Deutsche Debattenkultur - Der Anti-Trumpsche-Hysterie-Effekt

Egal, was Donald Trump sagt, und sei es noch so menschenverachtend oder absurd, es schadet ihm nicht. Grund dafür ist die heftige Reaktion seiner Gegner und eine Debattenkultur, die nur noch „dafür“ oder „dagegen“ kennt. Diese Dynamik nützt auch der AfD

Donald Trump, Präsidentschaftskandidat der Republikaner in den USA, bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Virginia
Politisch korrekt können andere: Donald Trump gereichen seine Entgleisungen zum Vorteil / picture alliance

Autoreninfo

Markus Ziener ist Professor für Journalismus in Berlin. Zuvor berichtete er als Korrespondent aus Washington, Moskau und dem Mittleren Osten.

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Als Sigmar Gabriel kürzlich die AfD mit den Anhängern Donald Trumps, dem Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner, verglich, zielte der SPD-Chef auf die Sehnsucht beider Lager nach autoritären Strukturen. Diese Strömungen seien „Herausforderungen für die liberalen Demokratien“, sagte Gabriel. Recht hat er. Eine neue Herausforderung ist es deshalb, weil womöglich nicht mehr funktioniert, worauf man sich jahrzehntelang verlassen konnte: Dass sich rechtsextreme und rechtspopulistische Bewegungen selbst demontieren und wieder verschwinden. Erstmals reicht es offenbar nicht, nur auf deren Selbstimplosion zu warten.

Das hat viele Gründe. Sie reichen von der politisch geöffneten Flanke am rechten Rand, über eine subjektiv empfundene gewachsene soziale Ungleichheit bis hin zu einem gestiegenen Misstrauen in die Fähigkeiten der etablierten Parteien. Doch die Ursachen für diese Entwicklung haben zu einem erheblichen Teil auch mit fehlerhafter Kommunikation zu tun, mit dem Umgang mit unterschiedlichen Meinungen. Und auch hier hilft der Blick auf die USA, auf Donald Trump.

Trumps Ächtung immunisiert ihn gegen Kritik

Trump kann sagen, was immer er will – und sei es noch so absurd, menschenverachtend oder gefährlich. Dass ihm dies nicht nachhaltig schadet, hat weniger mit dem Inhalt seiner Botschaften zu tun, dafür aber umso mehr mit der Reaktion auf diese. Was Trump erklärt, wird vom politischen und medialen Mainstream in den USA postwendend geächtet. Nur: Diese Ächtung immunisiert Trumps Thesen geradezu. Denn selbst ein zunächst ablehnender Reflex, mit dem sogar viele seiner Sympathisanten auf neue, krude Trump-Einlassungen reagieren, wird durch die Hysterie von Trumps Gegnern de facto weggewischt. Damit werden Trumps Behauptungen bei einem nicht unerheblichen Teil der Öffentlichkeit auf bizarre Weise legitimiert.

Von exakt diesem Mechanismus profitieren auch die Rechtspopulisten der AfD. Denn natürlich stimmen nicht alle der 21 Prozent, die jetzt in Mecklenburg-Vorpommern AfD gewählt haben, inhaltlich mit dieser Partei überein oder sind gar verkappte Nazis. Was sie dennoch aktuell so stark macht, ist zweierlei: Der oben beschriebene Anti-Trumpsche-Hysterie-Effekt der Gegner. Der hilft kräftig mit, die AfD zu einer politischen Partei zu machen, die weitgehend unabhängig von ihrer Programmatik gewählt wird. Nur so lässt sich erklären, dass die teils rassistische, nationalistische und illiberale Grundierung der Partei von ihren Wählern ignoriert wird. Zum anderen aber profitiert die AfD massiv vom Verfall der Debattenkultur in Deutschland.

Kritiker der Flüchtlingspolitik werden abgestraft

Viele Beispiele illustrieren das, zwei sind dabei aber besonders auffallend. Sie sind verbunden mit den Namen Boris Palmer und Sahra Wagenknecht. Grüner Oberbürgermeister von Tübingen der eine, Fraktionschefin der Linken im Bundestag die andere. Beide weisen immer wieder kritisch auf die Folgen und die Herausforderungen hin, die die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung mit sich bringt. Und beide werden für ihre Einlassungen – über die sich durchaus trefflich streiten lässt – regelmäßig aus den Reihen der eigenen Partei gescholten und abgestraft. Die Kritik an Palmer und Wagenknecht gipfelt dabei stets in dem Vorwurf, dass sie mit dem, was sie sagten, das Geschäft der AfD betrieben.

Die Wahrheit aber ist eine andere: Gerade weil die offene Debatte viel zu polarisiert geführt wird, ist die AfD so stark. Warum soll es nicht möglich sein, die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel im Grundsatz gut und richtig zu finden, dabei aber dennoch auf die ungelösten Probleme und die Gefahren hinweisen zu können? Warum betreibt man das Geschäft der AfD, wenn man vor den Folgen einer gescheiterten Integration warnt – nur weil dies die AfD auch tut? Warum muss man sich Sprech- und Schreibverbote auferlegen, um nicht sofort durch das Totschlagargument des Rechtspopulismus diskreditiert zu werden? Was für eine Debattenkultur ist es, wenn man nur 100 Prozent dafür oder 100 Prozent dagegen sein darf?

Aus den gutem Tun darf kein Diktum werden

Kanzlerin Angela Merkel und viele Menschen in Deutschland haben vor einem Jahr ein Zeichen gegen den zweiflerischen Mainstream in Europa gesetzt und die Türen für Flüchtlinge geöffnet. Dieses Handeln entsprang einem christlich-humanistischen und eben keinem egoistischen Weltbild. Zu diesem Handeln gehörte Mut und nicht Kleingläubigkeit. Vor diesem Hintergrund erst kam es zu der großen Unterstützung im Land. Aber dies vorausgeschickt, kann es gleichwohl nicht sein, dass die Benennung der Gefahren, die mit dieser Aufgabe verbunden sind, mit einem Bannstrahl belegt wird. Denn erst dann drehen sich die Courage und die Leistung ins Negative. Dann wird aus den gutem Tun ein Diktum. Und immer mehr Bedenkenträger werden zu AfD-Wählern.

