„Neurechts“-Vorwurf - Versuchter Wortmord

In der Politik ist die Wortwahl entscheidend. Ein gutes Wort für eine gute Sache zu finden, darauf kommt es an. Schlechte Worte können hingegen töten, zum Beispiel eine gesunde Diskussionskultur. Das zeigt die Neuschöpfung „neurechts“

Boris Palmer
Grün oder „neurechts“? Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer / picture alliance

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Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Am Anfang jeder Politik steht das Wort. Seine Wahl entscheidet oft schon vor der inhaltlichen Auseinandersetzung über deren Ausgang. Denn es gibt gute Worte und schlechte Worte. Besser ist es immer, für seine Sache ein gutes Wort zu finden. Das ist schon der halbe Erfolg.

„Flüchtling“ zum Beispiel ist ein gutes Wort, auch wenn manche finden, es sei zu pejorativ und man sollte lieber „Geflüchteter“ sagen. „Migrant“ hingegen ist per se kein so gutes Wort, weil es nicht über alle Zweifel erhaben ist, was die Motivation der betreffenden Person anlangt.

Gute und schlechte Worte

„Kopfpauschale“ ist ein schlechtes Wort, „Bürgerversicherung“ ein gutes, obwohl systematisch beiden Begriffen eine ähnliche Idee zugrunde liegt. Wer in Deutschland eine Kopfpauschale einführen möchte, der hat schon verloren. Wer eine Bürgerversicherung anstrebt, hat hingegen eine gute Startposition im Kampf der Meinungen. „Die Wörrrterrr.....! Und ihre Bedeutung....!“, sang schon Nina Hagen mit ihrem unnachahmlichen rollenden R bedeutungsschwer.

Neulich hat der Kollege Dirk Kurbjuweit vom Spiegel eine treffende Bemerkung gemacht. In seiner „Morgenlage“ beschrieb er einen neuen Kulturkampf, den er am Amtsantritt des österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen festmachte. In der vorausgegangenen knappen Wahl zwischen dem Grünen und dem Kandidaten der FPÖ sah Kurbjuweit exemplarisch die politische Auseinandersetzung unserer Tage gespiegelt. „Wir stecken in einem neuen Kulturkampf“, schrieb er, „das grüne gegen das neurechte Denken.“ In Österreich habe diesen Kampf noch einmal grün gewonnen.

Worte können töten

Worte sind Waffen. Sie können töten. Während „grün“ ein schönes Wort ist (es klingt nach pflanzlichem Wachstum, frischer Luft und Hoffnung), ist „neurechts“ ein furchtbares Wort. Irgendwann tauchte es auf, weil man sich neue politische Frontverläufe sonst schlecht erklären konnte. „Neokon“ war schon verbraucht und verbunden mit dem Namen des ehemaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Also nannte man kurzerhand alles neurechts, was nicht mit der Flüchtlingspolitik Angela Merkels einverstanden war. Egal, ob die Kritik von der Linken Sahra Wagenknecht, vom Grünen Boris Palmer oder vom Historiker und Herzens-Sozialdemokraten Heinrich August Winkler vorgetragen wurde.

Früher Neonazi, heute neurechts

Die Vokabel neurechts stigmatisiert. Sie ist versuchter Wortmord. Wer mit ihr bedacht wird, der hat es schwer, sich aus der Defensive zu befreien. Seine Argumente zerschellen leicht an diesem Wortfelsen, seine Motive stehen unter schwerstem Verdacht. Denn neurechts ist im allgemeinen Verständnis das neue Wort für das, was früher Neonazi hieß. Man muss schon von hoher Eloquenz und innerer Standfestigkeit sein, sich diesem Kampfbegriff nicht zu ergeben. Sondern sein Recht auf inhaltliche Kritik unbeirrt in Anspruch zu nehmen.

Vor einigen Monaten hatte ich in einer Talkshow eine heftige Auseinandersetzung mit dem Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit. Es dauerte keine zwei Minuten, und er war bei Adolf Hitler angelangt. Ich verbat mir diesen Vergleich in der Sendung und sagte hinterher zu ihm: „Nicht jeder, der nicht Ihrer Meinung ist, lieber Herr Cohn-Bendit, ist automatisch ein Nazi.“ Im Kulturkampf dieser Tage mit niederträchtigen Mitteln und Mustern zu arbeiten, ist beileibe kein exklusives Merkmal von Frauke Petry und ihren Mannen. Hetze gibt es auch in Grün.   

Albert Keller | Mo, 6. Februar 2017 - 16:09

altrechts, rechts – was solls. Inzwischen bin ich (rechts vom Mainstream stehend, früher hätte man christlich-konservativ gesagt) in Disukssionen schon mit Namen belegt worden, die ich hier nicht wiederholen möchte. Der Knackpunkt ist doch nicht die Bezeichnung, sondern die damit einhergehende schleichende Abschaffung der freien Meinung. Deshalb bleibt nur ein Weg: Es muß uns egal sein, als was uns der "Mainstream" bezeichnet, wir dürfen nicht aufhören, den Mund aufzumachen. Und heutzutage kostet das eben. Wer den Preis nicht zahlen möchte kann ja Merkel oder Schulz wählen und schweigen.

Gernot Lucius | Mo, 6. Februar 2017 - 21:41

In reply to by Albert Keller

Ihre Auffassung möchte ich hier bestätigen. Ein links gerichteter Dogmatismus erklärt alles und jeden, der oder die nicht willfährig der vorgegebenen Denkrichtung entsprechen wollen u. anderer, konservativer Meinung sind, zu Rassisten, sogenannten Rechten o. Rectsnationalen etc. , gern verbunden mit dem Hinweis auf Gräultaten des Nationalsozialismus. "Schleichende Abschaffung der freien Meinungsäußerung ist exakt das, was passiert.

Rüdiger Böckle | Mo, 6. Februar 2017 - 22:45

In reply to by Albert Keller

Sie haben vollkommen recht mit Ihrer These, dass man heute unter Umständen auch einen Preis zu zahlen hat für die Äußerung seiner Meinung und nicht nur das, sondern auch Mut dazu braucht. Aber ist es nicht genau dieser Mut, den die Älteren unter uns ihren Eltern und Großeltern vorwerfen nach 1933 nicht gehabt zu haben? Damals war angesichts tödlicher Folgen wirklicher Mut notwendig, während sich heute viele allein schon vor sozialer Ausgrenzung fürchten. Unsere Väter und Großväter waren wohl doch mutiger...

Sie sagen es! Ich kann mich nicht zurückhalten, ich sehe eine Kultur, ein Land, einen Rechtsstaat, die Emanzipation in höchster Gefahr, ...es kann auch schon zu spät sein..... aber ausser dass ich heftige Gegenworte oder betretenes Schweigen erfahre, erreiche ich nichts. Lüge, Ignoranz, Bequemlichkeit, moralische Überlegenheit und ein Schwelgen im Emotionalem, nichts hören und nichts wissen wollen, Argumentation mit Verschwörungstheorien, usw. Aber ich lasse mich nicht unterkriegen und nehme auch in Kauf, dass ich selber einige Leute nicht mehr ertragen kann!

Manfred Steffan | Di, 7. Februar 2017 - 09:37

In reply to by Albert Keller

Es bringt in der Regel nichts, über Bezeichnungen zu diskutieren, mit denen man bedacht wird, oder über Schubladen, in die man gesteckt wird. Unbeirrt beim Sachthema bleiben!

Wolfgang Henning | Di, 7. Februar 2017 - 12:47

In reply to by Albert Keller

Das christlich-konservative ist der CDU abhanden gekommen. Sie hat sich zu einem Einheitsbrei, zusammen mit den Grünen, sozialdemokratisiert. Konservative CDU-Wähler haben ihre Heimat verloren und waren zuletzt Nichtwähler. Erst durch die entstandene Alternative bietet sich die Möglichkeit, eine neue politische Heimat zu finden. Die entscheidende Wortwahl lautet: "wertkonservativ" als positiv besetztes Wort.

