Bibi und Naidoo - Geschmacksrichter auf Abwegen

Kisslers Konter: Meinungsfreiheit gilt auch für schlechte Lieder und holpernde Reime. Die aktuelle Aufregung um zwei Popsongs ist hysterisch und wohlfeil. Niemand muss Xavier Naidoo oder Bibi zuhören, wenn sie trällern

Der Sänger Xavier Naidoo bei einem Konzert
Man darf Xavier Naidoos Lied „Marionetten“ allerschärfstens ablehnen. Von der Meinungsfreiheit bleibt es trotzdem gedeckt / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Kissler ist Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam“ und „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“.

So erreichen Sie Alexander Kissler:

O glücklich das Land, das solche Probleme sich leisten kann. Historiker künftiger Generationen werden sich einst mit enormem Interesse auf die letzten Tage im April und die ersten Tage im Mai des Jahres 2017 stürzen und, sofern sie auf keine anderen Überreste stoßen als auf den Streit um Xavier Naidoo und die Häme um Bibi, zu dem Ergebnis kommen: Es waren heitere Zeiten damals, vielleicht infantil, vielleicht etwas dekadent, aber heiter gewiss. Falsch wäre das und doch symptomatisch. Wie verdammt gut es uns geht oder zu gehen scheint oder gehen soll, zeigt nichts eindrücklicher als das Zugleich dieser beiden Erregungsepisoden.

Als am zurückliegenden Freitag – so kurz ist das erst her – die 24-Jährige Bianca Heinicke, genannt Bibi, das erste Mal für dreieinhalb Minuten in einem Video durch eine rosarote Bonbonwelt stapfte und mehr schlecht als recht trällerte, so sei das Leben nun einmal, „Wap Bap, Ba Da Di Da Da, Wap Bap“, da begann mehr als der übliche Shitstorm der Immererregten und Spontanempörten. Das Liedlein sei ein heißer Anwärter auf den Titel des schlechtesten Songs aller Zeiten, was Bibi sich erlaube, die Youtuberin, die sonst einem Millionen zählenden jungen weiblichen Publikum Schmink- und Lebensberatung und Produktanpreisung bietet, und überhaupt sei das ein ganz schlimmes, zynisches Machwerk. Pfui, Igitt, Schande über sie.

Eine einzige Text-Bild-Schere

„Another week, the same old shit“, flötet Bibi im Video, läuft dazu im kurzen Kleid und auf roten High Heels durch eine luftballongesättigte Schlosskulisse, räkelt sich im Bett, liest am Kamin aus einem brennenden Buch, trägt mal einen rosa Strampler, mal ein Netzhemdchen und erzählt von einer Welt voller Missgeschicke. Das Video ist eine einzige Text-Bild-Schere: Luxusgöre beklagt gesammelte Widerfahrnisse – Freund weg, schlanke Linie weg, Job weg, Brieftasche gestohlen, Kreditkarte gesperrt – und setzt all dem als Schlossherrin kleinmädchenhaften Trotz entgegen: So sei das Leben, c‘est la vie, „that's just how it is“. Am Ende kündet sie von einem Kerl, einem Zauberprinzen, mit dem sie „some fun“ haben werde. Das ist antirealistisch, antifeministisch, antirelevant, das ist Pop. Wer‘s nicht hören mag, der soll‘s nicht hören.

Bibi
Bianca Heinicke, genannt Bibi, in ihrem ersten Musikvideo /
Foto: Screenshot Youtube

Pop und nichts anderes sind auch die kurpfälzischen Fußnoten der „Söhne Mannheims“ und ihres Frontmannes und Texters Xavier Naidoo. Am 20. April wurde das Album „MannHeim“ veröffentlicht, dessen Song „Marionetten“ einen Aufschrei auslösen sollte. Kaum jemand konnte der Versuchung widerstehen, die Elle der Gesinnung an Reime mediokrer Qualität zu legen, die, geschmeidig gesungen, Suggestivkraft entwickeln, ähnlich einprägsam sind wie Bibis „How it is (wap bap ...)“: „Wie lange wollt ihr noch Mario-net-ten sein, / seht ihr nicht, ihr seid nur Steigbügelhalter?“

