Karl May - Old Shatterhand als Missionar

Nicht einmal in den Abspann der Neuverfilmung seines eigenen Romans schaffte es Karl May. Er droht, in Vergessenheit zu geraten. Doch gerade sein christliches Vermächtnis ist 105 Jahre nach seinem Tod noch nicht ausgeschöpft

Eine Büste des Schriftstellers Karl May  in der großen Bibliothek des Karl-May-Hauses in Radebeul bei Dresden.
Auf seine Weise ein frommer Christ: Karl May / picture alliance

Autoreninfo

Prof. Dr. Werner Thiede ist evangelischer Pfarrer, Publizist und außerplanmäßiger Professor für Systematische Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Sein neuestes Buch heißt „Evangelische Kirche – Schiff ohne Kompass? Impulse für eine neue Kursbestimmung“ (WBG: Darmstadt 2017).

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Gerät Karl May zu­nehmend in Vergessenheit? Millionenfach verkauft, geht der Buchabsatz seit einiger Zeit deutlich zurück. Die neue Winnetou-Verfilmung für das Fernsehen versuchte zwar Figuren seiner Werke wiederzubeleben, entferte sich dabei aber so weit von der Vorlage, dass Mays Name weder im Titel noch im Abspann auftaucht. Für ein friedliches Miteinander der Kulturen habe May geworben – soviel kam gerade noch rüber. Wer aber erinnert sich noch daran, dass der fleißige Romancier auf seine Weise frommer Christ war und „Missionar“ sein wollte? Wer weiß, dass er unter dem be­zeichnenden Titel „Him­melsgedanken“ sogar einen ganzen Band mit spirituellen Gedichten und Apho­ris­men veröffentlicht hatte? Und dass sein einziges Theaterstück nicht zufällig „Babel und Bibel“ heißt?

Einst hatten sogar Bischöfe seine Bücher warmherzig empfohlen. Den Fans seiner vielen Reiseer­zählungen kann nicht entgangen sein, wie hier ein christlich motivierter Künstler seinen Glauben direkt und oft auch indirekt in seine Werke einfließen ließ. Doch als auf dem Höhepunkt von Mays Erfolg seine Vorstrafen bekannt wurden und sich herumsprach, dass er all die so anschaulich geschilderten Abenteuer gar nicht selbst erlebt hatte, beschädigte dies massiv sein Ansehen. Wenn er im vorgerückten Alter angesichts vielfältiger Angriffe versuchte zu verdeutlichen, dass seine Arbeit zutiefst vom christlichen Glauben her motiviert gewesen sei, so war das jedoch keine un­glaubwürdige Verteidigung, sondern im Grundansatz plausibel – abgesehen von einigen aus der Not geborenen Zurechtlegungen.

Spiritualität bestimmt sein Schaffen

Schon den jun­gen Men­schen hatten eine fromme Großmutter und dann während seiner Ge­fäng­nisjahre ein katholische Seel­sorger geprägt. Eigene Studien und Refle­xio­nen haben seinem Glauben auch einen theo­so­phi­schen Zug verliehen, aber ohne ihn zu beherrschen. So bewusst es dem begnadeten Er­zähler war, dass er kein studierter oder gar kon­fessionell festgelegter Theo­loge sei, so sehr hielt er an einer christ­lich geprägten Grund­spi­ritua­lität fest. Sie dien­te nicht etwa bloß zu gelegentlicher Aus­schmückung, sondern war mitbe­stim­mend für sein Schaf­fen.

Als ethisches Kernmotiv er­weist sich immer wieder die erstrebte, obschon in dieser Welt nicht perfekt gelingende Ge­walt­ver­mei­dung. Im Alter erklärte er, dass sich Entwicklungen des Geschehens nicht selten vom Niedrigen ins Hohe, ins Gebirge hinauf, abspielen. Schon als ganz junger Schriftsteller hatte May „Geo­gra­phi­sche Predigten“ ver­öffent­licht und dort bemerkt: „Die Heimat, die da droben unsrer wartet, zieht unser bes­tes und schärfstes Denken himmel­wärts und nimmt unser Fühlen und Wollen gefan­gen.“ Dass May mit dem Be­kenntnis zur Sehnsucht nach der „himmlischen Heimat“ auch eine Aus­sage über sich selbst ge­macht hat, steht fest. Noch im Umbruch zu seiner sym­bolischen Spät­phase schrieb er: „Wer die ‚Geographischen Predigten‘ nicht gelesen hat, ist vollständig un­fä­hig, meine Vor­aus­set­zungen und Ziele zu kennen, meine Art und Weise zu begreifen, mein Denken und Wollen zu verstehen.“

