Broschüre der Bundesregierung - Europa und EU sind nicht dasselbe

Kisslers Konter: Angeblich feiert Europa gerade seinen 60. Geburtstag. Oder ist es doch die EU? Die Bundesregierung ebnet den Unterschied ein, wie eine Broschüre zeigt

Fahnen der EU-Mitgliedstaaten und EU-Flaggen wehen im Wind
Die „Deutschland aktuell“-Ausgabe: Rückfall ins historische Nichts / Bundesregierung/Stutterheim

Autoreninfo

Alexander Kissler ist Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam“ und „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“.

So erreichen Sie Alexander Kissler:

Ganze Regierungen haben sich dem Kampf für die Wahrheit verschrieben. Manchmal aber machen dieselben Regierungen mit beim Geschichtenerfindungswettbewerb, ob aus Nachlässigkeit oder absichtlich. Beim Presse- und Informationsamt der Bundesregierung drängt sich der Eindruck auf, dass es absichtlich geschieht.

In einer Auflage von knapp vier Millionen flattert derzeit wieder „Deutschland aktuell“ als Zeitschriftenbeilage in die Haushalte. Das dreimonatlich erscheinende, 16 Seiten umfassende Heft soll „die Politik der Bundesregierung anhand anschaulicher Beispiele“ erklären und „eine ganze Reihe von Tipps“ bieten. Es handelt sich um Ausgabe 2/17, und sie hat einen redaktionellen Schwerpunkt namens „Europa wird 60“. So steht es auch auf dem Titelblatt: „Europa wird 60.“ Daneben ist die Europaflagge mit ihren zwölf Sternen abgebildet. Im Heftinnern lesen wir weitere achtmal: „Europa wird 60.“

Wider besseres Wissen

Vor 60 Jahren, am 25. März 1957, erfahren wir im Vorwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel, seien die Römischen Verträge unterzeichnet worden. Sechs europäische Länder, darunter Deutschland, hätten so „den Grundstein für die Europäische Union“ gelegt. Stimmt auffallend. Ergo kann es sich bei der neunfachen Behauptung, Europa werde 60 Jahre alt, um keine in exekutive Höhen aufgestiegene Bildungskatastrophe handeln. Was schlimm und peinlich genug wäre. Nein. Ausweislich des Vorworts der Dienstherrin weiß das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung genau, wie sich die Sache verhält – und kehrt den Sachverhalt dennoch ins Gegenteil. Das vergleichsweise junge Projekt EU und das geistige Langzeitphänomen Europa werden wider besseres Wissen für identisch erklärt. Warum?

Europa fiel vom Himmel

Zunächst einmal ist es erstaunlich, dass der Versuch unternommen wird, Geschichte zu gegenwärtigen Zwecken umzudeuten. Es wäre ein Leichtes gewesen – und platzsparend  –, statt des sachwidrigen Mottos „60 Jahre Europa“ korrekt „60 Jahre EU“ zu schreiben. Das Informationsamt der Bundesregierung wollte es anders. Es war offenbar bereit, um der politisch erwünschten Botschaft willen Leserin und Leser zu verwirren. Dem flüchtigen Betrachter wird erzählt „dieses Europa“ der „zukünftig 27 Staaten“ (Merkel) sei alles, was den Kontinent ausmache, geographisch wie historisch. Die tektonische Verschiebung, als deren Resultat am 25. März 1957 Europa aus dem Nichts hervorgegangen sein muss, kann gar nicht monumental genug gedacht werden. Mit dem erheiternden Nebeneffekt freilich, dass dann die im Heft vorgestellte Mustereuropäerin Ursula Müller, „geboren am 13. Mai 1936 in Essen“, gar keine gebürtige Europäerin sein kann. Europa gab es 1936 noch gar nicht. Auch die Gründungsväter von 1957 können keine Europäer gewesen sein. Europa fiel vom Himmel.

Vor 1957 nur geschichtslose Nacht

„Dieses Europa“ müssen wir uns als Münchhausiade vorstellen. Ein Politikerschlag zog sich 1957 selbst am Schopf aus dem Tümpel der Ahistorie, dem begriffslosen Dunkel, dem Chaos. Europa, eine politische Selbstbefruchtung, ohne Vergangenheit, ohne Ahnen, ohne Erbe. Die Gründungspolitiker müssen im luftleeren Raum gehandelt und gedacht haben. Es gab ja niemanden und nichts, auf den und auf das sie sich hätten berufen können, damals, in reiner Präzedenzlosigkeit. Da war nur geschichtslose Nacht: Herodot – ein Historiker, aber kein Europäer. Thomas von Aquin – ein Denker, aber kein Europäer. Immanuel Kant – ein Philosoph, aber kein Europäer. Hobbes und Montesquieu und Rousseau – Theoretiker, aber keine Europäer. Caesar und Karl der Große, Jakob I. und Ludwig XIV.  – Regenten, aber keine Europäer. Goethe und Schiller, Hugo und Dumas, Mickiewicz und Petofi, de Camoes und Cervantes – Dichter, aber keine Europäer. Es war die lange, die fast ewige Stunde, da wir nichts voneinander wussten. Bis zum Donnerschlag des 25. März 1957, als auf Papier wahr wurde, was es in der Wirklichkeit nicht gegeben haben durfte, Europa. Oh, Europa.