Kein Parteiprogramm, mittelgute Lyrik

Naidoo wurde zum Staatsfeind Nummer Eins erklärt und zum dreistündigen Rechtfertigungsdiskurs beim Mannheimer Oberbürgermeister gebeten, der hernach zur Kenntnis gab, die Grundgesetztreue des Herrn Naidoo und seiner Combo sei gewährleistet. Zuvor hatten maßgebliche Medien, prominente Politiker und minderbegabte Komiker den Eindruck erweckt, die „Söhne Mannheims“ bliesen zu Angriffskrieg und Rassenkampf. Wie im Falle Bibi ein klassischer Kategorienfehler, der der Selbstverdummung Vorschub leistet: Pop ist Pop ist Pop ist Kunst. Den Rest regeln Gesetze, nicht Geschmacksrichter.

Man darf „Marionetten“ allerschärfstens ablehnen, zurückweisen, verdammen. Doch die drei Hauptaussagen des Liedchens als nicht von der Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt zu sehen, dürfte unmöglich sein. Naidoo singt, in holpernde Metrik verpackt: Es gebe Politiker, die nicht die Interessen des Volks vertreten. Kinderschänder verdienten das Schlimmste. Medien sagten nicht immer die Wahrheit. Diesen drei Thesen, es sei wiederholt, muss wahrlich niemand zustimmen. Doch es bleiben drei hinreichend in Rätselworte verpackte Aussagesätze, die die Gegenaussage schon in sich tragen. Es handelt sich um kein esoterisches Parteiprogramm, sondern um gesungene mittelgute Lyrik, die als Lied funktioniert, auf dem Rücken der Beats ins melodische Ziel findet.

Düstere Zeiten für die Meinungsfreiheit

Das Bundesverfassungsgericht urteilte übrigens im November 2009: „Die Absicht, Äußerungen mit schädlichem oder in ihrer gedanklichen Konsequenz gefährlichem Inhalt zu behindern, hebt das Prinzip der Meinungsfreiheit selbst auf und ist illegitim.“ Es sei nicht erlaubt, „die Meinungsfreiheit unter einen generellen Abwägungsvorbehalt zu stellen“. Hat es wirklich eines Xavier Naidoos bedurft, um uns jenseits aller orchestrierten Leitkultur- und Hate-Speech- und Demokratiedebatten an die Unhintergehbarkeit der Meinungsfreiheit zu erinnern? Wenn es so wäre, dann sind es nicht heitere, dann sind es düstere Zeiten im Frühling des Jahres 2017. Schon die Zeitgenossen versuchen, ihre Spuren zu verwischen.

Dirk Nollmann | Do, 11. Mai 2017 - 15:57

Im Jahr 2001 wirkte Xavier Naidoo bei dem Song "Adriano" mit, der als Reaktion auf einen Neonazi-Mord entstand.

Auszug: "Dies ist so was wie eine letzte Warnung / denn unser Rückschlag ist längst in Planung / wir fallen dort ein wo ihr auffallt / wir bieten eurer braunen Scheiße Aufhalt / denn war ihr sucht ist das Ende / und was ihr erreicht sind geballte Fäuste und keine Hände / euer Niedergang für immer / was wir hören werden ist euer Weinen und Gewimmer"

Hat sich damals jemand über militante Liedtexte beklagt?

Oder gibt es nur dann negative Presse, wenn man gegen die Obrigkeit stänkert?

Und dürfte heute ein Xavier Naidoo einen Song über mordende Migranten machen?

Michaela Diederichs | Do, 11. Mai 2017 - 16:02

Damit bringen Sie es - wie üblich - auf den Punkt. Wer sonst keine Probleme hat, konstruiert sich welche.

Carla Leoni Pleew | Do, 11. Mai 2017 - 16:14

Wie "ticken" diese jederzeit maximal empörungsbereiten Zeitgenossen?
Nachdem wieder irgendetwas gefunden wurde, was nicht 100% regierungskonform klingt oder aussieht, wird in allen Kanälen mit maximaler Wucht (N-Keule) auf den Delinquenten eingeschlagen. Liegt man da nach so einem Tag zufrieden im Bett und labt sich an der eigenen Zugehörigkeit zu den Guten?
Dieses moderne Spießertum liegt wie Blei über diesem Land.

