Politik und Wahrheit - Willkommen in der postfaktischen Welt

Das Wort „postfaktisch“ wurde zum „Wort des Jahres“ gewählt. Damit wird die Praxis beschrieben, Gefühlen und Spekulationen mehr zu glauben als Tatsachen. Das ist verführerisch. Aber vor allem gefährlich

Trump-Anhänger bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida
Das Gefühl spielt in der Politik eine immer größere Rolle / picture alliance

Autoreninfo

Constantin Wißmann schreibt für verschiedene Zeitungen und Magazine. Er hat in London Geschichte studiert und die Berliner Journalisten-Schule absolviert. Er arbeitet für Cicero Online. 

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Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das hat nicht irgendwer gesagt, sondern die Kanzlerin Angela Merkel. Genauso hat sie es gesagt. Das ist ein Fakt. Wir konnten es alle sehen in der Bundespressekonferenz. Der Begriff „postfaktisch“ aber waberte schon vorher durch Zeitungen, Radio und Fernsehen. Die Kanzlerin selbst hatte es auf dem Rückflug vom G-20-Gipfel in China von Journalisten aufgeschnappt. Das Wort müsse sie erst einmal in ihren Wortschatz aufnehmen, sagte sie, so jedenfalls stand‘s im Spiegel. Ist das jetzt ein Fakt? Dazu später mehr.

Fakt ist aber, dass „postfaktisch“ das „Wort des Jahres“ ist, ja, vielleicht wird es sogar einmal die Ära der Kanzlerschaft Angela Merkels definieren. Reingefallen. Das war jetzt natürlich Spekulation, mehr so ein Gefühl. Aber genau darum geht’s ja in der postfaktischen Welt, um die Vermischung von Tatsachen mit Gefühlen und Spekulationen und was dabei herauskommt.

Postfaktisches Denken sickert in die Gesellschaft

Ganz neu ist das alles nicht. Schon Friedrich Nietzsche sagte, dass es keine Fakten gebe, nur Interpretationen. Diesen Gedanken griffen postmodernistische und relativistische Denker auf, um zu argumentieren, dass jede Version eines Ereignisses eine eigene Realität habe, dass Unwahrheiten „eine alternative Sichtweise“ darstellten, weil sowieso alles relativ sei. In den vergangenen 30 Jahren sickerte dieses Denken durch in die Medien, in die Gesellschaft und in die Politik.

In den achtziger Jahren prägte der US-Amerikaner Lee Atwater den Satz „perception is reality“, Realität sei das, was man empfinde. Atwater arbeitete als Wahlkampfmanager für Ronald Reagan und George Bush Senior. Er galt als skrupellos – und erfolgreich. Bei der Präsidentschaftswahl 1988 gelang es Atwater für Bush, einen Rückstand von 17 Prozent auf den demokratischen Kandidaten Michael Dukakis wettzumachen und die Wahl zu gewinnen. Vor Schmutzkampagnen und gefälschten Umfragergebnissen schreckte er nicht zurück, Fakten interessierten ihn nicht. Denn indem er die Gefühle der Wähler beeinflusste, würde er die Fakten eben schaffen. Wenn Menschen an etwas glauben, ist es dann noch wichtig, dass dieses etwas wahr ist?

Wenn das Gefühl mehr zählt

Dass aber gerade jetzt alle von postfaktischen Zeiten reden, hat vor allem mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump zu tun,  und dem auch in Deutschland beliebten Satiriker John Oliver. Letzterer zeigte während des Wahlkampfes in seiner Show den Ausschnitt eines Interviews, das eine CNN-Reporterin beim Parteitag der Republikaner mit Newt Gingrich geführt hatte. Gingrich ist ein hohes Tier in der Partei, in den neunziger Jahren organisierte er als Fraktionschef den Aufstand gegen den Demokraten Bill Clinton.

Die Reporterin legte Gingrich eine Statistik vor, die aufzeigt, dass die Kriminalität in den letzten Jahren stark gesunken ist. Das bedeute gar nichts, konterte Gingrich, die Linken würden für alles irgendeine Statistik haben. Die Statistik stamme aber vom FBI, es handle sich um offizielle Fakten, entgegnete wiederum die Moderatorin. Jetzt kommt der entscheidende Moment. Es möge ja sein, dass dies Fakten seien, sagte Gingrich, er jedoch verlasse sich auf das Gefühl der Menschen. Und dieses Gefühl sage ihm, dass die Verbrechen zugenommen hätten. Das sei genauso viel wert wie Fakten.  

Trump ist ehrlich unehrlich

Unseren eigenen Gingrich-Moment erlebten wir im Vorfeld der Berlin-Wahlen. In der Elefanten-Runde im RBB-Fernsehen wurde AfD-Spitzenkandidat Georg Pazderski mit den Kriminalitätsstatistiken des Bundesinnenministeriums konfrontiert, die nahelegen, dass Ausländer nur unwesentlich mehr Straftaten begehen als die deutsche Bevölkerung. Aber Pazderski ließ sich von Zahlen nicht beeindrucken. Es gehe eben „nicht nur um die reine Statistik, sondern darum, was der Bürger empfindet“, sagte er.

Das ist die neue Dimension, die wir auch erleben, wenn Russlands Präsident Wladimir Putin im Fernsehen sagt, dass keine russischen Soldaten in der Ukraine seien, obwohl wir auf anderen Bildern russische Soldaten in der Ukraine sehen. Wir erleben es, wenn Michael Gove von der britischen Brexit-Kampagne sagt, die Leute hätten die Schnauze voll von Experten und wir erleben es vor allem bei Donald Trump, der Fiktion und Realität in seinen Reden geradezu beliebig vermischt.

Schaut her, scheint er zu sagen, ich bin genauso, wie ihr immer geglaubt hat, dass Politiker sind. Ich bin ein Behaupter, ein Wortverdreher, ein Lügner. Trump ist ehrlich unehrlich.Lügen und Interpretationen der Wahrheit gehören zur Politik seit jeher dazu. Es ist die demonstrative Schamlosigkeit, mit der Politiker wie Trump auftreten, die neu ist. Sie lügen nicht nur, die Wahrheit ist ihnen auch egal.

Im Kalten Krieg wurde um die Wahrheit gekämpft

Wie kommt das, und warum passiert es gerade jetzt? Es scheint – Achtung, jetzt wird wieder spekuliert – mit der Entwicklung der Technologie und der globalen Ökonomie zu tun zu haben, wie das Granta Magazin argumentiert.  Noch im Kalten Krieg war die Wahrheit unheimlich wichtig. Kommunisten und Kapitalisten setzten auf Fakten, um zu belegen, dass ihre Ideologie die richtige ist. Beide Seiten fälschten ihre Bilanzen, vor allem die Kommunisten, aber wenn sie dabei erwischt wurden, waren sie zutiefst verärgert. Und am Ende verloren die Kommunisten, weil ihnen niemand mehr glaubte. Beide Seiten versuchten aber, jedenfalls offiziell, eine Art rationalen Fortschritt nachzuweisen, und dazu benutzten sie Ideologie, Geschichte und Fakten.

Dann kamen die neunziger Jahre, und es gab nichts mehr zu beweisen. Die Fakten wurden von der politischen Geschichte, die es zu erzählen gab, getrennt. Die neuen Herren der Politik waren PR-Berater, Spin-Doctors wie Joe Lockhart unter Bill Clinton in den USA, Alastair Campbell in Großbritannien unter Tony Blair und Uwe-Karsten Heye, Bodo Hombach und Matthias Machnig als Mitglieder der „Kampa“ unter Gerhard Schröder. In Russland entstand eine Art „virtuelle Politik“, in der es künstliche Parteien und künstliche Nachrichten gab. Dennoch versuchten die Spin-Doctors immer noch, zumindest eine Illusion der Wahrheit zu erzeugen.

Lügen verbreiten sich wie Waldbrände

Paradoxerweise hat das Informationszeitalter den Trend noch verstärkt. Obwohl so genannte Fakten-Checks in allen Medien hoch im Kurs stehen, und jedes Provinzblatt mittlerweile einen Datenjournalisten engagiert hat, verbreiten sich Lügen im Internet wie digitale Waldbrände. Sobald ein Faktenchecker eine Lüge ausfindig macht, entstehen gleichzeitig tausend neue. Durch das schiere Volumen dieser Informationskaskaden verbreiten sich die Unwahrheiten in Windeseile.

Alles was zählt, ist, dass die Lüge klickbar ist. Das wird wiederum durch die Vorurteile der Menschen bestimmt. Google und Facebook haben Algorithmen entwickelt, die sich nach den bisherigen Suchanfragen und Klicks der Menschen richten. Und die sozialen Netzwerke, für viele bereits die wichtigste Nachrichtenquelle, führen uns in Echokammern der Gleichgesinnten, in denen wir nur Dinge zu hören bekommen, die unsere Sicht der Dinge bestätigen, egal ob sie wahr oder falsch sind.

Natürlich sind wir Journalisten nicht ganz unschuldig daran. „Da brauchen wir noch eine Studie“, in jeder Redaktion ist dieser Satz bekannt. Irgendeine wird sich schon finden lassen, die unser jeweiliges Argument bestätigt. Und dass diese Studie wiederum untersucht wird, ob sie auch wirklich relevant und empirisch korrekt ist, kommt selten vor. Auch beschränkt sich die Entwicklung nicht auf Kräfte der rechten Politikseite. Ohne länger darauf einzugehen, gibt es auch bei „linken“ Themen wie Gentechnik, Atomkraft und den immer alarmierenderen Armutsberichten starke Tendenzen, die Fakten zu ignorieren oder zu verdrehen.

Das Bedürfnis nach Nostalgie

Zur Technologisierung kommt die generelle Desorientierung in einer immer globaleren Welt. Wenn die Fakten aussagen, dass es keine ökonomische Zukunft gibt, wer will diese Fakten schon hören? Wenn die Regierung die Kontrolle verloren zu haben scheint, warum soll man dieser Regierung vertrauen? Kein Wunder also, das die postfaktische Welt, oft eine nostalgische Welt der Vergangenheit ist. Deswegen lässt Putin die Menschen von einem restaurierten Russischen Reich träumen, deswegen verspricht Trump, Amerika „great again“ zu machen, deswegen nähren die Brexiteers die Sehnsucht nach einem „verlorenen England“ und deswegen glorifizieren die ISIS-Videos ein mythisches Kalifat. „Das 21. Jahrhundert ist nicht geprägt von der Suche nach Neuheit“, schreibt die russisch-amerikanische Philologin Svetlana Boym, „sondern von der Ausbreitung der Nostalgie. Die gibt das kritische Denken zu Gunsten einer emotionalen Verbundenheit auf. In extremen Fällen entsteht daraus eine Phantomheimat, für die man bereit ist, zu sterben und zu töten.“

Keine Frage, eine postfaktische Welt kann auch befreiend sein. Es hat etwas von jugendlicher Euphorie, die Fakten, diese schweren Symbole der Erziehung und der Autorität, von sich abzuschütteln, es ist rebellisch. Nicht umsonst nannte die rechtskonservative Kolumnistin Ann Coulter die Trump-Bewegung voller Enthusiasmus eine „Rebellion des Volkes gegen das Establishment“. Dagegen an die Wahrheit zu appellieren wirkt langweilig, von gestern, fast altväterlich. Nachprüfen, hinterfragen, herausfinden, das ist oft harte Arbeit und selten sexy. Doch genau darum geht es in der Aufklärung, das meint Immanuel Kant mit seinem „sapere aude“. Eine postfaktische Welt ist kein Fortschritt, sondern eine Rückkehr in dunkle Zeiten, wie hell sie auch im nostalgisch verbrämten Licht erscheinen mögen.

