Mozart - Sommermusik mit Sturmwarnung

Kolumne: Morgens um halb sechs. Die Musik Wolfgang Amadeus Mozarts gilt weithin als kitschig. An der Ablehnung zeigt sich eine Grundüberzeugung der Moderne: Nur was schwer zugänglich und kompliziert daherkommt, ist Kunst. Schade eigentlich

Gewitter über einer Open-Air-Veranstaltung in Magdeburg
Mozart ist wie ein hellblauer Blitz, der durch die Jahrhunderte fliegt / picture alliance

Autoreninfo

Sabine Bergk ist Schriftstellerin. Sie studierte Lettres Modernes in Orléans, Theater- und Wirtschaftswissenschaften in Berlin sowie am Lee Strasberg Institute in New York. Ihr Prosadebüt „Gilsbrod“ erschien 2012 im Dittrich Verlag, 2014 „Ichi oder der Traum vom Roman“.

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Wenn der Sommer uns zwischen Sturm und Sonne hin- und herwirft, ist Mozartzeit. Wo sich Hell und Dunkel schlagartig abwechseln und wie launische Kinder auf der Wippe sitzen, hebt Mozart ab. Wie kommt es, dass der zappelige Luftzar zwar oft gespielt, jedoch nur selten verstanden wird? Hinken wir ihm immer noch hinterher?

Mozarts Musik habe die rätselhafte Perfektion der Pflanzen, schrieb Hans Werner Henze in seinen böhmischen Reiseliedern. Kaum ein Komponist geht leichtfüßiger und schwermütiger, hellsichtiger, radikaler und gleichzeitig symmetrisch mit Musik um. Dass da einer auf den Wolken balanciert und sich selbstmörderisch hinab wirft, sich dann gleich wieder heiter aufzufangen weiß, um den nächsten Abgrund zappelig auszuloten, wird bis heute nur schwer begriffen.

Viel zu schnell

Die Dinge wollen linear verstanden werden, damit sie auf wissenschaftliches Papier passen. Jemand, dem alles auf einmal in einem Salto mortale gelingt und der dabei auch noch eine unsterbliche Melodie hervorbringt, bleibt ein sphinxhaftes Rätsel. Stimmungswechsel, die wie rasche Lichtwechsel vorbeisausen, können nicht entziffert werden. 

MozartDirigenten wählen in Sachen Mozart durchgehend zu schnelle Tempi, um dessen Radikalität zu unterstreichen – und zerstören damit jede Sinnlichkeit. Atemlos rasant und vor allem politisch soll Mozart herüberkommen. Doch oft wirkt er erdrückt, mittelmäßig übergebügelt. Kaum eine Terz bekommt mehr Zeit zu blühen. Die Pflanzen atmen nicht, die Gleichzeitigkeit bleibt auf der Strecke. Auch Inszenierungen bügeln Mozart oft gewollt in eine Richtung – auf Kosten der spielerischen Vielfalt.

Gegen den Trend

Zeitgenössische Komponisten, denen ich begegnen durfte, lehnen Mozart durch die Bank ab. Jedes Mal, wenn ein hitziges Gespräch über Mozart entflammt, werde ich schweigsam. Wie soll man ein Sommergewitter verteidigen? Einen tollen Tag, an dem alle Gefühlslagen geometrisch durcheinandergehen? Was kann man zum Finale II. Akt im „Figaro“ anderes sagen, als dass diese Musik ein Wunderkabinett ist? Jedes Mal, wenn der Graf im „Figaro“ niederkniet, möchte ich mich auch hinwerfen und mich entschuldigen, dass die Jahrhunderte verfliegen und einzig Mozart unerreichbar bleibt. Wir stecken immer noch in Trägheit und Arroganz zwischen Kriegen und Prozentpunkten fest und schmieden lineare Pläne bis 2040.

Kleeblätter pflücken mit Mozart

Etwas Überernstes hat sich im Musikbetrieb verwaltungsapparatartig eingebürgert. Mutmacherin, Trösterin, letzte Retterin in schweren Stunden ist Musik nur noch jenen, die sie immer wieder wie Trunksüchtige hören, die ohne sie nicht leben können.

