Politisierung der Kirche - Bye bye Transzendenz

Der Vorschlag von Innenminister Thomas de Maizière, einen muslimischen Feiertag einzuführen, stieß auf ein geteiltes Echo. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken begrüßte ihn jedoch. Die zweifelhafte Nähe der Kirchen zur Politik war auch das Thema der Cicero-Titelgeschichte in der September-Ausgabe

Rötlich illuminiert steht am 25.09.2017 in Fulda (Hessen) der Dom vor dem Abendhimmel. Die deutschen Bischöfe treffen sich hier in diesen Tagen zur Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.
Vor allem die Flüchtlingskrise hat den Kirchen einen Aufschwung beschert / picture alliance

Autoreninfo

Sophie Dannenberg, geboren 1971, ist Schriftstellerin und lebt in Berlin. Ihr Debütroman „Das bleiche Herz der Revolution“ setzt sich kritisch mit den 68ern auseinander. Zuletzt erschien ihr Buch „Teufelsberg“

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Das Reich Gottes liegt in Hamburg-Bahrenfeld, an der A 7. Mitten auf dem Friedhof Holstenkamp an der Regerstraße, neben dem Areal mit Gartenabfällen und kaum größer als ein Pausenhof. Hier, zwischen Wohncontainern und einem Minispielplatz, arbeitet Diakon Nils Baudisch für die kirchliche Flüchtlingshilfe. „Flüchtlinge“ sagt er aber nicht, sondern „Geflüchtete“. Das sind die Afghanen, Syrer, Iraner und die vielen anderen, die in die Regerstraße kommen, um Deutsch zu lernen oder Kleider und gespendete Fahrräder abzuholen. In der Containerwerkstatt riecht es nach Gummi­kleber und Kettenöl. „Als Christ fühle ich mich angesprochen, den Geflüchteten zu helfen“, sagt Baudisch. „Wir arbeiten damit am Reich Gottes weiter.“

Aufschwung für die Kirchen

Vor allem die Flüchtlingskrise hat den Kirchen einen Aufschwung beschert. Plötzlich blühen ganze Gemeinden wieder auf. Und ihre Arbeit ist nicht nur dia­konisch. Die Kirchen politisieren sich immer mehr: Klimaschutz, Waffenhandel, Genderforschung – kein Thema, zu dem sie keine eigene Agenda verfolgen. „Wir verstehen unsere Arbeit auch als politisches Statement“, sagt Baudisch.

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Klaus Wenzel | Do, 28. September 2017 - 18:04

Wirtschaftlich mag die massenhafte Migration "Geflüchteter" ja ein Erfolg für die Kirchen sein. Diese sichern sich mit ihren Angeboten ein Stück vom Kuchen der fleissig fliessenden Steuergelder für die neue Zielgruppe. Die immer geringere Anzahl der "schon länger hier lebenden" Christen und Gläubigen in den Gemeinden zeichnet möglicherweise ein anderes Bild. Kirchen werden geschlossen, Gemeinden "fusioniert", der klerikale "Service" ausgedünnt. "Spirituell" werden die christlichen Kirchen mit ihren Bemühungen um Zugewanderte sicher keine neuen "Schäfchen" gewinnen. Allerdings will die Amtskirche mit ihren zahlreichen "Würdenträgern" ja auch alimentiert werden.

Dr. Markus Müller | Do, 28. September 2017 - 18:58

In der Diözese Bozen-Brixen z.B. gibt es mittlerweile keinen einzigen Nachwuchspfarrer mehr. "Spirituell ausgezehrt, finanziell gesättigt", u.a. durch die Kollaboration bei bzw. Förderung der illegalen Einwanderung, da möchte niemand mehr mitmachen. Kein Wunder.

Dieter Weinmann | Sa, 30. September 2017 - 19:35

Unterstellt, dass Kirchen ursprünglich als innere und äußere Organisation ihrer Gläubigen gegründet worden sind, dann haben sie sich spätestens über die letzten Jahrzehnten von dieser Funktion verabschiedet.

