Angst vor Überfremdung - Die Jugend ist in der Pflicht

Hinter dem Brexit steht ein Generationenkonflikt, heißt es häufig. Stimmt nicht: Das wichtigste gesellschaftliche Spaltelement war die Flüchtlingspolitik. Aber die Jugend hat eine wichtige Aufgabe – den Kampf gegen die Rechtspopulisten zu führen

Junge Menschen protestieren in London gegen das Ergebnis des Referendums
Junge Menschen protestieren in London gegen das Ergebnis des Referendums. Bild: picture alliance

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Johannes Hillje arbeitet als Politikberater in Berlin und Brüssel. 2014 leitete er den Europawahlkampf der Europäischen Grünen Partei. Zuvor arbeitete er für die UN in New York im Kommunikationsbereich. Hillje bloggt unter www.rettetdiewahlen.eu.

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Selten ist die Wahlsoziologie so eindeutig: 73 Prozent der britischen 18 bis 24-Jährigen haben für den Verleib in der EU gestimmt. 60 Prozent der über 65-Jährigen stimmten für den Brexit.

Viele Kommentatoren urteilten, ohne eine zweiten Gedanken zu verschwenden: Der Brexit steht für einen Konflikt der Generationen. Die Jungen klagen an: „Die Alten verbauen uns unsere Zukunft.“ Es wird zu Jugendbewegungen aufgerufen, zum Aufstand gegen die Eltern und Großeltern.

Zunächst müssen sich die Jungen an die eigene Nase packen: Zu viele haben von ihrem Wahlrecht nicht Gebrauch gemacht und ihre Zukunft damit in die Hände der anderen, auch der älteren Wähler, gelegt.

Jung gegen Alt greift zu kurz

Doch selbst wenn die Wahlbeteiligung der Jüngeren höher gewesen wäre, greift der Zorn auf die Älteren zu kurz. Die Alten haben nicht für den Brexit gestimmt, um den Jungen das Recht auf Freizügigkeit zu nehmen. Es waren die heutigen Alten, die in den vergangenen 60 Jahren das europäische Projekt aufgebaut haben. Das „Friedensprojekt“ Europa ist für sie keine Worthülse, sondern Teil der eigenen Biografie. Aber die Welt ist eine andere geworden. Die Alten übertragen ihre Ängste auf ihre Kinder. Leider irren sie sich dabei.

Großbritannien ist kein Einzelfall, was den Generationenunterschied in der Europa-Frage angeht. Anfang Juni testete das Pew Research Institute die Einstellungen zur EU in zehn europäischen Ländern – darunter in Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Niederlande, Polen, Schweden, Spanien und Ungarn. Diese zehn Länder stellen 80 Prozent der EU-Bevölkerung und erwirtschaften 82 Prozent des europäischen Bruttoinlandsproduktes. In neun dieser zehn Länder ist die EU-Skepsis in der Altersgruppe über 50 Jahre am größten. Einzig in Italien ist die Unterstützung für die EU unter den Generationen etwa gleich verteilt.

In sechs der zehn Länder liegt die Zustimmung zur EU in der älteren Bevölkerung unter 50 Prozent – mitunter  sogar deutlich. Zu diesen Ländern gehören auch Frankreich und Deutschland, in denen die Zustimmung der Älteren zwischen 2015 und 2016 um erdrutschartige 19 beziehungsweise 11 Prozent gesunken ist. Dieser freie Fall der EU-Unterstützung der Alten fällt in die Zeit, in der sich Europa und viele Gesellschaften an einem Thema gespalten haben: der Flüchtlingspolitik.

Rechtspopulisten vergewaltigen den Freiheitsbegriff

Ja, Europas Generationen sind gespalten. Aber die Alten wollen den Jungen eben nicht die Zukunft verbauen. Die Spaltung ist Ausdruck einer neuen gesellschaftliche Konfliktlinie: Abschottung vs. Offenheit. Breite Teile unserer Gesellschaft sind gestresst von Migration, Digitalisierung, Ökonomisierung. Das ist mitunter nachvollziehbar, das muss offen thematisiert werden. Das geht nur mit einer konstruktiven und nicht von Rechtspopulisten getragenen Debatte über Ursachen und stressmindernde Maßnahmen. Abschottung mag kurzfristig eine trügerische Entlastung bringen. Vielleicht ist sie deshalb so reizvoll für die Älteren. Doch Stress reduziert man am erfolgreichsten durch das Gefühl, die Dinge selbst in der Hand zu haben.