Für mich ist Mozart hören kindlich und komplex zugleich. Mozart hören ist wie Kleeblätter pflücken. Mozart ist eine Schulung in hyperbolischer Geometrie. Mozart ist wie ein hellblauer Blitz, der durch die Jahrhunderte fliegt, und ich glaube, man muss blitzschnell sein, um ihn zu erfassen.

Das hat mit Hektik nichts zu tun, eher mit einem spielerischen Sinn und einer elastischen Auffassungsgabe. Mozart spaziert auf dem Dachfirst und lacht, während unter ihm der Abgrund klafft. Die Wechselhaftigkeit, das Sprunghafte seiner Musik erfasst immer beide Seiten zugleich. Hier wird nicht nacheinander erzählt, hier geschieht alles auf einmal und klingt. Mozart ist wie ein luftschiffiger Hafen, in den man, egal wie die eigene Zeit tickt, immer wieder zurückkehren kann. 

Zeitgenössische Musik will politisch sein

 „In diesem Werk ist alles über dem Durchschnitt“, schrieb Hans Werner Henze, der Mozart zeitlebens verehrte, „obwohl keine wesentlichen technischen Innovationen darin zu finden sind.“ Blockiert die Sucht nach Innovationen, der Fortschritts- und Wachstumszwang den musikalischen Atemapparat? Geht die Musik wie eine kostbare Pflanze an zwanghaftem Wettbewerb und Wachstum kaputt?

In der zeitgenössischen Musik wirkt Vieles stickig. Sie will groß sein und bleibt doch ganz klein. Manchmal klingt sie einfach nur dick, wie ein Koffer, der zu dicht gepackt ist, dass er nur mit einem Logistikunternehmen transportiert werden kann. Oder sie klingt ganz schlicht nach geschlossenem Fenster, nach verkopften Stubenhockern und nicht nach einem immerwährenden Morgenspaziergang. Prozentkrämerisch kommen mir einige Partituren vor, wie Debatten über das Elterngeld. Die Gelenkigkeit fehlt, die Ironie, das Changieren zwischen Tonfällen. Sie will politisch sein und ist nicht politisch. Ein politischer „Touch“ scheint einzig wichtig zu sein, um institutionelle Gelder abzuschöpfen. Letztendlich klingt solche Musik dann auch nach Fördertopf. Natürlich lässt sich „die Musik“ nicht über den Kamm scheren. Doch lassen sich Tendenzen, seltsamerweise am Umgang mit Mozart, ablesen. 

Mangelt es den Deutschen an Sinnlichkeit?

Woran liegt es, dass besonders in Deutschland Leichtigkeit immer noch belächelt wird und stattdessen ein verkarsteter Ernst Vorrang hat? Dass ein Kunstwerk immer noch schwer zugänglich und künstlich kompliziert daherkommen muss, um als ein solches wahrgenommen zu werden? Liegt es an einem Mangel an Sinnlichkeit oder an einer minderen Begabung im Umgang mit Wetterwechseln? Fürchten wir Gewitter? Krampfen wir uns an der Tischkante fest? Brauchen wir das Rektanguläre, das uns Sicherheit verspricht, die Parklücke, das gerade Abendbrotbrettchen? Die perfekte Analyse als Lustkillerin? 

Die Möglichkeiten der Akademien und großen Apparate blockieren den Weg zum inneren Kind, das bei uns teilweise immer noch im Keller fest sitzt. Nicht gut genug! Nicht perfekt auf die Welt gekommen. In Deutschland will man nicht, man muss Weltmeister werden. Und gerade deshalb wird Mozart nicht verstanden. Die Dinge gehen spielerisch ineinander über, sie müssen nicht sein, sie sind einfach und sind auch gleich wieder einen Schritt weiter. Das Sommergewitter ist schnell vorbei, der Flieder duftet im Nachtgarten und bald wird der Graf die Gräfin um Vergebung bitten. Nicht die Politik siegt, nicht das Individuum mit seinen Partikularinteressen, sondern die größtmögliche Harmonie.

Nicht verkopft, sondern lustig

Dabei ist Harmonie bei Mozart eine umkämpfte Angelegenheit. Nicht aus Schwelgerei, aus harten Machtkämpfen, Besessenheit und Lust wird die Scena ultima errungen. Diese widersprüchlich melancholische und zugleich erotische Leichtigkeit fällt vielen Interpreten schwer. Dass da einer mit einem Fingerschnips die schwierigsten Dinge kombiniert und dabei nicht verkopft, sondern lustig bleibt, ist immer noch ein Wunder. Jede Note Mozarts sprudelt. In jedem Takt ist sein Herzpuls zu spüren.

