:20

Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, dass die Staatsangehörigkeit bei in Deutschland geborenen Kindern nicht Deutsch ist, wenn beide Elternteile aus anderen Ländern kommen, sondern das Kind deren Staatsangehörigkeit bekommt. Diese Regelung, Deutsch zu sein bei Geburt in Deutschland, hat für mich noch nie Sinn gemacht. Ein Kind gehört in erster Linie zu den Eltern, nicht zum Staat. Das ist besonders bei Kindern von Flüchtlingen nach Genfer K. sinnvoll, denn der Aufenthalt ist ja nur zeitlich begrenzt. Oder habe ich die Regelung falsch verstanden?

Yusra Hamad | Mi, 10. August 2016 - 13:24

Eigentlich disqualifiziert sich der Autor schon mit dem reißerischen Intro - als Wissenschaftler unkorrekt zu zitieren und nicht zu erkennen, dass Feindbild Erdogan seinerseits ein Gedicht zitiert hat, ist schon peinlich. Ich gebe ihm dennoch die Chance, nur um in der Mitte abbrechen zu müssen: Moscheen observieren? Ernsthaft? Würden Sie das auch für Synagogen fordern? Ist etwa der katholische Katechismus mit dem GG vereinbar? Kennen Sie überhaupt die Glaubenslehre der Christen und Juden? Den Islam kennen Sie offenbar ja nicht. Kirchliches Arbeitsrecht oder jüdische Religionsverträge sind Ihnen gleichermaßen fremd. Das müssen Sie auch nicht kennen, Ihr Publikum reagiert ja auf die gewohnten Reizwörter "Radikalisierung-Schlachtruf-Reformation". Das ist unseriös, ebärmliches Anbiedern an die Neue Rechte und hat mit Theologie nichts am Hut. Armselig! Ich glaube der "Islamische Theologe" ist nicht nur im falschen Fachbereich, sondern auch im falschen Land - Nordkorea wäre wohl passender!

Jonny Hofer | Di, 6. Dezember 2016 - 14:24

Als nicht-Muslim ist es schwierig sich eine fundierte Meinung zu bilden, deshalb habe ich auf meinem Blog http://www.zwiegespraech-mit-jonny-hofer.de auch ein Zwiegespräch mit einem geführt, der weitaus mehr Ahnung hat als ich:
Amer Albayati https://zwiegespraechmitjonnyhofer.wordpress.com/2016/12/05/amer-albaya…
Als Islam- und Terrorexperte versucht er, aufklärend tätig zu sein, und setzt sich seit Jahrzehnten für einen gemäßigten Islam ein.
Er ist Mitbegründer der United Nations Correspondents Association Vienna (UNCAV) und der Initiative Liberaler Muslime Österreich (ILMÖ). Amer Albayati floh aus dem Irak und lebt seit 1980 mit seiner Familie in Wien, wo ihn die Gefahr neuerlich eingeholt hat.
Auf die Todesliste des IS brachte Amer Albayati sein Eintreten gegen Radikalismus und Terror, für Freiheit, Menschenrechte und einen liberalen Islam europäische Prägung.

Christop Kuhlmann | Di, 10. Januar 2017 - 12:04

Menschenrechte einzufordern, während in den entsprechenden Moscheen verhaltensweisen gefordert werden, die diesen widersprechen. Schließlich wird auf Türkisch oder Arabisch gepredigt. Insofern bedarf es eines erheblichen Aufwandes eine soziale Kontrolle durch die gesamte Öffentlichkeit herzustellen. Soll man die Freitagspredigten etwa aufnehmen, übersetzen und dann im Internet zur Verfügung stellen? Wer Übersetzt dann? Ich habe bei deutschen Übersetzungen des Koran aus Saudi-Araben und der Türkei erhebliche Unterschiede festgestellt. Insofern lässt sich die Selbstdarstellung islamischer Verbände von der Öffentlichkeit nicht kritisch reflektieren. Diese haben mit Ihrer Strategie auch deshalb Erfolg, weil Menschen nun einmal zwangsläufg Vorurteile haben. Da die rassistischen Vorurteile normativ bekämpft werden, entwickeln viele Menschen Vorurteile gegen den eigenen ethnischen Kontext und sind jederzeit bereit diesem dann bei Ablehnung muslimischer Inhalte Rassismus zu unterstellen.

Lieber Herr Kuhlmann, ich habe unsere muslimischen Freunde gefragt, warum Nichtmoslems sprachlich von den Gottesdiensten ausgeschlossen werden. Sie waren selber erschrocken, dass das nur in wenigen Moscheen möglich ist. Allerdings müssen auch sie inzwischen sehr genau prüfen, in welche Moschee sie gehen, denn der lange Arm des Herrn Erdogan erreicht auch hier lebende Menschen. Sie passen übrigens inzwischen auch genau auf, wer in der Nähe ist, wenn sie sich im öffentlichen Raum äußern - auf deutschem Boden wohlgemerkt! Kein gutes Zeichen.

https://www.abendblatt.de/hamburg/article209193463/CDU-fordert-Ende-der…

Gottfried Meier | Di, 10. Januar 2017 - 14:15

Ein sehr guter Artikel. Leider fehlt mir aber noch etwas, wenn ich das als Nichtmuslim sagen darf:
Zu einem reformierten Islam gehören: Religionsfreiheit (also auch die Freiheit, den moslemischen Glauben abzulegen) und religiöse Toleranz (also keine Religion steht über einer anderen).

Herr Ourghi schreibt von der fundierten Basis für ein friedliches Zusammenleben zwischen Muslimen als Minderheit und Nichtmuslimen als Mehrheit. Gott sei Dank ist das Verhältnis bei uns so. Umgekehrt gibt es nämlich dafür überhaupt keine Basis. Leider werden Christen in fast allen moslemischen Staaten unterdrückt und oft auch verfolgt.

Wolfgang Lang | Di, 10. Januar 2017 - 20:57

Was soll das sein? Islam kann es nicht mehr sein. Das wissen auch die Anhänger dieser Religion. Und sie sagen es auch, wenn man ihnen auf den Zahn fühlt.

ingrid Dietz | Mi, 11. Januar 2017 - 01:21

Meine Prognose:
Multi-Kulti mit den vielen kulturellen Unterschieden und Differenzen kann und wird auf die Dauer nicht "gutgehen" !

Toleranz hat sich mittlerweile als Einbahnstraße entwickelt und wird von vielen Migranten belächelt und/oder sogar als Schwäche ausgelegt !

Nein, der Islam gehört nicht zu Deutschland !

Ruth Müller | Mo, 16. Januar 2017 - 13:16

Wer im Mittelalter, Patriarchat und tradierten orientalischen Dorftraditionen leben will - soll dorthin zurückkehren.
Darf man das so sagen oder ist das schon justiziabel?

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