Kriegsführung - Gesundbeten hilft nicht!

In höchst komplizierten Konfliktregionen wie in Syrien helfen weder pazifistische Phrasen noch Aktionismus. Vielmehr sind klare militärische Strategien notwendig. Das Vorgehen der USA gegen Nordkorea liefert ein Beispiel dafür ab, wie man es nicht tun sollte

Vier US Luftwaffen der US Air Force fliegen am Horizont
Jeder Krieg ist auch eine politische Verständigung. Die USA befinden sich mit vielen im Gespräch / picture alliance

Autoreninfo

Rudolf Adam war von 2001 bis 2004 Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes. Von 2004 bis 2008 leitete er als Präsident die Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Foto: Bundesakademie für Sicherheitspolitik

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Nach dem Giftgaseinsatz in Chan Sheikun und dem amerikanischen Luftangriff auf die Luftwaffenbasis Al Shayrat prasseln wieder abgedroschene Phrasen auf uns herab: „Stoppt das Blutvergießen!“, „Es gibt keine militärische Lösung!“ oder „Das syrische Volk muss selbst entscheiden!“. Solche Phrasen sind wohlfeil. Sie erinnern an sonntägliche Fürbittengebete. Sie sollen Entschlossenheit signalisieren und demonstrieren doch nur Ohnmacht. Sie spiegeln einfache Lösungen vor, wo es um bittere Entscheidungen geht, um Risiko und um Opfer.

Es braucht Rechtfertigung für das Blutvergießen

Auf Appelle hin werden die Bürgerkriegsparteien in Syrien nicht bereit sein, die Waffen niederzulegen. Entscheidend ist nicht, dass Blut vergossen wird, sondern wofür. Wenn Militär den Auftrag erhält, zu zerstören und, wenn notwendig, auch zu töten, muss dieser Auftrag genauestens abgewogen und öffentlich verantwortet werden. Er lässt sich nur rechtfertigen, wenn es strategische Ziele gibt, die sich ohne diese Opfer nicht erreichen lassen.

Wenn Ziele des IS getroffen werden, ist unsere Abscheu vor Blutvergießen deutlich weniger ausgeprägt. Der Zweite Weltkrieg war ein ungeheures Blutbad. Aber niemand hätte zwischen 1940 und 1945 ernsthaft gefordert, das Blutvergießen einzustellen. Man vergoss damals Blut – fremdes und eigenes – weil es ein klares strategisches Ziel gab: Bedingungslose Kapitulation. Blutvergießen für strategische Ziele generell abzulehnen, ist Pazifismus. Wer bedingungslos ein Ende des Blutvergießens fordert, stellt die Konfliktparteien auf eine Stufe. Er scheut eine klare strategische Positionierung. Was passiert, wenn diese fehlt, zeigen die Konflikte der vergangenen Jahre. Unvoreingenommen betrachtet haben wir mit den Gruppierungen, die gegen Baschar al-Assad kämpfen, nicht viel mehr gemein als mit Assad und seinem Regime. In Afghanistan haben sich die USA zunächst mit den Taliban gegen Russland, und kurz danach mit fragwürdigen War Lords und kriminellen Potentaten gegen die Taliban verbündet. Im Irak haben sie Saddam Hussein gestürzt und dessen Anhänger dem IS in die Arme getrieben. In Libyen hat die Beseitigung Muammar al-Gaddafis nicht zu Freiheit, Demokratie und Wohlstand geführt sondern zu Bürgerkrieg und Chaos. In Syrien droht sich nun, diese qualvolle Geschichte zu wiederholen.  Den Rücktritt von Assad zu fordern ist wohlfeil, wenn man die Mittel dazu nicht hat. Seit fünf Jahren wird diese Forderung erhoben. Sie hat bisher nur seinen Widerstandswillen erhärtet und zu noch mehr Blutvergießen geführt.

Schutz der Zivilbevölkerung rückt in den Hintergrund

Bei Kriegshandlungen werden unvermeidlich immer auch Zivilisten getroffen, vor allem im Städtekampf, Haus um Haus. Stalingrad und Berlin waren nur ein Vorgeschmack für das, was sich in Aleppo und Mossul gegenwärtig abspielt. Wenn mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung in urbanen Verdichtungsräumen leben, wird immer auch die Zivilbevölkerung darunter leiden.