Hans Werner Henzes kompositorisches Barometer blieb „die Entfernung der Moderne von der Realität Mozarts“. Gegen Ende werde die Musik Mozarts immer erdhafter und wärmer, schrieb Henze. Nach dieser Wärme und Helligkeit in der Musik sehne ich mich, wenn ich mit Zeitgenossen und -genossinnen um Mozart ringe. Meist bleibe ich, wenn gegen Mozart geht, still und zähle Donnerschläge und Sommerblitze.

Christa Maria Wallau | So, 30. Juli 2017 - 11:37

"Die Musik Mozarts gilt weithin als kitschig."
"Grundüberzeugung der Moderne: Nur was schwer
zugänglich und kompliziert daherkommt, ist Kunst."
Oh ja: Daran erkennt man die Arroganz und Weltfremdheit der sog. Moderne -
an solchen Grundeinstellungen!

Ich kann der Autorin nur zustimmen:
Mozart ist ganz nah beim Menschen. Seine Musik
berührt das Innerste eines jeden, der sich einen
Rest von kindlicher Offenheit und Unmittelbarkeit
bewahrt hat. Er bringt alles zum Klingen, was
menschliches Fühlen, Sehnen und Sinnen ausmacht. Mozarts Musik ist für mich ein Vorgeschmack auf den Himmel.

Frau Bergk hat recht: Sehr häufig werden Mozarts
Werke zu schnell gespielt, so als wolle man ihnen
- wie einer Torte - den Zuckerguß oder die
Marzipanauflage wegreißen, um ihre Süße zu entfernen. Welch ein Hochmut und eine Unverschämtheit von Menschen, die
anderen den Vollgenuß offenbar nicht gönnen!

Josef Garnweitner | Mo, 31. Juli 2017 - 14:57

In reply to by Christa Maria Wallau

daran liegen, liebe Frau Wallau, daß jeder moderne Dirigent oder Musiker meint, er müßte etwas mit aller Gewalt auf seine Weise interpretieren, anstatt darüber nachzudenken, wie es der Komponist spielen lassen würde.

Man sieht es an so vielen Dingen, wie versucht wird mit aller Gewalt etwas anders zu machen. Auch Ideen sind in gewisser Weise endlich und neue Ideen nicht zwangsläufig besser als das, was bereits da ist. Die Musik aller Schattierungen ist ein gutes Beispiel dafür.

Christa Maria Wallau | Mo, 31. Juli 2017 - 17:15

In reply to by Josef Garnweitner

Ihre Bemerkungen treffen ins Schwarze, lieber Herr Garnweitner.
Das zwanghafte Originell-Sein-Wollen von Leuten, die sich
Künstler nennen und um jeden Preis auffallen wollen, ist vielfach nichts anderes als Krampf. Wenn solche Leute sich an Werken von Menschen vergreifen,
die sich nicht mehr wehren können, dann wird es richtig kriminell.
Man braucht ja nur an "moderne" Aufführungen von klassischen Theaterstücken zu denken, um zu wissen, zu welchen Absurditäten Regisseure und Dramaturgen in der Lage sind. Dasselbe gilt natürlich auch für Musiker mit dem Selbstverwirklichungs-Tick.
Ein Mensch, der das Kunstwerk eines anderen wirklich begreift, wird sich niemals erdreisten, es nach seinem Gusto umzumodeln. Jeder Interpret, der ein Kunstwerk achtet, muß sich in den Dienst von dessen Schöpfer stellen und darf sich nicht selbst zum Mittelpunkt einer Aufführung machen. Jedenfalls ist das meine Meinung.
MfG
C. Wallau

Klaus Elmar Müller | So, 30. Juli 2017 - 11:39

Danke für diesen Text! Eine Erquickung an meisterlicher, musikalischer Sprache für den Sonntag! Und: Erhellende, bereichernde Kritik am deutschen (oder nur neudeutschen?) Wesen!