Cornelius Angermann | Mi, 7. September 2016 - 11:07

Ihrem Beitrag muss ich in vielerlei Hinsicht widersprechen. Sie übernehmen hier ungeprüft die Hetze der Mainstreampresse mit der leicht widerlegbaren Behauptung, die AfD hätte kein Programm, und wenn sie eins hätte, wäre es rechtsextrem.
Lesen Sie bitte einmal nach in dem Grundsatzprogramm der CDU von 1978, als die CDU noch konservativ im besten Sinne war: http://www.kas.de/upload/themen/programmatik_der_cdu/programme/1978_Lud….
Oder das Grundsatzprogramm der CDU aus 2016: https://www.cdu.de/system/tdf/media/dokumente/070702-grundsatzprogramm-…, in dem interessanterweise die großen Herausforderungen wie Euro- und Flüchtlingskrise mit KEINEM WORT ERWÄHNT werden! Vergleichen Sie es mit dem Grundsatzprogramm der AFD und sagen Sie mir: wo ist das rechtsradikaler als die Programme der CDU?
Merkels Handeln entsprang keinem christlichen Humanismus, sondern ihrer Hybris!

Sehr geehrter Herr Angermann,
den Author haben Sie wahrscheinlich falsch verstanden! Es geht hier um die Aufregung, die um die Präsidentenkandidatur gemacht wird.
Ich denke es ist eher der Ausdruck der Hilflosigkeit der Medien, mit den beiden Phänomenen umzugehen. Dabei handelt es sich, um ein Aufbegehren gegen das Establishment. Man will an sich auf komplizierte Fragen, eine einfache Antwort. Beide Protagonisten glauben, eine solche zu haben, was nicht stimmt.
Einfache Rezepte gegen die Probleme der Welt gibt es nicht. Das beste Beispiel ist jetzt der Brexit.
Was sagen Parteiprogramme aus. Es ist nur eine Klammer die, die Ethik der Partei widerspiegelt und sie zusammenhält.
Leben in die Politik kommt erst mit der Gestaltung, d.h. der Umsetzung. Die AFD macht Fundamentalkritik und jetzt müsste die Gestaltung kommen. Da muß die AFD liefern, was sie bisher nicht kann, siehe BW. Darüber sollte man sich Gedanken als Wähler machen.

Ich habe sehr gut verstanden! Es ging in diesem Artikel darum, die zugegebenermaßen heftigen, nicht immer sehr feinen Auftritte von Donald Trump, die offenbar trotzdem zu seinen Erfolgen führen, der AfD anzudichten, als Erklärung für deren Erfolg. Begriffe wie "menschenverachtend" sind typisch für die Kritik an Rechten. Abgesehen davon hat der Autor des Artikels sehr wohl eine fehlende Programmatik Trumps aber auch der AfD insinuiert.

Sie sagen, die AfD muss liefern. Das würde sie auch gerne, allerdings frage ich Sie, wie eine Partei, die nicht die absolute Mehrheit hat und bei der die Bundeskanzlerin zur Verschwörung ALLER Parteien gegen diese aufruft, um sie unschädlich zu machen, liefern soll? Die Grünen, die Linken mit ihren Altkommunisten im Kader werden heute als "politische Mitte" gehandelt. Menschen, die der CDU entstammen, der SPD werden hingegen als Rechtsradikale verunglimpft, weil sie die Politik ihrer ehemaligen Parteien nicht mehr mittragen wollten und zur AfD gingen!

Sehr geehrter Herr Angermann,
Mehrheiten muss man sich erarbeiten. In der Politik heißt dieses, man muss eine Idee haben wie man das Land in Zukunft gestalten will. Man muss Menschen überzeugen, dass die Partei die richtige ist. Da helfen auch nicht die Sprüche aus der Mottenkiste weiter. Schuldzuweisungen helfen auch nicht.
Aber auch Parolen reichen nicht, die eine Minderheit toll finden. Da muss Substanz her und die fehlt. Aber ich bin sicher, die AFD wird sich etablieren, nur dauert es etwas. Ob Sie jemals die Mehrheit erreichen kann, kommt auf das Angebot an.

Frank Goller | Mi, 7. September 2016 - 11:17

Der aufgeklärte Bürger orientiert sich heute in der internationalen Presse, dazu gibt es das Internet. Deutsche Medien suchen sich ein Opfer auf das sie dann geschlossen einprügeln, mit Unterstützung und ich behaupte Absprache mit Frau Mohn, Springer und den Ö/R. Anders kann es gar nicht sein, dass ALLE einer Meinung sind, z.B. zu Trump. Nach Stern, Spiegel, Focus, FAZ bin ich hier gelandet. Hier, beim Cicero ist es noch erträglich, auch Dank Herrn Schwennicke der in den Talk-Shows, Presseclub immer vernünftige Standpunkte vertritt ! Okay - genug geschleimt - schönen Tag noch.

Heinz Meier | Mi, 7. September 2016 - 16:08

In reply to by Frank Goller

Ein paar Blätter empfehlen sich noch. Z. B. DWN, Neue Züricher Zeitung und englischsprachige. Auch im TV gibt es den einen oder anderen Lichtblick. Sonst sieht es schlecht aus. Dennoch gibt es scheinbar klare Mehrheiten in der Bevölkerung, die deutlich von der offiziellen Propaganda abweichen. Z.B. unbegrenzte Zuwanderung will außer Merkel , Kauder und Göhring- Eckhard .. wohl niemand mehr. Krieg mit Russland will auch keiner, Regime change nach USA Art will auch keiner mehr.
Dass die europäische Einigung mit diesem vorgenannten Personal noch eine Chance hat, glaubt nach dem Brexit auch kaum noch einer. Vorstellbar ist nur noch ein lockerer Staatenbund mit Zoll- und Reisefreiheit, wahrscheinlich ohne Euro.
Dass die Griechen ihre Schulden bezahlen könnten, ist auch ein Ammenmärchen.
Auch die Industriestaaten können ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Die Übernahme der Zockerschulden der Banken von ca. 500 Milliarden durch die Bürger war auch nicht alternativlos usw.

Karl Albrecht | Mi, 7. September 2016 - 11:26

entsprang egoistischen Motiven, nämlich der Sucht, sich als "guter Mensch" zu fühlen und öffentlich zu inszenieren.
Das hat überhaupt nichts mit dem Helfen und dem "Objekt" der Hilfe zu tun, es geht nur um den selbstbeglückenden Gefühlsrausch.

Und das ist nichts anderes als Heuchelei. Gesteigert noch durch die Verteufelung aller Nichthysterischen, aller Vernünftigen und Ein-wenig-Nachdenklichen, das mussten dann eben "Nazis" sein.

Auch der Autor ist noch in Diffamierungsphrasen befangen: "Rechtsextrem", "rechtspopulistisch", "krude", "menschenverachtend"...
"Krude" wurden in mechanischer Wiederholung bereits die Befunde Sarrazins genannt. Und? Wurde er in irgendeinem Punkt in der Sache widerlegt? In der Theorie? In der Praxis seitdem?

Ich denke, und ich bin wohl nicht allein: Politiker und Presse haben sich weitgehend desavouiert. Sie sind erkennbar Hauptkomponenten des Problems, sie werden nicht Teil der Lösung sein.

