Nach der Bundestagswahl - Niemand übernimmt Verantwortung

Kisslers Konter: Die größten Niederlagen in der Bundestagswahl fuhren die Volksparteien ein. Doch anstatt innezuhalten und zu analysieren, was schief gelaufen ist, machen sie weiter wie zuvor. Um das Prinzip Verantwortung steht es schlecht – nicht nur in der Politik

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) stehen am 22.09.2017 auf dem Marienplatz in München (Bayern) bei einer Wahlkampfveranstaltung der CSU/CDU auf der Bühne.
Das parteiübergreifende Wiegenlied lautet: Mund abputzen, Krönchen richten, weitermachen, immer weiter, nie zurück / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Kissler ist Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam“ und „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“.

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Diese Bundestagswahl war ein Scherbengericht für CDU, CSU und SPD. Zu Bruch ging, was Volkspartei war und so immer noch heißt. Doch statt sich die Überreste anzuschauen und aus deren Unvollkommenheiten zu lernen, werden die Scherben unter den Teppich der Normalität gekehrt. Ganz rasch, ganz professionell geht das. Wo eben noch eine Wahlschlappe war, ist ein Postenbesetzungsverfahren im Gang. Selbstkritik kleidet sich in Selbstgerechtigkeit oder Wählerbeschimpfung, zur Wahlanalyse laden die Gremien in ihren nächsten Sitzungen, irgendwann zwischen Volkstrauertag und Silvester, hinter verschlossenen Türen. Das parteiübergreifende Wiegenlied lautet: Mund abputzen, Krönchen richten, weitermachen, immer weiter, nie zurück.

Vom Sankt Martin zum Zwerg Nase

Angela Merkel, die als CDU-Vorsitzende ein Debakel zu verantworten hat, macht ein Gesicht zwischen Majestätsbeleidigung und Republikflucht, ehe sie sich doch, in maximaler Schmallippigkeit, zur Formulierung herablässt: „Ich übernehme die Verantwortung, in Gottes Namen“ – wenn's denn unbedingt sein muss, heißt das, und ihr diesen abgelutschten Satz unbedingt hören wollt.  So spitzt die Prinzessin auf der Erbse den Mund, wenn man sie fragt, wie sie geschlafen habe. Martin Schulz, der als SPD-Vorsitzender ein historisch schlechtes SPD-Ergebnis zu verantworten hat, ist noch immer berauscht von seinem Wahlkampf und von sich und übersieht vor lauter Kraftmeierei, wie sehr er gescheitert ist. Aus Sankt Martin wurde Zwerg Nase. Horst Seehofer, der als CSU-Vorsitzender einen beispiellosen Absturz seiner Partei zu verantworten hat, mag keine Notwendigkeit zu umgehender personeller oder inhaltlicher Veränderung erkennen. Alles könne bleiben, wie es ist: „Ich habe jetzt keinen Grund, eine Neuorientierung vorzunehmen.“  

Auf der Strecke bleibt bei den Spitzenpolitikern Merkel, Schulz und Seehofer jenes Prinzip, das menschliches Handeln erst vernünftig macht, berechenbar und nachhaltig: das Prinzip Verantwortung. Merkel flüchtet in die Routine, Seehofer in die Drohgebärde, die SPD wird ordinär. Schulz reagiert wie ein Rummelboxer nach dem Knockout um Mitternacht: „Klar haben wir eins auf die Schnauze bekommen. Aber wir können Niederlagen einstecken. Die Sozialdemokratie ackert und kämpft.“ Die neue Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles kündigt stilkompatibel an, CDU und CSU bekämen nun ordentlich „in die Fresse“.  SPD-Urgestein Johannes Kahrs beschimpft AfD-Parlamentarier als „rechtsradikale Arschlöcher“. 

Verantwortung ist „die Vorbedingung der Moral“

Es steht nicht gut um die Verantwortung als Praxis und Prinzip. Milliarden Euro Steuergelder werden verbuddelt für einen Hauptstadtflughafen, der offensichtlich nie eröffnet werden kann? Kein Ministerpräsident, kein Minister, kein Bürgermeister, kein Aufsichtsrat übernimmt für dieses Versagen Verantwortung. Es sei halt alles hochkomplex – und, muss man hinzufügen, anderer Leute Geld. Die Fahndung nach einem islamistischen Massenmörder läuft völlig schief? Niemand übernimmt Verantwortung nach dem Attentat vom Breitscheidplatz. Und auch im Kleinen: das Geschäft floppt, die Karriere stockt, der Partner bockt? Das muss an den Umständen liegen, an der Gesellschaft, vielleicht an den Genen. Fast niemand ist bereit, die Verantwortung für sein Tun und Lassen zu tragen.

Insofern nährt derselbe brackige Humus die politische Elite und das gesellschaftliche Bodenpersonal. Ihnen allen, uns allen schrieb der Philosoph Hans Jonas mit seinem Hauptwerk „Das Prinzip Verantwortung“ ins Stammbuch: Verantwortung ist „die Vorbedingung der Moral“. Ein „angerichteter Schaden muss gutgemacht werden, auch wenn die Ursache keine Übeltat war, auch wenn die Folge weder vorausgesehen noch beabsichtigt war.“ Damit wir überhaupt moralisch handeln können, müssen wir uns verantwortlich zeigen. Gerade „der Politiker, der nach der Macht strebt,“ müsse seine Macht für diese Menschen einsetzen, über die er Macht hat. Der gute, der verantwortliche Politiker wisse, dass er drei Instanzen verpflichtet ist: den Ahnen vor ihm, den Zeitgenossen um ihn, den Zukünftigen nach ihm. Wer von diesem Bewusstsein durchdrungen ist, der kann nach keinem Wahldebakel, keiner Baukatastrophe, keinem Ermittlungsskandal seine Hände in Unschuld waschen. Wenn niemand verantwortlich ist, wird alles egal.

Bernd Eifländer | Do, 28. September 2017 - 16:01

Ein Beitrag den man ohne Bauchschmerzen und Würgen im Hals lesen kann ! Gibt es nicht mehr so oft.

Dr. Florian Bode | Do, 28. September 2017 - 16:19

Das ist doch der Sinn der ganzen Massnahmen von Qualitätsmanagement bis Beauftragtenunwesen: Die Verantwortung nach unten delegieren. Macht und Geld bleiben aber oben. Am Wahldebakel der CDU war nicht Merkel schuld, nein die Plakate waren schief geklebt. Aber nach der Wahl ist vor der Wahl und solange sich die CDU so präsentiert, wird anders gewählt.

Svenja Gerwing | Fr, 29. September 2017 - 13:45

In reply to by Dr. Florian Bode

Verantwortungstransformation durch eine "ganze Reihe von Hausaufgaben".
In Hildesheim sprach die Kanzlerin zu ihrem Verlierer-Verein aka CDU:
"Kinder, für Geschichte lest ihr euch mal was über 'politische Verantwortung', 'persönliche Konsequenzen' und 'Berufsethos' durch!"

Dr. Georg Steger | Do, 28. September 2017 - 16:21

Die CDU hat über die letzten beiden Jahre hinweg etliche Wahlen gewaltig verloren und ist heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. In früheren Zeiten war das Grund für Rücktritte - wo bleiben diese heute?
Bedingungslose Alphatiere wie Frau Merkel und die sie umgebenden Lakaien haben es geschafft, Ihre gesamte Partei in Geiselhaft zu nehmen und die Nachfolgefrage erst gar nicht hochkommen zu lassen, hat sie doch ihre Macht so ausgebaut, dass sie offensichtlich für ihre Partei wirklich alternativlos geworden ist.
Herr Seehofer hat durch seine lächerliche Wankelpolitik zu Lasten seiner eigenen und der Glaubwürdigkeit seiner Partei Ähnliches geschafft.

Beiden fehlt die entsprechende Anständigkeit zur Verantwortungsübernahme, die aber vermutlich auch nicht vonnöten ist, da sich beide zu 100% auf ihre rückgratlosen Parteimitglieder verlassen können (s. Klatschminuten auf den Parteitagen für jeden beliebigen Unsinn).

