Merkel im Wahlkampf - Mit Moralismus gegen Kritiker

Kisslers Konter: Die Wahlkampfauftritte zeigen das Amtsverständnis der Kanzlerin. Angela Merkel sieht sich als Therapeutin der Deutschen und verlangt moralisches Wohlverhalten. Steht ihr das zu?

Angela Merkel im "Wahlarena"-Studio
„Haben Sie auch ein offenes Herz für Menschen, denen es viel, viel schlechter geht“ / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Kissler ist Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam“ und „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“.

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Der bayerische Innenminister gibt einen Anstieg der Zahl der Vergewaltigungen im ersten Halbjahr 2017 um 50 Prozent bekannt, der Leipziger Oberbürgermeister beklagt „ein Problem mit jungen Männern aus Nordafrika“, in Essen soll der Schutz des Weihnachtsmarkts vor Terrorangriffen stolze 200.000 Euro Miete für „Dutzende Betonblöcke“ kosten, und in Lübeck fordert die Kanzlerin von den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland „ein offenes Herz“. Angela Merkel weiß, was sie tut, wenn sie wahlkämpft.

Die vom Norddeutschen Rundfunk verantwortete Lübecker „Wahlarena“ zeigte in hoher Verdichtung, was Deutschland bekommt, wenn Merkels Regieren über das Jahr 2017 hinaus anhalten sollte: einen gewitzten, schlagfertigen Politikprofi, eine gelassene, lebenserfahrene Frau, die zu erklären weiß und Beifall einzustreichen versteht. Aber eben auch: einen Menschen, der sich in seiner Machtposition eingerichtet hat, Kritik als Verstoß gegen die guten Sitten nimmt und die eigene Moral zur Bringschuld der anderen erklärt. Das vierte Kabinett Merkel wäre ein abermals verschärftes Tugendregiment, ein grimmiges Farewell, Schuld und Sühne für jedermann.

Gute Politik ist Merkels Politik

In der letzten Bundestagsdebatte vor der Wahl sorgte Merkel am 5. September für Erheiterung, als sie den Vertretern der SPD entgegenhielt, diese hätten von ihren schönen sozialdemokratischen Erfolgen nichts „gegen meinen Willen“ erreicht. Der Siegeszug der ersten Person kennzeichnet den Wahlkampf: Ich bin, ich war, ich werde sein – so konjugiert man das Merkelsche Politikverständnis in diesen Tagen. Im TV-Duell mit Martin Schulz am 3. September hieß es gleich zu Beginn, „ich habe Entscheidungen getroffen“, besonders in jener „sehr dramatischen Situation“ im Herbst 2015, „als es um Menschen ging“. Der nationale Alleingang zur Grenzöffnung war demnach die Gewissensentscheidung eines einzelnen Ichs. Es hört auf den Namen Angela Merkel und möchte wiedergewählt werden.

Das ist mehr als die übliche Selbstmaximierung zum Terraingewinn in Wahlkämpfen. Die Botschaft der Amtsinhaberin lautet: Gute Politik geschieht da, wo sie „meinem Willen“ gehorcht. Menschlich ist Politik, wenn sie am Menschen Merkel Maß nimmt. Ein „Kurs der Vernunft“ (Merkel am 3. September) braucht einen Kompass und einen Osten, und Angela ist die Sonne. Darum wurde ein Herr aus Apolda am 11. September mit den vereinten Kräften von „Wahlarena“-Moderatorenteam Andreas Cichowitz/Sonia Mickich und Kanzlerin in den Senkel gestellt. Er musste sich eine öffentliche Straf- und Bußpredigt anhören, wie weiland ein Biertrinker, Falschmünzer oder Ehebrecher in Calvins sittenstreng reformierter Kirche. Das gemeine Gelächter war das Ziel, die peinliche Befragung die Methode: „Haben Sie auch ein offenes Herz!“

Hell und Dunkel

Der Herr mittleren Alters im lachsfarbenen Hemd artikulierte, sanft und defensiv, eine Sorge, die er nicht exklusiv hat: „Wer schützt uns vor Überfremdung in den nächsten 30 Jahren?“ Es gebe doch „bei uns auch noch Baustellen.“ Ob das Geld zu diesen Zwecken – er nannte als Beispiel den maroden Zustand mancher Schule – ähnlich leicht fließe wie zu anderen, migrationspolitisch erwünschten Zwecken? Die Kanzlerin, die zuvor versprochen hatte, persönlich auf einem Bauernhof vorbeizukommen, persönlich auch sich andernorts über Tierversuche zu informieren – an Gnadenerweis und plötzlicher Nähe erkennt man den Regenten –, diese Kanzlerin versicherte in klassischem Merkeldeutsch, „für alle Menschen, die hier leben, haben wir die Sozialleistungen erhöht“. Was die Frage aufwirft, ob die Gesetzestreue des deutschen Steuerzahlers Leistungen für Nichtdeutsche begründen darf, die vielleicht vorübergehend und womöglich kurzfristig und am Ende gar unberechtigt „hier leben“. Doch mit dieser Wendung ins Ordnungspolitische beginge man wohl einen Kategorienfehler. Wenn es „um Menschen geht“, treten in dieser Kanzlerschaft alle sonstigen Normen beiseite.

Das Moderatorenduo setzte dem Herrn aus Apolda einen iranischstämmigen Deutschen aus München entgegen, der unmittelbar im Anschluss erwidern durfte, er ängstige sich vor Hass und Rassismus und AfD. Auch da wird er, wie sein Vorredner, ausgesprochen haben, was ihn umtreibt, und es zu Recht getan haben. So soll es sein. Doch der Apoldaer wurde mit einem Dutzend Gegenschnitten auf sein fortan stummes Gesicht wie zur Fahndung ausgeschrieben: „Wutbürger! Bitte nicht ansprechen!“ Moderator Cichowitz definierte die beiden Herren als „sozusagen die beiden Extreme“, als „die beiden Pole“, wodurch noch einmal klar wurde, wie böse und verwerflich doch die eine, wie tapfer und tugendhaft die andere Sorge sei. Auch die Wahlkämpferin griff routiniert ins moralische Register und rügte den thüringischen Delinquenten: „Haben Sie auch ein offenes Herz für Menschen, denen es viel, viel schlechter geht“ – Applaus – „und die zum Teil Grausames erlebt haben!“

Die Wahl als Kur

So funktioniert das Regieren der späten Merkel: eine fiskalpolitische Frage, die Frage nach der Mittelverwendung jenes gewaltigen Vermögens, das die deutschen Steuerzahler erwirtschaftet haben, wird umgebogen ins Moralische. Der Kritiker wird zum Menschenfeind. Damit aber wird die Vernunft, verstanden als Ensemble allgemein einsichtiger Gründe, aus dem Debattenfeld gestoßen. Der „Kurs der Vernunft“ führt paradoxerweise hinaus aufs offene Meer der Willkür. Wer in den Hafen des Normativen retour will, der fällt über Bord. Oder wird, wie der Mann aus Apolda, bildlich aus der Arena gewiesen, den einen zur Mahnung, den anderen als Abschreckung: Das darf man alles öffentlich sagen und fragen, aber halt nur einmal.

