G20-Gipfel - Globalisierung unter Druck

Das G20-Gipfeltreffen wird schon im Vorfeld von Protesten überschattet. Bei der Berichterstattung darüber scheint der Blick für das Wesentliche verloren zu gehen. Worum geht es beim diesjährigen Treffen eigentlich? Ein Überblick

Auf den Gehweg ist mit schwarzer Farbe "No G20" gesprüht.
Gegen das G20-Treffen mobilisiert sich Widerstand. Doch was ist die Alternative? / picture alliance

Autoreninfo

Thomas Jäger ist Professor für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln. Er ist Mitglied des Wissenschaftlichen Direktoriums des Instituts für Europäische Politik.

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Thomas Jäger, Universität zu Köln

„Welcome to Hell“ oder „G20 entern – Kapitalismus versenken“ – mit diesen Kampfbegriffen erwarten zahlreiche Demonstranten die Vertreter der größten Industrienation und Schwellenländer in Hamburg zum G20-Gipfel am kommenden Donnerstag und Freitag. Auch die Sicherheitskräfte rüsten auf. Es wird aller Voraussicht nach der größte und teuerste Einsatz der Hamburger Geschichte, mit 20 000 Polizisten aus nah und fern. Nicht nur wegen der hohen Kosten wird das Treffen seit jeher scharf kritisiert.

Doch was wäre denn die Alternative, um über die zentralen ordnungspolitischen Fragen der Staatenwelt zu sprechen? Abseits einer vagen „postnationalen Diskursgemeinschaft“ bleiben die regionalen Organisationen und die Vereinten Nationen. Erstere reichen nicht weit genug, die andere ist für einen effektiven Club zu groß. Deshalb kann man die Bedeutung der G20 für die internationale Politik derzeit kaum überschätzen.

Turbulente Weltordnung

Denn nicht nur aus deutscher Sicht fällt der Hamburger G20-Gipfel in eine besonders turbulente Zeit, eine Phase der internationalen Unsicherheit und Neu-Orientierung. Das liegt einerseits daran, dass die USA, China und Russland ihre politischen Ambitionen neu auszutarieren scheinen. Hängt andererseits aber auch damit zusammen, dass die EU zwischen Bangen und Hoffen, aber ohne zielsicheren Plan, ihren zukünftigen Platz in dieser Ordnung sucht. Schließlich kämpfen regionale Mittelmächte – die Türkei, Saudi-Arabien und der Iran – um ordnungspolitische Dominanz. Die „turbulente Weltordnung“ nach dem Politikwissenschaftler Wilfried von Bredow bezeichnet einen Zustand, in dem man sich auf wenig bis nichts verlassen kann.

Dabei stellt sich den Staaten eine ganze Reihe von Problemen, die von den Regierungen noch vor kurzer Zeit als Herausforderung an die Zusammenarbeit unter der Bedingung gegenseitiger Abhängigkeit gewertet wurden. Die Organisation einer gemeinsamen Handelsordnung, die Abstimmung über gleichgerichtete Klimapolitik und die Diskussion über die Bedingungen nachholender Modernisierung führten die Regierungen in den vergangenen Jahren immer wieder in harte und nur teilweise kaschierte Auseinandersetzungen. Doch die Grundlage dieser politischen Konflikte war die gemeinsame Überzeugung, dass die Globalisierung der Welt die rahmensetzende Dynamik sei. Auch wenn jeder etwas anderes unter Globalisierung verstanden hatte.

Neue Probleme für die Globalisierung

Globalisierung und Multilateralismus stehen jetzt aber in Frage, weil zwei der ambitionierten Großmächte sich aus Abgrenzungen Vorteile versprechen und die dritte Macht schon immer ein ganz eigenes Verständnis multilateraler Kooperation hatte. Die USA, Russland und China sortieren gerade ihre Interessen an der internationalen Ordnung neu. Das ist der Grundkonflikt dieses G20-Gipfels, der freilich so nicht diskutiert wird. Der Gipfel ist aber kein politiktheoretisches Seminar. Wo die einzelnen Staaten in Fragen des Multilateralismus stehen, ist aus den Verhandlungen um die einzelnen Themen herauszufiltern.