Dabei ist die Schonung von Zivilisten ein Grundsatz der Zivilisation. In ihm gipfeln die Bemühungen um Einhegung kriegerischen Schreckens. Ihm gebührt strikte Beachtung. Aber die Vorstellung, die der Haager Landkriegsordnung zugrunde liegt, geht noch von klassischen Heeren aus, die übers Land ziehen und in einer Feldschlacht die militärische Entscheidung suchen. Damals gehörten weder Luftkrieg noch Häuserkampf zum Handbuch der Kriegsherren.

Die unterschiedslose Vernichtung von militärisch relevanten Zielen und ihrer zivilen Umgebung ist der entscheidende Grund für die Ächtung von Massenvernichtungswaffen. Aber jedes militärische Vorgehen muss immer wieder Risiken und Gefahren sorgfältig abwägen: Für die eigene Seite, für die Zivilbevölkerung und für den Gegner. Asymmetrische Kriegsführung, Partisanenkrieg und ziviler Widerstand machen derartige Abwägungen besonders schwer. Wenn Zivilisten getroffen werden, ist dies immer ein Skandal. Aber sind sie deshalb „unschuldig“? Unglücklich, unbeteiligt vielleicht – aber unschuldig? Über die individuelle Schuld der Getroffenen kann niemand etwas wissen. Meist wissen wir nicht einmal, ob sie tatsächlich unbeteiligt waren. Dieser Sprachgebrauch impliziert, dass diejenigen, die „Unschuldige“ töten, selbst „schuldig“ sein müssen.

Ein Menschenleben ist nicht höchster Selbstzweck

Kriegführung ist aber keine Frage von individueller moralischer Schuld. Die Motive zu einem Krieg lassen sich moralisch bewerten. Und die Notwendigkeit sorgfältiger Güterabwägung gilt auch im Krieg. Aber Kriegshandlungen zeichnen sich dadurch aus, dass ein Menschenleben nicht mehr höchster Selbstzweck ist, sondern zu einem Faktor in dieser Güterabwägung wird. Ein Soldat, der im Kampf Befehle ausführt, wird dadurch nicht „schuldig“. Das gilt für alle Seiten. Seine Schuld kann davon herrühren, dass er sich einer verbrecherischen Sache anschließt. Und natürlich sind Übergriffe, denen keine taktische Notwendigkeit zugrunde liegt, immer und unter allen Umständen verwerflich: Plünderungen, Massaker, wahlloses Gemetzel, Völkermord. Aber im Nebel des Krieges sind solche Abgrenzungen selten mit vollständiger Klarheit möglich.

Ein bekanntes Beispiel ist die Kunduz-Affäre aus dem Jahr 2009. Die Bombardierung der entführten Tanklaster in Afghanistan stellte sich im Nachhinein als Überreaktion heraus. Die Ungewissheit der Lage und die Gewissheit der Bedrohungen ließen jedoch zum Zeitpunkt der Entführung keine andere Entscheidung zu, als die, die Oberst Georg Klein damals traf. Unbeteiligte, „Unschuldige“ fanden damals den Tod. Oberst Klein ist deshalb aber nicht „schuldig“. Wenn städtische Gebiete zur Kampfzone werden, sind Zivilisten unvermeidlich betroffen. Das ist ein großes Unglück. Alles sollte daran gesetzt werden, auch im urbanen Häuserkampf Schutzzonen und Schutzräume für Zivilisten einzurichten. Aber sie sollten nicht pauschal als „unschuldig“ bezeichnet werden ebenso wenig wie diejenigen, die ihr eigenes Leben riskieren, um eine Stadt zurückzugewinnen, dadurch pauschal „schuldig“ werden.