Ein aus schierer Panik geborener Hilfeschrei

Daraus lässt sich ableiten, dass das Verwirrspiel dem politischen Zweck dient. Europa soll eine Wertegemeinschaft sein, deren Werte herzuleiten dann aber niemand fähig ist. Europa soll ein Verwaltungs- und Wirtschaftsprojekt sein, dessen tragende Prinzipien aus griechischem Denken und römischem Recht dann aber planvoll verschüttet werden. Europa soll bürgernah sein und grenzenlos und „Frieden und Freiheit“ garantieren. Die Idee des Citoyens wird dann aber nicht ausbuchstabiert, der Sinn der Grenze nicht erfasst, das Verhältnis von Frieden und Freiheit nicht diskutiert. Wie auch, wenn keine Referenzpunkte vor 1957 akzeptiert werden?

Europa ist ein Versprechen, ein schönes obendrein, ist eine Geschichte, eine Erfahrung, eine Hoffnung. „Dieses Europa“ ist eine Provokation. Es droht mit dem Rückfall ins historische Nichts, sollte es administrativ weiter schrumpfen oder gar abgewickelt werden. Insofern ist die falsche Schlagzeile von „60 Jahren Europa“ ein aus schierer Panik geborener Hilfeschrei.

Nach dem Treffen von Angela Merkel und Donald Trump im Weißen Haus schrieb der Bild-Journalist Julian Reichelt über den amerikanischen Präsidenten: „Seine Zeitrechnung beginnt mit ihm. Er kennt keine historischen Bündnisse, Verpflichtungen und Traditionen. Er ist sich selbst die Stunde null.“ Offenbar sollen wir von Europa dasselbe denken. Rät uns die Bundesregierung. Damit Deutschland aktuell bleibt.

Nur Hamanda | Fr, 24. März 2017 - 10:41

...dass das nur ein "Übersehen" im Lektorat war. Schön, dass hier bei CICERO dieser Geschichtsklitterung der nötige Raum gegeben wird, um Licht auf diese Fake historics zu werfen.
Aber wir wissen ja, Politikern ist nichts peinlich. Ruf ruiniert, macht ungeniert. ...und Armut macht unpolitisch, sagt Frau Nahles, die keine Nase hat, um dran zu fassen. Es ist so frustrierend.

Ich hatte mich schon gewundert - aber seit der Schlechtschreibreform und der Initiative "Schraip widu schprichsd" von 'Opa Günther' in Bayern wundere ich mich eigentlich über nichts mehr in diesem Irrland. EU oder Europa? das, Herr Kissler ist doch eine Petitesse für die, die da in Berlin sitzen. Frau Merkel ist doch gerade dabei, die Welt zu retten, da sind solche Kleinigkeiten doch "pinatts"! Vielleicht wird der nun wieder auf die Erde zurückgekehrte Messias ja auch das "richten".
Lasset uns beten!

Volker Simoneit | Fr, 24. März 2017 - 10:51

Zeigt es nicht sehr deutlich, dass Demokratie nicht mehr richtig funktioniert. Es wäre angebracht, Politiker, die ein Amt übernehmen wollen, einer Eignungsprüfung zu unterziehen. So würden auch die gefälschten Lebensläufe auffallen.

Wolfgang Dubbel | Fr, 24. März 2017 - 12:41

auch die EU wird nicht 60, sondern bestenfalls die EWG

Chris Groll | Fr, 24. März 2017 - 13:57

In reply to by Wolfgang Dubbel

korrekt

Peter Wimmer | Fr, 24. März 2017 - 18:26

In reply to by Chris Groll

Doppelt genäht, hält besser, dachte der Verfasser.
Vor Gericht würde er sagen: Ich habe doch gar nicht gelogen, ich glaube doch selbst, dass das wahr ist.

Wilhelm Maier | Fr, 24. März 2017 - 12:58

Ein politisches Pamphlet, dem man nicht widersprechen kann!. Sehr klug und unterhaltsam!.
Und "an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen" müssen sich manche auch jetzt noch.
Danke und alles Gute.

