Schwesig, Barley, Heil - Drei Chancen für die SPD

Kolumne: Leicht gesagt. So traurig der krankheitsbedingte Rücktritt von Ministerpräsident Erwin Sellering in Mecklenburg-Vorpommern auch ist. Der SPD könnte die folgende Personalrochade endlich wieder auf die Beine helfen. Auch weil einer aus seinen früheren Fehlern gelernt haben dürfte

Manuela Schwesig hält eine Rede beim Landesparteitag der SPD in Mecklenburg-Vorpommern
Manuela Schwesig: Noch ist sie kämpferische Familienministerin, bald vielleicht schon beliebte Landesmutter / picture alliance

Autoreninfo

Wulf Schmiese leitet das „heute journal“ im ZDF. Zuvor hat er als Hauptstadtkorrespondent, jahrelang auch für die FAZ, über Parteien, Präsidenten, Kanzler und Minister berichtet.

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Es sagt sich nicht leicht in diesem traurigen Fall: Des einen Schicksal kann des anderen Glück sein. Für einige Sozialdemokraten ist der krankheitsbedingte Rückzug des langjährigen Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, eine Chance. Wenn die Genossen nun alles richtig machen, könnte das der maladen SPD auf die Beine helfen.

Der Schock ist echt: Sellering ist beliebt und geschätzt in der SPD. Er war der letzte Wahlsieger vor dem Schulz-Hype. Ein Parteiarbeiter, der auch mit 67 Jahren „noch viel vor“ hatte, wie er sagt. Doch nun braucht er alle Kraft privat, weil die Krebsdiagnose düstere Zeiten ankündigt. Neun Jahre führte er das Land, das seine Wahlheimat geworden ist. 1994 kam er als Verwaltungsrichter aus Westfalen nach Greifswald, wurde erst dort SPD-Mitglied. Er stieg rasch auf, wurde erst Justiz-, dann Sozialminister, bevor er selbst das Kabinett wie auch die Landes-SPD leitete.

Bundespolitisch hielt er sich zurück. Dort engagierte sich seine ehrgeizige Stellvertreterin Manuela Schwesig, die in der DDR aufwuchs und seit Jahren in Schwerin lebt. Es ist lange ausgemacht, dass die ausgebildete Finanzfachwirtin ihm nachfolgt, wie sie ihm schon 2008 nachfolgte und für fünf Jahre Landessozialministerin wurde. 

Schwesig und Barley dürften profitieren

In Schwesigs Wechsel zurück nach Schwerin liegt die erste Chance für die SPD, die Sellerings Schicksalsschlag ermöglicht. Denn eine neue Ministerpräsidentin verspricht Aufmerksamkeit, noch dazu in Ostdeutschland, wo die SPD weithin am Boden liegt. Schwesig könnte ihr Image aufpolieren. Ein präsidialer, landesmütterlicher Stil würde sie beliebter machen, als sie derzeit in der Position als kämpferische Familien- und Frauenministerin ist.

Die Chance auf mehr Zuspruch wird nun auch ihrer Nachfolgerin im Bundeskabinett geboten, Katarina Barley. In den zwei Jahren als SPD-Generalsekretärin war ihr das kaum möglich. Denn in dem Amt sollte sie ja gerade möglichst scharf streiten und kämpfen. Generalsekretäre sind bestenfalls bei den eigenen Truppen beliebt, ohne Erfolg für die Partei jedoch nicht einmal das. Für Barley kommt der Wechsel also wie gerufen, denn das Schulz-Hoch fiel noch in ihre Amtszeit. Der jüngste Niedergang allerdings auch. Ihr Schönreden überzeugte nicht mehr. Selbst politische Gegner trauen der promovierten Juristin und Mutter von zwei Söhnen zu, dass sie als Bundesfamilienministerin fachlich punkten wird. 

