Terror in London - Briten bleiben Briten

Regierungschefin Theresa May appelliert an ihre Landsleute, die eigenen Werte nicht aufzugeben. Einen Tag nach dem Anschlag in London kämpft die Stadt um einen besonnenen Umgang mit dem islamistischem Terrorismus

Eine Postkarte mit der Aufschrift "Keep calm and carry on" (Bewahr die Ruhe und mach weiter) hängt am 24.06.2016 in London, Großbritannien. Die Briten haben in einem Referendum für den Austritt aus der EU gestimmt. Foto: Michael Kappeler/dpa
Bereits heute durften Besucher das Parlament in London wieder betreten / picture alliance

Autoreninfo

Tessa Szyszkowitz ist Londoner Korrespondentin des österreichischen Wochenmagazins Profil. Zuvor war sie Nahost-, Russland- und EU-Korrespondentin. Foto: Alex Schlacher

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Tessa Szyszkowitz

Die Terrorgefahr in London wurde trotz des Anschlags vor dem britischen Parlament am Mittwoch nicht von „akut“ auf „kritisch“ angehoben. Die höchste Stufe der Gefahr ist Atombomben vorbehalten. Das schien den Briten dann doch nicht gerechtfertigt. Sie bleiben, dem Klischee getreu, „gelassen und machen weiter“. Donnerstagvormittag war die Zuschauergalerie im Parlament bereits wieder für Besucher geöffnet. Regierungschefin Theresa May sprach am Vormittag zu den versammelten Abgeordneten: „Die Besonnenheit und die Professionalität unserer Sicherheitsdienste ist bemerkenswert. Die beste Antwort für unsere Feinde ist zu zeigen, dass wir unsere Werte nicht aufgeben.“

Neuer islamistischer Terror

Hinter den Kulissen aber arbeiten Scotland Yard und die Sicherheitsdienste fieberhaft an der Aufklärung der Tat. Was hatte den schwarz gekleideten Bartträger, der am Mittwochnachmittag mit einem Auto zwei Menschen getötet und viele verletzt hat, zu seiner Tat bewogen? Der 52jährige Khalid Masood, ein Kleinkrimineller und Schläger ohne besondere islamistische Neigungen, war mit dem Wagen über die Westminster-Brücke gefahren, hatte dabei zwei Menschen überfahren und etwa zwei Dutzend zum Teil schwer verletzt. Er rammte den Zaun des Parlaments, sprang aus dem Auto und lief an den Sicherheitsleuten vorbei in den Vorgarten vor dem Big Ben. Dort erstach er einen Polizisten, bevor er von Sicherheitsleuten vor Ort erschossen wurde.

Schnell schien klar, dass London wie Berlin und Nizza Opfer eines Anschlags der neuen islamistischen Art geworden ist: Einzeltäter, Fahrzeug, Menschenansammlung, Raserei mit tödlichem Ausgang. Der Islamische Staat übernahm die Verantwortung für den Anschlag. Scotland Yard geht davon aus, dass „der Täter vom internationalen Terrorismus inspiriert“ worden war. Er wurde in Britannien geboren und bereits vom Geheimdienst observiert.

Britische Zurückhaltung

In Frankreich sprachen im vorigen Sommer nach dem Anschlag in Nizza sehr viele sehr schnell von einem Krieg innerhalb der Republik. In Großbritannien ist dies ganz anders. Donnerstagmorgen klangen britische Politiker fast beschwörend: „Es ist kein Wunder, dass dieser Anschlag vor dem Parlament stattfand“, sagte Verteidigungsminister Michael Fallon. „Hier ist der Ort, wo wir diskutieren, wo unterschiedliche Meinungen gehört werden. Genau das ist es, was die Islamisten nicht aushalten können.“