Das wird beim wichtigsten Thema, der internationalen Wirtschafts- und Handelsordnung, daran sichtbar werden, wie stark sich die G20 gegen Protektionismus aussprechen. Nach der Finanzkrise 2008 wurde dieser Club ja gerade deshalb international tonangebend, weil es gelang, nationale Abschottungen zu verhindern. Bleibt dies so? Und werden weiterhin die damals gefassten Schlüsse aus der Bankenkrise gezogen? Oder ist die Aufweichung des regulierenden Dodd-Frank-Act in den USA der Startschuss für die nächste Casino-Rallye an den Finanzmärkten? In allen drei Staaten, da darf man sicher sein, gibt es Interesse daran.

Klimapolitik

Auch beim Klimaschutz war man sich im Pariser Abkommen nahe gekommen. Nicht nahe genug, um alle Fragen der Emissionsreduzierung, Dekarbonisierung und Überwachung zu klären. Aber immerhin soweit, dass man dies gemeinsam in Angriff nehmen wollte. Ist der angekündigte Rückzug der USA nunmehr der Startschuss in die andere Richtung? China hatte strikte Kontrollen stets abgelehnt. Trotz der Lippenbekenntnisse für mehr Klimaschutz werden weiterhin Kohlekraftwerke gebaut. Dass Russland und Saudi-Arabien das Ende von Öl und Gas für alle begrüßen würden, konnte sich sowieso kaum ein Beobachter vorstellen.

Partnerschaft mit Afrika

Die Partnerschaft mit Afrika, die für Europa von Bedeutung ist, findet in anderen Teilen der Welt keine enthusiastische Reaktion. Es ist Europas Gegenküste, die destabilisiert wurde und von der zukünftig angeblich Millionen von Menschen aufbrechen. Kein Wunder, dass die USA, Südkorea und Indien da nicht besondere Dringlichkeit verspüren. Mehr private Investitionen für Afrika wird es wohl geben können. China ist hier schon seit Jahren aktiv, ohne dass diese Entwicklung in den europäischen Staaten besonders begrüßt worden wäre. Jedenfalls schwingt nicht nur die Frage nach wirtschaftlichen Chancen, sondern auch nach politischer Teilhabe und Menschenrechten mit. Doch das wird inzwischen von den G20-Mitgliedern noch unterschiedlicher bewertet als zuvor.

Auch der Kampf gegen Terrorismus, der seit inzwischen 16 Jahren zur Legitimation von verstärkter Überwachung und Staatsgewalt zitiert wird, kann eine Rolle auf dem Treffen spielen. Doch ist kaum zu erwarten, dass sich die nationalen Umsetzungen abstimmen lassen. Es bleibt dabei, dass jeder seine eigenen Terroristen identifiziert.

Die drei Präsidenten

Trump, Putin und Erdogan: Nicht nur die deutsche Öffentlichkeit wird besonderes Augenmerk darauf legen, wie die drei Präsidenten miteinander und den anderen Teilnehmern umgehen. Sie kommen alle mit ihrer eigenen Agenda und den daraus resultierenden Konflikten. Trump und Erdogan stehen im Konflikt um Katar auf unterschiedlichen Seiten. Trump und Putin müssen zwischen neuen Sanktionen gegenüber Russland, einer aufrüstenden Nato und Sonderermittlungen gegen das Trump-Team ihre Beziehungen richten.

Schließlich spitzen sich auch die amerikanisch-chinesischen Beziehungen zu, nachdem es zuerst Entwarnung von der Wahlkampfrhetorik gab: Sanktionen gegen chinesische Firmen, Provokationen im südchinesischen Meer und die angekündigten Waffenverkäufe an Taiwan lasten auf den Beziehungen. Des Weiteren ist China unfähig, Nordkorea in der Atomfrage einzudämmen.

EU hält den Multilateralismus hoch

Das direkte Zusammentreffen der Regierungsspitzen ist auch ein Maßstab dafür, wie sich die einzelnen Großmächte die internationale Ordnung vorstellen. Und was sie dafür tun, sich mit ihrer Vorstellung durchzusetzen. Russland, die USA, China, die Türkei und Saudi-Arabien haben sich in den letzten Monaten nicht gerade als Vorkämpfer einer multilateralen Welt gezeigt. Im Gegenteil.

Die Europäische Union ist hier sowohl Vorkämpfer als auch Ausreißer. Im Aufatmen darüber, dass die populistische Gefahr fürs erste vorüberging und in wohliger Selbstvergewisserung, dass der Integration die Zukunft gehört, stabilisieren die europäischen Spitzen ihre Weltsicht in einer sich rasant verändernden Welt. Trump und Putin zu vorübergehenden Phänomenen zu erklären, mag nach innen helfen. Die Steuerungsfähigkeit eines internationalen Clubs wird dadurch aber nicht verbessert. Es ist zu befürchten, dass es auf die anstehenden Fragen vor allem nationale Antworten geben wird und der Konsens eher mager ausfällt.

