Europäische Finanzpolitik - Das Geschäft mit der Illusion

Zum ersten Mal hat die Europäische Zentralbank die Billionengrenze bei ihren Staatsanleihen-Käufen durchbrochen. Doch mit dem Geld wird nur Zeit erkauft. Alle Beteiligten halten lieber an einer Lüge fest, als zuzugeben, dass das System so nicht aufrechtzuerhalten ist

Blase vor dem EZB-Gebäude in Frankfurt am Main
Die Blase hält, weil alle daran glauben wollen. Der EZB-Sitz in Frankfurt am Main / picture alliance

Autoreninfo

Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums „Beyond the Obvious“. Zuvor war Stelter von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Heute berät Stelter internationale Unternehmen bei der Vorbereitung auf die Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Im September 2014 erschien seine Piketty-Kritik Die Schulden im 21. Jahrhundert. Sein aktuelles Buch heißt „Eiszeit in der Weltwirtschaft“.

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Eine Billion Euro. Für so viel Geld hat die Europäische Zentralbank (EZB) seit März 2015 Anleihen von Euroländern, Regionen und staatlichen Institutionen erworben. Zählt man Pfandbriefe und Unternehmensanleihen hinzu, ist die EZB auf dem besten Weg, demnächst die Zwei-Billionen-Grenze zu durchbrechen.

„Na und?“, kann man da nur sagen, „verglichen mit der Bank of Japan ist die EZB doch noch zurückhaltend.“ Richtig, die Japaner kaufen – wie die Schweizer übrigens – auch Aktien von Unternehmen. Soweit ist die EZB noch nicht. Aber keine Bange, in guter Tradition ist schon durchgesickert, dass uns das auch noch bevorsteht. Eine weitere Möglichkeit für Spekulanten und Banken, einen Zusatzgewinn einzufahren. Gerade letztere können ihn bekanntlich gut gebrauchen.

Mit Geld wird bloß Zeit erkauft

Beim normalen Bürger kommt von dem Geldsegen herzlich wenig an. Während Vermögenspreise wie Immobilien in Deutschland immer mehr anziehen und die Debatte zur Ungleichheit weltweit befeuern, tun die Notenbanker alles Erdenkliche, um die Finanzmärkte zu stärken. Angeblich geht es darum, die Realwirtschaft zu beleben und so die Folgen der Finanzkrise endlich zu überwinden. In Wirklichkeit wissen die Notenbanker der Welt, dass sie mit ihren Mitteln am Ende sind. Käufe von Aktien und schließlich die direkte Finanzierung von Staatsausgaben mit dem sogenannten „Helikopter-Geld“ sind noch in Planung, und das war es dann. Nur viel Geld hilft nicht in einer Welt, die an faulen Schulden, Fehlinvestitionen und Überkapazitäten leidet.

Viel Geld kauft aber Zeit und erlaubt es uns allen, die Realität zu leugnen. Wir können weiter annehmen, die wirtschaftliche Lage wäre doch nicht so schlecht. Wir können weiter hoffen, unsere Ersparnisse und Vermögen wären sicher. Die Negativzinsen knabbern ja nur ein wenig an unserem Geld und sind – so die Hoffnung – bald Geschichte.

Wie im Märchen vom nackten Kaiser

Wie im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern wollen wir alle fest daran glauben, dass der Kaiser angezogen ist. Im Märchen gelingt es den Betrügern, dem Kaiser einzureden, seine Kleider seien wunderschön und könnten nur von Personen gesehen werden, die ihres Amts würdig und nicht dumm seien. Da niemand als unwürdig und dumm erscheinen will, machen alle mit in dem Spiel. Der Kaiser läuft nackt durch die Stadt und alle bewundern sein schönes Gewand.

Auch heute sind nur jene ihres Amtes würdig, die die Illusion einer erfolgreichen Eurorettung und eines gesunden Bankensystems aufrechterhalten. Im Unterschied zum Märchen sind die Folgen der Wahrheit auch weitaus unangenehmer. Wir müssten uns eingestehen, dass nicht nur die Banken viel Geld verloren haben, sondern vor allem wir alle einer enormen Vermögensillusion unterliegen. Unsere Forderungen (Lebensversicherungen, Wertpapiere, Pensionsansprüche) sind nicht so werthaltig, wie angenommen, und die Vermögenspreise nur Dank der Schulden auf dem heutigen, hohen Niveau.

