Religion und Atheismus - Mein Geist der Weihnacht ist ein Humanist

Kolumne: Schöne Aussicht. Wer Religionen und religiöse Feste einfach nur zynisch und pauschal abkanzelt, der hält in der Regel auch nicht viel vom Menschen

Eine als Engel verkleidete Taucherin hängt eine Kugeln an einen in einem Schwimmbad-Becken stehenden Weihnachtsbaum.
Weihnachten – nicht mehr als grenzenloser Kitsch?

Autoreninfo

Matthias Heitmann ist freier Publizist und Autor des Buches „Zeitgeisterjagd. Auf Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens“ (TvR Medienverlag Jena 2015). Im Januar 2017 ist sein neues E-Book „Zeitgeisterjagd SPEZIAL: Essays gegen enges Denken“ erschienen. Infos zum Download unter www.zeitgeisterjagd.de.

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Matthias Heitmann

„Alle Jahre wieder derselbe Stress!“ „Alles dreht sich nur ums Fressen und Konsumieren!“ „Wir beschenken uns, gaukeln uns Frieden vor, und anderswo herrscht Krieg!“ „Das alljährliche Massenschlachten der Gänse ist unmoralisch!“ „Einmal im Jahr rennen die Leute in die Kirche, alle haben sich lieb, und danach wird weitergehasst!“ Die Liste solcher Aussagen über das Weihnachtfest ließe sich beliebig fortsetzen, jeder kennt Dutzende solcher Statements und hat sicherlich auch selbst Bekannte, die in etwa so denken. Und wer etwas auf sich hält, nickt entweder betroffen mit dem Kopf oder stimmt ein in den Sermon. Denn tatsächlich gilt man heute als up to date, aufgeklärt und kritisch, wenn man Ähnliches zum Besten gibt, zumindest aber die eigene Distanz zum alljährlichen Weihnachtsritual unterstreicht und von sich sagt: „Ich mache da nicht mit, ich renne mir nicht die Füße wund, nur weil Geschenkekaufen im Kalender steht, ich bin da ganz anders.“

Bei Weihnachts-Bashing geht es nicht um Religionskritik

Aber ist man mit einer solchen Haltung wirklich so anders und so kritisch? Und vor allen Dingen: Ist man dadurch irgendwie bewusster, ehrlicher, besser als andere? Ich persönlich glaube das nicht. Es ist nicht erstrebenswert oder gar fortschrittlich, wenn man das, was so vielen Menschen um uns herum wichtig ist, worauf sie sich freuen und woran sie glauben, arrogant und von oben herab kommentiert und zynisch beurteilt. Natürlich kann man religiösen Traditionen und gesellschaftlichen Ritualen kritisch gegenüberstehen. Doch bei dem alljährlichen Weihnachts-Bashing geht es nicht um Religionskritik, sondern darum, sich selbst über andere Menschen zu erheben, sie herabzuwürdigen und ihnen das zu verderben, woran sie hängen. Daran kann ich nichts Positives entdecken.

Auch bei uns zu Hause war Weihnachten immer auch ein innerfamiliärer Stresstest, insbesondere weil meine Mutter bei der Kirche arbeitete und die Weihnachtstage für sie immer die härtesten Arbeitstage des Jahres waren. Dennoch schafften meine Eltern es immer, dass mit dem Auflegen der obligatorischen Weihnachts-Schallplatte die negativen Stimmungen verschwanden und alle sich größte Mühe gaben, so gut zueinander zu sein, wie es eben ging. Und es ging immer ziemlich gut. Weihnachten war bei uns kein frommes Fest, wir hatten unsere eigenen Familienrituale entwickelt, die diesen Abend selbst für einen praktizierenden Ungläubigen wie mich zu einem irgendwie „heiligen Abend“ machten.