Reiner Jornitz | Fr, 24. März 2017 - 13:13

Die EU und Nato sind auch gegründet worden um in jeder Richtung Kontrolle über Deutschland haben. Vom 1. Nato-Vorsitzender wurden sogar die 3 S formuliert! Schwache kleine Wirtschaft schwache Bundeswehr und eine schwache Regierung! Die Frage stellt sich, kann so Europa wertehaltig sein? Jetzt ist Deutschland Mäzen von der halben Welt und Europa und muss für andere finanziell bluten. Bekommt ein Staat nichts wird die Nazi-Keule geschwungen . Europa gibt es nur noch weil Deutschland zahlt. Siehe Polen , Griechenland und weitere Staaten . Man nimmt sich das was man braucht und gibt nichts zurück .Herr Kissler mit ihren scharfen Gedankenzusammenhänge sehe ich sie im Olymp von Cicero .

Ernst Laub | Fr, 24. März 2017 - 21:27

In reply to by Reiner Jornitz

Deutschland, bzw. das was davon übrig geblieben ist, soll klein gehalten werden.
Doch das laut Papst Franz "unfruchtbare Deutschland", das von Merkel symbolisiert wird, mit seiner tatsächlich negativen Demographie, wird auf die Länge nicht mehr in der Lage sein, die Rolle eines wichtigen Profic Centers der internationalen "Finanzindustrie" zu spielen. Da helfen auch Merkels orientalische "Hilfskräfte" nichts, im Gegenteil. Was aber die andern Europäer, wie die Polen und Griechen betrifft, so kann man sie heute wirklich nicht für den Untergang Deutschlands und Europas verantwortlich machen. Die wirklich Verantwortlichen sind die unterwürfig-arroganten (von Fall zu Fall) „Selbstbediener“ in Staat, Wirtschaft und Finanzwesen der sogenannten BRD. Es sind Leute ohne Ziel und Strategie, soweit es nicht um die Erhaltung ihrer Pfründe geht. (Es kann mir übrigens als Schweizer nicht gleichgültig sein, wie die BRD – wieder einmal von ihrer „Elite“ in den Untergang geführt wird.

Danke, Herr Laub, dass Sie als Ausländer es so sehen und aussprechen, viele "deutsche Michel" sind einfach nur "blauäugig", wenn es um ihre Heimat geht und die Elogen unserer sogenannten Politiker werden tatsächlich für bare Münze genommen..

elke popken | Fr, 24. März 2017 - 13:18

Nur gewiefte Politiker ala Schulz uns Steinmeier sind in "der Lage" dem dummen Volk so absolut schweeeeer verständlich, komplexe Sachverhalte wie Demokratie und europa, mit wortklaubereien und scheindebatten unters Hemd zu jubeln! Schon Martin Luther sagte:" sprich wahr und klar"! Die Gründerväter Europas deren Grundgedanke auf ganz anderen fundamenten ruhte ( Kriege verhindern, gegenseitiger Respekt, selbst bestimmenden und eigenverantwortlichen Regierungen, deren Wirtschafts..und handelsabkommen nichts im Wege stand). Nach aussen zu den Großmächten wollte man vor allen Dingen ein gefestigtes, einheitliches Europa aus Wirtschafts-.und Sicherheitsgründen demonstrieren! Frau Merkel hat diesen festen Grundsatz durch ihre EU-einheitspolitik wo Deutschland und auch Frankreich vorgeben, was und wie es zu laufen hat, in kürzester Zeit zerstört. Europa muss durch neue Politiker mit gesundem Geist erhalten und umgestaltet werden, der alte, korrupte Kader muss weg!!

Jürgen Streeb | Fr, 24. März 2017 - 13:31

Geschichts- und Geographiekenntnisse der Bundesregierung: SETZEN! SECHS!
Oder sind die Kenntnisse etwa doch vorhanden? Egal, in der Schule wird meines Wissens nach auch bei bewusster Täuschung die Note SECHS verteilt.

Peter Wagner | Fr, 24. März 2017 - 13:35

Es gab Zeiten in Europa (auch vor 1957!), da mußte jedes Land für seine selbst verschuldeten Fehler noch selber bezahlen! Da hatte jedes Land seine eigene Währung. Kein Land kam auf die Idee, eigene Probleme anderen Staaten anzulasten! Besonders nach Gründung der EWG verbesserten sich die politischen und die wirtschaftlichen Beziehungen, innerhalb der noch recht übersichtlichen Gemeinschaft. Und dann kam die EG, Brüssel, die EU und 2002 der Euro...........