Der Glaube ist in Jedem

In der frühen Erzählung „Im ‚Wilden Westen’ Nordamerikas“ bekannte sich Karl May bereits zu der lebenslang durchgehaltenen Überzeugung: „Ein jeder Mensch ist ein Ebenbild Gottes, der die Liebe ist; alle Gesetze menschlicher Entwicklung sollen sich auf das eine, große Gesetz der Liebe gründen, damit das Ebenbild des großen göttlichen Meisters nicht be­leidigt, beschimpft oder entweiht werde.“ In manchen Romanen – keineswegs klischeehaft in allen – bekehrt sich am Ende ein bekämpfter Übeltäter zum Gottesglauben. Das ist kei­nes­wegs nur platte missio­narische Erzähl-Strategie, sondern vielmehr eine innere Ge­wissheit: „Der Gottes­funken ist im Menschen niemals vollständig zu ersticken, und selbst der Wildeste achtet den Fremden, wenn er sich selbst von diesem geachtet sieht. Ausnahmen gibt es über­all. Dürfte ich doch ein Pionier der Zivilisation, des Christentums sein!“ Wegen dieses Herzenswunsches hatte May übrigens am Fenster einen Zettel fixiert, mit dessen Worten er sich selbst mahnte: „Nicht predigen!“

Genau dies tat er jedoch immer wieder – ob in Prosa oder in Gedichtform. In dem erwähnten Gedichtband formulierte er als Gebet: „Hilf mir, o Gott, stets deiner zu gedenken, Und was ich thu, auf dich nur zu beziehn. Ich will nur dich allein im Aug behalten. Und geis­tig mich durch dich für dich gestalten.“ So spricht jedenfalls kein Heuchler.

In einem späten Brief heißt es: „Ich möchte der Mensch­heit meinen Glauben geben, geben, meine Liebe, meine Zuver­sicht, mein Licht, meine Wärme, mei­nen Gott!“ Wie ernst diese Worte zu nehmen sind, zeigen neuerdings mehrere Bücher. Neben Rainer Bucks „Karl May: Der Winnetou-Autor und der christ­liche Glaube“ ist als neu­ester Beitrag Peter Hof­manns „Karl May und sein Evangelium“ her­vorzuheben. Der katholische Theologe ver­tritt die These, May habe sich zwar von Anfang an in theo­lo­gischen Kontexten bewegt, sein „Evangelium“ aber nicht im engeren Sinn an der kirchlichen Tradition orien­tiert. Viel­mehr sei es „ein Be­kenntnis zu der Humani­täts­idee seines Lebens und Strebens“.

Mays sonnige, aber einsame Welt

Das würde ich so nicht unterschreiben. Beispielsweise finden sich in dem Roman „Und Friede auf Erden“ die Verse: „Gebt, was ihr bringt, doch bringt nur Liebe mit, das andre alles sei daheim geblieben! Grad weil sie einst für euch den Tod erlitt, will sie durch euch nun ewig weiter lieben.“ Hier klingt das Wort vom Kreuz an, das durchaus den Glauben an den dreifaltigen Gott voraussetzt. Schon im ersten Band der Gesammelten Werke ist von „dem tief im Herzen wurzelnden Got­tes­glauben“ die Rede. Das damit zitierte Bibelwort aus dem Zweiten Korintherbrief dürfte für May bedeutsam ge­wesen sein – hatte er doch eine von früher Armut und mancherlei Schick­sals­schlägen belastete Exi­stenz! Ein Schwa­cher, der gerade auch wieder im Alter sein Kreuz zu tragen und dem dabei der Glaube immer wieder aufge­holfen hatte. „Ich bin dem Hei­lande nach­gegangen und habe den Frieden des Herzens ge­fun­den“, konnte der Roman­cier als Old Shatterhand be­kennen.