Ein Letztes noch: Der Souverän aller Politik ist das Volk. Darf da die Chefin der Exekutive diesem Volk jenseits von Verfassungs- und Gesetzestreue moralisches Wohlverhalten abfordern? Darf sie für eine solche Vorbildlichkeit ihre eigene Politik zum Raster nehmen? Darf das große Ich, das regiert, den kleinen Michel ins Gebet nehmen, bis er spurt und alle Widerborstigkeit fahren lässt und die Börse öffnet für den großen moralischen Tausch, Geld gegen Gutsein? Wenn das ein Johann Tetzel noch erleben dürfte.

Das „offene Herz“ des anderen ist die Grenze, bis zu der keine Politik dringen darf. Versteht Politik sich als Kardiologie, wird der Bürger zum Patienten und die Wahl zur Kur, an der er genesen soll. Das Land aber würde Spital.

Weitere Texte zur Bundestagswahl finden Sie in unserem Cicero-Dossier.

Dr. Lothar Sukstorf | Do, 14. September 2017 - 13:07

Bravo H. Kissler, Sie sprechen mir aus der Seele. Das passiert eben, wenn wir es zulassen, daß jemand länger als acht Jahre regiert. Die Selbstherrlichkeit nimmt zu. Wer ist Souverän hier bei uns? Klar doch, MERKEL nebst ihren Claqeuren, Freunden, Spezies. Und schon gar nicht das Pack, welches AfD wählt. Sie wird sich wundern, die Dame, sie wird sich wundern...früher oder später

Anton Butz | Do, 14. September 2017 - 16:18

In reply to by Dr. Lothar Sukstorf

... sagt sie vielleicht: "Dann ist das nicht mein Land" und "Weiter wie bisher".

Aber wessen Land ist das, in dem ein Staatsvolk lebt?

Friedrich Rhein | Mo, 18. September 2017 - 10:47

In reply to by Dr. Lothar Sukstorf

... Aber was ist, wenn es am nächsten Sonntag nicht reichen sollte für Schwarz-Gelb - oder für Schwarz-Grün? Oder wenn es - aus welchen Gründen auch immer - auch nicht klappen sollte mit Jamaica? Und wenn vielleicht eine Ampel oder eine Rot-Rot-Grüne Regierung möglich wäre? Dann könnte es ja durchaus so sein, dass die SPD sich’s anders überlegt, den Schwarzen die kalte Schulter zeigt und der nächste Kanzler eben Schulz heißt und nicht mehr Merkel. Könnte ja passieren. Und dann wäre Ihr Wunsch in Erfüllung gegangen und Merkel wäre endlich weg. Denn mit der AfD will ja niemand und die AfD will auch mit niemanden. Ja was denn nun, Herr Dr. Sukstorf?
Meine Befürchtung: Je mehr Prozente für die AfD und je weniger für CDU/CSU, umso größer die Möglichkeit für Schulz - wenn er will. Und er will. Sagt er ja immer wieder. Schon mal was von „kontraintentional“ gehört? Bei Christoph Schwennicke nachlesen.

aber die Angst vor einem Kanzler Schulz finde ich übertrieben. Schlimmer würde es mit einem Kanzler Schulz auch nicht kommen. Ich möchte hier keine Reklame machen für ZON die auch zu denen gehören die die Kleider der Kaiserin (Kanzlerin) bejubeln dennoch hatten sie den Mut (der bei Cicero selbstverständlich ist) einen kritischen Artikel von Herrn Henkel der vor der Wahl von Frau Merkel warnt. Herr Henkel (ich bin weit davon entfernt ein Sympathisant von Herrn Henkel zu sein) analysiert messerscharf die Fehlleistungen unserer Kanzlerin und zwar von Anfang an ihrer Kanzlerschaft und nicht nur die "Flüchtlingsfrage". Es stört mich ungemein, dass durch die Flüchtlingsfrage alle ihre Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen so in den Hintergrund treten, wenn man so will angefangen bei ihrer Schleimspur zu Herrn Bush in Sachen Irakkrieg eben bis heute. Auch ihre Leistungen als Ministerin wurden und wird nie hinterfragt.

Dietmar Deibele | Do, 14. September 2017 - 13:38

danke Herr Kissler für den Beitrag, danke Cicero!
Ich freue mich, dass Sie haargenau die gleiche Sendung gesehen haben. Mir kam die Auswahl der Zuschauer als auch die Regie - die unmittelbar nach dem zurückgestutzten Protestler aus dem "Osten" (damit hat man ja die Querschnittsauswahl bereits rechtfertigt) sehr künstlich, konstruiert vor. Auch der Anfang mit dem Jungwähler aus Bayern, der die Union wählen will aber durch die Obergrenze mit seinem Gewissen in Konflikt gerät, bot eine lächerliche Vorstellung.
Cicero bitte mehr von der der Sorte!

Herr Deibele, werden es nicht wagen WIRKLICH KRITIK zu üben. Auch heute im ZDF nur unverbindliches Geplänkel.
Und immer wieder das, was Herr Kissler und andere hier schildern.. Hört endlich auf zu klatschen, wenn die Kanzlerin ihre unverbindlichen Antworten gibt. Denkt darüber nach,
was sie und ihre Helfer in den letzten Jahren geschaffen haben und wo das noch hinführt. Ihr wisst nicht was ich meine? Denkt doch einfach mal nach...

Hanns Baum | Do, 14. September 2017 - 13:40

Das gesinnungsethische "haben Sie doch auch ein offenes Herz für Menschen..." setzt die Kanzlerin bewusst ein, um damit jede auch noch so berechtigte Kritik und Besorgnis im Zusammenhang mit der Zuwanderung und der dadurch sich verändernden Gesellschaft und "unserer" Bundesrepublik zu deckeln. Mit diesem "Argument" werden Vernunft, Sachlichkeit und jeglicher verantwortungsethische Ansatz im Keim erstickt. Eine einigermaßen perfide Taktik, des Beifalls vieler sicher, wie auch erfolgreich in der Stigmatisierung demokratisch gesonnener, aber auch kritischer Bürger. So geht offenbar erfolgreiche Politik.

Alf Torsten Werner | Do, 14. September 2017 - 15:42

In reply to by Hanns Baum

"Die großen Übel in dieser Welt sind nicht die Folgen böser Absichten, sondern die Folgen eines unbegrenzten Willens zum Guten"
Gerhard Szczesny, Mitbegründer der Humanistischen Union und deren langjähriger Vorsitzender in: Das sogenannte Gute. Vom Unvermögen der Ideologen

Angela Merkel macht "überzeugenden" Wahlkampf - von der "Willkommenskanzlerin" zur "Abschottungskanzlerin" und wieder zurück.