Christa Wallau | Fr, 24. März 2017 - 14:25

Ja, lieber Herr Kissler, das kommt dabei heraus, wenn vertieftes Wissen nicht mehr zählt, sondern
Ideologie u. Schönfärben.
Heutigen jungen Menschen "verkauft" man derartigen Schwachsinn ("Europa wird 60") ganz gefahrlos; denn ihre schulische Ausbildung besteht
überwiegend nur darin, zu lernen, wo man etwas nachschlagen und wie man das in einem Nachschlagewerk o. bei Wikipedia Gefundene auf ansprechende Weise (kurzgefaßt + hübsch aufgemotzt) darstellen kann. Das nennt sich
Kompetenzgewinn. Dafür gibt es Bestnoten.
Europäische Geschichte sowie
Kunst- und Kulturgeschichte der Länder Europas ist den allermeisten, die das Abitur bestehen, nur fragmentarisch bekannt. Von Vielerlei haben die Schulabgänger nach 12 oder 13 Jahren etwas gehört und gelesen, aber Zusammenhänge (zeitlich u. inhaltlich) wurden kaum hergestellt, so daß der Bezugsrahmen in den Köpfen fehlt. Ich darf mir als ehem. Lehrerin dieses Urteil erlauben: Junge Leute kann man heute mehr denn je für dumm verkaufen. Leider!

Liebe Frau Wallau, Einspruch von meiner Seite. Es kommt auf das Bundesland an, in dem junge Menschen lernen. Um so viel Differenzierung bitte ich dann doch. Lehrstoff auf hohem Niveau, der in 12 Jahren durchgezogen wird statt in 13, hat vielfach dazu geführt, dass junge Menschen ab Klasse 10 dem Sportverein, dem Hobby entsagen mussten, wenn sie denn eine 1 vor dem Komma (besser ohne Komma) haben wollten, um auch dem NC in sehr anspruchsvollen Studienfächern genügen zu können. Schule kann und konnte - entgegen den Erwartungen vieler Eltern heute - nie alles leisten. Ergänzend waren und sind immer die Eltern, wobei Ausnahmen wie immer die Regel bestätigen. Das sollten Sie als ehemalige Lehrerin wissen. Aber ich lasse mich gerne von Ihnen belehren. Beste Grüße, Michaela Diederichs

Christa Wallau | Mo, 27. März 2017 - 11:04

In reply to by Michaela Diederichs

... und zusätzlich auch noch auf die einzelne Schule. Ich weiß nicht, in welchem Teil Deutschlands Sie wohnen, wohl in Bayern o.BW. In NRW und RLP, wo ich den Einblick habe, ist die Situation allgemein so, wie ich sie dargestellt habe.
Was die Verkürzung der Gymnasialzeit von 13 auf 12 Jahre anbetrifft, so war ich immer dagegen. Allerdings muß diese Zeit auch wirklich sinnvoll genutzt werden.
Und genau das ist weitgehend nicht der Fall. Sie brauchen ja nur mal die Ergebnisse
der Hochschuluntersuchungen über die Grundkenntnisse der Studienanfänger
zu betrachten.
Selbstverständlich spielt das Elternhaus nach wie vor eine große Rolle hinsichtlich der Bildung junger Menschen. Es ist in vielen Fällen - trotz Ganztagschulen -
prägender als jede Schule.
Leider kann man im Rahmen dieser Kommentare kein differenziertes Bild
zur Lage des Bildungsstandes unserer Jugend zeichnen. Deshalb bitte ich um
Entschuldigung für meine verkürzte Aussage, die ich im Kern beibehalte.
MfG C. Wallau

Ja, werte Fr. Wallau, es ist schon schmerzlich, wenn man gerade als Pädagogin erleben muss, wie leicht sich junge Menschen für dumm verkaufen lassen. Gilt das aber nur für unsere Jugend? Wohl kaum. Ich habe eher den Eindruck, es gilt der Satz: Dummheit und Ignoranz kennen weder eine Ober- noch eine Altersgrenze. Aber warum sollte ein Interesse bestehen, dem entgegenzuwirken? Es ist doch verständlich, dass von Seiten der Regierung Obergrenzen so vehement abgelehnt werden. "Wählerstimmen entspringen einem Mangel an Information" habe ich irgendwo gelesen. Wenn ich die aktuellen Wahlprognosen betrachte, kann ich beim besten Willen nicht widersprechen.

war ebenfalls Lehrerin und kann Ihnen bestätigen, dass nicht nur in Deutschland Allgemeinbildung ein Schimpfwort ist, bin froh, dass ich noch lesen gelernt habe, nicht nur Daddeln.
Aber wenigstens konnte ich über Kisslers Artikel herzlich lachen, nicht oft haben Journalisten Humor.