Harro Meyer | Do, 11. Mai 2017 - 16:27

Es geht hier nicht mehr um Inhalte: Es geht darum, die "politische korrekte" Darstellung bis auf das letzte Wort zu gewährleisten. Unwörter, wie Marionetten sind da in Zusammenhang mit Politikern unerwünscht. Göbbels lässt grüßen.
Ich finde aber, der Mannheimer Bürgermeister Kurz hat den richtigen Weg in der geifernden Journaille gefunden: Still Abhaken.

patrick feldmann | Do, 11. Mai 2017 - 22:46

In reply to by Harro Meyer

Herr Meyer.

Und es ist der Abschied vom kritischen Denken (huhu-Frankfurter Schule!)!
Die Linke lebt heute in Oxymoroi und Paradoxa: eben...links-intellektuell (ich denke ja: entweder - oder)

... ganz genau.

Bloß, wie weit wird die Herrscherkaste nebst Apparat gehen, um den Leidensdruck seinen Anpassungsdruck entgegenzusetzen?

Erst schleichend: Merkels Rechtsbruch als "humanen Imperativ" hinstellen u. später als "wirts. Herausforderung" markieren; Integrations-Sprachkurse wird aus Versichertengeld der AfA bzahlt u. damit zweckentfremdet bzw. veruntreut, keine öffentl. Diskussionen auf Augenhöhe, AfD-Bashing im öffentl R., .... Konzertabsage mind. einer Stadt an X.N. als Reaktione auf "Marionetten" ....

Hier stimmt etwas ganz gewaltig nicht ...

Weisung an die Journaille von 1939:
Im Zusammenhang mit dem Namen Hitler und anderer "politischer Größen" mussten abwertende Begriffe wie Mörder, Marionetten, Hampelmänner oder Ähnliches unterbleiben, nachzulesen in den Tagebüchern von Göbbels.

Andreas Ronge | Do, 11. Mai 2017 - 17:16

Sehr geehrter Herr Kissler,

wie so oft sind Sie - meiner MEINUNG nach - mal wieder am eigentlichen Punkt knapp vorbeigeschrammt. Mit Ihrer alles halb so wild weil nur Luxusprobleme Logik haben Sie messerschaft erkannt, dass Meinungsrichter durchs Land streifen, die aufrechten Wutbürgern wie Naidoo das Wort verbieten wollen.

Nur: Naidoo singt seine Meinung, veröffentlicht seinen Song und muss sich damit eben auch der Öffentlichkeit stellen. Dies provoziert Meinungen, Gegenreden und auch diese sind von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Also: wo liegt eigentlich das Problem, welches Sie in Ihrem Artikel verhandeln. Mein Gott, müssen wir Luxusprobleme haben, wenn sich ein Artikel ausschließlich damit beschäftigen kann, dass wir Luxusprobleme haben.

???

Viele Grüße

sondern die Meinung aller etablierten Zeitungen und mittlerweile auch von ganz normalen Tageszeitungen. Wo Herr Naidoo sich heraus suchen kann ob er Antisemit, Hetzer, Verschwörungstheoretiker ist, zu Gewalt aufruft und eben Staatsfeind Nummer 1 sein. Wo dann auch mal festgestellt wird, dass VOX aber immer noch(!) mit ihm zusammenarbeitet.
Da werden Auftritte abgesagt, das Nichtsingen eines Liedes zur Voraussetzung für einen Auftritt.
Ich finde, dass ist einfach zuviel und sagt eben etwas über den Zustand der Meinungfreiheit in Deutschland aus!
Wenn sich einer aber im Ziegenstall wohlfühlt, dann gibt es Solidaritätsbekundungen ohne Ende!

Das Problem, daß Sie offenbar nicht erkennen, ist folgendes. Im Falle Naidoo geht es nicht darum, daß jeder jederzeit berechtigte oder unberechtigte Kritik anbringen kann, sondern darum, entweder in vorauseilendem Gehorsam oder offenbar ja auch auf Anweisung, Leute mundtot zu machen, in dem man sie nicht mehr spielt oder bei Veranstaltungen auslädt. Das ist der vielbeschworenen pluralistischen und bei anderer Gelegenheit umjubelten "offenen Gesellschaft" unwürdig, und schränkt die Freiheit weiter ein.