Gerdi Franke | Do, 28. September 2017 - 16:23

und niemand will es zur Kenntnis nehmen. Und erst recht will niemand Verantwortung übernehmen. Seehofer kommt da am besten weg. Denn seine Verluste sind Merkel zuzuschreiben. Wer CSU gewählt hat hat automatisch Merkel gewählt. Das war klar. Und deswegen hat auch die CSU bei dieser Wahl Stimmen verloren. Denn Merkel hat immer bekundet Seehofers Obergrenze sei für sie indiskutabel!

Ich hätte die CSU gewählt,wenn... Ja, wenn ich damit nicht automatisch Frau Merkel gewählt hätte. Seehofers Niederlage ist eigentlich Merkels Werk.

Rolf Pohl | Fr, 29. September 2017 - 16:22

In reply to by Gottfried Meier

Hätt ich auch lieber Herr Meier. Wenn, der Horstl Seehofer, incl. CSU, während des Wahlkampfes nicht sozusagen, zum Bettvorleger der Kanzlerin geworden wär.

"Seehofers Niederlage ist eigentlich Merkels Werk."
Na, na, Merkels Pistole am Kopf Seehofers war nirgends zu sehn, oder? Immerhin haben Seehofer und CSU eigene Köpfe zum Denken wenn sie die denn benutzen wollten. Können hätten sie`s tun.
Also, nur selbst vergeigt und nun stecken wir erstmal fest.

Es gibt auch Menschen (ich zum Beispiel), die das anders sehen. Da es in Bayern keine CDU gibt, könnte doch auch Seehofer dafür abgestraft worden sein, dass er der Kanzlerin ständig in die Parade fährt bis hin zur groben Unhöflichkeit.
Diejenigen, die das und seine Ideen mittragen, hätten doch vermutlich eher ihn erstarken lassen können, damit er in Berlin auftrumpfen kann. Im übrigen ist die Union bei den Wahlen selten über ca.35 % gekommen, auch dies muss berücksichtigt werden.

Genauso ist es. Alle anderen Probleme hatten wir vorher auch schon.
Einzig und allein die übergestülpte Flüchtlingspolitik hat zum großen Frust in Teilen der Bevölkerung geführt, welche auch direkt mit den Folgen konfrontiert war, und die Bewegung in die Parteienlandschaft gebracht. Nach wie vor bleibt uns die etablierte Politik die Antwort auf die Frage schuldig, was dieses Land mit 2 Millionen bildungsferner und kultureigener Übersiedler anstellen soll- und vor allem, warum uns das noch zynisch als "Bereicherung" verkauft werden sollte.

Sehe ich nicht so. Viele Bayern haben Seehofer schlicht nicht mehr abgenommen, daß er irgendetwas ernst meint. Auch der Begriff "Obergrenze" ist Seehofersche Symbolpolitik par excellence: 1. Wenn man den Zuzug begrenzen will, bedarf es klarer restriktiver Einwanderungsregeln statt der Definition einer starren numerischen Grenze. 2. Das fast größere Problem sind die sog. "Duldungen". Und dies seit Jahrzehnten, nicht erst seit dem schwarzen September 2015. Faktisch wird so gut wie kein Immigrant wieder abgeschoben. Verantwortungslose Richter, " Einzelfallprüfungen" und eine gewaltige, teils gewaltbereite, mulitikulturell beseelte Lobby von Politikern und Medien verhindern dies. Wann hat Seehofer, außer mit symbolischer "Obergrenzen"-Rhetorik hier je Druck gemacht? Konkrete Gesetzesvorlagen eingebracht? Wäre er wirklich von Sorge um unser kulturell verfallendes Land getrieben, hätte er die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU aufgekündigt. Seehofer fehlen hierzu definitiv Mut und Einsicht.

das finde ich auch, nur bisher hat es kein Politiker zugegeben. Der Gipfel des Zynismus schlägt uns dann noch im Moma am Folgetag durch Dunja Hajali entgegen, die in der Analyse mit Prof Korte schlussfolgert, wenn knapp 13% gegen die Flüchtlingspolitik gestimmt haben, dann wohl 87% dafür gestimmt hätten. Das finde ich unerträglich.

Rolf Pohl | Fr, 29. September 2017 - 16:29

In reply to by Dietmar Deibele

Und, auch ich würd Ihnen sogar zustimmen lieber Dietmar.
Aber,
rechnerisch gibts doch an Frau Hajalis Erkenntnis nichts auszusetzen, sie ist so wie sie ist und, korrekt.
Also, bitte nicht den/die Überbringer von Nachrichten schelten. Richten Sie doch ihre Schelte/Kritik an den/die Verursacher der Nachricht.

lieber Herr Pohl, die knapp 13% waren doch für die AfD. Daraus kann man doch nicht schlussfolgern, dass 87% gegen die AfD waren, die waren für die eine oder andere Partei. Die Umfragen zur Flüchtlingspolitik hatten doch ganz andere Prozentzahlen. Ich weiß es nicht mehr genau, aber so ungefähr 69% waren dagegen. Die haben natürlich nicht alle die AfD gewählt.

dass Frau Hajali alle, die nicht für die AfD gestimmt haben, als Menschen wertet, die explizit gegen sie gestimmt haben. Frau Hajali vereinnahmt damit alle, denen die AfD Themen weniger relevant erschienen und AfD Sympathisanten, die aus taktischen Gründen - etwa weil sie ihre Stimme einer potentiellen Regierungs- und keiner Opositionspartei geben wollten - für sich.

Bernd Fischer | Fr, 29. September 2017 - 19:17

In reply to by Dietmar Deibele

ist eine Gesinnungsjournalistin gefördert durch unser Geld.

Zum Teil kann ich einige ( aber wenige ) Politiker verstehen die ( der Kreis ist aber sehr eng gefasst ) sich darüber beschweren das die Berichterstattung des "Deutschen Fernsehfunk der DDR" die "unflätige" Debatte über die AfD befeuert hat.

Aber auf der anderen Seite ist die Kritik von einigen Politikern sehr , wenn nicht so gar , "scheinheilig" .

Wo bleibt oder blieb die Kontrolle der politischen Rundfunkräte?

Ist schon klar, man hat es geduldet in der Hoffnung es hilft mir auch, aber nun nach der Wahl kommt das "verlogene" Aufwachen.

Heinrich Kehmeier | Do, 28. September 2017 - 16:24

Hans Jonas hat seinen Entwurf seinerzeit gegen die utopische Idee von Ernst Block gestellt, der das Prinzip Hoffnung als ein dynamisches Prinzip der gesellschaftlichen Entwicklung zu erkennen meinte, um am Schluss in einem Land zu sein, wo noch niemand war. Das goldene Zeitalter zeugt such aber immer mehr als ein schwarzes.
Ich fürchte zumindest zwei Parteien der angedachten Jamaikakoalition greifen in die Blochsche Mottenkiste und arbeiten damit, wie die abgewählt Koalition (was nicht heißt, dass die Jamaikakoalition gewählt ist) gegen die Erfahrung der Wirklichkeit, die der Wähler zum Maßstab nimmt.
Das Ergebnis hat der Autor an zahlreichen Beispielen dargestellt. "Was kann ich dafür, wenn die von mir umgesetzte Idee anders wird?"
Manche sagen dann Tschüss, manche werden noch umjubelt, wenn sie rund 9 Prozent verlieren. Zurück bleibt der Wähler. Zunächst rat- und sprachlos, dann radikaler denkend und wählend. Kein gutes Zeichen. Wer stoppt diesen Irrsinn?

Christa Maria Wallau | Do, 28. September 2017 - 16:33

Ja, was erwarten Sie denn von den heute in Deutschland aktiven Politikern, lieber Herr Kissler?
Sie sind mir vielleicht einer...
Es ist doch wirklich zu viel verlangt, daß Merkel und ihre großkalitionären Mitfunktionäre
g e r a d e s t e h e n (= die Verantwortung übernehmen) für die schädlichen Folgen ihres Handels, von denen jetzt gerade die katastrophalen Wahlergebnisse Zeugnis ablegen.

Bloß keine eigenen Fehler zugeben und zurücktreten! Man findet genug Schuldige
(= Verantwortliche) anderswo, z.B. beim politischen Gegner, vor allem bei der fürchterlichen AfD mit ihrem grausigen Populismus.