Kontrolle und Selbstbestimmung waren auch deshalb die Kernversprechen der britischen Politiker, die ihr Volk aus der EU getrieben haben. Folgerichtig, dass Le Pen den Brexit als „Sieg der Freiheit“ feierte. Doch die Rechtspopulisten verdrehen alles. Sie vergewaltigen den Freiheitsbegriff.

Selbstbestimmung gibt es für nationale Demokratien und ihre global verflochtenen Volkswirtschaften nicht durch politische Re-Nationalisierung, sondern durch Zusammenschluss mit anderen Demokratien. Ein einzelner Nationalstaat kann in der globalen Marktwirtschaft keine Sicherheiten für seine Bürger schaffen. Die multinationalen Konzerne tanzen einzelnen Staaten auf der Nase herum. Steuervermeidung ist dafür das letzte Aufregerbeispiel. Erst wenn nationale Demokratien gemeinsam globale Regeln für die globale Marktwirtschaft setzen, begegnen sie der Globalisierung auf Augenhöhe und können Selbstbestimmung und Kontrolle zurückgewinnen. Konkrete Politik kann man besser machen, aber die europäische Idee ist schon das Beste, das wir haben.

Wir müssen raus aus unseren Facebook-Blasen

Das müssen wir Jungen mit den Alten reden. Gleichzeitig müssen wir ihnen ihre Sorgen vor Einwanderung und fremden Kulturen nehmen. Wir Jungen können das, denn wir haben das Privileg, Sprachen zu lernen und Länder zu bereisen. Unsere Einstellungen gegenüber Polen, Bulgaren, Portugiesen und Türken sind nicht durch Stereotype, sondern durch persönliche Begegnungen geprägt. Als Generation Erasmus sind wir die sozialen Profiteure der Globalisierung. Unsere Großeltern konnten nicht durch Europa und die Welt jetten. Meine Oma denkt, alle Polen seien wie jene, die sie beim Discounter auf dem Parkplatz sieht. In ihrer Welt existieren keine jungen, gebildeten, kreativen Polen, die in Krakau Start-ups gründen oder für Freiheit und Demokratie seit Monaten auf die Straßen gehen. Wir müssen sie in das Weltbild unserer Großeltern einflechten.

Gehen wir es an! Streiten wir für unsere Zukunft und einen Freiheitsbegriff, der Freiheit nicht mit Abschottung vor anderen und selbst auferlegter Unfreiheit verwechselt, sondern Freiheit für uns und andere durch Offenheit und Kooperation erreicht!

Für diese Debatte müssen wir unsere Diskursgewohnheiten ändern. Wir müssen raus aus unseren Facebook-Blasen. Dort können wir den Kampf nicht gewinnen, weil er uns dort überhaupt nicht vor Augen geführt wird. Böhmermann liken reicht nicht. Wir müssen dorthin, wo heute die Älteren nordkoreanische Mehrheitsverhältnisse genießen: in die Parteien, Verbände, Institutionen. Und natürlich auch an die Wahlurne!

Institutionalisierte Politik abzulehnen ist ein Trugschluss. Wir Jungen müssen den demokratischen Humus erobern. Und zwar jetzt. Ansonsten fängt er sehr bald an zu schimmeln.

Siegfried Stein | Do, 30. Juni 2016 - 18:36

Ich zitiere mal:
"[...]Meine Oma denkt, alle Polen seien wie jene, die sie beim Discounter auf dem Parkplatz sieht. In ihrer Welt existieren keine jungen, gebildeten, kreativen Polen, die in Krakau Start-ups gründen oder für Freiheit und Demokratie seit Monaten auf die Straßen gehen. Wir müssen sie in das Weltbild unserer Großeltern einflechten.[...]"

Ich nehme mal an Ihre Oma lebt nicht in Krakau und will dort auch nicht hin. So wird sie nie die tollen Start-Ups in Krakau sehen, sondern muss halt mit den Menschen vorlieb nehmen, die sie täglich auf den Discounter-Parkplätzen, den Einkaufsstrassen (oder schlimmer) in ihrem Viertel oder Stadt sieht.

Sorry, aber dass Sie ein grüner Politikberater sind, merkt nicht nur Ihre Oma - auch ein alter weisser Mann merkt das.