Wie im Märchen sind wir alle aus verschiedenen Gründen sehr daran interessiert, dass die Illusion weiter besteht:

  • Sparer und Vermögensbesitzer wollen keine Verluste realisieren.

  • Banken wollen weiter existieren.

  • Politiker wollen weiterhin mit Schulden – von den Banken bereitwillig angeboten – über konjunkturelle Probleme hinwegtäuschen und unbequeme und unpopuläre Entscheidungen vermeiden.

  • Mit Blick auf die Eurozone wollen Brüsseler Bürokraten und europäische Politiker weiterhin so tun, als ließe sich eine Währungsunion völlig unterschiedlicher Länder alleine mit politischem Willen gegen alle Grundregeln der Ökonomie erhalten.

  • Die Notenbanker genießen ihre Rolle als Retter der Welt, was da auch komme.

Der reiche Onkel Europas?

Dumm ist nur, wenn das gemeinsame Ziel der (Selbst-)Illusionierung zu unterschiedlichen Prioritäten führt. Konkret ist das in der italienischen Bankenkrise der Fall. Der italienische Premier Renzi möchte die Illusion der Sparer aufrechterhalten, dass die Bankpapiere, die sie gekauft haben, sicher sind. Zu groß ist die berechtigte Angst vor der Rache des Wählers und den Folgen einer aus dem Ruder laufenden Bankenkrise im Land.

Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte derweil die Illusion aufrechterhalten, die Politik der Eurorettung sei ein Erfolg und auf den deutschen Steuerzahler kämen keine weiteren Lasten zu. Dabei hilft ihr das fehlende ökonomische Verständnis und Interesse des Durchschnittsdeutschen, der mehr auf die positiven Schlagzeilen achtet als auf Fakten. Obwohl das Vermögen der deutschen Privathaushalte deutlich unter dem Niveau der anderen Euroländer liegt, denken die Deutschen noch immer, sie wären der reiche Onkel Europas. So verdrängen wir auch gerne, dass die tiefen Zinsen nichts anderes sind als eine Subventionierung für unsere Schuldner. Der ehemalige Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, beziffert den Schaden bis jetzt schon auf mehr als 300 Milliarden Euro.

Die EZB als Illusionskünstlerin

Schön für die EZB, dass sie angesichts des Konfliktes weiter in ihrer Rolle als Retterin des Euro und Meisterin der magischen Illusion bestärkt wird. Denn darauf läuft es letztlich hinaus. Die Illusion, die wir alle so sehr genießen, lässt sich nur durchhalten, wenn die Banken und ihre Gläubiger gerettet und zugleich der deutsche Steuerzahler nicht belastet wird. Dies wird nur gehen, wenn die EZB – wie auch immer verschleiert und versteckt – den Banken und dem Staat hilft.

So gab es auch keine Proteste, als die irische Notenbank dem Staat im Jahre 2013 mit frisch gedruckten Euros Staatspapiere im Volumen von rund 20 Prozent des BIP abgekauft hat. Obwohl es nicht anderes war als direkte direkte Staatsfinanzierung durch die Notenbank. Der EZB Rat hat dieses Handeln damals nur „zur Kenntnis“ genommen. Wenig verwunderlich, war es doch ein Grund, weshalb Irland heute von der Politik als gelungenes Beispiel der Sanierung innerhalb des Euro dient.

Und wo waren die Proteste, als die griechische Notenbank im Zuge der Krise Anfang 2015 mit umfangreichen Notkrediten an die lokalen Banken die massive Kapitalflucht finanzierte, ebenfalls mit expliziter Duldung aus Frankfurt? Auch damals wurden Milliarden an neuen Euro geschaffen, ohne dass diesen die entscheidende Grundlage gegenüberstand: werthaltige Sicherheiten.

Das Spiel funktioniert

Das Spiel funktioniert offensichtlich. Wir wollen daran glauben, dass unsere Vermögen sicher sind. Wir wollen daran glauben, dass unsere Schuldner immer bezahlen. Wir wollen daran glauben, dass Hyperinflationen wie in der Weimarer Republik und Depressionen wie in den 1930er Jahren heute nicht mehr passieren können.