Ein neues Dilemma

Die europäischen Staaten werden dadurch erneut in ein Dilemma katapultiert: Wie lange kann man sich in einer Welt, in der die nationalen Interessen wieder enger definiert werden, multilateral aufstellen, ohne die eigenen Interessen zu beschädigen? Italien hat kurz vor dem Gipfel gedroht, die Reißleine zu ziehen: keine Flüchtlinge mehr in italienische Häfen, ohne direkte und massive Hilfe der anderen. So wird dem Multilateralismus auf die Sprünge geholfen. In den meisten Fragen, die auf dem G20-Gipfel verhandelt werden, gibt es dieses Drohpotenzial jedoch nicht.

Rolf Pohl | Di, 4. Juli 2017 - 14:16

In reply to by Georg Zeegers

Lieber Herr Zeegers,
Ihre Kenntnis zu den Praktiken der verblichenen DDR scheint begrenzt zu sein.
Wärs anders, würden Sie erstens auf Foren wie diesem in der DDR keine Meinungen äußern können, geschweige denn dürfen. Zweitens, müssten Sie schon bei einem Einzeiler, einem wie Sie ihn hier formulierten, damit rechnen dass innerhalb der nächsten Stunde zwei freundliche Stasimänner an Ihre Tür klopften.

Jürgen E. Möller | Mi, 5. Juli 2017 - 07:03

In reply to by Georg Zeegers

Zwischen friedlichem Meinungsäußern und Sprayen, Randalieren und Zerstören ist doch immer noch ein kleiner Unterschied - den aber bestimmte aktivistische Spatzenhirne nicht begreifen.

Ina Langer | Mi, 5. Juli 2017 - 11:14

In reply to by Georg Zeegers

Das Recht auf freie Meinungsäußerung inkludiert nicht das Recht auf „ich kann mein Zelt aufschlagen, wo immer ich will“ (gilt vor allem für Stadtgebiete, Wohnsiedlungen und fremde Vorgärten). Des Weiteren setzt die Polizei kein Pfefferspray ohne Vorwarnung ein. Erst wenn nach Aufforderung, den Platz zu räumen, der körperliche Widerstand der Meinungskundgebenden erfolgt, darf sie sich sehr wohl auch verteidigen. Nur weil Sie das für nicht angemessen halten, ist es noch lange nicht rechtswidrig.

Rolf Pohl | Mi, 5. Juli 2017 - 19:29

In reply to by Georg Zeegers

.... auch nicht schlecht!"

Iwo Herr Zeegers, es sei denn Sie hätten vor ohne mein Einverständnis ausgerechnet auf meiner Wiese zu zelten oder da, wo z.B. die öffentliche Hand es Ihnen nicht erlaubt.
Glauben Sie etwa immer noch, das Zelten auf Campingplätze sei verboten?
Nö, is erlaubt, gegen Gebühr selbstverständlich. Probiern Sie`s doch einfach mal aus.
Nicht schlecht, oder?

Ernst Thälmann hat 1932 gesagt: Wer Hitler wählt, wählt den Krieg.
Wenn ich jetzt einen ähnlichen Satz mit Merkel und Einwanderergewalt bilde und im Internet poste, was passiert dann?
Antwort: Zwei Beamte sind schon zu Ihnen unterwegs.
PS: Für Sie
Leider hat das Engagement so vieler DDR-Bürger 1989, für die Freiheit des Denkens und der Rede auf die Straße zu gehen, keine nachhaltige Präsenz in ganz Deutschland entfalten können. Es kommt einem so vor, als hätte sich die DDR-Denk-Diktatur am Ende doch durchgesetzt. Alte und neue Diktate ähneln sich auf verblüffende Weise - immer wieder. Das scheint dann wohl doch eine Art Naturgesetz zu sein und sollte mich/uns ( Sie ? ) nicht beunruhigen. Oder doch?
Es ist verdammt anstrengend, werter Rolf Pohl .
Noch etwas werter Rolf Pohl , beim Spon..Die Zeit..Focus...und sehr vielen anderen bundesdeutschen Pu­b­li­ka­ti­onen gibt es ja bei "krtischen" Themen das "Nordkoera-Forum". Jetzt denken Sie mal intensiv nach.Schönen Mittwoch noch.