Eine Lösung für Syrien liegt in großer Ferne

Wie schwierig das ist, zeigt sich in Syrien. Die Forderung, das syrische Volk müsse demokratisch über seine eigene Zukunft entscheiden, klingt eingängig. Der Bürgerkrieg zeigt jedoch, dass es ein einheitliches Volk, in dem sich die Minderheit der Abstimmungsmehrheit fügt, nicht mehr gibt. Hierfür wären Vertrauen, das Gefühl einer Schicksalsgemeinschaft und gegenseitige Loyalität notwendig. Davon ist nirgends etwas zu sehen. Es ist leichter, sich an die Illusion zu klammern, dass nach den Gewaltorgien eine Rückkehr zum Vertrauen status quo ante möglich wäre. Mit jedem Kampftag zeichnet sich ab, dass die nach dem Ersten Weltkrieg von den Kolonialmächten gezogenen Grenzen in Nahost keinen Bestand haben. Die Kurden werden keiner Lösung zustimmen, die ihnen nicht staatliche Autonomie gewährt. Die Alewiten um Assad werden sich bis zur letzten Patrone dagegen wehren, ihre derzeitigen Privilegien aufzugeben, denn sie wissen, was dann folgen könnte. Nordvietnam hat nach 1975 vorgemacht, wie es der Elite eines besiegten Volksteils ergeht.

Ziel jedes Krieges ist Frieden

Wie kann es in dieser höchst komplizierten Gemengelage zu einer Lösung kommen? Zunächst einmal muss man festhalten: Krieg hat niemals eine militärische Lösung. Das Ziel jedes Krieges ist Frieden. Wer Clausewitz gelesen hat, weiß, dass Militäroperationen dazu dienen, Voraussetzungen für diplomatische Verhandlungen zu schaffen: Krieg ist die Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln. Militäroperationen sind nie Selbstzweck. Sie sollen den gegnerischen Willen beeinflussen und ihm eine politische Verständigung attraktiver als eine Fortsetzung der Kämpfe machen. Militärische Optionen stehen nicht im Gegensatz zur Diplomatie, sondern sind gleichwertige Komponenten einer wirksamen Außenpolitik. Militäroperationen müssen letztlich immer in einer politischen Verständigung zwischen den Kriegsgegnern münden.

Die bedingungslosen Kapitulationen Deutschlands und Japans 1945 waren in der Kriegsgeschichte große Ausnahmen. Sie waren auch politische Sonderfälle, weil sie binnen weniger Jahre aus Todfeinden engste Verbündete machten. Heutzutage sind klare Konfliktlösungen selten. Wir frieren Konflikte lieber ein, wir halten sie an, lassen sie aber fortschwelen: Korea, Zypern, Palästina, Kaschmir, Georgien, Moldova. Wer behauptet, es gäbe keine militärische Lösung, denkt im Grunde in längst überholten Kategorien von Sieg und Niederlage. Die Kunst, Frieden zu machen, liegt in der Kunst, militärische Konflikte rechtzeitig zu beenden. Das Unheil des Krieges liegt darin, dass alle am Konflikt Beteiligten gleichzeitig zu der Einsicht kommen müssen, wann der Zeitpunkt für Verhandlungen gekommen ist. Vorzeitig auf Verhandlungen zu drängen, riskiert, die Konfliktursachen lediglich in die Zukunft zu verschieben. Statistisch gesehen ist die Hauptursache von neuen Kriegen ein schlecht beendeter alter Krieg. Hätte es den Zweiten Weltkrieg ohne den Ersten gegeben?

Falsche Sprache führt zu militärischer Konfrontation 

Jeder Krieg mündet in einer politischen Verständigung. Und jeder Krieg hat politische Ursachen. Das zeigt sich derzeit in Nordkorea. Aus dortiger Sicht waren der Cruise Missile-Angriff auf Syrien, die erneute Forderung nach Ablösung Assads und der Abwurf der MOAB-Bombe über Afghanistan Warnsignale an Kim Jong-Un. Die Sprache verschärft sich auf beiden Seiten. Die Forderung der USA ist klar, aber unrealistisch: Einstellung des Nuklear- und Raketenprogramms. Denn gerade darin sieht Kim Jong-Un seine Lebensversicherung. Hier wird mit wachsendem Einsatz ein game of chicken gespielt: Wer zuerst zuckt, hat verloren. Wie soll eine Seite nach all diesen Drohgebärden und radikalen Forderungen zurückweichen ohne das Gesicht zu verlieren? Kim wird weiter Sprengköpfe und Raketen testen. Trump kann das von Tag zu Tag weniger hinnehmen. Beide Seiten tun alles, um nicht als ohnmächtige Prahler entlarvt zu werden. Trump kennt nur winners und losers und will unbedingt winner sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer militärischen Konfrontation kommt, steigt. Sollte es dazu kommen, sollte vorher klar sein, welches strategische Ziel erreichbar ist und wie der Weg dorthin aussehen könnte. Schon einmal haben die USA in Nordkorea fast alles gewonnen, nur um daraufhin fast alles wieder zu verlieren.

