Meinungsfreiheit - Die Jagd auf Professoren

Professoren sehen sich verstärkt Anfeindungen aus der Studentenschaft ausgesetzt. Der Vorwurf: Sie sollen rechtsradikal, militaristisch oder sexistisch sein. Der Fall des Historikers Jörg Baberowski zeigt, wohin es führt, wenn man für seine politische Meinung an den Pranger gestellt wird

Ein Bild zeigt eine vermummte junge Frau, davor sitzen Studenten
Durch das Internet bekommen die studentischen Aktivitäten eine ganz neue Dynamik / picture alliance

Autoreninfo

Dr. Klaus-Rüdiger Mai, geboren 1963, Schriftsteller und Historiker, verfasste historische Sachbücher, Biographien und Essays, sowie historische Romane. Sein Spezialgebiet ist die europäische Geschichte. Foto: Herder

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Es war ein höchst ungewöhnlicher Schritt, den der Fachbeirat Wissenschaft der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am 5. April unternahm. Er verurteilte in einer öffentlichen Erklärung die seit Jahren geführte Kampagne zur fachlichen und persönlichen Diskreditierung des Historikers Jörg Baberowski, „die darauf abzielt, über die Reputation eines herausragenden Fachgelehrten hinaus die wissenschaftliche Streitkultur in unserem Land dauerhaft zu beschädigen“. Zuvor hatte bereits das Präsidium der Humboldt-Universität zu Berlin festgestellt: „Die wissenschaftlichen Äußerungen von Jörg Baberowski – insbesondere in ihren Kontexten – sind nicht rechtsradikal.“ Die Geschichte, die zu diesen dezidierten Stellungnahmen trieb, mutet auf den ersten Blick grotesk an.

Baberowskis Leidensweg beginnt im Jahr 2014, als er eine Veranstaltung mit dem Trotzki-Biographen Robert Service an der Humboldt-Universität veranstaltet. Dadurch zieht er sich den Hass einer trotzkistischen Splitterpartei zu, die sich über ihre Jugendorganisation International Youth and Students for Social Equality (IYSSEE) in der Humboldt-Universität zu etablieren vermochte. Die „mächtige“ IYSSEE vertritt bei näherem Hinsehen jedoch nicht mehr als 0,1 Prozent der HU-Studenten.

Psychoterror an der Uni

Das Internet enthebt inzwischen Aktivisten davon, Menschen überzeugen, Protest organisieren zu müssen, weil durch gezielte Kampagnen und Internetpräsenz der Eindruck einer Größe entstehen kann. Schnell wird im Netz eine Mücke zu einem Elefanten. Man kann es auch Psychoterror nennen, wenn kleine Gruppen gezielt gegen Professoren vorgehen, um sie einzuschüchtern.

Jörg Baberowski ist dabei nicht das einzige Opfer. Die anonymen Aktivisten des Blogs „Münkler Watch“ veröffentlichten alles, was in den Äußerungen des Politikwissenschaftlers Herfried Münkler ihrer Auffassung nach militaristisch, sexistisch oder rassistisch wäre. Der IYSSEE sieht in ihm gar einen Agitator des internationalen Imperialismus. Anderes Beispiel: Weil linke Studenten Anstoß daran nahmen, dass der Erziehungswissenschaftler Malte Brinkmann den „Rassisten“ Immanuel Kant behandelte, störten sie seine Vorlesung. Und der Soziologe Michael Makropoulos fiel den Aktivisten auf, weil seine Literaturliste zu „eurozentristisch“ war.

Rechte und richtige Gesinnung

Bei all diesen Verleumdungen bleibt immer etwas hängen und damit erleidet auch die Reputation des Professors Schaden. Das wiederum kann Auswirkungen auf die Drittmitteleinwerbung haben und damit die Forschung beeinträchtigen.

Zwar gehört es zum Wesen einer demokratischen Gesellschaft, dass jeder das Recht hat, an seine eigene Verschwörungstheorie zu glauben ob es sich dabei um geheime Strahlungen, Ufos oder die Weltherrschaft der Imperialisten handelt. Sich mit dem kruden Ideologiemix auseinanderzusetzen, ist schon deshalb obsolet, weil die Vorwürfe, wie Karl Marx sagen würde „unterhalb der Kritik stehen“.