Hubertus Heil – eine sichere Wahl 

Barleys bisheriges Amt – und das ist die dritte Chance für die SPD – bekommt jemand, der sich damit auskennt. Hubertus Heil war von 2005 bis 2009, in den ersten vier Jahren der Großen Koalition unter Führung Angela Merkels, schon einmal SPD-Generalsekretär. Das war ein harter Job, weil eben nicht hart gespielt werden durfte in dieser heiklen Frühphase des Miteinanders von SPD und Union. Heil musste aufpassen, dass er nicht die Opposition gab gegen die eigenen Regierungsmitglieder Franz Müntefering, Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel. 

Genau dafür wurde er jetzt ausgewählt, denn Heil ist eine systemloyale Wahl. Der Niedersachse gilt als eher Rechter in der SPD, als Verfechter von Schröders Agenda 2010. Einst hat er die „Netzwerker“ mitgegründet – so nannten sich besonders pragmatische Sozialdemokraten, die das ewige Flügelschlagen, Linke gegen Seeheimer, überwinden wollten. Um, wie Kritiker sagten, schneller selbst Karriere zu machen.

Neuer Schwung für den Wahlkampf

Heil gelang das nur bedingt. Nach der historischen 23-Prozent-Niederlage des damaligen Kanzlerkandidaten Steinmeier übernahm der Generalsekretär die Verantwortung und fügte sich ins Glied zurück, wurde auch später nicht mit einem Minister- oder Staatssekretärsamt entlohnt. 

Beides, seine Demut wie seine fachliche Gewandtheit, imponierte dem SPD-Vorsitzenden Martin Schulz. Der hätte sich auch gut seinen alten Vertrauten Achim Post als Barley-Nachfolger vorstellen können, denn der ist bereits seit 2012 Generalsekretär der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE). Doch Heil ist die Wahl auf Nummer Sicher. Ein Profi, zuweilen zu sehr, wenn er Phrasen als Antwort drischt.

Heil allerdings kennt inzwischen die Fehler, die ein Generalsekretär bei einer Bundestagswahl machen kann – er trat ja dafür zurück. Da er als klug gilt, wird er sie nicht wiederholen und könnte überraschen als Kämpfer in nun wieder vorderster Reihe.

Drei Chancen also für die SPD. Drei personelle Neuanfänge mit erprobten Personen. Das allein bedeutet natürlich nicht, dass die SPD das große Rennen bis zum September auch gewinnen wird. Aber es bietet doch eine Grundvoraussetzung dafür: auf sicheren Beinen zu stehen.

Manuel Kilcher | Mi, 31. Mai 2017 - 16:19

Da ist ja jemand gut über Personal und Verhältnisse informiert. Auf die drängende Fragen (Ende deutscher Souveränität durch Masseneinwanderung, Euro-Rettungsprogramme, und Abrüstung der Bundeswehr) geht allerdings weder der Autor noch die SPD nennbar ein. Nur weil Deutschland prozentual weniger Bürokraten als Finnland hat, kann man innerhalb der SPD übrigens nicht unbedingt einem rechten Flügel angehören. Schließlich zahlt ein durchschnittlicher Angestellter 70% Steuern und Abgaben und 11% aller Deutschen den Spitzensteuersatz. Eine solche SPD ist unwählbar.

Markus Gerle | Do, 1. Juni 2017 - 09:39

In reply to by Manuel Kilcher

Sie haben vollkommen Recht. Eine Partei, die von sich behauptet, soziale Politik machen zu wollen, obwohl sie zutiefst unsoziale Politik gemacht hat, ist ein Widerspruch in sich. Neben dem von Ihnen genannten Argument, dass die SPD die arbeitende Bevölkerung immer mehr ausbeutet bzw. ausbeuten will, obwohl der eigene Spitzenkandidat den größten Teil seines fürstlichen EU-Salärs selbst nicht versteuerte, möchte ich aus Platzgründen nur noch zwei weitere Beispiele für das unsoziale Verhalten der SPD anführen: Die SPD steht für eine ständige Verteuerung des Wohnens. Dies über die Zustimmung zur Entwertung unserer Währung, zig neuen bauverteuernden Vorschriften und der erhöhten Besteuerung des Wohnens (in NRW inzwischen sogar 6,5% Grunderwerbssteuern). Die Attacken von SPD Politikern wie A. Nahles und W. Walter-Borjahns auf kleine Selbständige sind ein weiterer Beleg für die unsoziale Gesinnung dieser Partei. Da helfen auch keine Personalwechsel mehr.

