Killerspiele - Die Doppelmoral der Bundesregierung

Nach dem Amoklauf von München hat Innenminister de Maizière gewaltverherrlichende Spiele kritisiert. Recht hat er. Bloß sollte er seine Bedenken lieber am Kabinettstisch äußern: Die Bundesregierung fördert die Computerspielindustrie mit viel Geld

Szene aus dem sogenannten «Ego-Shooter»- Computerspiel «Battlefield 3». Das Spiel wurde angeblich bereits in der ersten Verkaufswoche zehn Millionen Mal verkauft
Szene aus dem sogenannten „Ego-Shooter“-Computerspiel „Battlefield 3“ / Electronic Arts / dpa

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Christian Füller arbeitet als Fachjournalist für Bildung und Lernen im digitalen Zeitalter. Zuletzt erschien sein Buch "Die Revolution missbraucht ihre Kinder: Sexuelle Gewalt in deutschen Protestbewegungen". Er bloggt unter pisa-versteher.com. Foto: Michael Gabel

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Die Berliner ARD-Korrespondentin Marion van Haaren fragte nach dem Amoklauf von München in der Tagesschau: „Sollte man gewaltverherrlichende Videos und Computerspiele verbieten?“ Das war forsch. Denn niemand kann diese Spiele verbieten. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) nicht, die Kanzlerin nicht, und selbst der Kaiser von China dürfte seine Mühe damit haben. Das liegt in der Natur einer Sache, die im Internet verfügbar ist.

Der Innenminister hatte die Debatte mit einem Satz über den Amokläufer und exzessiven Counter-Strike-Spieler angestoßen: „Es ist nicht zu bezweifeln – und so war es auch in diesem Fall –, dass das unerträgliche Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet auch eine schädliche Wirkung gerade auf junge Menschen hat. Das kann kein vernünftiger Mensch bestreiten.“

Der Hashtag #Killerspiele trendet

Das kann vielleicht kein vernünftiger Mensch bestreiten. Das halbe Netz aber kann das. Sofort schnellte der Hashtag #Killerspiele in den Twitter-Ranglisten auf Platz eins. Digitalchefs der Zeitungen hauten in die Tasten oder beauftragten ihre Kollegen, de Maizière zu kritisieren. Er sei wohl ein Experte für Zeitreisen, mokierte sich die Süddeutsche über den Innenminister, weil er eine Debatte aufrufe, „die seit langem als beendet galt“.

So verliefen Killerspiel-Debatten noch immer. Sobald jemand etwas gegen digitale Spiele einwandte, wurde er in den sozialen Medien sofort attackiert. Daran beteiligen sich oft auch Journalisten – auf Netzniveau: Sie machen sich lustig, sie sind zynisch, sie verhöhnen Kritiker von Ballerspielen. „Wo jetzt wieder alle drüber reden, krieg ich total Bock auf ne Runde CounterStrike/Quake III“, twitterte etwa Hannes Leitlein, ein Kollege von Christ & Welt und Zeit Online.

Erster Verbotsversuch nach Erfurt und Winnenden

Nach den Schulmassakern in Erfurt und Winnenden hatte die Bundesregierung so genannte Killerspiele verbieten wollen. 2005 stand das sogar im Koalitionsvertrag von CDU und FDP. Das Netz veräppelte die Politik regelrecht dafür. Im Bundestag trat daraufhin eine Lobby von netzaffinen Abgeordneten auf den Plan. Sie gewannen die Fraktionschefs Volker Kauder (CDU) und Birgit Homburger (FDP) für ihre Sache. Eine Vorreiterin war die Abgeordnete Dorothee Bär (CSU), selbst begeisterte Gamerin und heute Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Computerspiele seien ein Kulturgut, behauptete sie, veranstaltete eine Lan-Party mit Ballerspielen im Bundestag und half, den Deutschen Computerspielpreis aus der Taufe zu heben. Bedingung damals: Es dürfe keinen Games-Oscar für Gewaltspiele geben, sondern nur für pädagogisch und kulturell hochwertige Computerspiele.