Lt. WELT N24 beteuerte sie, dass sie heute wieder so handeln würde wie 2015. Dabei wollte die Kanzlerin vor zwölf Monaten „die Zeit um viele, viele Jahre zurückspulen“ und im Partei-Programm der CDU steht, dass alle gelernt hätten. Aber was?

Heinz Maier | Do, 14. September 2017 - 13:40

Die Kanzlerin, mit dem Erscheinungsbild einer unbedarften,sanften, unschuldigen und braven Person, ist genau das Gegenteil. Eine unglaublich ausgebuffte , geradezu süchtige Machtpolitikerin, mit allen Wassen gewaschen und mit allen Methoden vertraut, Gegner nieder zu machen.
Bei Drogenabhängigen habe ich erlebt, wie
unglaublich dreist ,erfinderisch und täuschungswillig Menschen sein können.

Brigitte Hesse | Mo, 18. September 2017 - 12:13

In reply to by Heinz Maier

Das meine ich auch, Herr Meier! Das unschuldige Kinderlächeln und ihre Kartoffelsuppe, in der Uckermark gekocht, können mich nicht täuschen.
Sie will nur Macht. Was ich nicht begreife, wozu sie dabei Millionen Fremde aus unterentwickelten Ländern braucht. Sie sollen die Rente der nächsten Generationen erarbeiten? Erstmal werden sie unser Sozialsystem in den Bankrott bringen. Sie können nichts dafür! Aber unsere Politiker!

Petra Führmann | Do, 14. September 2017 - 13:54

Alles Reden hilft nichts, ich verstehe die Welt und die Wähler nicht (mehr). Wie kann man sich gegen alle Vernunft so einlullen lassen? Wie das glauben, was an Hohlphrasen und Moralisiererei gedroschen wird? "Die Menschen... Mitleid... " Sind wir in der Kirche? Wozu noch ein Parlament? Wieso machen alle das mit? Ich bin ein sehr mitfühlender Mensch, aber nicht mit Leuten, die sich etwas erzwingen, fordern oder die mich manipulieren und für dumm verkaufen wollen. Die Beschimpfungen prallen an mir ab... wer sind die, die das von sich geben? Nichts Besseres als ich. Ich rede schon fast wirr, weil es mich so dermaßen umtreibt und es nur noch schwirrt in meinen Gedanken und Gefühlen. Ich wünschte, mehr Leute würden erkennen, was uns geboten wird und bevorsteht. Und das demnächst in noch längeren Abständen; einige Male 5 Jahre hintereinander. Man kann nur noch resignieren, weil man diesen Dauerstress, diese Ausweglosigkeit nicht ertragen kann.

Liebe Frau Führmann! Lehnt man wie der Autor das Ganze an eine Kur zum Zwecke der
moralischen "Wiedergenesung" an, könnten Sie wie auch ich eventuell an einer
Therapieresistenz verbunden mit einem Mangel an Compliance leiden.
Bis zum 24.09. müssen wir aber tapfer mit den Placebos leben;).Schönen Tag noch!

inhaltlich teile ich Ihre Ansicht, bin aber nicht der Meinung, dass man deshalb resignieren sollte.
Es ist nun einmal so, dass der Mensch die Welt nicht sehen will so wie sie ist. Er weicht aus und flüchtet sich in Ideen, Phantasien, Vorurteile, Religion und Hirngespinste aller Art. Das bestimmt dann sein Weltbild, nicht die Realität. Wir können das nicht ändern und müssen damit leben, dass die Mehrheit so tickt.
Natürlich hätte jeder die Möglichkeit selbstständig zu denken, aber er will es gar nicht. Denn auf die Idee selbstständig denken zu können kommt man nicht automatisch. Man muss es wollen. Und für viele, leider für zu viele, ist dieser Weg zu mühsam.
Da ist es einfacher und bequemer sich leiten und lenken zu lassen. Wäre es anders, gäbe es keine Merkels, keine Trumps, keinen Papst und keine Mainstream-Medien.
Also, liebe Frau Fuhrmann, freuen Sie sich, dass Sie offenbar zu den wenigen gehören, die lieber selber denken als sich sagen lassen, was sie denken sollen.

... Vielleicht hilft das ein wenig:

"Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." (Reinhold Niebuhr)

Gruß TK

Christa Maria Wallau | Do, 14. September 2017 - 13:54

Ihr Kommentar trifft ins Schwarze!
Daß sich viele deutsche Bürger als freie Individuen derart moralisch bevormunden lassen, ist für mich nur so zu erklären:
Es wurden ihnen über Jahrzehnte erfolgreich politische Schuldgefühle eingeimpft!
Mit Gott haben die meisten Deutschen nichts mehr am Hut, sind stolz darauf, sich von den Kirchen emanzipiert zu haben. Dafür akzeptieren sie jetzt eine säkulare Macht, die ihnen sagt, was richtig u. falsch ist.
Wie früher der Pfarrer seinen Schäfchen die Hölle heiß machte, wenn sie kritische Fragen stellten, so sind es heute Merkel + die geballte Medienmacht, die a l l e mit gesellschaftlicher Ächtung bestrafen, welche die Regierungspolitik nicht freudig mittragen.
Dieses Verhalten ist ein Schlag ins Gesicht derer, die in der Aufklärung u. in Revolutionen für Vernunft, Gewissensfreiheit u. Bürgerrechte (teils unter Einsatz ihres Lebens) gekämpft haben,
Wahrer Demokraten ist das Ganze unwürdig.
Die Deutschen machen sich lächerlich vor aller Welt!

Ralf Altmeister | Fr, 15. September 2017 - 19:57

In reply to by Christa Maria Wallau

Die Strategie von Merkel ist subtiler . Sie zielt m. E. ab auf die Sehnsucht nach einer humanitären, sozialen (sozialistischen ?) und moralisch überlegenen Gesellschaft, wie sie sich vornehmlich viele Westdeutsche wünschen, die mit dem real existierenden Sozialismus noch keine Erfahrungen gemacht haben.
So wie es zu DDR- Zeiten war, läßt sich mit der sozial-humanitären Moralkeule nahezu jedes Gesetz rechtfertigen, nach belieben aushebeln oder die Durchsetzung verhindern, ebenso die beliebige Diffamierung und Existenzbedrohung des politischen Gegners.
Die demokratischen Institutionen, wie z. B. das Verfassungsgericht, sind zwar formal unabhängig aber der moralische Druck auf die "Haltung" der handelnden Personen in einer derartigen gesellschaftlichen Atmosphäre zwingt sie zu weitgehender Konformität.
Mit den Erfahrungen der Ostdeutschen, dass dies in eine Quasi- Diktatur führen kann, kriegt Frau Merkel dort keinen Fuß auf die Erde. Im Westen wird dies vielfach noch nicht erkannt.

... Merkel verfolgt persönlich die eigene Machterhaltung und politisch die neoliberale Ausrichtung einer "marktkonformen Demokratie".