In der Tat haben die Notenbanken seit 2009 eine neue große Depression verhindert. In der Tat ist von Inflation weit und breit nichts zu sehen. Und dies, obwohl die Bilanzsummen der Notenbanken förmlich explodiert sind. Also ist es doch richtig, diese Geldpolitik zu betreiben, mangelt es doch nur an der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, so die Befürworter.

Zombiebanken stützen Zombieunternehmen

Es kann also noch eine Weile dauern, bis jemand laut und deutlich ruft, „Der Kaiser ist nackt!“, wie das Kind im Märchen. Die Schulden von Staaten und Privatleuten wachsen weiter an, die Illusionsmaschinerie funktioniert. Jedoch untergräbt sie zugleich den eigenen Erfolg. Je höher die Schulden und je tiefer die Zinsen, desto deutlicher die schlechten Nebenwirkungen. Die Realwirtschaft muss letztlich den Schuldendienst erbringen und leidet immer mehr unter der Last der Schulden.

Überdeutlich wird, dass Schulden eben nichts anderes sind als vorweggenommener Konsum. Und diese Nachfrage fehlt heute. Hinzu kommt, dass die tiefen Zinsen die überfällige Bereinigung der Überkapazitäten und Fehlinvestitionen verhindern. Zombiebanken stützen Zombieunternehmen, die zwar eigentlich nicht wettbewerbs- und damit lebensfähig sind, jedoch nicht Pleite gehen dürfen, weil sie die Gläubiger mit in die Tiefe zögen. Neue Schulden werden nicht gemacht, um zu investieren, sondern um eigene Aktien zurückzukaufen oder Wettbewerber zu übernehmen. Dies alles untergräbt die Wachstumskräfte einer Wirtschaft weiter.

Und machen so immer mehr Eingriffe der Illusionisten erforderlich. Irgendwann wird die Illusion scheitern. Offen ist nur noch wie. Entweder durch einen Vertrauensverlust in die Fähigkeit der Notenbanken oder aber durch einen Vertrauensverlust in das Geld. Die Folge wäre ein Crash oder eine massive Inflation. So oder so: Unser Erwachen aus der Illusion wird schmerzhaft und teuer.

Arndt Reichstätter | Di, 6. September 2016 - 16:18

Ich bedauere, dass Herr Stelter bei einem solch guten Artikel nicht noch Lösungen anbietet.

Diese können sein:

- Goldstandard, um Geldschöpfung aus dem Nichts künftig zu verhindern, zumindest zu erschweren

- Trennbankensystem, um Sparkonten nicht druch das Spekulationsgeschäft zu beeinträchtigen

- Geldwettbewerb, um private Währungen (z.B. rohstoffgedeckte) mit dem EURO konkurrieren zu lassen, der sich schon halten wird, wenn er so toll ist

Lutz Hofmann | Do, 20. Oktober 2016 - 07:58

In reply to by Arndt Reichstätter

Gegen die Gelschöpfung aus dem Nichts hilft auch die Finanztransaktionssteuer. Sie sollte direkt an die EZB abgeführt werden um erst gar keine Begehrlichkeiten nationaler Parlamente aufkommen zu lassen. 2013 sollte sie EU weit eingeführt werden. Nichts ist passiert. Ja die Steuer wird noch nicht einmal ernsthaft debattiert. Diese Steuer gehört auch in die TTIP und CETA Verhandlungen. Die Lobby von Rothschild und Co. Hat dies erfolgreich verhindert.

Harald Wieser | Di, 6. September 2016 - 17:31

Bei diesen Nachrichten kann man ja davon ausgehen, dass der Crash mit Sicherheit morgen früh um 9.00 Uhr stattfinden wird. Ich werde sofort um Mitgliedschaft im lokalen Prepers-Verband nachsuchen.