Doch das ficht die Kämpfer für ein gerechte, durchgegenderte Welt nicht an, weil es ihnen nicht um Wahrheit, Wissenschaft und Menschlichkeit, sondern allein um Gesinnung geht. Jede Gesinnung allerdings, die für sich in Anspruch nimmt, dass ihr aufgrund ihrer hehren Ziele alles erlaubt sei, diskreditiert sich selbst. Denn diese Gesinnungen, die sich zu allem selbst ermächtigen, bauten Gulags und Arbeitslager.

„Staatlich gelenkte Kaderschmiede für rechte Ideologien“

Bei Jörg Baberowski allerdings nehmen die Aktivitäten, die von dem IYSSEE-Funktionär Christoph Vandreier, in Vorträgen ideologisch gestählt werden, inzwischen Züge von Stalking an. Im Internet werden Verleumdungen verbreitet, man versucht die Veranstaltungen des Professors zu stören, fotografiert ihn ohne Rücksicht auf seine Privatsphäre. Im vorigen Jahr gelang es den Berliner Aktivisten, den Asta der Bremer Universität zu überzeugen, eine Veranstaltung von Baberowski an der Universität zu verhindern.

Jörg Baberowski hat gegen die Verleumdungen und Beleidigungen Klage eingereicht und Recht bekommen. Allerdings muss er wie jede andere Persönlichkeit des öffentlichen Lebens das Attribut „rechtsradikal“ erdulden selbst wenn es inhaltlich nicht zutrifft. Denn auch das ist Meinungsfreiheit.

Christoph Vandreier rechtfertigt das Vorgehen gegen Professoren der HU damit, dass die Humboldt-Universität zu einer „staatlich gelenkten Kaderschmiede für rechte und militaristische Ideologien“ werde. Als problematisch benannte er die Präsidentin Sabine Kunst, die Professoren Herfried Münkler, Georg Nolte, Ruud Koopmans und natürlich Jörg Baberowski.

Die tiefere Dimension

Diese fortwährenden Angriffe könnten bei vorsichtigeren Naturen unter den Professoren aber dazu führen, dass sie beginnen, ihre Literaturlisten und Vorlesungen in vorauseilendem Gehorsam selbst zu zensieren. Damit würde freilich das Ende der Freiheit von Lehre und Forschung einsetzen. Diese Gefahr machte die Stellungnahme des Präsidiums der HU im Grunde längst überfällig.

Doch der Vorgang hat eine wesentlich tiefere Dimension. Zu fragen ist nach dem gesellschaftlichen Klima, das inzwischen Denunziation und Verächtlichmachung, Zensur und Selbstzensur zu Attributen des Guten und Gerechten macht. Es ist dringend geboten, das Zensur-Gesetz von Justizminister Heiko Mass zur Diskussion zu stellen. Es ist erforderlich, Familienministerin Manuela Schwesig zu fragen, warum sie lieber Geld für die Amadeu Antonio Stiftung ausgab und damit einen Internetpranger finanzierte, anstatt dieses Geld zur Linderung der Kinderarmut einzusetzen. Der gesellschaftliche Diskurs muss auch über Nebelkerzen wie „Fake News“ und „postfaktisch“ geführt werden.

Gegen Argumente, nicht gegen Personen

Denn es geht nicht um einen Fall Münkler oder um einen Fall Baberowski, es geht um die Meinungsfreiheit und damit generell um die Freiheit. Ein erster Schritt in diese Richtung besteht darin, sich mit den Argumenten des anderen auseinanderzusetzen und nicht die Person herabzusetzen.

Gerade in Diktaturen bediente man sich gern des argumentum ad hominem, denn die moralische Diffamierung enthob von der Verpflichtung, sich mit den Argumenten des Verketzerten auseinanderzusetzen. Hannah Arendt hat aus eigener Erfahrung festgestellt: „Das argumentum ad hominem ist der Ruin jeder Verständigung, weil es etwas einbezieht, was außerhalb der Freiheit des Menschen steht.“ Wenn wir den freien und ohne persönliche Herabsetzung geführten Meinungsstreit in der Sache nicht zulassen, dann wird sich die Gesellschaft radikalisieren und zwar rechts und links.

Ralf Müller | Mo, 10. April 2017 - 12:17

Das ist Endpunkt einer Entwicklung. Zu meinen zeiten gab es auch radikale Stur-Vertreter, aber es gab handfeste Gegenstimmen. Handfest deshalb, weil Einschüchterung nur verbal funktionierte. Wir haben uns im Zweifel sehr handfest zur Wehr gesetzt, weil wir ausgesprochen wehrhaft waren.
Heute kommen linksgrüne Ideologen massenweise von den Gymnasien, wo sie von linksgrüner Lehrerschaft seit langem ideologisiert werden. Diese Radikalen finden sich dann an den Hochschulen wieder. Wundert es da ernsthaft, warum Angriffe auf Andersdenkende im Lehrkörper normal sind? Mich wundert da nichts.
Im Gegenteil. Es kann nicht anders sein.

