Wahl in Frankreich - Hauptsache nicht Le Pen – und dann?

Nicht nur wegen des Terroranschlags in Paris blickt Europa voller Unbehagen auf die Präsidentschaftswahlen in Frankreich. In Deutschland ist die Diskussion manisch fixiert auf Marine Le Pen. Doch auch die anderen Kandidaten würden als Präsidenten Europa und das deutsch-französische Verhältnis erheblich verändern

Emmanuel Macron während einer Rede mit ausgestreckter Hand und Zeigefinger spricht her hinter dem Pult "#RévolutionEnMarche"
Kann Emmanuel Macron ein Hoffnungsträger für Europa sein? / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Vor Kurzem erschien sein Buch „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ beim Claudius Verlag München.

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Alexander Grau

Kurz vor der Präsidentschaftswahl, dem Hochamt der Demokratie in Frankreich, ist der islamistische Terror zurück im Herzen des Landes. Am Donnerstagabend hat ein Angreifer auf den Pariser Champs-Élysées einen Polizisten erschossen und drei Menschen verletzt, bevor er von Sicherheitskräften getötet wurde. Sofort machten sich Medien in ganz Europa daran, zu deuten, wie stark dieser Anschlag den ersten Wahlgang an diesem Sonntag beeinflussen würde. Das verwundert kaum. Denn selten zuvor haben die Medien und auch die Regierungen Europas mit so viel Unbehagen auf eine Wahl geschaut wie auf diese. Vor allem in Deutschland ist sie zu einer Schicksalswahl hochstilisiert worden. Alles oder nichts, scheint das Motto zu sein. Himmel oder Höllenfahrt. Der Grund für diese Aufregung hat einen Namen: Marine Le Pen.

Historische Dimensionen

Keine Frage: Die Wahl am Sonntag und erst recht der zweite Wahlgang am 7. Mai sind das, was man im Journalistenjargon eine Richtungswahl nennt. Wenn nicht alles trügt, wird sie eine historische Dimension haben. Sie wird Frankreich verändern. Sie wird die Europäische Union verändern. Sie wird Auswirkungen auf Deutschland haben. So oder so.

Doch das liegt nicht an Marine Le Pen. Zumindest nicht an ihr allein. Wie hypnotisiert durch den Aufstieg des Front National und manisch fixiert auf alles, was „rechts“ daher kommt, neigt die Berichterstattung und Diskussion in Deutschland zu einer erheblichen Perspektivenverengung. Wer aber mit Scheuklappen durch die Welt läuft, kann ein böses Erwachen erleben.

Selbstverständlich würde der – ziemlich unwahrscheinliche – Sieg des FN ein Erdbeben auslösen, mit kaum absehbaren Folgen für die politische Tektonik.

Diese Faszination des Undenkbaren überschattet vollständig, dass auch die anderen Präsidentschaftskandidaten programmatische Forderungen im Wahlkampf-Tornister bereithalten, die geeignet sind, Europa und das deutsch-französische Verhältnis erheblich zu verändern. Doch hierzulande hat man sich in einem gemütlichen Schwarz-Weiß-Denken eingerichtet: Hauptsache nicht Marine Le Pen. So in etwa lässt sich der Tenor in den deutschen Medien zusammenfassen. Intellektuelle Weitsicht sieht anders aus.

Frankreich auf Anti-EU-Kurs

Dabei ist die Ausgangslage relativ überschaubar: Aussicht, in die Stichwahl zu ziehen, haben vier Kandidaten: Zwei davon, Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon – der Kandidat der zu diesem Zweck gegründeten ökosozialistischen Partei „La France insoumise“ –, vertreten einen harten Anti-EU-Kurs mit nationalistischen und sozialistischen Elementen.

Dass beide zusammen im ersten Wahlgang mehr als 40 Prozent der Wähler auf sich vereinen könnten, muss man zur Kenntnis nehmen. Über die Stimmung in Frankreich sagt das einiges. Zum Beispiel, dass mehr als 40 Prozent der Franzosen der EU ablehnend gegenüber stehen. Das sind keine Zahlen, die Brüssel beruhigen dürften – auch wenn die Wahl aus dortiger Sicht glimpflich ablaufen sollte.

Besonders apart ist die Situation unmittelbar vor der Wahl dadurch, dass – nimmt man aktuelle Umfrageergebnisse – nicht einmal eine Stichwahl Le Pen vs. Mélenchon ausgeschlossen werden kann. Dafür liegen die vier Kandidaten zu nahe beieinander.

Präsident Fillon ließe in Berlin viele schlucken

Sehr viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich am Ende der sozialliberale Emmanuel Macron oder der konservative François Fillon durchsetzt. Doch auch in diesem Fall dürfte das Klima in dem Dreieck Paris, Brüssel, Berlin rauer werden: Fillon etwa ist ein harter Kritiker der Merkelschen Flüchtlingspolitik, kämpft für Außengrenzen Europas, eine niedrige Asylquote und einen Ausbau der französischen Nuklearindustrie. Da dürfte in Berlin mancher schlucken – auch wenn Fillon aus deutscher Sicht sicher der angenehmste Partner wäre.