Das werden andere sein und ich freue mich darauf.

Gerhard Hellriegel | Mi, 7. September 2016 - 12:02

Die obigen Kommentare belegen die These von Herrn Ziener. Es geht nur noch darum, welchen Stallgeruch man hat. Herr Ziener hat eine Meinung zur AfD und Frau Merkel, die ich so nicht teile. Aber spielt das eine Rolle? Seine Hauptaussage besteht doch darin, dass dieses "hie Welf, hie Waibling" alle Zwischentöne niederwalzt. Und damit beide Seiten immunisiert. Die eigene ist das "Heil", die andere "des Teufels, der Untergang". Auf beiden Seiten Populismus. Und am Punkt des allgemeinen Unwohlseins sind wir noch gar nicht angekommen.

Ulrih Baare | Mi, 7. September 2016 - 15:17

In reply to by Gerhard Hellriegel

denn diese 'Meinungen' bestimmen die Ereignisse; hier die der sog. 'Flüchtlingskrise'.
Schauen sie doch einmal, wie Herr Ziener diese beschreibt:
"Kanzlerin Angela Merkel und viele Menschen in Deutschland haben vor einem Jahr ein Zeichen gegen den zweiflerischen Mainstream in Europa gesetzt und die Türen für Flüchtlinge geöffnet. Dieses Handeln entsprang einem christlich-humanistischen und eben keinem egoistischen Weltbild."
Das ist ein völlig anderes Verständnis der Ereignisse als wenn die Menschen, die über ein halbes Jahr ungehindert und ungeprüft ins Land gelassen wurden, z. B. erst gar nicht als Flüchtlinge angesehen werde - geschweige denn als welche, die in unmittelbarer Lebesgefahr schwebten. Für die einen war Merkels Handeln ein illegitimer Willkürakt mit darauffolgendem Erpressungsversuch der europäischen Nachbarn, für die anderen ein "Handeln... [aus einem ] christlich-humanistischen Weltbild", das die europäisch-deutschen Gesetze und Mechanismen legitimiert auszusetzen.

Reiner Jornitz | Mi, 7. September 2016 - 12:06

Wenn man meinen sollte als Politiker oder Mediengestallter , es lege nur an der Flüchtlingskrise
der macht es sich sehr einfach! Jeden in die rechte Ecke zu stellen, das sind alle Nazis" die kritisch denken "wäre fatal! Man ist aus Sichtweise der Bevölkerung dabei die deutsche Identität zu zerstören , den Staat, die Gesellschaft durch Multi-Kulti. 60% der Moslime ( laut Fernsehbericht) akzeptieren nicht das Grundgesetz sondern die Scharia . Von Norddeutschland bis Süddeutschland werden Frauen von Flüchtlingen diskriminiert. Große Familien-Clans bestimmen schon das Geschehen in einigen Städten. Für Flüchtlinge werden ca. 20 Mrd. € reserviert( Meine Eltern sind von Schlesien und Ostpreußen geflohen 1946 - die bekamen nichts! keine Wohnung zugewiesen oder gebaut) Es wäre toll , wenn sich einer mal von den Politikern rühren würde wieviel deutsche Kinder nichts zu essen haben, die Eltern keine Chance einen Arbeitsplatz zu finden aber bei den Flüchtlingen geht auf einmal alles!! Danke

"Meine Eltern sind von Schlesien und Ostpreußen geflohen 1946 - die bekamen nichts! keine Wohnung zugewiesen oder gebaut"
ohne die Situation Ihrer Eltern konkret zu kennen; zu behaupten, es hätte keinen Lastenausgleich gegeben, ist falsch

"Es wäre toll , wenn sich einer mal von den Politikern rühren würde wieviel deutsche Kinder nichts zu essen haben"
Keins. Außer irgendjmd begeht ein Verbrechen an ihnen.

Ich sage auch, selbstverständlich fehlen die 20 Mrd jährlich an anderer Stelle; aber deswegen hungert keiner hier. Bleiben Sie realitätsorientiert. (bearbeitet, die Redaktion, bitte bleiben Sie sachlich)

Wolfgang Henning | Mi, 7. September 2016 - 12:25

Der Autor kritisiert die Hysterie und gibt ihr dennoch Nahrung durch Wiederholung der Vorurteile, Diffamierungen und Ausgrenzungstaktiken des Mainstream in der Politik und den Medien.
Unterschwellig wird eben doch behauptet, ein Großteil der AfD-Wähler seien "verkappte Nazis". Der AfD wird unterstellt, sie hätte eine "teils rassistische, nationalistische und illiberale Grundierung".
Die Beispiele des Grünen Oberbürgermeisters Boris Palmer und der LINKEN Sahra Wagenknecht machen den ganzen Irrsinn dieser Debatte deutlich. Es mag ja durchaus sein, dass die Öffnung Deutschlands für die Flüchtlinge, am 4.9.2015, einem humanistischen Weltbild entsprang, aber es war unabgesprochen mit den übrigen Ländern Europas, ungeregelt, unkontrolliert und chaotisch.
Nicht die Warner vor den Gefahren einer unkontrollierten Zuwanderung verkehren die Aktion ins Negatisve, sondern die Aktion selbst hat dies bewirkt. Gut, dass es die AfD-Wähler als "Bedenkenträger" gibt.

Adrian Engler | Fr, 16. September 2016 - 17:57

In reply to by Wolfgang Henning

Dass die Nichtschließung der Grenzen im September 2015 primär mit einem humanistischen Weltbild zu tun hat, würde ich durchaus bezweifeln. Die deutsche Regierung war mit einer schwierigen Situation konfrontiert, in welcher beide (oder alle) möglichen Entscheidungen problematisch waren. Wenn die Grenzen geschlossen und das Dublin-Abkommen strikt durchgesetzt worden wäre, hätte es in Ungarn und in den Nicht-EU-Staaten an der Balkan-Route große Probleme gegeben, Ungarn hätte sich wahrscheinlich geweigert, die Flüchtlinge angemessen unterzubringen, und viele von ihnen wären auf dem einen oder anderen Weg wahrscheinlich doch nach Deutschland gelangt. Deutschland hat wahrscheinlich in erster Linie andere Länder vor Problemen bewahrt, und das Vermeiden eines solchen internationalen Chaos war wahrscheinlich eher die Motivation der Kanzlerin Merkel als humanitäre Überlegungen.

Kat Teker | Mi, 7. September 2016 - 12:36

(Nicht-)Handlung als alternativlos darzustellen?