Eine Version dieses Textes erschien bereits im September auf Cicero Online. Aus aktuellem Anlass haben wir ihn aktualisiert und erneut veröffentlicht.

Nicolas Wolf | Fr, 23. September 2016 - 17:39

Also wichtig wäre es doch einmal festzuhalten, dass besonders Merkel 'postfaktisch' ist, lebt, redet, keine Ahnung. Was Trump so treibt, ist für mich nicht ganz so relevant, da er noch nicht Präsident ist und ich auch im Moment keine Steuern in den USA zahle und lebe. Putin? - ähnlich.

Merkel betreibt eine Politik, die nichts mit Fakten zu tun hat. Syrern helfen, das ich nicht lache. Wir helfen denen die sich die Anreise leisten können, es gibt ärmerer, die diese Hilfe nötiger hätten. Dafür mal eben geltendes Recht zu brechen und Deutschland innerhalb der EU in eine nie dagewesene Isolation zu treiben, wofür noch mal? Das gleiche Geld würde im nahen Osten für eine vielfache Zahl an Hilfsbedürftigen reichen. Von daher ist es schon interessant, was die Frau da von sich gibt, weis sie es nicht besser oder sagt sie es trotzdem?

Merkel hat Fakten wider jeder Vernunft geschaffen und erklärt jetzt auch noch das wir postfaktisch leben, sehr interessant!

Das haben Sie richtig analysiert. Es werden Fakten geschaffen, also willentlich vermittelt, und aus diesen werden alternativlose Handlungsanweisungen abgeleitet. Dann ist der Bürger gefangen in einer Scheinnatur des Faktischen und in einer unfreien Natur der Alternativlosigkeit.
In Wahrheit spieltman mit der Dummheit des Bewusstseins und verhält sich wie ein Arzt nach einer missglückten Operation: "Ihr Mann ist tot!" lauten dann auch oft die Fakten, ganz alternativlos. Man erinnere sich an Hegels Diktum: "Um so schlimmer für die Tatasachen!"

genau nehmen?

Sie Tun so als ob Frau Merkel die Flüchtlinge in die Boote gesetzt hat und nicht Herr Erdogan.

Bleiben wir doch mal bei den Fakten, Erdogan hat erkannt, das die EU nicht in der Lage ist alle Griechischen Inseln gegen Nusschalen, die zum Teil ja nur ein paar Meter von türkischen Festland rudern müssen zu abzuschotten......übrigens genauso, wie Herr Honecker, als er damals den Forderungen nach seinem Milliardenkredit, via Herbeischaffung von Zigtausend Flüchtlingen nach West-Berlin Nachdruck verliehen hatte... Dazu war Erdogan vollkommen klar, dass Griechenland in seiner existenziellen Schulden- und Wirtschaftskrise hier niemals seinen Verplichtungen gemäß dem Abkommen von Dublin nachkommen kann. Also, wenn wir jetzt mal ausnahmsweise die Fakten wieder auf den Tisch legen, hatte es vorriges Jahr nur die Möglichkeit nach den Veträgen Griechenland im bürgerkriegsähnlichem Chaos versinken zu lassen oder die Flüchtlinge, die ja eh schon in der EU waren durchzuwinken....

Vielleicht habe ich meine Sicht an diesem Punkt nicht deutlich genug zum Ausdruck gebracht, daher: die sogenannten Flüchtlinge setzen sich selbst ins Boot, niemand sonst und Erdogan hat Sie auch nicht in Syrien oder Afghanistan eingefangen um sie ins Boot zu setzen. Sie sind rational handelnde Menschen, die sich von der Überfahrt Vorteile versprechen. Ich sehe sie nicht als Objekte in den Händen von Erdogan oder der deutschen Asylindustrie, wie ist das bei Ihnen? Merkel hat den nachvollziehbaren Drängen der Illegalen nachgegeben, was nicht nachvollziehbar ist, denn dies ist nicht ihr Job! Sie wollen ausnahmsweise mal die Fakten auf dem Tisch legen, wie nett. Es ist mir in diesem Zuge relativ egal, wie die Griechen der Lage Herr werden, auch aus der Richtung gab es ja Erpressungsversuche. Zudem ist die Situation ziemlich gebau so mit dem Schließen der Grenze von Mazedonien eingetreten und siehe da, es ging...

Honnecker hat sich also als Schleusser eine goldene Nase verdient, so so...

Sie schrieben: "...übrigens genauso, wie Herr Honecker, als er damals den Forderungen nach seinem Milliardenkredit, via Herbeischaffung von Zigtausend Flüchtlingen nach West-Berlin Nachdruck verliehen hatte..."

Das ist purer Unfug. Die Bundesregierung selbst hatte ein deutliches Interesse an der Stabilität der DDR. Die DDR war damals der Billiglohn-Sektor der BRD.
Der Milliardenkredit war eine Massnahme um einen vollkommen ungeordneten und für beide Seite schlimmen Crash zu verhindern. Vielleicht studieren sie mal die Statements der Bundesregierung bezüglich dieses Themas!

Sie versuchen uns nur das Gefühl zu vermitteln, Mutti hat es gut gemacht. Das ist Schmarrn. Ein aufgelegter noch dazu.

Eine Sperre der Westbalkanroute war schon damals möglich und die Milliarden für Griechenland hätte man in eine effiziente Flüchtlingshilfe vor Ort investieren können.

Nur dann hätten die Griechen für unser Geld auch Leistung erbringen müssen. Immer wieder bestätigten Gerüchten nach verbringen Griechen die Zeit lieber mit diskutieren. Denn Intelligenz haben sie.

So wäre eine Wirtschaftshilfe für Griechenland mit einer Lösung des Immigrantenproblems möglich gewesen. Aber Mutti wollte lieber Selfies mit ihr in die Welt schicken. Natürlich postfaktisch.

Ich finde es auch einfach unverfroren, dass ausgerechnet Merkel den anderen "postfaktisches" Verhalten vorwirft, wo sie doch diejenige ist, die die Augen konsequent vor den Tatsachen verschliesst

Ich lese die Bildzeitung nicht, da sie meinem Weltbild widerspricht. Und so bewegen wir uns alle in der selbst gewählten Ideologietunke. Allein die Annahme, man könnte mit Fakten überzeugen, ist durch nichts bewiesen. Möglich ist, eine Art Nachdenkprozess anzuregen. Das Weltbild ändert niemand von heute auf morgen. Jammern nutzt da nichts. Es dauert halt.
In den 90ern entstand eine Sehnsucht nach Fachleuten. Dann kam der grosse Fachmann Manfred Krug. Danach die Fachleute Gerhard Schröder, Riester und Hartz. Im Ergebnis merkte das Volk, hütet Euch vor den Fachleuten.
"Postfaktisch" würde ich anders übersetzen...Historisch betrachtet sind viele ehemalige Fakten nichts als Alchemie. Die Volksseele merkt sich so etwas.
Es jammern nur die Ertappten

Michaela Diederichs | Fr, 9. Dezember 2016 - 19:49

In reply to by Nicolas Wolf

Lieber Herr Wolf, ich stimme Ihnen zu. Postfaktisch ist, dass die Trumpwahl die Börsen nicht zum Absturz gebracht haben - im Gegenteil und das ist mir heute Abend sogar in den ÖR verkündet worden. Putin ist sowieso das verkörperte (Un)wesen alles Bösen. Fakt ist aber u. s. Artikel im Tagesspiegel. Ich werde das Gefühl nicht los - jetzt bin ich komplett postfaktisch -, dass den neuen jungen Herren - Menschen, die noch nicht so lange in unserem Land sind - suggeriert wurde, dass die Damen - die hier schon lange leben - auf sie angewiesen sind, damit die Rassen durchmischt werden. Und die Damen zieren sich! Mit Rassentheorie haben´s die Deutschen irgendwie. Vor dem Hintergrund dieses Artikels wird mir vieles verständlicher, es bekommt sogar Transparenz. Beste Grüße - aber eigentlich ist mir schlecht, Michaela Diederichs
http://www.tagesspiegel.de/politik/schaeuble-ueber-die-degeneration-der…

Markus Michaelis | Fr, 23. September 2016 - 17:40

Das Problem ist nur zum Teil, dass Menschen Fakten vollkommen ignorieren. Der andere Teil des Problems ist, dass sogenannte Fakten von "gebildeten" Menschen verwendet werden, um anderen (weniger gebildeten) Menschen ihre Ansicht aufzuzwingen. Es fehlt dabei oft ein Verständnis dafür, was Fakten sind, in welchem Kontext sie gelten etc. Es gibt schon viele ziemlich klare Verschwörungstheorien und Unsinn, aber es gibt auch viele "Fakten" zur Verbrechensstatistik, Armutsstatistik und anderen gesellschaftlich brisanten Themen, die sehr relativ zu sehen sind. Ich finde vielen Faktenmenschen geht zu sehr der Sinn dafür ab, wie relativ die meisten Fakten sind. Kleines Beispiel: geht die Arm-Reichschere zu oder auf? Je nach betrachtetem Reitraum, welche Einkünfte und Vermögen einbezogen werden, welche Gruppen betrachtet werden (Passdeutsche, regional, alle hier lebenden etc.) und vielen Kriterien mehr gibt es verschiedene Aussagen. Im Zeitungsartikel steht meist DIE Aussage.

Ulrih Baare | Fr, 23. September 2016 - 17:52

Sie machen sich es hier etwas zu einfach.
Traditionell werden nicht Fakten, sondern Verstand (Logik) als Gegenteil von Gefühlen angesehen.
Nun, ausgehend von Kant sind aber Emotionen nicht das Gegenteil von Vernunft - da man Gefühle als Urteile verstehen kann, bei denen 'nur' die Art und Weise, wie sie zustande kamen, nicht ersichtlich ist (Peirce).
Davon abgesehen befinden wir uns in einer 'postfaktischen' Welt insofern, als das Misstrauen gegenüber behaupteter (!) Faktizität viele Menschen mehr auf ihr Gefühl hören läst als das sie ihre Sicht einfach aufgeben, weil jemand behauptet, dass etwas aufgrund der Fakten anders sei. In einer Gesprächssitutation ist die Herleitung (also Überprüfung) der 'Fakten' gar nicht möglich. Und sehr viele Menschen sind gar nicht in der Lage die entsprechenden Herleitungen zu verstehen (mangels methodischer Kenntnis). Die Fakten werden deshalb fragwürtig für sie, weil ihre Faktizität für sie alleine auf Glauben und Autorität beruht.

Katharina Bihlmann | Sa, 10. Dezember 2016 - 08:16

In reply to by Ulrih Baare

Dieser Kommentar sagt alles. Es geht nichts über ein epistemologisches Grundwissen, methodische Kenntnisse einer kritischen Masse und dazu fundiertes Basiswissen, welches auch möglichst erlebt und selbst erarbeitet, sprich verifiziert worden ist! Das Vernetzungen mehrerer Wissensgebiete bedeutet. Um einer Demokratie vor den 'Spin Doctoren' und den Ausbeutern dieser Welt Schutz zu gewähren.