Solange die Aktivitäten jenseits von Gottesdiensten und Seelsorge primärer Ausfluss der postulierten Nächstenliebe waren, ging das noch in Ordnung.

Inzwischen sind die Unterorganisatoren der beiden christlichen Kirchen gewichtige Wirtschaftsunternehmen, für die die Nächstenliebe allenfalls publicity-wirksamer Bestandteil ihres Geschäftskonzepts ist.

Es gibt Landstriche in Deutschland, in denen z.B. die Diakonie die gesamten Geschäftsfelder der Werkstätten für behinderte Menschen, berufliche Rehabilitation und psychiatrische Einrichtungen dominiert.

Je mehr Menschen mit Handicaps zu uns kommen, umso einträglicher sind die außer-religiösen Aktivitäten von Diakonie und Caritas. Das sollte bei der Betrachtung der Motive nicht zu kurz kommen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 2. Oktober 2017 - 11:43

weil er m.E. das trifft, was ich als einen Kirchenton bezeichnen würde.
Keinesfalls ist das, was wir heute erleben nicht Kirche, es wird aber evtl. daraus hinauslaufen, dass daraus vor allem nicht unsere Kirche erstarkt.
Ich sehe gerade heutzutage keinen Grund ein spirituelles oder auch nur normales Alltagsvertrauen in den Islam zu setzen.
Das credo Christi lautete nicht `und wendet Euch Euern Feinden zu, auf dass ihr sie stark macht, Euch zu vertreiben, mindestens Euch in Frage zu stellen´.
Ich kann mich irren, aber ich erlebe den Islam spätestens seit Khomeini nicht als Religion sondern als religiösen Kampf, der sich mir heute verbietet.
Hätte Luther das Schwert gegen die katholische Kirche gepredigt, würde ich ihn nicht ernstnehmen.
Umgekehrt mußte sich die evangelische Kirche der katholischen Machtansprüche erwehren.
Schwert und Religion schliessen sich m.E. aus.
Der Islam unter Mohammed scheint mir nichts anderes.
Eine spirituelle Erneuerung für Mann und Frau im Islam!

Yvonne Walden | Mi, 4. Oktober 2017 - 13:20

Die beiden privilegierten Großkirchen in Deutschland haben sich auf Neben-Schauplätze begeben müssen, weil ihr Kernanliegen, die Vermittlung eines sogenannten "Glaubens", nicht mehr gefragt ist.
Also bleibt ihnen nur, auf humanitärem Gebiet zu wirken, etwa im karikativen Bereich.
Mir scheint, daß dies den kirchlichen Funktionärinnen und Funktionären einerlei ist, denn diesem kirchlichen Personal geht es vorrangig um die Sicherung ihrer Arbeitsplätze. Und die waren bzw. sind überwiegend gut dotiert.
Auf lange Sicht wird dies alles jedoch nicht funktionieren mit der Folge, daß die Evangelische und auch die Katholische Kirche - zumindest in Deutschland - Sektencharakter annehmen wird.
Und was den karikativen Bereich betrifft: Eine Gleichstellung kirchlicher Einrichtungen mit den weltlichen Anbietern (im Krankenhaus- und Altenpflegebereich) ist längst überfällig, denn es gibt keinerlei Grund, dem kirchlichen Arbeitsrecht eine Sonderstellung einzuräumen.

Fr. Walden, andere Bedeutung. Man könnte meinen die Kirchen karikieren sich selbst oder sind nur noch eine "Karikatur" ihrer selbst. Danke für den unfreiwilligen Lacher.