Recht hatte der gute Mann, der seine eigene Partei nur zu gut kannte und daher ahnte was Adolf-Nazi im Kopf hatte.
Stramm rechts und links, sozusagen eng verwandte Denkstrukturen.

"Leider hat das Engagement so vieler DDR-Bürger 1989, für die Freiheit des Denkens und der Rede auf die Straße zu gehen, keine nachhaltige Präsenz in ganz Deutschland entfalten können."

Nun für Sie verehrter Herr Fischer, und zwar von mir.
Frau Dr. Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, versagte im September 2015 und gebärdete sich völlig hilflos. Zitat Rolf Pohl, Berlin - Ende -
was sagen Sie nun, glauben Sie wirklich, dass nun zwei Beamte zu mir unterwegs sind? Ich glaube und weiß, es kommt kein Beamter wegen dieses Zweizeilers.
Es kommt noch besser lieber Herr Fischer. Ich erlebe mich dabei erstens nicht ein bisschen beunruhigt und zweitens, kein Stück überanstrengt. Lediglich kritisch seh ich Frau Dr. Merkel, Kanzlerin.

Nachdenken? Kaum, für diese schlichten Zeilen.

Karin Zeitz | Di, 4. Juli 2017 - 12:10

schießt nicht. Das sollten die Protestierer bedenken, ehe sie mit ihren Protesten Hamburg unsicher machen. Auch wenn die Wahl einer Großstadt als Tagungsort, der Pomp und die überbordenden Sicherheitsvorkehrungen, die das Ganze zu einem sehr teuren Vergnügen für uns Steuerzahler machen, so wichtig sind die persönlichen Treffen der führenden Politiker der großen Nationen.

"Das sollten die Protestierer bedenken, ehe sie mit ihren Protesten Hamburg unsicher machen."
Liebe Frau Zeitz,
zunächst einmal sollten Sie bedenken, dass Protestierer und Proteste, sofern sie gewaltfrei bleiben, keine Stadt unsicher machen, also auch Hamburg nicht.

Treffen wie G20 etc. halte auch ich selbstverständlich für richtig und wichtig, u.a. weil, siehe unter Betreff.
Dennoch bin ich der Meinung, dass solche Treffen, in heutiger Zeit, nicht zwingend inmitten von Städten stattfinden müssen.
Und, ich erwarte kontrollierbare wie nachvollziehbere Ergebnisse aus solchen Gesprächen. Nicht wie bisher lediglich Absichtserklärungen an die sich am Ende kein Staat zu halten hat.

20 Staats- und Regierungschefs - die üblichen Rituale: Man beschwört und beklatscht sich gegenseitig und gelegentlich sich selbst. . Verabredet Ideen, Projekte, Fahrpläne, die man irgendwann mal, bald, bald, bald ganz bestimmt, vielleicht umsetzen will.

Und das natürlich , wie soll es auch sein, wie immer unverbindlich, so wie die Pariser Verträge wo fast alle Länder Zusagen gemacht haben – doch diese Versprechen müssen nicht eingehalten werden.

Man kann den G20 Gipfel als eine Kaffeerunde betrachten, wo man sich mal wieder gesehen hat.

Seit sicherlich etwas mehr als zwei Monaten gibt es rote, gelbe, im Bedarfsfall auch grüne Telefone; Telefonkonferenzen soll es auch bereits seid Wochen geben.
Zudem Video-Konferenzen.
Im zusätzlichen Bedarfsfall könnten dazu für Einzelgespräche Darkrooms geschaltet werden.

Oder aber man fährt zur Kaffefahrt nach Helgoland, schenkt der dortigen Bevölkerung zwei Wochen Urlaub auf Madagaskar, erheblich günstiger und gesünder für alle.