Beginnend mit der 68-er Generation ist das Pendel in Deutschland weit nach links ausgeschlagen. Davon betroffen sind viele Bereiche: die Politik, die Justiz, die Kunst, die Medien und natürlich auch die Schulen, Hochschulen und Universitäten. Nach meiner Überzeugung haben eine wachsende Anzahl Menschen genug von dieser sehr einseitigen Meinungsmache, zumal alle derzeitigen Bundestagsparteien im Grunde eine eher linke Politik vertreten. Wenn eine bestimmte Ideologie zu lange eine Gesellschaft geprägt hat, neigen deren Vertreter dazu, Andersdenkende auszugrenzen, nur noch die eigene Meinung anzuerkennen. Genau das geschieht zur Zeit. Alle abweichenden Meinungen zu Fragen der Energieausrichtung, zur EU, zur Zuwanderung u.ä. werden als rechts denunziert und mit allen Mitteln, auch mit Gewalt, bekämpft. Aber, das Pendel schwingt zurück. Ich hoffe, es wird in der Mitte haltmachen.

Herr Schuster, Sie erkennen ein Zurückschwingen des Pendels. Das will mir noch nicht so ganz gelingen. Ob es überhaupt noch zurückschwingen kann? Vielleicht ist der Schwung nach links so nachhaltig, dass er das ganze Uhrwerk zerstört. Und in einer zerstörten Uhr schwingt nichts mehr zurück.

in punkto Meinungsfreiheit liefert seit geraumer Zeit unser Justizminister Heiko Maas, der radikal gegen Hetzartikel u.ä. vorgeht, wobei er bestimmen möchte, wo Kritik endet und Hetze beginnt. Ein nahezu perfides Vorgehen gegen mündige Bürger bei einem SPD Mann wie Heiko Maas, der hinter jedem Strauch und Busch einen verkappten NAZI vermutet.

Sie haben recht Herr Schuster. Mit Ihrer Analyse und auch Ihrer Einschätzung, daß der Zenit des linken Meinungsdiktats überschritten ist. Diese ewiggestrigen in ihrem frühkindlich-naiven Weltbild gefangenen Möchtegern-Weltverbesserer spüren das auch, sonst würden sie nicht so hysterisch auf Brexit, Trump und nichtlinke Gegenbewegungen reagieren.

..und irritiert mich extrem, daß die Universitäten dies in solchem Ausmaße dulden (auf Schritte der Regierung zu hoffen habe ich (nicht nur diesbezüglich) natürlich längst aufgegeben)!!

Schuld sind auch die Studenten selbst. Unsere angebliche Elite von morgen drückt sich vor der demokratischen Mühe wählen zu gehen. Denn bei den ASTA-Wahlen sind immer unterirdisch geringe Wahlbeteiligungen. Aber die fanatischen Linken gehen hin und holen so ein Wahlergebnis (und da fließen auch Gelder über die der dann linke ASTA verfügen kann), daß der eigentlichen Gesamtmeinung gar nicht entspricht.
Als "Erwachsene" im Beruf und mit Familie ist das Wahlverhalten der früheren Nichtwähler/Studenten dann offenbar anders. Sonst könnte die CDU nicht die stimmenstärkste Partei werden.

Das ist absolut richtig in der Analyse und ich würde es gerne noch etwas ergänzen, denn man muß nur alt genug sein um die ganze Entwicklung seit den 68-iger Jahren zu überblicken. Während ein größerer Teil der Bevölkerung seiner Arbeit nachging , saßen die Verehrer von Adorno, Horxheimer, Sadre usw. in den muffigen Kaffees zusammen und fröhnten ihren Idolen um das verhaßte Etablisment anzugreifen. Die linken Eiferer bedienten sich damals auch des Leitsatzes des bedeutenden italienischen kommunistischen Vordenkers Gramsci, dessen Maxime es war, durch Erlangung der Meinungshoheit an die Macht zu kommen. Dieses Denken und Handeln war das Rückgrat der neuen Linken, aus denen dann die Grünen hervorgegangen sind. Wie man erkennen kann, hat diese Idiologie doch sehr viel bewirkt und die Resultate sind politisch überall erkennbar. Es wird lange dauern diese linke Entwicklung zu neutralisieren, wenn es überhaupt gelingt.