Werner Kirchhoff | Do, 20. April 2017 - 17:48

Es kämpft nicht eine Hälfte der Bürger gegen die andere, sondern die Regierung verteidigt sich gegen ins Land eingedrungene und von außen unterstütze Terroristen. Die Interessenlage ist vielfältig.
So will Qatar eine Pipeline bauen. So wollen die Angelsachsen und vielleicht auch die katholische Kirche den Nahen Osten grundsätzlich umkrempeln. So steht in offiziellen Dokumenten von Israel, dass muslimischen Nationalstaaten islamistische Kalifate vorzuziehen sind. So will Russland Zugang zum Mittelmeer. So wollen vereinzelte psychopathische Araber einen Gottesstaat errichten. Aber ein Bürgerkrieg ist es nicht.

Kurzfristig ist der Syrien-Konflikt in der Geopolitik zu suchen. Wer ihn lösen will, muss die Großreiche und Regionalmächte an einen Tisch kriegen. Beispiele aus der Geschichte aufzugreifen, erscheint mir nicht hilfreich. Nicht einmal der kulturelle Vergleich dürfte dienen. Im Nahen Osten gibt es keine vergleichbare Hager Landkriegsordnung sondern patriarchale Clans.

Sie sagen: "Aber ein Bürgerkrieg ist es nicht." Das trifft nicht zu. Es ist dadurch ein Bürgerkrieg, dass sich die Konfliktparteien von Anfang an innerhalb der nationalen Grenzen befanden. Sunniten und Alewiten waren gemeinsam Bürger desselben syrischen Staates. Das Massaker von Hama 1982 diente damals dem Zweck der Unterdrückung eines Bürgerkriegs im Augenblick seiner Entstehung. Dass inzwischen Kombattanten von jenseits der Staatsgrenzen in Syrien mitkämpfen, ändert nichts daran, dass der ursprüngliche Konflikt innerhalb der syrischen Staatsgrenzen und des syrischen Staatsvolks entstanden ist.

Der Autor hat wohl recht, wenn er eine Rückkehr zu den alten Staatsgrenzen für illusorisch hält, und ich stimme auch Ihnen zu, dass geostrategische Interessen eine wichtige Rolle spielen. Aber die Rede von den "ins Land eingedrungenen Terroristen" macht sich unnötigerweise mit der Propaganda des Assad-Regimes gemein.

Marco Holter | Do, 20. April 2017 - 17:54

Mit der Zeit hat sich die Kriegsführung immer verändert. War es 1871 noch eine eher lokale Schlacht zweier begrenzter Heere mit begrenzten Mitteln so hat im Rahmen der Industrialisierung 1914 - 1918 erstmals ein maschineller Krieg der Völker stattgefunden. Dies ist dann im 2.Weltkrieg mit dem Einsatz von WMD Waffen gesteigert worden. Was sich jetzt beobachten lässt, ist die Umwandlung eines maschinellen Krieges der Völker in eine asymetrische Kriegsführung. Freund und Feind sind nicht mehr deutlich zu unterscheiden. Die Schlachtfelder unklar umrissen. Zivilisten und Kombatanten kaum zu unterscheiden und zu trennen. Militärische Erfolge zu erziehlen ohne zivile Opfer in Kauf zu nehmen wird schwieriger. In Aleppo wurden oft Krankenhäuser bombadiert. Um Zivilisten zu töten? Vielleicht wurden sie aber auch als Waffenlager genutzt und zivile Opfer einkalkuliert. Schwer festzustellen. Es ist kaum noch möglich bei dieser Kriegsführung zwischen der "guten" und "bösen" Seite zu unterscheiden.

