US-Wahl - „Umfragen sind kein Wünsch-dir-was-Spiel“

Die Überraschung war groß, als Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde. Haben die Demoskopen versagt? Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Insa über die Lehren aus der US-Wahl und was das für die Bundestagswahl 2017 bedeutet

Ein Donald-Trump-Unterstützer lässt sich beraten, wie er einen Wahlzettel auszufüllen hat
Viele Trump-Anhänger haben aus Gründen der sozialen Erwünschtheit verschwiegen, wen sie wählen wollten / picture alliance

Autoreninfo

Constantin Wißmann schreibt für verschiedene Zeitungen und Magazine. Er hat in London Geschichte studiert und die Berliner Journalisten-Schule absolviert. Er arbeitet für Cicero Online. 

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Donald Trump ist zum US-Präsidenten gewählt worden. Viele hielten das für unmöglich, vor allem die Demoskopen. Wie kam es zu dieser Fehleinschätzung?
Wer das tatsächliche Ergebnis analysiert, stellt schnell fest: Im direkten Vergleich mit vergangenen Wahlen konnte keiner der beiden Kandidaten gewinnen. Donald Trump erhielt weniger Wählerstimmen als die beiden republikanischen Präsidentschaftskandidaten vor ihm, die Barack Obama unterlagen. Da Hillary Clinton deutlich weniger Stimmen als Obama erhielt, kann man wiederum vermuten, dass sie ihre potenzielle Wählerschaft nicht überzeugen konnte. Es gab aber auch vor dem 8. November einige Umfragen in den USA, die ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen oder Trump sogar in Führung sahen. Nur wurden diese Umfragen in Zweifel gezogen. Warum die Mehrheit der Erhebungen Hillary Clinton als Siegerin ausmachte, kann verschiedene Ursachen haben.

Welche?
Zunächst waren die meisten Umfragen auf die bekannten Swing-States beschränkt. Hätte man US-weit in allen Bundesstaaten getrennte Befragungen durchgeführt, wäre aufgefallen, dass der ein oder andere sicher geglaubte Bundesstaat gar nicht so sicher war. Verzerrungen sind möglicherweise auch dadurch entstanden, dass in den Umfragen nicht alle Gruppen von Wahlberechtigten angemessen repräsentiert waren. So wurde falsch eingeschätzt, wer letztlich wählen geht und es blieb unklar, wo frühere Nichtwähler ihr Kreuz machen. Letztlich ist es nicht nur entscheidend zu wissen, wem es gelingt, seine Leute zu mobilisieren, sondern auch, wer zur Wahl geht und wer fernbleibt. Schließlich spielten wahrscheinlich auch Effekte sozialer Erwünschtheit eine Rolle. Meinungen, die als unpopulär oder kritisch gelten, werden häufig unterschätzt, weil Befragte sie selten offen äußern.

Hatten die falschen Umfragen in den USA Einfluss auf den Wahlausgang und was müsste in Zukunft anders gemacht werden?
Ob die Wahl in den Vereinigten Staaten möglicherweise anders ausgegangen wäre, wenn man die Erhebungen, die ein Kopf-an Kopf-Rennen oder Trump sogar stärker als Clinton sahen, ernst genommen hätte, lässt sich im Nachhinein natürlich nicht beurteilen. Ausschließen würde ich es nicht.

Nachdem Donald Trump entgegen vieler Vorhersagen der Demoskopie und der Erwartung in den Medien zum US-Präsidenten gewählt wurde, werden Umfragen generell in Zweifel gezogen. Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte nach der US-Wahl – „Wenn es eine Lehre gibt, dann die: Misstraue den Umfragen!“ Hat er recht?   
Die gesamte politische Meinungsforschung in Zweifel zu ziehen, führt meines Erachtens in die Irre. Dass die Demokraten letztlich deutlich weniger Wahlmänner gewannen als erwartet, ist möglicherweise auf die falsche Methodik und Stichprobenauswahl, und nicht zuletzt auf das amerikanische Wahlsystem zurückzuführen. Im Gegenzug gibt es aber auch sehr viele Beispiele, wo Demoskopie sehr gut die jeweilige Stimmung abgebildet hat. Man ist also immer klug beraten, die Stimmungsbilder zur Kenntnis zu nehmen, man muss ihnen ja nicht folgen. Aber es ist falsch, die Augen davor zu verschließen.