Wann waren Sie das letzte Mal an einem Gymnasium? die Lehrerschaft dort ist genauso heterogen wie in anderen Beereichen der Gesellschaft auch. - Nehmen Sie bitte Ihre ideologische Sonnebrille ab.

Die Lehrerschaft dort ist genauso heterogen wie in anderen Bereichen der Gesellschaft auch. - Zitat.

Der Herr beliebt zu scherzen.

Die Lehrerschaft mag stellenweise heterogen sein, aber die vermittelten Lehrinhalte sind es nicht. Die Lehrer die nicht dieser Meinungs- und Gesinnungsdiktatur unterliegen, trauen sich meist nicht sich dem zu widersetzen. Unsere Kinder bekommen dann Texte vorgesetzt, in denen ihnen erklärt wird, wie man einen Rechstradikalen erkennt, da diese ja nicht mehr immer in Bomberjacke und Springerstiefeln rumlaufen. Nein, sie Tragen marken wie Lonsdale (die Buchstabenfolge NSDA ist darin enthalten) oder Shirts mit den Zahlen 18 (= AH) oder 88 (=HH) als Erkennungszeichen. Als nächstes kommen noch Cola und Kaffee auf den Index weil es braune Getränke und der Führerschein zum Unwort erklärt. Schon hier wird Gehirnwäsche betrieben sowie Paranoia und Denunziation gefördert. Das sind die Studenten von morgen.

Heterogene Lehrerschaft? Vielleicht - aber nicht in den Fächern Politik und Sozialkunde und auch Wirtschaft , da sich auch diese Lehrkräfte aus ersteren Studiengängen rekrutieren. Diese schreiben auch die Schulbücher! Wober wundern wir uns da?
Wenn in Schulbüchern nur von bösen Konzernen und Banken die Rede ist, Handwerk und Mittelstand nicht stattfinden und als Partizipationsmöglichkeit am Wirtschaftsgeschehen den Schülern nur die Adresse von Greenpeace genannt wird, kommt es halt zu entsprechenden Studierenden.

Sie beklagen - womöglich zu recht - verbale Angriffe. Um dann als Gegenmaßnahme körperliche ("handfeste") Gewalt zu empfehlen? Das kann nicht Ihr Ernst sein.

Zumal: Barberowski und Münkler gehören bis weit ins linke Spektrum zu den bekanntesten und angesehensten Forschern ihrer Zunft. Die müssen sich nicht von einer winzigen Minderheit einschüchtern lassen, sondern können deren Argumente zerlegen oder drüber lachen. Gerade Münkler hat die Claqueure mit seiner etwas weinerlichen Auseinandersetzung ja regelrecht geadelt.

Robert Müller | Mo, 10. April 2017 - 12:59

Ich hatte mir seinerzeit den Blog „Münkler Watch“ angesehen und ich fand nicht, dass der für Herfried Münkler unerträglich wäre. Das was dort geschrieben wurde, war normale linke Kritik, die ein Prof auszuhalten hat. Heute kann auch aus der rechten Ecke Kritik kommen und auch die ist auszuhalten, wenn es keine Verleumdung ist.

Natürlich ist Kritik in Zeiten des Internets anders als früher, aber daran gewöhnt man sich. Ist letztlich nicht anders als hier im Cicero. Ich selber bin das als Wikipedianer auch gewöhnt. Das eigentliche Problem ist nicht die Kritik, sondern wie mit der Kritik umgegangen wird, z.B. von einer Berufungskommission an einer Uni. Ist man dort der Meinung, dass studentische Kritik das Aus für einen Professor bedeutet, dann läuft dort etwas falsch. Meinungsvielfalt muss man bejahen, wenn Meinungsfreiheit bewahrt werden soll, denn sonst herrscht der politische Einheitsbrei, das Mitläufertum.

Michaela Gmeiner | Mo, 10. April 2017 - 16:20

In reply to by Robert Müller

Nicht der Umgang mit der Kritik ist das Problem, lieber Herr Müller, sondern wie diese Kritik zum Ausdruck gebracht wird. Solange sie sachlich und kompetent erfolgt, ist nicht das Geringste dagegen einzuwenden, wird aber das Leben, die Existenz oder die Reputation dadurch bedroht, bedroht, dann ist das ganze keine Kritik mehr, sondern nur noch ein feiger Angriff auf eine Stimme, die zum Verstummen gebracht werden soll. Eine Spezialität der Linken. Ich jedenfalls habe noch keinen Links-Grünen kennen gelernt, der jemals mit offenem Visier gekämpft hat.