Ehrlich gesagt, ich tue mich schwer zu glauben, das Merkel Schuldgefühle oder Sehnsucht erzeugen will. In Ostdeutschland hatte die Propaganda eine Kontroll- u. Appellfunktion u. war ein Mittel um die Leute beisammen zu halten. Merkel popularisiert ebenso, indem sie kurze, prägnante Floskeln sagt ohne diese zu erklären.

Merkel moralisiert, weil sie ja nicht einfach sagen kann, dass mehr Flüchtlinge & Migranten per se mehr potentielle AN bei gleichbleibendem Arbeitsangebot sind (ergo niedrige Löhne garantieren) dito auf dem Wohnungsmarkt. Merkel ist in einer AG nahen Partei Chefin u. nicht bei den LINKEN. Kein Politiker (außer AfD-Politiker) sagt das, was er meint. Das ist die Macht der (Herrschafts-)Sprache, die sich Politiker bemächtigen.

Ulrich Eisenberg | Do, 14. September 2017 - 14:16

Lieber Herr Kissler,
ein genialer Artikel, wohltuend und erfrischend, so etwas heutzutage in Deutschland noch lesen zu dürfen.
Weiter so!

Nikolas Amelith | Do, 14. September 2017 - 14:17

Das Schlimme daran ist, das die Merkelsche Politk von Globalisierung/Buntheit etc. gar nicht aus diesen moralischen Gründen erfolgt, sondern teilweise dem Populismus und teilweise vielleicht auch der Öffentlichkeit vorenthaltenen Bertelsmann-Studien zur Demographie geschuldet ist.
Merkel steht damit allerdings in guter Tradition von anderen semi-demokratischen Regimen. Die allgemeine Kriegsbegeisterung vor 1914 wurde z.B. auf die gleiche, wenn auch anders gepolte Moralisierungsmethode erreicht.
Für die Zukunft Deutschlands wird es aber mangels freien Denkens langsam "bedenklich".

Bernd Müller | Do, 14. September 2017 - 14:19

Wurden die der Merkelschen Menschlichkeit begeistert Applaudierenden vom Moderator nicht als Claqeure bloßgestellt. Das tut man nicht mit denen, da ihnen von höchster Stelle bestätigt wird, dass sie gut sind. Bleibt die Frage, warum im Herbst 15 keine Zeit blieb, den BT mit der Problematik zu befassen und den Abgeordneten auch Gelegenheit zum Gutsein zu bieten.

... könnte lauten, dass es dann anders hätte kommen können als wenn Frau Merkel nur mit zwei CDU´lern spricht, mit Herrn Gabriel telefoniert. Auch innerhalb der EU hat sie im Alleingang die starke Frau gezeigt. Für den übergangenen Herrn Seehofer ist das noch immer die "Herrschaft des Unrechts". Aber wir wählen diese Herrschaften als wäre nichts gewesen.

Karin Zeitz | Do, 14. September 2017 - 14:19

zeigt die ganze Hybris dieser Frau, die ganz bewusst gegen geltendes Recht und Verträge verstoßen hat, als sie den massenhaften Zustrom von Migranten zugelassen hat. Mir klingen noch heute ihre Worte im Ohr “Wir können nicht beeinflussen, wer zu uns kommt“ und “Wir schaffen das“. Ohne ein parlamentarisches Mandat wurde die Überlastung der Sozialsysteme und die enorme Verschlechterung der inneren Sicherheit in Kauf genommen.

Nur Hamanda | Do, 14. September 2017 - 14:50

Das erscheint wie die weibliche Form der !Basta!-Politik des Herrn Schröder und seiner Gefolgschaft.
Erschreckend ist, mit welcher Dreistigkeit diese zur Schau gestellte Überheblichkeit erfolgt. Hybris kommt vor dem Fall. Es ist so offensichtlich.
Wie das enden kann, kann sich die CDU in der Rückschau und der Gegenwart und nahen Zukunft beim jetzigen Koalitionspartner SPD anschauen. Am besten schon Mal drauf einstellen.

Bernhard K. Kopp | Do, 14. September 2017 - 15:09

Eine solche Breitseite gegen die Kanzlerin findet man in deutschen Medien fast nie. Noch dazu hervorragend analysiert und formuliert. Ich selbst 'habe mit Merkel fertig' seit sie am 5. Oktober 2008 mit Steinbrück vor der Fernsehkamera stand. Ich hielt die dabei zum Ausdruck gekommene Anmassung das für ein verfassungspolitisches und finanzpolitisches Kapitalverbrechen. Es hat sich nur niemand zu einer Verfassungsklage getraut.

Linda Berckhemer | Sa, 16. September 2017 - 00:22

In reply to by Bernhard K. Kopp

Ich hatte schon immer mit Ihr fertig....
Urban Priol nannte Sie einmal
"Ostschnatze" was immer das wirklich bedeutet, es gefällt mir.
Nicht gefällt mir, das in unserem ach so reichen Land für nichts Geld da ist - nicht für unsere marode Infrastruktur, nicht für arme Kinder und Rentner/ innen, nicht für Schulen ausreichend Lehrer, Polizisten, Krankenschwestern, Pflegepersonal in Altenheimen und so weiter - aber plötzlich hat das Geld Junge bekommen und alles was mit Flüchtlingen zusammen hängt das schaffen wir. Da frage ich mich wer ist wir?
Nach der Wahl werden wir das alles erfahren und vor allem spüren...
Und natürlich stimme ich Ihrem Kommentar vollkommen zu - danke

gabriele bondzio | Do, 14. September 2017 - 15:16

Man lese dazu auch bei bei Stieferle nach, der diese recht einfach und verständlich beschrieben hat. Und er spricht am Kapitelende: Die Regeln der moralischen Arithmetik müssen eine merkwürdige Logik besitzen. Aber der Moralist ist auch hier um keine Antwort verlegen." Die eigene Moral (der Begriff Moral, wird ja nicht umsonst, als das sittliche Empfinden eines Einzelnen oder einer Gruppe definiert) zur Bringschuld der anderen zu erheben/erklären, macht die Sache für den Rest (die unter Moral andere Dinge einordnen) schwer. Und darauf reist man gerne. Die Paradoxie dabei ist, die moralischen Aussagen sind variabel auf ihre Anwendung hin."...die Chefin der Exekutive dieses Volkes, nimmt sich einfach das Recht, jenseits von Verfassungs- und Gesetzestreue moralisches Wohlverhalten abfordern und alle die das ablehnen springen über`s Stöckchen, sie sind der Unmoral und Herzlosigkeit preisgegeben.

Chris Groll | Do, 14. September 2017 - 15:17

Sehr geehrter Herr Kissler, vielen Dank für diesen guten, wahren und erfrischenden Artikel.