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 30. Juli 2017 - 12:03

seine ganze Tragik und Herrlichkeit.
Er liebte umfassend, war entweder nicht mit seiner großen Liebe verheiratet, Aloysia Weber oder aber nicht bewusst wissend mit der richtigen, seiner Konstanze.
Diese emotionale Überanstrengung so oder so liessen Mozart die Liebe zur Göttlichkeit erheben und ihn in diese Göttlichkeit hinein.
Alpha und Omega, Liebe als transzendentale Totalität, die einzige, der ich wirklich huldige, prägen vor allem dann seine Zauberflöte, Papageno/Tamino, als Ausdruck dessen und sein Requiem als Ineinanderfliessen von göttlicher Zärtlichkeit und Umfassenheit/Gewaltigkeit.
Tiefst geprägt hat mich früh Mozarts Requiem, dirigiert von Karl Richter.
Ich glaube, vor den anderen Opern, so dass ich Mozarts Leichtigkeit zeitlebens verfehlte.
Ich hörte ihn vom Ende.
Ich wäre beruhigt, wenn ich wüßte, dass diese Leichtigkeit, Mozarts unverbrüchliche Verwurzelung im Leben, seine Unschuld bewahrt würde.
Ihr Artikel leistet dazu einen Beitrag Frau Bergk, göttlichen Schutz

Bernhard Piosczyk | So, 30. Juli 2017 - 14:54

Wolferl (wie er damals in der Familie genannt wurde) würde heute wohl sagen: " zu viel Noten meine Herren und macht bitte das Fenster auf, viel zu dicke Luft hier !". Andererseits was soll die Moderne machen, die Musik die wir heute kennen ist schon seit ca. 500 Jahren "fertig geschrieben". Da kann man nur Arbeitslos werden.

Henning Magirius | So, 30. Juli 2017 - 19:37

Chapeau! Wundervolle Hommage an Mozart und deutliche Worte zu den emotions- und melodielosen Geräuschkulissen der sog. Neuen Musik.
Alfred Tomatis, französischer Hals-Nasen-Ohren-Arzt, sah im 20.Jahrhundert im Ohr einen Weg zu psychischer und physischer Gesundheit des Menschen. Er verordnete seinen Patienten das Hören von Mozart-Musik.

Torsten Knecht | So, 30. Juli 2017 - 20:06

... ebenso Mozartkugeln. Und überhaupt alles was mit dem Namen Mozart zu Geld gemacht wird u. nichts mit Musik zu tun hat.

Die Leichtigkeit des Seins ist bei den deutschen doch vorhanden z. B. im feinsinnigen Humor von Wilhelm Busch, R. Gernhardt o. Spitzweg als Maler, Künstler Herr Wurm u. v. a. auch.

Es kommt immer auf den Blickwinkel u. das Medium an. Die Komödianten in den ÖR haben jedenfalls mehr Erziehungsauftrag als Humor im Gepäck.

Mozarts Leichtigkeit entspringt seinem enormen Arbeitspensum, genau so übrigens wie bei Picasso, die Leichtigkeit u. das Spielerische stellte sich erst nach der Technikbeherrschung ein. Das Perfekte ist vorhersehbar und daher langweilig.

Die Ausnahme, das ein bestimmter Grad an Perfektion doch das Maß aller Dinge sein kann: Mona Lisa. Genial. Nicht perfekt, nicht langweilig sondern ein Rätsel u. damit zeitlos.

Sehr geehrter Herr Knecht! Auch Wilhelm Busch, dem antikatholischen Kulturkämpfer ("Die fromme Helene"), und dem Maler Spitzweg, der vereinsamte, schrullige und spießige Menschen malte, fehlt meiner Meinung nach die schöne "Leichtigkeit des Seins". Sind halt Deutsche . . . . (wie ich, wenn auch zum Glück linksrheinisch).

Dimitri Gales | So, 30. Juli 2017 - 21:00

ausserordentlich die Musik Mozarts. Sie sei von grösster musikalischer Qualität und tiefer Empfindung.
Das macht gerade die Besonderheit Mozarts aus. Er beherrschte perfekt das Spiel zwischen Symmetrie und Asymmetrie, und er hatte einen guten Geschmack. Seine Notenschrift ist einfach, unprätenziös, aber voller Einfälle und Inspiration.
Ich frage: sind das Qualitäten, die den heutigen Menschen fehlen?
Ich persönlich kann mit der "neuen Musik", wie etwa die Serielle "Musik" oder andere Geräuschexperimente nichts anfangen. Musik entstand aus emotionalen Motiven und Anlässen; wenn man heute an einer Strassenecke Mozart oder Vivaldi spielt, bleiben die Leute stehen und lauschen. Bei modernen Komponisten wohl kaum. Man muss wohl zu den elitären Eingeweihten in Sachen Kunst gehören, um an der modernen/zeitgenössichen "Musik" etwas zu finden.