Klaus Elmar Müller | Fr, 23. September 2016 - 17:54

Für den hl. Thomas von Aquin (13. Jhdt.) war Erkenntnis die Anpassung des Verstandes an eine Sache. Aber schon William von Ockham (14. Jhdt.)relativierte unsere Begriffe als subjektiv, bis Immanuel Kant (18. Jhdt.) unsere inneren Kategorien für die Dinge grundsätzlich von den Dingen abspaltete und J.G. Fichte sogar eine äußere Wirklichkeit bestritt. Ein aktueller Philosoph dazu, ich glaube Prof. Spaemann: Kant habe uns in den Kopf eingesperrt. Das Subjekt wird zum Gestalter einer bloß virtuellen, aber scheinbar allein gültigen Wirklichkeit; folglich ist die Invasion von Migranten gut und die AfD böse . . .

Reiner Kraa | Fr, 23. September 2016 - 18:40

Mr. Atwater aus den USA meinte wohl, dass man allen alles unterjubeln kann. Das mag für Amerika gelten, für Deutschland aber nicht. Frau Merkel muss das gerade leidvoll erfahren. Sie unterstellt allen Bürgern, nicht erkennen zu können, wie segensreich sie für das Land ist. Sie hat ja nur vergessen, die Bürger "mitzunehmen", sonst sähe es anders aus. Na toll! Aber aus der Geschichte vom Kaiser mit den neuen Kleidern haben viele gelernt. Wenn hier jemand postfaktisch ist, dann Frau Merkel samt ihrer Schranzen. Auf ihre Nebelgranaten fällt keiner mehr rein. Auch nicht auf die diverser Journalisten.

Sie schreiben "auf ihre Nebelgranaten fällt keiner mehr rein". Es wäre zu schön, wenn Sie richtig liegen würden mit Ihren Ausagen.

Aber wie erklären Sie sich dann die wieder hohen Zustimmungsraten für Frau Merkel?

Bernd Fischer | Fr, 23. September 2016 - 19:02

und deren Auswirkungen und langfristigen Folgen ( Flüchtlinge ) in Europa und speziell in Deutschland hätte dem geneigten Leser oder Abonnenten des Cicero mehr interessiert.

Wir leben im hier und heute.

Alles andere was Sie als Argumentiation vorgebracht haben um Ihre These zu stützen ( was die restliche Welt betrifft ) , ist irrelevant.

Christa Wallau | Fr, 23. September 2016 - 20:11

Es gibt FAKTEN. Und: Es gab (gibt) gestern genauso wie heute den UMGANG MIT FAKTEN (bzw. die Interpretation von Fakten).
Dieser Umgang erfolgt nicht neutral bzw. "richtig" im mathemat. Sinne, sondern subjektiv - je nachdem, welche Vor- Einstellung der Faktenbetrachter bzw. -kombinierer hat. Jede Deutung von Fakten auf eine bestimmte Aussage hin stellt bereits eine Beschränkung dar, indem sie andere Kombinationen außen vor läßt.
So wie Schönheit nur im Auge des Betrachters existiert, ist auch Wahrheit immer subjektiv. Es gibt jedoch große Unterschiede in der Plausibilität und so etwas wie eine herrschende "Mehrheits-Wahrheit" dadurch, daß viele Menschen zur gleichen Zeit dieselbe Fakten-Deutung für wahr halten.
Der Rückgriff auf Statistiken o. ä. stellt m. E. oft nur einen miesen Trick dar, um die eigene Meinung als wahrhaftiger erscheinen zu lassen als diejenige anderer.
Gefühle sind übrigens auch Fakten und gehören daher unbedingt in die Wahrheitssuche mit einbezogen.

würde mir besser gefallen. Und in der Tat haben die "normalen Bürger" viele Entwicklungen (und zwar nicht nur zur Flüchtlingspolitik, sondern auch u.a. zur EU- und Euro-Politik) zutreffend prognostiziert,wie zahllose Kommentare in FAZ, Cicero u.a. beweisen - sogar unter Berücksichtigung der Tatsache, dass gerade fundierte Beiträge gern gelöscht werden. So kann man ja auch besser auf die "Dumpfbacken" verweisen.

Ich bin zwar von Haus aus Dipl.-Ing. und damit "faktenbasiert" erzogen worden aber ich musste schon bei meinem anschließenden Wirtschaftsstudium feststellen, dass vor JEDER Handlung ein Gefühl liegt. Weshalb habe ich überhaupt noch ein Wirtschaftsstudium auf das viel schwierigere Ingemieurstudium gesetzt? Weil ich im Berufsleben angekommen, relativ schnell merkte, dass es eben nicht auf Fakten ankommt, wenn Entscheidungen getroffen werden. Ich wollte dann wenigsten die Instrumente meiner Partner/Widersacher haben um im postfaktischen Bereich weiter zu kommen. Wir haben heute im Allgemeinen so viel Informationen zur Verfügung, als dass man sie gar nicht verarbeiten und wichten kann. Leute, die das tun wichten selektiv nach eigenen Vorstellungen und nennen das faktenbasiert. Wichtige und vor allen schnelle Entscheidungen laufen immer über den Instinkt/das Gefühl! Teilweise werden sie nachträglich rationalisiert. Prof. Singer geht weiter: Wir sind durch unsere Neuronen programmiert!

Harald Betz | Fr, 23. September 2016 - 20:21

Der Ministerpräsident von Brandenburg hat dankenswerterweise klargestellt, wie "postfaktisch" Kriminalitätsstatistiken hinsichtlich der Erhebung rechtsextremer Straftaten sind.

"Bei der Polizei wird jeder Übergriff, bei dem nicht erwiesen ist, dass er keine rechtsextreme Motivation hat, in die Statistik hineingezählt."
https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/int/201609/22/61768…

Das wachsende Misstrauen der Bürger gegenüber den Aussagen von Regierung und Medien ist also weit realitätsnäher als die fast nur von Gefühlen gelenkte Politik der Kanzlerin, die die von ihr selbst verursachten unangenehmen Fakten einfach nicht zur Kenntnis nimmt.

"Bei der Polizei wird jeder Übergriff, bei dem nicht erwiesen ist, dass er keine rechtsextreme Motivation hat, in die Statistik hineingezählt." - Für mich heißt das, dass jedes Feuer in einem Asylantenheim unabhängig von der Ursache als rechtsextreme Straftat gewertet wird.

Ralf Altmeister | Fr, 23. September 2016 - 20:30

Analyse der Lage in Schweden bei Zuwanderung:

Danach haben 48 Prozent der Immigranten im berufsfähigen Alter keine Arbeit. Selbst nach 15 Jahren in Schweden erreicht ihre Beschäftigungsquote nur 60 Prozent.

42 Prozent der Langzeitarbeitslosen sind Immigranten. 58 Prozent der Sozialhilfeleistungen gehen an Immigranten. 45 Prozent der Kinder mit den schlechtesten Schulleistungen sind Immigranten. Sie verdienen im Durchschnitt 40 Prozent weniger als Einheimische. Seit den 80er-Jahren hat Schweden den höchsten Anstieg an Ungleichheit unter allen OECD-Staaten.

26 Prozent aller Gefängnisinsassen sind Ausländer und Migranten – und 50 Prozent all jener Häftlinge, die wegen schwerer Straftaten zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt wurden, so The Economist. Die Mehrheit der Personen, denen in Mord, Vergewaltigung und Raub vorgeworfen wird, sind Einwanderer entweder der ersten oder der zweiten Generation.
Das sind und werden auch für Deutschland Fakten.
Postfaktisch- NEIN.

Volle Zustimmung. Eine ehem. Bekannte ist Schwedin und da wurde ignoriert auf Teufel komm raus. Jetzt aber, nachdem Schweden das Ruder rumreist, will sie von ihrem Reden, über Jahre hinweg, nichts mehr wissen. Ein Beispiel: Als ihr Sohn einen türkischen Freund hatte, leugnete sie sogar jemals Schweinefleisch gegessen zu haben (eine Notlüge sagte sie mir). - Ich habe die Bekanntschaft dann gekündigt, wegen zu langer und zu großer Postfaktizität.

Karl Schade | Fr, 23. September 2016 - 21:33

Seit Jahrzehnten werben beliebige Ideologien mit dem Anspruch auf Rationalität, gar auf "Wissenschaftlichkeit" um uns: die "wissenschaftliche Weltanschauung des Marxismus-Leninismus", die Weltuntergangsszenarien des Club of Rome, die Political Correctness, die sich als direkte Ableitung aus dem Kategorischen Imperativ verstanden wissen will.

Viele "wissenschaftliche" Voraussagen, die mit überlegener Sicherheit von Experten vorgetragen wurden, haben sich nicht bewahrheitet. Nun schlägt das Pendel zurück. Das Bauchgefühl erklärt sich stolz für vorrangig und weist dem Intellekt auch offen die dienende Rolle zu, die ihm Psychologen seit jeher attestieren. Wichtig ist, hier zu einem Gleichgewicht zu kommen, denn das Bauchgefühl braucht einen kritischen Widerpart im Intellekt, um sich vor Fehlern zu schützen. Übrigens war Merkels Grenzöffnung 2015 kein Ergebnis kritischer Analyse, sondern des Bauchgefühls, sich stimmungsmäßig kein Flüchtlingsdesaster auf dem Balkan leisten zu können.

Dimitri Gales | Fr, 23. September 2016 - 21:39

Wen interessiert noch "die Wahrheit"? Viele Leute wissen nicht mehr, was das ist. Im Internet findet jeder eine Meinung oder "Wahrheit", die ihm persönlich zusagt, seine eigene bestätigt - mehr will man ja nicht. Das Internet, so segensreich es sein mag, führt zur Vereinzelung des Individuums, was wiederum Massenbeeinflussung fördert. Früher trafen sich die Menschen, um Politisches zu diskutieren oder zu planen; heute sitzen sie vor dem Computer.
Ich glaube nicht an einer "nostalgischen" Bewegung. Die Welt ist dermassen chaotisch und auch beunruhigend geworden, dass sich viele Menschen wieder nach starker Führung sehnen. Das ist Krisenzeiten immer so.

Peter Hofstetter | Fr, 23. September 2016 - 22:10

Hat der Autor das Wichtigste vergessen?
Monatelang wurden wir mit Bildern traktiert, auf denen Kinder mit Kulleraugen wehmütig in die Kamera schauten, sozusagen: "Bitte nehmt uns auf".

Dass die Mehrheit der illegal, aber mit Unterstützung der Regierung Einreisenden keineswegs Kinder mit Kulleraugen waren, sondern Männer zwischen 20 und 30, blendeten die Presseleute geflissentlich aus. Sie manipulierten.

Propaganda arbeitete schon immer mit Gefühlen, ist eben so, wer Le Bon kennt, wundert sich auch nicht darüber.

Die Frage ist nur, wozu wurden wir manipuliert. Welche Zwecke werden mit der illegalen Masseneinwanderung verfolgt? Und: Welche Pläne haben die, die das tun, mit uns Deutschen?