Herr Fischer, Sie haben völlig recht!
Wie kann man kontrollierbare wie nachvollziehbere Ergebnisse aus solchen Gesprächen erwarten, wenn dass bis jetzt nicht der Fall war? Der Autor sagt,,Nach der Finanzkrise 2008 wurde dieser Club ja gerade deshalb international tonangebend, weil es gelang, nationale Abschottungen zu verhindern. Bleibt dies so? Und werden weiterhin die damals gefassten Schlüsse aus der Bankenkrise gezogen? Scheinbar weiß dieser nicht, dass die Zockerei dieses Mal in unregulierten Schattenbanken stattfindet und das schon länger und auf internationalem Niveau in einer nie gekannten Grösse. Die weltweite Zinspolitik macht es möglich. Unfähige Politiker und gierige Bänker sorgen dafür, dass uns das System schon bald um die Ohren fliegen wird und zwar entgültig und irreparabel. Schauen Sie sich folgende Reportage an.
http://mediathek.daserste.de/Reportage-Dokumentation/Die-gro%C3%9Fe-Gel…

"Wer miteinander redet, schießt nicht"

Nahezu sämtliche Dauerkonflikte weltweit werden heuer von permanenter Palaverei der Konfliktparteien unter der Moderation von Friedensengeln wie unserm Herrn Steinmeier begleitet. Leider also nur eine abgetragene Binse, die noch nie gestimmt hat.

helmut armbruster | Di, 4. Juli 2017 - 12:33

wer will den einzelnen Staaten vorschreiben was sie tun und lassen dürfen?
Selbst wenn sie sich einigen dies oder das zu tun, so ist das keine Garantie, dass es auch getan wird.
Das Mitmachen ist mehr oder weniger freiwillig. d.h., dass die Staaten solange mitmachen wie es ihren Interessen dienlich ist und dass sie eben nicht mehr mitmachen, wenn sie glauben es nützt ihnen nichts mehr.
Eine internationale Exekutivgewalt, die das Mitmachen und Umsetzen erzwingen könnte, gibt es nämlich nicht.
Nach dieser simplen Wahrheit läuft es ab.

Willy Ehrlich | Di, 4. Juli 2017 - 13:56

In reply to by helmut armbruster

Die schaffen wir doch nicht einmal in unserem kleinen Ländle. Hier wird die Exekutive schon seit Jahren verhöhnt und geschwächt und steht vermutlich kurz vor ihrer "Abschaffung". Staatliche Gewalt ist in den Augen der Lautesten im Lande sowas von "bäh!" und stört auch nur bei der Selbstentfaltung der revolutionären alternativen Kräfte.

Dieter Erkelenz | Di, 4. Juli 2017 - 12:43

Die "Proteste" (in Wirklichkeit Krawall, Gewalt und Zerstörungswut) erinnern mich u.a. an 1968. Dasselbe frustrierte Klientel (jetzt natürlich jung, gemischt mit einigen in die Jahre gekommen ewig Gestrigen 68zigern). Von heute 20 Jahre weiter sehen wir sie genau wie damals: gutsituiert und fest im Establishment positioniert mit der dann müden Einrede auf entsprechende Fragen: Non verba sed exempla dicitur (frei übersetzt: was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.)
Heureka!!

ich habe auch 1968 miterlebt und kenne also die tollen Ideen dieser Zeit. Man sollte die Gedanken der Jugend aller Zeiten, den Traum die Realität zu verbessern, nicht wegdiskutieren. Richtig ist aber auch, nach der Metamorphose der Raupe vergisst das neue Wesen die alten Themen und bewegt sich von der Revolution dank Evolution weiter. Jetzt hätten sie es in der Hand, die Lenker und arrivierten von heute ihre Gedanken an richtiger Stelle anzuwenden. Aber der Schmetterling kennt leider nicht mehr die Welt der Raupen, ist auch zu riskant seine Flügel zu riskieren.

Josef Garnweitner | Di, 4. Juli 2017 - 13:53

anders. Jedes Land - die Paradebeispiele sind die USA, China und Frankreich - versucht, für sich den größtmöglichen Vorteil herauszuholen. Egal um welchen Laberclub es sich handelt. UN, EU, G 7, G 2o, Sicherheitskonferenz. Was gibt es noch? Da werden hunderte Mio. Euro buchstäblich zum Fenster rausgeworfen, weil man schon vorher weiß, daß es keine Ergebnisse geben wird, die allen wenigstens ein bißchen nützen könnten.

Die Deutschen sind doch wirklich noch die einzigen auf dieser Welt, die daran glauben, daß man 2o Länder unter einen Hut bringen könnte. Dieses Ziel verfolgen sie bis zur Selbstaufgabe und Selbstverleugnung und sind noch stolz darauf, daß sie diese sinnlosen Debattierclubs ausrichten dürfen.