Eine Frau wie Angela Merkel, die vom Unterschied
zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik offenbar nie etwas gehört hat (wie dies auch bei den allermeisten Koryphäen in den anderen Parteien der Fall ist), die wird sich
immer mit ihrem besten Willen, Wissen u. Gewissen herausreden u. rechtfertigen.
S i e hat's doch s o gut vorgehabt; wenn es nicht klappt, dann liegt es am Volk!

Reinhard Oldemeier | Do, 28. September 2017 - 19:13

In reply to by Christa Maria Wallau

Die AFD sollte nicht so herablassend tun, weil ihre Partei ein Sammelbecken für die Unzufriedenheit der Menschen darstellt. Denn wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen,
Ehrlich sind diese Herrschaften auch nicht. Man tritt mit kruden Ideen an und tüncht diese mit Selbstmitleid und Schuldzuweisungen an. Nun ist an der Zeit und den angeblichen Vorschusslorbeeren zu liefern. Die Zeit wird es weisen.
Was alle Parteien eint, ist dass sie die Bodenhaftung verloren haben und in einer selbst gebauten Blase leben. Die Verstärker sind dabei oft auch die Medien, wie Facebook oder Twitter, die nur einseitig Meinungen wieder spiegeln. Dazu kam in den letzten Jahren auch ein regelrechter Merkel-Kult, der einigen Journalisten die Sinne vernebelte, um die Wirklichkeit nicht zu sehen.
Man sollte wieder zur Selbstreflektion zurück finden. Dies gilt für auch für die Bürger. Wie der Artikel schon richtig erkannt hat.

"Die AfD sollte nicht so herablassend tun..."

Bitte, Herr Oldemeier, w e n sprechen Sie damit an? Mich etwa?
Wenn ja, dann hier meine Antwort:
1. Ich bin nicht "die AfD", sondern nur einfaches Mitglied dieser Partei.
2. Ich werde diese Partei so lange unterstützen, bis sie ihren wichtigsten
Zweck, nämlich die Korrektur des in gefährlicher Schieflage befindlichen
politischen Systems in D, erfüllt hat.
3. Ich sitze in keinem Glashaus, sondern beobachte u. registriere auch die Fehler der
Protagonisten in der AfD sehr genau. Bereits jetzt erkenne ich, daß der AfD große
Gefahren drohen durch menschliche Unzulänglichkeiten bzw.
gravierende Charakterfehler von Funktionsträgern. Allerdings haben diese
sich - mangels Mandat - bisher ja nicht zum Schaden der Bürger ausgewirkt.
4. Ich werde die Partei s o f o r t verlassen, wenn sich undemokratische und
menschenverachtende (z. B. rechtsradikale) Tendenzen darin zeigen sollten.

Jürgen Althoff | Sa, 30. September 2017 - 12:33

In reply to by Christa Maria Wallau

Liebe Frau Wallau, ich sehe mich in der gleichen Position.
Was die Beurteilung so mancher AfD-Funktionsträger betrifft, so sollten wir berücksichtigen, dass die Parteigründung gerade mal gut 4 Jahre her ist. Bei der Gründungsversammlung hatten unter etwa 100 Teilnehmern ein bis zwei Dutzend als Initiatoren klarere Vorstellungen, die Mehrheit bestand aus Interessierten, Postenjägern, gescheiterten Existenzen, Intriganten etc. In dieser Gemengelage mussten aus einem Kreis weitgehend Unbekannter satzungsgemäß Funktionsträger gewählt werden.Die resultierenden offenkundigen Fehlgriffe mussten dann schrittweise, teilweise öffentlichkeitswirksam, korrigiert werden, teilweise (Pretzell) leider zu spät.. Insofern ist die AfD heute weiter als seinerzeit die Grünen, denen die Zeit gegeben war, vor ihrem Bundestagseintritt etliche Gründungsmitglieder auszuschwitzen, man denke z.B. an Baldur Springmann oder Petra Kelly etc. Weitere Überraschungen werden nicht ausbleiben, aber die Richtung stimmt.

Ralf Altmeister | Fr, 29. September 2017 - 12:55

In reply to by Christa Maria Wallau

Was von Herrn Kissler leider nicht thematisiert wurde ist die Vermutung, daß es unabhängig vom eigenen Versagen, eine Motivation der Parteivorsitzenden von CDU und SPD gab und gibt, der AfD ja nicht den Triumph des Rücktrittes zu gönnen.
Am deutlichsten zeigte dies Herr Schulz, der in der Bedeutungsüberhöhung der Oppositionsführerschaft die Regierung aufkündigte um diese ja nicht der AfD zu überlassen.
Überhaupt wird jetzt deutlich, daß die etablierten Parteien lieber viel Energie in die Bekämpfung der AfD stecken wollen, als sich um die Probleme zu kümmern, die zu dem Wahlergebnis geführt haben. Das kann nur im Desaster enden.

Franz Platz | Do, 28. September 2017 - 16:36

"Ab morgen bekommen sie in die Fresse!" Ist das die Sprache der Verantwortung? Man kann sich nur schämen für dieses Vokabular. Ist das etwas ganz anderes als Gaulands "Wir werden sie jagen" ?

Es ist für jedermann klar, dass diese Bemerkung als Scherz gedacht war. Das schließt nicht aus, dass einige heuchlerische Saubermänner sich daran hochziehen. Die Bemerkung von Herrn Pofalla gegen Herrn Bosbach war eine persönlich Beleidigung über die sich kein CDU-Christ so richtig aufgeregt hat. Heuchelt weiter Ihr Christen.

Heidemarie Heim | Fr, 29. September 2017 - 11:25

In reply to by Fritz Doppler

Geehrter Herr Doppler! Ich verorte die Heuchelei im Zusammenhang solch scherzhafter Aussagen bei all jenen Politikern und Medienvertretern, die seit Sonntag in jedes Mikrophon und jede Kamera in moralinsaurem Ton die Tatsache beklagen,daß sich durch Einzug der AfD ein Redeniveau einschleichen wird,der eines Parlamentes unwürdig ist! Davon abgesehen handelt sich bei diesen spassigen Verbalangriffen immerhin um von uns gewählte Vertreter. Und die Wähler der lt.Herr Kahrs "rechten Arschlöcher" im Parlament,angeführt von einer der Satire geschuldeten Na..schlampe mit amtlicher Bestätigung sind bestimmt heute noch amüsiert. Diese Verbalkasper haben nicht nur nicht alle den Schuss gehört,sondern merken noch nicht mal wenn sie sich selbst in`s Knie
(keine Angst vorm F-Wort liebe Redaktion!) schiessen. Schönen Tag allen! MfG

Juliana Keppelen | Fr, 29. September 2017 - 11:38

In reply to by Fritz Doppler

sehe ich genau so. Offenbar haben selbst die CDUler die Frau Nahles kennen sich nicht aufgeregt aber die höchste moralische Instanz unseres Landes aus dem Springer Haus ist im höchsten Maße echauffiert. Und ein CDUler aus dem Kanzleramt wird für den selben Ausspruch mit einem gut dotierten Posten bei der Bahn belohnt. Nur zum Verständnis es war dumm so einen Ausspruch zu machen das ist für diverse Medien ein gefundenes Fressen (huch schon wieder dieses unmoralische Unwort). Aber man sollte die Kirche im Dorf lassen. Viel schlimmer finde ich die Aussagen von Frau Kanzlerin "sie wüsste jetzt nicht wo sie was anderes machen soll".

Linda Berckhemer | So, 1. Oktober 2017 - 13:59

In reply to by Juliana Keppelen

Ich auch, denn "Frau Kanzlerin " weiß nicht nur jetzt nicht, wo sie was anders machen sollte, sondern auch gestern, morgen und überhaupt nicht, wo sie etwas anders machen sollte. Sie sagte ja auch: Ich würde es wieder so machen....
Ich könnte jetzt auch sagen ich kann ihre "Schmallippigkeit" nicht mehr sehen.
Und um mit Urban Priols Worten zu sagen - ich kann den ganzen Hosenanzug nicht mehr sehen....
Ansonsten Dank für Ihren Kommentar.