Bernhard Jasper | So, 30. Juli 2017 - 22:03

Frau Bergh, wenn Sie erlauben, sehr schön! Kein Beitrag aus der Welt der „politischen Monster“, sondern ein Akkord der Sinnlichkeit. Unsere sinnliche Wahrnehmung wird in der Moderne ja arg strapaziert. Ob Hollywood oder Stadtteilfest – eine scheinbar alles gleichmachende Globalisierung?

Vielleicht treten wir wieder in einen „mythischen“ Hör-Raum ein, im Gegensatz zum dominanten visuellen Raum (um das kulturgeschichtlich zu erklären reicht der Raum hier nicht aus). Die sinnliche Wahrnehmung hat jedoch immer auch einen bedeutenden Beitrag geleistet- und zu Erkenntnissen und Veränderungen geführt.

Für Sie spiele ich:

Ana Vidovic plays Recuerdos de la Alhambra by Francisco Tárrega クラシックギター

https://youtu.be/fwjX-m4LkYk

P.S: Ich übe noch an diesem Stück (Ironie aus).

Gad Israel | Mo, 31. Juli 2017 - 01:45

Zum Trost sage ich mir manchmal, dass alles in diesem Leben nur entliehen und geborgt ist, denn was sonst ist das Leben, als geborgte und geliehene Zeit, die vergeht.
Der Mozart aber, unter anderem, der bleibt, egal was da gesagt oder geschrieben oder dirigiert wird, denn unsterblich ist nur die Kunst, nicht aber der geschwätzige Mensch.
Der Artikel, den ich hier gerade gelesen habe, ist zwar keine Musik, aber dennoch ausgesprochen musikalisch.

Dieter Erkelenz | Mo, 31. Juli 2017 - 06:54

Ein Genuss ihr Feuilleton, zumal in der Früh, zu lesen! Obwohl Bachenthusiast führen Sie mich mit Verve zurück zu Mozart.

Bernhard Piosczyk | Mo, 31. Juli 2017 - 14:50

In reply to by Dieter Erkelenz

W.A.Mozart kannte die Werke Bachs (Fugen) und hat ihn sehr geschätzt. Zu Mozart Zeiten war J.S.Bach schon fast vergessen. Er galt als nicht "modern" und zu "verkopft"
Seine Musik wurde wieder in der Romantik durch Felix Mendelsohn-Bartholdy entdeckt.

Karl Deuter | Mo, 31. Juli 2017 - 07:14

Die Musik von Mozart kommt oft leicht daher, dieser Eindruck von Leichtigkeit ist jedoch seinem Genie zu verdanken.

Christop Kuhlmann | Mo, 31. Juli 2017 - 08:36

Pendecki, Lutoslawski, Arvo Pärt. Ich finde nichtdepressive Musiker einfach langweilig. Hübsch bunt und zergehen auf der Zunge wie die gleichnamigen Mozartkugeln. Sicher die Melodien sind unvergesslich aber die Schwere fehlt zum Tiefgang. Mozart hat für wohlhabende, musikalische Laien seiner Zeit komponiert. Das Kunstverständnis der Moderne betriebt die Kunst um ihrer selbst willen.

Herr Kuhlmann, Sie sagen es, Mozart hat viele Auftragswerke komponiert.Er hat bewusst Leichtes und etwas für Kenner kombiniert, aber irgendwann hat er dann aufgehört damit. Er kam sowieso nicht wirklich an und dann kam sowas heraus wie das G-Moll Quintett K. 516. Diese Kombination aus tragischem Rumhetzen, Traurigkeit und letztlich lautem Lachen über die ganze Zappelei des Lebens hat mich immerwieder um.