Heidemarie Heim | Do, 14. September 2017 - 15:19

Ja ja,die Keule der Moral ist unerbittlich. Und wenn
der "Deliquent" bis zu seiner Vorführung noch etwaige Zweifel bezüglich seiner Wahlentscheidung nährte, dürften diese m.E. erfolgreich beseitigt worden sein.Zumal er nun Seit an Seit` mit Frau Weidel steht,die laut Aussage unserer Verteidigungsministerin,eine unerträgliche Kälte bei ihren Ausführungen an den Tag legte.
Gegenschnitt auf die das Studio Verlassende,
feixend zusammenrückende Mitgäste und donnernder Applaus vom Publikum.
Angesichts solcher Darstellung hochmoralisch
offener Herzen,natürlich nicht für den politisch
herzlos erachteten Gegner, bleiben mir nunmehr die eigenen Maßstäbe zur Anwendung.Jedoch
in sehr konspirativer Art und Weise,sozusagen als Lehre aus dem Schicksal des netten Herren aus Apolda:) Danke Herr Kissler! MfG

Gisela Fimiani | Do, 14. September 2017 - 15:53

Und abermals gilt Nietzsches Feststellung:
"Die Menschheit wird am besten genasführt mit der Moral."
Vorzüglich, Herr Kissler, vielen Dank!

Martin Lederer | Do, 14. September 2017 - 15:58

Merkel ging es in ihrem Leben noch niemals "um Menschen". Sie hat aber erkannt, welche tollen politischen Waffen sie hat, wenn sie auf den moralischen Imperativ setzt, der scheinbar bei vielen Deutschen immer noch greift.
Ich halte es sogar für möglich, dass Merkel ihre eigenen Aussagen mittlerweile selbst glaubt.

Anton Butz | Do, 14. September 2017 - 16:05

Danke für diese kritischen Formulierungen – auch in der Hoffnung, dass wir nicht wieder Giovanni Di Lorenzo und eine Studie von Herrn Haller brauchen, die später alles zurecht rücken.

Willi Mathes | Do, 14. September 2017 - 16:15

Sitzt !

Frau Merkel's Wahl(k)rampf, als selbsternannte göttliche " Rautenfrau ", ist kaum noch erträglich !

chapeau Herr Kissler und freundliche Grüsse

Roland Krüger | Do, 14. September 2017 - 16:45

"...die zu erklären weiß". Genau das weiß sie nicht, wie denn auch - wie sollte sie das Unerklärliche erklären? Sie tut das ja auch nur in auserwählten Zirkeln wo erstens die richtigen Fragen gar nicht gestellt werden und zweitens das Publikum mit dem unbedarften Geplapper als Antwort zufrieden ist. Nur eine Randnotiz - keine Kritik - zu einem Artikel, der mir voll aus dem Herzen spricht.

Ursula Schneider | Do, 14. September 2017 - 16:46

"Das darf man alles öffentlich sagen und fragen, aber halt nur einmal." So ist das heute - zumindest bei den Öffentlich-Rechtlichen ...

Zum Glück nicht beim CICERO.

(Man wird es natürlich nie erfahren, aber mich würde echt interessieren, welche Parteien die "kurenden" Redaktionsmitglieder am nächsten Sonntag im "Spital" Deutschland wählen ...)

Peter Dietermann | Do, 14. September 2017 - 17:04

wäre es gewesen, wenn Deutschland, auf Merkels Anordnung, Flüchtlinge aus UN Flüchtlingscamps, also dort wo Menschen sind die nur wegen der Fluchgefahr und sicher nicht wegen eines Pullfaktors hingeflohen sind abholt hätte und sicher nach Deutschland geholt hätte und zwar nach Kriterien wie z.B. besonderer Schutzbedürftigkeit.

Das was ist statt dessen hatten und haben, also die völlig unkontrollierte Zuwanderung nach den Kriterien eingewandert ist, wer einen Schlepper bezahlen kann und die Fluch überlebt hat nichts mir moralische Politik zu tun. Schon gar nicht, wenn dann Despoten bezahlt werden, damit das "unbegrenzt" nicht zu groß wird nachdem diese Politik für Aufbruchstimmung von Bangladesh bis Gambia gesorgt hat.

Merkel Politik hatte nie etwas mit Moralität zu tun, es gab keinen Plan, kein Konzept, eine unsägliche Vermischung von Asyl, subsidiärer Hilft und Einwanderung. Es gab nur ein krassen Fall von Staatsversagen und völlige Hilflosigkeit der Regierung.

Juliana Keppelen | Fr, 15. September 2017 - 13:58

In reply to by Peter Dietermann

stimme ihrem Kommentar vollkommen zu. Frau Merkel hat nie regiert wenn überhaupt hat sie reagiert und dann meistens falsch und zu spät. Allerdings bei der spontanen Grenzöffnung und der damit verbundenen Mutation der Perle aus der Uckermark zur "Mutter Angela" kommen ich nicht umhin daran zu denken, dass der FNP vakant war und einige der Medien und "Hofschranzen" damit rechneten, dass die neue "Mutter Angela" ihn verdient hätte (zumindest ist das eine Erklärung für diese "spontane" Entscheidung ohne die Einbindung des Parlamentes und der EU). Zum Glück ging dieser Kelch an uns vorüber.

Bernhard Jasper | Do, 14. September 2017 - 17:14

Herr Kissler,
die Medien sind die Kirchen der Gegenwart. Dafür haben wir noch keine philosophische Theorie.

Christoph Kuhlmann | Do, 14. September 2017 - 17:20

dosieren kann, wie in einer Talkshow. Merkel hat es jedenfalls geschafft die AfD sicher in sämtliche Parlamente zu hieven. Niemand ist gezwungen sie zu wählen, allerdings stellt sich dann die Frage nach der Alternative. Hier kommen wir zum Kern von Merkels Arroganz der Macht, ihre Alternativlosigkeit. Die SPD hat es in zwölf Jahren nicht fertig gebracht das politische X namens Merkel, das eimal für das eine, dann wieder für das Gegenteil steht, ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Wer kein Profil hat, eckt halt selten an.

Klaus Wenzel | Do, 14. September 2017 - 17:30

Ja, das ist - zumindest für eine gewisse Zeit - eine erfolgreiche Strategie der Kanzlerin. Wenn auch keine originäre "Erfindung" Angela Merkels. Versagen die Sachargumente, kommt die Moral als Druckmittel ins Spiel. So kann Frau Bundeskanzlerin ihre offensichtlichen Regierungsfehler (keine Grenzschliessung wegen "unschöner Bilder") mithilfe beflissener Medien (erschreckend, wie unkritisch bestimmte Journalisten heute sind, das ging früher doch anders) ein ums andere Mal "zurechtbiegen". Das wird aber nichts an den mittel- und langfristigen Folgen dieses Merkelschen "humanitären Imperativs" ändern. Diese werden sich möglicherweise nur allzu bald unliebsam bemerkbar machen: im steten finanziellen Aufwand für die "Zugewanderten" und die sie begleitenden Betreuer, im täglichen Zusammenleben, in der "bunten Vielfalt" mit allen Folgen, vielleicht auch im Schwinden des Heimat- und Sicherheitsgefühls der Bürger, möglicherweise sogar als Exodus der jungen Talentierten dieses Landes.