Juliana Keppelen | Mi, 5. Juli 2017 - 14:54

In reply to by Josef Garnweitner

Herr Garnweitner sie treffen den Nagel auf den Kopf. Es geht schlicht und ergreifend um sehen und gesehen werden, um roten Teppich und Küsschen-Küsschen Bilder. Es ist kein Zufall, dass dieser G20 justament in Hamburg stattfindet und zufällig vor den Wahlen im September. Dem Deutschen wärmt es das Herz wenn er mit schönen Bildern davon überzeugt wird wie beliebt (beliebig) seine Regentin weltweit ist, das lassen wir uns gerne etwas kosten. Eigentlich müssten diese Kosten für Wahlwerbung von der CDU/CSU übernommen werden. Denn auch bei diesem Gipfel wird man sagen können "außer Spesen nichts gewesen".

so gut Ihr Vorschlag ist, daß die CDU/CSU die Kosten für diesen Palaververein übernehmen sollen. Es wird nicht gehen. Das Geld das der G 2o Gipfel kostet übersteigt die Finanzkraft aller Parteien gewaltig. Da sind dreistellige Mio-Beträge im Gespräch.

Wenn ich mir vorstelle, wieviele Schulen man damit renovieren könnte ....................
Nur so als Beispiel.

Heiligendamm G8 = 100 Millionen Euro.....man achte darauf....mit Einsatz der BW.
Illegal gleich Scheißegal

Elmau Bayern G7 = ( Putin böse, daher nur G7 ) 132 Millionen Euro.

Hamburg G20 = sicherlich nur Peanuts aus der Portokasse

Josef Garnweitner | Do, 6. Juli 2017 - 16:31

In reply to by Bernd Fischer

ich habe grade was von 12o Mio für Hamburg gelesen, die der deutsche Steuerzahler zu leisten haben wird. Ich bin sicher, das wird nicht reichen. Was wir alle aber noch garnicht eingerechnet haben sind die Reisekosten für die diversen Delegationen, eigenes Sicherheitsprsonal, Presseabordnungen usw., die hoffentlich Deutschland nicht auch noch zu tragen hat.

Wissen Sie wieviele Menschen da rund um den Erdball reisen für ein paar Absichtserklärungen? Ich habe mal die Zahl für den Klimagipfel gelesen, ich bin fast vom Stuhl gefallen. Wenn ich mich recht erinnere war da von einer Zahl um die 2o.ooo Leuten die Rede. Bei G 2o dürfte die Zahl nicht nennenswert niedriger sein.

Und stellen Sie sich mal den CO2-Ausstoß vor, den so ein Gipfel verursacht. Dazu reisen alleine 2o.ooo Polizisten an und wieder ab. Hat man da jemals etwas von den grünen Klimakomikern gehört?

Josef Garnweitner | Sa, 8. Juli 2017 - 15:50

In reply to by Josef Garnweitner

ich total vergessen habe. Die Kosten für die Schäden, die die friedliebenden, vom Staat gehätschelten, linken Aktivisten verursachen werden.

Übrigens, bevor solcherart Gestalten vom Staat gehätschelt wurden, nannte man sowas Terroristen. Erinnert sich noch jemand an diese Zeiten?

Maik Harms | Di, 4. Juli 2017 - 14:07

Was fehlt, ist der Sinn für das Gemeinsame, das alle verbindet und/oder alle herausfordert. Das könnte die Bedrohung durch den Klimawandel sein (doch für manche noch zu abstrakt), besonders drastisch wäre vielleicht eine extraterrestrische Bedrohung... naja, Science-Fiction.
Einstweilen bleibt es dabei, dicke Bretter zu bohren, indem inhaltlich argumentiert und politisch Interessenausgleich gesucht wird.

Peter Bigalk | Di, 4. Juli 2017 - 14:42

Angesichts der zahlreichen Chaoten eine irre Entscheidung, den Gipfel in Hamburg zu machen. Ich unterstelle, dass nicht einer der Demonstranten in der Lage wäre, die Welt besser zu führen. Mit linksnaiver "No Border" Politik ist jedenfalls nichts gerettet. Global gesehen ist der Wohlstand insgesamt gestiegen, wenn auch ungleich. Hauptproblem für alles ist die Bevölkerungsexplosion in Entwicklungs- und Schwellenländern, da hilft auch noch so viel Umverteilung, Dosenpfand und Dieselverbot nichts...

Torsten Knecht | Di, 4. Juli 2017 - 15:03

... also der kleinste gemeinsame Nenner ist der Freihandel sprich Globalisierung.