Larissa Tscherkow | Mo, 31. Juli 2017 - 08:38

Sie schreiben in diesem wirklich wunderschönen Artikel folgenden Satz:

"Ein politischer „Touch“ scheint einzig wichtig zu sein, um institutionelle Gelder abzuschöpfen. "

Ich möchte hinzufügen: Ein linker politischer Touch ist in Deutschland wichtig, um staatliche Gelder abzuschöpfen. Im schlimmsten Fall darf es auch ein linksextremistischer Touch sein. Nicht nur in der Musik ist das so, sondern im ganzen Kulturbereich.

Und das wundert auch nicht, wenn man sich die Menschen ansieht, die für die Vergabe dieser Gelder zuständig sind. Die stehen oft so weit links, dass sie bereits die Grünen für eine beinahe rechte Partei halten.

Und für Mozart haben diese Leute meistens nichts übrig. Dafür aber finden sie linksradikale Bands wie Feine Sahne Fischfilet ( die auch der SPD Minister Heiko so schätzt ) oft unglaublich wichtig.

Ja....und dazu trinkt er mir auch noch den besten Chablis weg, eine Gemeinheit so was!

Peter Rosenstein | Mo, 31. Juli 2017 - 12:00

Sorry, aber wer Mozart als "Kitsch" bezeichnet, hat nicht mehr alle Latten am Zaun.

Dr. Lothar Sukstorf | Mo, 31. Juli 2017 - 12:43

ich wundere mich darüber, was/wofür die Fr. Bergk , morgens um halb sechs schon alles in der Lage ist...?

Meike Boist | Mo, 31. Juli 2017 - 14:04

Von der englischen Autorin Elizabeth Goudge stammt eine wundebare Beschreibung der Musik Mozarts:
"So oft ist er fröhlich und zärtlich in den ersten Sätzen seiner Symphonien und Konzerte, aber in den zweiten Sätzen -wir können uns dabei ausruhen- singt er zu uns. Oft singt er von sich selbst, aber dann ist die Freude nur an der Oberfläche; darunter befindet sich eine ergreifende Traurigkeit. Aber er will unsere Herzen nicht zerbrechen, und wieder folgt der Tanz, aber schneller, als ob er dringend wieder zudecken wolle, was zu enthüllen er nicht beabsichtigte"
Ist das nicht eine Empfelung, mal wieder Mozart zu spielen oder zu hören?

Juliana Keppelen | Mo, 31. Juli 2017 - 14:44

Ich finde die Musik von Mozart toll egal wie sie beschrieben wird/würde und ich finde "seufz" Mozartkugeln toll.

Josef Garnweitner | Do, 3. August 2017 - 15:01

In reply to by Juliana Keppelen

dieser Kugeln gibt es nur in Salzburg, liebe Frau Keppelen. Und zwar in einem Seitengässchen der Getreidegasse in Richtung Markt. Und sie sind in blaues Stanniol eingewickelt. Leider habe ich den Namen des Geschäftes nicht zur Hand.

Winfried Wolf | Mo, 31. Juli 2017 - 15:00

...lehnen mozart ab!
wahrscheinlich würde mozart es umgekehrt genauso machen.
wie gut, dass er keinen dieser klang(lärm?)-erzeuger ertragen musste. wer, ausser einem marginalen publikum, mag moderne klangarrangements denn schon hören?
für mích ist musik die kunstvolle kombination von harmonie, melodie und rhythmus.
nicht mehr, nicht weniger...ww

Werner Baumschlager | Mo, 31. Juli 2017 - 15:30

"Zeitgenössische Komponisten, denen ich begegnen durfte, lehnen Mozart durch die Bank ab."

Sind Sie sicher, dass es sich dabei tatsächlich um Komponisten handelte? Ein Musiker, der Mozart ablehnt, kommt mir vor wie ein Physiker, der Einstein ablehnt.

Sehr interessant finde ich Ihre Bemerkung von der Musik, die nach Fördertopf klingt. Mir ist das auch schon aufgefallen, nur bin ich nicht auf diese Assoziation gekommen. Bei näherer Betrachtung schmeckt, riecht, klingt heute überhaupt sehr viel öffentliche Botschaft nach Fördertopf.

Zu Ihrem Vortrag insgesamt: Ich habe den Eindruck, dass er im Grunde vom Unterschied zwischen Deutschland und Österreich handelt. Mozart ist hierbei nur ein Symptom von vielen.