Arne Bruhn | Di, 7. Februar 2017 - 17:07

In reply to by Albert Keller

Sie haben recht, einen Standpunkt zu vertreten, der nicht "angesagt" ist (im wahrsten Sinn des Wortes) braucht Mut und Standhaftigkeit. Aber bei den Wahlen kann man - noch - seine Meinung mit dem Kreuz an anderer Stelle als bei Merkel und Schulz ausdrücken - und schweigen darf man heute auch noch dazu.
Nutzen wir doch diese Möglichkeit!

Engelbert Dechant | Mi, 8. Februar 2017 - 08:12

In reply to by Albert Keller

Rechts bedeutet, christlich-konservativ und das ist gut; sehr gut sogar.

Hitler war kein Chist, Lenin und Stalin jedoch linke Marxisten. Das bedeutet für uns nur, dass wir uns gegen Extremismus von allen Seiten wehren müssen.

Wir dürfen uns endlich von der Erbschuld lösen, die uns linke Demagogen seit Dutschke, Baader, Meinhof und Cohn Bendit immer einreden wollen.

Schwul und Multikulti sind die Lieblingsthemen des linken Mainstreams. Das heisst aber noch lange nicht, dass wir das Pflegen von Familie und Heimat über Bord werfen müssen, weil Hitler einmal dafür war. Dieser primitive Antifaschismus geht endlich zu Ende. Gott sei Dank.

Michaela Diederichs | Mo, 6. Februar 2017 - 16:15

Sehr gut beschrieben, lieber Herr Schwennicke. Grüne und rote Wortmörder treiben die Menschen eigentlich zu den Rechten. Wenn man schon in eine "Ecke" gestellt wird - ohne sich da selbst zu verorten - dann kann mit Recht auch so wählen. Es wird von den etablierten Parteien gerne übersehen, dass Massenmigration von vielen, auch sehr liberalen und toleranten Bürger nicht akzeptiert wird.

Heiner Gelbricht | Mo, 6. Februar 2017 - 16:19

Ich finde, Herr Cohn-Bendit darf vor den Zuschauern ruhig mehr Respekt haben und sich auf eine wirkliche Debatte einlassen, anstatt diese mit Brandbegriffen abzuwürgen.
Die Hysterie um das "Neurechte" ist hauptsächlich dem Umstand geschuldet, dass wir nun für einige Zeit rechte Positionen kaum mehr wahrnehmen wollten.
Nicht dass es dafür keine Gründe gab, aber nun finden wir uns eventuelle ein wenig weit nach links abgekommen wieder und haben die Orientierung verloren.
Man braucht vor "rechts" keine Angst zu haben. "Neurechts" ist, und war, einfach "rechts".
Wenn wir zwischen rechts und links abwägen kommen wir in eine gesunde Mitte.

Dr. Horst Combe | Mo, 6. Februar 2017 - 16:20

Viele deutschen Politikern und Medien ist die Sachlichkeit abhanden gekommen. Man prägt Kampfbegriffe, um den politischen Gegner zu erledigen. Mit Recht macht dieser Artikel darauf aufmerksam. Wo wird dies enden?

Arndt Schuster | Mo, 6. Februar 2017 - 16:28

"Im Kulturkampf dieser Tage mit niederträchtigen Mitteln ... zu arbeiten, ist beileibe kein exklusives Merkmal von Frauke Petry und ihren Mannen. Hetze gibt es auch in grün." Sehr geehrter Herr Schwennicke, das können Sie nicht ernst meinen? Ich habe mir in letzter Zeit einige Reden von Vertretern der AfD in den dortigen Landtagen angehört (Meuthen in BW, Holm in MVP, Junge in RP, Pazderski in Berlin, Petry in Sachsen). Von Hetze kann man nicht sprechen, auch ist das Spektrum der Themen weitgefächert. Die Hetze kommt meines Erachtens eher von der Gegenseite: Die AfD sei eine Ein-Themen-Partei und biete so gar keine Lösungen für die anstehenden Probleme an. Komisch nur, dass viele Vorschläge, die jetzt vor dem Wahlkampf plötzlich alle erheben, wie ein Einwanderungsgesetz, Registrierungszentren in Nordafrika, allesamt von der AfD stammen. Man kann auch sagen: Die AfD hat für viele Probleme einfache Lösungen, wofür die Altparteien oft überhaupt keine Lösungen haben!

Kann ich bei der AfD - mal abgesehen von diesem schrecklichen Hrn. Höcke nicht so erkennen, nicht mehr zumindest als andere Parteien auch anwenden. Insofern hatte ich mich auch ein wenig gewundert...

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 6. Februar 2017 - 16:39

Sie müssen gelitten haben.
Cohn-Bendit ist kein leichter Gegner, wenn er sich denn zu einem macht.
Per se möchten Sie sich nicht als seinen Gegner sehen nehme ich an.
Ich weiss aber nicht, was an Neocon so schlimm ist oder gar an Neo aus der Matrix.
Das Grüne ist eine schöne Sache, auch, wenn es sich sperrt gegen Herrschaftsansprüche.
Wenn das Wort "natürlich" aber schon auf dem Index steht, kann man sich eben fragen ob noch Leben gemeint ist mit Grün oder in erster Linie Selbstverortung als Entzug des Lebensanspruchs anderer
Der Grüne an und für sich hält sich selbst für gerechtfertigt, weil Grün, Natur.
Der Linke, weil er sich als den Menschen schlechthin definiert.
Wir kennen es von Linken, dass - leider durch Marx Theorie vom Klassenfeind/der Ideologie - große Volksteile keine Menschen sind oder verblendet, Umzuerziehende, Primat der Partei.
Der Rechte hat ebenfalls Vor- und Nachteile, Wahrheiten und Höllen für andere und die Konservativen ebenso.
Ruhe und Selbstkritik

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 6. Februar 2017 - 17:31

In reply to by Dorothee Sehrt-Irrek

gilt selbstverständlich auch für Gott.
Mit dem des AT verbindet mich wenig, mit "dem" Buddhas aber auch nicht mehr.
Mit dem von Kardinal Marx auch nicht viel, wenn Gott sein Rechtsbruch bedeutete.
Was ist Gott, was ist Mensch?
Das Kopftuch und Attentat als Kultur schrecken mich zutiefst ab.
Ich erwarte von jedem eine Verortung in Bezug auf Alle und vorher akzeptiere ich nichts mehr.
Dafür muss ich nicht zu Geschichten greifen davon, dass Götter irgendwelche Bünde aufkündigten.
Dazu muss ich nur um mich herumschauen und sehe, dass viele Menschen keine Bündnisse und Vereinbarungen mehr sehen oder nicht gewillt sind sich an irgendwelche zu halten.
Machen wir es doch realistisch.
No Border als Utopie oder jeder Ort für mich?
Nichts ist mehr ausgemacht und das ist mir als Preis zu hoch, dafür nur selbst gerechtfertigt zu sein, zu wollen. Es ist nicht Nichts, nur ich.
Unter Merkel wurde Deutschland evtl.zu einem geistigen und intellektuellen Armenhaus.
Unter Cohn-Bendit?

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 6. Februar 2017 - 17:54

In reply to by Dorothee Sehrt-Irrek

die jeden Tag ganz vorne auf der Agenda steht:
Ich lese gerade über MSN - Bing Nachrichten - dass Schulz in einer Umfrage mit der SPD die CDU überholt.
Dass Deutschland unter Merkel leidet ist mir klar, dass vielen Menschen die SPD schon lange abhanden gekommen ist, war mir auch klar, aber dass Martin Schulz derjenige wäre, der die Antwort auf Beides, das Dilemma der SPD wie "das Kreuz" mit Merkel wäre, das wußte ich nicht.
Ich hatte als solch eine Figur eher Hannelore Kraft gesehen, aber auch nur bei tiefer Verzweiflung um eine Merkel an der Spitze der CDU, weshalb ich doch auf Gabriel als die Zukunft der SPD setzte.
Martin Schulz weist eine erfolgreiche vita, auch in seiner Familienbildung auf.
Ich kann also nur hoffen, dass ich mich in ihm irrte und Herr Juncker, Herr F.A. Meyer und die nun versammelte Partei nicht.
Es könnte sein, denn ich bin schon lange nicht mehr tief in der SPD.
Herr Schwennicke, wollen wir hoffen, dass Urteile und Wörter nicht gleich töten, bitte.