London hat zudem seit einem Jahr einen muslimischen Bürgermeister. Sadiq Khan betont stets die Offenheit der Stadt, er hat sich einen Namen als Vermittler zwischen den verschiedenen ethnischen und religiösen Minderheiten gemacht. „Als Bürgermeister bringe ich meine Erfahrungen mit, auch meinen Glauben“, sagte er am Donnerstag in einem Interview: „Wir verurteilen den radikalen Islam, wir glauben nicht an Verschwörungstheorien. Wir können den Terroristen nicht erlauben, uns von unserem Weg abzubringen: Wir tolerieren einander trotz aller Unterschiede.“

Terror ist keine Neuheit

Die Briten sind vielleicht auch deshalb weniger aufgeregt, weil sie schon länger mit Terroranschlägen vertraut sind. In vielen Londoner Straßen sucht man oft vergeblich nach Abfalleimern, dort hat die Irische Republikanische Armee (IRA) bis Anfang der neunziger Jahre gerne ihre Bomben versteckt. Deshalb wird auch die Diskussion darüber, wie man Terrorgesetze verstärken könnte, nicht so heftig geführt wie in Kontinentaleuropa. Denn Großbritannien hat bereits vor Jahrzehnten vieles getan, um die Zivilbevölkerung vor Anschlägen im öffentlichen Raum zu schützen: An jeder Straßenkreuzung sind Überwachungskameras angebracht. Die Sicherheitsdienste haben ein engmaschiges Netz über radikalisierte Jugendliche gespannt. Der Fokus hat sich von den republikanischen Nordiren verschoben, da die IRA mit dem Karfreitagsabkommen im Jahr 1997 offiziell Frieden mit den Unionisten geschlossen hat.

Seit dem 9. September 2001 stehen radikalisierte Muslime im Zentrum der Aufmerksamkeit. Noch Mittwochnacht verhafteten Scotland Yard und die Polizei mehrere Personen in einer Wohnung in der nordenglischen Stadt Birmingham, in der der Attentäter gewohnt haben soll. „Der Geschmack Persiens“ nebenan und andere nahöstliche und asiatische Restaurants zeugen von der multikulturellen Atmosphäre des Bezirks. Das Tatfahrzeug, ein Hyundai 4x4, soll in derselben Straße angemietet worden sein. Birmingham gilt schon lange als ein Hort radikaler Prediger und ihrer Gefolgschaft.

Einzeltäter schwer zu stoppen

Der schlimmste Anschlag der Dschihadisten ist bereits zwölf Jahre her. Am 7. Juli 2005 hatten vier Selbstmordattentäter in einer koordinierten Anschlagsserie 52 Menschen in Zügen und Bussen im Londoner Morgenverkehr umgebracht. Davor und danach gab es immer wieder Attentate von Islamisten, aber auch von nordirischen Tätern wie im März 2016 in Belfast, als ein Gefängniswärter von einer Autobombe schwer verletzt wurde. Der letzte politische Mord geschah im Juni 2016. Die proeuropäische Labour-Abgeordnete Jo Cox wurde in Yorkshire von einem weißen, rechtsextremen Rassisten erschossen.

Einzeltäter, ob rechtsextrem oder islamistisch, sind schwer zu stoppen. Seit den Anschlägen von 2005 hat sich der Geheimdienst MI5 dezentralisiert. Gerade in Städten wie Birmingham sind die Agenten permanent im Einsatz, um die radikalisierte Szene zu überwachen. Insbesondere seit des Schrumpfens des sogenannten Islamischen Staates in Syrien und im Irak, befürchteten Geheimdienste Verzweiflungsanschläge von IS-Anhängern in Großbritannien.

Während die Geheimdienste das Netzwerk des Attentäters ausforschen und die Briten versuchen, sich trotz der Terrorangst nicht vom Alltag abhalten zu lassen, schweben sieben Verletzte, die auf der Brücke vor dem Big Ben mutwillig überfahren wurden, weiterhin in Lebensgefahr.  

Der Artikel wurde aufgrund der Ermittlungsergebnisse aktualisiert.