Lieber Herr Hofstetter,

Sie sprechen mir aus der Seele. Dieses Gefühl der extremen Manipulation kannte ich bis dato nicht, gleichsam als habe eine (Fern)Steuerung eingesetzt. So sehr ich auch versuche ein klares Bild zu bekommen, umso verwirrender wird es mitunter. Mit welchem Ziel etablieren Politik und Medien die arabische Welt bei uns, die nicht kompatibel ist mit unserer Gesellschaft, wie wir sie bisher kannten. Entweder die neuen Menschen geben große Teile ihrer Sozialisation auf oder wir. Und es sieht so aus, als sollten wir aufgeben.

Beste Grüße, Michaela Diederichs

wie Recht Sie haben! Die Medien haben einen gewaltigen Anteil an all der "Postfakterei". Würden die ehrliche Bilder verbreiten, über die Köpfe der gezielt vorgeschickten Kindlein, Mammis und Alten hinweg das Heer der jungen Kerle fotografieren, die zu feige sind, für ihre Heimat und Familie zu kämpfen, hätte sogar Merkels postfaktisches: "Wir schaffen das" weniger Gefühlsduselei geweckt.
Die Kanzlerin hat erst ein Problem "postfaktiert" und dann vom Volk verlangt, es gegen alle Logik zu lösen, Sie hat ihren Eid gebrochen, die ganze EU in Tumulte gestürzt, von denen noch keiner weiss, wie man da wieder rauskommt, die EU an den Rand des Zerbrechens gebracht, und wagt es trotzdem, zur nächsten Wahl anzutreten. Gibts in Deutschland den niemanden, der einen Misstrauensantrag gegen AM einbringt? Sind den nur Jasager oder Platzhalter im Bundestag? Ich möchte heulen, postfaktisch natürlich.

Arist von Kreyff | Fr, 23. September 2016 - 22:30

Es wäre gut dieses Unwort schnell wieder zu vergessen.Dient es doch in seiner vermeintlich intellektuellen Semantik dazu andere als die eigene Interpretationen von Realität zu desavouieren.Zudem würde ich das Diktum von Atwater anders übersetzen : Realität ist das Wahrgenommene.
So lehrt uns die Neurowissenschaft, dass durch die jeweils individuelle Wahrnehmung der uns umgebenden Gelegenheitsursachen im kognitiven Prozess jedes Individuum sein Personales Selbst-und Weltmodell konstruiert.Jedes Wesen lebt für sich in seiner je eigenen Weltsimulation,die als real gesetzt wird. Metzinger bezeichnet diese Weltsimulation als den Ego-Tunnel.
Faktizität ist ein mentales Konstrukt.Dies durchschauend kann nur Abstand zu irgententwas Postfaktischem angeraten werden.
Noch ein Bonbon:
Hätte Frau Merkel ein praefaktischs Geschick, müsste sie sich nicht über Postfaktisches beschweren.
Faktum!

Alexander May | Fr, 23. September 2016 - 23:47

Wenn überhaupt, dann leben wir in Prä-Faktischen Zeiten, denn Fakten zählten noch nie. Wenn sich etwas geändert hat, dann dass die Illusion des Faktischen langsam durchbrochen wird.

Dachten wir alle noch vor kurzem, dass wir rationale Wesen wären, so sickert nun langsam die Erkenntnis durch, dass wir allesamt vollständig irrational sind und nur im Nachhinein unsere irrationalen Entscheidungen rationalisieren. Philosophen wissen das schon lange, die Wissenschaft hat es ebenfalls längst bewiesen und nun ziehen langsam Presse und Bevölkerung nach.

Christoph Kuhlmann | Sa, 24. September 2016 - 03:26

Der soziologische Wahrheitsbegriff verweist auf vorhandene Informationen im Bewusstsein eines Menschen. Neue Informationen werden entsprechend ihrer Anschlussfähigkeit als wahr oder falsch klassifiziert. Ein weiteres Kriterium ist die Glaubwürdigkeit von Institutionen, die über die entsprechende Reputation verfügen. So verweist dieser Artikel auf die Kriminalstatistik als "objektives" Kriterium der Wahrheitsfindung. Es kann sich auch das Anzeigeverhalten geändert haben, oder es liegt am Rückzug des Staates aus Teilen der Gesellschaft. Wer weiß? Der Zugang zu den Medien ist durch die Digitalisierung der Kommunikation erleichtert worden. Die Monopolisierung durch Berufsgruppen und die Regulierung der Kommunikation durch die Entwicklung eines Berufsethos oder wie auch immer gearteten "Standesregeln" entfällt somit zunehmend. Das es im Zuge dieses Prozesses zu verstärkt auftretenden Widersprüchen bei einer steigenden Anzahl von Wahrheitskonstruktionen kommt ist logisch.

Dr. Jochen Ziegler | Sa, 24. September 2016 - 10:45

Sehr geehrter Herr Wißmann,
Sie haben m.E. eine sehr zutreffende Einschätzung der politischen Situation geliefert. Nur Ihre Behauptung: ,,Ausländer sind nur unwesentlich krimineller als Deutsche'' möchte ich ergänzen: Der Ausländeranteil lag Ende 2015 bei ca. 11%. Laut PKS Bericht von 2015 (Tab. 8.1.1) lag der Anteil tatverdächtiger Ausländer 2005 bei 20 %, 2015 bei 27,6%. Ich habe mir die Schwerkriminalität (Mord, Sexualdelikte, schwere Körperverletzung) separat in den Excel-Standardtabellen (68 Seiten) der PKS angesehen. Auch für dieses Straftatsegment liegt der Ausländeranteil um ca. Faktor 3 höher. Tatverdächtige sind noch keine Verurteilten! Dennoch halte ich es für angemessen, von einer deutlich höheren Gewaltbereitschaft von Ausländern zu sprechen, solange harte Fakten nicht das Gegenteil belegen. Ich habe den Eindruck, dass in dieser Frage (wie auch in anderen, die Sie treffend beschreiben), die politische Korrektheit für das ,,post-faktische'' verantwortlich ist. MfG J.Z.

Ursula Schneider | Sa, 24. September 2016 - 10:45

Nachdem sich die Beschimpfung "Populismus" totgelaufen hat, kommt jetzt wohl "postfaktisch"?
Es scheint dasselbe zu meinen und trifft natürlich vor allem die bösen Rechten. Ein einziger Satz von Wißmann räumt ein, dass es auch auf der linken Seite "Tendenzen" gebe, Fakten zu ignorieren und zu verdrehen. Na so was! Wer hätte das gedacht? Doch gleich kommt er wieder zu seinem wahren Anliegen: Postfaktisch bedeutet Nostalgie, die Sehnsucht nach der Welt von gestern, die Rückkehr in dunkle Zeiten ...

Was soll man von solch einem Beispiel halten:
"Wenn die Regierung die Kontrolle verloren zu haben s c h e i n t, warum soll man dieser Regierung vertrauen?" Nein, sie h a t die Kontrolle verloren! Die Kanzlerin hat es dieser Tage selbst zugegeben.
Wer also verdreht hier die Fakten??

Michael Sander | Sa, 24. September 2016 - 10:55

In einer Zeit, wo immer dreister gelogen wird und jeder mit irgendwelchen Gefälligkeitsstudien und Statistiken um sich schlägt, ist es zunehmend schwieriger geworden, die Wahrheit zu erkennen. Wie der Autor selbst zugibt, können die aufgeführten Studien und Statistiken selbst von Journalisten kaum noch überprüft werden . Geschieht dies dennoch, kommen allzuoft schwerwiegende methodische Mängel zutage.
Unter diesen Voraussetzungen vertrauen immer mehr Menschen auf ihr "Gefühl", statt sich von fragwürdigen Fakten manipulieren zu lassen. Das "Postfaktische" kann also durchaus rationale Ursachen haben. Im Übrigen benutzt Merkel dieses Wort auch nur als politischen Kampfbegriff. Sie wirft ihren Kritikern vor, keine Fakten vorweisen zu können und nur emotional zu reagieren. Dabei ist gerade ihre Politik durch eine bedenkliche Ignoranz von Fakten gekennzeichnet und fast jede ihrer pol. Entscheidungen wird von Merkel mit dem Hinweis auf ihr Gefühl begründet.

Harald Betz | Sa, 24. September 2016 - 11:04

Eine Frau, die 2002 öffentlich vor den Gefahren unkontrollierter Zuwanderung warnt und heute meint, alle Armen dieser Welt (ohne Obergrenze)könnten bei uns lebenslanges bezahltes Asyl finden, ist selbst in der postfaktischen Wahrnehmung angekommen.
Das "dumme" Volk hat diesen Realitätsverlust nicht erlitten.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 24. September 2016 - 11:30

Diese Leerstelle nenne ich Angela Merkel und ich meine leer, wenn ich es schreibe.
Von Nietzsche zu Lee Atwater führt evtl. kein Weg.
Populäre "Weisheiten", die sich entfernt auf Nietzsche beziehen findet man auch evtl. bei Ron Hubbard.
Die evtl. populäre Nutzung dieses "Fachbegriffes"? "postfaktisch" durch Frau Merkel führt vor allem wieder dazu, von ihrer `Leere´ abzulenken.
Die Bevölkerung geht keineswegs seit Merkel nach Gefühl, sondern setzt Interpretationen wo sie Merkel im Verdacht hat zu schwurbeln und zu schwafeln.
Nicht zu unrecht, weshalb ich hier und da etwas sage, dass der Orientierung dienen kann.
Aber immer nur soviel, dass die Unfähigkeit der Regierenden, ich meine speziell Merkel und ihrer Unterstützer nach wie vor sichtbar wird.
An Nietzsche hängt nicht wirklich eine Umwertung aller Werte sondern eine Transcendierung.
Als geistiger "Maulwurf" sieht man da kein Licht.
Trump will sich nicht auf Fakten reduzieren, sondern die USA aufbauen.
Es gelten Gesetze!!

Gerade für eine so exorbitante Kultur wie die europäische, mit der ungeheuren Kraft ihrer Überzeugungen.
Ich könnte verstehen, wenn andere Kulturen danach lechzten, aber sich in Ablehnung derselben zu entwicklen verdient m.E. diese Beschreibung nicht.
Europäische Toleranz und Geschwisterliebe kann sicher aushalten, wenn die Jüngeren stolpern, aber da es nicht mit Bevormundung geschehen soll, wird man wohl nur auf das Erwachsenwerden warten können und sich solange am Riemen reissen müssen.
Ein eigenes selbstbestimmte Leben dafür aufzugeben halte ich für falsch.
Europa muss sich nicht opfern, auch nicht als christliches.
Was bliebe dann? Vieles, nur nicht diejenigen, die Christentum leben können.
Also schützen wir unsere Bürger davor, aus unserem kulturellen Selbstverständnis herauszufallen. Sperren wir sie ein, wenn sie Anschläge verüben.
Aber weniger Liebe ihnen gegenüber als gegenüber Übernächsten sollte man nicht aufbringen.