Christa Maria Wallau | Mi, 18. Oktober 2017 - 12:08

Die absolut wichtigste Aufgabe der Kirche(n) ist die Verkündigung des christlichen Glaubens u. die Stärkung des Zusammenhaltes der Gläubigen untereinander.
Diesen - von Jesus Christus selbst gesetzten - Auftrag nehmen die Kirchen nicht bzw. nur noch marginal wahr: Sie missionieren nicht mehr, und
ihre Arbeit an der gläubigen Seele des einzelnen
Christen beschränkt sich auf Appelle an
seine allgemeine Menschenfreundlichkeit.

Keine Rede mehr von Himmel und Weltgericht,
von persönlicher Schuld, Reue und Erlösung,
von festem Vertrauen auf das jenseitige Heil, von der Kraft der Sakramente usw.
Der christliche Glaube ist e n t k e r n t.
Stattdessen mischen sowohl die evangelische wie die katholische Kirche in der Politik mit und stimmen als solche überein mit Atheisten
(z. B. Marxisten) oder auch Muslimen, die sich ein gutes Leben u. die Vorherrschaft hier auf Erden nicht nur erhoffen, sondern gewaltsam erkämpfen bzw. erhalten wollen.

"Bye, bye Transparenz!" - Stimmt!

Einen Vorteil hat diese Diskussion: Sie geht endlich in die richtige Richtung.
Denn im täglichen Leben der Menschen spielt die Bedrohung durch mit der Flüchtlingswelle eingeschleppte Terroristen eine weit weniger große Rolle, als das schwierige Zusammenleben mit Moslems, die sich der Integration verweigern.
Und darum geht es: Der gemeinsame Wertekanon ! In den wollen sich Moslems in Deutschland partout nicht integrieren.

Klaus Jürgen Bremm | Mi, 18. Oktober 2017 - 13:39

In der Antike waren Alexandria, Antiochia und Konstantinopel die unbestrittenen Metropolen des Christentums. Wie ihnen wird es schließlich auch Rom, Madrid und Paris ergehen und das Christentum wird sich nach Südamerika und China (wo es bereits mehr praktizierende Christen als im so genannten Abendland gibt) zurückziehen müssen. Trotz seiner weit überlegenen Theologie - oder vielleicht gerade deswegen - fehlt dem Christentum offenbar ein wirksames geistiges Abwehrmittel gegen die Ideologie dieses letzten Propheten.

Ein institutionelles Christentum das darin besteht dass seine höchsten Vertreter es verleugnen indem sie seine Symbole ablegen um islamische Vertreter nicht zu provozieren (zwei deutsche Bischöfe am Tempelberg) ist unnütz und braucht man nicht mehr. Das kann man ersatzlos streichen. Friedhöfe und Krankenhäuser können ebenso gut vom Staat verwaltet werden. Zeremonien kann man kaufen, auch christlich gefärbte. Jeder kann sich als Pfarrer verkleiden und Standardtexte verlesen, dazu braucht es nicht diese - durchaus menschlichen - Heuchler. Das Christentum ist groß geworden durch seine Märtyrer, in Deutschland wird es untergehen weil selbst seine Vertreter nicht mehr an es glauben.

Karin Zeitz | Mi, 18. Oktober 2017 - 14:02

bleiben die speziellen Feiertage für alle anderen nichtchristlichen Bevölkerungsgruppen wie z. B. Hindus, Buddhisten, Sikhs, Konfuzianer, Juden, Naturreligionsanhänger, Gnostiker und Atheisten? Aus Gründen der Gleichbehandlung wäre es diskriminierend, nur für Muslime zusätzliche Feiertage einzuführen und alle Anderen nicht zu bedenken. Zur “Freude“ der Arbeitgeber für jede Religion mindestens 1 Tag als bezahlten arbeitsfreien Feiertag für Alle einführen.