Das Problem politischer Debatten über Lösungen ist mitnichten, dass es nur noch um dafür oder dagegen geht. Man sich sich schließlich entscheiden, ob man für oder gegen eine Maßnahme ist.
Das eigentliche Problem liegt darin, dass sich jeder Akteur erst einmal fragt, in welchem politischen Spektrum die verschiedenen Optionen zu verorten sind und dann nicht mehr schaut, welche die sinnvollsten sind, sondern immer nur aus denen auswählt, die auf der "richtigen" Seite liegen.

Christa Wallau | Mi, 7. September 2016 - 12:45

"Dieses Handeln entsprang einem christlich-humanistischen und eben keinem egoistischen Weltbild."
Wenn Frau Merkel ein christlich-humanistisches
Weltbild gehabt hätte, dann wäre sie längst vor dem August 2015 aktiv in der EU tätig geworden und hätte für die Millionen von syrischen und anderen Flüchtlingen ernsthafte Verbesserungen in den Lagern vor Ort angestrebt.
Was sie gemacht hat, war das illegale, unkontrollierte Hereinlassen der reichsten, gesündesten und unverschämtesten Flüchtlinge und d a z u jeder Menge Migranten und Glücksritter aus aller Herren Länder - zu 90% junge Männer. Es war die Bevorzugung von Egoisten, die sich den Zutritt nach Deutschland ertrotzten, sonst nichts.
Christliches Handeln heißt n i c h t: Kurzsichtig und unvernünftig das Geld anderer Leute ausgeben.
Frau Merkel hat m.E. nicht mutig und selbstlos, sondern herrsch- und selbstsüchtig gehandelt nach dem Motto:
Seht her, wie toll ich bin!
M e i n VOLK schafft alles, wenn ich nur pfeife!"

Wulf Richartz | Mi, 7. September 2016 - 13:10

Danke für den hervorragenden Kommentar.
Leider zeigen einige Reaktionen hier im Forum, dass es schon fast zu spät scheint. Statt sich mit den Aussagen zur Debattenkultur zu beschäftigen, werden die - notwendigen - Beispiele diskutiert.

nun gut - freies Land - oder eben auch nicht mehr - und da finde ich greifen Sie zu kurz.

Leider wurde und wird! eben nicht nur diskreditiert sondern ganz konkret zensiert (Maas über Taskforce bei Facebook).
Menschen wurden wg ihrer politischen Äußerungen (ich will nicht über deren Inhalt reden) an den Pranger gestellt und haben ihren Job verloren - als Handwerker!
Es wurde von Medien! gezielt versucht, Menschen persönlich zu diffamieren (nicht als Gruppe, konkret persönlich!) und sie sozial zu isolieren und desavouieren.

Das geht weit über eine verfehlte Debattenkultur hinaus - dieses Verhalten ist verachtenswert.

Wolfgang Tröbner | Mi, 7. September 2016 - 14:16

"Als Sigmar Gabriel kürzlich die AfD mit den Anhängern Donald Trumps ... zielte der SPD-Chef auf die Sehnsucht beider Lager nach autoritären Strukturen." Herr Ziener, Sie irren. Es ist nicht die Sehnsucht nach autoritären Strukturen, die AfD-Anhänger mit denen Donald Trumps verbindet, sondern deren Ablehnung.

Politikwissenschaftlich zeichnen sich autoritäre Regierungsformen dadurch aus, dass sie die Möglichkeiten demokratischer Mitwirkung stark einschränken, öffentliche Willensbildungsprozesse (Presse-, Informationsfreiheit) + die öffentliche Auseinandersetzung über politische Entscheidungen behindern und die pluralistische Interessenvielfalt begrenzen (vgl. Wikipedia).

Kommt das bekannt vor?

Sollte eigentlich bekannt vorkommen, tut es aber nicht. Einige werfen dem politischen Gegner genau das vor, was sie selbst betreiben. Was sagen die Psychologen? Im Gegensatz zur Türkei geschieht es hierzulande nicht mit Gewalt , sondern mit der Gutmenschendroge, mit mystischer Erregung und natürlich 'wes Brot ich ess des Lied ich sing'. Frau Merkels Art mit dem Volk umzugehen ist eines jeden Autokraten würdig.

Karl Schlegel | Mi, 7. September 2016 - 14:19

Das muss für die Vereinigte Grünlinke eine richtige Provokation sein, dass sich die Amerikaner (und die Kanadier, Israelis, Australier, Neuseeländer und neuerdings auch die "Visegrader") ihre Politiker selbst wählen, ohne sich von den Schreihälsen in D beeinflussen zu lassen…

Christa Wallau | Mi, 7. September 2016 - 14:21

Die Debattenkultur ist verkommen in Deutschland. Sie war nie hoch entwickelt (wie etwa in GB), aber immerhin gab es den Austausch unterschiedlicher Standpunkte auf eine relativ gesittete und argumentativ anspruchsvolle Art, z.B. zwischen CDU und SPD.

Es haben sich jedoch inzwischen a l l e etablierten Parteien und die mit ihnen verquickten Medien auf einen derartigen Einheitsbrei an politisch korrekter Meinung verständigt, daß es fast unmöglich ist, noch Unterschiede zu finden, außer bei den Personen.
Daher rührt der g e m e i n s a m e Aufschrei, wenn ein Außenseiter wie die AfD auftaucht und manche betonierten, liebgewordenen Standpunkte plötzlich g r u n d s ä t z l i c h hinterfragt. Da kann es sich nur um
g e f ä h r l i c h s t e Leute handeln!!!

Die Hybris u.Hysterie der Altparteien, mit der sie auf die AfD eindreschen, speist sich aus dem Gefühl der (vermeintlich) moralischen und intellektuellen Überlegenheit. Fragt sich nur: Wie lange machen die Bürger das noch mit?

Hallo, liebe Frau Wallau,
ich schätze, dass das Alles mit der AfD wenig zu tun hat. Wäre es eine andere Partei, ihr ginge es genauso. Denn, so schreibt es Hans Herbert von Arnim in seinem Buch "Die Deutschlandakte" werden alle neuen Parteien, die sich aufmachen, dazu gehören zu wollen, weil sie auch einen Plan, eine Botschaft haben, von den alten Parteien systematisch fertig gemacht. Sie werden beschimpft, in rechte oder linke Ecken gestellt, als extremistisch eingestuft, die neuen Parteivorsitzenden diffamiert und diskrediert, man sucht nach schwarzen Flecken u.v. Unschöne mehr.

Soll die AfD dann erst mal eine Protestwählerpartei sein - das ist nicht schlimm. Nur so konnte dieser eingeschlafene Einparteienstaat in dem nicht mehr alternativ und selbständig gedacht werden durfte, wach gerüttelt worden.

Eigentlich hätten alle Parteien ein herzliches Dankeschön an die AfD richten müssen, wären sie das, was sie vorgeben zu sein - demokratisch-tolerant.

