Hofmusikanten - Fideln für die Scheichs, dirigieren vor Diktatoren

Der Cellist Sergej Roldugin spielt nicht nur für Putin, sondern verwaltete auch dessen Vermögen, wie die Panama-Papiere zeigen. Kein Einzelfall: Viele Musiker pflegen eine gefährliche Nähe zu Autokraten. Nicht nur die Kunst, auch das Publikum muss sich in diesem Minenfeld neu positionieren

Putin hat Roldugin zum „Volkskünstler Russlands“ erhoben
Susann Stefanizen

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Axel Brüggemann ist Musikjournalist und lebt in Bremen. Zuletzt erschien der von ihm herausgegebene Band „Wie Krach zur Musik wird“ (Beltz&Gelberg-Verlag)

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Dieser Artikel erschien im Cicero 5/2015. Wenn Sie das Magazin für politische Kultur ausprobieren möchten, empfehlen wir Ihnen unser Gründerabo.
 
 
 

Noch bevor der Pianist Igor Levit im Sendesaal von Radio Bremen den ersten Ton spielt, stellt er sich an den Rand der Bühne, drückt die Partitur mit einem Arm an seinen dünnen Körper und rückt die runde Brille zurecht. Dann erzählt er, was er nun vorhat: „Ich will Sie mit der Musik, die Sie gleich hören, zwingen, Position zu beziehen.“ Schnell erklärt der 27-jährige Musiker den Aufbau von Frederic Rzewskis Klaviervariationen „People united“.

Rzewski ist US-Bürger, war in den sechziger Jahren sozialistischer Politprovokateur und lebt heute in Den Haag. „People united“ besteht aus Variationen des chilenischen Kampflieds „El pueblo unido“, eines Protestsongs der Allende-Ära gegen das Handelsembargo der USA. Der Clou: Zu jedem Thema gibt es fünf Variationen, die sechste ist eine Zusammenfassung des Bekannten. „Das Prinzip der fünf Finger, die eine Faust bilden, kennen Sie ja“, erklärt Levit und unternimmt noch einen kleinen Exkurs in die Gegenwart. „Ich sage nur: das Attentat in Paris, die unsägliche Pegida-Bewegung, und selbst die CIA – das dürfen wir nicht vergessen, die war schon am Putsch Pinochets gegen Allende beteiligt. Also, positionieren Sie sich!“ Dann fummelt der Pianist noch einmal an seiner Brille und setzt sich ans Klavier.

Igor Levit gehört zu einer Klassik-Generation, für die Musik wieder Bekenntnis bedeutet. So virtuos wie mit dem Flügel operiert er auch auf Facebook, misst sich mit Matthias Matussek und Henryk M. Broder und kommentiert die Tagespolitik. „Musik ohne politische Positionierung funktioniert nicht, das wäre ein Widerspruch“, sagt Levit.

Politische Konflikte spiegeln sich heute regelmäßig in der Musik: Die venezolanische Pianistin Gabriela Montero erhebt schwere Vorwürfe gegen den Dirigenten Gustavo Dudamel und gegen den Staatspräsidenten und Vorsitzenden der Vereinigten Sozialistischen Partei, Nicolás Maduro. Valery Gergiev stellt sich regelmäßig an die Seite Putins, Anna Netrebko schockte die Opernwelt, als sie den ostukrainischen Separatistenführer Oleg Zarjow traf. Daniel Barenboim sucht seit Jahrzehnten nach Lösungsvorschlägen für den Nahostkonflikt in der Musik, und Christian Thielemann verurteilte jüngst die Schreihälse von Pegida, bat Medien und Politiker aber auch, die Ohren für deren Unbehagen zu öffnen.