Hubert Knapp | Sa, 24. September 2016 - 12:22

Daß Fakten noch keine Wahrheit machen, hat uns jüngst die DLP (Deutsche Lügenpresse) als Promoter einer miserablen Regierungspolitik eindrücklich demonstriert. Wie dafür Statistiken manipuliert wurden, wurde später sogar von Mitgliedern der Regierung unter öffentlichem Druck teilweise eingestanden.
In den USA gab/gibt es gewisse Parallelen, wenn auch ich den Vergleich mit der hiesigen Situation für etwas irreführend halte.
Nachvollziehbar ist, daß die Leute stärker auf ihren Instinkt oder wie man auch sagt "Gefühl für Richtig und Falsch" angewiesen sind. Das ist zwar auch nicht unfehlbar, aber sicher nicht ohne Grund fester Bestandteil der menschlichen Evolution.

Walter Drechsler | Sa, 24. September 2016 - 15:54

Postfaktisch ist ein schönes Wort aber Fakt ist das mir keine Fakten bekannt sind. Glauben kann ich nur was ich selbst mit eigenen Ohren gehört oder mit eigenen Augen gesehen habe. Alles sonst ist vermutlich Propaganda aus den verschiedensten Quellen das sagt mir die Lebenserfahrung. Politik Medien NGO's ich glaube keinem mehr. Besser wäre also das Wort nonfaktische Welt.

Harro Meyer | Mi, 21. Dezember 2016 - 13:39

In reply to by Walter Drechsler

Wenn das mit dem Glauben anfängt, ist das Postfaktische schon gelaufen. Postfaktisch heißt, man "glaubt" zu wissen, dass Jesus der Sohn Gottes war, auch wenn das unglaubwürdig ist und die eigene Erfahrung und Erkenntnis dagegen spricht. Etwas Exhibitionismus gehört schon dazu. Umsonst ist auch das Postfaktische nicht.

Rainer Möller | Sa, 24. September 2016 - 16:19

Es kann doch keine Rede davon sein, in früheren Zeiten hätte man es mit der Wahrheit genauer genommen.
Und man kann sich im Internet auch ganz gut über die Fakten informieren.Da gibt es eine Menge von Leuten, die nicht einfach drauflos schreiben, sondern Fakten checken. Wer Steve Sailer oder John Derbyshire liest - und ja, auch Ann Coulter -, weiß, was ich meine. Wißmann braucht das Rad also nicht neu zu erfinden.
Sein Problem ist, dass er zwei Dinge vermengt: Erstens, die Menschen sollen die Fakten zur Kenntnis nehmen - gut. Zweitens, die Menschen sollen sich mit der faktisch vorhandenen Welt zufriedengeben und dürfen sich keine bessere Welt
wünschen (eine Welt mit den Annehmlichkeiten wie Arbeit und gute Löhne, die wir früher schon mal hatten). Das haben Kant und die Aufklärung aber nie gefordert!

Rainer Möller | Sa, 24. September 2016 - 16:33

Ach ja. Ich würde Wißmann ja glauben, dass er russische Soldaten in der Ukraine gesehen hat. Aber wann und wo hat er sie eigentlich gesehen? Und meint er wirklich "russische Soldaten" oder bloß "Soldaten in russischen Uniformen"? Faktencheck!

Guten Tag Herr Möller, 
ich selbst nicht, aber OSZE-Beobachter und andere  http://www.nzz.ch/international/osze-trifft-auf-russische-soldaten-1.18590107

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/ein-bericht-belegt-die-anwesenheit-russischer-truppen-in-der-ukraine-13617034.html

VG
CW

Ulrich Baare | Di, 27. September 2016 - 11:39

In reply to by Constantin Wissmann

Sehr geehrter Herr Wißmann,

"ich selbst nicht, aber OSZE-Beobachter und andere" --> damit ist es kein Fakt mehr, sondern ein Glaube daran, dass es ein Fakt wäre. Sie glauben = vertrauen darauf, dass jem. ihnen nichts falsches erzählen. Sie selbst haben diese Aussage nicht überprüft - und sie müssten wohl einen großen Aufwand betreiben, um sie zu überprüfen. Bei vielen solchen 'Glaubens-Fakten' sind wir nicht in der Lage diese zu verifizieren.
Das geht nicht anders in unserer gesell. Diskurs - der sich in diesem Punkt von Wissenschaft unterscheidet, wo der Anspruch der Herleitbarkeit erhoben wird. Ein Problem entsteht, wenn sich zu oft herausstellt, dass die Behauptung von Faktizität sich im Nachhinein als Lüge herausstellt. Und Fakten wie z. B. Statistische Aussagen sind idR. Interpretationen und im pol. Meinungskampf oft inkorrekt. Von daher ist ein Misstrauen gegen einen pol. Gegner, der fordert ihm zu glauben, dass er einen Fakt gerade als Argument einbringt, nachvollziehbar.

Karola Schramm | Sa, 24. September 2016 - 17:15

"Die babylonische Sprachverwirrung" hat begonnen.
Nach post modern, post demokratie nun post faktisch. Sage ich es in deutsch heißt es dann: "nach tatsächlich."
Tatsächlich sind hingegen beides: Gefühle und Tatsachen. Tatsachen lösen die Gefühle aus. Werden Tatsachen erlogen, wie z.B. um die Wichtigkeit eines Krieges zu begründen wie beim Irak-Krieg sollen Gefühle des Dafür erzeugt werden, ähnlich wie beim Jugoslawien/Kosovo-Krieg oder Afgh.

Mein Gefühl sagt mir, dass das Benutzen von Links und Rechts im pol.Geschehen keine Rolle mehr spielt, sondern nur das Wissen, dass im neoliberalen Wirtschaftszeitalter die Manipulation und Indoktrination herrschen um die Macht der Wirtschaft global gegen die Länderpolitik,z.B. in Form von Gesetzen TTIP, CETA und TISA zu implementieren und es kein Zurück mehr gibt. Der Neoliberalismus kennt kein Rechts und Links sondern nur globale Ausbeutung aller Lebensbereiche von Mensch, Tier, Pflanze, Umwelt, was von allen Menschen gestoppt werden muss.

Joachim Walter | Sa, 24. September 2016 - 18:12

... geweigert sich unangenehmen Fakten zu stellen und adequat darauf zu reagieren.

Als Hr. Sarrazin vor etlichen Jahren ein Buch voller Zahlen, Daten und Fakten zur Zuwanderung veröffentlichte, da wurden gerade diese Fakten mit einem "nicht Hilfreich" vom Tisch gewischt.

Lächerlich, daß nun genau die gleichen Politiker, die sich diesen Fakten gegenüber verschlossen haben, diese immer noch nicht wahrhaben wollen, und sich darüber beklagen, daß angeblich nicht mehr über Fakten diskutiert wird.

Hallo, Sie wissen sicher auch, dass Sarrazin Zahlen, Daten und Fakten frei nach Gusto durcheinander gemischt hat, sodass dann das heraus kam, was er wollte, nämlich die Abneigung gegen alles, was nicht deutsch ist....wieweit Merkel diesem mit ihrer Handlung jetzt noch in die Hände gespielt hat - können wir jetzt auch sehen...

Cornelius Angermann | Sa, 24. September 2016 - 18:14

denn die reale Welt wird von Fakten definiert. Postfaktisch ist nur die Denkweise, derer sich die Menschen bedienen. Fakten, die nicht ins eigene Weltbild passten, wurden schon immer ignoriert, von allen und jedem. Nur wenigen ist die Gnade zuteil, wirklich vorurteilslos und rein phänomenologisch die Welt zu betrachten und nicht zu urteilen, was ja die Ebene der Fakten verlässt und zu Wertungen und Interpretaionen dieser Fakten überleitet. "Links ist gut und rechts ist böse" ist ja kein Fakt, sondern eine Wertung von willkürlich zusammengestellten und in ihrer kompletten aussagekraft stets begrenzten Fakten.

Das nun ausgerechnet Merkel behauptet, ihre Kritiker seien nur gefühlsgesteuert, während sie dauernd von Gefühlen redet, direkt und indirekt, ist ein Treppenwitz. Was ist denn "Wir schaffen das!" anderes als ein Gefühl? Oder "Refugees welcome?" Oder große Kinderkulleraugen, wenn über Flüchtlinge berichtet wird, von denen 80% junge Männer aus Schwarzafrika mit iphone am Ohr sind!

Joachim Walter | Sa, 24. September 2016 - 18:23

Ich vermisse schon lange die offene Diskussion der politisch Verantwortlichen über solche Fakten wie

Weniger als 3% der "Flüchtlinge" sind asylberechtigt im Sinne des Asylgesetzes

Weniger als 40% sind Flüchtende aus Kriegsgebieten, d.h. die Mehrzahl derer die man uns als "Flüchtlinge" verkauft sind armutsgetriebene Einwanderer.

In Afrika leben mindestens 200 Mio. Menschen, welche die Motivationslage "Armut und Perspektivlosigkeit" für sich in Anspruch nehmen könnten.

Jeden Tag wächst Afrikas Bevölkerung um 70.000 Menschen. Hunderte Milliarden Entwicklungshilfe seit der Unabhängigkeit dieser Staaten vor über 40 Jahren haben daran nichts geändert.

Ich sehe nicht, daß Politik und Medien sich diesen Fakten adequat stellen würden.

Jens Winkelmann | Sa, 24. September 2016 - 18:24

Das ist auch eine Taktik, man nimmt aus den vielen Stimmen der Kritiker nur die lautesten und schrillsten heraus.
Ich möchte eine vernünftiges Abkommen mit der Türkei.
Meine Kritiker möchten DDR Grenzbefestigung an allen europäischen Grenzen mit Selbstschussanlagen und Schießbefehl.
Ich möchte Arbeitnehmerfreizügigkeit freien Handel und Prosperität für Europa.
Meine Kritiker sind für die totale Abschottung vor Fremden und hierdurch für das Abtöten des Handels und des Wohlstands.
Post-faktisch ist eine andere Umschreibung von die Faken sind auf meiner Seite und dazu gibt es vernünftigerweise keine Alternative.
Ohne Grenzkontrolle mit Grenzbefestigung an den europäischen Grenzen wird es meiner Meinung nicht gehen. Immer mit Durchlässen für wirklich Notleidende.
Arbeitnehmerfreizügigkeit hat in meinen Augen da seine Grenze, wo sich bei der heimischen Bevölkerung Überfremdungsängste breit machen.
Zwischen Merkel und Trump gibt es genug Platz für vernünftige Kompromisse.

Romuald Veselic | Sa, 24. September 2016 - 19:36

dass es keine Fakten gebe, nur Interpretationen. Ergo: Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.
Damit Schlußfolgernd: Die deutsche Wahrheit, kann außerhalb Deutschlands eine Lüge sein.
Willkommen in der postfaktischen Realität...

Helmut Malente | Sa, 24. September 2016 - 21:11

Kaum sagt Merkel "postfaktisch", schon muss die schreibende Zunft den Begriff in Essays abarbeiten. Ergebnis: Bedürfnis nach Nostalgie... weil die Welt zu komplex im Zeitalter der Globalisierung ist. Und schon wieder jemand, der mir die Welt erklärt.
Alles Nebelkerzen.
Die Ungleichheit in D zwischen Arm und Reich ist so groß wie nie trotz guter wirtschaftlicher Lage. Wohnungsmangel, fehlende Kittplätze. Höchststand an Leiharbeiter 960 000. Flüchtlingskrise. Ja, ja ... alles "postfaktisch" konstruiert. Nee, nee alles körperlich-sinnlich erlebbar.