Karola Schramm | So, 11. September 2016 - 17:04

In reply to by Wolfgang Henning

Oh ha, Herr Henning, ich bemühe mich neutral zu bleiben und andere, die anders denken, nicht zu beschimpfen, auch wenn sie rechtsextrem oder linksextrem sein sollten.

Wenn Sie alles richtig gelesen haben, habe ich immer betont, dass die AfD eine neoliberale Partei ist und aus diesem Grund nichts besser machen wird und ich sie auch nie wählen würde.

Das Einzige was ich immer noch schätze, ist der Protest gegen Merkel und ihre Politik, die sich bei Ihnen und AfD leider nur auf Flüchtlinge/Zuwanderer und die Folgen bezieht.

Ich hingegen lehne die gesamte neoliberale Politik ab, die Merkel seit Schröder auf die Spitze getrieben hat und damit auch nicht aufhören wird.

>Die Hybris u.Hysterie der Altparteien, mit der sie auf die AfD eindreschen, speist sich aus dem Gefühl der (vermeintlich) moralischen und intellektuellen Überlegenheit.<
Und umgekehrt-?? Das liest sich dann so:
>>Die Hybris u. Hysterie der AfD, mit der sie auf die "Altparteien" eindrischt, speist sich aus dem Gefühl der (vermeintlich) moralischen und intellektuellen Überlegenheit.<<
Die AfD macht es doch genauso - präziser: SIE hat doch damit angefangen. Exakt das, was der Autor beschreibt.
Manchmal ist es nötig, die Dinge vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Nein, Herr Graetz, das stimmt nicht, was Sie da behaupten.
Die AfD hat sich nicht überheblich gezeigt oder moralische Gründe für ihre Existenz und ihre Kritik an den Altparteien genannt. Im Gegenteil:
Sie weist der Moral in erster Linie den Bereich zu, in dem sie eine Rolle zu spielen hat, nämlich im privaten Raum bei der Eigenverantwortung jedes einzelnen.

Was die AfD fordert, ist vielmehr die Rückkehr der Politik zu den Prämissen der Vernunft und der Beachtung von Erfahrungswerten, wie sie von den Nachkriegspolitikern beispielhaft praktiziert wurden.

Wir brauchen als Volk weder moralische und noch intellektuelle Belehrung von
denen, die wir gewählt haben, sondern schlichte Wahrnehmung unserer
Interessen.
Von Hybris und Hysterie kann also bei der Alternative für Deutschland wirklich keine Rede sein.

Dr. Klaus Altenburg | Mi, 7. September 2016 - 14:25

Wellen schwappen nun mal - ob im Meer oder in der Badewanne - hin und her. Das ist nicht nur eine Angelegenheit der Physik! Vielleicht sollten sich Psychologen und Politiker mal mehr mit Wellen befassen!
Mit dem Versuch von Politik und Medien, erzieherisch und belehrend die Menschen in Denkkanäle oder in Ecken zu drängen, werden diese - in einer Gegenwelle - misstrauisch und auch störrisch.

So ist es u.a. viel zu flach, die AFD nur in die einzige Ecke der Fremdenfeindlichkeit zu stellen.
Man erinnere sich: Die Ausgangs-AfD mit Lucke, Henkel&Co ist in dem Augenblick geplatzt als sie im Europa-Parlament mit für die Russland-Sanktionen gestimmt hatte.
Das bedeutet, dass in der dann entstandenen Rumpfpartei AfD (Luckes ALFA ist inzwischen in der Versenkung verschwunden) sich diejenigen mit angesammelt haben, die der Russland/Ukraine-Politik sowie dem weltweiten Krieg- und Chaosverursacher USA kritisch gegenüber stehen - und das sind nicht gerade wenige.

Bernd Fischer | Mi, 7. September 2016 - 16:52

In reply to by Dr. Klaus Altenburg

Zitatanfang: Wellen schwappen nun mal - ob im Meer oder in der Badewanne - hin und her. Das ist nicht nur eine Angelegenheit der Physik!
Zitatende:
Während die Wellen im Meer unabwendbar... naturgegeben, und vom menschlichen Willen absolut nicht beeinflussbar sind , benötigt man dafür nur einen guten sachkundigen Meteorologen um über die Entstehung der Wellen eine sachkundige Erklärung zu bekommen.
Hier ist ein Psychologe und Politiker total überfordert und absolut fehl am Platz. :-))
Sah man ja heute eindeutig im Bundestag.... eine Worthülse folgte der anderen.
Während die Wellen in der Badewanne ( Sie meinen da wohl das politische Tagesgeschäft und deren Ergebnisse, und mit den dann folgenden Gegenreaktionen, in Wahlen ) von Menschenhand verursacht sind. Auch da sind Psychologen volkommen überflüssig, es sei denn man bekommt sie alle auf die Couch, die ( sogenannten ) penetranten Querulanten. Wenn da die Fehlerquote nicht wäre!
Ansonsten stimme ich Ihnen zu.

Die Haltung der AfD zu Rußland hat nur marginal mit Sympathien für Putin zu tun.
Vielmehr geht es darum, im e i g e n e n Interesse - aus wirtschaftlichen und kulturellen Gründen ! - ein besseres deutsch-russisches Verhältnis zu pflegen.
Hier winkt ein viel zu großer Profit für Deutschland, als daß man diese wichtige und naheliegende Beziehung immer einer einseitig blinden USA-Vasallentreue opfern sollte. Man muß ja nicht so weit gehen wie Schröder. Aber eine Haltung
zwischen der von Merkel und Schröder - freundlich/neutral - wäre durchaus angemessen. Die Russen als Volk wären über bessere Beziehungen zu den
Deutschen sehr froh, wie ich auf Reisen nach Rußland feststellen konnte. Im Gegensatz zu vielen Amerikanern sehen sie in den Deutschen nicht
nur Handelspartner und Verbündete (ansonsten ein negligables, kleines Völkchen irgendwo in "Old Europe"), sondern sie bewundern deutsche Kultur, Wissenschaft und Technik seit Jahrhunderten.
Warum sollte man das nicht nutzen für D?