Catharina Fink | Do, 30. Juni 2016 - 19:59

Falsch. Die Jungen die in Europa seit Jahren vergessen werden ( hohe Arbeitslosenquote, prekäre Arbeitsverhältnisse, Kettenbefristung, geringer Lohn, absehbare Altersarmut ohne Möglichkeit dagegen vorzusorgen) sehen nur eine Chance: eine Änderung der aktuellen Politik.
Der diffamierende Begriff "Rechtspopulismus" ist die einzige Hoffnung für eine Generation die hilflos mit ansehen muss, wie Ihre Freiheitsrechte verkauft werden, ihre Teilhaberechte wertlos werden, weil die Politik den Sozialstaat über die sinnleere Armutszuwanderung verramscht und eine politische Teilhabe nur dann erlaubt sein soll, wenn sie der amtierenden Politik in den europäischen Hauptstädten oder Brüssel zujubeln (wobei Brüssel sonst das verhindern will, vgl. Junker und Ceta). Der sog. "Rechtspopulismus" ist tatsächlich die letzte Chance für ein Überleben der Demokratie und Europa. Und offensichtlich ist man in diesen jungen konservativen Parteien der Bürgerlichen Mitte der aktuellen Politik 12 Monate voraus.

Albert Keller | Do, 30. Juni 2016 - 20:39

...bin ich schon zu alt um noch zu erleben, wie unsere Kultur unter grüner Führung zugrunde geht.

Bernd Fischer | Do, 30. Juni 2016 - 21:20

wer von den 25% arbeitslosen Jugendlichen in der EU kann um die Welt jetten?

Ist das die Schuld der "Alten" ?

Tobias Werner | Do, 30. Juni 2016 - 21:39

Zum einen gibt es die Jugend genausowenig wie die Alten. Gerade viele extrem Rechte sind ja doch ziemlich jung! Auch kann nicht jeder aus dieser Generation durch Europa jetten. Auch haben viele heute Alte schon viel von Europa gesehen, direkt, u. auch im TV.

Auch muss man, wenn man durch Europa jettet deshalb keine guten Konzepte haben, die man dann in die Institutionen bringt, - man nehme hier mal A. Merkel od. J-C Junker... - , man kann man auf ein solches aber allein durch einfachere Grundüberlegungen vor Ort durchaus auch kommen! Die Grünen sind hier für mich genauso eine massive Fehlanzeige wie all die anderen Parteien auch. (Vielleicht sollte Sie diese dann mal auch gut beraten...!) Nur mal zur Überlegung: Der Kalte Krieg sei seit 1990 angeblich vorbei - alle A-Waffen sind weiterhin da u. werden modernisiert. Der Hauptkonflikt im 2. WK bzgl. Europa war d. Krieg m. d. SU - müsste dann nicht gerade Russland in die EU, wenn diese das große Friedensprojekt sein soll?!

Tobias Werner | Do, 30. Juni 2016 - 22:09

Auch das so eine Frage, immer noch kein umfassender Friedensvertrag, nicht mal für den 2. WK - trotz dieses großen Krieges...!
Wohingegen man eine große Friedenskonferenz aller Beteiligten in Versailles seinerzeit ja einberufen hatte! Stattdessen immer noch US-Atomwaffen in Deutschland! Und gerade weil sich manche heutige Konflikte ja aus Fehlern von Versailles ableiten, wäre einen Neuauflage hier ja so wichtig...!
Stattdessen Menschenrechtsrhetorik bzw. -Propaganda..., sag ich mal. Rechte ohne Pflichten, erstmals auf dieser Welt, und eine Organisation wie diese UNO, die diese vertreten und durchsetzen soll, die dafür aber keine feste Exekutive hat. Normalerweise werden Rechte von Bürgern heute ja von Staaten gewährleistet und garantiert. Und folgerichtig haben syrische Kriegsflüchtlinge ja "Fuck the UN" skandiert. Schöne UN - die müssen wir stärken, seit Jahrzehnten - wie auch immer... nur nichts ändern(!), wie auch bei d. EU: Wir müssen das alles nur richtig kommunizieren...!

Steffen Meinert | Do, 30. Juni 2016 - 22:24

Die Jugend ist vor allem in der Pflicht, über den Staat nur dann individuelle Freiheit zu beschneiden, wenn man sich mit dem jeweiligen Thema wirklich auskennt und auch alle ideologischen Seiten gehört hat.