In einem Brief ließ er einen tiefen Blick in sein Inneres zu: „Ja, es ist wahr: ich lebe in einer eigenen Welt. Sie ist so licht, so son­nig, und Engelsflügel schweben auf und nieder. Aber ich wohne da in großer Ein­samkeit. Aus dieser meiner Welt heraus sind meine Bücher ge­schrie­ben worden. Darum ist es nicht so leicht, ihren Inhalt zu begrei­fen.“ Das Phänomen Karl May ist gerade hinsichtlich seiner spirituellen Facetten noch längst nicht ausgeschöpft. Es verdient in unseren Tagen im Kontext seines 175. Geburtstags und 105. Todestags neue Wahrnehmung und Würdigung.

Heiner Hummel | So, 2. April 2017 - 10:56

Ich kenne keine klarere Darlegung des entscheidenden Unterschieds zwischen Christentum und Judentum als in Karl May’s Schilderung des Tods von Old Wabble. Egal wie schlimm, dessen Lebenswandel war, indem Old Wabble diesen unmittelbar vor seinem Tod bereut und sich auch taufen läßt, ist seine Seele gerettet. Dies ist nicht kompatibel mit dem jüdischen Glauben, welcher verlangt, dass man sich zeitlebens an die Gebote hält – was ja auch seinen Sinn hat und dabei, leider, leider, seitens des Christentums mittels gewisser überzeichneter Beispiele als Pharisäertum abgetan wird.

Christa Wallau | So, 2. April 2017 - 11:34

Dieser phantasiebegabte Autor, der Millionen von
Lesern, besonders männlichen Jugendlichen, mit seinen zahlreichen Büchern einzigartige Erlebnisse schenkte, hat damit sicher einen größeren Dienst an seinen Mitmenschen verrichtet als so mancher hochgepriesene Dichter oder Romancier.

Als Person stellt er für mich das Musterbeispiel eines Menschen mit enormen Stärken u. gleichzeitig großen Schwächen dar, den es danach drängte, über sein eigenes Ich hinaus zu schauen und - zu wachsen, um als Erzieher für andere zu wirken und selbst dabei zu tieferer Erkenntnis und echtem Glauben zu gelangen. Karl May wußte um seine Schwächen und wollte sie vor allem dadurch überwinden bzw. sühnen, daß er dem christlichen Glauben, von dessen Wahrheitskern er überzeugt war, in seinem Werk großen Raum zuwies.
Die große Zeit für eine solche, sozusagen beiläufige "Christenlehre" (neben dem üblichen Unterricht) ist lange vorbei. In vielen Lesern von Karl May, u.a. meinem Ehemann, lebt sie aber fort.

Alexander Steinmann | So, 2. April 2017 - 12:04

Die meisten Zeitgenossen kennen Karl Mays Werk über die klasisschen, aber von religiösen Einlassungen weit entfernten Verfilmungen mit Lex Barker und Pierre Brice. Wer aber die Bücher gelesen hat, dem ist der christlich-missionarische Aspekt nicht verborgen geblieben. Winnetou III wurde ja auch nie verfilmt - das war für selbst für den jugendlichen Leser etwas weit weg von Wildwest-Abenteuern.

Lothar Reichel | Do, 6. April 2017 - 07:54

In reply to by Alexander Steinmann

Sehr geehrter Herr Steinmann,

was bringt Sie zu der merkwürdigen Aussage, "Winnetou 3" sei nicht verfilmt worden? Was haben wir als Jugendliche geheult, als Pierre Brice melodramatisch die Augen für immer schloss und Lex Barker die Geschichte einer Freundschaft an seinem geistigen Auge vorüberziehen ließ.

Cecilia Mohn | So, 2. April 2017 - 18:09

WINNETOU hat mich während meiner Kindheit begleitet. Habe die Romane sogar öfter gelesen - auch DURCH DIE WÜSTE und DURCHS WILDE KURDISTAN. Karl May wird nie in Vergessenheit geraten. Er ist ein großer Humanist.
Cecilia Mohn

Karin Zeitz | Mo, 3. April 2017 - 13:57

von über 55.000 Seiten waren Gegenstand eines Dauerleserekorde, den die Hochschule Mittweida unter dem Titel "gefangene Visionen" im Zeitraum 14.3. bis 3.5.2011 aufgestellt hatte. Mehr als 3000 Personen, darunter zahlreiche Schauspieler, Politiker, Verleger, Professoren und auch Nachfahren des Autors haben abwechselnd Tag und Nacht in der Gefängniszelle im Mittweidaer Stadthaus,in der Karl May 1870 für 7 1/2 Wochen eingesperrt war, gesessen und haben vorgelesen. Die Lesungen wurden aufgezeichnet, veröffentlicht und nach Abschluss einer Sendung zur ISS beigefügt. Ich halte das für eine gute Würdigung des humanistischen Autors.