Dass "Kisslers Konter" eine GLOSSE ist, ist vielleicht als solche zu wenig deklariert. Das Ironische des Schreibens um einen "Hype" wie den geschilderten ist jedoch etwas anderes, als der Versuch einer Analyse, das Denken und Fühlen der politisch Mächtigen und erschreckend vieler Menschen so von der Zwangsideologie der "Politischen Korrektheit" besessen zu sehen und: Womit es unmöglich geworden ist, hier überhaupt noch zu debattieren.

Selbstverständlich schließt Meinungsfreiheit auch das Recht zur Gegenrede mit ein. Jeder darf den Song unsäglich finden, ihn nicht kaufen und seine Meinung darüber kundtun. Was wir hier und in ähnlich gelagerten Fällen aus der jüngsten Vergangenheit (s.Pirincci) jedoch erleben, geht weit darüber hinaus. Da werden ganze Kampagnen gegen unliebsame Personen gefahren, es gibt Boykottaufrufe - nicht selten auch Aufrufe zur Gewalt. Die Personen werden geradezu öffentlich vernichtet - was oft mit einem beträchtlichen wirtschaftlichen Schaden einhergeht (soviel ich weiß, hat der NDR bereits einen Vertrag mit Naidoo gekündigt). All das ist nicht einmal strafbar, hat jedoch auch mit Meinungsfreiheit nichts mehr zu tun. Das sind eher moderne Hexenjagden.
Und wo bleiben die Relationen? Diese 3 fraglichen Sätze könnte doch jeder Mensch mit klarem Verstand unterschreiben. Das einzige Problem dabei ist doch, dass derartige Kritik heute als "rechts" gilt. Sind wir wieder soweit?

Tonicek Schwamberger | Do, 11. Mai 2017 - 17:22

. . . haben Sie vielen Dank für Ihre zutreffenden Worte.- Da mich solche Musik der Beiden "Interpreten" wahrlich nicht kenne, sie mir auch nicht freiwillig anhören würde, habe ich jetzt ein wenig Ahnung, was hier unter Pop zu verstehen ist.
Versuchen wir, die "düsteren Zeiten des Frühlings 2017", so gut es geht, zu überstehen.

Reiner Jornitz | Do, 11. Mai 2017 - 17:24

Man sagt Hunde die sich auf den Schwanz getreten sehen bellen fürchterlich. Ein Song schreiben über mordende und vergewaltigenden Migranten Herr Nollmann , dann hätte Xavier Naidoo es persönlich mit Angela Merkel zu tun bekommen, das würde nicht gehen ! diese werden unter ihrer Glasglocke beschützt! Über 40 Jahre bin ich im Außendienst und ich habe wirklich das Gefühl das die Obrigkeit uns als Marionetten behandelt! Möglichst keine Kritik , Denkrichtung die nicht in deren Sinne ist, politischer Gegner wie die AFD die verteufelt wird und als Aussätzige betrachtet wird , ist das nicht Einflussnahme auf unser denken ? Will die Obrigkeit unsere Matrix beeinflussen. Gut das es Xavier Naidoo gibt der die Probleme als schlechte Paradigmen sieht. Das hat überhaupt nicht mit brauen Denken zu tun!! Aber sonst hat wie immer das Flaggschiff des Cicero Herr Kissler den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke für den Gedankenimpuls und Kommentar.

Max Ruber | Do, 11. Mai 2017 - 17:29

Die "Luxusgöre" konnte mit ihrem Geschäftsmodell nur gewinnen. Bei Millionen "likes" für das "Lied" oder bei Millionen "dislikes" für das "Lied". Die Bekanntheit wird weiter erhöht.
Die "dislikes" erhöhen den Medienrummel immens, selbst der Cicero sieht sich genötigt, einen Artikel zu schreiben.
Ich habe mir das Video angesehen und finde es in der Ausführung extrem professionell. Gegen das Lied an sich kann ich auch nichts sagen. Ich höre bei Musik nie auf den Text und genieße die Wirkung der Töne und Stimmung auf mich. Deswegen verurteile ich auch nicht "Das Tier in mir" von den Böhsen Onkelz.