Heinz Meier | Di, 7. Februar 2017 - 14:48

In reply to by Dorothee Sehrt-Irrek

das ist bekannt. Entpolitisieren, verniedlichen, vereinfachen, beschönigen, verleugnen und dies auf Kindergartenniveau. Man lasse Schulkinder einen Aufsatz schreiben unter den Themen: Wir schaffen das/ Deutschland geht es gut/ Wir können nicht darüber bestimmen, wer zu uns kommt/ Fluchtursachen bekämpfen/Europäische Lösung/
Es gibt keine Höchstgrenze/.... Die einzige Frage, die sich stellt ist: Wer passt sich hier wem an? Das 'Volk' der Kanzlerin oder umgekehrt?

Rolf Lindner | Mo, 6. Februar 2017 - 16:53

Den Artikel kann man im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Kampagne um "Fake News" sehen, mit dem die sogennannten sozialen Medien angegriffen werden. Vielleicht sollte der Cicero einen Artikel über Fake News z.B. in der Tagesschau schreiben. Mir begegnen dort fast täglich gefälschte Nachrichten. Nur einige Beispiele: Es wird Prinz William beim Besuch einer Flüchtlingsfamilie in Kanada gezeigt. Vergessen wurde zu sagen, dass sich die kanadische Flüchtlingspolitik krass von der deutschen unterscheidet (siehe "Spiegel" Nr. 6). Es ist von syrischer Opposition die Rede, wenn es sich um islamistische Terrorbanden handelt, die Assad bekämpfen und mit dem IS rivalisieren. Heute Morgen ein Migrant, dessen Papiere während der "Flucht" verloren gegangen sind - wahrscheinlich just vor dem Betreten Deutschlands. Es fing schon 2015 mit Bildern von Flüchtlingen an. Regelmäßig sah man Frauen und Kinder. Es waren jedoch mehr als 80 % junge, testosterongeladene Männer - usw. usw.

Sie glauben doch nicht ernsthaft, daß jemand wirklich diskutieren will. Genauso wenig, wie kein Mensch, der Sie um Rat fragt, Ihren Rat hören will. Diese Leute wollen alle nur die Bestätigung ihrer bereits vorgefaßten eigenen Meinung hören. Ich glaube nicht, daß es jemals grundlegend anders war.

Was sich jedoch verändert hat ist die "Diskussionskultur". Der Ton geht immer mehr in Richtung Unverschämtheit und die Wortwahl in Richtung Beleidigung. Und Richtungsgeber sind wieder einmal die Politiker. Man fragt sich unwillkürlich, ob diese Herrschaften mit dem Flugzeug durch die Kinderstube geflogen sind. Von Anstand keine Spur mehr.

Ausnahmen bestätigen die Regel.

Hubert Knapp | Mo, 6. Februar 2017 - 17:15

Wo "Rassist" schon fast ein Synonym für "Regierungskritiker" geworden ist, kann man gelassen mit der Wortwahl gewisser Leute umgehen.

Abgesehen davon, ist mir selbst bei solchen Leuten auch schon die Wortschöpfung "altlinks" entglitten. Ja, ich gestehe, das war auch nicht nett (gemeint).

Ernst Dorfnr | Mo, 6. Februar 2017 - 17:19

Ich meine, das sollte nicht "auch" sondern "schon" oder "ursprünglich" heißen. Wer mit der Nazikeule um sich schlägt, betreibt Hetze

Ja,es wird von Links/Grünen gehetzt - und von (neu)rechts. Ja, Kritik muss möglich sein. ABER:
Wer Flüchtlinge pauschal als"Pack" / "Gesindel" bezeichnet, der hetzt. Wer wie Höcke das Fortpflanzungsverhalten von Afrikanern pauschal als R-Strategie bezeichnet (sonst z.B. Bakterien/Läusen zuordnet), Europäern aber die K-Strategie (normal bei Säugetieren) zuordnet, der hetzt auch - nur subtiler, in dem er alle Bewohner eines Kontinents mit niederen Tieren gleichsetzt. Poggenburg bezeichnet linke, extreme Studenten als "Wucherung am deutschen Volkskörper". Wer so biologistisch politische Gegner oder ganze Teile der Weltbevölkerung auf die Stufe von niederen Tieren oder parasitären Krankheiten setzt, der hetzt, und muss sich, da die Nazis genau das getan haben, den Vorwurf machen lassen wie ein Nazi zu reden.
Das Gejammere, man werde wegen jeder Kritik als Nazi gebrandmarkt, teile ich so nicht. Es trifft in o.g. Fällen die Richtigen: Hetzer, und Leute die wie Nazis reden.

Wulf B. Hofman | Mo, 6. Februar 2017 - 17:28

Das Imperium der vereinten, selbsternannten Elite schlägt zurück, nach dem sie die Weltordnung, Europa (und Deutschland) gegen die Wand gefahren haben, wenn der okkupierte Staat vom Souverän zurückgefordert wird. Da ist alles erlaubt von der Diffamierung, von der Forderung nach Amtsenthebung, der Ferndiagnose "schwere Geisteskrankheit" bis zum kaum noch verklausulierten Mordaufruf. Es geht ja für diese "Familie(n)" um die Fleischtöpfe und die Droge Macht.
Es stehen noch sehr "interessante" Zeiten bevor.

zu Wulf B. Hofman
ihrem Kommentar kann ich nur zustimmen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es weltpolitisch um sehr viel geht und die diversen "Lager", denen sich die Medien verpflichtet fühlen (anstatt ihre Aufgabe als 4.Macht im Staate wahrzunehmen), immer lauter "schreien" und diffamieren müssen. Es bedarf wirklich einiger Standfestigkeit, Interesse Zeit und Mut, sich eine "unabhängige" Meinung zu bilden und auch zu vertreten.
Zu den erwähnten Fleischtöpfen ein Link:
https://www.youtube.com/watch?v=7JMTdDovQSU&feature=youtu.be

Georg Egger | Mo, 6. Februar 2017 - 17:55

hat genug Grund in seiner eigenen, abgrundtiefen und abscheulichen Vergangenheit aufzuräumen. Gott sei seiner armen Seele gnädig.

Thomas Bez | Mo, 6. Februar 2017 - 18:12

Wer sich zur Neuen Rechten zählt, muß sich freimachen von jeder Scheu, Neuer Rechter auch genannt zu werden. Er darf sich nicht einmal scheuen, ein Nazi genannt zu werden. Dieses Wort wird zunehmend seiner Bedeutung entkleidet und hat in der öffentlichen Debatte seine Unterscheidungskraft verloren wie viele andere Worte auch, zum Beispiel "Haß" oder "Flüchtling". Ein Neuer Rechter kann in unserer Zeit, da die Sprache "linksliberal" okkupiert und das Meinungsklima "linksliberal" dominiert ist, per se kein Mitläufer sein. (In Anführungszeichen, weil das, was heute linksliberal genannt wird, selten liberal ist und meist nicht einmal links.) Es steht keine Lagerhaft auf Rechtssein, und Schweigen kann für ihn nicht infrage kommen, denn zu schweigen ist Sache der Mitläufer. Es gibt keine heimlichen Neurechten und Worte töten mitnichten. - Den Begriff Neue Rechte haben im übrigen nicht deren Gegner erfunden und die Nouvelle Droite gab es schon lange bevor George W. Bush Präsident war.