Selbst der Konflikt um den Islam schreibt Musikgeschichte. Auf Twitter zitierte der türkische Komponist und Pianist Fazil Say den persischen Dichter Omar Khayyam: „Du sagst, jeder Gläubige wird zwei Jungfrauen bekommen – ist das Paradies etwa ein Bordell?“ Ein Affront für den türkischen TV-Populisten Adnan Oktar, der seinen Jünger, den Bauingenieur Ali Emre Bukagili, auf Say hetzte. Bukagili reichte Klage gegen den Pianisten ein. Das System Erdogan gab den Eiferern recht. Say wurde zu zehn Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt, seine Werke wurden aus dem Kalender des nationalen Orchesters gestrichen. Seither vermeidet er Interviews über die Situation in seiner Heimat, über Erdogan und den Islam. Fazil Say hat Angst.

Die Pianistin Gabriela Montero will sich nicht einschüchtern lassen. Auf Facebook postet sie fast täglich neue Korruptions- und Polizeiskandale der sozialistischen Regierung Venezuelas. Die Pianistin wurde 1970 in Caracas geboren und war eines der ersten Wunderkinder des Jugendprojekts El Sistema, das 1975 mit Erdölgeldern gegründet wurde und Kindern aus Problembezirken seither ein Instrument, Musikunterricht und eine Zukunft im Simón Bolívar Symphony Orchestra verspricht. Inzwischen ist das Ensemble ein europäischer Mythos. Von Salzburg bis Luzern, von Berlin bis München wird es als Pionierprojekt gefeiert. Regelmäßig verzaubern Kinder in gelb-blau-roten Trainingsanzügen das europäische Klunkerpublikum und drehen wie Zirkusmusiker an ihren Kontrabässen und Trompeten, während sie Mambos oder sehr laute Sinfonien von Mahler oder Beethoven spielen.

Montero war acht Jahre alt, als sie zum ersten Mal mit José Antonio Abreu auftrat. Heute ist sie eine der größten Kritikerinnen des Sistema-Erfinders und warnt Europa, sich von ihm blenden zu lassen. Der kahlköpfige 75-Jährige wirkt wie ein milder, weiser Greis. Lange lebte er von Chávez’ Schützenhilfe und ist zu einem Säulenheiligen der Musikpädagogik geworden. Simon Rattle, Daniel Barenboim und Claudio Abbado pilgerten zu ihm. In Deutschland wurde Abreu für seine Verdienste mit dem Echo-Klassik ausgezeichnet.

„Abreu ist nicht jener Gandhi oder Nelson Mandela, zu dem wir ihn stilisieren, sondern eher ein Machiavelli der Musik, der politische Interessen hinter der Fassade von El Sistema verbirgt“, sagt auch der Musikwissenschaftler Geoff Baker. Er wohnt in London und schreibt für den Guardian. „Am Anfang hat mich das Konzept begeistert“, gibt Baker zu, „bis ich gesehen habe, was hinter den Kulissen passiert.“

Für Baker ist José Antonio Abreu ein Scharlatan. In seinem Buch „Orchestrating Venezuela’s Youth“ weist Baker unerklärliche Finanzströme nach, schwarze Kassen und entlarvt ein persönliches Bereicherungssystem der Führungskader – auch über das Tabu des sexuellen Missbrauchs spekuliert er öffentlich. Es fehle Transparenz, klagt der Journalist, trotz 40-jähriger staatlicher Förderung und mehr als 500 Millionen Dollar, die El Sistema aus Geldern für Entwicklungshilfe bekommen hat.

Die Pulte würden nach dem Aussehen der Kinder besetzt. Wer nicht ins Niedlichkeitsraster passe, fliege raus. „Es handelt sich um ein hierarchisches System“, sagt Baker, „das mit Angst und Schrecken nach dem Motto ‚drill and skill‘ erzieht. Musik wird missbraucht, um soziale Kontrolle auszuüben und Kinder einzuschüchtern.“ Für den Journalisten ist El Sistema ein verlängerter Arm der Staatssicherheit, dessen Ziele Unterordnung und Überwachung sind. „Wenn Simon Rattle El Sistema als ‚Zukunft der Musik‘ feiert, irrt er“, sagt Baker, „es ist eher eine Rückkehr in die musikpädagogische Steinzeit. Wenn wir El Sistema in Europa nachahmen wollen, müssten wir zunächst lernen, unsere Kinder anzuschreien, und ihnen klarmachen, dass sie wertlos sind.“