Aber die Zukunft kann auch Herr Stelter nicht voraussagen und alles kann noch ganz anders werden, als er denkt.

hermann klein | Di, 6. September 2016 - 17:53

Die Finanz-Blase platzt. Sie muss platzen. Vor nicht zu langer Zeit wurde der Euro Rettungsschirm von 500 Milliarden auf eine Billion aufgepumpt und durch den sagenhaften Hebel sogar auf 4 bis 5 Billionen möglichmachen würde. Was Solls: Wir schaffen das, genau wie die Willkommenskultur.
Baron Münchhausen würden vor Neid erblassen was Merkel uns alles vorgaukelt.
Bemerkenswert ist der Fatalismus, die Geduld, mit der die Deutschen auf all das reagieren. Massenproteste und Schlangen vor Banken sind nicht in Sicht. Obwohl die Bundesregierung der Nation solche schon lange jede Vorstellungskraft und alle historischen Vergleiche sprengenden wahnwitzigen Verpflichtungen für Generationen aufhalst, herrscht gespenstische Ruhe.
Das Leben geht weiter, fast ist es, als sei mittlerweile die Schwelle überschritten, hinter der noch irgendjemand durch irgendeine Summe zu erschüttern sei.
Die AfD kommt anscheinend zur rechten Zeit.

sondern eine tief verankerte Obrigkeitshörigkeit, gefördert durch staatlichen Rundfunk und allerhand Medien. Geschichtsvergessenheit (Wie viele Geldentwertung gab es in D. nochmal im 20. JH? Wie hoch ist der REALE Kaufkraftverlust seit der Euro-Einführung?), Gleichgültigkeit gegenüber offensichtlichen Vorboten des Crashs (Null- und Negativ-Zinsen) und nicht vorhandenes ökonomisches Grundwissen vervollständigen die Ursachen, warum die zukünftig Geprellten auf dem Sofa verharren.

Christoph Kuhlmann | Di, 6. September 2016 - 18:02

Ein Ende der permanenten Ausweitung der Geldmenge durch die Notenbanken und höhere Zinsen. Die Folgen wären geringere Nachfrage, steigende Arbeitslosigkeit und zunehmende politische Instabilität. Sinkende Aktienkurse und Rohstoffpreise, sowie ein Immobiliencrash. Es gäbe sicher noch andere spekulativ überhitzte Märkte. In den USA versucht die FED gerade die Rolle Rückwärts. Sie kommt sie bei den Leitzinsen wegen des schwachen Wachstums kaum voran. Japan und China entwickeln gerade, auf dem Wege des Geldmengenwachstums, neue Formen des Staatskapitalismus. Verglichen mit Asien und der Dollarzone steht Euroland gar nicht so schlecht da, gerät aber zunehmend in Abhängigkeit expansiver Finanzpolitik. Die Antwort auf die Frage, warum die Inflation nicht längst die Rohstoff-, Güter- und Dienstleistungsmärkte erfasst hat, bleibt Herr Stelter uns allerdings schuldig. Vielleicht steht der Nachfrageausfall überschuldeter Markteilnehmer im Gleichgewicht zu den Stimuli des Geldmengenwachstums?

Dimtri Gales | Di, 6. September 2016 - 22:50

Es geht schlicht um Systemerhalt, ein System, von dem viele Individuen und Interessengruppen profitieren. Das Interesse der Bürger spielt dabei keine Rolle. Das System muss überleben; "whatever it will take" sagte Draghi bezüglich der Eurorettung. Das gilt auch für das ganze System. Politiker werden eingespannt, für dessen Erhalt einzutreten und den Menschen eine "alternativlose" Politik zu suggerieren. Aber die Realität ist immer stärker, sie siegt schliesslich immer.

Frank Goller | Mi, 7. September 2016 - 09:11

Um in der Märchensprache zu bleiben. "Sie tragen den Krug gerade die letzten male zum Brunnen, bevor er bricht". Mich erstaunt nur immer was wir alles mit uns machen lassen, mich natürlich eingeschlossen. Nach dem Euro tippe ich auf den Globo als neue Währung. Jeder kriegt dann einen Zwanziger - hatten wir schon mal ;-)

Gerd Senders | Mi, 7. September 2016 - 09:35

Man darf nicht darüber nachdenken. Aktuell liegen die deutschen Gesamtschulden bei ca. 5 Billionen, dazu kommen die Verpflichtungen bzw. Haftung aus den EZB Rettungsschirmen, Verpflichtungen aus Pensionsansprüchen der Beamten zähle ich nicht dazu wegen meines hohen Blutdrucks. Welche Leiche noch im Keller liegen weiß der Himmel. Und unsere Politclowns reden von der schwarzen Null..................