Dr. Lothar Sukstorf | Mo, 31. Juli 2017 - 22:59

In reply to by Werner Baumschlager

Man kann ja ablehnen wen man will. Psychologisch betrachtet ist es doch oft so, diejenigen, die sich selbst übersteigern, dich sich selbst überhöhen wollen, brauchen jemanden, benötigen ein Genie, an dem sie sich "reiben" können. Nur an ihm messen können sie sich nie. Das gelingt denen nicht an Bach, Mozart, Beethoven und Wagner! Zwergenaufstände. Was solls? Klarinettenkonzert gefällig?

Gundlach Lutz | Sa, 5. August 2017 - 16:48

In reply to by Werner Baumschlager

Herr Baumschlager, auch Wagner hat Mozart schlecht beurteilt! Ich verstehe das auch nicht.Ich denke nur an die Ouvertüre des Don Giovanni und bekomme Gänsehaut und Angst davor, was mir mal in meinem letzten Stündchen so bevorsteht...(kleiner Spaß, auch wenn wir in Deutschland sind)

Karin Busch | Mo, 31. Juli 2017 - 19:49

Sehr geehrte Frau Bergk, ich danke Ihnen von ganzem Herzen für diese Zeilen. Seit frühester Jugend liebe ich diese Musik. Bereits in den unteren Klassen wurden wir im Musikunterricht an die Klassiker herangeführt (wunderbare kindlich aufgebaute Lehrbücher), die Ihre Fortsetzung in den Klassen 9-12 in Schülerabos am Theater meiner Heimatstadt fanden. Ergänzt wurde dies durch privaten Klavierunterricht. Es war eine wundervolle Zeit. Um so trauriger bin ich schon, wenn ich heute sehe, wie wenig Wert auf Kunsterziehung gelegt wird. Neben den Bildungseinrichtungen spielt dabei das Elternhaus sicher eine große Rolle und auch da gibt es mächtige Defizite. Leider !!

Herbert Binder | Mo, 31. Juli 2017 - 22:42

"Mozart, [für Elis. Schwarzkopf nichts weniger als ein
Gottesbeweis] so leicht für Kinder aber ungemein
schwierig für Erwachsene" (Joachim Kaiser).
Ihr Essay, liebe Frau Bergk, hat mich berührt wie lange nichts mehr (ähnlich vielleicht Maarten 't
Hart "Auf dem kürzesten Weg zum Herzen", ZEIT vom
5.1.06 und natürlich alles von Nik. Harnoncourt:
Kleinode!) Dafür liebe ich Sie - in aller Unschuld.
Noch vor wenigen Tagen habe ich mir in der ARTE-Med. ein Konzert anhören/ansehen können, in dem
die Sopranistin Sandrine Piau u.a. das 'laudate dominum' und das 'agnus dei' zu einem wahren
Klangwunder erhoben hat; man läuft Gefahr,
"süchtig" zu werden.
Interessant ist übrigens, das Mozart (ebenso Bach) seiner Musik nur eine kurze Haltbarkeit eingeräumt
hat, frei nach E. Hachfeld "nichts von Dauer, nur ein
kleiner Wochenschauer". Dank an alle verfügbaren
Götter für diesen grandiosen Irrtum.

freundliche grüße

Holger Stockinger | Mo, 31. Juli 2017 - 23:11

während Athena heilige Blitze schleuderte.

Nur Salzburg blieb außen vor, wegen Schnürlregens ...

Der Weiße Stier, der EUROPA nach KRETA schwamm, hatte sich bereits gewundert: "Wie schießt man eine halbe Mozart-Kugel?"

Peter Lyssy | Mo, 31. Juli 2017 - 23:43

Die vom Herrn Vorredner geäußerte Ansicht,es handle sich im Grunde um den Unterschied zwischen Deutschland und Österreich, trifft den Kern der Sache. Ich zitiere den Wiener Schriftsteller Karl Kraus : "Der größte Unterschied zwischen Österreichern und Deutschen ist die gemeinsame Sprache ". Im übrigen höre ich gerne gute Musik, damit ist über meine Fähigkeiten alles gesagt. Sans ma net bös, oba merkens was ? Mozart hatte die in Deutschland nicht übliche Gabe der Selbstironie und wandelte sehr österreichisch auf dem Grat zwischen Heiterkeit und Melancholie . Hören Sie sich diesbezüglich einmal die Ouverture von Don Giovanni an.Oder versuchen Sie die wörtliche Übersetzung der Arie des Figaro : Vuol ballare, signor contino ? Unser Musiklehrer im Gymnasium, selbst ein Genie, hat uns neun Jahre lang Mozart vermittelt . Ich meine schon, dass Mozart das größte Genie aller Zeiten ist, er war aber auch von unermüdlichem Fleiss und , wie man heute sagen würde, ein Profi ersten Ranges.