Genau das aber ist längst der Fall: Der ehemalige Leiter des renommierten South Bank Centers und der Royal Festival Hall in London, Marshall Marcus, ist eine Art Außenminister von Abreu geworden. Er hat das Sistema Europe und das Sistema Africa aufgebaut – außerdem kassiert er für sein European Union Youth Orchestra, das nach ähnlich sektenhaften Prinzipien funktioniert, große Summen an EU-Geldern. „Mir ist bis heute nicht klar, warum Marcus einen der lukrativsten Jobs im britischen Musikbetrieb aufgegeben hat“, sagt Baker, „und wer ihn heute bezahlt. Irgendwann muss er begonnen haben, die Augen vor den Machenschaften des Sistema zu schließen.“

Das prominenteste Gesicht von El Sistema ist der Dirigent Gustavo Dudamel, Chef der Los Angeles Philharmonics und einer der Favoriten im Rennen um die Nachfolge von Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern. 

Vergangenes Jahr hat Gabriela Montero ihm einen offenen Brief geschrieben: „Die Zeit ist gekommen, dass ich als Künstlerin, Venezolanerin, als Frau und Mutter diesen Brief an José Antonio Abreu und Gustavo Dudamel schreiben muss. Bislang habe ich es aus Respekt und Zuneigung zu Gustavo nicht getan.“ Die Pianistin wirft dem Dirigenten vor, am 12. Februar, dem Tag der Jugend, für die neue Regierung gespielt zu haben, während die Polizei auf den Straßen von Caracas Demonstranten niederknüppelte. Seit Monaten fordert eine junge Generation das Ende von Zensur und Repressalien. Hunderte wurden von Polizei und Armee drangsaliert und verletzt oder verschwanden.

Montero wirft Dudamel vor, „das Konzert gegeben zu haben, während unser Volk massakriert wurde“, und fordert: „Keine weiteren Entschuldigungen, kein Gerede von ‚Künstler stehen über allem und hinter allem‘. Die 200 000 Menschen, die in den letzten 15 Jahren durch Gewalt in den Straßen, durch staatliche Gewalt und die offizielle Rhetorik gestorben sind, zählen mehr als jedes Instrument, jede Ideologie, jeder Beruf, alles Geld und jeglicher persönlicher Gewinn.“

Aber an dieser Wahrheit scheinen Abreu und Dudamel kein Interesse zu haben. Während der Dirigent sich in den USA und Europa als globetrottender Emporkömmling gibt und Distanz zu Venezuelas Führung vorgaukelt, ist er in seiner Heimat eher ein Hardliner. Bei Chávez’ Beerdigung führte Dudamel die acht Sargträger an, stand an der Spitze von Sportlern, Militärs und Politikern. Er trug einen schwarzen Anzug, hielt ein kleines Mädchen an der Hand, und auf seiner Brust hing ein nationaler Orden. Später dirigierte er vor dem Holzsarg des Regierungschefs die Nationalhymne voll Pathos.

Monteros offenen Brief hat Dudamel in bestem Propagandaton abgetan: „Der 12. Februar ist ein besonderer Tag“, ließ er wissen, „weil an diesem Tag das Simón Bolívar Orchestra gegründet wurde, das ein Emblem und eine Flagge wurde, die unser Land nach außen repräsentieren. Unsere Musik repräsentiert die weltweite Sprache des Friedens. Auch deshalb betrauern wir die gewaltsamen Ereignisse. Wir erklären uns uneingeschränkt zur Gewaltlosigkeit und zu einem Ja zum Frieden.“ Bis heute hat der Dirigent kein Wort über die staatliche Gewalt und das System von Nicolás Maduro verloren. Kürzlich berichtete die Los Angeles Times allerdings, dass Dudamel sich neben seinem 1,85 Millionen Dollar teuren Haus in den Bergen von Hollywood gerade ein weiteres, mediterranes Anwesen im Wert von fast drei Millionen Dollar im kalifornischen Los Feliz zugelegt hat.

