Streit um Documenta - Doof bleibt doof

Kisslers Konter: „Auschwitz on the beach“ – unter diesem Namen wollte ein Projekt der Documenta auf die Situation der Flüchtlinge am Mittelmeer eingehen. Das ist unrettbar dumm, eitel und revisionistisch. Aber es zeigt exemplarisch, woran es in Kunst und Gesellschaft mangelt

Der künstlerischer Leiter der documenta 14, Adam Szymczyk, sitzt am 07.06.2017 während der Pressekonferenz zur documenta 14 in Kassel (Hessen).
Documenta-Leiter Adam Szymczyk sieht die Schoah als Grenzbegriff für das Unrecht an Flüchtlingen / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Kissler ist Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam“ und „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“.

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Bei Schriftstellern denkt man oft, sie könnten besonders gut mit Sprache umgehen. Nicht immer ist dem so. Künstlern unterstellt man, sie machten sich besonders kluge Gedanken. Das muss nicht sein. Und Museen stellt man sich als Orte besonders kreativen Ringens um die Wahrheit vor. Auch das stimmt nicht stets. Wenn dieser dreifache Vertrauensvorschuss dreifach kollabiert, dann landet man bei einem Projekt wie „Auschwitz on the beach“ und der diesjährigen Documenta.

Satire und Kunst dürfen viel, dürfen sehr viel, aber beileibe nicht alles. Die Kunstfreiheit ergibt sich unmittelbar aus der Meinungsfreiheit; diese kann es nicht ohne jene geben. Wenn, wie nun in Saudi-Arabien geschehen, ein Tanz in der Öffentlichkeit zur Straftat taugt, ist damit alles über ein Regiment freudloser Freiheitsvernichter gesagt. Kunst ist der überschießende Teil des menschlichen Lebens, seine Verdichtung, sein Extrakt, sein Double und darum mehr als Zierrat. Kunst muss sein. Doch nicht jede zur Form geronnene Ignoranz ist Kunst. Doof bleibt doof, da hilft kein Etikett.

Schamlose Vergleiche mit Auschwitz

Der Leiter der diesjährigen Documenta in Kassel und Athen hat einem heillos dummen Kunstprojekt ebenso törichte Sätze hinterhergerufen. Adam Szymczyk erklärte nach der Absage einer Documenta-Veranstaltung mit dem geschmacklosen Titel „Auschwitz on the beach“: Die Shoah sei gedacht gewesen als „ultimativer Grenz- und Referenzbegriff für das extreme, gewaltsame und systemische Unrecht, das von nationalen und transnationalen Körperschaften in Europa an den realen Körpern von Geflüchteten verübt wird“. Ultimativ ist hier nur die Schamlosigkeit, mit der die Erinnerung an die nationalsozialistische Judenvernichtung missbraucht wird zum Begriffsfutter, zum Schockmaterial, zum diskursiven Tischfeuerwerk.

Der italienische Schriftsteller Franco Berardi, auf dessen Gedicht das abgesagte Projekt basiert, hatte zuvor erklärt, die Europäer errichteten „Konzentrationslager“ für die Migranten, ließen „Gauleiter“ in der Türkei, in Libyen und Ägypten die „Drecksarbeit“ erledigen, das mittelmeerische Salzwasser habe „mittlerweile Zyklon B ersetzt“. Das ist so unrettbar dumm und eitel und revisionistisch, dass jede Widerlegung sich erübrigt. Statt des tumben Projekts wird es jetzt in Kassel unter dem gleichfalls trompetenhaften Titel „Shame on us“ eine „partizipative Diskussion“ geben, angereichert mit allerhand Bedarfsprosa im Vorverkauf: „Netzwerke der Solidarität“ sollen gestärkt werden „zwischen verschiedenen Diskursen und Praktiken der Arbeiter_innenbewegung, antirassistischen, antikolonialen, antifaschistischen, transfeministischen, queer- und behindertenpolitischen sowie ökologischen Kämpfen“. Es sei „dringend notwendig, eine gemeinsame Kritik an den zugrundeliegenden dominanten kapitalistischen und kolonialen Epistemologien von Rassismus und Sexualität zu schaffen, die die gegenwärtigen Bedingungen von Leben und Tod bestimmen. Sie sind eingeladen, an diesem Treffen teilzunehmen und Akteur_in in diesem kollektiven Kampf zu werden“.