Ursula Schneider | Fr, 24. März 2017 - 14:56

Dass sich eine regierungsamtliche Broschüre mit einer Auflage von 4 Mio. so der Lächerlichkeit preisgibt, ist kaum zu fassen.

Aber vielleicht fiel das gemeinte "Europa" ja wirklich vom Himmel:

Römisches Recht? - Mit den vielen Vertragsbrüchen kaum zu vereinbaren.
Griechisches Denken? - Das Demokratiedefizit der EU ist schon sprichwörtlich.
Aufklärung? - Die Bildungskatastrophe nimmt beängstigende Ausmaße an und die "selbst verschuldete Unmündigkeit" (Kant) wird mit Begriffsverwirrungen wie in dieser Broschüre und vielen weiteren fleißig gepflegt ...

Nun ja, was schert's mich, ich bin - da vor 1957 geboren - ja auch keine Europäerin.

Marcus Hallmoser | Fr, 24. März 2017 - 15:02

Die ständige Gleichsetzung der EU (28 Staaten) mit Europa (49) Staaten ist einfach nicht nur geschichtsklitternd, sondern dient dem langfristigen Ziel, die EU zu den Vereinigten Staaten von Europa umzuformen. Das geht nur ohne den Citoyen und ohne die Zustimmung der schon zu "Staatsbürgern" verzwergten Citoyen.

Juliana Keppelen | Fr, 24. März 2017 - 15:19

für diesen Artikel. Er fasst in Worte was bestimmt viele Menschen denken aber nicht so elegant beschreiben können. Die EU ist ein Bündnis von 27 europäischen Staaten aber nicht Europa und Berlin sollte auf diese Nebelkerzen verzichten.

Herbert Trundelberg | Fr, 24. März 2017 - 15:28

das ist genau so wie mit dem Gewinn der DB. Da werden 7 Milliarden Steuergelder der DB geschenkt und von denen gibt es 700 Millionen als Gewinn deklariert zurück. Und was passiert? Richtig, alle Medien, Politik, DB rufen laut im Chore die DB hat Gewinn gemacht. Nur wer Denken kann ist klar im Vorteil. Wie wäre es Herr Kissler, Sie überweisen mir 1000.-€ und ich gebe Ihnen 1.-€ als Gewinn zurück? Wir können die Zahlen auch Potenzieren

Wolfgang Lang | Fr, 24. März 2017 - 15:56

Herr Maas, Frau Kahane, Correctiv uebernehmen sie!
Wir, das Volk, vulgo Pack, warten gespannt auf Aktionen. Wir wollen doch alle der Wahrheit den Weg freimachen.

Bernd Büdenbender | Fr, 24. März 2017 - 16:21

Sehr geehrter Herr Kissler,
wieder einmal ein hervorragender Artikel zur dringend benötigten Aufklärung der schon länger hier Lebenden,damit sie hoffentlich den Unterschied zwischen Europa und EU verinnerlichen können.Diese Broschüre ist voller Nebelkerzen,absichtlichen Verdrehungen der geschichtlichen Tatsachen,um das Volk weiter in die Irre zu führen.Man darf nicht warten,biß die Desinformation der Bürger immer schlimmere Ausmaße annimmt.Deshalb ist Ihr aufklärender,unabhängiger Journalismus so wichtig.Wie wäre es,wenn Sie in Cicero hin und wieder bestimmte Themen aufgreifen würden,und diese dann den Lesern zur Stärkung ihrer unabhängigen Meinungsbildung aufbereiten könnten?

Ich meine man sollte sehr wohl daraus einen Elefanten machen--da hat Kissler durchaus recht. Es ist ja nicht nur die bodenlose Volksverdummung dieses Flyers sondern auch die Vergeudung von Steuermitteln zu Werbezwecken.Jeses Volk hat angeblich eine Elite --ich frage mich schon lange wann sie sich meldet ? Oder sollte sie bereits en bloc im Geschäft involviert sein? Fast sieht es so aus.

Willi Mathes | Fr, 24. März 2017 - 18:26

Sitzt !

EU und Europa - zwei Paar Schuhe ! Wie wahr Herr Kissler!
EU sicherlich ein Konstrukt politischer " Naivlinge ",
auf der Suche nach einer nicht vorhandenen Identität !
Es lebe die herrliche Vielfalt europäischer Völker !

Danke Herr Kissler !

Romuald Veselic | Fr, 24. März 2017 - 19:25

damit die Aufklärung und Humanismus zum Grabe getragen.
Ich will nicht belehrt werden, sondern informiert. Schlechte Infos und Lügen, sind blutsverwandt.