Eindeutig Position bezieht auch der russische Dirigent Valery Gergiev. Der Mann mit den Wolfsaugen und dem Dreitagebart ist Kosmopolit: Leiter der Mariinsky-Oper in Sankt Petersburg, des London Symphony Orchestra, ständiger Gast in New York und Baden-Baden, außerdem designierter Chef der Münchner Philharmoniker. Gergiev macht keinen Hehl aus seiner Nähe zu Wladimir Putin.

2008 sorgte Gergiev für Aufsehen, als er ein Konzert in Südossetien gab, wo er Schostakowitschs „Leningrader“ Symphonie aufführte. Aus den Ruinen des Landes wurde die Show im Fernsehen übertragen, und der Dirigent lobte Putin dafür, die Region vor dem „mörderischen Georgien“ beschützt zu haben. 

In der Pussy-Riot-Affäre warf er den putinfeindlichen Pop-Provokateurinnen vor, nur aus PR-Gründen in Hungerstreik getreten zu sein. Der niederländischen Zeitung De Volkskrant sagte Gergiev über das sogenannte „Schwulengesetz“ Putins: „In Russland tun wir, was wir können, um Kinder vor Pädophilie zu schützen. Dieses Gesetz bezieht sich nicht auf Homosexualität, es zielt auf Pädophilie. Aber mein Terminkalender ist zu voll, um dieses Thema im Detail zu besprechen.“ Im März des vergangenen Jahres unterzeichnete der Dirigent einen offenen Brief, in dem er Putins Kurs in der Ukraine- und der Krimfrage unterstützte.

Als Gergiev das von den Vereinten Nationen finanzierte World Orchestra for Peace bei den Proms leitete, blieb ein Teil des Publikums fern. Sängerinnen wie Karita Mattila weigern sich grundsätzlich, mit ihm aufzutreten. Die Stadt München verschließt derweil Augen und Ohren. In einem Brief an sein zukünftiges bayrisches Publikum ließ Gergiev wissen, dass er nun einmal Russe sei, eine russische Meinung habe und sich diese auch weiterhin gönnen werde. Mit seinem Amt als Chefdirigent habe all das nichts zu tun. Gergiev hofft, dass die Musik Brücken baut – dass er durch sie verstanden wird. Vor derartiger Politpotenz scheint der Intendant der Philharmoniker, Paul Müller, zu kapitulieren. Ein Gespräch mit Cicero über das Thema lehnt er ab und lässt stattdessen seinen Pressesprecher gebetsmühlenhaft das „Münchner Wording“ aufsagen: „Wir freuen uns auf den Musiker Valery Gergiev. Wenn er von seinem Recht auf Meinungsäußerung Gebrauch macht, werden wir das nicht kommentieren.“

Hat die private politische Meinung etwa nichts mit der musikalischen Interpretation und der öffentlichen Repräsentation eines Orchesters zu tun? – „Was Herr Gergiev sagt, ist seine freie Meinung.“

Wie kann die Europäische Union den Ukrainekurs Russlands boykottieren und die Stadt München gleichzeitig einen offenen Befürworter dieser Politik zum Chef ernennen? –„Was Herr Gergiev sagt, ist seine freie Meinung.“

Bedeutet das, Gergiev könnte alles sagen, und die Münchner Philharmoniker würden immer an seiner Seite stehen? – „Was Herr Gergiev sagt, ist seine freie Meinung.“

Gergiev ist der schillernde Teil von Putins Propagandasystem, das sich andernorts etwas stiller im europäischen Kulturbetrieb verankert hat. Während der russische Präsident früher Gerhard Schröder oder Gérard Depardieu zu seinen Freunden erklärte, strickt Putin seine Netzwerke heute subtiler. Auch zwischen „Montagsdemonstrations“-Erfinder Jürgen Elsässer und dessen Zeitschrift Compact und Wladimir Putin soll eine Verbindung bestehen. Allerhand deutsche Kulturschaffende stehen auf der Gehaltsliste des Kremls.