Heinrich Jäger | Do, 14. September 2017 - 17:32

ist eine Wohltat, zwischen den leider zum Teil in den Mainstream abdriftenden sonstigen Artikeln des Cicero weiter so Herr Kissler.

Tobias Werner | Do, 14. September 2017 - 19:30

Auch wenn ich all den Kommentaren u. dem Beitrag hier wiedereinmal voll zustimmen kann, bleibt es an mir, hier mal ein paar erklärende Einwände zu formulieren. Merkel war doch schon immer so - wurde gleichwohl immer wieder gewählt. Wurde auch gewählt, obwohl sie dem letzten Irak-Krieg eher zugestimmt hat, darüber auch hernach nie geredet hat. Viele v. Denjenigen, die diese Frau gewählt u. gestützt haben, sagen jetzt sozusagen freiwillig auch B. Aber, ja, damit sollte nun endlich doch auch Schluss sein, immerhin hat nun ja auch die FDP ein gutes Flüchtlingskrisen-Konzept, aber auch dort war man eher für den Irak-Krieg. Ist die AfD nun besser - mit Ihren z.T. recht primitiven Provokationen? Wenn diese ihre eigene Groß-Kritik ernst nehmen würde, dann müsste sie sagen, dass sie sehr gern an die Macht kommen würde, auch wenn dies sehr unwahrscheinlich erscheint. Stattdessen will sie ja nur in die Opposition. Das ist eine große Schwäche. Und wer wäre denn der beste/bessere Kanzler!?

Henning Magirius | Do, 14. September 2017 - 19:32

Vielen Dank, Herr Kissler, für diese treffende Analyse der Wahlarena am vergangenen Montag. Bereits im Herbst 2015 äußerste sich Angela Merkel, Kanzlerin eines Staates mit dem Volk als Souverän, im Angesicht der Flüchtlingskrise, dass "Deutschland ein freundliches Gesicht zeigen" solle, sonst sei es ja "nicht mehr ihr Land". Diese ichbezogene Äußerung ist nicht einzigartig in der europäischen Geschichte. Schon einmal gab es ein (französisches, allerdings absolutistisches) Regierungsoberhaupt, das formulierte: "L'etat c'est moi."

Tobias Werner | Do, 14. September 2017 - 20:13

bei den großen TV-Sendungen, auch nicht
beim Kanzlerduell - obwohl es dort angeblich zu sehr um Außenpolitik gegangen sei. Auch hier, kann sich Schulz ja nicht abgrenzen. Immerhin haben FDP u. AfD, auch hier eine Gegenposition.

Zur Koalitionsfrage: Ich war ja schon immer für eine Allparteienregierung. Gerade jetzt ist bzw. wäre diese eine gute Lösung aus dem Dilemma "wer mit wem". Auch so hätte die AfD die Möglichkeit, gleich in d. Regierung zu kommen - warum fordert dies auch die AfD nicht?
In der gelobten Schweiz ist dies ja seit Jahrzehnten d. Fall!

Wie es aussieht, werde ich wieder die größte Fraktion dieses Landes stärken müssen, die der Nichtwähler...

Was AfD u. FDP stark hervorheben sollten: Die Volksabstimmung braucht man ganz besonders bei der Zahl der gewünschten Einwanderer, da dies ja unsere kollektive Konstitution verändert. Manche wollen Unbegrenzt, manche Null - die anderen irgendwas dazwischen. Nur so lässt sich dies demokratisch gut befriedigen!

Gerd Bindel | Do, 14. September 2017 - 20:56

Wir leben zum Glück (um den Ausdruck "Gott sei Dank" zu vermeiden) nicht in einem Gottesstaat.
Unsere Gesetze sind reines Menschenwerk, von Abgeordneten erstellt, die nur ihrem Gewissen verantwortlich sind. Diese Rechtsordnung gewährleistet den inneren Frieden, wenn nicht gar den Zusammenhalt der Bürger bzw. der Bewohner unseres Landes.
Nicht irgendwelche Hohepriester oder Sittenwächter oder Moralapostel geben die Direktiven für staatliches Handeln vor. Staatliches Handeln ist an die geltenden Gesetze gebunden. Die bedingungslose, absolute Befolgung religiöser bzw. moralischer Zielvorstellungen einzelner Bürger oder Bevölkerungsgruppen kann nicht Aufgabe des Staates sein.
So gesehen "geht gar nicht", dass eine Bundeskanzlerin Merkel ihr Regierungshandeln nach eigenem Gutdünken ausrichtet und begründet (moralischer Imperativ meines Ichs), insbesondere in der
Frage von Zuwanderung.

Sepp Kneip | Do, 14. September 2017 - 22:02

Diese selbstherrliche und ichbezogene Dame kann sich doch nur so gebärden, weil ihr die Qualitätsmedien zu Füßen liegen. Weil jeder Flop, jede Fehlleistung von ihr -und das sind nicht wenige- in Erfolge umgeschrieben werden.

Wie kann eine Regierungschefin, die an Recht, Gesetz und Bürger vorbei regiert, das Grundgesetz missachtet und die Gewaltenteilung aushöhlt, Recht und Moral predigen? Wäre das alles nicht so traurig und würden viele Bürger nicht auf diese Scheinheilgkeit hereinfallen, müsste man schmunzeln ob solcher Dreistigkeit.

Lechzen die Leute wieder nach einem großen Führer oder Führerin, der/die machen kann, was sie will, man folgt? Man wird erst wieder begreifen, wenn man vor einen Scherbenhaufen steht.

Thoralf Krüger | Fr, 15. September 2017 - 10:05

Diese Wahlkampfauftritte zeigen nur, dass wir in der Bundesrepublik ein strukturelles Demokratieproblem haben. Zum einen haben wir derzeit noch ein Parlament, welches kaum ernsthafte Opposition zu Merkel entwickelt, was diese Frau dann zu ihren bekannten Selbstermächtigungen veranlasst und zum anderen haben wir einen Großteil der etablierten Medien (Cicero sein hier ausdrücklich ausgenommen) , die -anstatt kritisch über die Regierung zu berichten- dieser größenteil huldigen sich lieber auf den außerparlamentarischen Unmut stürzen. Dieser Prozess schaukelt sich immer mehr auf und die Spaltung der Gesellschaft nimmt ihren Lauf.
Die Alternative liegt m.E. in mehr basisdemokratischen Beteiligungsmöglichkeiten und zeitliche Begrenzung von Ämtern und Mandaten!