Dr. Roland Mock | Fr, 29. September 2017 - 14:01

In reply to by Fritz Doppler

Zu dem hier mehrfach erwähnten sozialdemokratischen Politiker Kahrs; aufrechter Kämpfer gegen "rechte Arschlöcher": Kahrs wurde 1992 überführt, die Hamburger Juso-Vorständlerin Silke Dose mit nächtlichen Telefonanrufen gestalkt zu haben. Seine Masche: minutenlanges Schweigen und dann Aussprüche wie "Ich krieg dich du Schlampe". Gerichtlich protokolliert. Durch Zahlung von DM 800,- Geldbuße erreichte er vor Gericht einen Vergleich. Politische Konsequenzen- trotz öffentlicher Rücktrittsforderung 50 bekannter Sozis: keine. Was sagt es über den Charakter eines Menschen aus, der sich solcher Methoden bedient? Und was über eine Partei, die einen solchen Menschen Karriere machen läßt?

Das ist etwas ganz anderes.
Die Frau hat eben ein SPD-Parteibuch und Gauland ist AfD.

Wie kommen Sie darauf, dass man beide nach gleichen ethischen Maßstäben messen sollte?

Gesinnungsethik eben. à la SPD.

Michaela Diederichs | Do, 28. September 2017 - 16:44

Verantwortung ist "die Vorbedingung der Moral". Das lasse ich mir auf der Zunge zergehen. Verantwortungslose, moralisierende, mitunter pöbelnde, gewählte Vertreter des Volkes, die mit dem Finger auf ihr teils aufmüpfiges Volk zeigen und es als Pack oder ähnliches beschimpfen, weil es sich gegen Verantwortungslosigkeit auflehnt. Ich möchte nicht respektlos sein, aber unter Führungskräften verstehe ich etwas anderes. Und Vorbilder sehen anders aus.

Achim Scharelmann | Do, 28. September 2017 - 16:50

Sie werden unter Merkel und Seehofer immer kleiner und versuchen nun mit Hilfe anderer, noch kleinerer Parteien an der Regierung zu bleiben. Dieser fast hilflose und unbedachte Zug wird sie direkt zum Schachmatt führen und spätesten dann werden sie erkennen, das sie wesentliches falsch gemacht haben.

Heidemarie Heim | Do, 28. September 2017 - 17:15

Vielen herzlichen Dank Herr Kissler! Wie eigentlich immer, (schon fast unheimlich:-)!,schaffen Sie es
auch meine Gedanken und Beobachtungen mit
Eloquenz und Humor zu Blatte zu bringen wie selten."Zwischen Majestätsbeleidigung und Republikflucht" haben Sie mir bis zwischen "Volkstrauertag und der Eröffnung des BER an Silvester 2050" so ich es erlebe,mal wieder den Glauben gerettet.Ach wenn`s nicht so traurig wär....! MfG

Hans Jürgen Wienroth | Do, 28. September 2017 - 17:25

Alle Achtung für diese Zielgenaue Analyse.
Leider fing das Elend bereits vor der Wahl an, als fast alle Parteien das Thema „Investition in Bildung“ ganz hoch hielten. Bildung ist heute zur sozialistischen Gleichmacherei verkommen, zum Abitur für alle. Dabei können keine Forscher mit breitem Wissensspektrum herauskommen. Das Schulsystem, das Top Wissenschaftler hervorbrachte, wurde der Modernisierung geopfert. Bewährtes gilt heute als Rückschritt. Eine Partei bestimmt, wohin sich die politische Mitte der Gesellschaft bewegt hat. Dabei bleibt konservative Politik auf der Strecke.
Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen ist ebenfalls konservativ und wurde gleich mit entsorgt. Das gilt auch für das Prüfen der möglichen Alternativen. Viel einfacher ist das spontane Handeln, das als „alternativlos“ aufgrund eines (tatsächlich vorhandenen?) Zeitdrucks dargestellt wird. Dann sind Abstimmungen überflüssig.

Hans Herzberger | Do, 28. September 2017 - 17:28

Herr Kissler Sie sprechen mir aus dem Herzen. Danke für Ihren Artikel und ihre weitsichtige Analyse. Senden Sie diesen Artikel bitte an ALLE obengen. Personen. Mein Fazit für die Wahl in 2021 - Wenn kein Umdenken und keine Aufarbeitung erfolgt, haben wir mehr als nur eine rechtsradikale Partei im Bundestag und alle selbstgefälligen Vereine wie CDU, CSU, SPD usw. werden von der Bildfläche verschwinden. Der Bürger und Wähler wird ihnen allen den Garaus machen.

Bernd Reinhardt | Mo, 2. Oktober 2017 - 15:15

In reply to by Hans Herzberger

werden die selbstgefälligen Altparteien verschwinden. Sie werden ersetzt durch extreme und extremste Parteien. Damit meine ich rechte, linke aber auch moslemische Parteien.

Dr. Lothar Sukstorf | Do, 28. September 2017 - 17:31

Bedeutet Demokratie nicht auch, daß die Wähler verantwortlich sind für den Zustand ihrer Verfasstheit? Seit Fr. Merkels Amtsantritt leiden wir jedoch unter einer deformierten Demokratie, die ja idealtypisch voraussetzt, daß sich jeder "Bürger" verantwortlich fühlt, macht und danach handelt. Das ist die theoretische Maxime eines vernunftbewährten demokratischen Menschen. Soweit das Ideal, das Modell - daran haben jedoch weder Fr. Merkel noch ihre CDU großes Interesse. Repräsentative Demokratie bedeutet jedenfalls nicht, die Wähler "einzulullen", ihnen ein X für ein U zu verkaufen. Doch genau das macht Merkel seit 2005. Und dabei ist sie noch rechthaberisch, uneinsichtig und feige. Sie hat unser Gemeinwesen nur treuhänderisch und auf Zeit überantwortet bekommen. Und dann grinsen einen von "saublöden" Wahlplakaten Merkels tiefer und tiefer werdende Lefzen an. Man verlangt von der Politik Beispiel zu sein - bitteschön, sollen die doch erstmal alle privat Asylanten aufnehmen...

Manfred Gimmler | Fr, 29. September 2017 - 02:02

In reply to by Dr. Lothar Sukstorf

Seit Jahren leben die Deutschen von der Substanz, wird alles auf Kante genäht und Probleme mit Tricks und Geld in die Zukunft verschoben. Dieser Irrfahrt der Kanzlerin schaut ein Großteil der Bürger nahezu apathisch zu, wohl in der (unbegründeten) Hoffnung, daß sie es richten möge.
Die Probleme sind jedoch bekannt und bereits vielfach diskutiert worden. Keiner möge daher sagen, er hätte nichts gewußt. Somit trägt letztlich der „Souverän“ die Verantwortung für das Regierungshandeln einer ahnungslosen, selbstgefälligen und bockigen Amtsinhaberin.

das Problem liegt nicht am Bürger selbst. Es ist das System, das sich die Parteien geschaffen haben. Und das völlig legal. Der Souverän hat nichts zu sagen, er ist nur Zuschauer. Er darf alle 4 Jahre einmal Kreuzchen machen und den Rest der Zeit den Mund halten. Demonstrieren? Demonstrationen sind den Linken vorbehalten, die werden sogar noch dafür bezahlt, vom Staat. Sie haben mitbekommen, was man mit der AfD aufgeführt hat. Immerhin eine demokratisch legitimierte Partei. Haben Sie gelesen, was man alles vor hat um die AfD im BT von Gremien und Ausschüssen fernzuhalten. Notfalls ändert man die Satzungen. Herr Lammert läßt grüßen.

Machen Sie sich bitte mal die Mühe und lesen Sie die Ausführungen des Verfassungsrechtlers H.H. von Arnim. Dann werden Sie mir recht geben, wenn ich sage, unsere Demokratie ist keine Demokratie, es ist eine Parteiendiktatur. Ein Zustand, den nur die Parteien ändern könnten. Die das natürlich nicht wollen.

Lieber Herr Gimmler,
Ja, die Probleme sind bekannt und fast nur im CICERO diskutiert worden. Aber im Bundestag hat man sie verschwiegen, wo sie hingehören.