Albert Schabert | Mi, 7. September 2016 - 15:37

Kann es sein,daß wir ein völlig falsches Bild von Trump haben,wegen der einseitigen deutschen Presse?
Amerikaner sprechen ganz anders.Sie halten die 20 Jahre lange Regierungszeit der Demokraten für eine Diktatur.
Albert Schabert

mit nach schlagen und lesen in welcher Partei der Bush jun. war. Meines wissens nicht bei den Demokraten. Aber egal ob Demokraten oder Republikaner. Entscheiden wird immer die Wal Street. Das war die letzten 80 Jahre so und wer nicht mit spielen wollte nun ja Kennedie kennen Sie. Da der Trump denen auch nicht passt gibt es halt eine Schmähkampagne die bis in die Ö/R Medien der BRD schwappt, so als Vasallenrepublik

Hans Halbig | Mi, 7. September 2016 - 15:51

Das was sich da in den USA DEMOKRATIE nennt, erinnert stark an den Königskult in Bayern. Noch brutaler könnte man dies auch mit dem »FÜHRERKULT« zwischen 1933 und 1945 vergleichen. Es sind die gleichen Anzeichen von Hysterie unter den Anhängern von THE DONALD zu erkennen. Allein die VERGÖTTERUNG der charismatischen Erscheinung lässt den Kandidaten um das Amt des POTUS als RETTER erscheinen.Clintons Auftritte im Wahlkampf kommen denen unter Trumps Anhängern in den Auswirkungen nahe, nur dass sie beim restlichen Wahlvolk nicht so recht zünden. Clinton wirkt bei vielen nicht glaubhaft. Kein Wunder bei all den Affairen und Verwicklungen mit dem big money.
Während die einen sich verzückt in die Arme fallen, rufen die anderen "kreuzige ihn!"SO NAHE LIEGEN DESPOTISMUS UND DEMOKRATIE ZUSAMMEN! IN BAYERN braucht es derweilen keinen ROYALISTENKULT, da die CSU als Staatspartei mit Horst Seehofer deckungsgleich ist und aufgrund der Landtagsmehrheit im Sinne eines KÖNIGS durchregiert werden kann.

Benno Bartsch | Mi, 7. September 2016 - 15:57

"Kanzlerin Angela Merkel und viele Menschen in Deutschland haben vor einem Jahr ein Zeichen gegen den zweiflerischen Mainstream in Europa gesetzt und die Türen für Flüchtlinge geöffnet."
Wie bitte? Mit teils veralteten Bilder von Kleinkindern, mit emotionalen, moralischen Aufrufen hat gerade der Mainstream Werbung für die Armutszuwanderung gemacht. Geschlossen, kritiklos, unsachlich und mit moralischem Zeigefinger. Man hörte linke, grüne und sozialistische Politiker plötzlich mit christlicher Nächstenliebe herumhantieren im Chor mit Taz, Spiegel und Süddeutsche. Wem auffiel, dass kaum Frauen und Kinder unter den Flüchtlingen waren, dass Handys vorhanden waren, aber Papiere im Meer versunken sind, dass in Syrien wohl kaum Schwarzafrikaner oder Albaner leben, der wurde als Ausgeburt der Hölle abgestempelt. Unmenschen, Entzug der Staatsangehörigkeit, gesellschaftliche Ächtung, Berufsverbote, Kindesentzug ... nur um einige "Argumente" anzuführen. Oder halt Rechtspopulist. Und jetzt?

Martin Arndt | Mi, 7. September 2016 - 16:00

Deutschland ist und bleibt ein Land der Demokratieaversion. Herr Gabriel versteht nichts vom Funktionieren einer lebendigen Demokratie, wie sie z.B. in Grossbritannien und den USA vorhanden ist. Sie lebt immer auch vom Tabubruch, der die Menschen herausreisst aus ihrer lammfrommen Behaglichkeit und der natürlichen Denkfaulheit, die dem deutschen Michel trotz Kant so eigen ist. Staatliche Statute nutzen das Tabuisieren, weil sie immer ein Moment von Willkür haben und als menschliche Weisheit nicht unfehlbar sind. Sie bleiben jederzeit der Gefahr des Irrtums unterworfen (Kant). Eine offene Gesellschaft verabscheut nicht den Tabubruch, da er Diskussion und das Ringen um Wahrheit veranlasst. Am Ende eines solchen, sicherlich mühewollen Prozesses kann z.B. die Einsicht stehen, dass die Aufnahme von Flüchtlingen ein Gut ist. „Wie arm wäre die Welt, wenn alles, was irgendeine Gruppe beleidigen könnte, nicht mehr gesagt werden dürfte! " (Dahrendorf)Das Pack kann auch Anzüge tragen.

Margrit Morf | Mi, 7. September 2016 - 17:15

Meines Erachtens ist es genau so wie Herr Ziener es beschreibt. Irgendwann stellt man fest, dass es gar nicht sein kann, dass Andersdenkende immer falsch sind. Durch die ständige Diffamierung durch Journalisten, in allen TV-Sendungen, von allen Politikern wird ein denkender Mensch meines Erachtens misstrauisch. Warum diese Einheitsmeinung ? Will man etwas verbergen ? Warum darf man keine Fragen stellen ohne als Nazi bezeichnet zu werden ? Man nimmt doch wahr, dass diese ewige politically correctness nicht die Wirklichkeit widerspiegelt ...Ja ich denke das ruft Protestwähler hervor, die dann nicht unbedingt differenziert argumentieren, sondern einfach wütend sind und auch einmal gehört werden wollen und eine Veränderung suchen. Dass das gefährlich sein kann liegt auf der Hand, aber wenn die sogenannt Intellektuellen und Eliten selber nicht auf diese Idee kommen, und weiterhin in ihrer heilen Welt leben wollen,müssen sie dazu gezwungen werden den Wirklichkeiten ins Auge zu schauen.

Christoph Kuhlmann | Mi, 7. September 2016 - 17:30

durch Political Correctness. Sie ist ja im Grunde ein subtiles Instrument der Manipulation und an sich schon ein politisches Statement. Dieses ruft inzwischen Aversionen in einem Ausmaß hervor, das Politiker wie Trump wieder möglich macht. Die Moderne geht langsam auch in der Politik zu ende. Ich kann mich noch erinnern, wie der Verlust des politischen Urgesteins der BRD beklagt wurde. Wehner, Strauß und andere, die sich noch durch Leidenschaft und semantische Kreativität auszeichneten. Bisher hat keiner der Neupopulisten das Format, aber sie bereiten den Boden.

Karola Schramm | Mi, 7. September 2016 - 19:17

Der Autor schreibt, als wisse er, was wirklich Merkels Gründe waren. Hat sie ihm das gesagt ? Er glaubt das Merkels Handeln einem christlich-humanistischen Weltbild entsprang und eben nicht egoistisch war. Er hält es für mutig und hält denen, die das nicht so sehen, Kleingläubigkeit vor. Politik muss weiter sehen als die Nasenspitze reicht. Merkel hat das nicht getan. Sie fährt auf kurze Sicht.