Menschengemachte Wertesysteme

Vielleicht sind es Erinnerungen wie diese, die dazu beigetragen haben, dass meine eigene Gottlosigkeit nicht in Religionsfeindlichkeit oder gar in Ablehnung religiöser Menschen umgeschlagen ist. Ich sehe Religionen nicht als göttliche Eingebungen, sondern als menschgemachte, kulturelle und intellektuelle Wertesysteme. Menschen können ewiggestrig und unmenschlich, aber au sein. Für menschgemachte Religiosität gilt dies auch, wie für viele andere Glaubensuniversen, Gedankengebäude, politische Überzeugungen und solche, die vorgeben, keine zu sein. Sie alle tragen zu der Entwicklung dessen bei, was wir Zivilisation nennen. Über die konkreten Beiträge kann man trefflich streiten. Wer Religionen und religiöse Feste aber einfach nur zynisch und pauschal abkanzelt, der hält in der Regel auch nicht viel vom Menschen.

Es liegt im Trend, Religionen für das Elend der Welt verantwortlich zu machen. Schließlich gibt es kaum Konflikte, in denen nicht Religionen als Motive oder Ursachen genannt werden. Dennoch denke ich, dass Kriege nicht durch den religiösen Glauben, sondern durch eine Vielzahl von Faktoren entstehen. Der allzu plumpe Verweis auf jahrhundertealte Religionen erklärt keinen einzigen modernen Konflikt, und er macht auch keine fortschrittliche Lösung sichtbar. Es gibt zweifelsfrei viele gute Gründe, Religionen und Ideologien zu kritisieren, aber nicht jede Religionskritik fußt auf solch guten Gründen. Und obwohl ich nicht gläubig bin, gerate ich immer wieder in Situationen, in denen ich die Freiheit religiöser Menschen gegen teilweise sehr freiheits- und auch menschenverachtend argumentierende Religionskritik verteidige.

Aufgeklärter Atheismus verschwindet

Es entspricht ebenfalls dem Zeitgeist, mit religiösen Menschen hart ins Gericht zu gehen. Und damit meine ich nicht nur die Muslime. Denn obwohl wenn sich dieser Tage viele Menschen der „Rettung des christlichen Abendlandes“ verschrieben haben, so hat dies nichts mit einem Revival des christlichen Glaubens zu tun. Die behauptete christliche Verwurzelung fungiert eher als eine notdürftige Verkleidung einer antiislamischen Monstranz. Tatsächlich gehören praktizierende Christen eher selten zu denjenigen, die in inhumaner Art und Weise pauschale Urteile über Großgruppen fällen und den Einzelnen aus dem Blick verlieren.

Während religiöse Menschen mir zumeist eher als interessiert, diskussionsfreudig und auch offen gegenübertreten, kann ich genau das von selbsterklärten Religionsfeinden und Atheisten nur selten sagen. Oftmals vermitteln diese den Eindruck, jede aufklärerische Zuneigung zur Freiheit des Einzelnen abgelegt zu haben. Stattdessen wird mit rigoroser Absolutheit gegen die Glaubens- und Meinungsfreiheit Andersdenkender und -glaubender vorgegangen und dabei behauptet, man rette die westliche Zivilisation. Tatsächlich sind viele dieser vorgeblich modernen Atheisten weniger fortschrittlich, aufgeklärt und zivilisationsinteressiert als diejenigen, die sie glauben bekämpfen zu müssen.

Glauben an Gott durch Glauben an das Schlechte ersetzt

Über viele Jahrhunderte hat das Streben nach Aufklärung, nach Befreiung des Menschen und nach gesellschaftlichem Fortschritt die Entwicklung der modernen Gesellschaft und auch des religionskritischen Denkens geprägt. In dem Maße aber, in dem Aufklärung und Humanismus in den vergangenen Jahrzehnten außer Mode geraten sind, ist auch der aufgeklärte Atheismus verschwunden. Heutige Atheisten wirken häufig sehr zynisch, desillusioniert und pessimistisch, misstrauisch und misanthropisch. Sie scheinen den Glauben an Gott durch den Glauben an das Schlechte des Menschen ersetzt zu haben. Gern hüllen sie ihren missmutigen Weltschmerz in ökologisches und planetenretterisches Vokabular. In ihrer Verachtung der modernen Gesellschaft ähneln sie jedoch auf fatale Weise den heute nicht nur in der arabischen, sondern auch in der westlichen Welt nachwachsenden selbsternannten Gotteskriegern.