Seitdem hat sich der Diskurs über so genannte Ballerspiele vollkommen verändert. Er ist so etwas wie ein Testfeld für die Digitalisierung der Gesellschaft geworden. Wo früher viel Ablehnung war, darf heute praktisch keine Kritik mehr geübt werden. Im Netz gibt’s für Games-Kritiker sowieso Prügel. Aber auch im Bundestag ist die Pro-Netz und Pro-Games-Lobby inzwischen extrem stark. Manche Abgeordnete geben – vertraulich – zu, dass sie es kaum wagen, Kritisches über Probleme im Netz oder etwa über Killerspiele zu sagen. Als im Bundestag jüngst ein Bericht des Technikfolgenausschusses über „digitale Medien in der Bildung“ diskutiert wurde, klammerten die Berichterstatter die Risiken kurzerhand aus. Stattdessen schlugen sie vor, Computerspiele vermehrt in Schulen einzusetzen.

Es geht um Suchtgefahr

Der Amoklauf in München hat die Killerspiel-Frage nun unversehens wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Selbst Volker Kauder (CDU), den die Gamer und Digitalisten im Bundestag schon fest auf ihrer Seite wähnten, gab wieder ganz alte Töne ab. „Auch diese Ego-Shooter-Spiele müssen einmal hinterfragt werden“, sagte Kauder der Welt, „es gibt für alles Grenzen“.

Über ein echtes Verbot von Killerspielen wird aber wohl nicht mehr gesprochen werden. Niemand will das heute noch. Wie sollte das auch gehen? Das Verbot ist nur ein von Games-Community und -Industrie aufgebauter Scheingegner, um die Debatte leichter steuern zu können.

In Wahrheit muss man natürlich über digitale Spiele und ihre Effekte sprechen – gerade in Zeiten von Pokémon Go und intelligenten Puppen, die via künstlicher Intelligenz kommunizieren und ihre Umgebung komplett aufzeichnen. Es geht aber auch um Suchtgefahr. Erst jüngst haben die führenden Uni-Kliniken mit Sucht-Ambulanzen im Bundestag berichtet, dass die Abhängigkeit von Online-Computerspielen die am meisten verbreitete unter den Internet-Süchten ist. Rund 40 Prozent der Online-Sucht-Patienten kommen aus diesem Bereich.

Bundesministerium fördert Ballerspiele

Interessant könnte es werden, wenn Thomas de Maizière einmal nicht in der Öffentlichkeit laut spräche, sondern am Kabinettstisch besser zuhörte. Dort sitzt mit Alexander Dobrindt ein Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur, der jedes Jahr Hunderttausende Euro ausgibt – um den Markt für die Computerspielindustrie auszuweiten. Eine Schlüsselrolle spielt dabei wieder Dorothee Bär, seine Staatssekretärin. In ihrer Amtszeit wurden die Kriterien für den Deutschen Computerspielpreis so definiert, wie Bär es ausdrückte, „dass man auch mal ein 18er-Spiel auszeichnen kann“. Will sagen: ein Computerspiel, das Gewaltdarstellungen beinhaltet.

Genau besehen vollführte die Staatssekretärin ein ziemlich cleveres politisches Manöver. Forderungen nach einem Verbot von Killerspielen kamen früher stets von der CSU. Ausgerechnet der CSU-Frau Bär gelang es nun, das Blut von den Brutalo-Games abzuwischen, indem sie ihnen das Label „kulturell wertvoll“ verpasste. Kaum gab es den Games-Oscar, legte Bär noch eins drauf: Plötzlich sollten auch „richtige Computerspiele“ ausgezeichnet werden – so genannte Killerspiele. Bär hat Nägel mit Köpfen gemacht. Sie schloss Verträge mit der Industrie, in denen langfristig fixiert wurde, dass die Regierung den Computerspielpreis fördert. Der Betrag steigt von Jahr zu Jahr: Waren es 2015 noch 280.000 Euro und 2016 350.000 Euro, sollen die Mittel allein im Jahr 2017 auf 450.000 Euro steigen.

Münchner Amoklauf sollte eine Debatte anregen

Dass man Ballerspiele nicht verbieten kann, ist das eine. Aber muss die Bundesregierung für das Image der boomenden deutschen Games-Industrie über die Jahre eine Million Euro ausgeben? Muss sie Ballerspiele mit Preisen belohnen? Und warum sagt de Maizière nichts dazu, dass der Bund jene Spiele fördert, die er so grässlich findet? Oder weiß der Innenminister das etwa nicht?