Jürgen Lamprecht | Mo, 6. Februar 2017 - 18:22

Dem Wortsinne nach gibt es zwei Sorten von Politikern, nach ihren Interessen:
Handelt der Politiker fürs Volk, nennt man ihn Populist.
Handelt er für sich selbst, nennt man ihn besser Egoist.

darauf haben wir selten Einfluss.
Gethest, um den `heroischen Selbstbehalt´ Merkels nicht wie persönlichen Starrsinn aussehen zu lassen, wurde jeder Merkelkritiker als einer beschimpft, der sich auf Seiten des Volkes gegen Merkel widrig erhob und in seinem politischen Bemühen um Gleichdenkende selbstverständlich ein übler Populist war, gerne auch in der Tradition der Nazis.
Jetzt titelt DIE ZEIT Macron als einen "heiteren Populisten".
Das theoretische Niveau bewegt sich so langsam im negativen Bereich, wie die Zinsen, wer kann darauf noch etwas geben?
Schröder hatte Gabriel noch vorgeschlagen, die Sprache des Volkes anzunehmen, vor allem aber seine Anliegen ernstzunehmen, der heitere Populist ist der, der dem Volk Heiteres verspricht? Einem Teil des Volkes trifft es, für DIE ZEIT DAS VOLK?
Wenn man rechts ist, sollte es einen nicht stören auch so genannt zu werden.
Wenn man aber vom pol. Gegner desavouiert wird, ist es wieder einmal an der Zeit politische Kultur hochzuhalten.

Ich nehme von Herrn C-B sein Alter (Ungeduld) weg und die Artikulationsschwierigkeiten, die ich darauf zurückführe, dass Herr C-B mehrsprachig ist.
Dann sehe ich ihn wie früher vor mir und sage, es war auch früher nicht leicht, eine andere Meinung als er zu haben. Die gesteht er einem zu, macht aber sofort klar wie verfehlt sie in seinen Augen ist.
Zu den Flüchtlingen fällt ihm ein, dass Deutschland Schuld hat, weil es schon einmal Schuld hatte, es sich also grundsätzlich schuldig ist und dass es die Rationen kürzte, die Menschen verhungerten und sich deshalb auf den Weg machten.
Wie und das wäre jetzt nicht Merkel gewesen?
Es brauchte also nur verantwortliche Politik in N.O?
Für Cohn-Bendit Krieg gegen Assad?
In Syrien herrscht Bürgerkrieg, für C.B. nur Krieg gegen das Volk?
Europa ist nicht dafür die Freifläche, wer sich wo für das Volk hält.
RESPECT /Selbstbestimmung/Interessenausgleich/Föderalismus/Demokratie
Kein Problem mit der AfD, aber 80% GEGEN 20%? -> "Krieg"?

Deutschland neue Mit-Hegmonialmacht im Nahen Osten und Afrika?
Genau der falsche Weg und der dauert auch nur solange, wie es einem der Länder dort passt, danach kommt die Nazikeule.
Wie kann man nur eine so dumme Aussenpolitik machen, die einen zum Täter macht.
Dem Einen geholfen, der andere will einen umbringen oder man steht ewig in deren Schuld.
Ohne mich, es gibt keine singuläre humanitäre Verpflichtung Deutschlands, Europas zum Krieg.
Man kann verdammt danebenliegen wie vielleicht Libyen zeigt, evtl. sehr gut überhaupt die Politik der USA in den Regionen dort.
Da will ich mich nicht anschliessen.
Auch nicht an der Kolonialpolitik Englands und Frankreichs.
Grob, Selbstbestimmung der Völker -> KANT
Dafür sehe ich die UNO eher als Garanten als INTERESSEGELEITETE Koalitionen der WILLIGEN.
Das globale pol. Niveau ist erschreckend. Deshalb widerspreche ich dieser US- Dame bei Phoenix. Die USA wären die Mächtigsten?
Mir reichts.
Die USA dürfen sich selbst die nächsten sein.

Horst-Joachim Benner | Mo, 6. Februar 2017 - 18:49

So einfach ist das mundtot (wortlos)zu machen. Die Bezeichnung Rechts (Neurechts) für eine konservative Geisteshaltung stigmatisiert. Es führt dazu, dass sich so mancher, der nicht eben so wortgewandt und eloquent schlagfertig daherkommt wie z.B. Cohn-Bendit oder so frech verunglimpfen kann wie Ralf Stegner, in die Innere Emigration begibt und das Maul hält. Dafür das Kreuzchen später auf dem Stimmzettel wird dereinst wortlos die Antworten geben.

Renate Aldag | Mo, 6. Februar 2017 - 19:07

Das Austeilen mit Begriffen, wie neurechts, die den politisch Andersdenkenden stigmatisieren, ist in der Tat eine grünen-Hetze. Jedoch ändern sich die Zeiten und die Wählerbedürfnisse und so wenden sich die Bürger mit Grausen ab von den diffamierenden und ewig "betroffenen" Grünen. Deren Zeit ist definitiv vorbei!

wissen Sie eigentlich, was Sie da für einen tollen Begriff ausgegraben haben? Einfach klasse.

Unsere Eltern haben uns schon als Kinder davor gewarnt "grüne" d.h. unreife Früchte zu essen.

Das paßt auf die "Grünen" wie die Faust aufs Auge.

Da fragt sich sicher mancher "daß ich da nicht selber draufgekommen bin?"

Maik Harms | Mo, 6. Februar 2017 - 19:31

An sich stimme ich zu und empfehle, bei der Benutzung von politisch aufgeladenen Begriffen den Benutzenden nach der Definition zu fragen: Was versteht er bzw. sie unter X? Und könnte man den entsprechenden Sachverhalt nicht auch anders sehen, oder neutral formulieren? Das nimmt zuweilen die Schärfe der Anklage und macht einen Meinungsaustausch erst möglich.
Wobei, Her Schwennicke, zwischen Bürgerversicherung und Kopfpauschale aka Gesundheitsprämie schon ein wichtiger Unterschied besteht, wie Sie sicher wissen, denn es ist durchaus von Bedeutung, ob die Prämie als Prozentsatz vom Einkommen oder als Festbetrag bemessen wird.

Christa Wallau | Mo, 6. Februar 2017 - 19:41

In diesen Zeiten der politisch-korrekten Wortklaubereien und des "versuchten Wortmordes"
hilft nur eines: Selbstbewußtsein und
S t a n d h a f t i g k e i t in Sache und Wort.
Es muß an einem gestandenen Menschen abprallen, was spitzfindige Gegner ihm wegen bestimmten Wortgebrauches vorwerfen! Er muß drüber lachen.
So war es z.B. völlig falsch von Bernd Lucke, sich wegen der Benutzung des Wortes
"Bodensatz" und ueberhaupt immerfort
zu verteidigen und zu entschuldigen. Je mehr er sich erklaerte, umso mehr wurde er angegriffen.
Dabei konnte jeder wissen, wie integer der Mann war. Nein, es ging nur drum, ihn fertig zu machen!

Der lachhaft vorsichtige Umgang mit der deutschen Sprache, als sei sie auf ewig kontaminiert, weil sie auch von Nazis benutzt wurde, kann nur dadurch bekämpft werden, daß man die Ohren steifhält und die
Lächerlichkeit beim Kritiker festmacht.
Freiheit hat es nie umsonst gegeben.
Auch den freien Sprachgebrauch muessen wir uns
wieder erkaempfen!!!

Jürgen Schad | Mo, 6. Februar 2017 - 20:29

Mit solchen Wörtern sollen ja persönliche Zuschreibungen vorgenommen werden, und zwar: Da ist jemand auf völlig falsche Gedanken verfallen, wahrscheinlich oder auch ganz sicher ist er obendrein böse. Der Hintergrund einer solchen Argumentation ist die Illusion, die Wahrheit gefunden zu haben; der Hintergrund ist also eine Ideologie oder Religion (was dasselbe ist). (Geschützt vom Zeitgeist kann man eine solch ideologieaffine Argumentation auch ohne ausgearbeitete Basis-Ideologie anwenden.) Eine Ideologie äußert sich so, weil sie weiß, was zu tun ist und was kommt: das Böse (der Kapitalismus) muss bekämpft werden, dann kommt das Jüngste Gericht (Revolution) und endlich genießt man das Paradies (Kommunismus).
Im Gegensatz dazu weiß das ergebnisoffene System der Demokratie nicht, was kommt, und legt nur die Regeln fest, die bei dem Ringen um die Zukunftsgestaltung eingehalten werden müssen. Dies ist die (ergebnis-) offene Gesellschaft, die die Ideologen (=Diffamierer) bekämpfen. (Forts.)