Sehen Sie einen Weg, wie die politische Meinungsforschung wieder Vertrauen gewinnen kann? 
Die Demoskopie ist gefordert, methodisch sauber und transparent zu arbeiten und aus Erfahrungen – dazu gehören auch Fehler – zu lernen. Nur so können Methoden und damit auch Umfrageergebnisse verbessert werden. Für uns sind die Antwortbereitschaft der Befragten und ihre ehrlichen Antworten unverzichtbar. Und selbstverständlich gibt es neben Fehlertoleranzen auch Einflüsse durch soziale Erwünschtheit. Auch deshalb ist es wichtig, dass Meinungsforschung neutral bleibt. Wir haben weder eine Idee oder eine Person zu protegieren, noch zu verteufeln. Uns interessiert, wie die Leute „ticken“. Aber wir sind nicht dazu da, sie für ihre Meinung zu loben oder zu kritisieren.

Die Demoskopen sind also allein verantwortlich für die Vertrauensbildung?
Nein. Die Aufgabe, Vertrauen zurückzugewinnen, richtet sich natürlich auch an Politik und Medien. Wenn nur die spannendsten oder „passendsten“ Ergebnisse veröffentlicht werden, entsteht in der Bevölkerung nicht der Eindruck objektiver Berichterstattung, und das schmälert Vertrauen. Manchmal scheint der Mut zu fehlen, Ergebnisse ernst zu nehmen, die nicht gefallen oder sogar wehtun: der Stimmungsumschwung in Rheinland-Pfalz, als die CDU schwächer und die SPD stärker wurde. Die Grünen, die in Baden-Württemberg die CDU überrundeten. Die AfD, die seit dem Herbst 2015 zweistellig ist und die die CDU in Mecklenburg-Vorpommern überholte. Die Große Koalition, die in Berlin ihre Regierungsmehrheit verlor. Meist wird dann der Überbringer schlechter Botschaften – wie wir von Insa – dafür verantwortlich gemacht. Aber es ist die Aufgabe seriöser Wahlforschung und Berichterstattung, Wirklichkeit zu spiegeln wie sie tatsächlich ist. Umfragen sind kein „Wünsch-dir-was“-Spiel. Es gilt Wirklichkeit zu spiegeln, damit die Akteure in der Politik wissen, aber auch damit die Bevölkerung weiß, wie die Fakten wirklich liegen.

Welche Lehren muss man aus den Präsidentschaftswahlen und den Umfragen ziehen? 
Anhand der falschen Umfrageergebnisse und dem Wahlergebnis zeigt sich, wie wichtig es ist, dass man alle Wahlberechtigten in den Blick nimmt: Diejenigen, die sich wieder mobilisieren lassen, weil es ein politisches Angebot gibt, das sie anspricht, ebenso wie diejenigen, die ihre Stimme nicht mehr abgeben wollen, weil sie von ihrer traditionellen Partei enttäuscht sind. Das gilt für die USA, aber auch für Deutschland. Was Deutschland betrifft, erleben wir einen Wechsel von der asymmetrischen Demobilisierung hin zu einer angebotsabhängigen Mobilisierung, die ich bedingte Mobilisierung nenne. 

Können Sie das genauer erklären?
Es gibt Parteien, die bewusst auf inhaltliche Profilierung verzichtet haben, in der Erwartung, dadurch die Mobilisierung des Wählerpotenzials des politischen Gegners zu erschweren. Das nennt man asymmetrische Mobilisierung. Parteien, die in Zukunft erfolgreich sein wollen, werden aber um eine klare Positionierung nicht herumkommen. Wähler wollen überzeugt werden. Die bedingte Mobilisierung wird die Bundestagswahl 2017 entscheiden. Mehr Wahlberechtigte werden ihr Wahlrecht wieder nutzen. Die Bürger werden bewusst abstimmen oder die Stimme bewusst verweigern.