Rolf Pohl | Mo, 3. April 2017 - 14:23

... des einstigen Fantasten Karl May.

Der Mann war in wie für seine Zeit ein durchaus unterhaltsamer Bücherschreiber der heutzutage jedoch total überbewertet wird, wie auch an der Stelle wahrzunehmen ist.

Gerhard Mannl | Di, 4. April 2017 - 12:14

In reply to by ingrid Dietz

Ich bin Jahrgang 1954 - und ich las die Karl May Bücher, die schon mein Vater gelesen hatte. Und ich bin froh darüber.
Voriges Jahr las ich wieder einige Bände. In meinem Alter kann ich natürlich nicht mehr in die Welt der Karl May Helden eintauchen. Aber in die Welt des kleinen Gerhards. Und dafür danke ich Karl May.
Und darum mein Kommentar.
Danke, dass Sie mich erinnerten.

Armin Latell | Do, 6. April 2017 - 14:49

In reply to by ingrid Dietz

hatte schon vorgestern und gestern und davor einen eigenen Kommentar eingestellt, der ist aber scheinbar irgendwie "abhanden gekommen", deswegen nur kurz: auch ich habe meine Karl May Bücher (ca. 30) vor ca. 40 Jahren geradezu verschlungen und bin damals mit meiner Phantasie ganz tief in seinen Erzählungen eingetaucht. Noch heute denke ich an das Gefühl und die Begeisterung, das ich beim Lesen hatte, zurück. Für mich waren diese Bücher einfach nur spannende Unterhaltung. Besonders beeindruckt hat mich aber seine Schilderung der Charaktere im Islamischen Kulturkreis, die er damals schon zum großen Teil als intolerant und gewalttätig beschrieben hat. Eine der Ausnahmen war natürlich sein Freund und Diener Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah. Die Erinnerung an diese Bücher wird mich immer begleiten.

Julia Wille | Mo, 3. April 2017 - 18:08

Herr Thiede scheint sich so sicher zu sein, das missionieren was tolles ist. Das hängt dann aber doch eher from Standpunkt des Betrachters ab.
Ich wohne in Kanada, und gerade durch die Debatte bezüglich der Behandlung der kanadischen Ureinwohner in den letzten 150 Jahren gibt es doch arge Zweifel, wie toll es für die Betroffenen ist, missioniert zu werden.
Ich las in meiner Kindheit die Romane von Liselotte Welskopf-Henrich "Die Söhne der grossen Bärin" und "Das Blut des Adlers" und konnte danach mit Karl May nichts mehr anfangen, da seine Bücher so flach und einseitig, ja direct primitiv schienen. Was mich am meisten störrte, war die Bekehrung von Winnetou, dass erschien mir schon damals so arrogant.
Ich muss natürlich zugeben, dass ich keine Religion von vornherein als gut ansehe.

Mathias Trostdorf | Mi, 5. April 2017 - 12:19

In reply to by Julia Wille

Ich stimme Ihnen zu. Als Atheist erscheinen einem Religionen wie eine andere. ferne und unnötige Welt. Wenn man in einem Staat aufgewachsen ist, der die Trennung von Staat und Kirche tatsächlich auch eine war, stellt man mit befremden fest, wie sehr sich heute in der Bundesrepublik Religionen in den ganz normalen Alltag reindrängen, ihn auf unangemessene Weise versuchen zu verändern, und einem oft das Gefühl vermittelt werden soll, daß es das non plus ultra sein soll, einer Religion anzugehören.

kira.mandini | Mo, 3. April 2017 - 19:38

sind die Geschichten von Karl May. Der "edle Wilde" feiert fröhliche Urständ. Mit den realen Indianern konnte er aber nichts anfangen. Lange nach seinen Buchveröffentlichungen reiste er in die USA, traf dort zum ersten Mal auf reale Indianer und war maßlos enttäuscht. Er wollte nie wieder mit ihnen zusammentreffen und reiste auch nie wieder nach Amerika. Tja, Fiktion und Realität klafften wohl zu weit auseinander.