Dr. Lothar Sukstorf | Do, 20. April 2017 - 18:09

Hervorragender Artikel. Klasse, Cicero! Klare, eindeutige Sprache. Super! Nur in einem irrt der Autor, Ziel eines Krieges ist nicht der Frieden. Ziel ist, den Gegner zu vernichten, ihn politisch und militätrisch so handlungsunfähig zu machen,daß man ihm seinen Willen aufzwingen kann. So war das immer und so wird das immer bleiben. In modernen Kriegen ist es nur ungemein schwierig geworden, aus dem Kriegszustand in den Frieden übergehen zu können, bzw. den Übergang zu managen und zu verhandeln.Und selbstverständlich kann man asymmetrische "Kriege" auch gewinnen. Dazu bedarf es eines klaren unbedingten Willen, (siehe Putin in Tschetschenien) sowohl politisch als auch militärisch. Und zwar in einer Rigorosität, die z.B. bei uns eine Merkel, das Parlament- etwa mit den Grünen - niemals aufbringen könnten. Die weltweiten Bedrohungszenarien(ob sysmmetrisch oder asymmetrisch) werden jedoch so heftig auf uns einprasseln, daß die rücksichtslose Einsetzung militärischer Mittel rigoroser werden.

Bingo de Gorona | Do, 20. April 2017 - 18:35

bewiesen ist, sollte man weder schießen auf Syrien, noch sie attakieren. Bei Assad war Frieden und die Rede in Kairo von den Schwarzen hat diesen Frühling losgelassen und sie glauben, mit Bomben kann man das beenden, nie. Es wird nie Ende sein, wenn der Westen den Gegnern von Assad unterstützen und wenn Putin nicht eingegriffen hätte, wäre es noch schlimmer geworden, jetzt ist alles in Kräftegewicht neutraler geworden.... Und nur bei Gleichheit werden sie bereit sein zum Frieden...

Stefan Grafe | Do, 20. April 2017 - 19:00

Der Autor hat ein Problem nicht benannt, welches für politische Neuanfänge von zentraler Wichtigkeit zu sein scheint.
Etwa Deutschland und Japan sind Bevölkerungen mit ausreichend hohem IQ, als dass eine langfristig denkende Demokratie und ein effizienter freier Markt greifen können.
Als hingegen die Muslimbruderschaft 2013 in Ägypten vom Militär weggeputscht wurde, da fand sich noch einmal gerade ein einmonatiger Vorrat an Getreide.
Bis auf weiteres können wir nicht mit den gleichen Ansprüchen an die Friedensforschung im Nahen Osten gehen. Bis zu einem gewissen Teil wird dort vorerst eine Kultur des starken Führers herrschen. Dies ist von evolutionärem Vorteil, wenn eine rationalere Basis für friedlichen Umgang fehlt. Zudem dürften erhebliche Teile der arabischen Intellektuellen bereits ausgewandert sein.

Lutz Grubbert | Do, 20. April 2017 - 19:13

@Stalingrad und Berlin waren nur ein Vorgeschmack für das, was sich in Aleppo und Mossul gegenwärtig abspielt. Mit dieser Aussage hat der Autor wohl eine ganz falsche Perspektive in seinen Beitrag. Allein die Bezeichnung Stalingrad und Berlin waren nur ein Vorgeschmack zeigt das der Autor hier sehr eigenartig mit Geschichtsfakten umgeht. Die Zahlen und Fakten zu den verschiedenen Städten sind ja für jeden frei zugängig.

Albert Schultheis | Do, 20. April 2017 - 19:49

"Das Vorgehen der USA gegen Nordkorea liefert ein Beispiel dafür ab, wie man es nicht tun sollte." - Ja, nicht nur das Vorgehen in Nordkorea! Auch das Vorgehen der USA in Afghanistan, im Irak, im Iran, in Syrien, in der Ukraine, in Libyen - gar nicht zu reden von Vietnam, Kambodscha und Laos - liefern Paradebeispiele ab, wie man es auf keinen Fall tun sollte - nicht einmal tun dürfte, wenn man auch nur einen Funken Ethik, Menschlichkeit und Anstand in der Politik vertreten würde. Aber so gefallen uns die USA und genau deswegen sind wir bei jeder Schweinerei wieder auf's Neu mit dabei.