Dr. Lothar Sukstorf | Do, 28. September 2017 - 17:40

Wenn es hier bei uns wo etwas wie den Pulitzer-Preis gäbe, hätte ihn H. Kissler verdient. Seine Artikel sind analytisch hervorragend und sein Sprache ist grandios. Prima. Chapeau!

Marie Werner | Do, 28. September 2017 - 17:51

Lieber Herr Kissler,
herzlichen Dank für Ihren sehr guten Artikel. Leider haben Sie den von den Politikern gewählten Bundespräsidenten Steinmeier vergessen zu erwähnen. Hat er sich doch in dieser von Ihnen beschriebenen "Runde" auch ausgiebig- ohne die Partei beim Namen zu benennen- herabwürdigend beschimpft. Nicht zu vergessen: Er war es auch als Außenminister (sehr repräsentativ!), der wo Mr. Trump als Hassprediger bezichtigt hat.
Ja wir brauchen diese Art von Politiker nicht. Schon gar keine, die an ihren Stühlen offensichtlich festkleben. Deren Aus- und Abfälligkeiten benötigt das Land mit den großen Problemen nicht.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 28. September 2017 - 18:15

besonders den Teil über die Verantwortung, ich kann ihm jedoch nicht folgen.
Er schreibt zu sehr von einer vergangenen Zeit der Volksparteien her, dabei ist er noch so jung.
Natürlich ist die CDU/CSU noch eine Volkspartei mit 33%, wenn ich persönlich einmal von Merkel absehe, die SPD hat stark verloren, aber das tut sie seit es Grüne und Linke gibt.
Will Schulz jetzt etwa keine Verantwortung für Deutschland übernehmen?
Wenn dem so ist, darf er sich sicher eine neue Aufgabe suchen, aber ich gehöre nicht zu denjenigen Mitgliedern, die seinen Rücktritt fordern.
Wir erleben wieder, erinnert war es zu Kohls Zeiten so, dass sich eine politische Person für unersetzlich hält, auch mehrheitlich so gesehen wird.
Dazu fand Martin Schulz eigentlich passende Worte.
Ich halte ihn für einen Arbeiter im Weinberg der SPD.
Man kann immer noch sehen, wer bei der nächsten BTW antritt.
Auf "Blümchen und Muttigefühle" Jüngerer kann ich verzichten.
Konstruktives Handeln mit politischer Übersicht.

PETER MECKEL | Do, 28. September 2017 - 19:34

Danke, Herr Aleksander Kissler...

liegt es vielleicht daran, dass es zu viele ausgebrannte, ehemaliger Lehrer und massenhaft erfolglose Rechtsanwälte sind, die glauben in Berlin würde es ihnen deutlich besser gehen, ohne jedes Risiko.
In der freien Wirtschaft wird man für solch ein eklatantes Versagen nicht nur zu Recht gefeuert, sondern man haftet auch für seine Fehler und das zeitnah und selbstverständlich ohne fette Pension.
Die sieben Kurfürsten wählten doch schon früher den Schwächsten in der Runde zum Kaiser, haben wir denn nichts dazu gelernt ?
als oberster Manager der wichtigsten "Firma" BRD, sollten nur die Besten der Besten ran, warum gibt es denn wohl den Numerus Clausus für Ärzte ? wer schützt uns endlich vor diesen niveaulosen, über Jahrzehnte nach oben gedienerten Staats-Schauspielern ?

FÜR EIN DEUTSCHLAND IN DEM ICH GUT UND GERNE OHNE A. MERKEL LEBEN KÖNNTE...

Guido Schilling | Do, 28. September 2017 - 19:40

weg mit den Endlosmandaten. Jede/r (MdL, MdB, Kanzler, Präsident etc.) darf nur noch zweimal gewählt werden. Dann gibt es spätestens nach acht Jahren auch mal neue Ideen und Köpfe. Außerdem sollten Listenplätze abgeschafft werden. (die Unfähigsten stehen immer auf Platz 1-3) Nur direkt gewählte Abgeordnete ziehen in den Bundestag ein. Das mindert auch die Kosten.

Udo Dreisörner | Do, 28. September 2017 - 19:44

überrascht das es so weiterläuft. Habe nichts anderes erwartet. Die regierenden ruinieren unser Land und machen einfach weiter wie bisher. Grauenhaft

Juliana Keppelen | Do, 28. September 2017 - 19:53

Hätte Herr Schäuble jemals Verantwortung für sein handeln übernommen (oder hätte übernehmen müssen) wäre er heute nicht der so hoch gelobte und jetzt auch noch weg gelobte (Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal-Berufs) Politiker. Bei der Union muss ganz selten jemand Verantwortung übernehmen es sei denn er fällt bei "Mutti" in Ungnade.

Josef Garnweitner | Fr, 29. September 2017 - 15:08

In reply to by Juliana Keppelen

Sie haben ja recht. Aber ist es denn in den anderen Parteien anders? Die verkaufen doch die eigene Mutter, wenn es der Karriere dient. Jeder ohne Ausnahme!

Juliana Keppelen | Sa, 30. September 2017 - 11:33

In reply to by Josef Garnweitner

und trotzdem wenn man ganz genau objektiv hinschaut muss man zugeben, dass die SPD Kanzler sehr wohl immer Verantwortung übernommen haben. Und auch jetzt hat die SPD Verantwortung übernommen denn es ist den SPD Ministern bestimmt nicht leicht gefallen ihren Regierungsposten aufzugeben. Solange aber in unserem Land das "Aussitzen" belohnt wird fragt man sich ob Verantwortung übernehmen nicht eher bestraft wird. Allerdings freue ich mich jetzt auf die Opposition die doch recht bunt ist und klug beraten wäre gute Vorschläge egal von welcher Partei sie kommen auch zu unterstützen und nicht aus ideologischen Gründen Opposition in der Opposition zelebrieren.

Dimitri Gales | Do, 28. September 2017 - 20:08

nicht zeigen, denn dann folgt Ausgrenzung oder gar Verachtung. Niederlagen werden mit Diskretion abgehakt, dann ist wieder schönes Wetter. Die Franzosen haben dafür ein passendes Sprichwort: "wer sich entschuldigt, klagt sich an". Daher wird man auch vom Politpersonal keine Worte über ihre eigentliche Verantwortung hören.
Das Wahlvolk könne ihnen öfters auf die Finger klopfen, das wäre Demokratie - aber es passiert nichts, ausser ausnahmsweise jetzt anlässlich der Wahl.

Karin Zeitz | Do, 28. September 2017 - 20:10

Herr Kissler hat völlig Recht. Die politischen “Eliten“ sind völlig abgehoben. Keiner zieht sie für die Fehler zur Verantwortung, die den Steuerzahlern Millarden kosten. Die Bedürftigen “die schon länger hier leben“ müssen angesichts knapper Kassen hintenan stehen.

gabriele bondzio | Do, 28. September 2017 - 20:18

der Normalität gekehrt."...ja, von Moral und Demokratie wird ewig viel geschwafelt, Selbstgerechtigkeit ist oberstes Gebot. Schaut man sich das Schwarzbuch / Bund der Steuerzahler an, stehen einem seit Jahren die Haare auf dem Kopf auf. Verantwortung ist ein Fremdwort für viele Politiker. Wozu auch, es ist ja nicht ihr Geld, von dem sie sich teuere Denkmäler bauen, oder das Geld im Sand vergraben. Marcus Cicero prägte das Zitat: "Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut werden, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist."...ich lese ihre Artikel immer gerne, danke Herr Kissler.

Maik Harms | Do, 28. September 2017 - 20:21

Wenn die Verantwortung (hier: der Rücktritt, das Insichgehen) nicht von den eigenen Leuten eingefordert wird, z.B. weil sie zu feige sind, dann zwingen die Strukturen Frau Merkel, Herrn Seehofer und Herrn Schulz nicht dazu. Als die FDP 2013 baden ging, da ging es um die Existenz der Partei an sich: Verantwortung übernehmen oder untergehen. CDU, CSU und sPD sind noch nicht tief genug gefallen, dass das für die Führungselite und Funktionärsebene in gleicher Weise notwendig wäre.