Robert Müller | Mo, 10. April 2017 - 22:03

In reply to by Michaela Gmeiner

Wie soll denn "das Leben, die Existenz oder die Reputation" durch studentische Kritik bedroht sein? Bei „Münkler Watch“ hatte ein Student Texte aus der Vorlesung in einem Blog wiedergegeben und die Meinung dazu geschrieben. Das ganze wurde mit Flugblättern in der Vorlesung beworben. Münkler kritisierte damals, dass das anonym war. Die Antwort darauf war, dass man als Student von den Profs abhängig sei und deshalb anonym bleibe. Imho etwas feige. Die Bedrohung wird im Text als "Auswirkungen auf die Drittmitteleinwerbung" benannt. Diese Argumente erinnert mich an Merkels Worte von der „marktkonformen Demokratie“. Wie steht es mit den Kommentaren im Cicero? Die sind deutlich AFDnah und was wenn der Cicero deshalb weniger Werbeeinnahmen hat? Im übrigen, wenn eine trotzkistische Partei den Ruf eines Profs beschädigen kann, dann liegt das Problem bei den Rezipienten dieser Kritik, weil die das nicht einordnen können.

Udo Dreisörner | Di, 11. April 2017 - 08:58

In reply to by Michaela Gmeiner

..gebe ich Ihnen volkommen Recht Frau Gmeiner

Karin Zeitz | Mo, 10. April 2017 - 13:07

und die insbesonders von den Linken propagierte pluralistische Gesellschaft. Wir erleben jetzt eine auf eine einseitige politische und gesellschaftliche Umerziehung der ganzen Gesellschaft ausgerichtete Ideologie, die auch vor der Stigmatisierung Andersdenkender nicht halt macht.

Sehr geehrte Frau Seitz, beinahe gebe ich Ihnen recht: .....die auch vor der Stigmatisierung Andersdenkender nicht halt macht ....Ganz im Gegenteil: das IST die Ideologie!

Ganz so pessimistisch wäre ich nicht. Natürlich ist es schade das sich die Universitäten (leider nicht nur in Deutschland) als
ein Hort der kultivierten Auseinandersetzung zwischen gängigen und neuen Auffassungen sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf politischer Ebene ins Abseits manövrieren und irrelevant werden. Aber diese Diskusionen und Auseinandersetzungen finden dann eben woanders statt. (z.B. bei Cicero)

Roland Haberkorn | Mo, 10. April 2017 - 13:15

...ist die Kritik gegen Jörg Baberowski teilweise zu verstehen. Der Streit um die Einschätzung der Nazis geht weiter und Baberowskis Meinung etwa zu Ernst Nolte muss diskutiert werden.

Ironisch ist allerdings, dass die hier erwähnte Jugendorganisation International Youth and Students for Social Equality (IYSSEE) den "Sturz des Kapitalismus zum Ziel" hat. Das hatten die Nazis ja auch!

Übrigens läuft die "Debatte" im (sehr kapitalistischen!) Internet auf Hochtouren und ist viel spannender als ergebnisoffener als an irgendwelchen Unis. Den Nazis hätte das (derzeit noch) sehr freie Internet sicherlich nicht gepasst.

Martin Wienand | Mo, 10. April 2017 - 13:48

Habe vor zwei Jahren im Münchener Audi-Max miterlebt wie irgendeine K-Gruppe den Vortragenden - einen international geachteten buddhistischen Lehrer aus dem Umkreis des Dalai Lamas, einen Mann, der für Frieden und Mitgefühl steht - durch laute Störrufe und aggressive Saalstürmung anfeindeten. Der Mann blieb zum Glück äußerst gelassen und bewies Humor.

Was für eine äußerst peinliche Aktion der Linken. Früher ganz interessant, heute nur noch strunzdumm.