Walter Wust | Sa, 22. April 2017 - 16:31

In reply to by Albert Schultheis

Die USA sehen in der "Demokratisierung" jener Staaten, die sich nicht einfach freiwillig ausbeuten lassen, ein legales Mittel der Einflussnahme. Auch Syrien wird auf lange Sicht einfach Opfer werden. Zwar hätte nach Lage der Dinge zum jetzigen Zeitpunkt die USA keinen wirtschaftlichen Nutzen aus einer Aufgabe, aber allein, daß auch Russland und der Iran keinen Nutzen daraus ziehen können, reicht den Ami's für ein weiter so. Das muss man nicht verstehen.

Anton Gruber | Do, 20. April 2017 - 20:28

Ja, es ist "wohlfeil" eine Abhandlung über Fehler der Vergangenheit und mutmaßliche Befindlichkeiten der heute, jetzt handelnden oder zögernden Figuren zu schreiben. Es ist aber grotesk, wie er hier die Situation mit messerscharfem Verstand, brillianten Worten und überwiegend nicht zu widersprechenden Analysen darstellt und dabei nicht berücksichtigt, daß die Kontrahenten der USA, sei es in Syrien oder in Nordkorea taube, irrationale Monster sind.
Da ist nichts von Strategie und sophistischer, subtiler zielgerichteter Handlung! Das sind unbestreitbar triebgesteuerte Unmenschen, deren Maxime so unvorstellbar destruktiv ist, daß keine Steigerung mehr möglich ist.
Ihren geschliffenen Vortrag können Sie vor jeder Militärakademie in den USA oder Europa halten. Sie werden Beifall bekommen! Aber wie wäre es mit konkreten Lösungsvorschlägen. Trump hat diese Situation in seiner erschreckenden Unerfahrenheit nicht geschaffen und ja , Obama hatte sie "auf Eis gelegt". Was hätte er tun sollen?

Beat Leutwyler | Do, 20. April 2017 - 20:48

Zitat: "Ziel jedes Krieges ist Frieden."
Ich fürchte, das ist sehr verkürzt ausgedrückt und nur die philosophische Antwort der Absichten.
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Meiner Meinung gibt es 4 verschiedene interessengeleitete Gründe Krieg zu führen:
- des bedingungslosen Machtwillens wegen
- des Überzeugungsversuchs des Glaubens wegen
- des wirtschaftlichen Gewinns wegen
- der gesellschaftspolitischen Unruhen wegen
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Wer das zu Ende denkt, wird merken, dass erstens viele Interessenvertreter namentlich gar nie genannt werden. Und zweitens, dass es immer viel mehr Akteure an Kriegen gibt, als nur deren zwei Parteien.
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Ziel jedes Krieges ist Frieden, aber erst wenn man seine Interessen durchgesetzt hat und in der Friedenszeit das Gewonnene geniessen kann.
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Friedenserhalt beginnt zu Hause - solche Interessen in fremden Ländern gar nicht aufkommen zu lassen. In unseren Ländern demokratisch, sich gefälligst an das Völkerrecht zu halten und dieses proaktiv zur Anwendung zu bringen - notfalls mit Klage.

Doug Stern | Fr, 21. April 2017 - 01:47

„Hätte es den Zweiten Weltkrieg ohne den Ersten gegeben?“

Ja, beide Weltkriege wären verhinderbar gewesen, wenn jeweils ein Scharfschütze mit Präzessionsgewehr die deutschen Kriegsherren frühzeitig ausgeschaltet hätten.
Namentlich: Die Weltanzünder Wilhelm II. und AH.