Merkel kennt gar nix anderes mehr, deshalb die G20 Gripfel in D.

Selbst Trump will das, nur will er nicht von deutschen Produkten in seinem Land überschwemmt werden, andersherum bitte gern.

ich denke wir wissen beide, daß der gute Herr Trump einige Meter neben der Realität steht. Ihm sind in erster Linie die Autos ein Dorn im Auge. Dabei verschweigt er ganz bewußt, daß die Mehrzahl der deutschen Autos, die in den Staaten verkauft werden in den USA produziert werden oder zumindest in der Freihandelszone Nafta, der Amerika nun mal angehört und die auf Betreiben der USA gegründet wurde.

Trump ist halt ein Populist und darin ist er schmerzfrei.

ingrid Dietz | Di, 4. Juli 2017 - 22:43

In reply to by Josef Garnweitner

manchmal habe ich das Gefühl, dass unsere Bundeskanzlerin "auch nicht mehr von dieser Welt" ist und auch oft "neben" der Realität herläuft !
Übrigens: an Arroganz und Überheblichkeit mangelt es Frau Merkel auch nicht.

Korrektur: G-20
jetzt sind es nur noch 18 Teilnehmer dieses Gipfelchen der Alpha-Tierchen !

Ich kann Ihnen nicht widersprechen.

Übrigens, haben Sie schon mal Studien über Psychopathen gelesen? Sollten Sie mal tun. Sie glauben garnicht, bei wievielen Politikern Sie alle diese Eigenschaften finden, die Psychopathen auszeichnen. Und wissen Sie, keine dieser Eigenschaften ist positiv.

Dimitri Gales | Di, 4. Juli 2017 - 15:47

Das ist nicht neu, das war schon immer so, seit dem Beginn der Wirtschaftsglobalisierung. Jedes Land sah und sieht darin ausschliesslich nationale Interessen. Und gerade das ist das entscheidende Problem und wird es wahrscheinlich auch bleiben. Die USA, China, Russland etc. sind ausgesprochen nationalistisch agierende Nationen. Naiv sind jene in Europa (und vielleicht insbesondere in Deutschland) die meinen, die Globalisierung sei so etwas wie eine "Weltgesellschaft" in freundschaftlicher Partnerschaft. Vielmehr geht es um knallharte Interessenkonstellationen der einzelnen Staaten.

Sicherlich ist Ihnen bekannt das Deutschland Exportweltmeister ist, bzw. im Jahr 2016 exportierte die deutsche Wirtschaft so viel wie noch nie. Sie verkaufte Waren im Wert von mehr als 1,2 Billionen Euro ins Ausland.

Na klar das nennt man dann freien ..fairen Welthandel ....Globalisierung...und wir sind dann nicht "Nationalistisch" ?

wie ändern wir denn das? Ein Weg wäre vielleicht, den deutschen Firmen, die dafür in Frage kommen, zu verbieten bessere Produkte herzustellen als der Wettbewerb. Damit kauft das Ausland weniger deutsche Waren ein und Deutschlands ist das Kainsmal "Exportweltmeister" los.

Weil wir grade dabei sind. Wissen Sie übrigens welchen Handelsüberschuß die Chinesen haben? Grade gegenüber den USA.

Bernd Fischer | Mi, 5. Juli 2017 - 19:48

In reply to by Josef Garnweitner

Danke für Ihre sehr geschickte Nachfrage die leider ( so fasse ich es auf ) eine gewisse Ein­fach­heit darstellt.

Ich weiß auch keine Alternativen zur Zeit, ich brauche auch keine zu wissen. Ich bin kein Politiker. Und wenn Sie sich die Politiker angucken, die wissen auch nichts, obwohl sie den ganzen Tag in ihren Think-Tanks mit ihren Beratern und Assistenten damit beschäftigt sind, über Alternativen nachzudenken.

Kleiner Tip am Rande: Denken Sie mal an die Geldpolitik der EZB, und welches Land in der EU davon schamlos profitiert zu Lasten anderer EU-Länder.

ich glaube, wir liegen ziemlich auf einer Linie.

Aber nicht nur Deutschland profitiert von der EZB-Politik. Alle, die Schulden haben und weiterhin machen profitieren davon niedrigen Zinsen. Die Dummen sind wie gehabt die Bürger, die werden enteignet ohne es zu wissen. Überall.