Herr Gabriel sagt "Pack" zum Wahlvolk. Frau Merkel gibt sich da diplomatischer mit dem Ausspruch wohl "von Gefühlen geleitet" - mit anderen Worten "keinen Verstand".

Nur Mut: Anstatt sich an Begriffen abzuarbeiten, bitte etwas mehr Bezug zur Realität. Lauter Parallelwelten ....

Stefan Leikert | Sa, 24. September 2016 - 22:45

Ja, so ist es. Z.B. der Fall MH 17, gibt es eine Chance, Wahrheit zu erfahren? Oder 9-11, oder, oder...Der trumpsche Trick verschafft für eine Weile Erleichterung, aber auf die Dauer können Menschen ohne eine Wahrheit nicht leben. Glaube ich

helmut armbruster | So, 25. September 2016 - 08:37

hat einer gesagt namens Karl Marx . Wo versucht wurde seine Ideologie in die Praxis umzusetzen, ist das krachend gescheitert. Woran? Na an den Fakten des täglichen Lebens. Bis jetzt sind übrigens auch noch alle gestorben, auch wenn Religionen ihnen das ewige Leben versprochen haben. Und so viel ich weiß ist bis jetzt noch jeder verhungert oder verdurstet, der nichts mehr gegessen oder getrunken hat.
Postfaktisch kann ich mir natürlich einbilden, was immer ich will. Die Fakten werden mich aber irgendwann einholen. Denn nicht alles, was wir uns einbilden ist auch machbar.

Religionen versprechen nicht nicht zu sterben. Meistens wird nur versprochen, dass das Leben irgendwo und irgendwie weiter geht. Eventuell mit 72 Jungfrauen oder im Paradies oder in einer anderen Form. Z. B. als Maiglöckchen.😉

Georg Meier | So, 25. September 2016 - 09:50

Verehrter Herr Wißmann,

lassen Sie sich belehren, dass nahezu jede Statistik manipulierbar ist. Gerade die PKS ( Polizeiliche Kriminalstatistik ) taugt denkbar schlecht als "Faktenpool", dazu ein Beispiel: im Jahr, als die großzügige doppelte Staatsbürgerschaft durch die rot-grüne Koalition unter Schröder verabschiedet wurde, sank "wie von Geisterhand" die Ausländerkriminalität und das wurde seitens der Presse als enormer Erfolg der Integration gefeiert. Was war geschehen? Viele Ausländer, die vorher straffällig waren, waren nun Deutsche "mit Migrationshintergrund". Wie nennt man so etwas? Gerade die PKS ist ein Fundus an Halbwahrheiten und Fehlinterpretationen, da Daten eben nur erhoben werden, die man erheben will und man gerade mit Wachstumsraten in Prozentangaben offen manipulieren kann, ein Beispiel: Wenn ich ich Jahr 2011 einen Einbruch in Kleinkleckersdorf habe, im Jahr 2012 2, dann ist das eine Steigerung um 100%, habe ich 2013 wieder nur einen, einen Rückgang um 50%......

Roland Muck | So, 25. September 2016 - 10:55

Dass Merkel schon lange selbst Fakten scheut oder ausblendet wurde beim Atomausstieg nach dem Erdbeben und der Tsunami von Fukushima deutlich.
Und nicht nur das, noch heute muss die Fukushima- "Katastrophe" als wichtigstes Argument für den Atomausstieg herhalte.

Das bei Fukushima, Japan musste mehr als Achtzehntausend Tote beklagen, nicht einer dieser Toten durch die Atomkraft ums Leben kam, wird verschwiegen. Dass es in Deutschland keine Tsunami von Ausmaßen wie im Erdbeben-Land Japan geben kann, dass die KKW und vor allem die Betreiber mit denen in Deutschland weder von der Reaktorsicherheit, noch vom Verantwortungsbewustsein mit Tepco verglichen werden können.

Alles unerheblich, wenn es denn mal auf den Tisch kommt, wird es vomselbigen gewischt.

Das nenne ich postfaktisch und Merkel ist genau auf dieser Meinungstsunami gesurft.

Frank Hohaus | So, 25. September 2016 - 14:24

Der Rückgriff auf die Bezeichnung "postfaktisch" im Zusammenhang mit dem Urteilsvermögen der Bürger zu gebrauchen, ist nicht nur eine instinktlose Unverschämtheit, sondern zeugt auch von einer gewissen Feigheit, lebt sie doch von der Unterstellung, die meisten Bürger seien ohnehin nicht imstande, die Wahre Bedeutung hinter diesem Kunstlatinismus zu ergründen.
An dieser Stelle aber ist dem Volk sofort klar, dass es sich um das typische Wording von Politikern in ihrer Prädemissionsphase handelt.
In diesem Sinne: Bis zur Bundestagswahl!

Hans Dunst | So, 25. September 2016 - 15:07

Wenn man die Welt 200 Jahre nach der Aufklärung für faktenfrei erklärt, ist Manipulationen jeder Art Tür und Tor geöffnet. Es begann mit gefühlten Umweltkatastrophen wie dem Waldsterben oder dem Ozonloch und hat seinen Höhepunkt im gefühlten Weltende durch CO2 gefunden. Ich habe in diesem Zusammenhang einmal einen interessanten Mailwechsel mit Frau Horneffer vom ZDF-Wetter gehabt. Es ging um einen Wetterbericht, in dem ausführlich von "gefühlten Temperaturen" und "gefühlten Windstärken" die Rede war. Diese Herangehensweise war (und ist) ein Rückschritt in vorwissenschaftlich Zeiten. Scheint aber Methode zu haben. Es sei auch an die berühmte Szene in "1984" erinnert, wo der Gefolterte gefragt wird, wieviele Finger er sehe...

Bernhard K. Kopp | So, 25. September 2016 - 17:43

Die Familienpolitik von 2005-2007 war gut. Die Bankenrettung von 2008 war irgendwie gut. Merkel/Steinbrück waren ja so überzeugend. Die Griechenlandrettung ab 2010, Merkozy, muss ja auch irgendwie alternativlos gewesen sein, also gut. Der abrupte Atomausstieg und die nachfolgende Energiewende müssen auch irgendwie gut gewesen sein. Und die Bundeswehrreform war auch gut. Frau Merkel ist doch so nett, uneitel und intelligent, einfach nett und gut. Die Bundestagswahl 2013 war dann ganz besonderns rational, oder auch schon post-faktisch ?

Stefan Beinlich | So, 25. September 2016 - 18:04

Man sollte aber auch nicht über die begrenzte Aussagekraft von Teilen der Kriminalitätsstatistik hinwegsehen. Ob Straftaten von Ausländern begangen werden, kann schließlich auch erst dann statistisch erfasst werden, wenn entsprechende Ausländer überführt wurden. Es kann daher kein absolutes Urteil über die angeblich relativ geringfügig erhöhte Kriminalität von Ausländern gefällt werden. Auch dürfte die Dunkelziffer nicht zu unterschätzen sein. Gerade in einem Staat, dessen Rechtssystem sich durch außerordentliche Milde auszeichnet, nimmt der Reiz zur Anzeigeerstattung merklich ab. Das Beispiel Köln (Silvester) sollte diesbezüglich Warnung genug sein. Wie viele Frauen hätten die Taten wohl nie angezeigt, wenn nach 5-6 Tagen die öffentliche Berichterstattung nicht an Fahrt gewonnen hätte. Postfaktisch sind vor allem die "Fakten" der pro Asyl Fraktion. Oder wie soll man dies anders bezeichnen, wenn jeder illegale Einwanderer per se als vor Bomben fliehenden Flüchtling gezeichnet wird.

Bernhard K. Kopp | So, 25. September 2016 - 18:17

Allein die Bundestagswahl 2013 war nur post-faktisch erklärbar - nach all den alternativlosen Politikentscheidungen der vorangegangenen 5-6 Jahre. Es sind doch nicht deswegen soviele Leute auf Protest gebürstet weil die Politik in Deutschland und Europa, und darüberhinaus, während der vergangenen 10 Jahre so gut war. Die Protestwähler, und die Protestparteien, sind nirgendwo nur Dumpfbacken, Pack, Abgehängte, Nazi usw., auch wenn einfachere Geister leichter in grösserer Zahl emotional entscheiden und damit Wählerstimmen bringen. Auch wenn die Protestparteien keine Antworten haben - die etablierten Parteien haben seit Jahren auch keine. Nur die Politik-Darsteller sind unterschiedlich gut und damit kürzer oder länger im Amt. Realitäten spielen dabei die geringste Rolle.

Alfred Bucher | So, 25. September 2016 - 18:34

Ich sehe es eher so, dass Merkel und ihre Regierung sowie ein Teil der Presse durch Falschinformation, Verheimlichung, Datenmanipulation und Weglassen ihre eigenen Fakten schaffen, die aber nicht der Wirklichkeit entsprechen.
Bsp: - Alle möglicherweise politischen Straftaten, deren Urheber nicht bekannt sind, werden als rechte Straftaten einsortiert.
- Alle Migranten werden als Flüchtlinge bezeichnet.
Angeblich beweisen Studien, dass sich die Migration für die Sozialsysteme lohnt. Bei genauer Lesart sind das aber nur Hypothesen, weiter hinten steht dann in den Studien, dass sich die Migration insgesamt nicht lohnt. Und bei Migranten aus Afrika/Arabien erst recht nicht.
- Angeblich 100 Milliarden jährlich Geldwäsche, deshalb Abschaffung der 500 EUR-Scheine.
Tatsächlich ist die Studie als totaler Unfug entlarvt worden.
- man könnte noch viele Beispiele finden, auch gerade was die EU und den EURO betrifft.

Insofern bewegt sich die Regierung in postfaktischen Zeiten.

Georg Dallmann | Mo, 26. September 2016 - 07:49

Soweit sind wir also schon: Die Kanzlerin höchstselbst bezeichnet ihr Volk - sinngemäß - als postfaktischen Ignorantenhaufen. So etwas hatten wir noch nicht. Sollen wir uns darüber jetzt freuen oder deswegen heulen?
Das Problem ist wohl: Wenn eine Kanzlerin, die vorsätzlich deutsches Recht bricht und damit in verfassungswidriger Weise das Parlament umgeht und entmachtet, nunmehr das (dumme) Volk als "postfaktisch" abstempelt, dann ist damit quasi das Ende der Demokratie eingeläutet.
Dass 80 Prozent der Deutschen (immerhin 62 Millionen) die - aus gutem Grund - gegen Merkels als "Flüchtlingspolitik" getarnte RECHTSBRÜCHE opponieren, über weniger FAKTENkenntnis verfügen als die Kanzlerin, ist selbst mit der unwahrscheinlichsten Wahrscheinlichkeitstheorie vermutlich nicht allzu schlüssig darzulegen.
Wesentlich wahrscheinlicher ist es, dass die Volksbeschimpfung Ausdruck einer in höchsten Kreisen grassierenden Volksverachtung ist.
(Anm. d. Red.: bearbeitet)

Wolfgang Tröbner | Mo, 26. September 2016 - 10:28

Mir fällt zunehmend auf, dass insbesondere in der medial-politischen Sprache immer mehr Fremdwörter verwendet werden, die bis dato nur sehr wenigen geläufig waren (z.B. "Narrativ"). Auch werden bislang häufig verwendete Begriffe gern durch andere ersetzt (z.B. "Diskussion" durch "Diskurs"). Und um dem Ganzen die Spitze aufzusetzen, werden sogar neue Begriffe mit fragwürdiger Bedeutung erfunden ("postfaktisch").