Kann das die Kanzlerschaft von Angela Merkel gefährden?
Das glaube ich nicht. Im Moment sieht es so aus, dass ohne und gegen die Union nicht regiert werden kann. Ob Große Koalition, Jamaika- oder Bahamas-Bündnis, immer würde die Union die Kanzlerin stellen. Andererseits muss der Union bewusst sein, dass jeder fünfte Wähler, der 2013 für sie gestimmt hat, heute nicht mehr an einer Wahl teilnehmen will, ungültig wählen will oder noch nicht weiß, wen er wählen soll. Wenn diese Wähler nicht nur bewusst nicht mehr, sondern bewusst anders wählen, dann könnte viel in Bewegung kommen. 

Dazu kommen noch frühere Nichtwähler, die jetzt wieder an Abstimmungen teilnehmen wollen. Diese Bürger sind zum Teil aus Protest gegen das, was sie als Establishment empfinden, Wahlen ferngeblieben. Jetzt nehmen sie, womöglich auch aus Protest, wieder an Wahlen teil. Auch diese Neu-Wähler verändern Mehrheitsverhältnisse schon alleine deshalb, weil die Wählerschaft wächst.

Hermann Binkert

Hermann Binkert ist Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Insa.

Bernhard Jasper | Mo, 14. November 2016 - 11:55

„Wenn am nächsten Wochenende Bundestagswahlen wären, käme A auf x Prozent, B auf y Prozent und C auf z Prozent…“.

Es sind aber am nächsten Wochenende gar keine Bundestagswahlen!

Ich schalte dann immer aus.

Arndt Reichstätter | Mo, 14. November 2016 - 12:09

Stimmen aus dem gesamten Spektrum (Linksautoritär, Linkslibertär, Rechtslibertär und Rechtsautoritär) zu vernehmen, hat mich weder die Wahl Donald Trumps noch die vielerseits unzutreffenden Umfragen gewundert.

Für mich war der Wahlkampf, bei dem der Sieger zwar Trump, aber der wahre Verlierer hauptsächlich die Quantitätsmedien sein dürften, vor allem ein Intelligenztest.

Interessanterweise haben jene Journalisten, denen ich am meisten vertraue, allesamt die Chancen ein Trumppräsidentschaft gesehen. (unterdurchschnittliche Annahme von Wahlspenden aus der Industrie, politische Inkorrektheit, geopolitische Denkbereitschaft etwa bei der Hinterfragung der NATO, etc.)

Seine tatsächliche Politik bleibt natürlich Werte- und Geschmackssache.

Die Quantitätsjournalisten scheinen tatsächlich ihre eigenen Lügen geglaubt zu haben... und tun das noch immer, wenn z.B. die ARD behauptet, Trumps Sieg würde den Grünen nützen.

We'll see...

Gerhard Hellriegel | Mo, 14. November 2016 - 12:16

"Für uns sind die Antwortbereitschaft der Befragten und ihre ehrlichen Antworten unverzichtbar." Klar, aber die Leute sind nicht verpflichtet, da mitzuspielen. Wie das aussieht, wenn Meinungen diskreditiert werden, sieht man an den AfD/Pegida-Anhängern. Glauben Sie im Ernst, dass die Angst vor der Islamisierung des Abendlandes haben? Oder etwa Angst vor dem (islamistischen) Terror? Wieso wird von ihnen nicht der rechte Terror thematisiert? Glauben Sie im Ernst, dass es ihnen um den Schutz deutscher Frauen geht? Dass sie die Kommunikationsstörung durch Burkas so furchtbar belastet? Sie sind doch gar nicht an Kommunikation mit denen interessiert. Ist es also nicht überdeutlich, dass hier gesellschaftlich sanktionierte Meinungen durch akzeptable überdeckt, ersetzt werden? Also beugen auch sie sich dem Meinungsdiktat - lustig. Und ihre Gegner stilisieren sich als modern, rational und moralisch - nicht weniger lustig.