Kunst ist ein Klassentreffen der zornigen Kinder

Kunst als Kampfgebiet der Linken, offener Dialog als geschlossene Denkformation, Schlagwortgeblubber statt Gedankenrede. „Shame on us“: Der Kasseler Skandal – hier trifft das Wort – zeigt über den Einzelfall hinaus, was derzeit schiefläuft im öffentlichen Gespräch und im Kunstbetrieb, an vielen, wenngleich nicht allen Stellen. Westlicher Selbsthass feiert billige Triumphe, breit subventioniert, luxuriös kuratiert. Wer vorgibt, Fragen zu stellen, will oft nur seine Antworten ins eh schon einverstandene Publikum plärren, will gerade nicht Partizipation, Dialog, Diskurs, sondern Nachfolge, Einverständnis, Akklamation.

Zustimmungspflichtig wird, was man nicht mehr bestreiten dürfen soll: Globalisierung ist mies, Kapitalismus falsch, der Westen ruiniert, Migration gut. Es sitzen immer dieselben auf der Anklagebank und werden zu immer neuen Höchststrafen verdonnert, risikolos und schamreduziert. Neue Schurken bleiben derweil in der Kulisse. Das ewigselbe Stück gibt man in identischer Besetzung vor dem immergleichen Auditorium, tagein, tagaus, en suite. Kunst soll Neugier sein, Irritationsbereitschaft, Offenheit. Heute ist sie an vielen Stellen ein Klassentreffen der zornigen Kinder von vorgestern, der konservierte Zorn derer, die es sich leisten können, nicht mehr fragen zu müssen. So wird sie zur Mumie ihrer eigenen Ansprüche. Und zum Grabmal der Gegenwart.

Das Leben wandelt sich, die Kunst wird es mit ihr tun. Einstweilen aber ist – wie überall – Begriffsarbeit alles. Nackt sind viele Kaiser.

Torsten Knecht | Do, 24. August 2017 - 15:32

Darüber habe ich zum Thema Damien Hirst etwas geschrieben, was der Cicero-Zensur wohl nicht gefallen hat!

Egal, Herr Kissler geht es jetzt um: Was darf Kunst?

Antwort: Alles !!!

Begründung: Solange kein "Auftraggeber" das Kunstprojekt vorschreibt liegt alles beim "Produzenten".

Die eigene Befindlichkeit anderen mitzuteilen ist doch gerade der Gag, woran man sieht, wie der andere sich selbst "verortet". Herr Kisslers Reaktion verrät doch einiges.

Meiner Meinung nach sollte man Kunst nicht mal halb so ernst nehmen, wie die Künstler sich selbst nehmen. Welche Werte repräsentiert denn zeitgenössische Kunst heute noch? Den Zeitgeist natürlich.

Karin Zeitz | Do, 24. August 2017 - 16:32

In reply to by Torsten Knecht

auch die Kunst darf nicht alles! Sie muss sich im Rahmen der geltenden Gesetze bewegen, wobei diese hier in Deutschland oftmals recht großzügig ausgelegt werden. Nach meiner Auffassung hatte der damalige Artikel von Deniz Yücel in der Welt, mit dem er das Aussterben der Deutschen begrüßt hatte und Sachsen zu einem Rübenacker umgestalten wollte, eindeutig den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt. Nur hat das damals niemanden interessiert und heute kämpft die deutsche Bundesregierung vehement um die Freilassung dieses Mannes.

Robert Müller | Do, 24. August 2017 - 17:34

In reply to by Karin Zeitz

Das was die Bundesregierung in Bezug auf Deniz Yücel macht, würde ich nicht als "kämpfen" bezeichnen. Höchstens im Sinne von "gegen das Übergewicht anKÄMPFEN", also als weitgehend sinnfreie Metapher.

Die Kunstfreiheit heute hat eine hohe Ähnlichkeit mit der einstigen Narrenfreiheit, also dem Souverän auch mißliebige Dinge sagen zu können ohne gleich geköpft zu werden. Wobei ich mir nicht sicher bin, dass auch eine politisch rechte Kunst akzeptiert werden würde, auch wenn sie das Gesetz abdeckt. Das Problem ist nämlich, dass die Kunst von jemanden bezahlt werden muss oder von jemanden ausgestellt werden soll und damit ist die Zensur wieder an Bord.