Vor allem die echten Apachen passen nicht so gut zu dem Bild des "edlen Wilden". Denn diese bestritten ihren Lebensunterhalt meist mit Raubzügen. Aufallend ist auch, daß der Lehrer von Winnetou ein Immigrant aus Deutschland sein soll.

Matthias Glage | Mo, 3. April 2017 - 20:07

Wenige haben mich so geprägt wie Karl May. Ich habe alle seine Werke gelesen, seine Kompositionen mit Männerchor aufgeführt, durch ihn Geographie und Geschichte studiert und lebe jetzt im Orient. Nach sehr schwieriger Jugend war dieser phantasievolle Autor im Alter nicht nur frommer Christ, sondern auch Pazifist und Menschenfreund, ein wahrer Kosmopolit!

Bernhard Jasper | Di, 4. April 2017 - 11:45

Zusammenfassend könnte man also sagen:

Zitat: „Der Mensch kann sich Dinge, welche nicht wirklich sind, vorstellen, als wenn sie wirklich wären.“ Aus „Vorlesungen über die Ästhetik“ von Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Monika Medel | Di, 4. April 2017 - 22:47

In dem populären Roman "Durchs wilde Kurdistan" ging Karl May auch auf das Schicksal der sog. "Nestorianer" (Apostolische Kirche des Ostens) ein. Der Held Kara Ben Nemsi muss z.B. erst das Vaterunser beten um von ihnen als Christ anerkannt zu werden. Und es heißt dort: "Sie, die Überreste des einst so mächtigen assyrischen Volkes, sehen allzeit das Schwert der Türken und den Dolch der Kurden über sich schweben und haben in neuerer Zeit Grausamkeiten zu ertragen gehabt, bei deren Erzählung sich die Haare sträuben ..." Einen großen Teil der Schuld an der seinerzeitigen Verfolgung gibt May dabei dem ungeschickten Auftreten "überseeischer" Missionare.
Durch diesen und andere "Orientromane" erfuhren viele deutschsprachige Leser erstmals von den ihnen bisher unbekannten "Nestorianern", vom Genozid an den Gliedern der "Kirche des Ostens."

Da haben Sie völlig recht. In Karls Mays "Durchs Wilde Kurdistan" habe ich auch zum ersten mal von den Jesiden gehört. Ich hätte damals nicht gedacht, daß diese Menschen 50 Jahre später so in unser Blickfeld geraten würden und wieder...oder immer noch... verfolgt würden wie in Karl Mays Büchern. Seinetwegen hatte ich mir sogar einen Koran gekauft, weil ich wissen wollte, ob er die "Suren" erfunden hatte oder ob das wirklich so drinsteht. Für mich ist er immer noch ein großer Schriftsteller und in manche seiner "Alterswerke" schaue ich heute noch ab und zu hinein.

Josef Enichlmayr | Mi, 5. April 2017 - 17:35

Ich habe mit 10 Jahren die Bücher Karl Mays in die Hand bekommen und fast alles von ihm, oft heimlich, gelesen und mich an dieser erfreut - Fernsehen hatten wir damals noch nicht. Es hatte sich für mich damals eine Welt aufgetan, von der ich vorher kaum etwas wußte. Nachher haben mich auch andere Abenteuergeschichten und besonders solche aus fremden Gegenden interessiert. Ich bin dankbar dafür, daß ich so für Fremdes offen geworden bin, auch wenn die Realität meist nicht mit derjenigen in den Geschichten übereingestimmt hat. Es ist ja nicht verboten, bei besserer Kenntnis solche Geschichten entsprechend einzuordnen. Heute erscheint das Ganze für mich wie eine versunkene Welt, in der Gut und Böse noch so genannt worden ist und wahrscheinlich mein eigenes Denken mit beeinflußt hat. Daß religiös "Unmusikalische" damit wenig anfangen können verstehe ich durchaus, sie engen sich aber selber ein in ihrer Wahrnehmung.

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