... so ist das politische System in D. aufgebaut. Aus den Erfahrungen der Nazidiktatur. Was wir z. Z. mit Frau Merkel erleben zeigt, das es aber mit der "Struktur" bzw. mit der Parteiendemokratie ein Problem gibt. Nämlich, wenn die Abgeordneten sich nicht daran halten: die SPD will nicht in die Opposition sondern lieber irgendwie mit regieren, wie alle anderen auch. Und Merkel hat ihre CDU so stramm hinter sich gebracht, das das an eine militärische Organisation mit Top-Down Ansatz erinnert.

Folglich ist alles Geschwafel im Wahlkampf für die Katz, der Bürger hat nur alle 4 Jahre eine Korrektur, die gar keine mehr dar stellt.

Das positive an Frau Merkel ist doch, das sie unsere demokratische Defizite aufzeigt: - keine Amtsbegrenzung
- Alleinentscheidung
- mehr Lobby als Souverän
- keine-für-alle-Kanzlerin
usw. ...

Solange der polit. Gegner Merkels diese Punkte nicht lösen will .... kann uns jederzeit das gleiche passieren.

Michael Bodef | Fr, 15. September 2017 - 10:19

Es gibt keine BÜRGERLICHE Partei namens CDU mehr. Das ist sehr bedauerlich. Diese Dame Nie ein wirkliche Verbundenheit zu unserem demokratisch verfassten Gemeinwesen entwickelt hat. Ich muß mir nicht von einer dahergelaufenen, und sich "nach oben getricksten" Opportunistin in verschwurbelten Provinzdeutsch im Staatsfunk erklären lassen (müssen), wie sich das deutsche Volk verhalten soll.

Dora Geigk | Fr, 15. September 2017 - 10:48

Danke!!!!!! Hoffentlich lesen das ganz viele. Aber ich hoffe doch, dass abgesehen von den eingelullten Klatschern im Publikum viele Zuschauer vor den Fernsehern erkennen, dass hier jemand nur noch abgehoben ist. Halt wie es den meisten mit Macht ergeht, die zu lange nur noch von Ja-Sagern in ihrem Umfeld umgeben sind. Wie und wo soll jemand wie Merkel noch Realität erfahren? Da kann nur der Wähler sie in die Realität zurückholen. Mal sehen...

Peter Voit | Fr, 15. September 2017 - 11:10

Ja, der Artikel war nötig. Doch es sollten auch jene gesehen werden, die immer wieder dafür sorgen, daß Merkels "Moralismus gegen Kritiker" bei vielen gut ankommt. Vor allem da, wo man es kaum merkt.
"Die Kanzlerin rüffelt die Autobosse - aber nur ein bißchen", so lese ich. Und: "Soll man sie trotzdem für ihre Innovationen loben? Oder ihnen öffentlich den Kopf waschen?" - "Warum alle vom Elektroauto reden, aber kaum einer eines fährt".
Nein, nicht alle reden vom Elektroauto, wie auch nicht alle vom Wetter reden wie in dem einstigen Slogan der Deutschen Bundesbahn. Worauf jedoch viele, allzu viele abfahren, sind die Praktiken von Zeitungen, Kanzlerin Merkel so hinzustellen, als gleiche sie einer auf Ordnung und Reinlichkeit bedachten Hausfrau, die ihre Kinder "rüffelt", wenn sie mit Dreckschuhen die Wohnung betreten. Oder einer treusorgenden Mutter, die den Ihren auch einmal "den Kopf wäscht".
Es ist die Sprache der Demagogie, die dazu führt, daß Merkel weitgehend verkannt wird.

Truiken Kardos | Fr, 15. September 2017 - 11:17

Ein hervorragender Artikel, danke Herr Kissler. Es wird einem wirklich bange, wenn die BK in der ARD Wahlarena verkündet: "Meine Haltung zu der Obergrenze ist ja bekannt, dass ich sie nicht will. Ich möchte sie nicht. Garantiert." Das lässt nichts gutes für die Zukunft vermuten, sollte sie wieder gewählt werden, leider.

Hans Lutz Oppermann | Fr, 15. September 2017 - 12:16

Naja, die Medien verbreiten ja auch dieses Bild einer Therapeutin, das dies aber der Adolfo im Schafspelz ist will niemand sagen - sie beißt und lässt sich den Knochen nicht aus dem Maul reißen, von keinem. Das lässt sich nur mit einem Herrschaftsanspruch erklären - es gelingt ihr die Rolle der herrische, zynische Schiwegermutter hinter einer wohlwollende Attitüde zu verpacken, man hofft auf ihren freiwilligen Abtritt und keiner will Schuld sein an ihrem Sturz - und Martin Schulz hat gar nicht vor ihren Herrsxhaftsanspruch in Frage zu stellen und sie zu stürzen, er hofft wirklich auf ein Wahlwunder.

Markus Michaelis | Fr, 15. September 2017 - 14:19

Eine Komponente von Politik ist durchaus das "Führen", insofern würde ich Merkel etwas Moralismus zubilligen. Ablehnen tue ich, wenn es als alternativlose, universelle Moral dargestellt wird und nicht als ihre Moral, der man dann folgt oder nicht. Was mir noch mehr Sorge macht, ist, dass sie suggeriert, dass ihre Prinzipien zu einer guten Welt führen und sie die Dinge im Griff hat oder zumindest richtig anpackt. Deutschland hat aber eine erhöhte Drehzahl erreicht, Merkel kann schnell weg sein und hat begrenzte Mittel. Ihre Unterstützer haben glaube ich auch weniger Masse, Kraft und Gemeinsames als sie selber glauben. Insofern ist Merkels Kurs einer rasanten Neuorientierung glaube ich recht riskant.

Torsten Knecht | Fr, 15. September 2017 - 22:56

In reply to by Markus Michaelis

... ist Turbo-Kapitalismus. Weiter nix. Der rote Faden den Merkel kennzeichnet, zeigt ganz klar: Deutsche Wirtschaft über alles. Partikularinteressen haben Priorität.

Merkels orientiert sich an den Bedürfnissen der Wirtschaft u. das heisst "marktkonforme Demokratie": Staatsversagen im Wohnungsmarkt u. Infrastruktur, Nullförderung von Arbeitslosen trotz "Fachkräftemangel" (Lüge), Zuwanderung in den Arbeitsmarkt von den IHKs propagiert tarnt Merkel als "humanistischer Imperativ" wobei sie unerwähnt lässt, das dem Zustrom Werbevideos der BAMF in 39 Sprachen vorausgingen, ÖPPS, G20-Königin, Eliten-EU-Projekt geht Freizügigkeit vor den Interessen der eigenen Bevölkerung usw. ...

Nein, Merkel erfindet sich nicht neu, sie will nur Macht. Und die behält sie nur, wenn sie sich zur Lobbyistin der Wirtschaft macht. Den Preis für diese selbstsüchtige Machtgeilheit sieht man, wie die Gesellschaft an den Rändern auseinandertreibt.

Ralf Ehrhardt | Fr, 15. September 2017 - 18:50

Die im letzten Absatz des Artikels mehrfach gestellte Frage "...darf sie ? ..." ist natürlich mit "NEIN !..." zu beantworten.