Bei dem hier besprochenen Beispiel ist das Problem imho das, dass da jemand den hiesigen Konsens gebrochen hat. Im Grunde steht das in der Tradition der Kunst. Konkret: Hier wurde "Auschwitz" zur Skandalisierung benutzt. Auch klassisch, früher nahm man Nacktbilder dazu. Was taugt das Kunstprojekt den sonst?

Ursula Schneider | Do, 24. August 2017 - 16:38

In reply to by Torsten Knecht

die Narrenfreiheit der Kunst geht zwar weit, ist aber nicht grenzenlos - schon gar nicht, wenn sie "breit subventioniert" wird, wie Kissler richtig bemerkt.

Werte Frau Schneider,

Na klar gibt es Grenzen. Bei den meisten fängt die als Schere im Kopf an oder endet als Unvermögen in der Umsetzung. Von amoralischen Handeln, wo jemand zu Schaden kommt, kann von Kunst keine Rede sein. Auch klar.

Da Vinci hielt sich nicht an das Verbot der Leichensezierung, machte es aber trotzdem. Vielleicht gelang Ihm gerade deshalb, aus seinen gewonnenen Erkenntnissen über die vielen Gesichtsmuskeln, das Lächeln seiner Mona Lisa.

Kai Korrotes | Do, 24. August 2017 - 17:29

In reply to by Torsten Knecht

hier machen Sie aber einen großen Cocktail aus Kunst aller Richtungen und aller Künstler, mixen diesen besonders gut durch, um dann über den entstanden, Alles-gleich-Brei ein seltsam aber typisches Meiner-Meinung-nach-Urteil auszuschütten. So frag ich mich, wie Sie darauf kommen, dass sich (in Ihrem Tenor „alle“) Künstler ernst nehmen, oder zeitgenössische Kunst nur noch den „Wert“ Zeitgeist bedient. Auch darf man, im Gegensatz zu Ihrer dreifach interpunktierten Aussage, in „der Kunst“ NICHT alles - analog zur Meinungsfreiheit: Sie können alles denken, aber nicht alles machen oder sagen, auch nicht durch die „Sprache“ Kunst. Aber darauf ging Herr Kissler ein. Am meisten wundert mich allerdings, wie Sie aus Kisslers Text herauslesen, dass er die Frage aufmachen wollte, was Kunst darf? Vielmehr hat er doch ein klares Statement abgegeben, was diese, nach seiner Meinung, nicht mehr darf.

Gisela Fimiani | Do, 24. August 2017 - 17:51

In reply to by Torsten Knecht

Leider ein wenig platt. Gern hätte ich gewußt, was Herrn Kisslers Reaktion wohl über ihn verraten mag. Aber die schwammige Andeutung ist womöglich wirkungsvoller...
Die letzten drei Ihrer Sätze sind dann völlig aussagefrei.
Meine Interpretation Ihres Kommentares: keinerlei Kunst darf ich "dumm" finden, da sie immer Zeitgeist ist und der ist nie dumm.
Erkenntnisreich....

Torsten Knecht | Fr, 25. August 2017 - 14:37

In reply to by Gisela Fimiani

1) seine Meinung
2) seine Auffassung von "Kunst"
3) seine politische Einordnung das Kunst das "Kampfgebiet der Linken" sei
4) seiner Wahrnehmung zeitgenössischer Kunst als thematische Begrenzung
5) sein Tabu: Begrenzung der "Meinungsfreiheit" = Grenzen der Kunst

Es gibt "naive" Kunst, klar. Aber "dumm" ... das hieße ja, dass der, der die Dummheit benennt voraussetzt, über den Dingen zu stehen, also klug zu sein, obwohl diese Anmaßung als Zeichen für Dummheit gilt.

Um am Bsp. "Ausschwitz" zu bleiben. Warum darf Kunst moralisch aufgeladene Begriffe nicht aufgreifen u. in einem neuen Kontext stellen? Auch wenn es "naiv" oder "unterkomplex" daherkommt. Provokation (als Grenzüberschreitung) gehört auch zur Kunst ansonsten wäre sie nur Geschmacksverstärker des Alltags.

Die Grenze was Kunst darf o. nicht ist mühselig, weil Maulkörbe nix bringen. Der wiss.-techn. Fortschritt lässt sich auch nicht mit Maulkörben o. Denkverboten aufhalten.