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Christa Wallau | Do, 23. März 2017 - 13:02

Ja, es stimmt: Besonnener Umgang und eine gewisse trotzige Gelassenheit sind besser als hysterische Reaktionen. Das können wir Deutschen von den Briten lernen. Dazu gehört aber ein hohes Maß an Selbstbewußtsein und Selbstgewißheit. Darüber verfügen die Bürger auf der Insel. Wir Deutschen dagegen stellen uns immer, überall und bei allen Problemen in Frage, was uns schwach und zerstritten macht. Das ist keine gute Voraussetzung, um Extremisten - gleich welcher Art - entgegenzutreten.
Einen Werte- und Prinzipienkanon, der die Stammbevölkerung Deutschlands eint, gibt es nicht mehr. Kein Wunder!
In den Schulen herrscht ja seit Jahrzehnten weitgehend nur Beliebigkeit: Dies fängt bei der Auswahl von Dichtern u. Schriftstellern an und endet bei Methoden des Lesenlernens nach Gusto des Lehrers. Je ausgefallener, desto besser.
Es gehört jedoch mehr zu einem wehrhaften Staat als ein schwammiger Rechtskanon. Das Grundgesetz allein stiftet nicht die Identität, die jedes Volk braucht.

Ich seh´das nicht ganz so gelassen. Und frage mich wie es sein kann daß in ganz Europa radikale Moslems, z.B. Salafisten, ungehindert ihr Unwesen treiben können.
Diese Leute gehören ausgewiesen, auch in die Staatenlosigkeit. Hr. Rutte hat es trefflich formuliert: Benehmt Euch oder geht ! Leider folgen solchen Worten keine Taten. Ich werde mich niemals damit abfinden, daß Zustände wie in Jerusalem in europäischen Großstädten zur Normalität erklärt werden.

Arne Bruhn | Do, 23. März 2017 - 16:07

In reply to by Robert Flag

" Benehmt Euch oder geht !" Leider folgen solchen Worten keine Taten. - Sie sagen es! das einzige, was folgt ist: "Wir stehen zusammen" (a la Merkel), wir verteidigen unsere Werte. Verteidigen hat etwas mit Taten zu tun - und zwar mit drastischen Taten.
Was bei uns stattfindet ist eher eine "Sitzung beim Psychologen: "Würdest du vielleicht eventuell möglicherweise so nett sein und nett sein?"

Bernhard Eber | Do, 23. März 2017 - 21:34

In reply to by Robert Flag

Wie kann es passieren dass ... ungehindert ihr Unwesen treiben. Solange diesen Menschen nichts straffälliges nachzuweisen ist, können diese sich eben frei bewegen. Ganz anders wäre es in einer Diktatur oder Quasi-Diktatur. Da sollten die Verhaftungswellen gegenüber Andersdenkenden in der Türkei eine Mahnung sein. Wer das will, sollte den Staat wechseln, was ich derzeit auch einigen Türken gerne empfehlen würde.
In Deutschland ist man geneigt, in Biertischmanier immer gerne nach Hauruck-Aktionen zu rufen nach dem Motte, "Damit muss Schluss sein, da muss ein Gesetz her". England steht da, wie in dem Artikel beschrieben, schon eine demokratische Entwicklungsstufe weiter. Gründe sind nicht nur die früheren Erfahrungen mit dem Terrorismus, sondern auch frühe Erfahrungen mit dem Schmelztiegel verschiedener Etnien im Land. Das "Ausländer raus" hört man in England nur von Rechtsextremen, aber nicht vom Durchschnittsengländer.
Sonst hätte es ja früher auch heißen müssen "Irländer raus".

Wie schnell man doch in eine radikale Ecke geschoben wird, wenn man für Recht und Ordnung ist. Den "Staat wechseln" sollten doch wohl eher diejenigen, die unseren Lebensstil verachten und bekämpfen, und nicht diejenigen, "die schon länger hier leben".
Dabei muß man nicht von einem Extrem ins andere verfallen, aber grundsätzlich sollten diejenigen, die die Freiheit ausnutzen um sie zu bekämpfen, hier nichts verloren haben.
Wenn Du in Rom bist, benimm Dich wie ein Römer.