Aber "...sie kann (!!!)".

Vorbei an Recht und Gesetz, an der Verfassung, am eingeschlafenen Deutschen Bundestag und an den Ländern Europas versucht sie, allen deutschen Bürgern, allen Europäern und der ganzen Welt ihre "Übermoral von Menschlichkeit" aufzuzwingen.

Bürger, die nicht zustimmen und mitmachen, werden diffamiert, in´s Lächerliche gezogen und in die ´rechte Ecke` gestellt; Staaten, die nicht mitmachen wollen, soll der ´Geldhahn` zugedreht werden und es werden ihnen Verfahren angedroht.

Und keiner traut sich, die AfD ausgenommen, gegen Merkel aufzustehen; so groß ist mittlerweile ihre Machtposition auf allen Ebenen: über Parteien und Politiker, Medien, Gewerkschaften bis hin zu Kirchen etc.
Demokratie à la Deutschland im Jahre 2017 ff.

Soll die Welt wirklich an diesem ´deutschen Wesen` genesen ?

Alois Camenzind | Sa, 16. September 2017 - 02:20

Sehr geehrter Herr Kissler
Sensationeller Artikel und eine Perfekte Analyse dieser Person. M.E. ein Prosaisches Meisterwerk. Einen guten Tropfen und den Cicero mit Kissler macht das Leben nach einem anstrengenden Arbeitstag wieder lebenswert. Vielen Dank

Franz Reinartz | Sa, 16. September 2017 - 08:28

Man sagt der Marie Antoinette nach, den Armen empfohlen zu haben, statt Brot Kuchen zu essen. Frau M. agiert sehr ähnlich, indem sie ihre Haltung kantisch korrekt zur Verhaltensmaxime aller erklärt.
Selbst ist sie den ihr sehr wahrscheinlich gar nicht bekannten (wenn man entsprechenden Berichten über Begegnungen der M. mit "einfachen" Menschen glauben mag) Aus- und Nebenwirkungen ihrer "gnadenreichen Politik" des "ICH" nicht ausgesetzt.
Frau M. ist m.E. diesbezüglich schon sehr eigen.

Werner Baumschlager | So, 17. September 2017 - 19:35

Für mich ist das nicht mehr und nicht weniger als die realistischste Aufführung von "Des Kaisers neue Kleider" aller Zeiten, und genau so wird man einst auf diese Jahre zurückblicken. Einen vierten Teil hätte es allerdings wirklich nicht mehr gebraucht.

Dr. Lothar Sukstorf | Mo, 18. September 2017 - 11:01

Für mich ist Fr. Merkel ein politischer Nichtsnutz!

Brigitte Hesse | Mo, 18. September 2017 - 12:04

Frau Merkel hat meiner Meinung nach mit Hilfe des Moderatoren-Teams und des sicherlich sorgfältig ausgewählten Publikums den Herren aus Apolda fast lächerlich gemacht. Er hatte keine Chance.
Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. Frau Merkel bzw. ihre Partei hat nach Umfragen, die alle unterschiedlich ausfallen, vom Volk zur Zeit etwas über 30 %. Dafür ist sie aber ziemlich hochnäsig, bei aller Freundlichkeit.
Ganz eindeutig hat sie aber nicht demokratisch gehandelt im Herbst 2015, als sie allein beschloss, hunderttausende Migranten in kürzester Zeit unkontrolliert in unser Land zu lassen. Vielleicht hat Herr Gabriel sein Einverständnis erklärt, darüber wird kaum geschrieben, Herr Seehofer hat in der Nacht geschlafen und Herr de Maiziere war krank. Dann muss man bei einer so wichtigen Ent-scheidung leider noch ein paar Tage warten. Diese einsame Entscheidung hat unser Land verändert, das Volk gespalten und höchst verunsichert. Sie muss uns wenigstens zuhören!

Dr. Lothar Sukstorf | Mo, 18. September 2017 - 12:39

Lieber Cicero, mich würde mal interessieren, wieviel Wetterfähnchen Fr. Merkel in ihrer Karriere als Kanzlerin "verschlissen" hat? Und wer der Lieferant ihrer zahlreichen Windfähnchen ist. Unabhängig davon, E. Honecker hatte mehr "Schneid" als sie; der führte nämlich von "vorne", versteckte sich nicht und wartete nicht ab, woher der Wind kommt und wohin er sich dreht.

Friedrich Rhein | Mo, 18. September 2017 - 14:04

In reply to by Dr. Lothar Sukstorf

Na na na. Da wäre, würde Ihre Erkenntnis eine richtige sein, am Ende sogar Frau Wagenknecht die allererste Wahl. Oder habe ich Sie da falsch verstanden? Und der Honecker? Hat der nicht immer sein Fähnchen in den aus Moskau herüberblasenden Wind gehängt, zumindest so lange, bis der Gorbatschow die Windrichtung etwas veränderte. Aber schneidig war er manchesmal schon, der Erich, z.B. mit seinem strammen Ausruf: "Den Sozialismus in seinem Lauf / halten weder Ochs noch Esel auf".

Wilhelm Maier | Di, 19. September 2017 - 19:06

"Wie sehen Sie das, was heißt das für das Parlament, wenn da auf einmal Nationalisten, Rechtsextremisten und auch Fremdenhasser im Plenum sitzen?": so eine Frage von Peter Klöppel:
http://www.n-tv.de/politik/Erfahrung-und-Neugier-sind-gute-Mischung-art…
Peter Klöppel!, waren sie das? wirklich? wenn Ja!. Pfui und Schande!. Nach so viel Jahren bei RTL.
Na ja, Leute sind halt nur Leu...?
Das kommt aber ncit durch! Auch bei Cicero.

Wolfgang Lang | Mi, 20. September 2017 - 00:54

Hoch oben auf dem Kirchturm, der nichts anderes kann, als immer perfekt im Wind zu stehen. Das genügt auch schon als Existenzgrundlage.

Dr. Lothar Sukstorf | Do, 21. September 2017 - 18:26

es geht in fast allen Diskussionen und Debatten unter, welche Rolle die beiden Kirchen bei der Flüchtlingsfrage spielen. Mir berichten Bekannte, die im Flüchtlingswesen arbeiten(keine Subalternen), daß die Kirchen mit ihren Vereinen und Unterorganisationen und auch Scheinfirmen EXTREM an den Flüchtlingen verdienen. Es stellt sich die Frage, ob die auch an der Flüchtlings-Schlepperei beteiligt sind? Unter dem Deckmantel der Barmherzigkeit lässt es sich wohl blendend verdienen! Und zudem noch Geld vom Staat erhalten und Kirchensteuer eintreiben. Verwerflich so was! Abscheulich für die, die uns Gott nahe bringen sollen/wollen! Ich stelle in den Raum ob Fr. Merkel, deren Vater ja Pastor war, durch ihre kirchlichen Beziehungen damit auch einen Grund hat, keine Obergrenze zu setzen.

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