Die Forderung nach einem souveränen Nationalstaat bedingt nicht zwingend rechtes Gedankengut. Ansonsten hätte der Autor die Schweizer als die größten Nazis benenn müssen.

Insbesondere hätte mich seine Erklärung für die "Schweizer Nazis" als das am längsten friedliche Volk in Europa interessiert.

Auch die Stellung der Schweiz in der " globalen Marktwirtschaft" kann sich (ohne EU-Mitgliedschaft) sehen lassen.

Speziell beim Thema "Abschottung" wirft er Souveränität in der Einwanderungsfrage und dem Import und Export von Gütern durcheinander, oder nicht?

Ich will dem Autor nicht nicht vorwerfen "alles zu verdrehen", aber irgendetwas stimmt mit seiner Argumentation nicht.

Jürgen Peters | Do, 30. Juni 2016 - 22:29

„Selten ist die Wahlsoziologie so eindeutig:...“ Falsch. Der hier gemachte Schluss auf den Willen der Nichtwähler ist zwar sehr beliebt, wird dadurch aber nicht richtig. Ist das Schludrigkeit, Dummheit, Arroganz, oder nur Blabla?
„Das müssen wir Jungen mit den Alten reden. Gleichzeitig müssen wir ihnen ihre Sorgen ... nehmen. Wir Jungen können das, denn wir haben das Privileg, Sprachen zu lernen und Länder zu bereisen. Unsere Einstellungen ... sind nicht durch Stereotype, sondern durch persönliche Begegnungen geprägt.“ Also doch Arroganz, gepaart mit Unwissen. Fremdsprachenunterricht hatte ich schon in den 70ern, Auslandreisen mit den Eltern in den 60ern, ab Erwerb des Führerscheins fast ganz Europa und die Türkei bereist, Interrail war auch sehr beliebt. Johannes, ich will einfach nicht, dass du mich beredest! Für Blabla habe ich nämlich keine Zeit mehr, schließlich bin ich über 50, da wird die Zeit knapp.

Tobias Werner | Do, 30. Juni 2016 - 22:37

sehe ich die anderen, sehe ich schwarz.
Zu den relativen Falschaussagen: Die Nationalstaaten USA u. Russland können ihren Bürgern Sicherheit in der globalisierten Welt noch halbwegs gut bieten. Die Lösung kann aber gut darin bestehen, dass sich die Nationalstaaten auflösen, in einem Europa, Asien, Afrika, Amerika, der Regionen! Durch die politische Kontinentalisierung aller Kontinente bzw. Großŕegionen (Australien u. Ozeanien) könnte und müsste man dann auch die UNO völlig neu konstruieren. Also: Eine Zusammenarbeit aller Demokratien müsste - m.E. - auf einer ganz anderen Konstitution basieren. Wie wollen Sie sonst den Kurden- den Ukraine oder den Baskenkonflikt etc. je lösen?
Wer meint, die heutigen Probleme mit den heutigen politischen Strukturen lösen zu können, wie Frau Merkel u. alle Parteien dies versuchen, der irrt m. E. gewaltig.
Bevor man in Institutionen geht, sollte man sich erstmal klar sein, was man dort will! Eine Welt d. Regionen ist keine des völligen Mischmaschs!

Frank Jankalert | Fr, 1. Juli 2016 - 01:06

Die Manipulation der Jugend geschieht unter jedem Regime und in jeder Ideologie. Überall wird ihnen dabei eine große Zukunft versprochen, aktuell eine sogenannte "europäische".

Sonia Doffagne | Fr, 1. Juli 2016 - 06:25

Danke, Herr Hillje, für Ihren eindringlichen Aufruf nach (Welt)Offenheit, Einheit, Zusammenhalt und Verantwortungsgefühl !!
Endlich eine positive und konstruktive Sicht. MfG. SD

Barbara Kröger | Fr, 1. Juli 2016 - 09:05

Die Erfahrungen der Generation Y werden doch noch voll finanziert und abgesichert durch die ältere Generation. Fremde Kulturen kennen Menschen wie Sie doch nur aus der Luxusperspektive der Generation Erasmus. Wobei Sie vergessen, dass durchaus nicht alle jungen Menschen bei uns oder in Europa zur „Generation Erasmus“ zählen. Das Bereisen von fremden Ländern kann bilden, bedingt aber nicht automatisch, Sinn für Realität zu entwickeln. Viele Menschen bei uns sehen ja nicht mal die Probleme, die es in unserem Land gibt, oder in anderen europäischen Ländern. Noch trägt Sie ein weichgepolstertes Nest. Ich bin mal gespannt, wie sie auf die Landung in der Realität reagieren werden, denn die packt niemanden mehr in Watte.