Staatssekretärin Bär ist längst in einem neuen Level. In ihrem jüngsten Projekt unterstützt sie die „Stiftung Digitale Spielkultur“ dabei, Computerspiele „zu entdämonisieren“ – diesmal Spiele für Drei- bis Siebenjährige. Digitale Spiele für Kinder in diesem Alter sind selbstverständlich keine Killerspiele, sondern meistens Apps, die auf dem Smartphone laufen. Experten warnen dennoch davor, Kinder bereits in diesem Alter auf die Reizschemata von Games zu konditionieren.

Es ist Zeit, über digitale Spiele einen Diskurs zu führen. Vielleicht ist also das exzessive Spielverhalten des Amokläufers aus München Anlass, eine überfällige Debatte wieder neu zu führen. Nur diesmal vernünftig.

Altina Lechmann | Mo, 25. Juli 2016 - 12:47

Der übliche "politisch-korrekte" Verschleierungskomplex. Irgendetwas muss nach einem Anschlag für einfache Gemüter immer verboten werden. Jetzt also mal wieder Computerspiele. Ist in diesem Zusammenhang eigentlich Schach auch ein "gewaltverherrlichendes" Computerspiel? Schließlich schlägt man gegnerische Bauer, Springer etc. Ich erinnere mich im Zuge der Münchner Berichterstattung an eine Zeugin im McDonalds die geschildert hat, dass der Attentäter unter Allahu Akbar Rufen vornehmlich versuchte Kinder und Jugendliche zu erschießen. Natürlich nicht in Deutschen Medien, sondern auf CNN. Die Jugendlichen Opfer haben sich schließlich auch bei den deutschen Medien als Erkenntnis durchgerungen. Und jetzt versucht man es hier über Computerspiele? Wieviel Spieler gibt es weltweit? Vielleicht hat er nur geübt, anstatt hier eine Kausalität zur Bluttat konstruieren zu wollen? Diese peinlichen stereotypen Erklärungsversuche werden langsam albern.

Obendrein sollen nun die Waffengesetze verschärft werden, das ist die gleiche Augenwischerei. Kriminelle holen sich Waffen aus der Illegalität oder sind Mitglied im Schützenverein. Die Schützenvereine kann man nicht verbieten, will man es sich nicht mit dem Wahlvolk verscherzen.

Computerspiele, auch sog. Ego-Shooter, sind vergleichsweise harmlos. Der normale Computernerd hat, wenn er zornig werden sollte, allenfalls seine Tastatur, mit der er um sich schlagen könnte.

Gewaltverherrlichung findet allabendlich im Fernsehen hauptsächlich in us-amerikanischen Blockbustern statt, wo das Killen von Gegnern oder Opfern schön inszeniert und in Grossaufnahme bebildert reue- und problemlos aufgeführt wird. Will man die denn auch verbieten? Schlüssig wäre das, wenn man der Logik unserer Politiker folgt.

#Altina Lechmann
Sie haben völlig recht, es kommen immer wieder diesselben Stereotype.

Zum Nachdenken:

Warum wird nicht darüber gesprochen, dass im öffentlichen Rundfunk massenhaft gewaltlastige Filme laufen. Die Täter haben bestimmt alle Fernsehen geschaut.

Was ist mit den brutalen Filmen im Kino. Waren die Täter denn nie dort. Auch das müsste dringend gesetzlich beschränkt werden ...

Was ist mit Gewaltinhalten im Internet ...

Unter dem Bundeszensurminister Maas könnte man noch einige Institutionen mit viel Geld fördern, welche Gewalt in Kino, Fernsehen und Internet denunzieren.

Ich weiß nicht, habe aber ein wachsendes Problem mit Gesetzen, die ins private/persönliche eingreifen.
Stalkin_,Sex in der Werbung_,"Nein heißt nein_ usw.
Was verständlich als Hilfe erscheint, bekommt als bitteren Nachgeschmak Bevormundung mit "serviert" !
Computerspiele verbieten ist weder sinnvoll noch effektiv. Frau Lechman hat trefflich und ergiebig alles gesagt.