Josef Garnweitner | Mo, 14. November 2016 - 13:52

sind ähnlich wie Statistiken. Es kann viel getrickst werden. Und es wird viel getrickst. Repräsentativ, wie immer behauptet wird, ist doch keine dieser Roßtäuscheraktionen.

Wenn ich mir so überlege, was ansonsten so alles verschwiegen, geschönt, teils bewußt falsch wiedergegeben und abgestritten wird, dann darf mittlerweile sogar angezweifelt werden, ob denn die wahren Zahlen einer Umfrage wirklich in die Öffentlichkeit gehen. Oder ob gezielt Zahlen veröffentlicht werden um die Wähler zu beeinflussen.

Bei dem was Politik und Medien seit einigen Jahren so aufführen, zieht man am besten erstmal 5o % ab und glaubt davon dann die Hälfte.

Martin Lürßen | Mo, 14. November 2016 - 14:06

Das ist doch mal ein erfreulich neutral gehaltenes, recht objektives Interview. Gerne mehr von dieser Art Berichterstattung.

Wolfgang Tröbner | Mo, 14. November 2016 - 14:11

Dass man Umfragen misstrauen sollte, ist keinesfalls nur die Schuld der Demoskopen. Ich sehe insbesondere folgende Probleme.

1. Herr Binkert von Insa konstatiert: "Für uns sind die Antwortbereitschaft .. und .. ehrlichen Antworten unverzichtbar." Das glaube ich gern, aber: Warum sollte jemand einer anonymen Person am Telefon, die behauptet, im Auftrag eines Meinungsforschungsinstituts Fragen zur Politik zu stellen, ehrliche Antworten geben? Zumal in Zeiten, wo Stasi-Kahane im Auftrag von Maas Gesinnungsschnüffelei betreibt und wo rechte (abweichende) Meinungen bestraft werden können (Job-Verlust, Geldstrafe etc.).
2. Die gestellten Fragen gehen häufig genug am Kern des Problems vorbei, weil nur ein bestimmtes Antwort-Spektrum gewünscht ist. Eines, das genehme Interpretationen zulässt.
3. Selbst wenn ein einigermaßen objektives Meinungsbild erstellt wurde, wird es häufig durch die Medien falsch wiedergegeben oder in Frage gestellt.

Niemand sollte sich daher wundern

Albert Schaller | Mo, 14. November 2016 - 14:34

...bei den US-Präsidentschaftswahlen: Die Umfrageergebnisse wurden bewusst verfälscht (!), um sich den altbekannten Effekt zunutze zu machen, dass viele Menschen (Wähler) es schätzen, auf der Seite des (vermuteten oder eben 'vorhergesagten') Siegers zu stehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Umfrageinstitute ganz ordinär bestochen und korrumpiert waren, aus persönlichem Interesse oder Sympathie falsche Ergebnisse produzierten, vorauseilenden Gehorsam pflegten oder unter Druck gesetzt wurden. Auch die Methodik, die 'gewünschten' Ergebnisse zu produzieren, spielt keine Rolle: Primitive Daten- und Statistikfälschung, selektive Fragestellung und/oder Datenauswahl, selektive Auswahl der Befragten...
Paranoia? Man vergleiche das Verhalten unserer Medien und unserer demoskopischen Institute in Bezug z. B. auf die 'Flüchtlings'-Krise: Pure Regierungspropaganda! 'Entschuldigungen', die ein Jahr später nachgeschoben wurden, um 'Vertrauen zurück zu gewinnen' machen die Sache nicht besser.