Reiner Jornitz | Do, 23. März 2017 - 14:16

Sehr geehrte Frau Wallau, wie wir zu unserer Identität stehen und wer wir sind hat sich seid Arminius der Cherusker nichts geändert als er im Jahre 9 n.Chr. die römischen Legionen schlug. Wir in Bayern haben ein Credo " Mir san mir" heißt Zusammenhalt , Zusammengehörigkeit und Patriotismus. Man hilft sich wenn es eng wird! Oder sind wir die berühmten Gallier wie Asterix und Obelix? in Bayern ? Ich Glaube nein! Was mir auf den Strich geht , ist die neue Generation von Linken zusammen mit einer schwachen Regierung. Die können kein Zeichen setzen für den Islamismus und sich zur Wehr setzen und haben sich immer auf andere verlassen und nicht auf sich selber

Robert Müller | Do, 23. März 2017 - 14:35

Ich weiß nicht. Wegen polnischer Klempner machen die Engländer einen Aufstand und wenn ganze Städte wie z.B. Birmingham umkippen, heißt es gelassen sein und weitermachen. Auch das mit den Massenvergewaltigungen in Nordengland war so eine Sache, wo ich ganz bestimmt nicht gelassen geblieben wäre und einfach weitergemacht hätte. Und alles das nur weil die britischen Pakistanis an den Moralvorstellungen Pakistans festhalten, komme was da wolle.

"Gelassen bleiben, das normale Leben einfach weiterleben"! Klingt doch voll cool und abgezockt. Wir bleiben gelassen und eines Tages überrollen uns die Massen.

Nils Breidenstein | Do, 23. März 2017 - 15:46

... auch mit ihrer unertraeglichen "political correctness" oder auch PC genannt. Ich lebe seit ueber 17 Jahren in London und habe die Mehrheit der im Beitrag genannten Ereignisse sozusagen selbst und vor Ort miterlebt. Ja, die britischen Sicherheitsbehoerden sind sicherlich sehr emsig. Ja, sicherlich gibt es britische Zurueckhaltung und Gelassenheit, aber das in diesen Zeiten tragende Element hierfuer is political correctness. Keiner, nicht einer der im Buero Anwesenden hat heute auch nur ein einziges Wort ueber den gestrigen Terroranschlag verloren. In den Bueros, Unternehmen, Kantinen etc wird i.d.R. nicht ueber Ereignisse, Politik oder Entwicklungen gesprochen; man tut so als existiere es nicht. Jeder hat Angst Dinge auszuspreche wie sie sind, jemand koennte sich ja betroffen fuehlen - auch der im Beitrag genannte Begriff "asiatischer Herkunft" ist so ein PC term und steht fuer Moslem. Solange wir das Uebel nicht beim Namen nennen koennen wir es auch nicht bekaempfen!!

Ja, wir Westler sind bequem und feige geworden. Und die Medien tun alles dafür, daß es so bleibt. Wir sind ja so verständnisvoll für alles - nur nicht für Länder wie Ungarn, Tschechien oder Polen, die solche Zustände wie bei uns sich nicht durch die EU herbeibefehlligen lassen wollen.

Und in wievielen Medien muß man lesen, um erst mal zu erfahren was genau für ein "gebürtiger Brite" der Attentäter war? Ein widerlicher Eiertanz um die political correctness zur Verschleierung der Herkunft. Ehrlich währt am längsten.