Peter Rosenstein | Mi, 31. Mai 2017 - 16:24

"Schwesig könnte ihr Image aufpolieren. Ein präsidialer, landesmütterlicher Stil würde sie beliebter machen, als sie derzeit in der Position als kämpferische Familien- und Frauenministerin ist."

Es sollte nicht um Images gehen, Herr Schmiese, sondern um Inhalte. Was Sie kämpferisch nennen, nenne ich sexistisch. Im einzelnen:

- Die Frauenquote ist eine Katastrophe, die sich nicht mit unserem Grundgesetz in Einklang bringen lässt
- Das Entgeltgleichheitsgesetz fußt auf der Gender-Pay-Gap-Lüge, ist also komplett obsolet
- Das Ignorieren Schwesigs der berechtigten Forderungen von Männern und Jungen, insbesondere denen von Scheidungsvätern ist eine einzige Frechheit
- Als Verfassungsorgan hat sie in ein laufendes Verfahren eingegriffen (#teamginalisa). Sie hätte wegen dieser Ungeheuerlichkeit zurücktreten müssen

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen... Und Sie meinen wirklich, dass ein wenig Image-Kosmetik ausreicht, um diese Versagerin zur Landesmutter umzuschminken?

Es ist ja nur eine Frage, wie man Chance definiert. Schwesig verschwindet erst einmal mit ihren Skandalen weitestgehend von der Bildfläche. Damit wird ein Mäntelchen über ihr Versagen gedeckt. Wenn Barley sich noch etwas zurückhält, dann dürfte von der Seite auch keine Gefahr mehr drohen. Heil ist Profi, wird auf den Wähler erst einmal neu wirken und wird alles tun, um Patzer zu vermeiden. Im Gegensatz zu seiner letzten Amtszeit, dürften die zu lösenden Aufgaben schwieriger geworden sein. Man darf gespannt darauf sein, wie gut er das meistert.

ergänzen möchte ich, dass Schwesig mit einer der wichtigsten Gründe ist warum ich die SPD nicht mehr wählen werde. Ideologisch verbohrt und nicht geeignet für irgendein höheres Amt, das ist meine Meinung von ihr. Auch wenn sie jetzt weg gelobt wird, verübele ich der SPD das solche Figuren in der SPD das Sagen haben.

Herr Falter, das geht mir genauso und ich stamme aus einer Familie, in der die SPD gewählt wurde, seit die Partei gegründet wurde. Ich kann sie bedauerlicherweise nicht mehr wählen, weil mich bestimmte Exponenten (Frau Schwesig in vorderster Front) zum Feindbild aufgrund unveräußerlicher Merkmale erkoren haben. Ich bin weiß, Mann, heterosexuell, alt und bekanntlich wird unsere Gesellschaft erst menschlich, wenn diese Spezies überwunden ist. Ergo sind die Sozialdemokraten für mich nicht wählbar.
Die SPD wird erst wach werden, wenn sie auf dem Müllhufen der Geschichte gelandet ist. Aber so ist das mit Sexisten und Rassisten, eines Tages werden sie überwunden werden...

Gerdi Franke | Mi, 31. Mai 2017 - 16:27

Na da muss man doch sofort Schulz wieder auf 100% hochjubeln. Aber so wie die Medien keinen Bundespräsidenten einsetzen können setzen sie auch keinen Kanzler ein. Also bitte etwas ruhiger und abwarten. Bis zur Wahl tut sich noch vieles.

helmut armbruster | Mi, 31. Mai 2017 - 17:49

nachdem sich die Schulz-Chance als Strohfeuer entpuppt hat, zaubert man halt 3 neue Chancen aus dem Hut, oder nennt sie wenigstens so.
... und der Cicero leistet Beihilfe.
Aber der Gegner heißt Merkel und dieser Dame kann das bisschen Personalrochade nicht gefährlich werden, denn dazu müsste ganz anderes Geschütz aufgefahren werden, schweres Kaliber und keine Knallerbsen.