Martin Wienand | Mi, 7. September 2016 - 23:40

In reply to by Gerd Senders

Heute die Rede von Frau Merkel im Bundestag. An Banalität angesichts wirklich drückender Themen kaum noch zu überbieten. Das Handelsblatt brachte daraufhin eine große Titelstory: "Die kühle Kämpferin". Ich war fassungslos. Schätzen die uns alle für so strunzdumm ein? Vielleicht sind wir es.

Wundere mich schon seit einer Weile, dass die Jugend nicht auf die Straße geht. Tatsächlich glaube ich, die sind völlig eingelullt und kapieren gar nichts. In England war z. B. am Tag nach dem Brexit der meistgegoogelte Begriff: "What is the EU?".

Und hat hier der Durchschnittsbürger ein Gefühl dafür, was eine Billion Euro sind? Nein, selbst gestandene Leute kaum.

Kann es sein, dass zig Milliarden Euro mehr oder weniger für die führenden Politiker gar keine große Rolle mehr spielen? Dass das Kalkül lautet: "Da kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an. Der große Crash kommt sowieso". Der Verdacht drängt sich auf. Sieht ein bisschen nach Endspiel aus.

Robert Flag | Do, 8. September 2016 - 15:50

In reply to by Gerd Senders

Arme Enkel. Ja, Sie sagen es !
Die Generation Doof läuft allerdings Smartphone swooshend durch die Gegend und über rote Ampeln. Und meckern dann noch über die dank active city stop kreischend bremsende Autofahrer. Gegen völlige Verblödung ist, so scheints, einfach kein Kraut gewachsen. Arme Enkel. Armes Deutschland. Gute Nacht !

Herbert Trundelberg | Mi, 7. September 2016 - 09:40

kein Problem. Die Herrschaften werden das Bargeld abschaffen und wir bezahlen halt mit Plastik und jedes Plastikgeschäft kostet Plastikgeld. So werden Banken saniert und weitere Milliardäre geschaffen. Der Michel/line merkt nichts von den Nullen die immer mehr vor dem Komma stehen und gut ist. Aber wie gesagt ein totes Pferd (sprich €uro) sollte man nicht versuchen weiter am laufen halten und saufen will es auch nicht mehr. Alles Wasser, sprich EZB Billionen, werden nicht helfen.

Robert Müller | Mi, 7. September 2016 - 09:57

Die EZB erzeugt keine Illusion, sondern das hat konkrete wichtige Folgen. Kürzlich las ich, Schäuble hätte durch diese EZB-Politik 120 Mrd Euro gespart. Natürlich gilt das auch für alle anderen europäischen Staaten (und darüber hinaus). Dann sind da noch die hoch verschuldeten Bürger und Unternehmen, die genauso profitiert haben. Die EZB-Politik ist konkret eine Umverteilung von den Sparern zu den Schuldnern. Der Anstieg der Vermögenspreise (Aktien, Immobilien, Kunst, ...) ist ein Kollateralschaden, der der EZB sicher Sorgen macht, aber für sie hinnehmbar ist. Interessant finde ich, dass das Geld, dass die vorherigen Wertpapierbesitzer durch den Verkauf an die EZB eingenommen haben, nicht zu 100% woanders investiert wurde, sondern jetzt zum Teil für negative Zinsen bei der EZB liegt. Offenbar ist das besser als es schlecht zu investieren, z.B. könnte man jedem start-up 1 Mrd in die Hand drücken oder Apple einen weiteren Kredit über 100 Mrd Euro geben. Im Sinne der EZB wäre das super.