Michaela Diederichs | Do, 23. März 2017 - 21:53

In reply to by Giesela Kramski

Liebe Frau Kramski, Europa muss mit den Spätfolgen der Kolonialzeit leben, an der D den geringsten Anteil hat. S und P konnten trotz Goldgier noch vermitteln, dass es ihnen (auch) um Glauben ging (Lateinamerika ist katholisch), während UK, NL, F, B brutal ihre Wirtschaftsinteressen durchgesetzt haben. Wer marschiert seit Jahren unbehelligt und unkontrolliert in die EU ein? Mitglieder der Kolonien mit Duldung ihrer einstigen Herren, die sich selbst aus Schuld erwachsen einen Maulkorb verpasst haben, der sich PC nennt. Sonst kommen die Völker auf die Idee, Entschädigung zu verlangen. Namibia fordert Anerkennung des Völkermordes an den Herero und Nama und Entschädigung von D. Europa ist in der Moralfalle und findet nicht heraus. Schuld anerkennen und zahlen? Nee, schweigen und Collateralschäden hinnehmen, die geringer sind als die Opfer in den ehemaligen Kolonien. Wir müssen die Hand reichen, zahlen und aufbauen sofort vor Ort im Sinne des Weltfriedens. Das gilt es zu schaffen. BG MD

Joost Verveen | Fr, 24. März 2017 - 11:50

In reply to by Michaela Diederichs

@Michaela Diederichs:
NL hatte nie eine Kolonie in Marokko. Trotzdem sind es fast ausschließlich Marokkaner und Araber die durch Kriminalität und Terror auffallen. Die ehemaligen Kolonialvölker sind noch nie aufgefallen. Oder haben sie schon mal von Islamterror durch einen Surinamer gehört? Ich nicht.

Michaela Diederichs | Fr, 24. März 2017 - 13:03

In reply to by Joost Verveen

Sie wissen aber schon, dass Marokko und Algerien französische Kolonien waren? Wir haben in EU offene Grenzen.

..und seit über 20 Jahren im UK. Was May sagt, hätte so ähnlich auch Merkel sagen können. Übrigens bedeutet in diesem Zusammenhang "Asian" ganz und gar nicht "asiatisch". Damit ist i.d.R. das PC-Wort für Muslim gemeint. Viele Chinesen, Japaner, Tibeter u.a. haben sich hier schon darüber (erfolglos) beschwert. Der Mörder kam aus Mittelengland. Aber bei den Nationalsozialisten war es auch egal, ob sie "schon länger hier leben" oder nicht. Wenn der Führer befahl, wurde gefolgt. Nicht anders verhält es sich mit der nachöstlichen Variante dieser mörderischen Ideologie. Wir leben leider in "Chamberlain-Zeiten". Kein Churchill weit und breit.

Roland Weinert | Do, 23. März 2017 - 16:01

"Regierungschefin Theresa May appelliert an ihre Landsleute, die eigenen Werte nicht aufzugeben." -- Welche Werte?

1. Etwa, dass dem Primat des Erdöls alles untergeordnet wird?
2. Etwa, dass weiterhin an Schurkenstaaten Waffen geliefert werden? - Stichwort Türkei.
3. Etwa, dass weiterhin der Nahe und Mittlere Osten destabilisiert wird? - Dies hat seit 1918 gute britische ( und französische ) Tradition.
4. Etwa, dass das Völkerrecht nach Gutsherrenart 'adjustiert' und die UNO instrumentalisiert werden, um knallharte ( westliche / Industriestaaten- )Wirtschafts- bzw. Finanzmarktinteressen weltweit zu exekutieren auf Kosten der Schwellenländer bzw. der Länder der sog. 'Dritten Welt'?
5. Etwa, dass man Erdteile wie Afrika zum Rohstoffplündern freigegeben hat unter Missachtung allen Völkerrechts?
6. Etwa, dass man mit Denkkategorien von vorgestern Probleme der Gegenwart bzw. Herausforderungen der Zukunft lösen will?
7. Etwa, dass 'Weltwohldenken' als Maxime keine Rolle spielt?

Wenn jedes in der Geschichte begangene Unrecht heute mit Terror beantwortet werden darf, wird diese Welt in Schutt und Asche versinken.

Deshalb ist jede Rechtfertigung des Terrors durch den Islamischen Staat nur als grotesk anzusehen.