Auch als Ungläubiger freue ich mich

Diese oft wissenschaftlich verbrämte Misanthropie ist der Grund, warum ich mich als nichtreligiöser Mensch in betont religions- und kirchenkritischen Kreisen häufig unwohl fühle: Die Ablehnung des Glaubens an Gott geht hier zuweilen Hand in Hand mit der offenen Ablehnung einer humanistischen Weltsicht. Tatsächlich sind mir menschliches Handeln und humanistisches Denken in religiösen Kreisen häufiger begegnet als in atheistischen.

Vor diesem Hintergrund freue ich mich als Ungläubiger immer auf das Weihnachtsfest. Ich sehe es als einen Anlass, zu dem viele Menschen versuchen, anderen eine Freude zu machen und selbst anders zu sein als im Rest des Jahres. Ob sie die Kraft dazu aus religiösen Vorstellungen oder sonst woher ziehen, spielt für mich keine Rolle. Mich interessiert allein das Handeln und ob man es schafft, sich vom zynischen Zeitgeist nicht anstecken zu lassen. Hierin besteht für mich der Geist der Weihnacht: Er ist für mich kein Christ, kein Moslem oder Atheist, sondern ein Humanist. Und darauf hätte auch meine Mutter das Glas erhoben. Frohe Weihnachten!

Josef Garnweitner | So, 25. Dezember 2016 - 15:33

wirklich gute Artikel über Weihnachten im Cicero.

Friedliche Weihnachten Herr Heitmann.

Dimitri Gales | So, 25. Dezember 2016 - 16:12

Die Kirchen (ich nehme Sekten hierbei aus) können durchaus eine Existenzberechtigung haben, wenn sie sich auf ihre soziale Mission beschränken, hingegen auf dogmatische Imperative verzichten und sich nicht in die Politik einmischen. Das meine ich als Atheist.

Gerade heute in der Zeit des Brutalo-Kapitalismus wäre es gut, wenn es eine einflussreiche Institution gäbe (die Kirche), um die Folgen der Wirtschaftsglobalisierung und des entfesselten Neoliberalismus abzufedern. Darin sollte sie ihre hauptsächliche Aufgabe sehen. Zumal die Sozialsysteme (oder von dem, was davon noch geblieben ist) nach und nach abgebaut werden.
Man denke an die ursprüngliche Botschaft der Jesus-Legende: sie gab den bis dahin monotheistischen, archaischen Religion eine humanistische, emotionale Prägung. Das sollten doch die Krichen beherzigen; sie könnten dabei viel für ihr Image tun.

Michael Maschke | So, 25. Dezember 2016 - 18:34

Sehr geehrter Herr Heitmann
Sie sprechen mir aus der Seele. Eine gute Zukunft für unsere Gesellschaft sehe ich nur im Licht eines modernen, aufgeklärten Humanismus. An der Spitze eines jeden Wertesystems muss der Mensch stehen und nicht irgendeine Ideologie, sei sie nun frei von Religion oder auch nicht. Einen Grund für die gegenwärtige Desorientierung und Entdemokratisierung unserer westlichen Gesellschaften sehe ich in der alles umspannenden Ideologie des Neoliberalismus, welche von großen Teilen des politischen und medialen Mainstreams als alternativlos empfunden wird. Der Homo Oeconomicus ersetzt in diesem Weltbild den aufgeklärten Geist oder, aus religiöser Sicht, den nach Gottes Bild erschaffenen Menschen. Esbraucht eine gehörige Portion Misanthropismus, um dieses Zerrbild als real zu betrachten.
Abschließend möchte ich auf meinen Blog verweisen, in welchem ich versuche, solche Themen zu erörtern.
www.michael-maschke.de