Julia Wille | Mo, 10. April 2017 - 16:27

Ich stelle mir das politische Spectrum gerne als Kreis vor, Links- und Rechtsreadikale sind damit am weitesten weg von den " normalen " Bewegungen , aber sich selber sehr nahe.
Im übrigen gibt es Fanatiker überall, bei den Religiösen, in Umweltvereinen usw. - im Prinzip alle die anderen gewaltsam ihre Meinung überhelfen. Ich habe in meiner Heimat Kanada das selbe erlebt, oft erstaunen die Mitwirkenden duch unheimliche Arroganz und Selbstgerechtigkeit, gepaart mit Dummheit.
Es gibt z. Bsp. eine sehr interessante Dokumentation "Angry Inuk" ( Inuit die gegen das Seehundpelzverkaufsverbot kämpfen und von den "Umweltorganisationen" nicht mal einer Antwort gewürdigt werden, gleichzeitig wurden jedoch Inuit Aktivisten mit unglaublichen Hass- und Morddrohungenen im Internet bombardiert).
Es scheint aber durchaus notwendig, das Diskutieren z. Bsp. an Schulen zu lehren, das Vertreten, Akzeptieren und Diskutieren von verschiedenen Meinungen.

Das stimmt! Es fehlt eindeutig an einer gesunden Debatten- und Streitkultur. Die Schulen vermitteln diese nicht, stattdessen werden vorgefertigte Meinungen vorgelegt und als Tatsachen festgelegt. Ein Meinungsfindungsprozess ist dabei ausgeschlossen.

jürgen waldmann | Mo, 10. April 2017 - 18:18

Im Internet ist die Unterdrückung der anderen Meinung nicht so schnell erkennbar , wie es noch in den Jahren der Weimarer Republik war . Da riefen
die Linksradikalen noch auf offener Strasse :
" und willst du nicht Genosse sein , dann schlage ich dir den Schädel ein ! "
wenn jemand eine andere Meinung oder Gesinnung hatte , die mit der eigenen nicht übereinstimmte . Heute kann man über das Internet einen Professor vernichten , der ein strittiges Thema an der Uni diskutieren will .

Roland Lissowski | Mo, 10. April 2017 - 18:29

"Denn diese Gesinnungen, die sich zu allem selbst ermächtigen, bauten Gulags und Arbeitslager." Volltreffer, Herr Mai! Außerdem führten diese fanatischen Gesinnungen zu massenhaften Völkermorden in der Menschheitsgeschichte, und dazu, dass sich Menschen schlimmer als Raubtiere gebärdeten. Wehe, wenn sie losgelassen...

Rolf Pohl | Mo, 10. April 2017 - 18:43

... bedienen ihr Beuteschema gern per konstruierter Vorwürfe wie: "Rechtsradikal", "Militaristisch", wobei Sexistisch selbstverständlich auch jederzeit gern genommen wird.
Passt irgendwie immer und überall da wo sie auf jemanden treffen dem sie nicht ganz zu folgen in der Lage oder der/die schlicht die durch nichts zu beirrende, verkündete Weltsicht nicht automatisch als Maßstab von Deutungshoheit erkennt oder einstuft.
Irgendwann, dann wenn einmal das Selbstmitleid über den zeitweisen Verlust der eigenen Fähigkeit zuzuhören endet, hört das das auf.

Heinrich Niklaus | Mo, 10. April 2017 - 19:51

Bereits der französische Staatstheoretikers Charles de Tocqueville hat zutreffend festgestellt, dass anders als in Despotien in Demokratien die Freiheit der Gedanken nicht unmittelbar eingeschränkt, sondern durch die Ächtung in der Gesellschaft begrenzt werde. Es solle demnach jeder die Freiheit besitzen zu sagen, was er wolle, doch Andersdenkenden werde der soziale Umgang schlicht und ergreifend unmöglich gemacht.

Ich habe aber die Hoffnung, dass der links-grüne Mainstream den Wirkungszenit überschritten hat. Die Wahlergebnisse im Saarland und die Umfragen in NRW deuten daraufhin.

Rudolf Urban | Mo, 10. April 2017 - 20:09

Es ist mir unerklärlich, was in der Bundesrepublik alles unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit geschehen darf. Eine Teil der Studenten radika-lisiert sich links und keine Institution schützt die verleumdeten Professoren vor den linken Idioten. Wie weit ist es da noch zur RAF neuester Prägung? Wie weit ist es da noch zum linken Terrorismus? Die Rechtsstaatlichkeit in der Bundesrepublik ist arg verkommen! Besonders die ideologisch durchgeknallten Linksradikalen können ohne Eingreifen der Uni-Leitung, ohne Eingreifen des Staates (Senates) ihren Gesinnungsterror ausüben. Warum schmeißt man diese Leute nicht von der Uni? Warum? Weil in Berlin der Senat ähnlich tickt - oder was ist sonst der Grund??