Uwe Schelske | Mo, 25. Juli 2016 - 13:09

Das Thema Computerspiele kann man durchaus überdenken, ober sicher nicht vorrangig in diesem Zusammenhang und sicher nicht als bedeutende Ursache. Da beschleicht einem eher das Gefühl, dass man wieder und immer wieder von den tatsächlichen Ursachen und Problematiken ablenken will. Sei es aus Hiflosigkeit, sei es aufgrund unserer Moralvorstellungen etc.
Wer kann davon überzeugt sein oder werden, dass z. B. die in Würzburg, Reutlingen oder Ansbach begangenen Gewaltdelikte durch den Kosum von Computerspielen generiert wurden? Ich denke, es müssen ganz andere Ansatzpunkte durchdacht und realisiert werden. Dies ist aber offensichtlich (noch) nicht erwünscht. Nur so kann ich mir die Rethorik erklären, die bislang immer wieder geführt wird.

Arndt Reichstätter | Mo, 25. Juli 2016 - 13:24

Wir schweben in Weltkriegsgefahr, weil sich der internationale militärisch industrielle Komplex sehr aggressiv verhält und Sie reden über Einzeltäter?

Wir schweben in Weltwirtschaftskrisengefahr, welche den Wert unserer Währung wird gegen Null gehen lassen und Sie reden über eine halbe Million Subventionen?

Wir schweben in Gefahr eines gesinnungsdiktatorischen Polizeistaates mit teilweise versagender und lügender Presse und Sie reden über ein Computerspiel?

Die politische Klasse versagt völlig und sie zitieren die Idioten noch bei diesen Kleinigkeiten? Die wollen doch nur von ihrem Versagen und ihren autoritären Plänen ablenken!

Wie wäre es, wir behandeln erst die zwo, drei, vier wichtigsten Dinge und kümmern uns dann um Gamer.

Petra Wilhelmi | Mo, 25. Juli 2016 - 13:32

"... gewaltverherrlichenden Spielen im Internet auch eine schädliche Wirkung gerade auf junge Menschen hat. Das kann kein vernünftiger Mensch bestreiten.“ Da bin ich sehr gern ein unvernünftiger Mensch. Fängt die Gewalt erst bei Uzis an? Ich töte gern mit Schwertern im Computerspiel. Es macht mir Spaß und ich spiele täglich. Werde ich vielleicht in nächster Zeit mit Schwert tötend durch die Gegend rennen? Und vergessen wir nicht, auch mein Spiel spielen Millionen in aller Welt, ebenso wie Counter Strike u.ä. Spiele. Wird es dann Millionen Schwert schwingender Amoks in der Welt geben? Ironie aus. Das geht doch alles an der Wirklichkeit vorbei. Man sollte endlich das Kind beim Namen nennen. Es sind islamische Anschläge! Die IS hat eindeutig gesagt, das jeder Moslem dazu verpflichtet sei mit allem, was er so hat, Menschen zu töten. Dafür muss ich nicht mal auf eine IS-Site gehen, um das zu wissen. Verschließen wir endlich nicht mehr unsere Augen davor und erzählen keinen Müll mehr.

Folker Pappa | Mo, 25. Juli 2016 - 14:04

Zu den vermeintlichen kausalen Zusammenhängen zwischen „Killerspielen“ und Amokläufen wurde seit der Tat von Erfurt alles gesagt. Zahlreiche Studien wurden durchgeführt, und keine konnte einen validen kausalen Zusammenhang aufzeigen. Auch Sie fügen dieser abgeschlossenen Diskussion nichts Neues hinzu, sondern versperren mit Ihrem Kommentar den Blick auf die tatsächlichen Ursachen für den Münchner Amoklauf.
Ein anderer Gesichtspunkt ist die Suchtgefahr von Spielen, über die sich durchaus diskutieren ließe. Wenn es Ihnen tatsächlich darum geht, sollten Sie besser den Jahresbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung zum Anlass nehmen. Jedoch gilt auch hier: die Spiele (bzw. ihr Genuss) sind nicht die Ursache, sondern Folge und Ausdruck sozialer oder psychischer Probleme.
Mein Rat lautet also: sparen Sie sich Ihr Pulver für einen angebrachteren Zeitpunkt und für einen sachbezogenen Diskurs, statt damit jetzt die Suche nach den tatsächlichen Ursachen des Amoklaufs zu vernebeln.