Karl Beiglboeck | Mo, 14. November 2016 - 15:07

Keine der Systemparteien kann sich mehr sicher sein wie hoch ihr Waehlerpotenzial tatsaechlich noch ist.Die Umfragen vor den Wahlen haben auch nur mehr einen bedingten Wert.Warum das so ist? Die schulmeisterliche Art der (freien) Presse traegt einen großen Teil dazu bei.Denn wenn jemand bei Umfragen eine nicht genehme Partei angibt spuert er schon den Luftzug der schwingenden Nazikeule.Bei dieser Meinungs-Sippenhaftung ist es nur mehr verstaendlich das die Menschen ausweichende oder unrichtige Antworten geben.
Lg. KB

Wilhelm Maier | Mo, 14. November 2016 - 15:09

Meinungsforschungsinstituts Insa. Soll weiter mit Meinungsforschung neutral bleiben.
Neutral! Und Medien -landschaft und auch die meisten Trink-Tanks bleiben immer noch auf Einseitigkeit , Halbwahrheiten und Lügen- weg. Und das ist gut so, weil mit Lügen kommt man zur Zeit nicht weit. Es fällt auf .

Michaela Diederichs | Mo, 14. November 2016 - 15:44

Merkels verhängnisvollster Fehler
VON CHRISTOPH SCHWENNICKE am 14. September 2015

Zu diesem bemerkenswerten Artikel gibt es 3 !!! Kommentare, obwohl bei Cicero die Leserschaft sehr intensiv und fleißig kommentiert. Ich weiß nicht wie Meinungsforscher das interpretieren. Meine Interpretation: die Menschen haben sich nicht getraut, sich hierzu zu äußern. Wer Angst hat, sagt nicht die Wahrheit, der behält seine Meinung für sich - auch gegenüber Meinungsforschern. Dieses Klima der Angst muss überwunden werden, das geht aber nur, wenn Menschen medial nicht mehr in irgendwelchen Ecken verortet werden.

Hans Beyer | Mo, 14. November 2016 - 15:45

"Meinungen, die als unpopulär oder kritisch gelten, werden häufig unterschätzt, weil Befragte sie selten offen äußern."

Sicher kennt der INSA-Chef den Originaltext von Frau Noelle-Naumann. Und dort ist ganz deutlich erklärt, dass die MEDIEN in der Öffentlichkeit vorgeben, was eine erlaubte Meinung ist, und was man besser nicht sagen sollte. War schon zu ihren Zeiten, in den 60er ff. der Fall, als Brandt von den linksgerichteten Medien hochgeschrieben wurde.
Weiterhin an den Ostgebieten zu hängen, wurde als Meinung von ihnen nazifiziert, d.h. Personen in Linksdomänen konnten es immer weniger wagen, sich derart zu äußern.

So war es auch jetzt in den USA. Keineswegs war Trump im Land allgemein "unpopulär", er war es in den Städten und vor allem in den Hochschulstädten. Die dort durchaus vorhandenen Trump-Anhänger hatten das Gefühl, sie müssten sich wegducken - sie sagten bei den Umfragen nichts von ihrer Wahlabsicht.

Genauso wird es auch bei uns vor dem BTW-Kampf laufen.

Andreas Ronge | Mo, 14. November 2016 - 15:48

Problematisch ist bei diesem Thema ist sicher die einseitige Fokussierung auf quantitative Methoden empirischer Sozialforschung. Natürlich muss hier der Schwerpunkt gelegt werden, gilt es doch so viele Menschen als möglich zu erfassen.
Leider werden wie weiter oben schon geschrieben stand nur Dinge abgefragt, die der Meinungsforscher in den Antworten vorgibt - Überraschungen bleiben ausgeschlossen. Weiterhin sind die so erhobenen Daten weiter interpretationsbedürftig und dafür fehlt dann wiederum die Datengrundlage. Als Beispiel: Wenn ein U.S. Bürger bei der Wahlumfrage sagt, ihm sei "die Wirtschaft" wichtig, kann das sehr viel bedeuten: Meint er das System, meint er seine eigene Situation, meint er die Gaststätte um die Ecke.
Meiner Meinung nach müssen vermehrt qualitative Methoden angewendet werden um die quantiative Analyse zu stützen. Längere offene Interviews z.B. Line-by-Line analysiert und so das Ausgesagte mit der nötigen Vorurteilsfreiheit betrachtet hilft vielleicht.