Christa Wallau | So, 25. Dezember 2016 - 19:13

Sie stellen zutreffend fest, Herr Heitmann, daß der "Geist der Weihnacht" Menschen befähigt, freundlich und hilfsbereit zu sein. Weiterhin schreiben Sie, daß Sie sich in der Gemeinschaft religiöser
Zeitgenossen oft wohler fühlen als in der von Atheisten bzw. Agnostikern. Bitte fragen Sie sich dann aber auch einmal, w a r u m das so ist. Meines Erachtens wird die positive Kraft, die aus Glauben an den CHRISTLICHEN Gott erwächst (bzw. erwachsen kann), von vielen heutigen Intellektuellen nicht mehr begriffen, geschweige denn geschätzt und als tragende Stütze für eine Gesellschaft erkannt. Stattdessen drischt man abwertend weiter auf angeblich hinterwäldlerische Menschen ein, die (noch immer!) an die Verheißungen eines Jesus Christus glauben. Paradoxerweise
vertrauen aber nicht wenige solcher Verächter gläubiger Christen anderen Heilslehrern
recht naiv: Gesundheits- und Ernährungsaposteln, Klimarettern,
Esotherikern usw. , wodurch sie nicht unbedingt humaner u. liebenswerter werden...

Gerhard Hellriegel | So, 25. Dezember 2016 - 20:27

Der Autor lebt wohl in einer anderen Welt als ich. Aber seine, immer schön eingeschränkten, Gruppenurteile teile ich nicht. Sie sind schließlich allesamt unverbindlich, ungreifbar.
Absatz für Absatz war meine Antwort: Nein. Solche Ansagen kenne ich nicht. Nein, so sind meine Freunde, Bekannten nicht.
Ja, arrogant, zynisch, pauschal ist natürlich immer schlecht, da haben Sie schon recht. Das musste mal wieder gesagt sein.
Und nun zu der durchaus richtigen Beobachtung, dass Atheisten zuweilen streng, aggressiv sind.
Ist das nicht immer so, wenn man sich von autoritären Verhältnissen löst?
Glauben Sie im Ernst, das geht ohne Aggression? Wie war das in Ihrer Pubertät? Wie war das in der Studentenbewegung, in der Frauenbewegung?
Wer selbst diese Trennung vollzogen hat, der weiß, von was ich rede. Und ist nicht so streng. Auch hier setzt Erlösung Kampf voraus. Frohe Weihnacht.

Reiner Kraa | So, 25. Dezember 2016 - 20:59

Die europäische Aufklärung hat die Religionen zwar nicht als solche, aber in ihrer Funktion als gesellschaftlicher Maßstab abgeschafft. Nur dadurch konnten die europäischen demokratischen Wohlfahrtsstaaten entstehen, in denen wir heute leben und die so attraktiv für Menschen aus aller Welt sind. Religionen, gleich welcher Art, sind heute bei uns Privatsache und keine Staatsdoktrin. In diesem Zustand sind sie auch tolerierbar und ihre Ausübung durch das GG geschützt. Das gilt aber nicht für solche, die letztlich den Anspruch erheben, die Entwicklung unserer Gesellschaft nach ihrer Vorgabe zu bestimmen. Dadurch würden die Gesellschaften des modernen Europa zerstört und damit auch unser GG. Also haben solche Religionen auch nicht seinen Schutz. Musterbeispiel für eine solche Religion ist der Islam. Ansonsten fröhliche Weihnachten!

Henriette Hirsch | So, 25. Dezember 2016 - 22:01

Danke für den klugen und engagierten Artikel!
Ich fühle mich als Christin verstanden und stimme Ihnen zu, dass die "Gottlosigkeit", die mir begegnet, oft etwas Misanthropisches hat. So hatte ich das bisher noch nicht gesehen. Stimmt!
Frohe Weihnachten - für all das Schöne und Gute, das dieses Fest unter uns Menschen haben kann!

Ruth Falk | Mo, 26. Dezember 2016 - 00:15

Wie Recht Sie haben. Ich denke, dass alle diese Weihnachts-basher im Grunde gerne etwas von ihrer Kindheit zurück hätten, aber zutiefst unsicher sind und fürchten ganz einfach, für altmodisch gehalten zu warden.
Ich bin unreligiös, aber deshalb muss man doch anderen die Freude nicht vermiesen mit blöden Sprüchen.