Herbert Trundelberg | Mo, 25. Juli 2016 - 14:12

es wäre ja einmal von Interesse wie ein Asylbewerber in einer Flüchtlingsunterkunft an Material zur Herstellung einer Bombe kommt ohne das dies irgendeinem auffällt. Gestern Abend Ansbach. Oder helfen ihm einige der Gutmenschen bei der Beschaffung. Ich wüsste z.B. nicht wo ich so etwas her bekomme und bauen könnte ich so etwas nur nach aufwendiger Literatur. Diese Leute müssen sich doch damit beschäftigen oder kommen schon mit den Kentnissen hier her, dann sollte man sie auch nicht herein bitten wie es unsere sehr verehrte Frau Sekretärin für Agitation und Propaganda macht.

Gerdi Franke | Mo, 25. Juli 2016 - 14:32

Bitte keine Ablenkungsmanöver. Sie sind keine Ursache für Amokläufe und Terrorakte. Sie machen es vielleicht den Tätern leichter indem sie helfen, Hemmschwellen abzubauen. Aber Deutschland hat jetzt schon eine immense Belastung aus seinen Migranten. Und das wird schlimmer wenn die Million des letzten Zuzugs heimisch und aktiv wird

H. Gerd Würzberg | Mo, 25. Juli 2016 - 15:09

Warum macht sich eigentlich keiner der zahlreichen Journalisten und politischen Kommentatoren die Mühe, den Forschungsstand zum Thema Mediennutzung & Gewalt auch nur ansatzweise zur Kenntnis zu nehmen? Vielleicht, weil es keine Belege für die allseits beliebten Kausal-Unterstellunfgen gibt?

Ganz unwissenschaftlich, aber immerhin medienhistorisch interessant: Die jüngste Amok-Serie erinnert doch stark an die durch Goethes "Werther" ausgelöste Suizid-Welle unter jungen Menschen (liegt schon etwas zurück, könnte aber die Motivlage labiler Menschen mindestens so gut erfassen, wie die Egoshooter-Debatte…)

Dietrich Krauss | Mo, 25. Juli 2016 - 15:20

Was haben Schützenvereine und Gamer gemeinsam? Da werden junge Menschen grausam ermordet, sind noch nicht mal beerdigt, schon flutet man die Öffentlichkeit mit aggressiv selbstgerechten Statements. Unser Vergnügen ist heilig und unschuldig. Man ist nicht bereit mal einen Moment innezuhalten und auch nur darüber nachzudenken, ob ihr Sport und Spiel für manche Charaktere wohl nicht so harmlos bleibt wie für die Mehrheit. Dass zwei bis drei Prozent wohl krankhaft reagieren und so in eine gefährliche Persönlichkeitsdynamik geraten (Hurrlemann). Ist es das wert? Keine Gesellschaft sollte sich verbieten lassen darüber zu diskutieren, ob man das realistische Töten in Spielform als "Kultur" zulassen wil - mit dem Restrisiko, dass ein Prozent hier den Ernstfall probiert. Würde man gegenüber den Eltern der ermordeten Kinder auch so naßforsch den eigenen Spieltrieb verteidigen? Wäre man bereit auf Schießübungen zu verzichten, wenn es geholfen hätte ein Menschenleben zu retten?

Armin Latell | Mi, 27. Juli 2016 - 10:07

In reply to by Dietrich Krauss

Herr Krauss, ja, das würde ich. In dieser Theorie wird Ursache und Wirkung vertauscht und Sie können gerne auf solche Spiele verzichten, das stört mich keinesfalls. Man kann dann auch noch gewaltverherrlichende Tatort, Cobra 11 und sonstige Fernsehserien und Actionfilme verbieten. Da fällt Leuten wie Ihnen bestimmt noch vieles "Sinnvolles" ein. Aber vielleicht verzichten Sie ja zunächst einmal generell auf das Autofahren oder mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen, wenn es hilft, auch nur einen einzigen Verkehrstoten zu vermeiden. Das wäre doch auch mal eine Maßnahme, mit der Sie die Welt retten können.