Peter Schultheiß | Mo, 14. November 2016 - 16:07

Bei den Fehl-Umfragen war wohl wieder der Wunsch der Vater des Gedankens!

Christa Schreiber | Mo, 14. November 2016 - 16:10

Inzwischen glaube ich fast, Herr Trump war von seinem Wahlsieg nicht weniger überrascht als alle anderen. Wer weiss, vielleicht hat er, ohne grosse Hoffnung auf einen Sieg, nur mal getestet, wie weit ihn seine Schlammschlacht bringt. Dafür würde auch sprechen, dass er ausser Versprechungen, Androhungen und Verurteilungen kein richtiges Konzept vorzuweisen hatte. Aber er hatte richtig erkannt, woran das System krankt, wie er die Unzufriedenen und Abgehängten erreichen kann.

Ich glaube auch, dass die Demokraten mit einer Frau Clinton die falsche Kandidatin ins Rennen geschickt haben. Sie war unbeliebt und hatte keinen Draht zur Bevölkerung. Das hätte man wissen müssen. Und sie stand für all das, was viele Wähler so nicht mehr wollten. Das hat Trump zum Wahlsieg verholfen.

Ich mag natürlich falsch liegen. Aber bei all diesen Wahlschlachten wird die Stimmung in der Bevölkerung gerne ignoriert, nicht ernst genommen. Nur deshalb kann die Überraschung dann so gross sein.

Marianne Bernstein | Mo, 14. November 2016 - 17:01

Es ist ein in GB bekanntes Phänomen, dass die Umfragen (Polls --> Pollster) ungenauer sind als die "Abstimmunge" gemäß den Wetten (Buchmacher --> bookies, bookster).
Bei den Umfragen wird nach dem eigenen Verhalten gefragt, bei den Wetten will man sein Geld mehren und hat dabei auch im Blick wie andere abstimmen würden.

Bernd Fischer | Mo, 14. November 2016 - 17:38

Die Umfrageinstitute oder Auftraggeber von Studien sind nichts anderes als Teile einer gigantischen PR-Maschine, die in den Bilanzen unter Werbungskosten verbucht und somit von allen Steuerzahlern bezahlt wird. Es ist doch schick, wenn man sich die Grundlagen für die Desinformation auch noch vom Steuerzahler bezahlen lassen kann. Das ist wahrer (linker) Neoliberalismus. Die anderen müssen nicht nur die Suppe auslöffeln, nein sie müssen sie auch noch bezahlen. Neoliberalismus ist eben gelebte Verantwortungslosigkeit.

Wer die Wahrheit sucht, sollte seinen Kaffee türkisch trinken. Dann bleibt der Kaffeesatz in der Tasse und der lässt sich vorzüglich lesen. Die Informationen sind um das tausendfache besser, als die gekauften Meinungen der Institute.

Man kann allerdings auch Tierknochen werfen, oder das Innere von Hühner und Hunden lesen. Aber der Kaffeesatz reicht normalerweise völlig aus.

Ralf Grünewald | Di, 15. November 2016 - 10:41

und wieder mal erstaunt mich die Wissenschaftselite. Ich weiß ja nicht wie viele Millionen diese Dienstleistung verschlingt aber gut angelegt ist das Geld ganz sicher nicht. Mir scheint das Ganze auch mehr der Stimmungsmache zu dienen als sonst was oder sind die Herrschaften doch nicht so intelligent wie Bezeichnungen wie "Think tank" vermitteln mögen. Viel gedacht haben die Herren sicher nicht sonst hätten sie nicht so daneben gelegen wie eigentlich immer. Das Geld sollten wir uns sparen und lieber in Institutionen die der Allgemeinheit zu gute kommen investieren. Beispielsweise Tafeln oder meinetwegen auch Tierheime. So ziemlich Alles ist besser als so ein Humbug.