Michaela Diederichs | Di, 4. Juli 2017 - 19:33

Bleibt die Verhältnismäßigkeit gewahrt? Wie stehen Aufwand und Nutzen zueinander? Eine Stadt wie Hamburg wird quasi lahm gelegt bzw. in Geiselhaft genommen. Ein massives Polizeiaufgebot will verhindern, dass die linke Gewalt explodiert. Es wird schön analysiert, um welche Konflikte es beim G20 geht. Nur - werden sie durch solche Treffen gelöst? Wie wird Hamburg und die Welt danach aussehen? Warten wir es ab.

Jürgen E. Möller | Mi, 5. Juli 2017 - 07:07

Trefft Euch doch auf hoher See auf einem Flugzeugträger; dann wird auf dem Flugdeck ein nettes großes Zelt (oder auch mehrere) aufgebaut und losgequatscht. Den Schutz übernehmen dann die üblichen Zerstörer ringsum und gut ist.
Und DIE Aktivisten, die dann protestieren, haben meinen uneingeschränkten Respekt.

Torsten Knecht | Mi, 5. Juli 2017 - 11:23

In reply to by Jürgen E. Möller

... alternativ: Bunker - jeder in seinem eigenen u. dann Telekonferenz. Die AKTIVISTEN erobern derweil die politischen Tempel u. krempeln mal eben alles um. Hernach will keiner mehr aus seinem Bunkerlein.

Josef Garnweitner | Mi, 5. Juli 2017 - 15:45

In reply to by Jürgen E. Möller

nicht einmal zusätzliche Kosten entstehen. Denn die Pötte schippern eh rum und kosten Unsummen, ob da noch da noch ein paar so Provinzpolitiker mitfahren macht den Kohl auch nicht mehr fetter. Und außen rum die Aktivisten in der Gummikuh.

Die Idee ist klasse, Herr Möller.

Dr. Lothar Sukstorf | Mo, 10. Juli 2017 - 17:25

Man gewinnt den Eindruck, daß gar nicht wenige meinen, Globalisierung bedeute, daß alle "Menschen Brüder werden". daß demnächst alle Grenzen fallen werden, daß ungehemmt, Menschen sich auf den Weg in andere Länder machen können. Usw. Und dann gibt es dann noch die zahlreichen Merkelschen Sprechblasen...kurzum, es scheint jeder irgendwie damit etwas anderes zu meinen. Mal davon abgesehen, vor der sogenannten Globalisierung hat z.B. Deutschland auch Handel mit Südamerika betrieben; dazu bedurfte es nicht dieses Stichwortes...Daß weltweit Finanzströme ungehemmt fließen, daß weltweit Investoren unterwegs sind, das alles gab es auch schon...nur nicht in dem Ausmaß wie jetzt. Was kommt denn nach der Globalisierung? Die Weltallisierung? Was bedeuten denn die einzelnen Handelsabkommen , z.B. EU-Kanada? Das ist doch irgendwie auch eine Form von Protektionismus, denn wer für freien, ungehemmten Handel ist, der braucht kein Extraabkommen dazu.

Torsten Knecht | Mo, 10. Juli 2017 - 19:07

In reply to by Dr. Lothar Sukstorf

... ist vor der Globalisierung.

Weltweiter Handel u. die Eroberung der Verbrauchermärkte, Arbeits- u. Beschaffungsmärkte wird nicht aufhören. Austausch jeglicher Art gehört zum Leben. Nur zu welchen Bedingungen, das ist der Knackpunkt u. da verlaufen die Konfliktlinien.

Globalisierung muss nicht aufgegeben werden. Nur das Geldwesen, die Matrix des Kapitalismus, muss verändert werden. Da fehlt mir eine universelle Charta, die Transaktionssteuer, Herkunftsnachweise u. a. beinhalten könnte o. Steueroasen als asoziales Geschäftsmodell brandmarkt.

Dazu muss man dann ein "G Alle" machen, um zu sehen, wer bei Ihren Vorschlägen mitmacht. Merkel und Schäuble würden Ihnen sagen, "wir versuchen es ja, aber..."; wohlwissend, daß kaum einer der anderen am deutschen Wesen genesen will. Die Amis machen bei Ihren Vorschlägen niemals mit. Und damit hat sich die Gelegenheit dann auch schon erledigt. Durch Handel wächst immer etwas näher zusammen. Dazu hätte es nicht des Begriffes Globalisierung bedurft.

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