Gundlach Lutz | Sa, 5. August 2017 - 17:34

In reply to by Peter Lyssy

Herr Lyssy, bevor ich Ihren Beitrag gelesen habe, hatte ich gerade die Ouverture in einem Beitrag
erwähnt, mit einem selbstironischen Kommentar dazu und ich werde bald nach Österreich ziehen...
Wobei, um zu Mozart zurück zu kommen, dieser dort so seine Probleme hatte, allerdings weniger wegen seiner Selbstironie als wegen der Ernsthaftigkeit seiner Musik, vor allem später, als er weniger "galant" (man kann auch sagen leicht oder sentimental oder halt kitschig)komponierte und damit für mich einzigartig wurde.

Henning Magirius | Di, 1. August 2017 - 08:10

Lieber Herr Piosczyk, Sie haben recht: Es gibt die Moderne und es gibt zeitlose Musik. Allerdings heißt das nicht unbedingt, dass zeitgenössische Komponisten arbeitslos sein müssen: Die 12 jährige britische Musikerin Alma Deutscher komponiert zeitlos und gibt Anlass zur Hoffnung. Zu recht sagt sie: "Music should be beautiful, even in the 21st century."

Daniel Sunnus | Di, 1. August 2017 - 11:21

"Nur was schwer zugänglich und kompliziert daherkommt, ist Kunst."

Das mag möglicherweise auf zeitgenössische "E-Musik" zutreffen. Ansonsten habe ich den gegenteiligen Eindruck, vor allem von der bildenden Kunst: Das plakative, karikatureske dominiert. Anderenfalls hat es moderne Kunst schwer, auf dem Markt bemerkt zu werden, geschweige denn erfolgreich zu sein.

Nicht allein in der Musik habe (nicht nur) ich das Gefühl, dass alles Wesentliche bereits gesagt wurde. Und sich Neues bestenfalls in Variationen erschöpft.

So funktioniert zeitgenössische bildende Kunst häufig nur im Wechselspiel mit bereits Vorhandenem, durch ihre Inszenierung im architektonischen Kontext. Welches heutige Werk kann schon eine eigene Realität für sich reklamieren, so wie es Hans Werner Henze für die Musik Mozarts tut?

Ganz nebenbei haben Sie mir eine treffende, persönliche Definition für jedwede Kunst geliefert, Frau Bergk: Wahre Kunst ist und bleibt "letzte Retterin in schweren Stunden".

Renate Genth | Di, 1. August 2017 - 12:37

So ein groteskes Urteil kann nur der fällen, der gewaltsüchtig ist und musikalische Vollendung ablehnt. Ich weise dabei auf Morris Bermans These hin, daß die Kultur vor dem Kollaps ist. Stellenweise ist sie bereits kollabiert.

Peter Lyssy | Di, 1. August 2017 - 15:53

Der Spielfilm " Amadeus " von Milos Forman aus dem Jahr 1984 führt nach meiner höchst unmaßgeblichen Meinung sehr gut an die Person Mozart heran, wenngleich der Film historisch nicht immer detailgenau ist, vor allem was Mozarts Verhältnis zu Colloredo und Salieri betrifft. Eine Szene ist bei mir besonders " hängengeblieben . "Die Schwiegermutter keift buchstäblich in den höchsten Tönen auf Mozart ein. Dieser hört es sich scheinbar unbewegt an. Mit einem Male geht das Gekeife nahtlos in die Arie der Königin der Nacht aus der Zauberflöte über : Der Hölle Rache tobt in meinem Herzen !
Das Duett " Reich mir die Hand , mein Leben .." kennt wohl jeder . Man versuche einmal, den italienischen Text : "La mi dare tua mano, la mi dirai que si " wörtlich ins Deutsche zu übersetzen.

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