Post an Wagner - Hoppla, der Lobo ist kaputt!

Die Schelmenkolumne: Unser Autor Alberich lehrt Wagner und die deutsche Seele das Fürchten. Immer montags und immer böse. Heute: Das Internet ist kaputt

Post an Wagner
Franziska Daxer

Autoreninfo

Alberich ist Autor der Schelmenkolumne "Post an Wagner". Er ist politischer Feuilletonist, Publizist und Wüterich. Nachdem Alberichs schier end- und erfolgloses Werben um die Rheintöchter bekannt wurde, zog er sich aus der Öffentlichkeit komplett zurück und schrieb die wohl längsten Haikus der Neuzeit. Zuletzt ist sein Empörungsroman "Funktionskleidung gehört abgeschafft, Jack Wolfskin erschossen" im Mariamierscheid-Gedächtnisverlag erschienen.

So erreichen Sie Alberich:

Lieber Wagner,

hätten Sie’s gewusst? Das Internet ist kaputt!

Was für ein Schock. Das Internet ist kaputt! Sagt Sascha Lobo, der Kammgeschwollene, der Netzbeschrillte, der Internetexperte. Wobei die Frage erlaubt sein muss, was das eigentlich genau ist, ein Experte fürs Internet? Und ob es eigentlich auch Außernetzexperten, also Echte-Welt-Fachleute gibt? Falls ja, bitte melden.

Aber gut. Kaputt also, das Netz. Hätte ich es doch vorher wenigstens abgespeichert, oder ausgedruckt. Dumm.

Testen wir also mal die neueste Erkenntnis des Herrn Lobo:

Wir geben ein: www.cicero.de... Aha. Die Seite lädt. Bilder, Zeilen, Text – voilà! Nix kaputt, Herr Lobo. Pustekuchen. Läuft!

Ach so. Das Internet sei im übertragenen Sinne kaputt. Meint der Lobo. Na dann.

Und er muss es ja schließlich wissen. Denn Lobo ist quasi das Internet. Und Internet ist Lobo. Laut, durchlässig, halbsatzorientiert.

Während wir Analogfuzzis uns noch mühsam einspurig, unter ächzendem Modemgeräusch, für 3 Mark 50 die Stunde, in die Welt der Virtualität einzuloggen suchten, nahm Sascha Lobo bereits auf den Stühlen bundesrepublikanischer Talkshows Platz, um in der Funktion des Advokaten Virtuli die unendlichen Möglichkeiten des World Wide Web lobzupreisen, die Blogosphäre abzufeiern und althergebrachte Journalisten als archivierte Offline-Idioten zu verspotten.

Und nun das. Er zweifelt. Er irrt. Armer Lobo. Armes Netz. Das Internet sei gar nicht das erhoffte Demokratiebiotop. Die Überwachung hingegen total. Vom Philodigitalen zum Antivirtuellen. Innerhalb eines Ladevorgangs. Respekt.

Ja, und fast hätten wir ihm geglaubt, den Irrtum, den Zweifel. Fast. Diesen so herrlich vorgeschobenen Zweifel, der allein der Festigkeit der eigenen Position, des eigenen Egos dient.

Alles neu und wie immer. Also. Lobo sagt das, was man eh schon immer wusste. Nur sagt er es wie immer so, als wüsste man es nicht. Avantgarde im Clownskostüm.

Fassen wir zusammen: Internet ist gar nicht kaputt und auch Lobo läuft rund:

Als Pionier: „Es ist Teil meines Berufs und meiner Persönlichkeit, die Verwerfungen der digitalen Gesellschaft früher wahrzunehmen als andere.“

Als Prophet: „Kaum jemand ahnt, wie weit die Digitalisierung und Durchprogrammierung der Welt vorangeschritten ist.“

Als Zweifelnder: „Was für unglaublichen Pfosten bin ich im Netz begegnet, und aus heutiger Sicht war ihre Position zur Überwachung näher an der Realität als meine.“

Und auch das überrascht nicht im geringsten, Herr Lobo.

Was bleibt also?

Stecker ziehen.

Zeitung. Kaffee.

Offline.

Schmerzlichst,

Ihr Alberich

 

 

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