Was mir aber übel aufstößt ist, dass jetzt sogar seriöse Medien Geschäftsmodelle "pushen", in der Meinung, die Meinungsfreiheit zu verteidigen ...

Mathias Trostdorf | Do, 11. Mai 2017 - 19:03

Es ist leider nicht das erste Mal, daß man sich an das Buch 1984 oder auch an Zustände in der DDR erinnert fühlt, in der Gesinnungspolitik und Gesinnungsmedien versuchen, Leuten vorzuschreiben, was angeblich gut und richtig ist, und politisch Andersdenkende hysterisch fertig gemacht und ausgegrenzt werden sollen. Man sieht ja im Falle Naidoo, daß das auch klappt, denn eine ökonmische Konsequenz in Form von gecancelten TV-, Radio- oder Veranstaltungsauftritten bringt die Abtrünningen natürlich schnell wieder auf Linie. Ich hätte 1990 nie gedacht, daß ich sowas nochmal erleben muß. Schlimm.

Petra Maria Schaefer | Do, 11. Mai 2017 - 19:48

muss und will ich nicht......
Ja - es lebe die Meinungsfreiheit -
Noch hoffentlich recht lange.
DANKE Herr Kissler und Cicero

Ralf Altmeister | Do, 11. Mai 2017 - 20:45

Die häßliche Seite von Jan Böhmermann ?

Hubert Knapp | Sa, 13. Mai 2017 - 09:16

In reply to by Ralf Altmeister

Staatsfernseh-Satiriker Böhmermann hat ja nur häßliche Seiten aber solange er nichts gegen die etablierte Presse-Politik-Seilschaft sagt, fällt jegliche plumpe Hetze und Beleidung unter "Kunstfreiheit" und ist als schützenswerte Errungenschaft der modernen Kultur zu sehen.

patrick feldmann | Do, 11. Mai 2017 - 22:42

und die Spuren der Meinungsfreiheit sind längst verwischt.
Zynisch gesprochen funktioniert die Demokratie aber noch, denn zu Volks(darf man das noch so sagen?)-Vertretern gehört ja auch ein Volk, das ihnen immer noch verzeiht, daß es sich gar nicht mehr "Volk"nennen darf. Manche halten das für "aufgeklärt". Ich denke, es ist die neue linke Piefigkeit,- das neue Statt-Deutsch der SchonlängerhierLebenden und jenerdienochnichtsolangeHIERleben. Ortsangabe statt Identität- auch das ein Kategorie-Irrtum!

Susanne Dorn | Do, 11. Mai 2017 - 23:47

hat wahrlich andere Probleme, die gelöst werden müssen!

robert renk | Fr, 12. Mai 2017 - 09:16

"Atemlos durch die Nacht" hetzen unsere selbsternannten Wächter der Demokratie, immer auf der Suche nach Menschen die der Korrektur bedürfen.
Ja auch die Musik soll jetzt politisch korrekt sein, vorbei die Zeiten wo Rockmusiker den Sturm auf das Establishment flankierten.
Staatstragend sollten die Interpreten sich geben, wie Helene und Campino.
Herr Kissler sie sind eine Bastion der Freiheit !

Hermann Neumann | Fr, 12. Mai 2017 - 09:31

Ganz ehrlich, dass was Naidoo singt habe ich zu meiner Frau schon vor Jahren gesagt. Es spiegelt genau das wider, was mein Seelenleben und Lebensgefühl in Deutschland schon lange beeinträchtigt. Nur die Politiker wollen es nicht hören, weil sie ja die Verursacher sind. Wir kamen vor einer Woche aus aus einem Kurzurlaub aus Andalusien zurück, da sagte ich im Flugzeug zu meiner Frau: Das leben in Deutschland ist, wie Leben im offenen Vollzug. Die Menschen in Andalusien leben zum Teil in einfachen Verhältnissen, ihr Lebensgefühl ist jedoch das eines freien und mündigen Menschens.
Noch Fragen?

Harro Meyer | Fr, 12. Mai 2017 - 11:25

In reply to by Hermann Neumann

So ist es: Wer die Mähren des Jesus Christus glaubt und wie seine Politiker korrekt denkt, lebt im offenen Vollzug der BRD wie Gott in Frankreich, auch wenn er sein Gewissen dabei, dem Kapitalismus zuliebe, etwas verbiegen muss.