Jürgen Schad | Mo, 6. Februar 2017 - 21:04

Was ich mit dieser (vielleicht etwas umständlichen) Einleitung sagen wollte, Herr Schwennicke, ist: Wenn Cohn-Bendit Sie in die Nazi-Ecke hineindiffamiert, macht er das nicht (nur), um Sie zu beleidigen. Er will Ihnen mitteilen, dass Sie nicht nur falsch liegen, sondern auch dem Bösen huldigen mit Ihrem "falschen Denken". Sollte er dabei einigermaßen freundlich geguckt haben, konnte das durchaus gemeint sein in dem Sinn: "Lass ab davon, mein Sohn!"

Solcherart Diskussionsstil verweigert der Demokratie resp. der offenen, d.h. nichtideologischen Gesellschaft ihr Lebenselixier: die freie, sachliche Debatte. Diese muss (leider immer wieder) eingefordert werden ..., was so unendlich viel leichter gesagt als getan ist.

Christa Wallau | Di, 7. Februar 2017 - 13:57

In reply to by Jürgen Schad

Ihrer sehr guten Analyse zum Thema "Ideologiefreie Diskussion" möchte
ich mich anschließen, sehr geehrter Herr Schad.
Eine freie, d. h. n i c h t ideologisch festgelegte, demokratische Gesellschaft
lebt und wird getragen von einem freien, sachlichen Diskurs, bei dem die
Werturteile GUT und BOESE keine zentrale Rolle spielen dürfen; denn die gefundenen Lösungen müssen ja a u s s c h l i e s s l i c h mit den Grundprinzien der Verfassung des Staates übereinstimmen und keineswegs mit den diversen Ideologien und Religionen, welchen die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft anhängen.

Eine solche Diskussionskultur ist allerdings nicht einfach zu bekommen, wie Sie ja auch zum Schluß Ihrer Ausführungen bemerken. Dazu gehörte eine konsequente
Anleitung,Erziehung und Übung in den Schulen und eine stete, exemplarische Vorführung derart sachlicher Debatten in den Parlamenten und in den öffentlich-rechtlichen Medien.

Wie Sie und ich wissen. sind wir meilenweit davon entfernt!

Bernhard Jasper | Mo, 6. Februar 2017 - 21:45

Es beginnt mit der Kultur der Sinne. Und die Sinnlichkeit der Gewalt erlebt das „Kleinbürgertum“ jeden Tag. Die alltägliche Wahrnehmung ist Gewalt (ganz zu schweigen davon, was uns in den elektronischen Medien geboten wird).

Sinnlichkeit ist Wirklichkeit. Was du sinnlich nicht bist, das bist du auch nicht.

Es scheint so, dass uns nur noch sensible Künstlerinnen und Künstler daran erinnern können.

Viele merken es gar nicht mehr, wie gewalttätig ihre Sprache ist.

Volker Brückmann | Mo, 6. Februar 2017 - 23:43

ich schätze Ihre Artikel sehr, gleich welche Thematik Sie analysierend "unter die Lupe" nehmen.

Doch Ihre Aussage "Im Kulturkampf dieser Tage mit niederträchtigen Mitteln und Mustern zu arbeiten, ist beileibe keine exklusives Merkmal von Frauke Petry und ihren Mannen" ist ein diametraler Gegensatz zu den Reden der AfD-Politiker in den Landtagen, die ich interessiert verfolge. "Niederträchtige Mittel und Muster" vermag ich da nicht zu erkennen.

Nicht mehr zu übersehen und zu überhören ist für mich in diesem Land allerdings das, was die politische "Elite" predigt und praktiziert, wodurch ich stets an Alexander Solschenizyns Aussage erinnert werde, der aufgrund eigener Erfahrung sagte:
"Ein marxistisches System erkennt man daran, daß es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert."

Ob er nun selber Opfer wurde oder es nur mitbekommen hat.
Missbrauch verändert Menschen dahingehend, dass GRENZEN überschritten wurden.
Kinder können nicht fliehen.
Wenn das auch nur indirekt eine Rolle spielen sollte für Cohn-Bendits Eagerness in Bezug auf Flucht, Heimatlosigkeit und Migration, dann hätte ich damit Schwierigkeiten, denn die "Ortlosigkeit" ist m.E. schon das Problem, nicht der Weg.
Ich würde ihn bitten wollen, Deutschland als seinen Ort zu wählen, wenn nicht der, aus dem er "stammt", dann doch dem zu dem er wollte. Er ist mit einer Deutschen verheiratet, hat zwei Kinder in der Beziehung, davon eines ein sogenanntes leibliches.
Man sollte nicht alles miteinander vermengen, gewissenhaft sprechen.
Es ist okay, einen multiplen Weg zu haben, es ist schlimm anderen keinen Weg zu lassen, so oder so.
Nu?
C-B u. Schwennicke once more?
Ich spreche, frage als `Opfer´ weshalb ich zu stark zu Grenzen neige, vor allem aber zu Demut/Respect/Anerkenntnis des je Anderen

Möchte Ihnen gerne zustimmen und meiner großen Enttäuschung über die Wortwahl des Autors Ausdruck verleihen. Ich kann beim besten Willen keine Niederträchtigkeit bei den besagten Personen erkennen. Niederträchtig ist für mich in ganz entscheidendem Maß die ständige Diffamierung des politischen Gegners in Ermangelung sachlicher, fundierter Argumente. Auch die dabei benutzte, oft genug grenzwertige Sprache fordert zu einer kritischen Auseinandersetzung heraus.

Ich lese gerade wieder einmal Archipel Gulag. Es ist für mich stets aufs Neue eine erstaunliche Erfahrung, wie dieser Horror, dieser dem nationalsozialistischen Terror in nichts nachstehende kommunistische Terror in der Geschichtsbetrachtung marginalisiert wird. Solschenizyn merkt in seinem zweiten Band an, dass die Konzentrationslager eine frühe Geburt der Oktoberrevolution waren, ihr ideologischer Verfechter war Lenin höchst selbst.

Wenn man eine Anschauung von Niedertracht haben will, dann kann man sie in Archipel Gulag in allen Schattierungen beschrieben finden und zwar mit der Konsequenz, dass diejenigen, die der Niedertracht ausgesetzt waren, sie in der Regel nicht überlebt haben.

Wir erleben derzeit eine Romantisierung linksextremen Denkens, die mindestens so bedenklich ist, wie die Romantisierung rechtsextremen Denkens. Ihr Hinweis auf die Kumpanei mit den Kriminellen, ein Merkmal sowohl des Marxismus wie des Nationalsozialismus, ist sehr wichtig!

Alfons Kuchlbacher | Di, 7. Februar 2017 - 07:08

Rein sachlich sind die Argumente halt eher dünn und wenig haltbar, daher mein Verdacht, wird mit viel verbalem Radau davon abgelenkt.

Petra Maria Schaefer | Di, 7. Februar 2017 - 13:06

In reply to by Alfons Kuchlbacher

Ihre Meinung teile ich -genauso nehme sind die meisten derzeitigen Diskussionen wahr. Wenn man keine guten Argumente hat, muss der Anderstdenkende beleidigt, ausgegrenzt und in seinen Worten unterbrochen werden; vielmehr auch nicht mehr zu Wort kommen.

Ralf Vormbaum | Di, 7. Februar 2017 - 08:34

Der Artikel trifft sehr gut einen Sachverhalt, nur lässt er die Ursache unangesprochen. Der Verfall jeglicher Gesprächskultur gründet in einer immer deutlicher sichtbaren gesellschaftlichen Dekadenz. Die Fäkalsprache hat heute sowohl in der Politik als auch im Alltagsleben ihren völligen Siegeszug angetreten. Es besteht heute auch kein Interesse mehr an einer inhaltlichen Auseinandersetzung, sondern es geht allein darum die bestehenden Fronten mit allen Mitteln zu sichern und da kommt einem der "Wortmord" also die Verunglimpfung und Herabsetzung des Gegenüber gerade recht. Erstaunlich ist auch, dass Linke wie Grüne für sich eine Positivität Ihres Weltbildes reklamieren, die aus der Geschichte gar nicht herleitbar ist, denn gerade auch linkes Denken müsste sich mit der eigenen Geschichte linker Ideologie einmal näher befassen. Wo unterschied sich der stalinistische Terror vom Nazi-Terror? Waren im Stalinismus weniger Opfer zu beklagen und ging es da weniger(?) grauenhaft zu?