Roland Weinert | Fr, 24. März 2017 - 13:49

In reply to by Heinrich Niklaus

Sehr geehrter Herr Nikolaus,

1. Die Welt ist auf dem besten Wege, in Schutt und Asche zu versinken.
2. Woraus lesen Sie denn, dass ich den IS-Terror rechtfertige?
3. Die Engländer haben ein hübsches Sprichwort: 'If you always do what you always did, you will always get what you always got.' - Was folgt daraus?

ABSCHLIESSENDE FRAGE
War die 'Französiche Revolution' gerechtfertigt? Und falls ja, weshalb?

Wie sehr ich Ihnen Recht gebe Herr Weinert. Endlich einmal eine Auflistung der „Werte“ um die es in Wirklichkeit geht. Wenn immer Frau Merkel von „unseren Werten“ spricht, die ihrer Meinung nach nicht verhandelbar sind, unter deren ausschliesslicher Grundbedingung sie mit Präsident Trump zusammenarbeiten kann etc. etc….könnte ich aufschreien. Hat jemals jemand hier diese Merkel- oder EU-Werte ausbuchstabiert gesehen? Die Anwendung selbiger sehen wir genau in den von Ihnen bezifferten Auswirkungen, Herr Weinert. Diese Liste wäre verlängerbar. In diesem Zusammenhang finde ich den Aufruf von Frau May: „Die beste Antwort für unsere Feinde ist zu zeigen, dass wir unsere Werte nicht aufgeben“ fast zynisch.
Es muss ein Umdenken geben, das sich ein faires und gerechtes Zusammenleben für ALLE auf diesem Planeten, zur dringlichsten Aufgabe macht.

Michaela Diederichs | Sa, 25. März 2017 - 00:21

In reply to by Rose Hundal

Die Liste, liebe Frau Hundal, ist ein bisschen arg lang und dafür reichen die 1000 Zeichen nicht, die wir alle einhalten sollten im Sinne der Online Redaktion. Die Werte aus GB haben sich in USA, Kanada und Australien manifestiert, in Teilen Afrikas und Asiens. Werte werden rauf und runter dekliniert im Sinne GB, die immer Seite an Seite mit Amerika stehen. Die haben keine (wirtschaftlichen) Interessen. Die haben Werte. Im Umkehrschluss: der Rest der Welt ist offenbar wertlos.

Peter Müller | Do, 23. März 2017 - 16:30

Ich habe aber den Eindruck, das Besonnenheit und Toleranz heutzutage Synonyme für Trägheit und Wegsehen sind. Und eines für mich klar: Solange man Islamismus (was für ein Kunstwort) benutzt, um das Geschehene vom Islam abzugrenzen (mit dem es selbstverständlich zusammenhängt) - solange wird sich nichts ändern. Dann kann man wöchentlich sein Beileid bekunden und schon mal die üblichen Flaggen bereithalten, um sie aufs Brandenburger Tor zu projezieren.

Jürgen Streeb | Do, 23. März 2017 - 18:03

In reply to by Peter Müller

Sie bringen es ganz trefflich auf den Punkt, Herr Müller. Den Synonymen für vorgebliche Besonnenheit könnte man je nach Kontext durchaus auch noch Konzeptlosigkeit und Feigheit hinzufügen. Man muss Herrn Erdogan in einem einzigen Punkt recht geben: Es gibt nur den Islam, nicht aber den Islamismus. Diese apologetische Unterscheidung ist sachlich schlicht falsch.

Brigitte Karpenkiel | Do, 23. März 2017 - 20:14

Reaktion von T. May nach dem Anschlag in London: Besonnenheit, Gelassenheit, kein Aufgeben von Werten, keine oder erst sehr späte Aussage über die Herkunft des Täters etc. Kommt mir sehr bekannt vor, A. Merkel lässt grüßen.