Dimitri Gales | Fr, 24. März 2017 - 19:56

Das ist es ja gerade, was die Bürger stört: die fehlende Bürgernähe. Hingegen scheint "Europa" als Wirtschaftsprojekt zu funktionieren. Und darum geht es der Bundesregierung, die ja auch Interessen der Wirtschaftslobbys wahrnimmt: Europa als grosser, neoliberaler Freihandesraum.
Ich finde, Europa als blühender Kulturraum hat es schon in früheren Jahrhundert gegeben, der intensive Austausch kultureller und wirtschaftlicher Natur dauerte bis tragischen Jahr 1914. Die EU hingegen ist ein Technokratenkonstrukt mit fast rein ökonomischer FInalität.

Ja, sehr einseitig, dank Target 2! Was glauben Sie wohl, wie die EU-Wirtschaft ohne
Target 2 funktionieren würde? Überhaupt nicht. Nur weil der deutsche Steuerzahler
die Exporte unserer Wirtschaft in die schwachen EU-Länder bezahlt,kann die Wirtschaft dorthin exportieren. Das ist das Geheimnis von Target 2! Zur Zeit häufen
sich dort 850 Milliarden € an zu Lasten des deutschen Steuerzahlers.

ist, dass praktisch kein Schuldner-Land die Eurozone verlassen kann, weil dann sofort die Rückzahlung dieser immensen Summen fällig wäre. Draghi warnte damit bereits italienische Abgeordnete von der Fünf-Sterne-Bewegung, die für den Euro-Austritt Italiens wirbt (Target-Verbindlichkeiten von fast 360 Mrd. Euro!).

Die EZB schafft also mit monetärer Staatsfinanzierung Fakten, die schon jetzt unumkehrbar scheinen, sowie jede Menge Erpressungspotenzial. Wahrscheinlich guckt der deutsche Steuerzahler aber so oder so in die Röhre ...

Regina Dicke | Fr, 24. März 2017 - 22:04

Nicht nur dass das Volk für dumm verkauft wird....Wir bezahlen auch noch dafür! Die wissentlich penetrante Gleichsetzung von EU ist
und Europa findet sogar im Deutschlandfunk statt. Bei mir hat das denselben Effekt wie vermeintlich politisch korrekte Sprache: Ich kann dem Inhalt nicht folgen, weil ich mich über die bewusste Manipulation so ärgere. Schlussendlich bleibt nur Verachtung über für diejenigen, die uns schon länger hier Lebenden für derart dämlich halten. Schluss damit.

Jonas Walter | Fr, 24. März 2017 - 22:28

sind ja auch entweder nicht willens oder nicht in der Lage zwischen Asylrecht und Wirtschaftseinwanderung zu unterscheiden. Und die meisten Medien sind da keinen Deut besser: Und dass Europa und EU nicht deckungsgleich sind, weiß jeder mittelmäßig gut informierte Mensch.

paul peters | Sa, 25. März 2017 - 07:51

immer wieder schmunzelnd zur kenntnis genommen:
die ecke, aus der heraus regelmäßig der populismus "enttarnt" und geschmäht wird, entpuppt sich selbst als hort des selbigen.

konsequent wäre nun, dass die für einwandfreie meinungsäußerungen zuständige ministerielle staatliche instanz, das einstampfen der broschüre verfügen oder zumindest fordern würde - evtl. noch mit androhung einer strafe von xx mio. euro bei nichtbefolgen.

schlüsselwort ist im vorherigen satz "konsequent" - ein wort, welches in einem rechtsstaat die regel sein sollte und nicht dem opportunismus geopfert werden darf.

mittlerweile betrachte ich das politische wirken der weit verbreiteten opportunisten nur noch als schauspiel für die gesellschaft mit unterschiedlichem unterhaltungswert - je nach thema.

Laurenz Kaspar | Sa, 25. März 2017 - 09:09

Ach, lb. Kissler, diesmal grenzt Ihr Konter an Haarspalterei.
Wenn ich von einem Menschen, der ein gutes Herz hat, spreche, so ist es der Kontext, der die Aussage zu einer medizinischen oder einer sozialen macht.
So auch in der Sprache von Europa. Im Kontext der Römischen Verträge weiß jeder was gemeint ist.

Ursula Schneider | Mo, 27. März 2017 - 14:28

In reply to by Laurenz Kaspar

denn es ist ein riesen Unterschied, ob ich von EU-Gegnern oder Europa-Feinden spreche - der Kontext ist aber der gleiche. Abgesehen davon, dass man schon rein logisch nicht gegen "Europa" sein kann - es existiert schließlich seit über 1000 Jahren -, ist mit der Begriffsverwirrung EU/Europa eine klare politische Absicht verbunden. Nämlich alle Skeptiker gegenüber dem gegenwärtigen Konstrukt als "Populisten" zu verunglimpfen und jede Diskussion über Alternativen im Keim zu ersticken.