Walter Wust | Mo, 25. Juli 2016 - 16:10

Unsere Politelite sieht in den Gewaltakten im In- und Ausland Computerspiele als Ursache. Auch die Märchen der Gebrüder Grimm, Anderson oder Hauff strotzen nur so vor Gewalt und stehen trotzdem auf keinem Index. In der Bibel wird gemordet und gekreuzigt auf Teufel komm raus, dennoch empfiehlt unsere Pfarrerstochter in Staatsdiensten deren Lektüre zur Entspannung und Erbauung.

Armin Latell | Mo, 25. Juli 2016 - 16:46

Nachdem bei illegalen Autorennen in verschiedenen Großstätten auch schon oft genug unschuldige Passanten überfahren und dadurch zu Tode gekommen sind, sollte doch bitte auch einmal ermittelt werden, ob die Todesfahrer nicht zur Vorbereitung und Motivation z.Bsp. Need For Speed oder ähnliche Rennspiele gespielt haben, um die dann im normalen Stadt und Straßenverkehr umzusetzen. Danach sollten sich Friedensidealisten wie Herr Füller doch mal fragen, ob solche menschenverachtende (Renn)Spiele nicht auch verboten werden sollten. Das würde dann wohl nach seiner Lesart auch die vielen, der Raserei geschuldeten Verkehrstoten verhindern. Hier hat sich nach m. M. wieder einmal ein weltfremder Theoretiker geäußert. Für mich wird hier ganz klar Ursache und Wirkung vertauscht.

Nicolas Wolf | Mo, 25. Juli 2016 - 17:42

Die Förderung gehört abgeschafft, aber nicht wegen der Gewaltverherrlichung sondern weil es nichts bringt. Zeigt sich gut an der deutschen Film und Fernsehförderung, kommt nur Schrott bei raus und kein True Detectives. Gute deutsche Spiele gibt es auch ohne Förderung, siehe Anno Reihe (fast gewaltfrei).
Zum Verbot von Ballerspielen. Die Grenzen abriegeln schafft unsere Politik nicht und die glauben sie können Spiele verbieten, die ich mir im Internet legal kaufen kann? Haben die schon mal was von den Problemen der Spielindustrie mit Raubkopien gehört? Was soll das bringen? Bekommen würde ich die Spiele so oder so.

Jörn Suika | Mo, 25. Juli 2016 - 17:50

Sehr geehrte Damen und Herren,

in ihrem Abschnitt "Erster Verbotsversuch nach Erfurt und Winnenden" scheint aber einiges an Fakten durcheinander geworfen worden zu sein:

2005 ist der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD geschlossen worden. Wobei sie in so weit recht haben, dass in dem Koalitionsvertrag ein Killierspiel-Verbot erwogen wurde. Aber dann prüfen sie bitte noch mal ihre Fakten, welche Fraktionsvorsitzenden welcher Regierungsparteien überzeugt werden mussten.

Zudem war der 2005er Koalitionsvertrag sicher keine Reaktion auf den Ammoklauf in Winnenden - der hat sich nämlich erst 2009 ereignet.

Vielleicht schreiben sie den Absatz einfach mal neu???

Hans-Otto Hinrichs | Mo, 25. Juli 2016 - 19:00

Alle 5 Sekunden verhungert ein Kind.
Pro Tag!! sterben in Deutschland über 100 Menschen an multiresisten Keimen. Diese Zahl könnte deutlich verringert werden, wenn die privatisierten Krankenhäuser keine Gewinnmaximierung betreiben würden. Warum legt man für diese Toten täglich keine Schweigeminute ein? Tote durch Amokläufe kann man nicht verhindern. Verhungernde Kinder und die Toten in den Krankenhäusern lassen sich aber vermeiden, aber daran haben wir uns gewöhnt, läßt sich medial aber nicht so gut verkaufen. Warum regen wir uns nur über ein paar Hundert Tote durch Terror und Amok auf und nicht über die Millionen verhungernde Kinder und die vermeidbaren jährlich ca 40.000 Toten auf, um in den privaten Krankenhäusern eine höhere Rendite zu erzielen.
Was sind wir doch alle für Scheinheilige.