Bernhard K. Kopp | Fr, 1. Juli 2016 - 09:12

Egal ob wir Lust haben, oder auch nicht, diese Alten gehen zur Wahl. Die 18-30-Jährigen nur zu unter 40%. Auch bei den 18-48-Jährigen sieht es noch nicht viel besser aus, einfach keine Zeit. Bald muss man den Ü-60 verbieten, zu mehr als 40% zur Wahl zu gehen, für noch Ältere sollte man das Wahlrecht überhaupt streichen, vielleicht ab 75. Wie den Führerschein. Es wird spannend, wer dann gewählt wird, und wer 'es' richten soll.

Andreas Johanning | Fr, 1. Juli 2016 - 09:21

Der Autor spricht eigentlich nur die Studenten mit Auslandsstudium an. Auch innerhalb der Jugend eine kleine privilegierte Minderheit. Bei der Flüchtlingskrise geht es weniger um Migration an sich, sondern um eine von deutschen Politikern postulierte unbegrenzte Zuwanderung aus den zumeist muslimischen Krisengebieten der Welt, die man gerne auf die übrigen EU-Mitglieder verteilen möchte. Was von diesen eher als Übergriffigkeit eines deutschen moralischen Imperialismus gewertet wird. Ich bin kein Fan von Orban. Aber mit dieser Aussage hat er recht. Vielleicht sollte man sich bewusst machen, dass europaweit nur die Deutschen (und auch da nicht alle) den Wunsch haben in einer Art EU-Identität aufzugehen. Deswegen sehe ich schon einen guten Teil der Brexit-Schuld bei der deutschen Flüchtlingspolitik die dafür verantwortlich ist, dass ein paar Prozent mehr der Briten sich deswegen für den Brexit entschieden haben.

Lutz Rövekamp | Fr, 1. Juli 2016 - 09:22

Ich weiß nicht, woher Ihre seltsame Einstellung zu
uns Großeltern kommt. War Ihre Oma wirklich noch nie im Ausland?
Ich bin 81 Jahre, war schon mit 15 Jahren
das erste mal in Holland (1950),
seitdem immer wieder gerne in
7 europäischen Ländern,
auch im damaligen Ostblock.
Das mit dem Jet kam später.
Aber es ging auch damals schon mit Fahrrad,
Motorroller und Auto völlig unkompliziert.

Was mir Angst macht, sind integrationsunfähige,
extrem religiöse, mittelalterliche und demokratie-
feindliche Kulturen, die unsere wunderbare
freiheitliche Lebensweise gefährden.

Um Terror und Mord zu bekämpfen, muss sich die
Weltgemeinschaft endlich aufraffen und wirklich mit allen Mitteln den IS besiegen,
um den Terroristen die Basis zu entziehen!

Barbara Kröger | Fr, 1. Juli 2016 - 09:34

Noch ein kleiner Zusatz. Mir haben junge Leute aus Polen gesagt, sie wüßten, dass ältere Menschen in Deutschland nicht besonders gut behandelt würden.

Harriet Munji | Fr, 1. Juli 2016 - 09:38

Die junge Generation ist in der EU aufgewachsen und kennt gar nichts anderes. Außerdem stelle ich einen erschreckenden Mangel beim Erfassen von Zusammenhängen fest, natürlich auch aus Mangel an Erfahrung, aber vor allem aus politischem Desinteresse. Leider hört man lieber auf die einfachen Aussagen Prominenter als sich mit langen, fundierten Analysen zu befassen. Die ältere Generation, mit einem viel umfassenderen Bildungsstandard, zum Teil weitgereist und belesen, kann die politische Entwicklung sehr wohl einordnen. Deshalb hieß ein Parlament früher auch "Senat", weil dort vor allem Leute mit genügend Lebenserfahrung saßen (senex = Greis). Ein Dialog zwischen Jung und Alt wäre dringend erforderlich.