Leider stimmt ihr Kommentar nicht! Den 1. Weltkrieg wurde durch den österreichischen Kronprinz der ermordet worden ist in Sarajewo ausgelöst und Kaiser Wilhelm ein Beistandsabkommen mit Österreich hatte.
Der 2. Weltkrieg wurde ausgelöst , weil die Alliierten GB,USA und Frankreich Deutschland an die Wand gefahren haben mit einer großen Weltwirtschaftskrise.
Dieser Hass der Alliierten war der Grundstock des 2. Weltkrieges. Ich habe den Eindruck das nicht gerade geschichtlich über deutscher Geschichte sich auskennen. Ach ja, die deutsche Geschichte fängt ja erst 1933 an!

helmut armbruster | Fr, 21. April 2017 - 09:02

Jeder Krieg mündet in einer politischen Verständigung, behauptet der Autor. Diese Satz schwächt den ganzen Artikel, der ansonsten sehr gut geschrieben ist.
Gerade weil eine politische Verständigung nicht möglich ist beginnt ja der Krieg. Mit Gewaltmitteln wird versucht zu erreichen, was mit friedlichen Mitteln nicht möglich war. Solange eine Kriegspartei aber glaubt mit ihren Gewaltmitteln dem Gegner überlegen zu sein wird sie an ihren Zielen festhalten und eine politische Verständigung ablehnen. Außerdem ist eine politische Verständigung oft gar nicht mehr möglich nachdem Gewaltmittel exzessiv eingesetzt wurden und Kriegsverbrechen begangen wurden.
Es hilft nichts, aber wir sollten uns eingestehen, dass ein Krieg dann endet, wenn einer nicht mehr kann, weil ihm die Mittel ausgehen. Ist es soweit, dann muss er sich meistens als Verlierer dem Willen des Siegers unterwerfen und von politischer Verständigung ist dann nicht mehr die Rede.

Holger Stockinger | Fr, 21. April 2017 - 09:40

Den mehr als nachdenkenswerten Gedanken des Autors ist kaum etwas hinzuzufügen.

Mao tse Tung war begeisteter Leser von Clausewitz, der wiederum unbewußt Napoleon bewunderte wie der Gröfaz Hitler es auch tat, um mit "Barbarossa" knapp 20 Kilometer vor Moskau zu kommen.

"Krieg und Frieden" ist vermutlich Tolstois meistverfilmter Roman.

"2001 im Weltall" zeigt den Vorgänger des homo sapiens auch nicht als Bündnisgrünen, der händchenhaltend um einen Platz am Lagerfeuer bittet ...

Heinrich Niklaus | Fr, 21. April 2017 - 11:40

Dem Autor ist weitgehend zuzustimmen. Dass politische Lösungen nichts mit Militär und Machtverhältnissen zwischen den Beteiligten zu tun haben, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Herr Gabriel unterlag diesem erst wieder bei seinem Besuch der Kurden im Irak.

Der Behauptung, die Kundus-Bombardierung habe „sich im Nachhinein als Überreaktion herausgestellt“, ist aber zu widersprechen. Wenn die „Ungewissheit der Lage“ und die „Gewissheit der Bedrohung keine andere Entscheidung“ zuließen, kann es nicht im „Nachhinein als Überreaktion“ gesehen werden.

Oberst Klein verfügte an militärischen Mitteln nur über leichte Infanterie und Jagdbombern der Luftwaffe. Das riesige dazwischen liegende Waffenspektrum blieb ihm verwehrt, weil deutsche Politiker aus innenpolitischen Gründen den Eindruck, in Afghanistan gäbe es inzwischen „kriegsähnliche“ Entwicklungen, nicht aufkommen lassen wollten.

Tomas Poth | Fr, 21. April 2017 - 11:55

Logischerweise somit den Krieg nicht beginnen, denn bis dahin herrscht ja noch Friede. Den Krieg damit zu begründen um Frieden zu schaffen, kruder geht es ja wohl nicht.

Erika Grohe | Fr, 21. April 2017 - 12:01

Man zieht für gewöhnlich in einen Krieg, wenn man weiß, wie das eigene Kriegsziel lautet.
Und da fängt das Problem westlicher Demokratien allsamt an: man weiß vielleicht ein bisschen, was man nicht will, das war es aber auch schon.
Man will Assad nicht, man will den IS nicht, man will Al-Nusra nicht, man will die Russen nicht, man will die Kurden oder Türken nicht, nicht die Hisbollah oder der den Iran. Man will den eigenen Bürger nicht sterben sehen, man will nicht noch mehr Flüchtlingsströme, man will kein Blutvergießen, etc.
Wer kein Kriegsziel vor Augen hat, kann einen Krieg nie gewinnen. Das ist das Problem der aktuellen Machthaber in Europa und den USA mit ihrer Politik.
Die Türkei, Russland, der IS und Saudi-Arabien sind da schon weiter. Wer Bilder von sterbenden syrischen Giftgas-Opfern hemmungslos über die Medien verbreitet und gleichzeitig Bilder von Opfern von islamistischer Anschläge in Europa unterdrückt, hat kein Ziel und kein Konzept, geschweige denn Moral.