Die skandalösen Auswirkungen der gewollten und forcierten Privatisierung unseres Gesundheitswesens müssten ununterbrochen abendfüllend Thema in den Medien sein. Ab und zu kommt mal eine Reportage im Spartensender. Die Meldungen zur "Hauptsendezeit" werden gerne als Einzelfälle heruntergespielt. Währenddessen sterben unsere Verwandten, Freunde und Nachbarn oder werden zu Krüppeln operiert, und das gegen besseres Wissen. Leisten Ärzte eigentlich noch den Hippokratischen Eid?

hermann klein | Mo, 25. Juli 2016 - 19:02

„Mit unseren Gedanken sind wir bei den Angehörigen“ so hören wir jedes Mal die abgedroschene Floskel nach den grausamen Hinrichtungen unschuldiger Menschen aus dem Munde unserer scheinheiligen Politik-Fürsten im staatlich verlängerten Willkommens-TV.
Für die Angehörige wäre es wünschenswerter gewesen, man hätte sich in den vergangen Jahren ernsthafte Gedanken über die Absehbaren Folgen des Multi-Kulti-Integrations- Wahnsinns gemacht. Die Opfer wären heute noch unter uns weilen.
Nichts ist derzeit Gegenwärtiger als Friedrich Schillers Wallenstein: „Das ist eben der Fluch der bösen Tat, das sie fortzeugend immer Böses muss gebären“ - Merkels Requiem: weiter so, wir schaffen das…

Manuel Gerdes | Mo, 25. Juli 2016 - 23:11

Was sind denn nun genau "Killerspiele"? Und was Ballerspiele? Worum genau geht es? Zielsetzung? Kontext? Waffen? Waffenzahl? Waffenart?

Es gibt da übrigens eine BPjS, deren Haltung man sich zwecks Erkenntnisgewinn eventuell mal ansehen könnte. Diese Leute setzen sich nämlich mit der Materie auseinander und scheinen in den letzten Jahren viel gelernt zu haben.

Für mich ist das Thema jetzt eine Nebelkerze. Irgendetwas muss der gemeine Politiker ja fordern,wenn es eigentlich noch zu früh für irgendwelche Schlüsse ist.

Christoph Kuhlmann | Di, 26. Juli 2016 - 00:08

Ich schätze jedoch, dass die meisten Bundesbürger auch den münchner Amoklauf, wobei eine einjährige Vorbereitungsphase eher auf eine kaltblütig ausgeführte Tat schließen lässt, unter dem Aspekt Terror durch Einwanderung betrachten und den Täter nicht als Opfer einer gewissenlosen, gewaltverherrlichenden Spieleindustrie sehen.

Ullrich Ramps | Di, 26. Juli 2016 - 10:20

Jemand, der real gewaltbereit ist, mag auch solche Spiele spielen.
Der Umkehrschluss aber ist Quark - wer sich in solchen Spielen abreagiert, wird im Regelfalle dennoch völlig normal sein.
Schon unsere Altvorderen haben in der Frühzeit des Fernsehens Western geschaut und sich als Kinder dann gegenseitig mit Holzrevolvern abgeballert.

Schon Michael Moore hat "belegt", dass die Bluttat von Columbine ja offensichtlich mit dem gewaltverherrlichenden Bowling korreliert. Mit welcher Brutalität da die Kugel die Kegel niederwirft ...

Johannes Guth | Di, 26. Juli 2016 - 11:06

... die schädliche Wirkung von gewaltverherrlichenden Computerspielen. Und glauben Sie mir, ich bin ein sehr vernünftiger Mensch.

Werner Klemperer | Di, 26. Juli 2016 - 11:59

Was ich nicht verbieten kann, kann ich vielleicht besteuern.
Zigaretten & Alkohol sollten teuer gemacht werden, um den Konsum zu reduzieren. Das funktioniert wohl auch ziemlich gut. Nur wer raucht & trinkt jetzt immer noch ... die Gutverdiener oder die Gefährdeten ?
Ja, richtig, sooo unnütz ist diese Diskussion.