Schabert Albert | Fr, 1. Juli 2016 - 10:20

Sehr gehrter Herr Hillje!
Die EU ist nicht zur Erhaltung des Fiedens gründet worden, sondern als Wirtschaftsunion.Das jetzt 70 Jahre Frieden war ist nicht der Verdienst der EU.
Wegen der Mitgliedschaft in der Nato sind wir einem Krieg näher als wir glauben.Der Ukrainekonflickt und die Türkei können sich schnell zu einem militärischen Konflikt ausweiten.
Dazu noch das Kriegsgschrei der Natobefehlshaber mit NATO-Ostereiterung und schon haben wir Krieg.Was soll dann die EU tun?
Albert Schabert

Schabert Albert | Fr, 1. Juli 2016 - 10:30

Junge Leute intersieren sich nicht für Politik solange es ihen gutgeht.Für sie ist alles in Ordnung,warum sich Gedanken machen.Meistens läuft es wie bei der Rentenrefom, beschlossen 2003 und lange Gesichter 2050.Leider schalten junge Leute ihr Hirn erst ein wenn es wehtut.
Albert Schabert

Beate Rother | Fr, 1. Juli 2016 - 10:33

Der Konflikt um Einwanderung entzündet sich nicht an Polen, Bulgaren und Portugiesen, an Türken vor allem dann, wenn Erdogan die Auslandstürken für seine Ziele vereinnahmen will. Oder wenn es Forderungen nach islamischen Sonderwünschen gibt.
Das sehr weltoffene Schweden hat vor kurzem die weiße Flagge gehisst und erklärt, die schiere Zahl der Zuwanderer überfordere seine Ressourcen. Dagegen hilft Sprachen lernen und durch die Welt jetten leider nicht.

Schabert Albert | Fr, 1. Juli 2016 - 10:39

Für eine globaleMarktwirtschaft gibt es keine Regeln.Es gilt das Recht des Kapitlismus in seiner brutalsten Form.Ausländische Konzerne bestimmen was wir essen,kaufen unsere Konzerne auf und vermieten uns Wohnungen.Das wäre ohne die EU leichter zu regulieren.China unterwirft sich diesen Regeln nicht.
Albert Schabert

Hugo Reichmuth | Fr, 1. Juli 2016 - 10:55

"Das wichtigste gesellschaftliche Spaltelement war die Flüchtlingspolitik..."

Es mutet seltsam an, dass Herr Hillje das Kernproblem im Lead andeutet - aber dann kein Wort mehr darüber verliert.
Die EU hat mehrere Millionen Arbeitslose und wenn sie zukunftsfähig bleiben will, muss sie auf die Digitalisierung setzen.
Das bedeutet noch mehr Stellenlose - oder Nachqualifikationen.
Schade einfach, dass Intelligenz und Talent erblich festgelegt sind und viele nie zum Digital-Ingenieur befähigt sein werden.
Die Automatisierung ist ja eine gute Sache, vernichtet aber oft einfache Tätigkeiten und schafft neue, anspruchsvollere Arbeiten.
Die IQ-mässig untersten 10 % werden nie wieder einen Job finden...
In diesem Zusammenhang 1, 2 oder 10 Mio. Flüchtlinge aufzunehmen, die grosse berufliche Defizite haben und unserer liberalen Kultur oft skeptisch gegenüberstehen, ist politisch suizidal.

Dass Lohn-Dumping und Mietwucher nicht angegangen werden, macht die Sache auch nicht besser.

Petra Wilhelmi | Fr, 1. Juli 2016 - 11:08

Ich lese wohl nicht richtig, Herr Hillje. Die Jungen sollen den Alten die Angst vor der Überfremdung nehmen? Sind Sie je aus der Facebook-Phase herausgekommen? Den meisten Alten kann es doch egal sein, die erleben es, wenn überhaupt, nur noch am Rande, wenn alles zusammenbricht. Sie kämpfen für ihre Enkel. Haben Sie etwas von Jugendarbeitslosigkeit gehört? Gar von Perspektivlosigkeit der Jugend? Wahrscheinlich nicht. Sie kämen sonst nicht auf die Idee so etwas zu schreiben. In eine Welt der Jugendarbeitslosigkeit kommen noch Tausende von Nichtqualifizierten bis Analphabeten dazu. Das ist dann Fortschritt? Irgendjemand muss das alles bezahlen. Woher kommt Ihrer Meinung das Geld? Ich helfe: aus der sich verringernden Mittelschicht. Und: Geld kann nur einmal ausgegeben werden. Die Jungen werden für die Buntheit zur Kasse gebeten werden. Sie werden den Irrglauben an grenzenloser Multikulti ausbaden müssen. Viel Vergnügen dabei, Herr Hillje.