Sebastian Roob | Mo, 10. April 2017 - 20:42

Sehr wichtig ihr letzter Absatz und insgesamt exzellente Problemdarstellung. Ich ergänze nur in einem Detail:

Meines Erachtens nach wird auch zu viel Energie auf das korrekte Wording gelegt, weil selbst das singuläre Wort in Ideologien miteinbezogen wird.

Ruth Müller | Mo, 10. April 2017 - 21:27

Diese Geschichte ist justitiabel.
Was ist mit der Hochschulleitung los?
Oder gibt es gar keine?

Wie kann eine Trotzkistische Splittergruppe die Agenda an einer Deutschen Hochschule 2017 bestimmen?

Oder gibt es Druck aus den Trotzkistischen Reihen der Grünen die ja jetzt sogar schon Innensenatoren stellen.

Wo ist der Aufschrei der Bürgerlichen Mehrheit?
Oder ist diese auch schon eingelullt und verblödet?
Entschuldigung(!) für die drastische Ausdrucksweise!
Mir fehlen sachliche Argumente zu diesem Anachronismus.

Es geht um unser Land und unsere Jugend - Zukunft!

Alexander Mazurek | Mo, 10. April 2017 - 23:09

... ist eine Fratze des Bösen, seitdem die Aufklärung entgleist ist, spätestens seit der Französischen Revolution eines Marquis de Sade. Der Jakobinismus, Bolschewismus, Stalinismus, Nationalsozialismus und Maoismus sind mir Beweis genug. "Links" oder "Rechts" trennt nicht mehr "modern" und "altmodisch", sondern zwei perverse Seiten derselben verkommenen modernen Medaille. Hannah Arendt schrieb in "Wurzeln des Totalitarismus" darüber, ach Raul Hilberg hat darauf hingewiesen, dass der Holocaust Ausdruck "der Moderne" ist, wie auch Zygmunt Bauman. Die 68er waren und sind des Bösen "humanistische" Auferstehung, sie haben ihren Marsch durch die Institutionen vollendet, zersetzen und verderben von innen die Zivilisation, ziemlich wirksam. In pursuit of happiness. Schade. Wahltag ist Zahltag. Aber was bewirken schon Wahlen ohne eine Wahl?!

Corinna Los | Di, 11. April 2017 - 08:22

Gehört alles zum Lauf der Geschichte.
Oder glaubt man tatsächlich, dass die Menschen und Bürger plötzlich eine Leidenschaft für gegenderte Toiletten und Mitgliedsquoten für Transgenderpersonen entdeckt haben. Warum hat man in den den USA wohl Trump gewählt? Weil Clinton mit diesem bullsh.. den Wählern auf den Senkel ging. Warum saufen die Grünen derzeit wohl bei den Wählern ab? Und selbst im linken Hamburg hat keiner mehr Bock auf die Antiglobalisierungsspinner mit Pussymützen und Regenbogenfähnchen. Der Rollback der Vernunft hat schon längst begonnen. Die zwar straff organisierte, aber dafür traditionell rückständig verhaftete Alternativeszene an rückständigen Unis hat längst begriffen, dass ihnen die Fälle davon schwimmen. Das haben sie gemeinsam mit den wild umsich schlagenden Populisten Maas und Schwesig. Nach Jahren immer noch nichts vorzuweisen, außer eine noch nie in dieser Dichte gegebenen Erosion des Rechtsstaats und eine stetig hoffnungslosere Mittelschicht.

ralf müller | Di, 11. April 2017 - 08:59

Es trifft zu, auch die radikale Umweltbewegung hat unausstehliche Vertreter, die kaum Dialog zulassen.
Es gibt keine Einwände, dass Inuit maßvoll für ihre eigenen Belange Seehunde jagen. Aber ich bin klar für ein verkaufsverbot von Seehundpelzen außerhalb der Inuit. Ansonsten würde ein Markt geschaffen, der maximale Nachfrage schafft und die Seehundpopulation dem globalen Kommerz opfert. Das darf nicht sein. Aber ich höre mir Gegenargumente immer an, es sei den, der Absender ist wegen seines früheren Verhaltens kein Dialogpartner.