2009 begegnete Putin dem Organisator des Balles an der Dresdner Semperoper, Hans-Joachim Frey. Der spielte damals gerade das Theater Bremen bankrott und musste ein Jahr später gehen. Hemdsärmlig bot der Präsident dem Kulturmanager Hilfe an und organisierte ihm Aufträge in Ude und Irkutsk am Baikalsee. 2013 wurde Frey gegen das Misstrauen des Linzer Vizebürgermeisters zum Chef des Brucknerhauses ernannt. Seither erklärt er österreichischen Zeitungen, dass der Westen in Sachen Putin „sehr viel dämonisiere“, und lässt seine Facebook-Freunde wissen: „Die EU verhängt wieder Sanktionen gegen Russland, und wieder zeitgleich und in Abstimmung mit Amerika (…) – also dringend Strategiewechsel gefordert! ‚Wandel durch Annäherung‘!“

Natürlich fördert Frey auch Putins Künstlernetzwerk. So hat er den aus Riga stammenden Dirigenten Sergei Roldugin an das Brucknerhaus verpflichtet. Dieser ist Taufpate von Putins Tochter Maria und feiert gern das Macho-Image des Präsidenten. In US-Zeitungen berichtet Roldugin, wie er mit dem jungen Wladimir in die Kirche ging, von Jugendlichen um eine Zigarette angeschnorrt und angegriffen wurde, woraufhin Putin einen der Jungen mit einem beherzten Judogriff aus dem Weg räumte. „Ich mochte die Art, wie er sich verteidigte“, schwärmt Roldugin.

Putin hat Roldugin inzwischen zum „Volkskünstler Russlands“ erhoben, Hans-Joachim Frey wurde zum „Botschafter für russische Kultur“ befördert. Regelmäßig lädt er seine Klassik-Freunde aus dem Westen zu Wettbewerben oder Stippvisiten nach Moskau ein. Putins Investition beginnt sich auszuzahlen, weil Vasallen wie Frey unscheinbar und effektiver wirken als Schröder, Depardieu, Valery Gergiev oder die anderen Testosteronfreunde des Präsidenten.

Sicherlich kann man nicht von jedem Künstler den Mut einer Gabriela Montero oder eines Fazil Say erwarten. Gerade in Deutschland wissen wir, wie schwer es Richard Strauss, Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan gefallen ist, sich von der Politik der Nationalsozialisten zu distanzieren. Und auch heute ist nicht alles politisch unbedenklich, wo Klassik draufsteht.

Während im Fußball über Katar als Austragungsort der WM gestritten wird, sind die Arabischen Emirate für subventionierte deutsche Orchester längst lukrative Anlaufstellen. Obwohl jüdische Ensemblemitglieder offiziell unerwünscht sind, ihre Sicherheit nicht gewährleistet werden kann und sich Antisemitismus bereits bei den Einreisebestimmungen offenbart, schwärmen Intendanten vom „Klassik-Boom bei den Scheichs“. Martin Hoffmann von den Berliner Philharmonikern erklärt: „Die Einreise israelischer Orchestermitglieder nach Abu Dhabi ist ein sehr sensibles Thema, und wir haben verabredet, nicht über Details zu sprechen.“ Statt moralischer Bedenken sieht er höchstens organisatorische Herausforderungen: „Man hat ein Problem mit den Einreisebestimmungen und muss Wege finden, es zu lösen.“

Zurück in Bremen. Als der Pianist Igor Levit das Thema von „El pueblo unido“ in alle Einzelteile zerlegt hat, schweigt das Publikum. Nach einer kurzen Pause erhebt es sich zu Standing Ovations. Einige Monate vorher, in Wien, war die Stimmung gespaltener. Es lag Klassenkampf in der Luft. Levit wurde von einem Zuhörer angesprochen: „Wenn Sie so einen Kommunisten spielen, warum spielen Sie nicht auch das Horst-Wessel-Lied?“ Levit verstand die Frage als Affront. „Ich hätte dem Typen am liebsten eine reingehauen“, sagt er. Aber dann hat er geantwortet: „Mit Verlaub, die Nazis haben einfach keine gute Musik geschrieben – zeigen Sie mir ein gutes Werk, und ich werde es spielen.&ldquo

Gute Musik zwingt zur Positionierung, so oder so.

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