bruno leutze | Mo, 12. September 2016 - 16:53

In reply to by Robert Müller

habe Ihren Kommentar zustimmend gelesen, denn er ist der erste und einzige bislang, der sich auf Steltner's Generalaussage bezieht. Dieser Artikel ist mal wieder typisch für einen Makroökonom, der wie die Filosofen zu allem Falsches zu erklären weiß.
Schulden sind "vorweggenommener Konsum"?
Was für ein Schmarren dieser Spruch darstellt. Das sollte Steltner mal erklären, u. zwar nicht makroökonomisch sondern realwirtschaftlich.
Weiter mit Hr. Steltner: Schulden für Investitionen werden (vom produktiven Kapital?!)nicht gemacht (stimmt!) sondern für Rückkauf von FirmenAktien (was AG tatsächlich tun, aber mittels ihres G' , das sie nicht investieren wollen, also gerade keine Schulden für Aktienrückkauf machen); oder es werden Kredite bei Banken für niedrigen Zins aufgenommen um in bsw. Aktien oder Immobilien anzulegen - was doch eine Investition darstellt. So weit zum Ökonom.
Das Ganze ist ein riesiges Entschuldungsprogramm für Staaten und kranke Banken, da haben sie Recht!!!

Georg Dallmann | Mi, 7. September 2016 - 10:22

Alle wissen was gespielt wird, keiner wird und will es gewesen sein, schlussendlich. Fakt ist jedoch - und allein darauf kommt es an - das am Horizont aufziehende absolute, glabale Finanzdesaster ist unausweichlich und wird zu einem unvorstellbaren Horrorszenario führen, welches sich die allermeisten Menschen nicht mal in ihren kühnsten Alpträumen auch nur ansatzweise vorzustellen vermögen.
Alle Volkswirtschaften werden zusammenbrechen wie Kartenhäuser in einem Hurrikan. Not und Elend wird die Folge sein. Bürgerkrieg, Plünderungen & Anarchie. Zustände wie sie nicht einmal Hollywood erfinden könnte.
All das steht uns bevor, weil die sog. "politische Elite", ebenso wie die - sog. "Wirtschafts- und Finanzelite" nicht zugeben wollen, dass das System das sie "gebastelt" haben auf Treibsand gebaut wurde, und seit geraumer Zeit im selbigen zu versinken droht und über kurz oder mittellang auch versinken wird.
Es ist wie bei jeder SEIFENBLASE auch: Die "Schönheit" wird sich in LUFT auflösen.

Kat Teker | Mi, 7. September 2016 - 11:14

Außer ein paar vereinzelten Gestalten, die man im Alltag dann gern als Schwarzseher oder als Angstmacher abtut, scheint sich aber seltsamerweise niemand so wirklich dafür zu interessieren.

Vermutlich weil die unvermeidlichen Folgen einem wirklich große Angst machen könnten? Gerade die Exportnation Deutschland wird es ja leider besonders hart treffen, man schaue sich nur das Dilemma der TARGET2-Salden an... Aber was rede ich da, Deutschland ist ein reiches Land, die Renten sind sicher und wir schaffen das!

Horst Lied | Mi, 7. September 2016 - 12:45

Die Bilderberger werden es schon richten. Nach dem Super- Gau geht's mit gleichem System unter neuer Währung in der EU weiter. Die richtigen Leute wissen bescheid und haben sich schon gerettet. Zahlen werden die fleissigen Bürger eines kleines aber reiches Landes.

Diana Weisheit | Mi, 7. September 2016 - 13:51

Lieber Herr Stelter,

ein großes Lob an Sie. Wieder einmal ein treffender, offener und hervorragender Artikel.
Vielleicht der beste von allen bisher hier veröffentlichten, gerade wegen der Bezugnahme auf das Märchen von Andersen. Die Bilder von Märchen sagen wie alle Bilder eben mehr als tausend Worte. Unter anderem aus diesem Grund bin ich Märchenautorin geworden. Und auch wenn ich neue Märchen für eine neue Welt schreibe, so weiß ich, dass die berühmten klassischen Märchen doch immer noch genauso aktuell sind wie bei ihrer Entstehung.
Teil 2 folgt

Diana Weisheit | Mi, 7. September 2016 - 13:52

Fortsetzung
Nur eines: Das Märchen endet damit, dass der Kaiser die Wahrheit zwar erkennt, dann aber weitermacht wie gehabt, und seine Lakaien gleich mit. Es scheint, als würde die Wahrheit gleich wieder zugedeckt werden und verschwinden, aber genau das glaube ich nicht. Andersen konnte aus politischen Gründen einfach nicht weiterschreiben, und so überließ er es dem Leser, weiterzudenken.