Hans-Hasso Stamer | Do, 28. September 2017 - 20:34

... halten weder Ochs noch Esel auf.“ Der Satz ist von einem im Saarland gebürtigen Ostdeutschen, könnte aber, mit anderem Objekt, auch von Merkel sein.

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Nach der Demo in Leipzig am 9.10.1989 wurde eine Woche später zwar der Adressat dieser Worte abgesetzt, zu spät blieb es aber trotzdem. History repeating.

Sepp Kneip | Do, 28. September 2017 - 20:38

Es gibt sehr viele verstörte Seelen nach dieser Wahl. Dennoch tun alle nach außen, als sei nichts geschehen. Schulz, na ja, er will mit Nahles zusammen den Unionsparteien die Fresse polieren. Nun ist ja noch gar nicht sicher, ob die SPD nicht doch noch den Sirenenklängen Merkels erliegt und wieder mit ihr ins Bett steigt. Und Merkel? Was wollen denn alle, ich habe doch wieder gewonnen. Also weiter so. Am liebsten mit der SPD. Die kann sie so schön herumschubsen. Also ist tatsächlich nichts geschehen. Außer dass die alte Koalition so massiv eingebrochen ist, dies aber keine Konsequenzen nach sich zieht. Ach ja, die AfD nicht zu vergessen. Sie wurde drittstärkste Kraft im Parlament. Macht nichts, die wird nach Art guter, alter Demokratie einfach übergangen.

Warum sich also Sorge machen? Hat nicht just das Herbstgutachten der Institute beste Wirtschaftsentwicklung in Aussicht gestellt? Nur hat es dabei die kaum zu beziffernden Zukunftsbelastungen außen vor gelassen. Zufall?

Chris Groll | Do, 28. September 2017 - 20:44

Danke Herr Kissler, ein sehr guter, realistischer und wahrer Kommentar. Kann Ihnen nur zustimmen.

Franke Udo | Do, 28. September 2017 - 20:52

Zusammenfassung nach drei Legislaturperioden von CDU/CSU/SPD :
dem Menschen im Lande wird viel zugemutet nur kaum Demokratie,dafür Autokratie und Egomanie.
Unsere politische "Elite" verkauft Ignoranz und Überheblichkeit für Demokratie. Weiter so? Wohin ?

Thomas Radl | Do, 28. September 2017 - 21:26

glauben unsere Parteigranden anscheinend, die Klatsche bei dieser Wahl hat einfach noch nicht weh genug getan! Aber allzuviele Bürger sind anscheinend nicht der Ansicht, dass Frau Merkel, Herr Chulz oder wer auch immer politische Verantwortung weiter übernehmen sollten.
Allein aus den Zahlen am Wahlabend, die zeigten, dass neben den über 1 Millionen Stimmen von der CDU zur AfD wanderten UND (!) ungefähr genauso viele bisherige NICHTWÄHLER (!) Afd wählten, leite ich für meinen Teil ab, dass die AfD gar nicht so viele interne Querelen veranstalten kann, dass sie bei der nächsten Wahl nicht auch noch stärker abschneiden kann! Das jetzige Ergebnis verdankt die AfD nicht etwa Petry/Pretzell, sondern Merkel, Chulz und Co.! Und die nehmen sich inbrünstig zu Herzen: Nach der Wahl ist vor der Wahl - und machen unverzüglich weiter Wahlkampf für die AfD!
Es ist einfach nicht zu fassen! Macht scheint wirklich derart zu korrumpieren, dass die Intelligenz vollständig zurücktritt und schweigt!!!

Paul Liesner | Do, 28. September 2017 - 22:28

Mich machen die verantwortungslosen Politiker nur noch traurig. Als Eltern und Erzieher versucht man frühzeitig seine Kinder, so ist zumindest meine Einstellung, auf die Verantwortung mit der einher gehenden Moral hinzuweisen und zu erziehen. Wie hat sich doch unsere Gesellschaft in den Letzten Jahren so ins Negative verändert? Als Vorbilder dienen Merkel, Seehofers, Müller und andere (auch ausländische)Politiker schon lange nicht mehr.

Manfred Gimmler | Do, 28. September 2017 - 23:22

Ihre Überschrift, Herr Kissler, sollte man nicht nur auf die Ergebnisse dieser BTW beziehen, sondern umfassender auch auf die gesellschaftliche Entwicklung der nächsten Jahre. Seit den siebziger Jahren haben nämlich (salopp formuliert) „grün-protestantische Traumtänzer“ nach und nach „schwarz-katholische Ignoranten“ in der Meinungsführerschaft abgelöst (Übrigens: Ein Dualismus, der viele Probleme dieses Landes erst provozierte!), den „länger hier Lebenden“ ihren Selbstbehauptungswillen hinsichtlich Identität, Sprache, Kultur, Geschichte und Brauchtum genommen, auf skrupellose und bigotte Weise wie Ablaßpfaffen in der Gesellschaft Konformitätsdruck erzeugt und die Voraussetzungen für eine solidarische, stabile Demokratie im Nebel gesinnungsethischer Überlegungen entschwinden lassen.

„Generation Schneeflocke“ ist leider nicht darauf vorbereitet worden, sich auf der Basis von Vernunft und Grundwerten in einer globalen Welt zu behaupten und Verantwortung für ihr eigenes Land zu tragen.

Jürgen Althoff | Fr, 29. September 2017 - 01:54

hält ebenso wenig von persönlicher Verantwortung wie Walter Ulbricht, Erich Honecker, Mao Zedong, Stalin, Pol Pot, Maduro, die Castro-Brothers, Mugabe, die Obamas und alle Staatschefs, die sich von höheren Mächten berufen und beseelt fühlen und das Volk verachten. Dass Frau Merkel zu keiner Empathie, zu Verständnis für andere Menschen, fähig ist, hat sie oft genug gezeigt. Sie zieht die ihr von UN und EU vorgegebene Umvolkungsstrategie erbarmungslos durch.

reiner tiroch | Fr, 29. September 2017 - 08:29

Seit Jahrzehnten ist zu verfolgen, dass alle Parteien vor der Wahl vollmundige Versprechen machen welche im nachhinein zu 0% umgesetzt werden.
was aber zu 100% immer klappt ist, das sich immer genau die Parteien zusammentun, die man nicht gewählt hat.
von Einsicht, Fehler eingestehen usw. will nie einer was wissen, denn die Futtertröge gehen halt vor, gell?

Gerdi Franke | Fr, 29. September 2017 - 08:55

Jamaika - der Wähler hats bestimmt? Das Jamaika - der Wähler hats so bestimmt? Stimmt nicht! Der Wähler hat die Flüchtlingspolitik von Schwarz-Rot abgewählt. und will eine andere Flüchtlingspolitik. Und das geht nur wenn die Verantwortlichen für die alte Politik die Konsequenzen ziehen und ihren Posten freimachen! Weitermachen so stärkt nur die AfD.

Jens Rudolf | Fr, 29. September 2017 - 09:19

Krise, weil die Organisation des Menschenstroms völlig ausblieb und darüber elementare Sicherheitsinteressen der Bürger verletzt wurden, sondern es wurde nur zur Krise, weil tumbe Rassissten (besonders im Osten) statt mit Bärchen zu werfen Bedenken zu äußern wagten. So geht das.

helmut armbruster | Fr, 29. September 2017 - 09:42

zu meinen der Mensch oder ein Politiker wäre bereit freiwillig Verantwortung für Fehlverhalten zu übernehmen. Solange er keine Konsequenzen befürchten muss und weiterhin die Früchte "seines Wirkens" genießen kann, wird er es nicht tun.
Ein Wowereit oder ein Wintercorn müssen nicht befürchten, dass sie Pensionsansprüche verlieren könnten oder Vermögen zurück geben müssten. Ein mir unverständliches, viel zu mildes Rechtssystem behandelt sie wie mit Samthandschuhen.
Aus der Geschichte kenne ich für freiwillige Übernahme von Verantwortung nur das Bsp. des Gallierfürsten Vercingetorix (Caesar, Der Gallische Krieg) der sich selbst ausgeliefert hat u. vor Caesar die Verantwortung für den fehlgeschlagenen Aufstand übernommen hat.
So was dürfen wir von einer Merkel oder einem Seehofer natürlich nicht erwarten.