Warum eigentlich? Reicht die eigentlich reichhaltige deutsche Sprache nicht mehr aus, um dem Bürger das Weltgeschehen zu erklären und verständlich zu machen?

Was steckt dahinter? Ist es Unkenntnis der deutschen Sprache, weil es wesentlich einfacher ist, englische Begriffe einfach einzudeutschen statt zu übersetzen? Oder will man den Bürger etwas verwirren? Man will uns ja ständig weismachen, dass das politische Geschehen so komplex sei, dass der einfache Bürger dies nur schwerlich verstehen könne.

Die neue babylonische Sprachverwirrung ist da wohl wenig hilfreich.

Nach Merkels "alternativlos", abgekupfert von Maggie Thatcher, kommt eben jetzt das "Postfaktische", auch dies wieder abgekupfert. Die Frage ist, ob Merkel ihre irrationale Migrationstaktik dadurch nachträglich legitimieren will; die war ja wohl auch nur postfaktisch.

Edgar Timm | Mo, 26. September 2016 - 14:21

Googlen Sie mal > Ausländerkriminalität Hamburg < und lesen Sie den Artikel aus der Junge Freiheit (der Artikel im Abendblatt ist gesperrt aber wortgleich) - und schon haben Sie die Zahlen für das erste Halbjahr 2016. Leider sind die Befürchtungen der "besorgten Bürger" Fakt geworden.

Gottfried Meier | Mo, 26. September 2016 - 14:31

Das sind doch alles Nebelkerzen und leere Worthülsen. Fakt ist z.B., dass Merkel die Mehrwertsteuer nicht erhöhen wollte, die SPD um 2 %. Postfaktisch ist, dass die Mehrwertsteuer dann um 3 % erhöht wurde. Fakt ist, dass Winterkorn mit Sicherheit von den Schummeleien
wusste. Postfaktisch ist, dass er nach seinem Rücktritt eine fette Abfindung erhalten hat.

Dennis Staudmann | Mo, 26. September 2016 - 15:18

Es fällt mir schwer, an den Wahrheitsgehalt mancher Statistik zu glauben. Beispielsweise sah ich gestern im RBB- Fernsehen die Sendung "Täter-Opfer-Polizei". Bis auf eine Ausnahme gehörten zu jeder Täterbeschreibung Atribute wie "spricht mit Akzent", "wahrscheinlich aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum", "mutmasslich aus Osteuropa stammend" etc. dazu. Auch der Anteil von verurteilten Straftätern mit Migrationshintergrund in den Gefängnissen liegt bei ca. 30% und dabei sind noch nicht diejenigen erfasst, die über eine doppelte Staatsbürgerschaft verfügen. Angesichts solcher Fakten kann doch niemand ernsthaft erwarten, dass ich an den Leitsatz polizeilicher Statistiken, wonach der Anteil von Straftätern mit Migrationshintergrund nicht höher ist als der von Tätern, die über diesen nicht verfügen, wirklich glaube.

Matthias Noack | Mo, 26. September 2016 - 16:40

ob jemand die Wahrheit spricht, ich sehe eher wenn jemand lügt oder einfach erzählt um was zu erzählen. Ergänzender Begriff zu diesen neuen/alten Wörtern: "Prekariat". Volker Pispers meinte dazu, nun merkt die Unterschicht nicht wenn über sie geredet wird.

Dr. Klaus Eckhard | Mo, 26. September 2016 - 18:55

Im normalen Sprachgebrauch meint das Präfix post- im Wesentlichen " zeitliche Abfolge ", D.h. nach dem Trauma posttraumatisch nach der Moderne Postmoderne etc. Hier sollen nach den Fakten die Gefühle folgen. Ein Nonsens. Ein Nonsens in der Logik und auch ein Nonsens die Begriffe trennend zu benennen. Die Wahrnehmung von Fakten ist immer von Gefühlen begleitet. Dieses Wort kann nur von Soziologen oder Geisteswissenschaftlern erfunden sein, Adorno und Habermas habens vorgemacht. Und dann so typisch: Über ein Nichts (postfaktisch) werden von den selben Leuten andere Nichtse ( Artikel und Kommentare und Interpretationen) geschrieben und verbreitet.
Im Fall der Kanzlerin sollen die gefühlsduseligen Bürger zu unmündigen Idioten erklärt werden, dabei sind es gerade die Fakten die sie verstören: offene Grenzen, sexuelle Übergriffe, hohe Kosten, Terror und Terrorgefahr.
Aber sie selbst möchte die Fakten nicht herunter beten, sondern hat das absolut sichere Gefühl dass alles gut w

Herr Dr. Eckhard. Die Zeichenbegrenzung ist ein hartes Los für DenkerInnen.
Wir leben sicher in einem postfaktischen Zeitalter, wenn Menschen über Fakten urteilen, womit wir wieder in der reinen Vernunft weilen.
Ich glaube, dass die europäische Kultur noch nie eine der Fakten war, die Urteilskraft der Bevölkerungen ist frei und ziemlich gut gediehen.
Auch die Einsicht in theologische Befindlichkeiten führt unsere Bevölkerung dahin, zu zweifeln, wenn Merkel sagt, sie glaube, es "werde Licht".
Leben nach christlichen Maximen ist das eine, die Überlegung, wer da spricht, wenn wir Merkel hören, etwas anderes.
Es tut mir so leid, dass Merkel dem intellektuellen Niveau der Bevölkerung evtl. nicht gewachsen ist.
Hätten wir denn Ruhe, wenn sie an die UNO ginge?
Unsere intellektuelle Schmerzgrenze wird seit Jahren getestet.
Wir halten das aus.
Unbesonnene greifen zu Unrecht -> Anschläge
Deutschland verliert seine Balance, "Vor die Wahl gestellt zwischen Unordnung und.." Goethe

Robert Müller | Mo, 26. September 2016 - 19:05

Vergessen wird gerne, dass Stimmungen oder Emotionen Fakten schaffen. Gerade das ist es ja was viele Politiker so in Panik versetzt. Die Fakten in vielen Landesparlamenten haben sich bereits geändert und auch bei der Bundestagswahl können neue Fakten entstehen. Im übrigen hat sich schon gezeigt, dass es mit der Zuwanderung vieler Facharbeiter nichts ist. Und auch die Integration könnte scheitern, wenn zum Einen viele Deutsche das nicht wollen und zum anderen die Araber das auch nicht wollen. Insofern sind einfach viele wichtige Fakten nicht bekannt oder können sich noch ändern. Fakten sind eben nicht nur statisch sondern auch dynamisch.

Albert Schaller | Di, 27. September 2016 - 02:20

...das zeigt schon die schiere Quantität der hier Diskutierenden.Wir alle fallen bereitwilligst auf den Begriff des Postfaktischen als neuester Kreation der Political Correcness herein:Nachdem die Hexenjagd der Allparteien-Koalition auf Rassisten,Nazis,Xenophobiker und Fremdenfeinde nicht mehr verfängt und die AFD bei jeder Umfrage zulegt, versucht man es nun auf die sanftere Art: Der politische Gegner wird per se als Non-Rational denunziert und verunglimpft.Selbstverständlich ist kein Mensch nur rational oder nur emotianal;letztlich erwächst noch jede Rationalität aus dem Sumpf von Wertungen und mithin (zumindest auch) Emotionen.Dies kommt der Kanzlerin zupass:Sie entblödet sich mittlerweile nicht mehr, nach jedem sich bietenden Strohhalm zu greifen.Gestern noch ein Journalisten-Furz;heute schon integraler Bestandteil einer Beschwichtigungs- und Vernebelungsrede der Kanzlerin!Und während wir noch über das Postfaktische schwadronieren,verfestigen die Merkelanten ihre Kanzler-Diktatur!

Begriffe sind nicht das vorrangige Problem. Auch wenn Berufspolitiker oder Journalisten via Medien die Richtung vorgeben wollen. Für mich, wie gesagt, Nebelkerzen.

Erinnert mich aber an die DDR Zeiten, worüber nicht geredet wurde, das existiert auch nicht oder es wird so formuliert, wie es den "Oberen" nützt. Eine einzige Farce, denn jeder wusste wie das System funktionierte. Heute auch nicht anders. Und was heute, genau wie damals, nicht funktioniert ist: Die Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Politikern und ihrem Volk. Dazwischen die Medien. Damals gleichgeschaltet. Und heute? Wo ist der Aufschrei? Wo sind die Fundamentalkritiken? Stattdessen Erklärungen vom "Postfaktischen" oder Verunglimpfungen von sozialen Bewegungen.

Nicolas Linkert | Mi, 28. September 2016 - 18:47

Wirklichkeit ist nicht, Wirklichkeit will gesucht und gewonnen sein.

Paul Celan

Siegfried Stein | Fr, 30. September 2016 - 19:31

Postfaktisch ist, dass illegale Einwanderer keine Straftaten begehen.

[Bin mal gespannt, ob das verstanden wird.]

Dagmar Löffler | Sa, 1. Oktober 2016 - 06:19

Gab es da nicht was? Etwas, das wir mit Fug und Recht, undramatisch und faktisch als das Fundament unseres abendländischen Wertekanons feststellen können? Ein Fundament, das die Demokratie und die Rechtssysteme maßgeblich geprägt hat: Die GOLDENE REGEL. Hat den Vorteil, dass sie im Bevölkerungsquerschnitt verstanden wird, wenn auch in der Essenz und im Konkreten immer wieder darum gerungen werden muss. Wenn man die Goldene Regel globalisiert, weil auch woanders Menschen leben, dann resultiert auf Basis dieser Grundannahme eine andere und neue Bewertung der Ereignisse, Entwicklungen und Entscheidungen unserer Zeit. In diesem Sinne ist auf die Goldene Regel gegründete Empathie nichts Postfaktisches, sondern faktisch integraler Bestandteil einer zukunftsweisenden Politik für die nachhaltige Existenz einer Menschheit auf einer Erde.

Dr. Alfons Hämmerl | Fr, 11. November 2016 - 14:16

Soweit ich verstanden habe, besteht das Problem ja nicht darin, dass manche subjektive Wahrnehmung zur Vermutung falscher Fakten führt. Das ist klar, und deshalb ist kritischer Umgang mit Faktenbehauptungen natürlich erlaubt - und geboten. Das ist ja banal. Aber etwas ganz anderes ist es, wenn gesagt wird: "Auch, wenn die Fakten, auf denen meine Meinung fußt, offenkundig - und sogar für meine eigene Urteilskraft - falsch sind, bleibe ich trotzdem bei dieser Meinung; denn für die Realität, die ich durch meine subjektive Wahrnehmung setze, ist die Wahrheit irrelevant."
Mir scheint, dass die meisten Kommentatoren diesen Unterschied verkennen und deswegen an der Sache vorbei schreiben. Kurz: Zweifel an "Fakten" ist selbstverständliches Recht und sogar Gebot, aber die bewusste und systematische Missachtung der Fakten ist eine Katastrophe!