Was das Adjektiv "dumm" betrifft, sind Sie es, der moralisch wertet.
Wenn ich ein Produkt, sei es sprachlich, gestalterisch oder sonstiges, als dumm empfinde, stelle ich mich nicht klug über etwas oder Jemanden, ich gebe nicht meiner Anmaßung sondern meinem Geschmack Ausdruck. "Dumm" ist für Sie offenbar ein Wort, welches nur auf die von Ihnen verstandene Weise zu interpretieren ist. Wenn ich die Interpretationshoheit beanspruche, kann ich natürlich die entsprechend Logik folgen lassen und dem Betreffenden selbst Dummheit unterstellen.........es ist dann wie bei den so viel zitierten Statistiken, welche nur glaubwürdig sind, wenn sie von mir stammen.
Im Übrigen teile ich Ihre Meinung des "anything goes" nicht. Es geht nicht um Denkverbote, wie Sie auch hier unterstellen, sondern darum, wie ich mich als denkender Mensch zu Erdachtem stelle.
Also bitte nicht mit Unterstellungen, sondern differenziert dikutieren.

Torsten Knecht | Mo, 28. August 2017 - 14:00

In reply to by Gisela Fimiani

... "„Auschwitz on the beach“ – unter diesem Namen .... Das ist unrettbar dumm, eitel und revisionistisch."

Frau Fimiani, ich beziehe mich auf Herrn Kisslers Text u. verwende folglich sein Vokabular "dumm". Meine Kritik an Herrn Kissler richtet sich an seine meinungsmachende Definitionshoheit. Nicht mehr u. nicht weniger.

Ich will mich auch nicht mit Ihnen über Ihren Geschmack streiten. Was soll das bringen?

Sie unterliegen da noch einem Irrtum: Wo texte ich etwas von "anything goes"?

Verwechseln Sie das mit neuen Rahmenbedingungen? Kontextverschiebung ist nicht per se "Alles erlaubt"! Ich rede nicht von unmoralischen Handlungen sondern von Kunst als offenen Prozess. Und neue Kontexte ermöglichen dabei neue Sichtweisen, schon mal daran gedacht? Andere schon, deswegen gibt es ab u. zu neues zu entdecken. Wer am Althergebrachtem statisch festhält, der tritt letztlich auf der Stelle.

Alles klar?

Thomas Zieringer | Do, 24. August 2017 - 22:02

In reply to by Torsten Knecht

Nein, es gibt auch Kunst die nicht den Zeitgeist repräsentieren (z. B. http://freiheit.garden ). Sie wird nur nicht bekannt, da Medien, die dem Zeitgeist meist radikal folgen, nicht berichten. Kunst entspringt einem Impuls, der eine festgefahrene Gesellschaft wieder frei rütteln kann und das ist gerade nicht Zeitgeist. Man darf Kunst nicht mit dem verwechseln, dass auf Grund eines Marktes oder politischer Vorgaben gut ans Publikum verkauft werden kann.

Josef Garnweitner | Do, 24. August 2017 - 15:51

der Artikel von A. Kissler. Immer schön zu lesen. Ein Aspekt geht aber unter. Warum ist es soweit gekommen?

Weil der Schwachsinn garnicht groß genug sein kann, daß er nicht von Steuergeldern subventioniert würde.

Wir haben schon zu Zeiten eines Joseph Beuys gefragt "der kriegt doch wohl für diesen Schwachsinn nicht auch noch Geld?" Wir dachten Beuys sei der Gipfel der Scharlatanerie. Man sieht es aber auf allen Feldern der Kunst - oder was sich selbst so bezeichnet - den Leuten gehen die kreativen Ideen aus. Es ist offensichtlich wie sie krampfhaft versuchen mit Gewalt etwas anders zu machen.

Gebt die Subventioniererei auf und laßt diese geistigen Krüppel ihr Geld wieder "verdienen" durch Leistung, die sie an den Mann bringen müssen.

Subventionen kreieren nur Trägheit, übrigens auch in der Wirtschaft.