Norbert Escher | Mo, 26. Dezember 2016 - 00:18

Zu Bedenken ist aber, das Feste, Rituale und Kirchenbesuche vieler Christen in spiritueller Hinsicht inhaltsleer erscheinen.
Die Inbrunst, Verzückung und Verklärung die man sich vom wahren Christen erwartet, findet man doch nur in der Literatur und im Hollywoodfilm.
Im Ergebnis ahmt der Christ nur überlieferte Bräuche nach.
Auch der selbsternannte keltische Druide, der Asterix und Wagners Nibelungen kennt, lebt nur seine Phantasie aus, wenn er den Mistelzweig schneidet.
Vielleicht ist der erste Mensch, der in den Nachthimmel schaute und dort eine „Macht“ vermutete, der einzig wahre Gläubige.
Alle anderen kennen Gott nur von Hörensagen.
Glaube ist wie Malen nach Zahlen oder Kochen nach Kochbuch.
Kein Original aber ein toller Versuch.
Schönes Fest und guten Rutsch.

Raimund Guenther | Mo, 26. Dezember 2016 - 01:23

Glauben an Gott durch Glauben an das Schlechte ersetzt.........................
Wer nicht weiß - glaubt..............und was ist Gott?

mfG
Guenther

Christoph Kuhlmann | Mo, 26. Dezember 2016 - 09:30

Religion ist irrational und an den jeweiligen Zeitgeist gebunden. Dort wo sie es nicht ist, stößt sie uns übel auf. Seien es nun muslimische Fundamentalisten oder katholische Teufelsaustreibungen (immerhin gibt es offizielle Inquisitoren dafür). Typischerweise neigen religiöse Menschen und Institutionen dazu, sich selbst und ihresgleichen, die im öffentlichen Wertekanon populären Werte zuzuschreiben, selbst wenn diese jahrhundertelang mithilfe der Religion unterdrückt wurden. Das Naturrecht, auf dem die Menschenrechte beruhen ist ein schönes Beispiel. Es ist ein Produkt der Aufklärung, die allein die menschliche Vernunft mit alle ihren Schwächen gelten lässt. Sie allein ermöglichte die Emanzipation des Individuums von der Unterwerfung unter die religiöse Vormundschaft als "Kinder" Gottes. Insofern sind Aufklärung und Vernunft bei der Religion in denkbar schlechten Händen, denn diese hat kein Problem damit, im Namen der europäischen Werte, die Freiheit der Europäer einzuschränken.

Alexander Wildenhoff | Mo, 26. Dezember 2016 - 11:15

Interessant - wie schwer sich scheinbar aufgeklärte Menschen mit christlichen Festen tun. Haben diese Feste doch eigentlich mit Christus nichts zu schaffen. Die Kirche als Amtskirche hat bestehende Feste, die die Leute auf der Basis ihrer chtontisch-animistischen Gottes- und Jenseitsvorstellungen ohnehin seit Jahrtausenden gefeiert haben, christlich überformt. Seit die Menschen sesshaft geworden sind entwickelten sie Vorstellungen von Werden und Vergehen – diese wurden personifiziert. Die humanistischste Variante dürften wahrscheinlich die Römer vertreten haben – da durfte jeder an seinen eigenen Gotteszyklus glauben (Geburt, Tod, Auferstehung – und das in ständiger Wiederholung), wie er das für richtig hielt. Religiöse Toleranz war der Kitt, der das Imperium bis Konstantin zusammen hielt.
Von dieser humanistisch-polytheistischen (=atheistischen) Toleranz sind wir aber inzwischen weit entfernt.

Wolfgang Weber | Mo, 26. Dezember 2016 - 11:30

Beim Lesen dieses Artikels fiel mir die Frage unseres katholischen Pfarrers im Religionsunterricht vor über 40 Jahren wieder ein. Was ist besser ein guter Mensch oder ein schlechter Christ. Jeder von uns dachte, was gibt es besseres als einen guten Menschen, doch unser Pfarrer klärte uns nach der Sicht der Dinge durch die Kirche auf. Ein schlechter Christ ist immer besser als ein guter Mensch der an nichts glaubt und sei er noch so gut, denn er der schlechte oder vielleicht auch zynische Christ hat immer noch die Möglichkeit auf den richtigen Weg Gottes zu gelangen. Für diesen katholischen Pfarrer ist der Glaube an Gott wichtiger als gottloser Humanismus, darauf würde er vermutlich sein Glas erheben.