Stefan Fischer | Di, 15. November 2016 - 11:04

Richard Sennett beschrieb diese Tendenz zur Uniformität unter den Parteien schon 2005. Das ist nichts Neues, Parteien die prinzipiell austauschbar sind, dies aber durch geschicktes "Marketing" verschleiern wollen.

Gerechtfertigt wird diese Entwicklung mit der Phrasen "breiter Konsens", "Alternativlos" und über "moralische Imperative". Das hat Sennett so nicht ganz beschrieben, aber doch zum Teil. Er hat richtig erkannt, die Definitionsgewalt über die "Moral" liegt nicht mehr bei den Parteien, die liegt bei den "Globalisten".

Aus der Kiste kommen die Parteien auch nur schlecht wieder raus. Sie haben verbrannte Erde hinterlassen. Alles was nicht im, von ihnen präferierten, engen Meinungskorridor lag wurde als "Populismus", "Klimaskepsis", "Europafeindlichkeit", "Ausländerhass", usw. gebrandmarkt.

Es wird noch viele Jahre brauchen bis die Parteien in den wichtigen Fragen überhaupt wieder wirklich debattieren können. Die Frage ist nur ob der Wähler so lange Geduld haben wird.

Yvonne Walden | Di, 15. November 2016 - 11:27

Meinungsumfragen sind und bleiben am Ende Kaffeesatzleserei. Wer gibt schon zu, etwa eine rechtsradikale Partei wählen zu wollen, etwa die NPD?
Weil die Antworten in vielen Fällen nicht ganz ehrlich sind, bleiben die Umfrageergebnisse ungenau.
Dies aber möchten die Demoskopen nicht so gerne eingestehen, weil dann ja ihr gesamtes Gewerbe in Mißkredit geraten würde.
Warum überhaupt noch Meinungsumfragen, wenn diese schließlich doch eher wertlos sind?

Ruth Teibold-Wagner | Mi, 16. November 2016 - 09:51

Menschen sagen einem "im Vertrauen", "unter vier Augen" etwas, sie äußern eine Meinung, und dann kommt der fatale, schockierende Nachsatz: "Aber bitte erzähle den Anderen nicht, wie ich denke. Das könnte für mich schlimme Konsequenzen haben."

Welches sind diese "Konsequenzen"?

- Menschen haben Angst davor, dass ihnen am Arbeitsplatz negative Folgen drohen, wenn dort bekannt würde, wie sie "wirklich" denken.

- In entsprechendem Umfeld haben Menschen Angst vor Gewalt und Mobbing.

- Menschen haben Angst vor sozialer Ausgrenzung. Sie unterliegen einem empfundenen Konformitätsdruck, so sprechen zu "müssen", wie es als "ethisch-moralisch" korrekt gilt.

- Furcht vor "Meinungsblockwarten". Das sind Leute, die auf "verbotene" Meinungsäußerung "lauern" und diese dann denunzieren.

Es herrscht weitgehend "Zwiedenken" oder "Doppelsprech", wie Orwell das in 1984 nannte.

Wie soll in einem solchen Klima der empfundenen Unfreiheit seriöse Meiungsforschung möglich sein?

klaudius martin | Fr, 18. November 2016 - 02:58

Bin am 28.10. nach Florida geflogen. Schon im Hotel die erste Werbung für Trump. In D unvorstellbar ! Ansonsten in den Vorgärten nur Werbebanner für Trump. Am Wahltag dann das erste und einzige Banner für Clinton. Also alles doch ganz einfach.

Tomas Kuttich | Di, 22. November 2016 - 09:14

Donald Trump ist eben noch nicht zum Präsidenten gewählt worden. Die Präsidentschaftswahl kommt erst noch. Zunächst wurden nur Wahlmänner bestimmt...

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