Herr Garnweitner.
Aber ich glaube nicht, dass es in erster Linie am Geld der Subventionstöpfe liegt, auch wenn damit skandalträchig so mancher Bluff finanziert wurde.
Es gibt leider ein dankbares intellektuell-kunstsinniges Publikum, welches andächtig den oft abstrusen Interpretationen der Kunstkritiker lauscht und sich diese "monströse Fopperei" (Ephraim Kishon) gefallen lässt. Auch die Kunsthändler freut`s natürlich, wenn niemand ruft: "Der Kaiser ist ja nackt!"

was Sie schreiben Frau Schneider. Es gab, gibt und wird immer Leute geben, besonders aus dem pseudointellektuellen Spektrum, die ohne nachzudenken alles nachmachen, was selbsternannte Kunstpropheten, Kunstkritiker und Kunstkenner so von sich geben. Man will doch dazugehören!

Subventioniert wird trotzdem zu viel.

Ursula Schneider | Do, 24. August 2017 - 16:22

Solange sie so offen, scharfsichtig und leidenschaftlich entzaubert und enttarnt werden wie in Kisslers Konter, gibt es noch Hoffnung ...

Großartiger Beitrag!

Bernhard Jasper | Do, 24. August 2017 - 16:55

Es ist individuelle Willkür. Wer hier eine Verbindung herstellt, der sucht Aufmerksamkeit und Legitimität. Im Zeitalter der Simulationen und virtual realities fühlen sich viele berufen Künstler zu sein. Aber nur wenige sind auserwählt. Einige wollen die Welt abbilden, wie sie ist. Dabei ist ihnen nicht klar, dass es für unser Gehirn (als Teil der Welt) nicht möglich ist, die Welt so abzubilden wie sie wirklich ist. Kenntnisse über die Welt können wir jedoch sehr wohl gewinnen.

Anmerkung: Und ist die gotische Kathedrale mit all ihren architektonischen Formen und Bildern nicht ein christlicher Gottesdienst? Und die am Bau beteiligten Handwerker hatten damals keine gezeichneten Pläne, sondern lediglich Kulturkapital.

Michael Sander | Do, 24. August 2017 - 16:57

Kunst ist der Versuch etwas auszudrücken, was über die normale menschliche Kommunikation hinausgeht. Kunst ist immer unbestimmt und ohne Richtung. Wenn Sie gelingt, fesselt Sie den Beobachter und löst auch in diesem etwas aus, was dieser nur schwer in Worte fassen kann.
Was hier geschieht, hat mit Kunst an sich nichts zu tun. Es ist politischer Aktivismus, der sich einen künstlerischen Anstrich gibt. Er verfolgt eine klar erkennbare Absicht und ist damit von wahrer Kunst Millionen Lichtjahre entfernt.

Heinrich Kehmeier | Do, 24. August 2017 - 17:12

Diese Documenta ist leider derartig vordergründig, dass man hier eher einer Ansammlung von Plattitüden in mal mehr, mal weniger künstlerischen Formen verpackt begegnet. Vom gewaltigen Parthenon der verbotenen Bücher, der in seiner Ursprungsversion noch eine konkrete politische Aussage hatte bis zu den Plakaten Wir sind alle ein Volk.
Es gibt aber nicht nur unangemessene und langweilige Plattitüden, sondern auch gefährliche und dazu gehört Auschwitz on the Beach. Hier wird die Selbstbestätigungsignoranz rechthaberischer Kulturschaffender in die Relativierungstrategie historischer Ereignisse überführt. Da kann man nur sagen Shame on you.

Willi Mathes | Do, 24. August 2017 - 17:20

Sitzt !

Unseren " Kulturschaffenden " sind offensichtlich alle Mittel recht, um auf die " ÖFFENTLICHE MEINUNG ", Einfluss auszuüben !
Wenig zielführend und appetitlich !

Wolfgang Tröbner | Do, 24. August 2017 - 18:03

ist Kunst. Doof bleibt doof. Wie wahr, Herr Kissler.

Kunst ist immer das Ergebnis eines kreativen Prozesses und, was zwar nicht immer gern gehört wird, kommt von Können. Wenn man dies zugrunde legt, kommt man nicht umhin, dem Artikel bezüglich des beschriebenen Kunstprojektes zuzustimmen. Wenn Kunst nur noch zum Transport von Ideologien dient, aber das eigentlich Künstlerische nicht mehr stattfindet, ist es keine Kunst mehr, sondern kann weg. Niemand braucht das. Politische Statements sind bei Politikern besser aufgehoben (hofft man wenigstens). Dazu braucht man keine Kunst.