Jonathan Odeson | Fr, 9. Dezember 2016 - 11:52

Diejenigen die dieses Wort propagieren, sollen mal sehr vorsichtig sein, dass es nicht auf sie zurückfällt. Wer verschönert und verbiegt denn seit Jahren Fakten in dem weggelassen, gedreht, bewertet und verfälscht wird? Gerade die sogenannten Vertreter der Zivilgesellschaft verbreiten ein Narrativ nach dem anderen. Tatsächlich geht es um die Erzeugung von Emotionen und dagegen hilft keine Statistik. Wir pflegen seit Jahren, befeuert durch die Medien, eine zunehmende Empörungskultur die sich aber zunehmend abnutzt. Wer durch manche Strassen in Deutschland geht und sich wie in Arabien fühlt, ist an Aussagen in diesem Moment kaum interessiert, dass der statistische Mittel nur bei soundsoviel Prozent läge, mal ganz abgesehen von der Postfaktizität von bestellten Statistiken.

Cornelius Angermann | Fr, 9. Dezember 2016 - 13:50

jaja, die bösen Mainstreamkritiker sind die, die Fakten ignorieren und sich nur auf ihre Empfindungen verlassen, wenn sie die Weltvorgänge beurteilen wollen.

Fakt ist: die Energiewende wurde seitens Merkel aufgrund einer REINEN EMOTION beschlossen, eine reale Gefährdungssituation lag in Deutschland nicht vor! Rational war diese Rolle rückwärts völliger megateurer Unsinn!

Ebenso der angebliche "humanitäre Imperativ", mit dem das Chaos des Nahen Ostens in unser Land eingeladen wurde! Reine Emotion, genauso wie die "Willkommenskultur", die sich keinerlei rationale Gedanken über die Kosten und Auswirkungen dieser Entscheidungen machten.

Die Aversion der Bürger gegen die "Fakten" der Regierung rührt daher, dass diese häufig als falsch und propagandistisch widerlegt wurden. Keine Einwanderung von Fachkräften sondern viele Analphabeten, nicht viele Frauen und Kinder sondern überwiegend junge Männer etc.
Übrigens: perception heißt Wahrnehmung, nicht Empfindung. Frau Reschke weiß das!

Bernd Lehmann | Fr, 9. Dezember 2016 - 15:25

Wenn sie hier schon Herrn Pazderski zitieren und die Statistik auf die er sich berufen hat, dann bitte auch bei der Wahrheit bleiben. Die Statistik geht so , "es gibt keinen Unterschied zwischen Deutschen und Ausländern in der Häufigkeit von Straftaten, beide Gruppen verursachen gleich viele Straftaten" Soweit richtig.Türken oder Araber mit dt. Paß sind da natürlich auch Deutsche. Klabüsert man die Statistik in minderschwere und schwere Straftaten auf , sieht das ganz anders aus. Schwerer Raub, Bandeneinbrüche, Drogenhandel, Überfälle, Bandenautodiebstähle ,Morde, Ehrenmorde und jetzt auch Sexualdelikte gehen komischerweise zu 99% auf das Konto von Ausländern und übrig bleiben Deutsche , die bei rot über die Ampel gefahren sind. Das ist die Wahrheit. Postfaktisch ist ein Diffamierungs- und Kampfbegriff gegen jeden geworden, der dem Polit- und Medienmainstream nicht mehr Glauben schenkt.Sie wollen die Deutungshoheit zurückerlangen. Wird nicht klappen.Dazu wurde zu viel gelogen.

Bernhard Jasper | Fr, 9. Dezember 2016 - 15:33

Im Sinne Nietzsches, es gäbe keine Fakten, es gäbe nur Interpretationen, soweit möchte ich nicht gehen. Fakten sind ja auch ein herausgreifen einer Reihe von Elementen (X, Y, Z) aus einem komplexen Ganzen, ob gesellschaftliche Phänomene oder Phänomene des individuellen Lebens. Der Interpret sagt dann, dass X ist in Wirklichkeit A, was bedeutet das? Dass Y in Wirklichkeit B. Das Z in Wirklichkeit C.
Beim Interpretieren versucht man den Sachverhalt zu verstehen. Dafür braucht man aber den richtigen Interpretationsschlüssel. Und interpretieren heißt auch das Phänomen neu formulieren. Interpretation kann befreiend sein, jedoch auch reaktionär und trivial. Heute sind viele Interpretationen trivial, weil sie die Wirklichkeit nicht erfassen.

P.S.: Es ist schon eine hohe Kunst, die Dinge zu beschreiben wie sie sind und nicht zu deuten.

Hans-J. Stellbrink | Fr, 9. Dezember 2016 - 16:16

Viele der "Fakten" beruhen auf Untersuchungen, die tendenziös konzipiert und interpretiert oder aber entstellend vereinfacht oder schlicht falsch interpretiert oder zitiert werden. Wer auf eine Umfrage, wie er der aktuellen Migration gegenübersteht, "kritisch" antwortet, kann sich unter "Ausländerfeinde" subsummiert finden. Die Politik arbeitet seit langem "postfaktisch", da sie Expertenrat nach Bedarf ignoriert oder uminterpretiert. Ist das Jahrhundertwerk der "Beseitigung der Fluchtursachen" eine Lösung der aktuellen Massenmigration? Faktisch oder postfaktisch? Mit "postfaktisch" hat die Kanzlerin ihrer Politik ein weiteres Mal den Nimbus der Objektivität und zwingenden Notwendigkeit verliehen, indem sie die Kritik daran zur Ignoranz erklärte. "Alternativlosigkeit" wäre ein besseres Wort des Jahres (oder des Merkelschen Jahrzehnts?).

Olaf Walter | Fr, 9. Dezember 2016 - 17:41

Die Erwachsenenwelt will immer so Supergescheit daher kommen - klar braucht es dafür auch Worte.

Sich die Welt zurechtzimmern, ich glaube das war sogar schon vor Ötzi, und diejenigen welche ihn "erlegt" haben, die gehörten auch dazu, lebten auch schon in einer, ihrer "postfaktischen" Welt.

Tagesaktuell findet sich das in Wirtschaft u. Politik. Die Wirtschaft, z.B. VW, hat mit 'clean diesel' sich u. der Welt einen reinen u. umweltfreundlichen Diesel vorgeführt; heute wissen wir, 'postfaktisch clean diesel' würde es genauer treffen.

Zur Politik, na ja, 'was man so Lesen und Hören kann', frei nach Herrn Breuer, findet sich genügend welches das Prädikat 'postfaktisch' verdienen würde - übrigens, zu allen Zeiten (manchmal nannte man es auch einfach: Propaganda).

Astrid Lindgren schuf Pipi Langstrumpf, und die wusste sogar über 'postfaktisches' zu Singen: 'Ich mach' mir die Welt (Widdewidde) wie sie mir gefällt'. Klingt netter, vor allem Ehrlicher.

Olaf Walter (55), Tuttlingen

Peter Voit | Fr, 9. Dezember 2016 - 19:37

Ja, aber auch die Praxis derer, die das Wort gerne im Mund führen, um den Anschein zu erwecken, sie selbst stünden stets auf dem Boden der Tatsachen.
So etwa Kanzlerin Merkel mit ihrer Behauptung, es habe sich bei der Grenzöffnung im September 2015 um eine "besondere humanitäre Notlage" gehandelt. Tatsache jedoch ist, daß für die angeblich "Schutzsuchenden" in Ungarn sehr wohl Schutz geboten war. Mit dem Wort "postfaktisch" läßt sich gut munkeln - und merkeln.

Klaus Elmar Müller | Fr, 9. Dezember 2016 - 19:52

Die Begründung für "postfaktisch" als Wort des Jahres ist Propaganda für "die Herrschenden", denen die Jury ein angeblich immer emotionaleres Volk entgegenstellt. Weniger als 2 Millionen Migranten begehen statitisch, also faktisch, weniger Straftaten als 80 Millionen Deutsche. Wo kommt da bloß die dumme Angst der Deutschen her?

Edgar Timm | Fr, 9. Dezember 2016 - 21:28

Präfaktisch sollten wir Ärzte und Ingenieure geschenkt bekommen.

Faktisch kamen viele gewalttätige Menschen, die für zahlreiche Verbrechen verantwortlich sind. Faktisch könnte Maria L. noch leben.

Postfaktisch werden diese Verbrechen verklärt und Verallgemeinerungen als unzulässig erklärt - von denselben Leuten, die ALLE MÄNNER als potentielle Gewalttäter gebrandmarkt haben.

Markus Michaelis | Fr, 9. Dezember 2016 - 23:52

Man sollte mal einen guten Artikel schreiben, um einem breiteren Publikum zu erklären, dass es kaum wirklich harte Fakten gibt. Praktisch jede nicht triviale kurze (ein Satz) Aussage ist kein hartes Faktum. Beispiel: Die Gewaltkriminalität geht in den letzten Jahren stetig zurück. Fakt. Was sagt das: erstmal wenig. Unsere Gesellschaft wird älter, ältere Menschen begehen weniger Gewaltdelikte. Ist es einfach dieser Effekt? Welche Delikte wurden erfasst (hat sich das geändert)? Kommen mehr oder weniger Delikte nur innerhalb bestimmter Milieus vor - das tangiert den Normalbürger weniger. Ist die Zahl der Delikte zurückgegangen, aber hat sich die Art verschoben? Es gibt hunderte solcher Fragen, um eine solche Aussage exakt einzuordnen und dann ganz spezifische Aussagen daraus abzuleiten. Das giLT für praktisch alle Kurzaussagen (haben Löhne zugenommen oder nicht etc. etc.). In Diskussionen werden solche Einsatz-Fakten aber oft wie ein mathematischer Beweis vorgebracht.

Peter Pframmerer | Sa, 10. Dezember 2016 - 17:55

Es ist größenwahnsinnig, undemokratisch (ohne jede Diskussion im Bundestag geschweige denn Volksabstimmung), es ist rechtswidrig (Art. 16a GG). Das reicht erst mal, na gut, es ist auch verantwortungslos und pflichtvergessen. gegenüber dem eigenen Volk, dessen Wohl der Zweck dieses begrenzten Staates sein sollte (GG, Amtseid).

Die linke Medienszene mit ihren Lieblingspolitikern befindet sich in einer postfaktischen Ideologie-Blase. Ihre vorgebliche Humanität gegen alle Beladenen dieser Welt ist in Wahrheit nur der Hass gegen das eigene deutsche Volk, das sie mit Eifer zu verdrängen suchen.
Millionen Menschen aber leben außerhalb des Rotweingürtels und in echten Sozialwohnungen und ihre Kinder sind in der Schule als Deutsche in der Minderheit.
DAS sind die Fakten. Und die Schreiberlinge sind ganz vorne dabei bei den Verursachen des Chaos, das täglich größer wird. Und so wird die Realität zum Bumerang und schaut in Kürze bei den Verursachern vorbei.

Gottfried Meier | Mo, 12. Dezember 2016 - 08:51

Fakt ist, dass in den letzten Jahren unsere Demokratie immer mehr ausgehöhlt wurde. Postfakt ist, dass ich das Gefühl habe, man könnte sich eigentlich deswegen alle Parlamente sparen, weil sie eh nichts zu entscheiden haben.
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