wolf wilhelmi | Mo, 26. Dezember 2016 - 17:05

Gottlosigkeit - die bessere Religion?
Heitmann bekennt sich zu seiner "Gottlosigkeit", die, wie in diesen postmodernen Zeiten üblich, Religion überwinden will bzw. durch die Fantasie eines humanistischen Atheismus ersetzt - auch an Weihnachten. Diese Haltung respektiere ich. Das bedeutet aber nicht, dass ich ihrer Logik folge, die doch von so vielen nicht hinterfragten Voraussetzungen ausgeht: Welchen Gott, welche Gottesrede ist der Autor los geworden? Was versteht er unter Religion, vor allem im sozialen und ethischen Kontext? Wie kann er nachweisen, dass Atheismus (immer) als Humanismus zu interpretieren ist, wo doch im 20. Jahrhundert atheist. Systeme vor allem durch ihre Unmenschlichkeit aufgefallen sind? Der Autor will sich aus den Sphären des Religiösen heraushalten, in dem er sich in die scheinbar höhere Warte des Nichtglaubens begibt. Er übersieht dabei, dass Ungläubigkeit keineswegs über den Dingen schweben lässt, sondern (nur) eine Alternativreligion ist.

Andreas Albrecht | Mo, 26. Dezember 2016 - 17:53

In vielen Beobachtungen des Autors stimme ich vom Herzen zu. Gerne verwendet man die Floskel: "Er schrieb mir von der Seele!"
Obwohl ich mich selbst gar nicht als Atheist mehr sehe, sondern vielmehr als Agnostiker. Aber muss sich Gläubigkeit, Atheismus und Agnostizismus wirklich vom Humanismus ausgrenzen? - Deshalb wünsche ich jedem zum Weihnachtsfest von uns nur das Allerbeste, das da sind:
Frieden, Besinnlichkeit, Freude, Liebe, Stille und Dankbarkeit!

Marian E. Finger | Di, 27. Dezember 2016 - 06:24

so die Überschrift eines anderes Beitrags auf dieser Seite. Wer sich genauer mit der Geschichte des Christentums befasst, muss zu dem Ergebnis kommen, dass es sich dabei um eine großangelegte Geschichtsfälschung handelt.

Mit Festen wie Weihnachten werden das Unrecht, die Lüge und die Geschichtsfälschung gefeiert. Ist das nicht weit mehr Grund, solche Feste abzulehnen als der Stress, der Konsumzwang, die Völlerei etc.

Kann auf einer Lüge wahrer Humanismus aufbauen? Für mich nicht vorstellbar. Oder anders gefragt: worin besteht Humanismus? Darin, dass man die Geschichte der Menschheit und den damit verbundenen Zivilisationsprozess nicht kritisch sehen darf? Ein solcher Humanismus ist reine Selbstbeweihräucherung.

David Mehrmann | Di, 27. Dezember 2016 - 20:41

Ein Atheist ersetzt seinen nicht vorhandenen Gottesglauben durch einen an das "Schlechte". Mies drauf sein, das kann eigentlich jede/r, dazu braucht man nicht Atheist oder Christ/Muslim/Jedi sein. Und die meisten, die mir gleich auch bekannt sind, feiern Weihnachten (mit oder ohne Geschenke) mit ihren christlichen oder gottlosen Familienmitgliedern oder Freunden. Dazu braucht es auch nicht viel, denn bisher haben sie alle genug Lebensfreude gezeigt. Ich weiss nicht woher der Autor diese Negativitaet nimmt, die er allen Atheisten anpappt, daher sage ich kurz mal Humbug, so in ganz Weihnachtsgeschichtlicher Manier, und wuensche ein froehliches neues Jahr! Und wenn der Atheist von gegenueber mal wieder was zynisches, negatives oder sonstwie unliebsames sagt: vielleicht mal check0rn ob das nicht vielleicht an der Person liegt, und nicht an der simplen Tatsache dass diese Person sich nichts aus Gottheiten macht? Peace!

Wolfgang Weber | Mi, 28. Dezember 2016 - 09:50

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