Wahrheit, die einmal ans Licht gekommen ist, verschwindet nämlich nicht einfach wieder. Das Vertrauen des Volkes in den König ist dahin, und zwar für alle Zeiten. Und je nachdem, welche andere Faktoren noch hinzukommen, so ist genau dieses Zeichen von dummer Überheblichkeit, wie sie der König bewiesen hat, der Stoff, aus dem grundsätzliche Veränderungen gewebt werden - und zwar nicht aus blinder Wut, sondern nüchtern und nachhaltig.

Ursula Schneider | Mi, 7. September 2016 - 15:02

Leider wird sie so ungehört verpuffen wie alle warnenden Stimmen - und deren gab es seit Jahren ja genug. Stattdessen werden Verträge gebrochen, Schulden angehäuft, Reformen verpasst ... Und wir haften für alles (es sind inzwischen Billionen!) und bezahlen dank Target unsere Exporte in die Südländer praktisch selbst.

Schon bei Draghis Drohung "Whatever it takes" - Was immer es kostet - musste es einem kalt über den Rücken laufen.

Die "Kinder" der AfD waren die Einzigen in der Parteienlandschaft, die beizeiten riefen: "Der Kaiser ist nackt!" Doch bei den Hofschranzen gelten sie noch immer als "Schmuddelkinder", sind eines Amtes nicht würdig und dumm.
Also geht das Euro-Märchen weiter ...

Jürgen Placzek | Mi, 7. September 2016 - 16:15

Wo nimmt die EZB die Geldmittel für die Aufkäufe
her?Aus dem nichts gezaubert,oder Tag und Nacht gedruckt?Werden die Anleihen in einer Bad Bank gelagert und dereinst verbrannt?
Merkwürdig....

... ist zu viel gesagt, es wird getippt. Das Geld entsteht aus dem Nichts. Ist grundsätzlich auch nicht zu beanstanden, nur übernehmen die Zentralbanken seit einiger Zeit faktisch die Staatshaushalte und die "Wirtschaft" damit sich das Rad weiterdreht. Es gibt zu wenige Verschuldenswillige (Wachstum), also macht das die Zentralbank.

Karola Schramm | Mi, 7. September 2016 - 22:37

Ein bisschen schwierig und verwirrend, denn Schulden so las ich bei Flassbeck, sind ansich nichts Schlechtes, wenn man mit dem Geld investiert um Geld zu schaffen, durch Herstellung von Gütern die gekauft werden.

Die Investoren sind reich - sie investieren aber nicht. Sie zocken an den Börsen um noch mehr Geld zu bekommen. Investieren in Firmen wollen sie nicht. Krach mit den Arbeitern die mehr Geld wollen, keine Lust. Die Wirschaft verdient besser, wenn sie zockt.

So schreibt der Autor auch: "Schulden sind vorweggenommer Konsum. Diese Nachfrage fehlt heute.
Viele Menschen bekommen kein Geld mehr von den Banken, und die, die es Haufenweise bekommen, inverstieren nicht. Der Geldkreislauf stockt. Verdienen, verbrauchen, konsumieren, investieren , dann hätten alle was davon. Doch wo kein Geld bei der Mehrheit der Bevölkerung ist, kann nichts gekauft werden.
Therapie: Regulierung der Banken und starke Gehalts-und Rentenerhöhungen.

hans jürgen laumann | Do, 8. September 2016 - 23:04

Es immer zu wiederholen verändert die Zustände
nicht. Weder Herr Stelter noch die "schreibende
Leserschaft" zeigen Wege auf, eine Veränderung herbei zu führen. Die "Weisen" halten sich
auffallend zurück.........
Warten wir es einfach ab!