Cornelius Angermann | Di, 7. Februar 2017 - 08:57

Da beklagen Sie wortreich den "versuchten Woermord", Herr Schwennicke, nur um im letzten Satz dann schnell selber noch einen eigenen verbalen Totschlag unterzubringen. Die von Ihnen behauptete Niederträchtigkeit kommt wesenlich durch eine niederträchtige Berichterstattung zustande, nicht durch die Originalaussagen.

Johannes Luig | Di, 7. Februar 2017 - 15:43

In reply to by Cornelius Angermann

Und dass kommt, selbst im Cicero leider häufiger vor. Warum eigentlich? Aus Angst vor den Mainstream Kollegen?
Gruss Johannes Luig

Hanns Baum | Di, 7. Februar 2017 - 08:58

...und ihre Nachfahren sind nunmehr auf ihrem Marsch durch die Institutionen in den Spitzen angekommen. Sie sitzen in Länder-Regierungen,stellen dort gar einen Minister-Präsidenten,sind in Länder-Parlamenten und selbstredend im Bundestag. Zudem haben sie wesentliche Teile der Medien auf ihre Seite gebracht. Im Kampf darum, welchen Weg diese Republik gehen soll, hat sich Ihre Sprache zur Diffamierung der Gegner von "faschistoid" über "rechtsnational" zu "neurechts" entwickelt. Immer schon waren sie darin weit versierter, als ihre auf konservativen Werten und Ordnungen basierten Mitbürger. Zudem ist es ihnen gelungen, der Mehrheit der Bevölkerung ihre ideologisch vorgegebenen Themen wie Genderisierung, Pazifismus und Vielfalt als zentrale Probleme der Gesellschaft zu verkaufen. Man kann nur hoffen, dass die schweigende Mehrheit
endlich bereit ist, auch verbal dagegen zu halten. Danke ,Herr Schwennicke, dass sie ihr eine Stimme geben.

Thorsten Rosché | Di, 7. Februar 2017 - 10:23

Mich tangiert das alles nicht mehr, Frau Merkel hat mir bei Anne Will die Steilvorlage geliefert : Das waren alles Menschen die "schon länger hier gelebt haben" und ich bin in 1985 neu dazu gekommen ;-)

Franz Otto Hegger | Di, 7. Februar 2017 - 14:32

In reply to by Thorsten Rosché

Der Satz von Merkel war tatsächlich bezeichnend für ihre Einstellung zu Deutschland und läßt auf den "tieferen Sinn" der unkontrollierten, ungebremsten Einwanderung schließen. Deutschland schafft sich ab - bzw. ist schon abgeschafft.

Ralf Müller | Di, 7. Februar 2017 - 11:58

Der Artikel beschreibt viel Wahres. Aber in einem Punkt geht er fehl. Es gibt noch Menschen im Land, denen ist völlig gleich, wie der Mainstream sie betitelt. Die halten an ihrem Deutschlandbild fest. Unverrückbar. Für die ist Deutschland ein Land, das diesen Namen verdient, nämlich ein deutsches Land, mit herkunftsdeutscher Bevölkerung, deutschen Sitten (und Untersitten, bayerisch, hessisch, mecklenburgisch...), und deutscher Leitkultur, immer und überall. Diese Menschen tun niemandem etwas böses, achten ihre Nachbarn in Polen, Böhmen, Frankreich und alle anderen und müssen damit leben, ständig verhetzt zu werden. Wie werden wir die noch los, die letzten Störenfriede im linksfrünen Weltbild? Gar nicht, gibts nicht. Deshalb müsst Ihr das Land weitere 25 Jahre überfremden, bis die Zuwanderer flächendeckend in der Mehrheit sind. Dann werden die letzten Aufrechten freiwillig gehen und hoffentlich in Ländern wie Ungarn eine neue Heimat finden. Gebs Gott, dass Ungarn ungarisch bleibt!

Holger Stockinger | Di, 7. Februar 2017 - 12:11

Die Gleichung: Links = gut, Rechts = schlecht, ist den Gleichheitsfanatikern ein Glaubensbekenntnis, das sie seit dem Motto der Französischen Revolution auf ihre imaginäre Fahne geschrieben haben.
Wie im Kommunismus "Konterrevolutionär" ohne Beweiserbringung eine oft todbringende Etikettierung war, ist der Begriff "rechts" heute Inbegriff alles Bösen.
Die Pächter der Gutmenschenmoral argumentieren nicht mit "richtig oder falsch", sondern allein mit "Ich gut - du böse!"

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 7. Februar 2017 - 12:59

Dieses Anliegen als Ihres hochzuhalten, daran möchte ich Sie erinnern Herr Schwennicke.
Sie sind älter als Sie aussehen, daher ist es möglich, dass Sie auf Cohn-Bendits Unterstellungen? oder seine Kritik so empfindlich reagieren, weil Sie noch den politischen Stil der Linken an den Unis kennen.
"Sie" hatten keine Waffen, aber wenn Worte hätten töten können...?
Dahin wollen wir nicht wieder zurück.
Wenn Cohn-Bendit daraus "nicht erwachsen" wurde und politische Kultur vermissen lässt, wird es auf ihn zurückfallen, etwa in der Art,
ein Weg- und Kampfgefährte Joschka Fischers?
War das Grüne nur Tarnung auf dem Weg zur Hegemonie des Denkens?
Ich will gegen Grüne nicht ungerecht werden und höre hier auf.
Solche Leute würde ich dann nicht empfehlen zu wählen.
Dies als Warnung an Linke, Alle im Auge zu behalten ohne sie beherrschen zu wollen.
Die grünen/linken Inhalte wären dann nicht das Problem, sondern der Umgang mit Andersdenkenden.
Der Ursprung war m.E. Merkels "Und folgt.."

Wolfgang Henning | Di, 7. Februar 2017 - 13:46

Nicht "rechts" auch nicht "neurechts", wie wär's denn mit "aufrecht"?
Die, die sich gegen die Meinungsdiktatur im Mainsstream wenden, sind die Aufrechten unserer Zeit.

Hermann Neumann | Di, 7. Februar 2017 - 13:59

Nun gut, dann bin ich eben ein NEURECHTER.
Was steckt denn in dem Wort?
die Vorsilbe Neu - etwas Neues kann z. B. Krebs heilen. Was ist schlecht daran?
in Rechter - steckt Recht - ist es nicht das was eine Demokratie zu einer solchen macht - Recht und Gesetz? Auch richtig oder rechtens steckt in dem Wort - ist es falsch etwas richtig zu machen. Der RICHTIGE Weg für Deutschland und Europa. Sollen sie mich ruhig einen Neurechten nennen. Wenn wir alles richtig!! machen hat sich der Populismus der " Herren" im September erledigt.

Bianca Schmidt | Mi, 8. Februar 2017 - 09:50

In reply to by Hermann Neumann

In dieser Wortschöpfung Neurechte stecken viele interessante Wörter : EU-RECHT, URRECHT, ECHT- alles positiv besetzte Wörter. Also den Kopf nicht hängen lassen - bis zum September.

Jürgen Streeb | Di, 7. Februar 2017 - 14:06

Ein Leitsatz in meinem Leben lautet: "Ein Wort kommt nie zurück!" Einmal ausgesprochen oder geschrieben entfaltet es eine Eigendynamik und entzieht sich der Kontrolle. Worte haben Macht. Gute Worte, schlechte Worte? Wo und wie erfolgt die Grenzziehung? Wird es vom Adressaten so empfunden wie vom Sprecher/Schreiber gedacht? Für Sie ist das Wort "grün" ein gutes Wort, erweckt es doch Assoziationen zur lebendigen Natur. Gibt es aber auch Assoziationen zu weniger Gutem? Grünes Obst steht doch zumindest in manchen Fällen für mangelnde Reife und somit für Ungenießbarkeit. Die Aussage "Er ist noch grün hinter den Ohren" attestiert doch ebenso mangelnde Reife und Erfahrung. Daraus folgt: Ganz so einfach und eindeutig sind Worte nicht. Oft genug entscheidet der Kontext und oft genug sind Worte bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich wertmäßig besetzt. Wer beispielsweise "links" ausschließlich positiv und "rechts" negativ sieht, verkürzt die Sichtweise entscheidend.