Michael Hoffmann | Fr, 29. September 2017 - 09:42

2009, nach der vorigen GroKo, kam die CDU gerade mal auf 33,8%, und das noch ohne Konkurrenz durch die AfD.

Damals waren die Kommentatoren sich ziemlich einig, daß es eben eine "natürliche" Folge von GroKos sei, daß die Regierungsparteien verlieren und die kleineren Parteien stärker werden.

Von daher kann ich die aktuelle Aufregung nicht ganz verstehen.
Die SPD hat es allerdings tatsächlich bös erwischt; 2009 hatte sie immerhin noch 23% erreicht.

Roswitha Steiner | Fr, 29. September 2017 - 09:46

Soviel Ignoranz ist nicht zu fassen. Die CDU verliert bei der BTW erdrutschartig. Frau Merkel, die an diesem Debakel wesentlichen Anteil hat, tritt nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses lächelnd vors Mikrophon, lässt sich frenetisch von ihren jungen Anhängern feiern und freut sich des Lebens. Man hat den Eindruck, die CDU hat mindestens 10 % dazugewonnen. Bin ich hier im falschen Film, oder nennt man das Realitätsverweigerung. Wieso wird nur der Rücktritt von Horst Seehofer gefordert und nicht der von Frau Merkel. Ist sie auf Lebenszeit gewählt und wir haben es nicht gewusst? Solange es an der CDU Spitze keinen Wechsel gibt, wird der Abwärtstrend der CDU anhalten.

Walter Meiering | Fr, 29. September 2017 - 09:51

Der Autor übersieht, dass die Parteien derzeit auch Wichtigeres zu tun haben. Sie müssen verhindern, dass sie im Plenum direkt neben der AfD sitzen. Das scheinen für sie die wahren Probleme dieses Landes zu sein.

Hanno Woitek | Fr, 29. September 2017 - 09:59

.. Diese selbstgefälligen Merkel und Seehofer besitzen auch noch die dümmliche Arroganz, immer nur zu wiederholen, dass ihre Politik nicht richtig verstanden wurde... mit anderen Worten, sie halten uns Wähler für dumm und dämlich. Und das bleibt erstaunlicherweise so gut wie unausgesprochen in den Medien. Wo bleiben Frau Illgner, Rau Will und Herr Plasberg und nehmen sie dann in die Mangel oder entziehen ihnen das Wort, bei soviel Frechheit. Warum werden die Lügen von Frau Merkel - z.B." Die Bundespolizei und die Nachrichtendienste wären mit Hamburg als als G 20 Ort einverstanden gewesen und hätten keine Bedenken gehabt". Lüge !!! nein, beide Institutionen haben ihr widersprochen - sie haben gewarnt !!!!, so haben sie mitgeteilt. - nicht an den Pranger gestellt. Das verhindern die wöchentlichen your fixes der Kanzlerin mit Friede Springer und der Funke Presse.Warum kommt das nicht in die Talk shows?

schöne Grüsse

Dietmar Deibele | Fr, 29. September 2017 - 10:39

danke Herr Kissler, Ihre Worte sind Balsam auf die Verletzungen, die einem durch das Verkennen der Realitäten durch die etablierten Protagonisten zugefügt werden. Die Lemminge der CDU versuchen doch tatsächlich sich und uns einzureden, dass weniger CDU gewählt hätten, weil die Umfragen so gut waren. Dabei finde ich die 36% der letzten Umfrage gar nicht gut. Die Krönung ist aber die Formulierung „Ich übernehme die Verantwortung, in Gottes Namen“. Wenn Verantwortung übernehmen, dann bitte richtig, ohne Zusätze, einfach Verantwortung übernehmen und das mit Taten statt halbherziger Worte. Denn es gilt für mich: Das ist nicht mehr unsere CDU, das ist nicht mehr unser Land. Leider muss Deutschland für die dasastruösen Fehleinschätzungen weit in die Zukunft sehr teuer bezahlen. Und die Überfremdung ist nicht wieder rückgängig zu machen.

Klaus Dittrich | Fr, 29. September 2017 - 12:29

„Es steht nicht gut um die Verantwortung als Praxis und Prinzip. Milliarden Euro Steuergelder werden verbuddelt für einen Hauptstadtflughafen, der offensichtlich nie eröffnet werden kann? Kein Ministerpräsident, kein Minister, kein Bürgermeister, kein Aufsichtsrat übernimmt für dieses Versagen Verantwortung.“
Als früherem DDR-Bürger ist mir natürlich in Erinnerung geblieben, wie die vielen (vor allem ökonomischen) Probleme mit „objektiven Zwängen“ begründet (?) wurden. Ersparte Ursachenbeseitigung inklusive Verantwortungsübernahme – ein Günter Mittag hätte längst in der „Versenkung“ verschwinden müssen.
Und im Endstadium der DDR stellte sich dann ein verbockter Honecker hin: „Den Sozialismus in seinem Lauf . . . „ (Zitat dürfte bekannt sein).
Tja, erleben wir – unter anderem Vorzeichen – auch den Beginn eines Untergangs?

PS. Wieder ein Klasse-Konter! Danke.

Willi Mathes | Fr, 29. September 2017 - 12:41

Sitzt !

Offenbar zählt, in diesem unseren Lande, nur noch die eigennützige Selbstverantwortung !

Danke Herr Kissler

Yvonne Walden | Fr, 29. September 2017 - 12:52

Dies alles nennt man "organisierte Verantwortungslosigkeit".
Den handelnden Protagonistinnen und Protagonisten geht es einzig und allein um Posten und Pfründe, nicht jedoch um das Wohl unseres Landes und der übrigen Menschen, die lediglich als Wahlvolk gebraucht bzw. mißbraucht werden.
Wie lange wird dieses trügerische Spiel noch fortgeführt, bevor sich unsere angebliche Demokratie in ihr Gegenteil verkehrt?

Dr. Lothar Sukstorf | Fr, 29. September 2017 - 12:53

Merkel kehrt die bewußte "Freimaurertaktik" wieder hervor, bloß keine Fehler zugeben. Wer keine Fehler zugibt hat auch keine gemacht! Wer das Prinzip Verantwortung so lapidar abtut..."in Gottes Namen", der hat auch nicht verdient, daß ihm/ihr Verantwortung treuhänderisch übertragen wird. Auch wir Wähler können Fr. Merkel ein Mißtrauensvotum -apomäßig - angedeihen lassen. Wir müssen uns einmischen, die CDU bombardieren mit Einlassungen, den Bundestag mit Einlassungen bombardieren...die Medien würden dann mitziehen, denn sie wittern ihre Chance, wieder einmal Politik zu machen. In Niedersachsen sollte niemand zu den CDU-Wahlveranstaltungen gehen. Außer die CDU-Claquere...Das wäre mal etwas!

Sabine Schmidt | Fr, 29. September 2017 - 12:58

Danke, Hr. Kissler! Treffsicher auf den Punkt gebracht!
Die Politdarsteller handeln offenbar nach der Maxime "erst kommt das Fressen, dann die Moral". Einmal an den "Fleischtöpfen" der Macht, scheinen sie vom "Baum der Erkenntnis gegessen zu haben, ohne (abweichend der Bibelgeschichte) das Paradies verlassen zu müssen (oder gar wollen). Verantwortung wird zur Phrase.
Wer im laufe der Woche den Protagonisten zugehört hat,(abgesehen von der niveaulosen Wortwahl), muss sich fragen, welch traurige Zukunft diesem land und seinen Bürgern bevorsteht. Die "Schuldfrage" für Stimmverluste wird dem Wähler, den Medien und "den anderen" angelastet; die jeweils eigene Partei oder gar Person wird kaum einer ersthaften Kritik / Selbstkritik unterzogen.
Wie armselig! Quo Vadis Deutschland?

