Die Macht-Flüsterer

Keine Aussage und keine Einlassung, die die Großen der Politik nicht mit ihrem engsten Umfeld absprechen würden. Cicero stellt die drei einflussreichsten politischen Berater der Republik vor

Beate Baumann
() Beate Baumann
Sieht man Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier oder Guido Westerwelle im Fernsehen oder auf Fotos, sind drei Personen allenfalls als Schatten im Hintergrund zu erkennen. Sie scheuen die erste Reihe. Doch so unsichtbar sie für die Öffentlichkeit bleiben, so wichtig sind sie für das politische Spitzenpersonal. Die Rede ist von den drei Büroleitern, von Beate Baumann, Stephan Steinlein und Martin Biesel. Ihnen gemeinsam ist eine langjährige enge persönliche Beziehung zu ihren Chefs. Sie haben diese über verschiedene Stationen der politischen Karriere begleitet, Erfolge und Niederlagen miterlebt. Sie kennen Stärken und Schwächen, Freunde und Feinde. Es gibt andere, die die Politspitzen überallhin begleiten. Diese drei halten die Politikmaschinerie aus ihren Büros heraus in Gang. Sie sind das Scharnier zwischen der Führung und den Fachleuten in Kanzleramt, Ministerium und Fraktion. Alle Vorlagen gehen über ihre Schreibtische, sie organisieren und koordinieren Rücksprachen, entscheiden, wer bis zur Nummer eins vordringt und wer nicht – und erfreuen sich dementsprechend unterschiedlicher Beliebtheit. Doch damit nicht genug. Wenn es um die Frage geht, welche Themen gesetzt werden, wie man sich strategisch aufstellt, welches Ziel als nächstes angesteuert wird, reden diese drei entscheidend mit. Es gibt eine Fülle von Beratern, die dabei auf den Plan treten. Diese drei aber sind diejenigen, auf deren Wort sich Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier und Guido Westerwelle am Ende verlassen, genauso, wie sie sich von ihnen hinter verschlossenen Türen Kritik anhören. Es war Christian Wulff, der Baumann und Merkel 1992 zusammenführte. Er kannte Beate Baumann aus der Jungen Union, wo sie sich engagierte, seit sie nicht im Mainstream der damaligen Friedensbewegung mitschwimmen wollte. Merkel war gerade zur stellvertretenden CDU-Vorsitzenden gewählt worden und suchte Hilfe für ihr Büro in der Parteizentrale. In den Jahren danach war immer wieder vom sogenannten „Girlscamp“ die Rede – zu dem auch Pressesprecherin Eva Christiansen zählt – das unaufhörlich und hartnäckig an Merkels Aufstieg arbeitete und nun den Machterhalt fest im Blick hat. Die mittlerweile 45-jährige Büroleiterin Beate Baumann begleitet seither innerhalb der eigenen Partei der Ruf der unerbittlichen Kämpferin für die Interessen ihrer Chefin. Ihre Härte und Konsequenz sind gefürchtet. Sie hat das einmal damit erklärt, dass sie nicht dulden könne, wenn irgendwo im Merkel’schen Einflussbereich Absprachen getroffen werden, von denen sie weiß, dass die Kanzlerin sie nicht schätzt. Was nützt der Kanzlerin, was schadet ihr – das ist das Maß der Dinge für die Frau, die der Chefin in ihrer eher nüchternen wie auch unprätentiösen Art sehr ähnlich ist. Der Weg in die Politik war für Baumann nicht vorgezeichnet. Sie studierte Anglistik und Germanistik, um Lehrerin zu werden. Auch Stephan Steinlein hatte zunächst keinerlei Ambitionen, in den politischen Apparat einzusteigen. Im Gegenteil: Er wuchs in der DDR auf und war geprägt durch seinen Vater, Superintendent Reinhard Steinlein, der sich dagegen wehrte, dass die evangelische Kirche auf SED-Kurs geführt wurde. Der 1961 geborene Stephan Steinlein wurde zunächst Walzwerker, studierte später Theologie. Das Jahr 1989 brachte für ihn die grundlegende Wende. Über seine Professoren – unter anderem Richard Schröder und Wolfgang Ullmann – geriet er ins Umfeld der Politik und wurde der letzte Botschafter der DDR in Paris, auch deshalb, weil er gut Französisch sprach. Mit der Einheit bewarb sich Steinlein beim Auswärtigen Amt und absolvierte die Diplomatenschule. Ende der neunziger Jahre wurde er Steinmeier empfohlen, als dieser einen Pressesprecher für seine Arbeit als Leiter des Kanzleramts suchte. Dass die beiden seither eng zusammenarbeiten, führen Beobachter auf eine gewisse Wesensverwandtschaft zurück. Beide sind eher nüchtern, mit einem großen Faible für die Theorie. Noch heute liest Steinlein, der Vater von vier Kindern ist, am liebsten philosophische und theologische Texte. Die drei Büroleiter kennen sich untereinander, regeln viele Angelegenheiten im direkten Gespräch. Martin Biesel ist derjenige von ihnen, der bereits mit dem Studium in die Richtung der heutigen Tätigkeit ging. 1962 in Bergisch-Gladbach geboren, studierte er in Bonn und zeitweilig in den USA Geschichte und Politik. Die in den achtziger Jahren verbreitete Anti-FDP-Stimmung reizte ihn, sich im Studentenparlament gerade bei den Liberalen zu engagieren. Biesel arbeitete zunächst als studentische Hilfskraft im Bundestag und ging nach dem Examen als Referent zu Otto Graf Lambsdorff ins Thomas-Dehler-Haus. Dort wurde er schließlich Leiter des Büros des Generalsekretärs, der zunächst noch Werner Hoyer, aber schon bald Guido Westerwelle hieß. 1999 zog es ihn in die Wirtschaft, zur EADS, doch schon 2001 holte ihn Westerwelle zurück. Nachdem der „Spaß-Wahlkampf“ von 2002 und das Drama um Jürgen Möllemann den Parteichef im Mark erschütterten, wird der Imagewandel Westerwelles auch auf den Einfluss Biesels zurückgeführt. Das hält der Vater eines fünfjährigen Sohnes selbst natürlich für überbewertet. Denn die Nummer eins muss mit Abstand die Nummer eins bleiben, darin sind sich die Macht-Flüsterer einig. Foto: Picture Alliance

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