Sophie Middel | Mi, 14. September 2016 - 15:18

Eine Möglichkeit wäre die These von Prof. Franz Hörmann, Wirtschaftsuniversität Wien: Titel: "Das Betrugsmodell unseres Finanzsystems und der Ausweg". Es wäre der Schritt in die richtige Richtung...

restluft | Di, 4. Oktober 2016 - 17:19

Die Industreigesellschaften sitzen in der Wachstumsfalle. Es wird grenzenlosese Wachstum verlangt (und als alternativloses Modell hingestellt) in einer Welt des grenzenlosen Konsums, mit steigenden Einkommen, Renten und und Finanz-Erträgen jegliche Art.
Man nicht Volkswirt sein, um zu erkennen, dass das nicht funktionieren kann. Aber will sich schon diese schöne Illusion zerstören? Die Politiker bestimmt nicht. Es gibt nirgends in den westlichen Demokratien eine massgebliche politische Kraft, die Alternatives zu dem Wachstumswahn zumindest formuliert. Der Mensch ist zwar - nach eigener Definition - "intelligenter" als ein Affe oder eine Hauskatze, aber er hat auch den Klimawandel zu verantworten, Völkermorde, Raubbau, Umweltzerstörung gigantischen Ausmaßes, Kriege usw. - die Liste ließe sich fortsetzen.
Wenn Intelligenz also zu all dem führt, was wir in Vergangenheit und Gegenwart betrachten können,
dann ist das wohl eine Fehlentwicklung und wird nicht bestehen. Auch eine Hoffnung.

Was wir eigentlich brauchen ist ein "Gegenmodell" zur kapitalistischen Wachstumsideologie.
Da hätte ich mir eigentlich gewünscht, daß die SPD - gemeinsam mit der Partei DIE LINKE - endlich eine Konzeption entwickelt, die "den Kapitalismus überwindet" und die Menschen - nicht nur in den westlichen Ländern - zu neuen Ufern führt.
Diese Hoffnung dürfte vergeblich sein, da ja auch die SPD als inzwischen "staatstragende Partei" von den Einflüsterungen der Machthaber des Großen Geldes abhängig ist.
Man denke nur an einen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der nichts anderes im Schilde führte als sich selbst möglichst schnell zu bereichern.
Mit einem "Beratervertrag" der niederländischen Bank ING-DIBA dürfte er sein Ziel erreicht haben.
Solche "Persönlichkeiten" schaden jedoch einer Partei wie der SPD ganz massiv; der Imageschaden dürfte beträchtlich sein.
Und DIE LINKE. Die Parteioberen halten sich zwar bedeckt, aber niemand entwickelte bisher ein antikapitalistisches Gesamtkonzept. Schade!

Axel Fachtan | Fr, 7. Oktober 2016 - 10:38

Es tritt Sättigung ein.

Die Mittelschicht hat nichts vom Pseudowachs- tum. Die Lasten steigen dort, ein Nutzen tritt nicht ein.

Wer keine eigene wirtschaftliche Gestaltungs- macht hat, wird zum Gefangenen der Oligarchie.
Die Manipulation des Geldes legt ihn in Ketten. Von (wirtschaftlicher) Freiheit kaum eine Spur.

Es ist an der Zeit, den Wachstumsschwindel durch eine Stabilitätskultur zu ersetzen. Ohne Vertei-lungsgerechtigkeit entsteht ein ausgehöhltes entkerntes Europa.

Wer die Welt den Betriebswirten überlässt, erhält eine unbewohnbare Welt. Weil alles weggespart und wegrationalisiert wird, was als kulturell entbehrlich erscheint.

Die Grenzen des Wachstums sind erreicht.
Also verschiebt sich der Reichtum/verschieben sich die Ressourcen nur noch zwischen den Beteiligten.

Wenn aber Staat und Medien "in festen Händen sind", dann wird nichts getan, um die Interessen der Mittelschicht zu fördern.

Erika Meier | Mi, 18. Januar 2017 - 15:26

Hilfe, wo sind wir hingekommen. Früher haben wir uns über die "Bananenrepubliken" echauffiert, heute sind wir selbst eine. Tolle Demokratie, die uns so belügt und uns Wünsche vorgaukelt anstatt die Realitäten zuzugeben und entsprechend zum Wohle des Volkes zu handeln. Anscheinend geht es unseren Politikern in ihrer wirklichkeitsfernen Welt so gut, dass sie keine Lust haben, ihre Arbeit zu tun, so lange wir für ihr Wohlleben sorgen. Anscheinend haben sie keinen Anlass, ihre eigentliche Arbeit zu tun. Wie traurig.

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