Dr. Georg Steger | Mi, 18. Oktober 2017 - 14:39

In reply to by Karin Zeitz

... Ihre Idee entspricht der wahren Gleichstellung und damit absoluter political Correctness: darauf müssten doch die entsprechenden politischen Richtungen abfahren:
- Statt Epiphanias (Hlg.-3-Könige) ein Sikh-Feiertag
- Statt Karfreitag ein Buddhisten-Feiertag
usw. (es gibt der christlichen Feiertage ja genug) und da der Großteil unserer Bevölkerung deren Bedeutung eh nicht mehr kennt, haben sich diese überholt und die Kleriker sind vom lästigen Messefeiern und Predigen erlöst: eigentlich eine Win-Win-Situation!

Bettina Diehl | Mi, 18. Oktober 2017 - 14:07

Mittlerweile kommt mir der Verdacht, dass Benedikt genau diese Entwicklung geahnt bzw. Kenntnis hatte, wohin die Reise gehen soll und aus diesem Grunde diesem Verein den Rücken gekehrt hat. Ich kann mich irren

Gudrun Philipp | Mi, 18. Oktober 2017 - 14:50

In reply to by Bettina Diehl

Diesen Verdacht habe ich auch schon lange, Frau Diehl. Denn war es nicht dieser Papst, der in seiner Augsburger Rede die Aussage des byzantinischen Kaisers Manuel II, die er bei einem Gespräch mit einem persischen Gelehrten machte, wiederholte: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten ... Gott hat keinen Gefallen am Blut, und nicht vernunftgemäß zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider." Hier drängt sich gleich die Frage auf, ob es ein vernunftmäßiges Handeln war, diese Eroberungsideologie hier mit offenen Armen ohne irgendwelche Vorbehalte aufzunehmen. Ich kann mir nach dieser Rede des Papstes Benedikt nicht vorstellen, daß er sich so verhalten hätte wie es der Heilige Stuhl heute tut.

Christa Wallau | Mi, 18. Oktober 2017 - 15:04

In reply to by Bettina Diehl

Dieser fromme, hochgebildete und -spirituelle Papst aus Deutschland hat wohl sein Amt aus verschiedenen Gründen aufgegeben. Meine Vermutungen:

1. Er kam bei der Bekämpfung der intriganten Clique seiner "Mitbrüder" im Vatikan
nicht voran, obwohl er es versuchte.
2. Er spürte und erkannte den Glaubensverlust der Mehrheit der Christen, vor allem
in Europa, und kam dagegen nicht an, obwohl er die entscheidenden
Glaubenswahrheiten immer wieder klar herausstellte u. zutiefst bedauerte, daß
sie nicht mehr beachtet wurden.
3. Er war ein Gegner einer Multi-Kulti-Vermischung der Religionen (sog.
Welt-Ethos / Küng), d. h . er achtete zwar alle Menschen anderer Religionen, aber
er bestand darauf, die fundamentalen Unterschiede in der Substanz der
Glaubens- und Gottesvorstellungen u. deren heutige Auswirkungen auf die Welt
nicht zu leugnen, sondern offen zu benennen.

Davon wurde Benedikt XVI. krank.
Mir wäre wohler, wenn wir diesen Papst noch hätten.

Dr. Georg Steger | Mi, 18. Oktober 2017 - 14:28

Seit ich von einem in der Katechese tätigen Mitarbeiter des Ordinariats der Münchner Erzdiözese hörte, dass ein muslimischer Religionsanteil von 50% in katholischen Kirchenkreisen offensichtlich als akzeptabel betrachtet wird, bin ich der Meinung, dass (zumindest) von der Katholischen Kirche bewusst auf eine Islamisierung hingearbeitet wird. Deshalb verstehe ich inzwischen auch die Aufnahmebereitschaft gegenüber Migranten islamischer Religionszugehöriger (Marx fordert Beschleunigung des Familiennachzugs!). Vielleicht erhofft man sich damit eine neue politische Machtzunahme!

Marx und Bedford-Strohm haben sich ja am Tempelberg in Jerusalem mit der Ablegung des Kreuzes bereits entsprechend positioniert.

Christliche Feiertage gibt es genug: muss man nur einen davon umwidmen!

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