Nur schade für die wirklichen Künstler dieser Welt, die wohl nie auf der Documenta ausstellen dürfen, weil sie sich dem politischen linken Mainstream verweigern. Und schade um die sinnlos verpulverten Steuergelder.

Daniel Sunnus | Do, 24. August 2017 - 18:11

Weil ein Konsens über die Frage "Was ist Kunst?" niemals erzielbar ist, muss sich der Bürger zwei Fragen stellen:

"Hat Meinungsfreiheit Grenzen?" Das Grundgesetz bejaht diese Frage.

"Darf ein Staat Meinungen subventionieren?" Der freiheitliche, säkulare Rechtsstaat nicht. Trotzdem werden Meinungen in Deutschland seit Jahrzehnten subventioniert.

Nicht nur im Kunst-, sondern auch im öffentlich-rechtlichen Medienbetrieb.

dr. kira mandini | Do, 24. August 2017 - 19:09

Erstmal erinnert der Name des Projekts an einen bekannten Cocktail: Sex on the Beach. Dies in Kombination mit Ausschwitz ist schon mal ungenießbar. Wie Herr Kissler richtig ausführt wird dabei Ausschwitz trivialisiert.Und überdies für den moralischen Imperativ mißbraucht, daß Europa gefälligst im Sinne einer No-Borders-Politik alle zuwanderungswilligen Menschen dieser Welt aufzunehmen hat. Bedingungslos.
Was denken sich diese linken Spinner eigentlich? Es ist überaus degoutant.

Heinrich Niklaus | Do, 24. August 2017 - 19:10

Das aktuelle Titelblatt der Satirezeitung Charlie Hebdo ist Kunst. Diese „treffende“ Kunst aber findet in den deutschen Gazetten nicht statt. Warum wohl?

Ich bewundere die unerbittliche Beharrlichkeit der Hebdo-Satiriker, die auch nach der in ihren Reihen von Islamisten ausgetobten Mordlust nicht nachlassen, den Finger in die Wunde zu legen.

Charlie Hebdo, ihr kämpft nicht für die Meinungsfreiheit, ihr seid die Meinungsfreiheit!

Sepp Kneip | Do, 24. August 2017 - 20:11

"Die Shoah sei gedacht gewesen als „ultimativer Grenz- und Referenzbegriff für das extreme, gewaltsame und systemische Unrecht, das von nationalen und transnationalen Körperschaften in Europa an den realen Körpern von Geflüchteten verübt wird“.
So ganz daneben liegt diese Erklärung nicht. Statt transnationalen würde ich sagen, die transatlantischen Körperschaften und Zirkel, die diese Massenimmigration ins Rollen gebracht haben und deren Helfer, allen voran Merkel, sind diejenigen die soviel Leid über diese Menschen gebracht haben. Unter dem scheinheiligen Signum des Imperativs der Humanität hat Merkel die Leute über das Mittelmeer gelockt. In der Tat trifft sie ein gut Teil Schuld am Tode vieler Ertrunkenen.
Die Kunst, hieraus ein Auschwitz on the beach zu machen, ist zwar irrwitzig, birgt aber dennoch ein Bisschen Parallele mit anderen Vorzeichen. Die Schandtaten Hitlers wollten ein arisches Deutschland. Die Massenimmigration will dagegen das Landin den Multikulturalismus treiben.

Sabine Schönfeld | Do, 24. August 2017 - 20:15

Ich wage es kaum zu sagen: Ich habe eine helle Hautfarbe, eine helle Augenfarbe und bin zudem auch noch unanständigerweise heterosexuell! Also nach entsprechender postmoderner Definition automatisch der Prototyp der UnterdrückerIn. Frau kann sich da schlecht rausreden. Dass ich eine Frau bin,hilft mir dabei nur noch bedingt, ein Migrationshintergrund wäre das Mindeste, aber nicht einmal den habe ich vorzuweisen. Es gibt also praktisch keinen Grund, warum sich irgendjemand jemals für meine Rechte einsetzen sollte - mehr noch, neben verdienter Entrechtung gebührt mir nur noch die Scham dafür in dieser Weise und gar noch in diesem Land geboren worden zu sein. Ich fürchte, ich kann an dieser Stelle nicht weiterschreiben, sonst belegt noch jemand vor mir meinen Platz in der Ecke.

