Altkanzler - Helmut Kohl ist tot

16 Jahre lang regierte er die Bundesrepublik, sein Vermächtnis wird die Wiedervereinigung bleiben. Altkanzler Helmut Kohl ist im Alter von 87 Jahren gestorben

Helmut Kohl 2014
Helmut Kohl, 1930-2017 / picture alliance

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Am Freitagmorgen ist Altkanzler Helmut Kohl gestorben. Der langjährige CDU-Vorsitzende war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler, länger war es keiner. Er wurde 87 Jahre alt. Sein größter Erfolg ist die deutsche Wiedervereinigung, er galt  als „Kanzler der Einheit“.

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Jochen Wegener | Fr, 16. Juni 2017 - 20:53

nur in einem einzigen Moment: als er ohne Absprache mit den Westmächten seine Zehn-Punkte vor dem Bundestag vortrug und damit alle zwang ihm bei Strafe des politischen Gesichtsverlustes zuzustimmen.Damit hat sich Kohl in die Geschichte eingeschrieben und das auch noch positiv. Eine seltsame Analogie also zu der Politik Merkels, die ja nur aussitzt un in einem einzigen Moment - am 4.September - eine alleinige Entscheidung traf. Nur hat sie sich damit negativ in die Geschichte eingeschrieben und das Land genau in dem Maße zerstört wie es Kohl aufgerichtet und vereint hat. Kohls große Tat hat Merkel wieder vernichtet.

schreiben über die Parallelen von Kohl und Merkel.
Man nehme noch "ein paar Generationen" zwischen den Beiden und ich bin mir nicht mehr sicher, ob dieser Vorgang sich wirklich positiv in die Geschichte einschreibt.
Punkt 9 klingt für mich gewissermassen realistisch, denn nur über eine "Entwaffnung" Russlands konnte dieses westliche, m.E. eher US-freundliche Europa aufgebaut werden.
Hat sich Frankreich entwaffnet oder England?
Ich glaube nicht, dass man diese 10 Punkte schon richtig gelesen hat.
Nachdem evtl. Merkel über die Ostbedrohung "noch einmal ganz neu nachgedacht hat", wird wieder aufgerüstet?
Man muss den Kontext beachten, die starke Friedensbewegung sowie die Unsicherheit über das Zusammenwachsenwollen der beiden Staaten.
Schnell alternativlos gemacht und es klappte?
Warum klappt nicht bei Merkel, was noch bei Kohl klappte?
Es ist irgendwie "verkehrt"? Es folgt keiner Logik mehr?
Die Alternativlosigkeit zu Souveränität ist immer nur Souveränität.
Denker an die ..?

Martin Berger | Fr, 16. Juni 2017 - 23:04

Als Österreicher, der die Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze hautnah erlebte (erst unlängst verstarb mit Alois Mock auch ein großer Mitteleuropäer mit Einwirkung auf die Grenzsituation), Grenzöffnungen in größerer Entfernung zur damaligen Zeit stets mit Gänsehaut erlebte, bin ich ihm sehr dankbar für seinen besonnenen und unprätentiösen Beitrag zum Aufbau des Hauses Europa.
Helmut Kohl empfand ich aus der entfernteren Perspektive als volksnahen Kanzler, der die internationale und regionale Bühne kannte und beides zum Bestandteil seines Wirkens machte.
Mein Beileid an die Verwandten, Bekannten und Freunde sowie an Alle, die sich im verbunden fühlen und Trauer und Traurigkeit spüren.

H.P.Schirra | Sa, 17. Juni 2017 - 01:26

Er war ein Mann der großen Taten,
aber auch der großen Fehler !!..
Er wollte in die Geschichte eingehen mit diesem Europa der offenen Grenzen und mit dieser "Totgeburt des €uro" Damit hat er uns etwas schlimmes eingebrockt, an dem nicht nur wir, sondern auch noch die nachfolgenden Generationen sehr zu leiden haben.
Mit der Wiedervereinigung hat er natürlich
Geschichte geschrieben !
Leider kam er mit seiner eigenen Familie
nicht zurecht, und das war eigentlich
das traurigste an diesem Mann !!

Er war zwar ein Mann von großer Gestalt,
aber im Vergleich zu Helmut Schmidt war er von ziemlichem Durchschitt.

H.P.Schirra | Sa, 17. Juni 2017 - 01:32

Er war ein Mann der großen Taten,
aber auch der großen Fehler !..
Er wollte in die Geschichte eingehen mit diesem Europa der offenen Grenzen und mit dieser "Totgeburt des €uro" Damit hat er uns etwas schlimmes eingebrockt, an dem nicht nur wir, sondern auch noch die nachfolgenden Generationen sehr zu leiden haben !

