Humboldt-Forum Berlin - Gründungsintendant Parzinger rechnet mit seinen Kritikern ab

Politiker, Professoren und Journalisten kritisieren das Museumskonzept für das Humboldt-Forum im Stadtschloss. Es verharre im kolonialen Blick auf seine Objekte. Der Leiter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz widerspricht. Postkolonialer Institutionenhass helfe nicht weiter

Hermann Parzinger
Laut Parzinger wird das Humboldt-Forum „seiner historischen Verantwortung gerecht“ / picture alliance

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Das Cover der Ausgabe September 2017 von Cicero

Im Streit um das Berliner Humboldt-Forum hat dessen Gründungsintendant Hermann Parzinger die Kritik am Ausstellungskonzept zurückgewiesen. Das Humboldt-Forum werde „seiner historischen Verantwortung in ganz besonderer Weise gerecht“, ohne deshalb ein „Museum des deutschen Kolonialismus zu werden“, schreibt Parzinger in einem Beitrag für die September-Ausgabe des Cicero. „Das wäre zu wenig, weil ausschließlich rückwärtsgewandt.“

Aufarbeitung nicht alleine möglich

Die Ergebnisse der Herkunftsforschung flössen in die Ausstellungsgestaltung ein. Die Provenienzforschung sei „eine zwar wichtige, aber eben nur eine Perspektive auf einen Gegenstand“, so Parzinger. Das Humboldt-Forum könne nicht allein „eine gesellschaftliche Debatte über jahrzehntelange Versäumnisse“ bei der Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus führen. „Eine wirkliche Dekolonisierung des Museums wird erst dadurch erreicht, dass die Kuratorinnen und Kuratoren der Sammlungen lernen, dass ihnen die Dinge nur anvertraut sind und sie die Deutungshoheit über die Objekte mit den Vertretern der Herkunftsgesellschaften zu teilen haben.“ Eine „wohlfeile Selbstprofilierung“ auf Seiten der Kritiker diene diesem Ziel nicht. „Gerade nach den tragischen Erfahrungen der Kolonialzeit, in der Deutschland und die anderen europäischen Kolonialmächte unfassbare Schuld auf sich geladen haben, hilft uns postkolonialer Institutionenhass, der sich derzeit gerne auf Völkerkundemuseen kapriziert, nicht weiter“, schreibt der Gründungsintendant.

Im rekonstruierten Berliner Stadtschloss, das 2019 eröffnet werden soll, werden Sammlungen aus Afrika, Asien, Australien, Ozeanien und Amerika zu sehen sein. Politik und Medien hatten dem Humboldt-Forum vorgeworfen, die Herkunftsgeschichte der außereuropäischen Objekte nicht hinreichend aufklären zu wollen und so in koloniale Denkmuster zurückzufallen.

 

Cicero-Cover-September

Den ganzen Artikel von Hermann Parzinger lesen Sie in der September-Ausgabe des Cicero, erhältlich am Kiosk und in unserem Online-Shop.

 

 

 

 

 

 

 

Josef Garnweitner | Do, 31. August 2017 - 16:32

wirklich nicht mehr, weshalb bei uns um Alles und Jeden so ein Bohei gemacht wird.

Ich war in Istanbul im Topkapi-Museum. Da hat die Führerin, eine deutschsprechende Türkin, als Einleitung folgendes gesagt:

"Nur zu Ihrer Information, da drin ist nichts was türkisch ist. Alles was Sie sehen werden ist zusammengestohlen"

Ruth Müller | Fr, 1. September 2017 - 13:07

Wann kommt wieder Vernunft und Wissenschaftlichkeit in den Ideologen-Diskurs?
Wer sind eigentlich die selbsternannten Tugendwächter und ihre Anzahl - mal Ross und Reiter nennen. Und als zweites aus welchen Topf die Alimente fließen ... .
Das Ausland glaubt mittlerweile die Deutschen haben ein Knall und zwar einen riesengroßen!

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