Dennis Staudmann | Di, 11. April 2017 - 09:59

hat gezeigt, wie mächtig die linke Studentenschaft inzwischen ist. Der Mann war ein hauptamtlicher Mitarbeiter der MfS, hat dann versucht das zu verheimlichen und sich dann als naiven Jugendlichen dargestellt, der nicht wusste, was er tut. So wie es bei jedem anderen, der sich so verhalten hat, praktiziert wurde, kündigte ihn die Humboldt Universität. Es folgen Proteste linker Studenten und siehe da, die Kündigung wurde zurückgezogen. Wenn man also den potentiellen Tätern vergibt und sich offenbar nach einer Neuauflage eines stalinistischen Paradises sehnt, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die, die damals eingesperrt wurden, bald wieder um ihre Freiheit fürchten müssen.

Dr. Roland Mock | Di, 11. April 2017 - 10:48

Ich gestehe, ich war mal Student an der HUB. Habe damals oft versonnen vor dem Humboldt-Denkmal gestanden und geträumt, wie es wäre, an selber Stelle zu studieren, ohne nach der Vorlesung zu einem "Polit"-Seminar abkommandiert zu werden, mit dem Seminarleiter diskutieren zu müssen, weshalb ich zu irgendeinem " Kampftag der Arbeiterklasse" kein FDJ-Hemd getragen habe etc. etc. (Anmerkung: Das waren noch die kleineren Probleme; eindeutig größere folgten). Nie, wirklich nie hätte ich für möglich gehalten, was heute, d.h. n a c h dem Ende des Kommunismus, an "meiner" Uni abgeht. Der Bericht des Herrn Mai erschüttert mich einfach nur.

susan vollmer | Di, 11. April 2017 - 11:46

Ich hoffe, das mit Mass und Schwesig hat sich im Herbst erledigt. Bleibt aber die Frage, ob Menschen endlich wieder Verantwortung übernehmen und nicht einfach alles geschehen lassen.
Und nein, Herr Müller, ganz normale Kritik war das nicht, sondern es war übergriffif und zutiefst feige.

Matthias Noack | Di, 11. April 2017 - 12:03

ist so eine Diffamierung eine gute Werbung für das vermeintliche Opfer. Was man bekämpft verstärkt man. Spiritueller Grundsatz.

Jacqueline Gafner | Di, 11. April 2017 - 12:47

Egal, worin ihre jeweilige Heilslehre besteht, Gesinnungsterroristen ticken weltweit seit jeher alle gleich und sind anhand weniger Merkmale zuverlässig zu erkennen. Gesamtgesellschaftlich irrelevant, ausgestattet mit einem übersteigerten Sendungsbewusstsein, in Kombination mit einem ausgeprägten Tunnelblick, unfähig zum Dialog, da im Vollbesitz der einzig seligmachenden Wahrheit, fixiert auf Sündenböcke und hochaggressiv, mangels nennenswertem Zulauf zu ihrem ideologischen Angebot. Das ist alles nicht neu. Neu ist nur, dass es im digitalen Zeitalter ungleich einfacher als früher ist, Aufmerksamkeit für sich dadurch zu erzeugen, dass man auf einzelne bekannte Exponenten anderer Weltanschauung fokussiert und deren fachliche und/oder persönliche Reputation mittels Diffamierung gezielt zu untergraben sucht, nachdem ihnen anders nicht beizukommen ist. Und das selbstredend in der Hoffnung, dass der Psychoterror seine Wirkung auch auf Dritte nicht verfehlen werde. Armselig und widerlich.

Kostas Aslanidis | Di, 11. April 2017 - 16:08

passen eher zur Hitler. Alles ist identisch. Wer gegen mich ist, wird eliminiert. Nicht mal
eine Meinung hören, sind die fähig. Links ist Willkür. Noch nie haben linke bei Wahlen gewonnen, weil ihre Argumente nicht überzeugen. Dann schreien sie "Revolution" .

Ruth Falk | Di, 11. April 2017 - 16:32

ist- nach Barbier von Sevilla- ein Lüftchen. dass sich zum Sturm entwickelt: "und der Arme muss verzagen....schuldlos geht er dann als Ehrenmann zugrund".
War also schon immer ein probates Mittel, anderen ans Bein zu pinkeln, die NAZIs und dann die STASI-IS habens gezielt benutzt, Andersdenkende auszuschalten.
Mit den heutigen Kommunikationsmitteln in der Hand jeden Esels kann man nur beten, dass die so Angegriffenen sich ein genug dickes Fell zulegen, die Shitstorms wird man nicht verhindern.
Wäre nützlich, schon in den unteren Schulklassen sowohl Rede- als auch Diskussionskultur zu üben, man hat vor lauter "Fortschritt" das Mieinander und die Menschlichkeit verloren. Der Teufel wird die Handies nicht zurück in die Flasche kriegen.

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