Protest gegen die Regierung in Belgrad / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Darko Vojinovic

Lithium first, Demokratie second - Warum Berlin und Brüssel die Demokratiebewegung in Serbien missachten

Trotz der Unterdrückung der serbischen Massenprotestbewegung und dem Zündeln Belgrads in Bosnien und Herzegowina und Kosovo, ignorieren Brüssel und Berlin alle Warnsignale. Ein Lithium-Deal scheint wichtiger.

Autoreninfo

Alexander Rhotert forscht als Politikwissenschaftler zum ehemaligen Jugoslawien seit 1991. Er war 20 Jahre für UN, Nato, OSZE, OHR und EU tätig, zumeist zur Friedensumsetzung auf dem Westbalkan. Als Oberstleutnant und Interkultureller Einsatzberater der Bundeswehr arbeitete er zu Kosovo und Bosnien und Herzegowina. 
 

So erreichen Sie Alexander Rhotert:

„Lieber Aleksandar, Du hast gezeigt, dass Du die notwendigen Maßstäbe erreichen kannst. Du bist entschlossen, Reformen durchzuführen, insbesondere in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Du hast gezeigt, dass Deinen Worten Taten folgen!“ Diese ungewöhnlich schmeichelnden Worte richtete die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, am 25. Oktober 2024 in Belgrad an einen der letzten Autokraten Europas, den serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić. Sie offenbaren die zutiefst unehrliche und realitätsferne EU-Politik gegenüber dem Beitrittskandidaten Serbien.

Genau eine Woche später geschah die Katastrophe, die Serbien grundlegend verändern sollte. Beim Einsturz des offensichtlich stümperhaft renovierten Bahnhofsvordachs in Novi Sad mussten am 1. November 16 unschuldige Menschen ihr Leben lassen. Offensichtlich gab es durch die grassierende Korruption Pfusch am Bau, wie ein mit dem Fall vertrauter Ingenieur berichtete. Auch eine chinesische Firma war  involviert. Die Wiedereröffnung wurde überstürzt aus politischen Gründen vorgezogen, trotz Warnungen. Übrigens zahlt die EU Milliarden Euro für serbische Infrastrukturprojekte, die oftmals an chinesische Firmen gehen. Profitabler könnte Peking diesen Teil seiner „neuen Seidenstraße“ wohl kaum ausbauen.

Cicero Plus weiterlesen

  • Monatsabo
    0,00 €
    Das Abo kann jederzeit mit einer Frist von 7 Tagen zum Ende des Bezugzeitraums gekündigt werden. Der erste Monat ist gratis, danach 9,80€/Monat. Service und FAQs
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
  • Ohne Abo lesen
    Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.
Für € 1, dann 0.20/min freischalten
Maximal € 11 pro Monat • Kein Abo
Wir reservieren vorübergehend € 5. Nach der Session erstatten wir die € 5 und buchen den genauen Betrag ab.
Hilfe & Support
Freischalten für€ 1.00
Jede angefangene Minute€ 0.20 / Min.
Monatslimite€ 11 / Monat
Verbraucherschutz

Das monatliche Limit schützt dich vor übermäßigen Ausgaben. Erreichst du es, kannst du den Service für den Rest des Monats kostenlos nutzen.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über eine konstruktive Debatte. Bitte achten Sie auf eine sachliche Diskussion. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare mit unsachlichen Inhalten zu löschen. Kommentare, die Links zu externen Webseiten enthalten, veröffentlichen wir grundsätzlich nicht. Um die Freischaltung kümmert sich die Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Wir bitten um Geduld, sollte die Freischaltung etwas dauern. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.

Walter Buehler | Di., 25. März 2025 - 20:16

Herr Politik-"Wissenschaftler" Rhotert -

wäre es nicht angebracht, zuerst im eigenen Hause mit der Misswirtschaft ("Investitionsschau") unserer "demokratischen" Obrigkeitaufzuräumen, bevor man andere Länder wieder mal von außen mit unrealistischen Hoffnungen absichtsvoll destabilisiert?

Ein neuer Maidan, ein neuer arabischer Frühling??
Alle diese "demokratischen" Einmischungen des "Werte-Westens" haben in einem Desaster für die betreffenden Länder geendet, weil es sich nur um medial aufgehübschte Formen alter imperialistischer Strategien gehandelt hat.

Politologen-Geschwätz hilft keinem real existierenden Land.

Ernst-Günther Konrad | Mi., 26. März 2025 - 09:00

die Demokratiebewegung in Serbien. Ja. man liest fast gar nichts über die Proteste oder eben nur sehr einseitig. Offenbar vertritt Vučić die sog. europäischen Werte und das aufbegehrende Volk nicht. Mögen die Serben das friedlich in ihrem Sinne klären und dann anschließend nicht vergessen, wer in der EU zu ihnen stand und wer nicht. Ich sehe da ein weiteres Land sich künftig von dieser EU abwenden. Über Trump regt man sich auf, weil er American First ausruft und lebt und was macht die EU? Sie lebt EU-Interessen First, Lithiumverträge First. Vučić First. Mal sehen, wann das denen auf die Füße fällt. Den Serben wünsche ich weiterhin friedliche und zielführende Proteste.

Nutzen Sie als Cicero Plus Abonnent gerne unsere Kommentarfunktion.

Sie haben noch keinen Cicero Plus Account? Registrieren Sie sich hier.