Kurt Funk | Di, 7. Februar 2017 - 14:27

... Herr Schwennicke ...
kommen Sie ein bisschen ins grübeln, wenn Sie einige der Kommentare hier lesen?

Heribert Süttmann | Mi, 8. Februar 2017 - 10:46

In reply to by Kurt Funk

Und wer eine derartig aufhetzende Überschrift wählt, disqualifiziert sich selbst als Diskurs-Ethiker. Ihr Blatt denunziert überhaupt Alle andersdenkenden als "politisch korrekte", also als Lügner und Verbrecher. Auch hier in diesem Artikel werfen sie mit Steinen, heulen aber wie ein getroffener Schlosshund. Die anderen sind Mörder, wo sind die, die sie umbringen; diese Frage legt ihr Artikel nahe. Auf diese Weise geben Sie den Biedermann, der den Brand stiftet, aber seine Hände in Unschuld wäscht. Sie hetzen die Leute zum Hass auf, werden es aber gewiss nicht gewesen sein wollen, wenn diese eines Tages ihrem Hass freien Lauf lassen werden.

Peter Wagner | Di, 7. Februar 2017 - 14:28

Wie passt es zusammen, dass sogenannte "Neurechte" ( böse Nazis, das Pak) Zuwanderung von Migranten, die mehrheitlich Juden, Christen und insgesamt Andersgläubige hassen, ablehnen! Wie passt es zusammen, dass linke Gutmenschen die sich in ihrer Selbstgefälligkeit suhlen, der Meinung sind, Deutschland müsse selbstverständlich noch weitere Migranten die Juden, Christen und andere Ungläubige hassen, aufnehmen! Migranten die laut Schulz wertvoller als Gold sind! Haben diese Weltverbesserer vergessen, was den Juden in Deutschland angetan wurde? Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis auch Juden von Islamisten in Deutschland getötet werden!

Jürgen Fritz | Di, 7. Februar 2017 - 14:37

Die Hälfte hat CHRISTOPH SCHWENNICKE durchschaut. Immerhin. Damit ist er weiter als die meisten.

Ralf Müller | Di, 7. Februar 2017 - 14:43

Wir müssen tiefer rein, dorthin, wo es wehtut. Richtig, Mainstream ist linksgrün, reicht von Merkel-CDU bis Linkspartei, FDP auch, nicht aber bei Wirtschaftsthemen. Wirtschaftsliberale sind marktgeneigt, gesellschaftspolitisch aber Mainstream. Nun wird es eklig, weil schwierig. Wer nicht Mainstream ist, ist "rechts". Und wer rechts ist, ist entweder Nazi oder Rassist oder beides, wobei die Unterscheidung den Linksgrünen Probleme bereitet, denn es ist tiefer zu bohren und das können Flachbohrer nicht. Kaum ein Rechter ist indes ein Nazi, denn Führerprinzip und Volkseigentum will innerhalb der "Rechten" niemand mehr. Auch der völkische Kontent der Neurechten ist objektiv nicht mehr angreifbar. Die Neurechte lebt nationales Denken (nur noch) nach innen. Als Artenschutzprogramm für (alle) Völker. Und da wird es für Linksgrüne heikel, denn was Linksgrüne für die Natur beanspruchen, sprechen sie Völkern und Kulturen ab. Passt nicht zusammen. Das eigene Volk erhalten und Nachbarn achten.

Andreas Püttmann | Di, 7. Februar 2017 - 14:54

"Also nannte man kurzerhand alles neurechts, was nicht mit der Flüchtlingspolitik Angela Merkels einverstanden war". - Pardon, Herr Kollege, diese Behauptung ist unwahr bzw. unzulässig verallgemeinernd. "Neurechts" stammt übrigens vom auch als Selbstbezeichnung gebräuchlichen "Neue Rechte" und meint eine bestimmte typische Ideologie und Terminologie. Bei weitem nicht jeder Gegner der Flüchtlingspolitik wird so qualifiziert. Mit dieser Behauptung verfälschen und agitieren Sie.

Bernhard Jasper | Di, 7. Februar 2017 - 15:22

Die in der Bundesrepublik entwickelte politische Kultur hat etwas mit dem Entwicklungsstand (oder den Defiziten) der Kultur der Sinne in diesem Land zu tun. Heute dominiert die Macht der Bilder, die jedoch auch eine gewalttätige Sprache sprechen kann (visuelle Kommunikation).

Sprache ist nicht nur Darstellungswerkzeug, sondern auch ein Medium der Erkenntnis.
Ob jedoch im Medienzeitalter Sprache überhaupt noch ein brauchbares Instrument der Aufklärung im Denken und Handeln sein kann, diese Frage muss man heute stellen (form follows fiction).

Dr. Waltraud Berle | Di, 7. Februar 2017 - 16:35

Ich war immer freiheitlich. Erst in der SPD, dann merkte ich den Stalinismus, dann Grün, merkte den Linksfaschismus; dann wählte ich FDP und erlebte Westerwelles Opportunismus und Verrat aller Versprechen, sogar CSU wählte ich bereits aus reiner Verzweiflung. Nun warte ich auf den Zusammenschluss von Menschen mit Vision, die sich Patrioten nennen werden im Europa der Vaterländer. Sich nur Alternative zu nennen und keine zu bieten - das reicht nicht.

Wolfgang Lang | Di, 7. Februar 2017 - 17:30

Gruene Hetze ok. Andere Hetze igittigitt.

Arne Bruhn | Di, 7. Februar 2017 - 17:44

wäre mir - und sollte Ihnen sein, Herr Schwennicke, der Begriff "neurechts"! Neues 'rechtes' Denken weiß um die Fehler früherer 'Altrechter' und vermeidet sie. Herrn Cohn-Bendit hätte ich gedankt! Und ich hätte ihn an das Wort eines meiner Lehrer erinnert: 'Die Freiheit des einen endet da, wo die Freiheit des anderen beginnt.' Gerne hätte ich seine Antwort gehört! Ideologen und Religiöse kann man oft nur mit ihrer eigenen Ideologie entwaffnen: "..an ihren Taten sollt ihr sie messen!" passt bei beiden.

Beate Maier | Di, 7. Februar 2017 - 17:50

dass auch Sie einer solchen, von den Mainstream-Medien verbreiteten Fehlbeurteilung zu "Frauke Petry und ihren Mannen" aufsitzen. Wenn die Gehirnwäsche hierzulande schon so intelligente Persönlichkeiten wie Sie erreicht, bin ich tatsächlich zutiefst erschrocken über die Macht tagtäglicher Indoktrination.

franz wanner | Di, 7. Februar 2017 - 17:52

nie zu spät, aber vor Jahren schon notwendig.
Gänzlich abgesehen von den beispielhaften Bebilderungen, zu denen jeder seine eigenen Verhältnisse ins Benehmen setzen mag, bleibt
die reine Kernaussage: Wörter sind nicht beliebig, sind bedeutsam und haben einen Aussagekern.
Immer auch im Wandel, aber jederzeit fest bestimmt.
Sprache ist die Voraussetzung für Denken und zur
Beliebigkeit bringt, erschwert dieses. Entweder aus eigenem Unvermögen oder eben mit dem Ziel, jede Gemeinschaft den eigenen Zwecken zu unterwerfen.