Ndass es sprachlich eine Schluderei ist, Eu und Europa gleich zu setzen. Aber wie Sie sagen, ist es eher eine Quichotterie gegen Europa als geografische oder historische Einheit zu polemisieren.
Von da her ist die Begriffsschluderei ein Schulmeisterproblem und nicht ein politisch oder irgendwie sonst relevantes.

Hanno Woitek | Sa, 25. März 2017 - 11:18

Und das ausgerechnet Frau Merkel, diese Zertrümmerungsfrau der letzten 5 Jahre Europas oder des europäischen Gedanken, darüber schreibt, grenzt an bodenlose Unverschämtheit.

Hanno Woitek

Thomas Nuszkowski | Sa, 25. März 2017 - 12:58

Der Artikel führt zu den Fragen: Seit wann führen schlechte Handlungen zu guten Ergebnissen? Und warum stellt niemand diese Frage? Und warum wird so selten bei politischen Entscheidungen kritisch gefragt, ob die Entscheidung wirklich gut ist?

Peter Heek | Sa, 25. März 2017 - 15:27

Schon richtig und wahr was sie schreiben- nach alten Sitten und Gebräuchen.
Doch wird heutzutage Wirklichkeit konstruiert durch die, die die Macht die sie sich nehmen mit unbeirrbarer Stete durch die Zeit vor sich hertragen und den Menschen einprägen.
Glaubt irgendjemand, das es eine "Richtigstellung" geben wird? Ganz anderes wird kommen: die Argumentation EU ist nicht Europa wird suksessive als Kennzeichen rechter Populisten gebrandmarkt, welche Europa zerstören wollen um des nationalen Gettos willen.
Nation, Nationen als Organ/e und Schutzräume der eigenen Entwicklung , die in ihrer jeweiligen Seinsweise und Werdeweise ihren unverwechselbaren Beitrag zum Menschheitsganzen fügen ist heutzutage ein unerwünschter Gedanke.
Damit dieser Gedanke obsolet wird müssen die Nationen jetzt vereinheitlicht werden durch Umvolkungszuwanderung, Bildungsmiseren, finanzielle Plünderungen und andere Alternativlosigkeiten.
Kopf hoch, geht wählen und alles wird gut!
Geht´s noch kaputter? Ja sicher!

Herbert Geiger | Sa, 25. März 2017 - 18:43

Nicht nur ist EU nicht gleich Europa. Schon ihr Name ist falsch. Müsste es nicht richtiger heißen 'Union europäischer Staaten'? So oder so, lasst uns für ihre Reform kämpfen.

Beat Leutwyler | Sa, 25. März 2017 - 20:16

Ich schlage Cicero vor, dann EU zu schreiben wenn auch die Institution gemeint ist. Und bei Zitaten, z.B. aus Reden und schriftlichen Veröffentlichungen das Wort Europa in diesem Zusammenhang mit einem grossen U, also EUropa.

Dies ist nur einer der vielen Tricks der Politik Manipulation zu betreiben. Und die Presse leidet unter diesem Phänomen und sagt sie sei unschuldig.

Als Schweizer bin ich es gewohnt nicht nur proaktiv Kritik gutzuheissen, sondern auch einen aufbauenden Gegenvorschlag zu machen.

.. die ganze Welt täuscht, aber rechtlich absolut bindend ist.
Ich versuchs trotzdem.
Die Begriffe Migration, Immigration und Emigration sagen nichts über die Ursache der Wanderung aus, ich lasse sie weg.

In der CH werden Personen ausserhalb des Schengenraums, die Zuflucht suchen, offiziell "Asylsuchende" genannt. Zuerst, kommt jemand aus einem Dublin-Land wird er dorthin zurückgeführt. Nach der Prüfung (z.B: "Steht die Moschee Li oder Re der Strasse?") wird entschieden mit Statusänderung. Es gibt "vorläufig Aufgenommene", die nicht zurückgeführt werden (negativer Asylentscheid ohne Wegweisung, Unzumutbarkeit).
Bei einem positiven Entscheid wird das Gesuch gutgeheissen und die Personen werden dann, aber erst dann, "Flüchtlinge" genannt. Sie erhalten alle Rechte der Genfer Konvention mit Familiennachzug, usw. und werden schnellst- und bestmöglich integriert.
Alle anderen unterstehen nicht dem Asylrecht und werden für die Rückreise noch monetär unterstützt, ansonsten ausgeschafft.