Mit der Wiedervereinigung hat er zweifellos Geschichte geschrieben.

Hermann Neumann | Sa, 17. Juni 2017 - 09:25

Wenn er als Architekt Europas gehuldigt wird, so klingt es beim Zustand des heutigen Europas eher als wäre er der Pfuscher dieses Chaos gewesen. Alles was mit Gewalt zusammengefügt ist, ist nicht für Dauer.

Heiner Hannappel | Sa, 17. Juni 2017 - 19:54

Wir haben einen Macher, Gestalter und Visionär verloren, der die Fähigkeit und Weitsicht besaß, seine Visionen umzusetzen. Schaut man auf sein Wirken mit den Ergebnissen seiner Politik, wird einem schlagartig klar, was wir schon lange seit 12 Jahren vermissen.Heute schauen wir auf eine Politik, die mehr schlecht als recht ohne Visionen sein Erbe verwaltet und in Mittelmäßigkeit verharrt.Wir schauen auf eine Politik dieser Bundesregierung, welche die von Helmut Kohl geschaffenen Instrumente der Mastrichtverträge, speziell die NO-BAIL- OUT Klausel zum Funktionieren des Euro und der Einheit Europas und relativieren und zerstören lässt.Wir brächten heute einen Regierungschef/in des Vertrauens und der Verbindlichkeit wie Helmut Kohl! Doch eine so im wahrsten Sinne des Wortes hervorragende Person in der europäischen und deutschen Politik fehlt und ist weit und breit nicht in Sicht.

Albert Schultheis | So, 18. Juni 2017 - 22:02

Ich finde es höchst schändlich von Cicero, einen von Krankheit gezeichneten Mann mit entstelltem Gesicht auf diese Weise vorzuführen. Habt ihr keinen Anstand?

Michaela Diederichs | Di, 20. Juni 2017 - 22:55

In reply to by Albert Schultheis

Die Bilder des von Krankheit gezeichneten Mannes sind mit Sicherheit von ihm und seiner Witwe frei gegeben worden und in so ziemlich allen Magazinen und Zeitungen zu finden. Ansonsten hätte Frau Kohl-Richter sicherlich schon Klage erhoben.

Karsten Paulsen | Mo, 19. Juni 2017 - 13:28

Während der Amtszeit Helmut Kohl schloss ich mich den Spöttern, später der Kritikern an.

Herr Kohl mögen sie vieles falsch gemacht haben, das wichtigste haben Sie saugut gemacht, ich verneige mich.

Michaela Diederichs | Di, 20. Juni 2017 - 23:05

In reply to by Karsten Paulsen

"Herr Kohl mögen sie vieles falsch gemacht haben, das wichtigste haben Sie saugut gemacht, ich verneige mich." Ich auch. Das doofe an Geschichte ist: man erkennt seine Fehler erst später. Dann erklären es einem die Historiker, aber dann weiß man es längst selbst.

Walter Kluck | Mi, 21. Juni 2017 - 23:19

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Die Tutzinger Rede Egon Bahrs im Juli 1963 war Auftakt für die von Willy Brandt eingeleitete Politik des Wandels durch Annäherung. Diese Politik wirkte sich positiv auf die Überwindung der deutschen Teilung aus. Die friedliche Revolution der Menschen der DDR bewirkte den Fall der Mauer und öffnete letztendlich das Fenster zur Wiedervereinigung. Helmut Kohl, der von den Berliner Ereignissen in Polen überrascht wurde, nutzte das Zeitfenster und überwand die Vorbehalte einiger Bündnispartner und erlangte die Zustimmung Gorbatschows, so dass die Teilung Deutschlands durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 überwunden werden konnte. Die nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik betriebene Treuhandpolitik muss allerdings negativ bewertet werden, denn sie führte zur die Deindustrialisierung Ostdeutschlands und zu hoher Arbeitslosigkeit.

jürgen waldmann | Sa, 24. Juni 2017 - 09:53

Auch der große Preussenkönig , der den Staat Preussen zur Europäischen Großmacht schuf ,
der wollte nur neben seinen geliebten Hunden beerdigt werden . Sein letzter Wille wurde ihm
zu Recht versagt , er wurde in Berlin feierlich beigesetzt . Helmut Kohl veranlasste nach der Wiedervereinigung , dass der letzte Wille erfüllt wurde , Friedrich der Große ruht jetzt neben den geliebten Hunden .
Selbstverständlich muss die neu geschaffene Bundesrepublik Deutschland Helmut Kohl in allen Ehren verabschieden , das sind wir unser Geschichte schuldig , auch gegen seinen Willen ,
der vielleicht nur der Wille der Witwe ist !

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