wenn Sie "schweres Geschütz" schreiben würden, in etwa bedenkend `Die großen Ideen kommen auf Taubenfüßen daher´.
Zugegeben, gerade Nietzsche hat sich nicht nur daran gehalten, vielleicht weil er so krank und die Aufgabe so groß war, aber Sie erinnern sicherlich, deshalb konnte man Nietzsche massiv falsch verstehen und geradezu entsetzlich mißbrauchen.
Irgendwie würde ich meinen, dass bei Merkel es völlig ausreicht, wenn man gewissenhaft, ernsthaft und solidarisch im politischen Miteinander wäre.
Kurz, ich habe mir Schulz angeschaut und er ist ein Lichtblick im "leeren Raum um" ...
Ich kann die SPD gut wählen, denn so schlimm wie Merkel kann es im Ernst so schnell niemand machen.

und Verpflichtung gegenüber Flüchtlingen, aber in der Diskussion "Unter den Linden", die ich gesehen habe, klang das nach Flüchtlingskontingente aus den Flüchtlingslagern holen, um sie zu entlasten und meines Wissen nicht gleichzeitig die finanzielle Unterstützung für diese Lager zu streichen.
Gabriel hätte hoffentlich weniger blind als Merkel die Grenzen geöffnet.
Warum bewerte ich Gabriel diesbezüglich schwächer als Trittin?
Ich halte ihn für nicht strategisch so begabt wie Trittin.
Dagegen Merkel:
Man inszeniert? ein Treffen mit einem Flüchtlingsmädchen und Merkel debattiert die politische Großwetterlage evtl. wie Gauck am besten mit denen, die ihr argumentativ am nächsten sind, mit Kindern?
Das Flüchtlingsmädchen konnte nicht verschaukelt werden, also unverstellter als Merkel und daher mehr politisches Niveau.
Dann `lockt´ Merkel alle zu gemeinsamen Wegen bei der Grenzöffnung, was macht sie schon alleine, wenn man es ihr anhängen könnte und kann? dann nicht mehr entscheiden

Albrecht Eger | Mi, 31. Mai 2017 - 17:54

Wie alle drei innerhalb weniger Wochen derartige "Wunder" wirken sollen wird allerdings nirgends erklärt...

Mathias Trostdorf | Mi, 31. Mai 2017 - 19:19

Ich sehe bezüglich dieser Personalrochade keinerlei Chancen für die Steigerung der Umfragewerte für die Genossen. Es könnte helfen, daß die umstrittenen Manuela Schwesig keine Familienministerin mehr ist und durch die Verschickung in die Provinz aus der Schußlinie genommen wurde. Das wird aber dazu führen, daß die SPD in MVP Stimmen verlieren wird. Die farblose Barley wird man wahrscheinlich kaum bemerken, wenn sie weiter so defensiv bleibt. Und daß man den alten Wahlverlierer Hubertus Heil, wahrscheinlich aus Mangel aus Alternativen, reaktivieren mußte, spricht eigentlich Bände. Immerhin wurde der größte SPD-Unsympath Stegner nicht mitrochiert. Das hilft den Genossen aber auch nicht mehr.

Dr. Ulrich Mende | Mi, 31. Mai 2017 - 19:51

Die letzte Wahl in MV hat Herr Sellering als Personenwahl gewonnen. Wäre Frau Schwesig damals angetreten, dann hätte das Ergebnis meiner Meinung nach für die SPD deutlich schlechter ausgesehen. Für mich war Frau Schwesig als Familienministerin eigentlich untragbar. Ihr ausschließlicher "Kampf gegen Rechts" ist völlig realitätsfern. Ihre Auftritte in Talkshows waren eher zum Wegschalten.
Sie wird es gerechter Weise sehr schwer in MV haben.