Klaus Scholz | Di, 7. Februar 2017 - 18:14

Sehr geehrter Herr Schwennicke,

als eifriger Leser Ihres täglichen Rundbriefes stimme ich Ihnen umfänglich zu. Ich weise in diesem Zusammenhang auch empört von mir, daß ich, mich selbst der sog. Neuen Rechten nahestehend verortend (jedoch nicht der AfD), irgendetwas mit Neonazis gemein hätte. Ziel des linksliberalen politisch - medialen Komplexes, von dem sich Ihre Publikation so angenehm abhebt, ist genau diese Vereinnahmung & Stigmatisierung. Es gilt, dies im privaten wie öffentlichen Diskurs auszuhalten.
Halten Sie derweilen Kurs mit Ihrem Magazin, Aufrichtigkeit & Gradlinigkeit ist heuer nicht allzu verbreitet, wenn sie sich gegen den sog. Mainstream richtet.

Beste Grüße,

Klaus Scholz

Ralf Müller | Mi, 8. Februar 2017 - 10:08

Die BRD hat keine politische Kultur. Pluralismus ist ein Fremdwort. Wird nicht gelebt. Im Grundgesetz steht drin, wie es sein sollte. Nicht wie es ist. Heute gibt es nur noch linksgrünen Mainstream. Alles andere wird ausgegrenzt. Höchtens sind es "ernstzunehmende Sorgen" der Bürger. Lächerlich! Verschwiegen wird, dass es einen Teil der Herkunftsdeutschen diesen linksgrünen Mainstream ganz grundsätzlich ablehnt. Mit denen wird gar nicht mehr gesprochen. Die gibt es offiziell nicht. Deutlich fällt mir dazu der Gegensatz in der Schweiz auf. Dort gibt es viele Menschen, die nehmen "neurechte Ansichten" ganz selbstverständlich Ernst und führen mit Argumenten einen freundlichen Diskurs über Inhalte. In der BRD - undenkbar. Das ist für mich Beweis, wie krank diese BRD tatsächlich ist. Da hilft auch kein Grundgesetz, wenn es dann nicht gelebt wird.
Die BRD ist mir mittlerweile sehr fremd geworden. Linksgrüne wird das freuen. Immerhin wieder ein Feind weniger. Am Ende seid Ihr unter Euch.

Jürgen Streeb | Mi, 8. Februar 2017 - 10:27

Je länger ich darüber nachdenke, desto überzeugter werde ich, dass diese Unterscheidung im politischen Kontext nicht unbedingt sehr zielführend ist.
In der Diskussion mit unseren Entscheidungsträgern stellt sich für mich eher die Frage nach überstrapazierten Worthülsen versus inhaltsstarker Aussagen. Ein "gutes" Wort verliert schnell an Bedeutung, wenn es zur Worthülse verkommt. Ein "gutes" Wort ist im politischen Kontext erst dann ein gutes Wort, wenn ihm die ehrliche, gute Tat auf dem Fuße folgt. Ein "schlechtes" Wort ist dagegen ein Wort, das Zustände im ideologischen Sinne des Sprechers darstellt, ausschließlich seinen Interessen dient und sich von der Realität entfernt.

Bernhard Jasper | Mi, 8. Februar 2017 - 11:06

„Negativ Campaining“, „Alternative Fakten“, „Fake News“, „Social Bots“, das ist die heutige Medienwirklichkeit.

Als Rezipient und Wahl-Bürger, hat man ständig mit Medienangeboten zu tun, die mit unüberprüfbaren fiktiven Faktoren arbeiten.

Der neuste Trend sind die technologischen Möglichkeiten durch die sogenannten „Social Bots“ (elektronisches Direktmarketing/Wahlkampfhelfer), also Algorithmen die wirklichen Personen ersetzen.

Leben wir im Zeitalter der Simulationen?

P.S.: Grüße bei dieser Gelegenheit an Herrn Franz Wanner

Ralf Müller | Mi, 8. Februar 2017 - 12:36

Zur Ehrlichkeit gehört auch, dass es Fassetten im Mainstream gibt, die wirklich Konsens sind. Auch "Neurechte" lehnen Pelztierfarmen und Massentierhaltung ab und gegen Überdüngung der Böden und die Verseuchung des Grundwassers haben "Neurechte" ebenfalls linksgrüne Positionen. Nichts daran ist verkehrt. Aber 2 und 2 ergeben 4 auch wenn es "Neurechte" addieren. Deswegen sollte die BRD glücklich sein, dass sich das politische Angebot um neurechte Angebote erweitert. Mehr Angebot, bedeutet mehr Auswahl, einen effizienteren Markt, bessere Preise. Und kommt dem Verbraucher, sprich: dem Wähler zugute.

Reiner Behnke | Mi, 8. Februar 2017 - 14:26

Eigentlich ist die Angelegenheit ganz einfach
zu regeln mit den 10 Geboten:

9. Du sollst nicht falsch reden über deinen
Nächsten..

Dies zu beherzigen wäre insbesondere in der heutigen
politischen Diskussion sehr angebracht !

Peter Rademann | Mi, 8. Februar 2017 - 16:05

Es gibt in der politischen Aufteilung heute nur noch "rechts und links".
Alles Neurechte = "Nazi".
Es gibt es kein Dazwischen mehr. Den Unterschied zwischen Sozialismus und der menschlichen Tugend sozial sein, scheint es in der Politik des 21. Jahrhunderts nicht zu geben. Sozialismus ist ein Krake, wo alles zu Leistende, über die Re-gierenden zentral, vom Volk, mit überbordenden Steuern, abgepresst wird. Und das solange, bis der ganze Laden in die Luft fliegt, was sicher bald passieren wird. Das überbordende Alimentieren von Allem und Jeden wird mit einem millionenfachen Wehklagen augenblicklich enden. Die „linksfaschistiode“ Absonderlichkeitsprogrammierung, hat dann für eine lange Zeit ausgedient, weil nacktes Überleben Priorität hat.
Eigenständiges, selbstständiges, mündiges Handeln mit Vernunft wird heute als schon „Rechts“ bezeichnet, da dies aus den massenweise vorhandenen "linken Hirnen" vom „Staats-Programm“, mittels des „Mainstreamlügenapparates“, eliminiert wurde.

Torsten Knecht | Mi, 8. Februar 2017 - 17:01

... u. die Definitionshoheit ist ein Merkmal der Herrschaft.

Selbsterklärend Merkels alleinige Deutungshoheit (in der F-thematik) u. ihre Solo-Auftritte bei Anne Will.

Nicht ganz uneigennützig ließ die Merkel-Regierung aus dem Abschlussentwurf des Armut-Reichtum-Bericht 2017 Passagen streichen, die die geringe Wahlbeteiligung der Ausgegrenzten ansprach. Grund: fehlende politische Interessenvertretung in den Parteien.

Wenn nix mehr zu verunglimpfen geht wird mit negativer Aufmerksamkeit durch Missachtung abgestraft und ausgesessen u. somit die eigene Herrschaft gesichert.

Trumps Devise zur Machtergreifung hatte denselben Ansatz, nur anders herum: Je mehr Aufmerksamkeit desto besser.

Dorothea Weber | Mi, 8. Februar 2017 - 20:06

Genauso wie meine Generation ihre Großeltern gefragt hat, warum sie nichts unternommen haben, werden auch wir von den kommenden Generationen gefragt werden, warum wir beim Überbordwerfen vieler demokratischen Werte tatenlos zugesehen haben. Wie konnte das nur passieren.

Rudolf Bosse | Do, 9. Februar 2017 - 18:42

Zu Cohn-Bendit fällt mir eine Begebenheit ein: Als CB als EU-Beauftragter 2012 den damaligen tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus besuchte, um ihn von Forderungen der EU zu überzeugen, berichtete Vaclav Klaus der Presse nach Cohn-Bendits Besuch über das Gespräch, daß ihn derartiges forderndes Auftreten an hohe Perönlichkeiten des Kreml vor 1989 an das von Cohn-Bendit erinnerte.

Werner Baumschlager | Fr, 10. Februar 2017 - 19:00

Die Grünen leben doch in weiten Teilen vom Anstand ihrer Gegner, die aus Höflichkeit und Rücksicht auf die Gesprächskultur i.d.R. darauf verzichten, in Reaktion auf Brandbegriffe wie "Nazi" ihrerseits Brandbegriffe wie "Kinderschänder" in den Raum zu werfen. Daraus ergibt sich eine immanente Schieflage der Debatte.

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