Al-Quds-Tag - Die antisemitische Gesinnung lässt sich nicht verbergen

Israel-Hasser jedweder Coleur demonstrierten am Al-Quds-Tag in Berlin. Trotz polizeilicher Auflagen gaben sich die Organisatoren nur vordergründig Mühe, ihre stramme anitsemitische Gesinnung zu verbergen. Zu ertragen ist das kaum

Antisemitische Parolen in Berlin
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Simon Marti hat in Bern Geschichte und Politikwissenschaft studiert und die Ringier Journalistenschule absolviert. Er arbeitet für die Blick-Gruppe in der Schweiz.

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Es hätte so einfach sein können für die Veranstalter der heutigen Al-Quds-Demonstration in Berlin. Schließlich böte ihnen die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten einen willkommenen Anlass, um auf die dramatische Situation der Palästinenser im Gaza-Streifen aufmerksam zu machen. Schließlich werden in dem Krieg auch Unschuldige getötet. Und bei der militärischen Gewalt der israelischen Armee kann man gelegentlich Zweifel haben, ob sie - bei allem Recht auf Selbstverteidigung - noch verhältnismäßig ist.

Doch daran waren die Veranstalter offenbar nicht interessiert. Stattdessen mobilisierten sie einmal mehr nur die Israel-Hasser jedweder Couleur zur der jährlich wiederkehrenden Kundgebung, zu einem Ritual, bei dessen iranischem Pendant regelmäßig Hundertausende die Zerstörung Israels herbeiwünschen. In Berlin allerdings findet der antisemitische Protestmarsch in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

In diesem Jahr war dies anders. Nach dem antisemitischen Exzesse in den vergangenen Tagen, bei denen widerlichen Parolen wie „Jude, Jude, feiges Schwein“ zu hören waren, zu einem Aufschrei in der deutschen Öffentlichkeit geführt hatten, war auch die Berliner Polizei gewarnt.

Hilfloser Berliner Schilder-TÜV

Schon vor Beginn der Kundgebung auf dem Adenauerplatz stellten die Ordnungshüter klar, das Verbrennen israelischer Flaggen oder das Skandieren hetzerischer Parolen würde unterbunden. Einem antisemitischen Marsch auf dem Kurfürstendamm sollte so ein Riegel geschoben werden.

Die Organisatoren gaben sich indes nur vordergründig Mühe, ihre Gesinnung zu verbergen: So hallen bald Sprechchöre wie „Zionisten sind Faschisten“, durch die Straßen. Gleichzeitig huldigten die Redner ihrem Verschwörungsfetisch. Die Medien, so lernt der interessierte Zuhörer, seien von den Feinden, natürlich ebenfalls „Zionisten“, kontrolliert. Die Öffentlichkeit sei ein Opfer ihrer Manipulationen. Phrasen, so simpel und wie altbekannt. Das dumpfe Einmaleins der „jüdischen Weltverschwörung“, mehr schlecht als recht kaschiert als Kritik an Israel, die, natürlich, ganz und gar nichts mit Judenfeindlichkeit zu tun hat.

Die Aufforderung der Veranstalter an die etwa 1000 Demonstrationsteilnehmer antisemitische Äußerungen zu unterlassen, auch angesichts der zahlreichen TV-Kameras, wirkt vor diesem Hintergrund wie Hohn. 

Die Polizei schritt früh ein, kontrollierte bereits im Vorfeld des Marsches die Protestschilder.  Doch es gelang nur unvollständig, offen antisemitische Plakate zu konfiszieren.  So durften etwa Bilder, die Theodor Herzl, den Vordenker des politischen Zionismus als blutsaugenden Vampir zeigen, mit dem Segen der Staatsgewalt in die Höhe gereckt werden. Vor allem den mitmarschierenden Neonazis bereiteten sie damit eine Heidenfreude.

„Israel vergasen!"

Als sich die Demonstranten schließlich in Richtung Wittenbergplatz in Bewegung setzen, wird alsbald klar, nicht alle Demonstranten sind bereit, sich zurückzuhalten, die vorgegebenen Sprachregelung zu akzeptieren. Vor allem bei der Konfrontation mit Gegendemonstranten bricht sich der offene Judenhass eben doch Bahn. Selbst die zahlreichen Ordner unter den Demonstranten können dies nicht verhindern. Einen skandalöser Höhepunkt bildet der Sprechchor einer Gruppe, die plötzlich „Israel vergasen“ skandiert. Andere Pro-palästinensische Demonstranten wiederum schreien „Judensau“ oder „Judenpack“.

Zwar blieben Berlin gewalttätige Ausschreitungen und brennende Israel-Flaggen am diesjährigen Al-Quds-Tag erspart. Aber nicht die Erkenntnis, dass sich hinter der vordergründig antizionistischen Israel-Kritik doch nur der alte Antisemitismus verbirgt und der Weg zum offen Judenhass kurz ist. Dass sie ausgerechnet in der Stadt marschieren, in der vor sieben Jahrzehnten der industrielle Massenmord an den Juden geplant wurde, ist zudem kaum zu ertragen.

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