Juliana Keppelen | Fr, 29. September 2017 - 13:29

Wieso? Die SPD hat für ihren Teil Verantwortung übernommen. Glaube doch keiner, dass es den SPD Ministern/innen nicht schwer gefallen ist auf ihre Ämter zu verzichten und diverse Posten die mit der Regierungsarbeit verbunden sind. Ich finde die SPD hat als einzige Partei bis jetzt ihre Konsequenz aus dem Wahlergebnis gezogen. Nahezu heuchlerisch finde ich aber die Forderung Herr Schulz soll seinen Parteivorsitzt abgeben (ganz besonders von nicht SPD Wählern) habe aber bis jetzt noch nichts dergleichen in die andere Richtung gehört. Wer Parteivorsitzende/der bleibt oder nicht bestimmen die Parteitage (also die Veranstaltung mit den 11 Minuten Ovationen().

Torsten Knecht | Fr, 29. September 2017 - 13:49

Die Reaktion fehlender Verantwortung ist redlich, wie Herr Kissler breit ausgeführt hat, aber das reicht nicht.

Verantwortung wird übernommen. Aber meistens nur verbal. Dabei braucht es keine verbale Dauerschleife der Verantwortungsübernahme wie sie Frau Merkel (Flü, LTW, BTW) stets nach Enttäuschungen abgab sondern handfeste Konsequenzen, die Veränderungen zeigen.

Hier fehlt es an mindestens zwei Dingen: Es fehlt die direkte Demokratie u. die temporäre Begrenzung der Ämter und Mandate.

Deshalb Änderungen der Regeln. Nicht umsonst ist in USA nach 2 Legislaturperioden Schluss mit der Regentschaft ein und derselben Person.

Nicht nur über die Köpfe aufregen, deren Inhalt ist von uns sowieso kaum zu ändern sondern überlegen, wie die demokratischen Regeln verbessert werden können u. einfordern!

Merkel würde sich auch ein fünftes mal wiederwählen und alles wieder und wieder so machen! Eine Endlosschleife da eingebauter Systemfehler!

Ruth Müller | Fr, 29. September 2017 - 13:58

Wahlperioden und keine einzige mehr für jeden Würdenträger der Demokratie. Alles andere ist politische Korruption und lobbyistische Vetternwirtschaft.
Wir sollten das spätfeudalistische Erbe endlich ablegen. Das sollte ein Grund für eine Verfassungsänderung sein!

Arndt Schuster | Fr, 29. September 2017 - 14:09

Die groteskeste Begründung für die Wahlschlappe der CSU lieferte Herr Herrmann. Die Medien hätten der AfD zuviel Aufmerksamkeit gewidmet. So sieht sie aus, die Aufarbeitung der Niederlage. Dabei ist doch völlig klar, dass die CSU verloren hat, weil sie zwar die "Herrschaft des Unrechts" bei Merkels Massenzuwanderung richtig erkannt hat, daraus aber keine Konsequenzen gezogen hat. Seehofer wird der erste Dominostein sein, der fällt. Danach könnte Frau Merkel fallen. Was in der CDU keiner sich traut zu sagen, die Bilanz von Frau Merkel ist allein deshalb desaströs, weil sie den ehemals konservativen Markenkern der CDU völlig aufgegeben hat. Wenn sich Frau Merkel mit ihren Getreuen weiter an die Macht klammert, wird das Ergebnis der nächsten Wahl noch schlimmer für die CDU. Längst steht mit der AfD eine echte Alternative bereit. Wenn die Leute nach der Beschäftigung mit dem Programm der AfD erst begreifen, dass die AfD konservative Grundwerte vertritt, könnte das das Ende der CDU bedeuten

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 29. September 2017 - 15:25

In reply to by Arndt Schuster

Da bin ich aber mal gespannt.
Einstweilen sehe ich in der AfD überwiegend einen bürgerlichen Protest gegen Machtanmassung des Staates in Form einer Regierung, überhaupt eben Protest.
Einen Vorteil hat sie gegenüber der CDU/CSU. sie ist nicht religiös erpressbar.
Der Nachteil könnte eine zu nationale Ausrichtung sein in Richtung "völkisch".
Das macht beides noch keinen Konservatismus, denn das Christentum ist Bestandteil unserer Kultur und eine nationale Offenheit, nicht zu verwechseln mit nationaler Indifferenz, womöglich schon immer Kennzeichen europäischer Völker.
So wie jeder Kultur, die die Gleichberechtigung von Mann und Frau kennt und lebt.
Es wäre schön, wenn die AfD sich demokratisch bewähren würde.
Frau Wallau klingt so besonders in einem Kommentar.
Vor allem freue ich mich über eine Verstetigung und wachsende Überzeugungskraft der SPD mit Andrea Nahles, Martin Schulz und Manuela Schwesig.
Starke Töne, sich die Kritik der Altvorderen zu verbitten.
Mal schauen

Natürlich ist die Wahl der auch Protest. Wenn man mich fragen würde, warum ich AfD gewählt habe, dann ist selbstverständlich viel Protest wegen des Versagens der Altparteien dabei. Aber Aussagen des AfD-Wahlprogramms bei Zuwanderung, Familie, Euro und EU, Energie, Islam u.a.m. decken sich hundertprozentig mit meinen Ansichten und das sind die Ansichten eines Konservativen, der früher die CDU gewählt hat. Nach meiner Meinung haben die wüsten Beschimpfungen der AfD, sie sei "rechtsradikal", nur das eine Ziel, von der Programmatik der AfD abzulenken. Deswegen findet eine "inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD überhaupt nicht statt. Nur in der Rentenpolitik, von der man genau weiß, dass die AfD noch kein abschließendes Konzept hat.

Reinhard Czempik | Fr, 29. September 2017 - 14:09

der wie Öl runtergeht und die Schmerzen der geschundenen Demokratieseele lindert. Musste ich mir runterladen. Vielen Dank!

Winfried Sautter | Fr, 29. September 2017 - 15:12

Naja, ob ein Rücktritt bedeutet, Verantwortung zu übernehmen? Als Hannelore Kraft nach der Wahlschlappe in NRW zurücktrat, hatte man eher den Eindruck, sie macht sich vom Acker. Echte Verantwortung heißt doch wohl, die eigenen Fehler und den verursachten Schaden zu benennen, und an der Wiedergutmachung zu arbeiten. Genau das aber vermisst man bei der Politikerkaste.

Dr. Lothar Sukstorf | Fr, 29. September 2017 - 17:29

was hat sich unsere Berliner- Raute damals über Schröder ereifert als der sagte, er regiere mit ruhiger Hand. Sie geiferte, er könne es nicht. Heute proklamiert sie, daß in der Ruhe die Kraft liege...das ist dasselbe in Grün. Mal abwarten ob sie die Ruhe noch hat, wenn im nächsten Jahr der Massenansturm weitergeht...

Alfred Kastner | Fr, 29. September 2017 - 17:57

Die großen Volksparteien CDU/CSU und SPD haben bei der letzten Bundestagswahl nahezu 10 Millionen Wähler verloren.

Doch anstatt innezuhalten und die Ursachen diese Wahlschlappe ernsthaft zu analysieren, machen sie weiter, als sei nichts passiert.

Eine selbstkritische Reflektion der verantwortlichen Politiker ist nicht zu erkennen.

Eher noch wird Kritik an dem „wählerischen“ Wähler geübt.

Kanzlerin Merkels berühmt-berüchtigte Raute wirkt wie ein Eisbrecher, an dem alles abprallt.

Von ihr dürfte am aller wenigsten ehrliche Selbstkritik zu erwarten sein.

Sie sitzt auf einem "Olymp", von dem sie es offensichtlich alleine nicht mehr schafft, herunterzusteigen.

Die Bevölkerung muss ihr dabei helfen.

Denn gemeinsam „schaffen wir es!“.

büchler klaus | Fr, 29. September 2017 - 23:42

Der Zustand der Parteien und ihrer Protagonisten spiegelt doch exakt den Zustand unserer Gesellschaft wieder.
Hätte eine Mehrheit der Wähler eine substantielle Änderung der Verhältnisse gewollt wären CDU/CSU bei 20 % gelandet. So heißt es nur "weiter so Deutschland" mit wem auch immer - Hauptsache mit Mutti. Frei nach der Devise - sie heben kurz den Kopf und grasen dann friedlich weiter

Toni Zweig | Sa, 30. September 2017 - 09:07

Sehr geehrter Herr Kissler,
vielen Dank für Ihre Klarheit
in Gedanken und Sprache!
Auch für den Hinweis auf
Hans Jonas.

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