Sehr geehrter Herr Dr. Mende, ich sage Ihnen voraus: Sie wird sich in Ihrem neuen Amt präsidial geben und das übliche "Politikergeschwurbel" zulegen. Damit kann Sie dann mit Hilfe der Medien vieles kaschieren, was Sie in der Vergangenheit alles so von sich gegeben hat und - verzeihen Sie die Wortwahl - "verbrochen" hat. Und ganz nebenbei ist Sie an den Pfründen angekommen, die Sie sich schon immer erhofft hatte.

Michaela Diederichs | Mi, 31. Mai 2017 - 20:25

Nichts für ungut, aber es geht nicht um Image, Haltung - das ist eine Sache. Inhalte sind ausschlaggebend. Was SPD (und Grüne) bieten, ist nicht wählbar.

Torsten Knecht | Mi, 31. Mai 2017 - 22:08

... wünsche ich Herrn Sellering viel Kraft und einen positiven Ausgang seines Krebsleidens.

Und den drei SPD-Funktionären mit neuer Herausforderung wünsche ich auch viel Kraft u. ein paar neue Ideen, wie sie das Ruder noch herumreißen können.

Ausschlaggebend wird sein, ob sie zu ihren Wurzeln zurückkehren o. ob sie weiterhin den Wähler auf Distanz halten. So oder so, die Menschen sind die gleichen geblieben, lediglich die SPD hat sich von ihrer Wählerschaft verabschiedet. Das ist der Knackpunkt, den die SPD zu lösen hat. Erziehungsgeschwafel, Nebelkerzen, Personenkarussel u. das Motto: Kleckern statt Klotzen helfen der SPD auch nicht weiter.

Dirk Gutmann | Mi, 31. Mai 2017 - 22:49

Sehr geehrter Herr Schmiese,
Ihre Zweckoptimismus sei Ihnen gegönnt. Nein, diese kosmetischen Maßnahmen werden der SPD nicht helfen. Die SPD hätte nur dann eine realistische Chance, wenn Sie ohne Personen wie Frau Özoguz, Herrn Maas, Herrn Oppermann, Herrn Stegner und am besten auch ohne Herrn Schulz selbst in den Wahlkampf ziehen würde.

Schaub Hubert | Do, 1. Juni 2017 - 00:44

Früher hatte ich mal SPD gewählt, die Zeiten
sind vorbei, sowie auch bei der CDU.

Udo Dreisörner | Do, 1. Juni 2017 - 07:57

... das politische Personalkarusell ist immer wieder erstaunlich. Eine Erkrankung ist immer schlimm, da wünsche ich Herrn Sellering alles Gute. Aber aus dem Bäumchen-wechsel-dich innerhalb der SPD gleich den nächsten Hype zu generieren halte ich für verblendet. Die SPD sowie alle anderen Parteien hätten sehr gute Chancen wenn sie schlichtweg endlich reale Politik machen würden. Wenn ich nun lese das Frau Schwesig ihr Image aufpolieren könnte zeigt es doch worum es im Polit-Kasperletheater wirklich geht: ums eigene Image, um die eigene Stellung und Macht. Elegant eine Zeit lang von der großen Bühne verschwinden um dann durch den Hintereingang auf der kleinen Bühne weiter rumzudödeln. Und das ist bei allen Parteien so. Ob nun Heil wieder ausgegraben wird oder zu Guttenberg.

Gerdi Franke | Do, 1. Juni 2017 - 09:19

Die Medien sollten endlich aufhören, neue Köpfe als neue Chancen zu bezeichnen. Die Wähler agieren inzwischen nicht mehr nach Optik sondern immer häufiger nach Inhalten! Denn der Großteil kann sogar inzwischen Programme lesen!

Josef Garnweitner | Fr, 2. Juni 2017 - 15:05

In reply to by Gerdi Franke

ganz recht Frau Franke, es ändert sich ja nichts. Nur weil drei neue Clowns auftreten, bleibt der Zirkus doch der gleiche.