Merkel hat ihre Kanzlerentscheidung genutzt, um sich in dieser Sache für die Wirtschaft durchzusetzen, denn die hat das Sagen. Bei allen Entscheidungen der Kanzlerin steht IMMER die Sicherung der Wirtschaft im Vordergrund, das kann man überall nachlesen.
Dass die AfD die Gunst der Stunde nutzte und auf das Danach hinwies und protestierte wurde anfangs auch nicht gehört. Erst mit dem Erfolg der 1. Wahl der AfD wurden alle hellhörig. In Folge wurde die AfD beschimpft, was nichts nutzte. Schlechte Politik und grottenschlechte Medienarbeit haben dazu geführt, dass die AfD da steht wo sie steht.

Bernd Fischer | Mi, 7. September 2016 - 19:39

Zitatanfang: Wehner, Strauß und andere, die sich noch durch Leidenschaft und semantische Kreativität auszeichneten.
Zitatende:
Würden beide oben genannten Personen noch am Leben sein, so würde zumindestens einer von den beiden in der "Focus" , der vom Justizminister unterstützt wird, der Meinungspolizei geraten, deren Vorsitz ein Stasi-Spitzel hat.

Schöne freiheitliche demokratische Grundordnung die , die Dienste von ehemaligen Stasi-Spitzeln in Anspruch nehmen muss.

Martin Wessner | Mi, 7. September 2016 - 21:38

Zitat: " Zu diesem Handeln gehörte Mut und nicht Kleingläubigkeit."

Mut? Gehört Mut dazu, als Bundeskanzlerin genau das zu tun, was Claus Kleber und Marietta Slomka allabendlich im Heute-Journal mit pastoralem Kehlton und hochgezogener Augenbraue subtil einfordern, und dann -bei Vollzug- selbstzufrieden goutieren? Gehört Mut dazu, dem überwältigenden linksliberalen Mainstream in Medien, Kunst, Kultur und Politik lemmlingshaft hinterher zulaufen, weil man fälschlicherweise davon ausgeht, dass das Befinden dieser omnipräsenten, äußerst gesprächigen Elite, die bestenfalls 10% der deutschen Gesellschaft ausmacht, die wahre Meinung des Volkes repräsentiert?

Martin Wessner | Mi, 7. September 2016 - 22:10

Zitat: "Dieses Handeln entsprang einem christlich-humanistischen und eben keinem egoistischen Weltbild."

Und warum hat sich dann Frau Merkel nicht schon vor dem 04.09.2015 für die Flüchtlinge mit der gleichen Vehemenz stark gemacht? Der Exodus der Hundertausende über's Mittelmeer und über die Balkanroute begann ja nicht erst im Jahr 2015. Und warum hat unsere Bundeskanzlerin schon ein paar Monate später ihre ach so menschenfreundliche Gesinnung ratzfatz über Bord geworfen, indem sie Herrn Erdogan dafür angeheuert hat, seine Grenzen hermetisch abzuriegeln, damit die Flüchtlinge nicht mehr in den Genuss ihres christlichen Humanismus kommen können?

Nein, nein. Frau Merkel denkt vorallem in machtpolitischen Kategorien und sie stellt ihr Fähnlein sehr schnell nach dem Wind, wenn dieser sich dreht. Sie hat schlicht und einfach gedacht, dass sie mit ihrer vermeintlich großherzigen Geste in der Öffentlichkeit punkten kann. Aber da hatte sich die Populistin Merkel ausnahmsweise mal geirrt.

Gerd Klaus Scheidig | Mi, 7. September 2016 - 23:01

Bei dem Wahlen in Schwerin kann ein negativer Bonus die Ergebnissen der etablierten Parteien auch etwas beeinträchtigt haben: die Tatsache, dass der derzeitige Bundespräsident in dieser Region zu DDR-Zeiten eine Vergangenheit hatte. Gerade in den neuen Bundesländern wird aufgemerkt, dass Merkel , die Grünen und Sozialdemokraen eine Figur für das höchste Amt im Staate plazierten, die sich nur schwerlich als Widerstandskämpfer u.Opfer des SED-Regimes darstellen konnte. Wer zu jener Zeit mit den Rostocker Stasi-Oberen kungelte und so für seine Söhne die gefahrlose Ausreise in die Alt-Bundesländer erreichte, während DDR-Normalbürger an der damaligen widernatürlichen Grenze mitten durch Deutschland ihre Reisewünsche mit dem Leben bezahlen mussten und "wie Hasen abgeknallt wurden" (ZDF-Korrespondent Lothar Löwe), war ein Begünstigter der Mielkes. Die Berufung zum Chef des BStU wie die zum Schlossherren in Charlottenburg bedarf neuerlicher Bewertung bei veränderten politischen Verhältnisse

aber wie sagt unsere Ö/R Presse und alle angrenzenden Medien von Springer usw. Der Freiheitskämpfer im Schlösschen. Solch dreiste Lügen werden einem aufgetischt aber wehe ich sage Lügenpresse oh Gott oh Gott

Andreas Kuntz | Do, 8. September 2016 - 01:29

Man mag Trump für einen Monopoly-Spieler auf dem Egotrip halten oder nicht - sein wirksames Durchbrechen der orwellschen "Political Correctness", die aus dem Versuch zur Denkkanalisierung und Stigmatisierung besteht (die 68er sind im Namen der Freiheit und der Toleranz,hier bestürzend weit gekommen) ist a.m.S. keineswegs ein Kritikpunkt, sondern anerkennenswert.

Nichteinverstandensein mit der Regierung ist kein "Hate-Speech".

In einem taoistischen Sinn heilt man einen heftigen Mißstand nur durch "Operation Gegenkrass". Nur so lässt sich die Harmonie nicht wieder herzustellen. Und genau das tut Trump.

Die AfD tut es übrigens nicht. So hat sich beispielsweise Frauke Petry am Wahlabend an die Vertreter der anderen Parteien mit der Bitte (!) gewandt, doch mit der Nazi-Stimatisierung aufzuhören. Nun mag die deusche Linke ernstlich davon überzeugt sein, die AfD plane die Vernichtung des Weltjudentums oder nur so tun.

Der Punkt ist: Gegenkrass wirkt, Bitten nicht.

Barbara Kröger | Do, 8. September 2016 - 07:16

Herr Ziener, die politische Debattenkultur ist bei uns unterentwickelt. Das wird zur Zeit besonders deutlich, wenn andere Meinungen sich zu Wort melden, als die der Bundesregierung Zustimmenden. Da etablieren sich auch mit Hilfe des Bundesjustizministers und der Bundesfamilienministerin sog. Hass-Speech Gruppen, die dazu auch noch Stasivergangenheit vorweisen können. Das geht, meiner Meinung nach, gar nicht!

Das Recht der freien Meinungsäußerung wird der Bevölkerung im Grundgesetz garantiert und niemand, weder Bundesregierung noch andere Personen haben das Recht, daran zu rütteln!