Roland Weinert | Fr, 21. April 2017 - 15:28

1. Entschuldigung, aber was Herr Rudolf Adam hier abliefert, sind Argumentationsketten mit den 'Realpolitik'-Kategorien von vorvorgestern. U.a. diese Art von Denken und Geschichtsvergessenheit hat uns die Lage beschert, in welcher wir uns heute u.a. in Syrien befinden.

2. Wie Adam den Pazifismus verunglimpft, ist schier unerträglich, aber typisch für rechtskonservative Argumentationen dieser Art. Die Verunglimpfung gipfelt in: "Ein Menschenleben ist nicht höchster Selbstzweck".

3. Mit keinem Wort erwähnt Adam den Themenkomplex 'Rüstungsexporte'. Mit keinem Wort geht er auf die unseligen Einflussnahmen Frankreichs / Großbritanniens ( ab 1918 ) und der USA ( nach dem Zweiten Weltkrieg )in dieser Region ein ( Stichwort 'Erdöl' ).

4. If you always do what you always did, you will always get what you always got. - Die Welt benötigt einen fundamentalen politischen, geostrategischen Paradigmenwechsel. Die Grundmaxime muss lauten: "Weltwohldenken".

Die UNO muss gestärkt werden!

Klaus D. Lubjuhn | Fr, 21. April 2017 - 16:57

"Den Rücktritt von Assad zu fordern ist wohlfeil, wenn man die Mittel dazu nicht hat. Seit fünf Jahren wird diese Forderung erhoben. Sie hat bisher nur seinen Widerstandswillen erhärtet und zu noch mehr Blutvergießen geführt", argumentiert der Autor zu Recht. Assad ist Kriegspartei in einem multilateralen Bürgerkrieg. Nicht nur der "IS", auch andere radikalisierte, meist terroristische Gruppierungen (mit warlord - Führern) sind für die tiefe ethnisch - religiöse Spaltung der Region verantwortlich. Einer Region, die das Ergebnis des Sykes - Picot - Abkommens bis auf den heutigen Tag spiegelt. Aktuelle Verantwortlichkeiten liegen bei den aktuellen Führungspersonen - nicht allein bei Assad. Beenden lässt sich dieser asymmetrisch verlaufende Bürgerkrieg - in diesem Punkt ist dem Autor beizupflichten - (leider) nur durch militärischen Einsatz. Keinem der Warlords kann vertraut werden, keinem von ihnen wird weniger als der Sieg wirklich genügen. Was bringt dort jetzt DIPLOMATIE allein?

Christop Kuhlmann | Sa, 22. April 2017 - 12:37

Die ehemaligen Kolonien im Nahen- und Mittleren Osten sind keine gewachsenen Staaten, deren Bewohner eine gemeinsame Identität teilen. Die Zugehörigkeit der Menschen dort wird in erster Linie durch die Großfamilien und Stämme definiert. Die Zentralmacht, also der Diktator garantiert dann eine funktionierende Staatlichkeit. Wird dieser gestürzt finden Kriege auf der Ebene von Stämmen oder Warlords statt, die Sold zahlen können. Insofern ist die Ausgangslage mit Europa nicht zu vergleichen, in dem sich Völker auch nach dem Sturz einer Regierung als Staaten organisieren, bzw. organisiert bleiben und militärische Gewalt ausschließlich von einer staatlich kontrollierten Armee ausgeübt wird. Das Modell der Nation ist in Weltregionen, die seit vielen Jahrhunderten durch Imperialmächte organisiert wurden, nur noch vereinzelt vorhanden. Insofern darf man sich auch nicht über die atavistische Form der Kriegsführung durch Kriegergruppen wundern, wenn man den Diktator stürzt.

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