Dimitri Gales | Do, 24. August 2017 - 20:48

die auf dem Kunstmarkt hochbezahlt werden.
Ich habe mal einem Maler, der für seine kopfstehenden Figuren bekannt ist, empfohlen, einen nackten Kaiser, kopfstehend natürlich, zu malen. Meine Worte kamen leider nicht gut an.
Kunst beinhaltet auch Sozialkritik, insbesondere seit dem 19. Jahrhundert. Aber was hier beschrieben wird, ist ein Skandal, ein Exempel von Niveaulosigkeit. Kein Wunder, dass die Öffentlichkeit schon seit langer Zeit verunsichert, desorientiert ist: was ist überhaupt Kunst? Kann jeder, der Schrott oder ähnliches ausstellt, ein Künstler sein? Ein deutscher Guru-Künstler ging in diese Richtung. Aber ich sehe die "Kunst" heute in einer Sackgasse, vollgstopft mit Müll, nicht nur aber grösstenteils.

Peter Dietermann | Do, 24. August 2017 - 21:24

Gut gemeinte Betroffenheitskunst von Gutmeinern für Gutmeiner. Intellektuell auf dem Niveau einer schlechten Schülerzeitung, politisch völliger Unsinn aber von PR Faktor natürlich top. Wer es braucht soll es sich halt geben.

Nur das wofür Auschwitz wirklich steht wird durch solchen Mist (mal wieder) verwässert und das es, was man denen vorwerfen muss, die solche traurigen Existenzen auf die Documenta einladen.

Den eingeladenen Existenzen selber kann man vermutlich nichts vorwerfen, sie halt vermutlich wirklich einfach nur doof.

Julia Wille | Do, 24. August 2017 - 22:16

Ein wunderbarer Artikel. Es fällt mir gar nichts ein, das es noch hinzuzufügen gäbe.
Danke schön.

Klaus Dittrich | Do, 24. August 2017 - 22:42

"Wer vorgibt, Fragen zu stellen, will oft nur seine Antworten ins eh schon einverstandene Publikum plärren, will gerade nicht Partizipation, Dialog, Diskurs, sondern Nachfolge, Einverständnis, Akklamation."
Fehlt: "Gefolgschaft"!

Henry Sawallisch | Do, 24. August 2017 - 22:46

Ich fände es spannend zu sehen,wovon die jetzigen subventionierten Künstler leben würden,wenn der Staat ,dessen Untergang sie ja anscheinend inbrünstig herbeisehnen,nun keine Kunst mehr subventionieren könnte....Für gute Kunst gibt es nämlich auch einen Markt.Das ist in der links-alternativen Kunstszene natürlich verpönt.Man möchte schon das dekadente Künstlerleben mit Staatsknete.Arbeit?-nein Danke. Kunst war aber immer schon auch Arbeit-,mit Entbehrungen und der Tragik des Lebens gewürzt.Die Gefahr des Scheiterns inbegriffen. Politische Statements haben meiner Meinung nach auch nichts in der Kunst verloren. Sie haben meist den Geruch politischer Agitation an sich.Es ist ,bei Licht betrachtet ,ja auch nur eine interne Selbstvergewisserung.Die,die man eigentlich bekehren will,wenden sich meist ,in ihrer Intelligenz beleidigt,ab.

Markus Michaelis | Do, 24. August 2017 - 23:47

"Westlicher Selbsthass": sicher auch, aber ich bezweifele inzwischen, dass das das dominierende Motiv ist. Ich glaube es lässt sich besser mit dem vertrauten "Wir, die Guten", gegen "Die, die Bösen" beschreiben. Da ist eher weniger Selbtshass dabei, als Hass auf die bösen anderen.

Ruth Müller | Fr, 25. August 2017 - 12:33

Dann ist es Propaganda.
Agitprop ist keine Kunst egal für welche Ziele sie sich gemein macht. Normalerweise siehe Kunstgeschichte ist es immer die zweite Garnitur die sich dafür hergibt - querfinanziert von politischen Gönnern.

Walter Schnepel | Fr, 25. August 2017 - 13:14

"Shame on us" ist schon richtig als Titel. Nur, wer ist denn schamlos, der/die Ausstellungsmacher, die sich über das Unrecht in der Gesellschaft ausschließlich selbst profilieren? Die "Künstler", die sich dranhängen? Ich finde es ungeheuer zynisch und peinlich, daß das Unglück der Anderen zur Selbstvermarktung über die Ware Lunst mißbraucht wird.