Hermann Neumann | Fr, 12. Mai 2017 - 09:42

Naidoo, Bleib so wie du bist und reibe es ihnen so richtig unter die Nasen. Wir " Normalbürger " brauchen auch mal was zum Freuen. Und ich freue mich tierisch, wenn sich die Angesprochenen aufregen.
Danke.... Naidoo!

Renate Aldag | Fr, 12. Mai 2017 - 10:53

zusammen mit betreutem Denken und die Duldung von verlorener Meinungsfreiheit. Vielen Dank, Herr Kissler, Sie skizzieren das Deutschland anno 2017 wiedereinmal perfekt!

Heidemarie Heim | Fr, 12. Mai 2017 - 12:37

In reply to by Renate Aldag

Danke Frau Aldag,das Sie mich erinnern! Werde meine Betreuungsverfügung dergestalt abändern bevor mich die politische Demenz dahinrafft:) Habe ja bis Sept.anno 2017 Zeit,entsprechende Formulierungen zu finden.Schönes Wochenende!
MfG

Petra Führmann | Fr, 12. Mai 2017 - 11:35

Ich kenne das Lied jetzt nicht, lese aber im Artikel etwas von drei Aussagen aus dem Lied: (Marionetten, Zeitungen) Und was daran stimmt nicht? Das sind ja nicht mal Unwahrheiten. Ich verstehe nicht, worum es geht. Was mich viel mehr nervt, sind diese ewigen verlangten Korrektheiten, die anderen die Meinung verbieten. DAS ist anzuprangern. Verbote einer Äußerung (wer nimmt sich das Recht zum Verbot eigentlich heraus?) löscht nicht das Denken, ganz im Gegenteil.

heißt es in einem deutschen Volkslied, das in der Zeit des Absolutismus entstanden ist. Damals durften die Menschen nicht gegen die Herrschenden agitieren. Das blieb in der Nazizeit genauso und in der DDR musste man auch sehr vorsichtig mit despektierlichen Äußerungen sein. Wir sahen uns 1989 in der glücklichen Lage, unsere Gedanken laut auszusprechen ohne Repressionen befürchten zu müssen. Sollte diese schöne Zeit jetzt zu Ende sein?

Ralf Grünewald | Fr, 12. Mai 2017 - 11:50

dann sind wir wieder da wo wir vor langer Zeit schon einmal waren.

Also ich weiß nicht was unsere Medien reitet wenn Sie dermaßen über einen Künstler herfällt. Was soll das? Will man gegenläufige Meinungen unterdrücken? Ich interpretiere das so: Die Mainstreammedien wissen natürlich was für uns Bürger gut ist. Sie wissen aber auch was schlecht für uns ist, weshalb wir dummgeborenen und leider auch dummgebliebenen Bürger eigentlich froh sein sollten, dass diese gebildeten interlektuell über allem und jedem stehenden Institutionen Ihre schützende Hand über uns halten. Da kann auch ruhig mal die Meinungsfreiheit auf der Strecke bleiben. Hauptsache Alle bleiben auf Kurs. Schade nur um die GEZ-Gebühren die ich jetzt auch noch für Informationen zahlen muss die mir vorenthalten werden. Ansonsten finde ich Naidoos Aussagen nicht mal so falsch.
Mein Gott, wie tief soll Deutschland noch sinken.

Brigitte Karpenkiel | Fr, 12. Mai 2017 - 13:49

In einer Sternausgabe gab es eine herrliche Karikatur, in der Erdogan Frau Merkel als Marionette rumhampeln ließ. Nun wird wiederum in einem Song die Marionette zum Thema. Das passt der Bundesregierung garantiert nicht vor der Wahl ins Konzept, ansonsten kann man sich diese Hysterie von vielen Seiten nicht erklären.