Martin Kraatz | Fr, 1. Juli 2016 - 11:52

Zitat: "Die multinationalen Konzerne tanzen einzelnen Staaten auf der Nase herum. Steuervermeidung ist dafür das letzte Aufregerbeispiel." - Schade, daß ausgerechnet der heutige EU-Kommissionspräsident Juncker als Ministerpräsident Luxemburgs das kleine Großherzogtum zur verlockendsten Steueroase innerhalb der EU machte. Ja: "machte", nicht nur "werden ließ"!
Zitat: "Erst wenn nationale Demokratien gemeinsam globale Regeln für die globale Marktwirtschaft setzen, begegnen sie der Globalisierung auf Augenhöhe und können Selbstbestimmung und Kontrolle zurückgewinnen." - Und warum werden dann die Abkommen, die genau diese Regeln setzen sollen, in Bausch & Bogen abgelehnt und den möglichen Vertragspartnern das Formulieren ihrer Interessen vorgeworfen, anstatt diesen Prozeß (mit Rücksicht auf die eigenen Interessen) zu einem guten, ausgleichenden Ende zu bringen? Etwa weil mit Amerika Handel zu treiben generell moralisch anrüchig ist?

Martin Kraatz | Fr, 1. Juli 2016 - 12:01

Zitat: "Konkrete Politik kann man besser machen, aber die europäische Idee ist schon das Beste, das wir haben." - Stimmt! Nur: Formt sich die europäische Idee in den Institutionen der EU nicht reichlich intransparent, bürgerfern, dem Subsidaritätsprinzip hohnlachend aus? Mit einem Parlament, daß wenig Rechte hat? Mit einer Kommission, die dem Parlament gar nicht richtig verantwortlich ist?
Gerade nach dem Volksentscheid in Großbritannien und den Reaktionen der "EU-Oberen" stellt sich mir die Frage, ob mit dem aktuellen Personal (stellvertretend s. 1. Post), den geltenden Spielregeln (und Institutionen) und nicht zuletzt der "Regeltreue" der Mitglieder der EU (z.B. im Hinblick auf die Eurorettung und die "No Bail out"-Klausel oder in der Flüchtlingsfrage die vereinbarte aber nicht umgesetzte Quotenregelung) die EU in ihrer aktuellen Verfassung "das Beste, das wir haben" ist.
Als Europabefürworter wünsche ich mir eine bessere EU, die - wo nötig - auch wieder Kompetenzen zurückgibt.

Kiam Semrah | Fr, 1. Juli 2016 - 12:44

Widerlegung 1: Japan schottet sich weitgehend gegen Einwanderung ab und lebt ganz gut damit. Korea ist souverän und lebt ganz gut damit. Norwegen ist nicht EU-Mitglied und lebt ganz gut damit.

Widerlegung 2: Mit dem immer gleichen Beispiel der "Erasmus"-Jugend begeht der Autor einen Kategorienfehler. Hier geht es nicht um jung und alt, sondern um arm und reich. Wie viele junge Leute studieren denn im Ausland, lernen Sprachen oder düsen mit Easyjet durch Europa? Doch nur eine Minderheit, die es sich leisten kann. Die anderen sind nicht erfreut, wenn Millionen Migranten ihnen die eh schon kargen Jobchancen minimieren oder ihr gewohntes Umfeld verändern.

Zu simpel gedacht, das alles.

Bernd Fischer | Fr, 1. Juli 2016 - 18:53

In der Tat, weil es nämlich ideologisch missbraucht wird dieser angebliche Kampf "Jung gegen Alt ...oder Alt gegen Jung.

Richtig ist das Arm gegen Reich kämpft.

„If class warfare is being waged in America, my class is clearly winning.“ Warren Buffet

Peter Silie | Fr, 1. Juli 2016 - 20:10

Ich würde mir wirklich wünschen, dass DIE JUGEND europaweit endlich aufsteht und für IHRE Welt kämpft. Natürlich auch in den Institutionen. Das fängt beim Protest gegen faule Professoren an und hört beim Engagement im Altersheim nicht auf. Aber macht endlich was. Auch um das Risiko des "durch die prüfung fliegens" . Hört auf angepasst zu sein. Rebelliert, entwickelt eigene Gedanken, die mir als 60jährigem garnicht mehr kommen. Nutz den Billigflieger um Demos in Madrid zu unterstützen, nicht um auf Mallorca zu saufen. Aber das wäre wohl zuviel verlangt