Wann kapieren das die etablierten Parteien endlich, daß das Austauschen von Gesichtern nicht mehr reicht? Eine Grundreinigung ist angesagt, nicht mehr und nicht weniger.

Johannes Luig | Do, 1. Juni 2017 - 09:28

Sehr gehrter Herr Schmiese. Ihre Analyse ist ja zutreffend, nur ist die Frage der SPD-wahlprognose völlig irrelevant. Die Partei ist für mich bedeutungslos. Es geht ihr nur noch um Macht und Posten. Da ist keine Liebe, keine Sorge, keine Verantwortung mehr für unser Land. Als Vater eines erwachsenen, behinderten Kindes mache ich mir ernsthafte Sorgen um dessen Zukunft. Wie lange noch wird unser Sozialstaat den massiven Sozialmissbrauch der Ausländer- ist das Wort noch erlaubt?- aushalten? Wenn ich nicht mehr bin, wer kümmert sich dann um meinen Sohn? Er kann nicht auswandern, wie es viele Leistungsträger schon jetzt tun.
Soll die SPD doch untergehen, meine Hoffnung liegt bei der der Afd.

Yvonne Walden | Do, 1. Juni 2017 - 10:20

Die Führungsriege innerhalb der SPD scheint noch immer nicht begriffen zu haben, daß "Volks"Parteien "dem Volk aufs Maul schauen" müssen, um Sympathie und Zustimmung zu erwerben.
Weshalb befragen die Parteistrategen denn nicht einfach diejenigen, die der SPD nach der Schröder-Ära enttäuscht den Rücken gekehrt haben?
Warum ist es einer "Volks"Partei wie der SPD nicht möglich, sich einfach und schlicht auf die Seite des Volkes, also der großen Mehrheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, zu stellen?
Warum gab bzw. gibt es nach wie vor Steuererleichterungen für Unternehmerinnen und Unternehmer und für Reiche und Superreiche?
Solange diese SPD nicht klipp und klar erkennen läßt, daß sie einer wirklichen sozialen Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen will, wird sie den Zuspruch der Mehrheit nicht gewinnen.
Das Ziel hieß bis 1959 "Demokratischer Sozialismus" und dürfte heute aktueller denn je sein. Nur wenn eine breite Mehrheit zufrieden gestellt wird, kann diese Partei politisch punkten.

Andreas Müller | Do, 1. Juni 2017 - 10:32

Die SPD puncht seit Jahren oberhalb ihres Kampfgewichts und wird dafür medial aufgeplustert. Ich tippe deshalb auf einen massiven Rutsch in die tiefere Realität bei der BTW: zu schlechtes Personal, kein überzeugendes Programm, maue Ergebnisse.
Der Schulz-Hype war der rote Scheinriese, aus dem die Partei zu einem weißen Zwerg schrumpfen wird. Der böse, weiße Kern der Partei heißt Heiko Maas und ist der Urenkel von Gustav Noske.

Horst Johnson | Do, 1. Juni 2017 - 12:09

Als Antwort was man im Zeitalter von Industrie 4.0, kommender Massenarbeitslosigkeit,sowie mit den sich rasant vermehrenden Menschenmassen anfangen soll, liefert die SPD Personalrochaden. Was daran Chance sein soll, bleibt das Geheimnis des Autors. Schon gar nicht auf die Frage wieviele nichtbeitragende Entnehmer unsere Sozialsysteme verkraften, bevor sie zusammenbrechen und Verteilungskämpfe beginnen. Ihre einzige Sinngebung dieser toten Partei sieht sie sich mit dem Fähnlein "gegen rechts", nur wird dieses kaum mehr reichen eine Bundestagswahl zu gewinnen. Sprich sie bekämpft die Opfer ihrer eigenen Politik und deklariert sie auch noch als "rechts". In Essen wählten Arbeiterfamilien mit weit über 20% die AFD. Ohne eine polit.180 Grad Wendung werden diese nie mehr wieder zur SPD zurückkommen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 1. Juni 2017 - 13:09