Ruth Falk | Sa, 25. März 2017 - 22:21

dass Sie mit Ihrem humorigen Artikel meine Gesundheit so gefördert haben. Habe mich selten so amusiert.

Rose Hundal | So, 26. März 2017 - 17:34

Danke Herr Kissler, dass Sie diese Geschichts- und Geographie-Fälschung aufgreifen.
Es sind nicht Details, es geht um Tatsachen.
Das Pamphlet kenne ich nicht, ich möchte an die Feier in Rom anknüpfen.
EUROPA wird 60? Welches Europa ist gemeint? Das grosse „Friedensprojekt Europa“ kann es jedenfalls nicht sein.
Europa =47 Länder , das Treffen“ findet zwischen 27 Regierungsvertretern der EU statt.
Zum Schutz sind die Lokalitäten von massivstem Polizei- und Militäraufgebot abgeriegelt, ein merkwürdiges und dennoch symbolträchtiges Bild der EU…Während man in Rom feiert, lese ich bei DWN:
„Eine starke Kampfeinheit ist am Samstag aus Vilseck in der Oberpfalz nach Polen aufgebrochen. Der Einsatz richtet sich ausdrücklich gegen Russland, wie ein US-Offizier bei der Verabschiedung sagte“.
Russland, grösstes Land Europas, wird auf schizophrene Weise zur „Bedrohung“ stilisiert. „Europa“ ohne transatlantisch-geopolitische Interessen, friedlich sich selbst gestaltend - ein Traum?

Albert Schultheis | Mo, 27. März 2017 - 01:03

Die EU wird niemals Europa sein können, solange das größte europäische Land, Russland, darin ausgeschlossen bleiben wird. Es gibt nicht den geringsten Grund zum Feiern. Sorry.

Manfred Steffan | Mo, 27. März 2017 - 13:50

Ich kenne niemanden, der "gegen Europa" ist. Alle wollen eine friedliche Völkergemeinschaft. Keiner will zurück zu nationaler Überheblichkeit und innereuropäischen Kriegen. Die meisten halten jedoch die Währungsunion für eine finanztechnische Fehlkonstruktion, und viele wenden sich gegen den Ausbau der EU zu einem bevormundenden Zentralstaat. Bei dieser Sicht der Dinge fehlt aber der Popanz der "Europafeinde", auf den man eindreschen kann.

Ursula Schneider | Mo, 27. März 2017 - 14:43

In reply to by Manfred Steffan

Volle Zustimmung.
Die nächste spannende Frage wäre dann: Wem nützt eigentlich dieser Popanz "Europafeinde". Ich fürchte, die Antwort wäre für unsere "Polit-Eliten" nicht sehr schmeichelhaft. Macht und Pfründe spielten dabei wohl nicht die kleinste Rolle ...

Dr. Markus Müller | Mi, 29. März 2017 - 19:26

"Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien"...das wusste schon ein Deutscher Fußballweltmeister. Ja, es ist erschreckend, diese Gleichsetzung von EU und Europa. Wie bei Vielem muss man wieder an die DDR denken. Früher wurde im Ostblock sogar der Wetterbericht getürkt, damit die Leute bessere Laune habe.

Leider muss man sagen, daß die Indoktrination Wirkung zeigt. Es gibt tatsächlich "glühende Europäer", die für das "Projekt" nur so schwärmen. Fragt man genauer nach, fällt es ihnen dann jedoch tatsächlich schwer, den Unterschied zwischen Europa und der EU zu erklären. Da bleibt dann nur noch sarkastisch das Bedauern zu äußern, wie es passieren konnte, daß Norwegen und die Schweiz sich nicht mehr in Europa befinden. Wie schade!

Waltraud Köhler | Do, 30. März 2017 - 06:49

Masn erreicht mit solchen "Verwirrspielchen aber genau das, was man eigentlich erreichen will.
Es wird nur darüber diskutiert, dass die EU eben nicht der Kontinent Europa ist. Dabei wird akzeptiert, dass die Geburtsstunde der EU um 36 Jahre vorverlegt wird. Die "Gründerväter" hatten mit den römischen Vedrträgen nicht vor ein solches Bürokratiemonster zu gründen. Es ging damals nicht darum Nationalstaaten aufzulösen. Es ging in erster Linie (EWG) um eine freie Wirtschaft und mit Euratom um die Förderung der Kernenergie.
Selbst diese Verträgen galten erst ab 01.01.1958, so dass die 60 Jahre erst im kommenden Jahr gefeiert werden könnten.
Die EU selbst wurde erst im November 1993 gegründet.

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