Clara Schwarze | Fr, 1. Juli 2016 - 22:33

Der Autor wirkt auf mich etwas kindisch und ehrlich gesagt, für seinen Text auch etwas zu alt. Es ist die Wahrnehmung eines Abiturienten, zu glauben, dass mit seiner Generation ein ganz neues Zeitalter anbrechen würde. Das glaubte aber jede Generation. Darum sind die Älteren auch schwerer mit dem "Sylvestereffekt" mitzureißen. Man hat ihn, auch schon in eher mittlerem Alter, schon so oft erlebt und auch jedesmal das Scheitern. Das gilt v.a. für Leute mit Geschichtskenntnis.

Wolfgang Tröbner | Sa, 2. Juli 2016 - 11:25

Sie schreiben, dass in 9 der 10 Länder, die 80 % der EU-Bevölkerung stellen und 82 % des EU-Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften, die EU-Skepsis in der Altersgruppe über 50 Jahre am größten ist. Das ist also genau die Altersgruppe, die 1) die wirtschaftliche Basis für die EU gelegt hat (die Jungen waren es nicht) und 2) die im Laufe ihres Lebens sehr viel Lebenserfahrung sammeln konnte (die den Jungen fehlt). Gerade deshalb sind die Älteren deutlich besser mit der Materie vertraut als die Jungen und sie können (Fehl)-Entwicklungen besser beurteilen als die Jungen. Ein Beispiel ist die sehr geringe Beteiligung der Jungen am Brexit-Referendum in GB. Ältere wissen, dass sie sich an solchen wichtigen Wahlen beteiligen müssen, während es die Jungen überhaupt nicht interessiert. Die Jungen müssen sich ihren Platz im Leben schon selber erkämpfen, die Älteren mussten das übrigens auch. Oder sollen die Älteren die Jungen weiterhin pampern, so wie gewohnt? Sind die Jungen keine mündigen Bürger?

Karola Schramm | Sa, 2. Juli 2016 - 12:15

Ein sehr nachdenklicher Artikel, der weg will von Vorurteilen Alt gegen Jung.
Dennoch:"Unsere Großeltern konnten nicht durch Europa und die Welt jetten."
Richtig, konnten sie nicht, sangen aber: "Heute gehört uns DE und Morgen die ganze Welt" und bereisten die Welt mit Panzern und Kanonen.

Die Großeltern Generationen und viele ihrer Kinder und Enkel haben häufig noch das Feindbilddenken im Kopf, von daher ist es gut, wenn die Enkel jetzt NEIN sagen und aufklären.
Denn auch die Enkel, ich erlebe täglich sehr viele, sind die Verlierer dieser Verarmungspolitik, die die ganze EU am Wickel hat. Toleranz, Mitgefühl, Solidarität wird zugunsten von Wettbewerb und Konkurrenz aufgegeben, weil es zu diesem "Umbau der Welt" in Reich und Arm, auch mit kriegerischen Mitteln, dazu gehört.
Die Generationen sollten sich nicht spalten lassen. Denn dahinter steht das Prinzip: "Teile und herrsche." Die Leidtragenden sind immer die, die kein Geld zum Herrschen und Bestechen haben.

Enrico Stiller | Fr, 8. Juli 2016 - 10:54

Ein alberner Artikel. Der unser Grundproblem zeigt: Die verzogenen Wohlstandsgenerationen unserer Zeit weigern sich standhaft, erwachsen zu werden. Sie bleiben in einer Art Perma-Pubertät verhaftet. Da es ihnen grosso modo im sozialen Netz gut geht, suchen sie sich in immer hysterischer um sich selbst drehenden Kreisen Sinn für ihr armseliges Leben. Den finden sie meisten darin, dass sie sich selbst zu kleinen Göttern erhöhen. Natürlich nicht offen, das wäre zu unbescheiden und käme nicht gut an. Also verfällt man auf den durchsichtigen Trick, anderen moralische Sermonen zu halten und auszuschimpfen, vorwiegend Ältere. Denn die sind ja Nazis, Rassisten, Rechtspopulisten. Keine Generation seit 1930 hat unsere Diskurskultur so verhunzt wie die jetzige: Von einem Volk der Dichter und Denker zu einem der Richter und Henker. Hingerichtet wird mit der Moralkeule.
Aber niemand nimmt Euch Euren Moralismus ab. Denn wir kennen Euch.

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