Herr Schmiese, haben Sie Frau Schwesig verfolgt?
Ich bin anfangs immer offen Menschen gegenüber, weil das Leben schön und gut ist. Alles andere ist Krankheit, Irrtum etc.
Also war ich auch Frau Schwesig gegenüber offen.
Aufgefallen ist mir ihre Beharrlichkeit in den falschen Dingen, als da wäre, weiterreden, wenn frau auch kurz innehalten kann.
Das klingt lächerlich, aber ich schätze Gespräche und Dialoge.
Angemessen gegenüber der AfD war sie auch nicht.
Warum ist das fatal?
Nun, der Großteil derjenigen, die früher SPD gewählt haben, wählen jetzt AfD und CDU, weil letztere in der Wahrnehmung nur mitmacht und ganz schnell rigide Politik zu machen bereit ist. Das ist erschreckender Weise das letzte worauf diese Leute noch hoffen, wenigstens besser dazustehen als die ungeliebten Migranten.
Das Wörtchen Solidarität geht verloren, wenn jeder Verein mit ihm stiften geht.
Die SPD hat Merkel nicht nur nicht gebremst, sondern manchesmal auch noch angefeuert.
Schwesig polarisiert?

Silas Loy | Do, 1. Juni 2017 - 14:16

Ein Parteigewächs, keine Landesmutter.

Und auch die Landesmütter der SPD haben keinen überzeugenden Eindruck hinterlassen, weder Simonis noch Kraft noch Dreyer. Keine von ihnen mit einer begründbaren Chance auf die Kanzlerkandidatur.

Gottfried Meier | Do, 1. Juni 2017 - 18:28

Selbst wenn die SPD Helmut Schmidt wieder ausgraben würde, würde ich es mir dreimal überlegen, ob ich die Sozis wählen würde. Leider haben die anderen Parteien einschließlich der Union auch nichts Besseres zu bieten. Diese Wahl heuer ist echt ein Dilemma!

Um wirklich "gerechtere Verhältnisse" zu schaffen, müßte unser Land grundlegend "umgegraben" werden.
Unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem strotzt vor Ungerechtigkeit.
Warum sagt uns dies keine Politikerin, kein Politiker?
Es kann und darf doch nicht sein, daß wir arbeitende Menschen ein Sozialprodukt schaffen, deren Erträge (Gewinne) fast vollständig "dem Kapital" zufließen, also denjenigen, in deren Eigentum sich die großen Unternehmen und Konzerne befinden.
Diese Tatsache wird inzwischen von vielen erkannt oder zumindest erahnt, die "große Politik" greift diese Thematik jedoch nicht wirklich auf.
Weil nämlich die "staatstragenden" Parteien vom "Großen Geld" gesponsert werden.
Hier müßte eine vollständige Umkehr stattfinden, aber wie und mit wem?
Die Sozialdemokraten haben inzwischen jede Reputation verspielt, weil sie sich ebenfalls an "die Rockzipfel des Großen Geldes" klammern und dabei nicht erkennen, daß das Wahlvolk etwas ganz anderes will, nämlich soziale Gerechtigkeit.

Susanne Dorn | Do, 1. Juni 2017 - 18:32

… an der SPD bemängeln, trifft ebenso für die CDU zu. Das ist ja das Wahldilemma der Bürger. Die CDU kann nicht einmal mehr rochieren - aus Personalmangel. Sonst wären v.d. Leyen, de Maizière, Gröhe usw. nicht mehr in Amt und Würden. Auch in dieser Partei sind keine Nachfolger in Sicht.

Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Land die verheerenden Folgen weiterer vier Jahre Merkel-Kanzlerschaft verkraften kann.

Es ist zum Heulen!

Werner Baumschlager | Do, 1. Juni 2017 - 21:29

Eine völlig substanzlose Fassade als Ministerpräsidentin hinzustellen soll was sein? Eine neue Chance?

Mathias Trostdorf | Do, 1. Juni 2017 - 22:46

Der Ausdruck, den Sie benutzten, klingt böse, trifft es aber zu 100Prozent!

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