Dr. Florian Bode | Fr, 25. August 2017 - 13:26

Documenta und ähnliche circensischen Spektakel finden auf dem Nährboden öffentlicher Subventionen statt. Es handelt sich also um Produkte, die dem gefallen, der sie beauftragt (und nicht bezahlen muß, denn es ist ja unser aller Steuergeld). Das schließt die gewollten größeren und kleineren Provokationen ein. Dass ist nur der Zucker, denn Mutti Staat den linken Äffchen gibt. Wären die Künstler darauf angewiesen, auf dem Markt zu bestehen, sähen diese Veranstaltungen anders aus.

Felix Toben | Fr, 25. August 2017 - 14:17

Ich danke dem Cicero und Herrn Kissler für diese Art der Artikel.
Ich kaufe jeden Monat eine Ausgabe, um euren Journalismus zu unterstützen.
Ihr seid die Hoffnung, dass sich dieses Land bald wieder von dieser maßlosen Selbstgerechtigkeit abwendet und auf einen realistischen und pragmatischen Weg zurückkehrt.
Das Resultat aus der Aufarbeitung des Nationalsozialismus sollte Demut sein und nicht selbstverliebte Besserwisserei aus der eine aufoktroyierende Politik abgeleitet wird. Deutschland scheint wieder einen falschen Weg einzuschlagen und schert sich dabei wieder nicht um seine so wichtigen europäischen Nachbarn.

Marie Werner | Fr, 25. August 2017 - 15:29

Lieber Herr Kissler,
einfach genial ihr Artikel. Besser kann man das nicht auf den Punkt bringen.
So ist es.

Nathan Warszawski | Fr, 25. August 2017 - 18:37

Es wundert, dass die Produzenten von Auschwitz in the beach nicht auf Antisemitismus hin untersucht werden.

Gabriele Schulze | Fr, 25. August 2017 - 22:02

Ich habe in den Siebzigern studiert, daher ist mir die wichtigtuerische verschwurbelte Agitationssprache vertraut. Typen wollten damals damit auch junge Frauen beeindrucken. Zusammen mit der Rundumschlagkeule "Kapitalismus" wird dieses ungute Gebräu immer noch verwendet! Viel schlimmer allerdings ist die erneute Anwendung der Shoah zur eigenen Profilierung. Ekelhaft. Danke für diesen Artikel!

Gad Israel | Sa, 26. August 2017 - 02:18

aber nachfolgendes muss euch mal gesagt werden: Die Deutschen können viel, sehr viel, unglaublich viel, z.B. gute Maschinen, Waffen, Autos, Autobahnen und Raketen bauen, etc. pp. usw. usf.
Genial, was ihr da alles so zusammengeschraubt habt über die Jahrhunderte!
Von Kunst aber, liebe Deutsche, versteht ihr rein gar nichts.
Allerdings – jede Regel hat ihr Ausnahme(n): Die Deutschen, die von der Kunst tatsächlich was verstanden haben, sind leider bereits (fast) alle verstorben.
Also, überlasst die Kunst (heute) mal besser denjenigen, die das wirklich können.
Und jetzt zurück an die Werkbank und ans Reißbrett...husch, husch!

Ruth Falk | Sa, 26. August 2017 - 17:13

Es ist einfach ekelhaft, mit dem Unglück und Grauen anderer rumzuspielen und gar noch subventioniert Profit zu machen.
Mit Kunst hat das, was da zeitgenössisch dem Publikum zugemutet wird, nur selten zu tun. Wer kauft sich denn einen Klumpen Schrott, oder ziert sein Domizil mit einem Haufen Fett (die Putzfrau hatte mehr Grütze im Kopf!)
Ohne die Subventionen würde sich schnell die Spreu vom Weizen trennen. Aber dafür hats Schäuble ja, für intakte Schulen reichts dann nicht mehr.

Manfred Steffan | Mo, 28. August 2017 - 13:55

die Marginalsierung von Auschwitz schreitet voran im Bemühen um möglichst drastische Gleichsetzungen. Was kommt als nächstes? Unsere jährlichen Verkehrstoten als "Auschwitz on the road"?

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