Georg Dallmann | Fr, 12. Mai 2017 - 14:15

klingt ja wunderbar, ist aber bekanntlich auch bei Cicero eine realative Sache.
Dennoch hat Kissler - natürlich - Recht!
Mittlerweile sind wir doch da angelangt, wo alle Meinungen wegzensiert werden, die dem Mainstream nicht passen.
Es gibt genug Leute in diesem Lande, die bekommen die Krätze, wenn sie z.B. manche Politiker von reden hören, und selbst der Kanzlerin mag nicht jeder immer zuhören....weil er/sie es einfach "gräuslich" findet...

Jeder hat da eben so seine Geschmacksrichtung, das ist auch ok.
Aber ist deswegen jemals irgend jemand auf die Idee gekommen, diesen Leuten die MeinungsÄUSSERUNG zu verbieten?
Entweder wir sind FÜR oder wir sind GEGEN....
ein "bisschen" FÜR WENN.........entspricht nicht dem Geist des Art. 5 GG und ziemt sich auch nicht für echte Demokraten.
Es zeugt höchstens davon, daß jemand Angst hat, die eigenen Argumente könnten nicht tragend genug sein..........das ist dann aber eine andere Ebene..
Unsere Freiheit ist immer auch die er anderen..

Margrit Morf | Fr, 12. Mai 2017 - 15:39

Ich bin auch immer wieder neu erstaunt um nicht zu sagen schockiert, dass kaum ist eine Aussage rechts von der Mitte ein reflexartiger Aufschrei durch die Mainstream Medien geht. Im Fall von Naidoo sogar bis in die Regierung hinauf. Ist das nicht schon fast lachhaft ?Scheinbar ist die Meinung der CSU die rote Linie die nicht überschritten werden darf. Was darf sich die linke "Kultur" etc. nicht alles erlauben - alles wird toleriert. Umgekehrt bleibt die freie Meinungsäusserung mit gütiger Mithilfe der Politik auf der Strecke. Dasselbe bei der AfD. Kaum öffnet jemand den Mund wird sozusagen reflexartig heftig widersprochen, resp. dareingeredet, als hätte man Angst, dass jemand zuhören könnte. Ist das wirklich einer Demokratie würdig ? Ehrlich gesagt, diese extreme Verurteilung und Nichtbeachtung der freien Meinungsäusserung kann ich in keinem Nachbarland feststellen.

Ronald Solle | Fr, 12. Mai 2017 - 17:24

Seien wir doch mal ehrlich, gegen den Text von Herrn Böhmermann gegen Erdogan ist das Lied doch gar nichts.
Da hat Herr Böhmermann doch mehr als über das Ziel hinweggeschossen. Egal wie man zum Pascha von Istanbul steht das war einfach nur beleidigend.
Aber halt Satire. Bei Naidoo der mal ein bissel Wahrheit in ein Lied packt ,soll nun alles nur schlecht sein. Die Wahrheit ist doch viele Bürgermeister und Landräte fühlen sich nur als Marionette "einer wir schaffen das Politik" . Das die Presse nicht immer die Wahrheit schreibt,pfeifen doch die Spatzen von den Dächern. Wie viel wird da beschönigt,unterschlagen und in anderes Licht gesetzt. Nur können viele nicht zwischen den Zeilen lesen und glauben den ganzen Schmarrn. Die entscheiden dann leider auch immer die Wahlen und nicht die die lesen können.
Meinungsfreiheit ist auch ein hohes gut... scheinbar aber nur wenn sie den Regierenden recht ist.
Mit freundlichen Grüßen

Marius Andersen | Sa, 13. Mai 2017 - 00:16

Es kann erhellend wirken wie die Welt von anderen gesehen wird, Nachrichten der Nachbarländer zur Kenntnis zu nehmen,
Franxe 2-5, östereichische, oder schweizer Sender,
wie auch als Printmedium die nzz.ch/international,
ich verzichte auf den Konsum deutscher Leitmedien. soweit es möglich ist.
Q. e. d.

Klaus Elmar Müller | Sa, 13. Mai 2017 - 21:36

Xavier Naidoo hat Recht. Die Diktatur rollt an. Darum keine Duldung für eine einzige wahrhaftige Stimme unter Dutzenden pseudokritischer, geistreichelnder Kabarettisten, die Lakaien der herrschenden Parteien und deren Vertreter in den Medien sind.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Um die Freischaltung kümmert sich die kleine Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Wir danken für Ihr Verständnis.