Klaus Wenzel | Do, 23. März 2017 - 21:19

Leider sind es die ewig-gleichen formelhaften und ritualisierten Reaktionen auf diese Anschläge. Die Freiheit stirbt immer ein bisschen mehr,in letzter Zeit mit rasanter Geschwindigkeit. Panzersperren vor Jahrmärkten : neue Normalität. Polizisten mit Maschinenpistolen vor Einkaufszentren: unvermeidbar. Als Frau abens joggen, als älterer Mann abends in der U-Bahn: muss nicht sein...die Zeitzeichen sind eigentlich unübersehbar,aber wir reagieren fatalistisch. Erinnert mich an "Biedermann und die Brandstifter ". Leider müssen wir Regierten und unsere Regierungen wohl auf den nächsten perfiden Anschlag warten,denn eine entschlossene,kluge Antwort auf diese Art der Kriegsführung steht aus. Vielleicht hilft Realitätssinn und Verantwortungsbewusstsein,leider scheinbar Mangelware bei den Regierenden.

Ich finde diese gefühlsleere angeordnete Gedenkfolklore auch schlimm.
Wahrscheinlich ist schon eine Firma angestellt, die vorsorglich die Flaggen aller westlichen Länder aufbereitet hat, um an den vergangenen und zukünftigen Attentatstagen wieder das Brandenburger Tor "in Solidarität" anzuleuchten, damit es abends auch eine schöne Meldung bei Klaus Klebert im ZDF geben kann, zu der er wie gewohnt tragisch guckt.
Ausserdem isses ja so schön bunt immer eine prima Kulisse für farbenfrohe twitter oder facebook-selfies unserer Berlintouristen.

Mathias Trostdorf | Fr, 24. März 2017 - 16:12

Es war ein "Brite" jubelten unsere Medien erleichtert auf! Als wenn es einen Unterschied machen würde, ob islamistische Attentäter neu eingereist sind oder schon lange in dem Land leben, das ihnen zumeist Kost und Logie gewährte.

Robert Müller | Sa, 25. März 2017 - 15:00

In reply to by Mathias Trostdorf

Da die Briten keine Flüchtlinge aufgenommen hatten, die stauten sich bekanntlich auf französischem Boden vor dem Euro-Tunnel, kannte das auch kein Flüchtling sein. Und "Brite" heißt heutzutage gar nichts mehr, da die Sozialisierung eine ganz andere sein könnte. Da es sich um ein Konvertit aus Birmingham handelt, war er möglicherweise genetisch Brite, aber den Hass hat er aus der Islamisten-Szene Birminghams übernommen. Wir haben solche Konvertiten auch in Deutschland, niemand ist gegen Hirnwäsche geschützt. Nicht selten geschieht das in Gefängnissen, weil dort die Gefangenen nicht den Hirnwäschern entfliehen können. Speziell in Frankreich muss das ein großes Problem sein. Jetzt da in DE Gefährder verstärkt abgeschoben werden können - wenn sie nicht in letzter Sekunde wieder aus dem Flugzeug geholt werden - kann diesen Hirnwäschern die rechtzeitige Abschiebung entgegen gesetzt werden. Abschiebung von Gefährdern ist Terror-Prävention, meine ich.

Ralf Müller | Mo, 27. März 2017 - 13:42

Bin unendlich stolz auf meine Engländer. Der BREXIT war bitter nötig. Es geht nicht für oder gegen Europa. Es geht um die politische Überdehnung Europas und die Überhöhung der EU. Die EU ist kein Friedensprojekt und auch kein Friedensgarant. Auch ohne EU gäbe es Zentraleuropa keinen Krieg. Andererseits konnte die EU den Krieg in Ex-Yugoslawien und in der Ukraine nicht verhindern. EU funktioniert nur mit starken Nationalstaaten. Wer Nationalstaaten aushölt, wird Europa zerstören. EU sollte sich endlich beschränken. Auf das, was nur alle gemeinsam lösen können. Alles andere, macht jeder nationalstaat für sich. Wer das nicht will, zerstört Europa. Gleichmacherei in der EU ist ein Irrweg.

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