Dimitri Gales | Di, 26. Juli 2016 - 15:01

Solche gewaltverherrlichenden Spiele wird es geben, solange damit Geld verdient wird, Lobbyisten bezahlt werden und es Kunden gibt, die kaufen.
Die Gefahr besteht darin, dass gerade junge Menschen, die bereits zu Aggressionsäusserungen neigen oder Zerstörungstendenzen haben, solche Spiele besonders mögen. Ein normaler, intelligenter Mensch wird daran wohl keinen Gefallen finden, mangels Affinität.

Ach, Herr Gales. Mit der Aussage, dass psychisch labile und gewaltaffine Jugendliche sich besonders zu Medien (übrigens ganz egal, ob Spiele, Filme oder Literatur) hingezogen fühlen, in denen erzählerisch Gewalt ausgeübt wird, und dass dann eine Gefahr besteht, dass sie sich weiter da hineinsteigern, da stimme ich mit Ihnen noch überein.

Dass hingegen nur dumme, gewalttätige Menschen solche Spiele spielen, stimmt einfach nicht. Sie werden das nun vielleicht für eine Ausnahme halten, aber ich habe während meines mittlerweile erfolgreich abgeschlossenen Studiums so viele andere Studenten kennengelernt, die "Ballerspiele" spielten. In meinem Freundeskreis gibt es ebenso genug von ihnen, alles vernünftige, friedvolle Menschen. Ich selbst bin bekennende Pazifistin, übrigens auch Vegetarierin, und spiele "Ballerspiele" seit meiner Jugend - heute bin ich 30 Jahre alt. Glauben Sie mir: Der normale Spieler ohne psychischen Knacks spielt diese Spiele nicht, um sich an Gewalt zu erfreuen.

Markus Nuber | Di, 26. Juli 2016 - 19:50

Hat der Autor eigentlich auch etwas gegen die Förderung von Filmen mit gewalttätigem Inhalt? Schreiben Sie ähnliches bei den nächsten Tarantino-Filmen, die durch die deutsche Filmförderung unterstützt werden und bekanntlich mit Gewaltdarstellungen nicht geizen? Das ist Doppelmoral Herr Füller.

Karolin Heindl | Fr, 29. Juli 2016 - 22:29

Wenn die oeffentlich rechtlichen Sender und die Regierung ueber Killerspiele reden ist das reine Scheinheiligkeit. Die grosse Mehrheit der Filme die die offentlich rechtlichen Fersehanstalten dem Zuschauer anbieten sind Mord und Totschlagsfilme. Was macht es mit Menschen wenn sie taeglich mit solchen Gewaltfilmem bombadiert werden? Ja es darf auch solche Filme geben aber insgesammt sind es zu viele. Das Angebot der Filme die keine Krimis sind ist allerdings auch nicht gut, denn diese Filme haben zumeist irgend eine Social engineering Agenda.

Erik Schaffner | Mi, 3. August 2016 - 15:44

...daher reagieren die "Gamer" auch entsprechend im Netz. Was sind, wie hier schon gefragt, eigentlich die Kriterien für diese Benennung? Bringt es mich oder andere um, wenn ich es spiele? Werde ich dazu ausgebildet eine Waffe in der Realität so zu bedienen, dass ich gezielt mehrere Menschen töten kann? Verrät es mir wie und wo ich mir illegal Waffen und Bombenmaterial beschaffen kann? Hat das Spielen von gewaltverherrlichenden Computerspielen im Großteil der Freizeit Auswirkungen auf einen Menschen? Nur die letzte Frage ist diskussionswürdig und da schließe ich mich den Kommentaren hier an, die auf entsprechende Untersuchungen hinweisen. Wirklich gewaltverherrlichende Computerspiele sind nur ein Bruchteil der großen Bandbreite dieses Mediums und in Deutschland ohnehin reglementiert bis hin zum Verbot. Bei einem Ballerspielen gegen andere Spieler wie Counter Strike geht es darum besser zu sein als die Anderen, nicht um Gewaltdarstellung. Eltern schaut doch mal was eure Kinder spielen!

Peter Weiss | Fr, 12. August 2016 - 12:18

Und Super Mario lehrt mich, Klemptner zu werden? Ich bin Mitte 40, spiele schon "mein ganzes Leben lang" FPS Games und habe bisher noch keine Lust auf Töten bekommen. Was stimmt nicht mit mir?

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