Ursula Schneider | Do, 8. September 2016 - 09:38

Wo waren denn die Verteidiger der "Debattenkultur", als von "Pack", "Dunkeldeutschland", "Freien Radikalen" (O-Ton Gabriel) die Rede war und eine ganz normale demokratische Protestbewegung wie "Pegida" in Bausch und Bogen zum Schimpfwort wurde? Gegen unseren Zeitgeist-Agitprop ließ sich doch gar nicht mehr sinnvoll andiskutieren.

Zur Debattenkultur gehören Offenheit, Fairness und Wahrhaftigkeit. Stattdessen gab es eine verlogene Begriffswelt, die den Gegner diffamierte und alles auf den Kopf stellte. Aus Euro-Skeptikern wurden "Europafeinde", aus Migrationskritikern "Fremdenhasser", aus Konservativen "Rechtsextreme" usw. Von aggressiven Linksextremen hörte man dagegen nichts. Offener Diskurs? Der Geistes- und Kulturbetrieb verblödete bei dieser Meinungsdiktatur.

Erst jetzt, wo die Wahlerfolge der AfD trotz Dauerbeschuss nicht zu verhindern waren, steuert man vorsichtig um. Klingt mehr nach Taktik als nach irgendeiner "Kultur".

Romuald Veselic | Do, 8. September 2016 - 10:15

dass die teils rassistische, nationalistische und illiberale Grundierung der Partei von ihren Wählern ignoriert wird.
Das Problem ist, wer u. wie werden diese Grundierungen definiert u. was darunter verstanden wird. Man sollte sich nur die Weltanschauung der Nazis o. Kommunisten vergegenwärtigen, vor wenigen Jahrzehnten. Deren Vokabular u. Absichten, die sakrosant galten, ab dem Moment, als sie ihre Macht zum ewigen Heiligtum erklärten.
Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte wurde deshalb gewählt, weil er die Belange der Mehrheit verstanden hat, nach dem Motto: "Wie du mir, so ich dir". Und seine Äusserung zu Barak Obama, wurde in vielen Ländern, mit Schmunzeln aufgenommen. Sogar unter den Amis ebenso, die ihn nicht ausstehen können.
Die deutsche Sichweise u. Wahrnehmung, ist nicht Meinungsdeckend schon neben an, in Tschechien oder Polen.
Sympathie für jemanden - kann man nicht vorschreiben oder befehlen.

Kostas Aslanidis | Fr, 9. September 2016 - 13:38

und Clinton die mitentschieden hat, ganze Laender zu zerstoeren "Gut".
Die Folgen sind in Europa spuerbar.
Trump ist noch nie an die politische Macht gewesen. Wie waere es mal mit abwarten, statt zu Verdammen.
Trump ist auch viel Ehrlicher und direkter, als die Menschenverachtende Clinton.

Alexander Steinmann | Sa, 10. September 2016 - 16:03

Der Artikel enthält sicher auch viel Wahres, aber die Unterstellung, die Grenzöffnung sei christlich-humanistisch begründet, ist rein spekulativ. Zunächst ist der Humanismus grundsätzlich nicht christlich konnotiert, aber das ist mehr für Connaisseure. Letztlich wird immer unterstellt, Merkel habe altruistisch gehandelt. Ich befürchte eher, dass unser Land den Bach hinabgeht, weil ein paar Spindoctors der "Eiskönigin" geraten haben, wie sie zur "Kanzlerin der Herzen" plus Friedensnobelpreis werden soll.

Karl Peter | So, 11. September 2016 - 00:48

Er ist frech, er ist rebellisch - er ist das Gegenteil der bisherigen Heuchelei und "Correctness", die für jeden halbwegs selbstständig denkenden Menschen eine Beleidigung ist.

Maika Torge | Mo, 12. September 2016 - 12:39

Dass sich solch eine Debattenkultur entwickelt hat, ist nicht verwunderlich: uns begleitet seit Jahren die Gier nach "like" or "dislike" in der Facebook-und Online-Welt an sich. Eine Erscheinung (forciert durch die Medien) der modernen Zeit. Selbst Jugendliche leben nach diesen Vorgaben. Graustufen in der Meinung werden dadurch verhindert, eigenes Denken ausgesetzt. Das Differenzieren der Meinung, Ansichten und Einschätzungen bleiben auf der Strecke. Es kommt aber als Boomerang irgendwann zurück, wenn es uns selbst betrifft und wir gerne differenziert betrachtet werden wollen. Ebenso verhält es sich bei der Politik. Schwarz oder weiß, mehr gibt es (fast) nicht mehr. Es sei denn, man benutzt seinen Kopf sogar einmal zum Nachdenken.

Rudolf Stein | Mi, 14. September 2016 - 18:45

"Warum soll es nicht möglich sein, die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel im Grundsatz gut und richtig zu finden, dabei aber dennoch auf die ungelösten Probleme und die Gefahren hinweisen zu können?" Weil das der Quadratur des Kreises gleichkäme. In der DDR Sozialisierten leuchtet das sofort ein. Etwas was RICHTIG ist, kann weder Probleme bereiten noch Gefahren heraufbeschwören. Das mag im privaten Leben hin und wieder vorkommen, in der Politik ist es ein NoGo, denn es würde bedeuten, dass das RICHTIGE letzten Endes doch nicht RICHTIG war, sondern nur halbwegs RICHTIG, möglicherweise sogar falsch.. Halbwegs richtige oder gar falsche Entscheidungen produzieren schuldige Politiker. Sehen Sie welche?

Andreas Müller | Do, 15. September 2016 - 11:34

Wie der von Ziener beschriebene Effekt funktioniert, kann man aktuell SpOn / Sascha Lobo nachlesen.
Hintergrund: Julian Assange hat behauptet, dass ein in Washington auf der Straße ermordeter Mitarbeiter der Demokraten ein Whistleblower war, der Wikileaks mit den brisanten Informationen versorgt hat, dass bei den Vorwahlen zugunsten von Clinton und gegen Sanders gemauschelt worden sei. Wassermann-Schultz, eine wichtige Verbündete von Clinton und Organisatorin des Nominierungsparteitags hatte wegen des Leaks ihren Hut nehmen müssen. Assange deutet also an, dass der Tote aus politischen Gründen ermordet worden sein könnte.
Was macht Lobo daraus? Er bringt zwei Vorwürfe:
1.) Assange habe einen Whistleblower enttarnt, ohne zu erklären, als ob das für einen Ermordeten automatisch noch ein Problem sei.
2.) Assange unterstütze Trump.
Hinweise auf Clinton'sche Verbrechen sind also nichts als Wahlkampf für Trump. Die Frage des Wahrheitsgehalts spielt dabei keinerlei Rolle.

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