Denn der gehypte Emmanuel Macron verspricht zwar ebenfalls radikale Sozialreformen. Doch auf die Krise der EU beabsichtigt er vor allem mit deren Stärkung zu reagieren. So fordert er Eurobonds, also eine Vergemeinschaftung der Schulden, eine europäische Wirtschaftsregierung und mehr Macht für Brüssel. Und dass er die wirtschaftliche Stärke Deutschlands vor kurzem als „unerträglich“ brandmarkte, lässt zumindest aufhorchen.

Nun könnte man die Forderungen Macrons als Wahlkampfgeklingel abtun. Doch wie der Zufall so will: Im September wird auch in Deutschland gewählt. Was eine Gespann Macron-Schulz für die deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik bedeuten könnten, kann man sich in etwa ausmalen.

Macron als Wegbereiter für Le Pen

Nein, es ist noch nicht alles gut, nur weil Marine Le Pen nicht gewählt wird. Mit dem neuen Präsidenten, wie immer er heißen mag, fangen die Probleme für Deutschland erst an.

Und für Frankreich gilt: Der radikale Pro-EU-Kurs des aussichtsreichen Emmanuel Macron liest sich in Verbindung mit seinen ambitionierten Plänen zum Umbau des französischen Sozialstaates wie ein Förderungsprogramm für den Front National. Es wäre einer dieser Treppenwitze der Geschichte: Macron 2017 könnte der Wegbereiter werden für Le Pen 2022.

Zu diesem Artikel gibt es eine Umfrage
Cicero arbeitet mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Civey erstellt repräsentative Umfragen im Netz und basiert auf einer neu entwickelte statistischen Methode. Wie das genau funktioniert, kann man hier nachlesen. Sie können abstimmen, ohne sich vorher anzumelden.
Wenn Sie allerdings  direkt die repräsentativen Ergebnisse – inklusive Zeitverlauf und statistische Qualität – einsehen möchten, ist eine Anmeldung notwendig. Dabei werden Daten wie Geburtsjahr, Geschlecht, Nationalität, E-Mailadresse und Postleitzahl abgefragt. Diese Daten werden vertraulich behandelt, sie sind lediglich notwendig, um Repräsentativität zu gewährleisten. Civey arbeitet mit der Hochschule Rhein-Waal zusammen.

Reinhard Evers | Fr, 21. April 2017 - 16:44

Die Gespaltenheit der Franzosen Es tut schon im Herzen weh. Was hat diese große Nation eigentlich für ein Potential, als sich selbst so zerfressen zu müssen! Was hat sie eigentlich für tolle Denker hervorgebracht, die eine langfristige Einigung erhoffen ließe. Was hat sie eigentlich für eine charmante Art, dem Schicksal gelassen entgegen zu blicken. Und was hat sie eigentlich für eine Fantasie, um kulturelle die tollsten Dinge aus diesem Lebenskampf zu spinnen.
Viva la France! Macht es einfach, ihr verrückten Franzosen! Lasst LePen abschmettern, aber nehmt die Rechten wieder in Eure Mitte auf und bewegt Euch zur Not selbst ein Stückchen nach rechts. Seit uns ein Vorbild und irgendwie wird es schon weitergehen...

Wolfgang Klempt | Fr, 21. April 2017 - 17:01

Deutschland hat über etliche Jahre hinweg knallhart gespart, Gehälter nicht wachsen lassen und sich ausgesprochen neoliberal profiliert. Mehr als 10 Jahre hatte DE eine sehr kleine, fast 0% Inflation. Das hat Deutschland gemacht obwohl es ganz genau wusste, dass durch die Gemeinschaftswährung viele südliche Länder und auch Frankreich da nicht mithalten konnten. Frankreich hatte während dieser Zeit eine 2% Inflation, eine Wert der bei der Einführung des Euros verabredet war. Mit diesem Verhalten hat DE sich Große Vorteile auf Kosten der anderen “Partner” verschafft, die ja nun nicht mehr ihre Währung abwerten können. Resultat: Deutschland hat die Arbeitslosigkeit exportiert und ist Exportweltmeister geworden. Damit hat Deutschland Europa an die Wand gefahren den leider machen unsere “Partner” besonders Frankreich und auch Italien nicht mehr mit. Denn in Frankreich ist dieser Sachverhalt einfach von den Wählern verstanden worden. Die Franzosen wollen den Franc zurueck.

Wirtschaftspolitiker anderer Länder können lediglich durch schlechte Arbeitsmarktpolitik dem Großteil der eigenen Bevölkerung schaden. Wenn Deutschland "gemeinerweise" spart und somit den Franzosen manche Produkte günstiger verkauft, dann können Franzosen dies ausnutzen, diese Produkte günstiger kaufen, und ihre eigene Wirtschaft dementsprechend (automatisch!) umstellen, indem sie eben andere Dinge produzieren.

Künstliche Inflation ist langfristig ein Problem für ALLE, denn es führt zu Blasenbildung und somit Wirtschaftskrisen. Außerdem findet eine heimliche Umverteilung zu den Großbanken statt. Wir sollten alle ein rohstoffgedecktes Vollreservesystem befürworten.

Nicht richtig ist, dass Deutschland Inflation unfairerweise ausgenutzt hat, denn durch die Schuldengemeinschaft zahlen wir ja deren Schulden.

Das ganze Chaos ist auf zentralistische Planwirtschaft zurück zu führen. Sowohl innerhalb der europäischen Länder als auch auf EU-Ebene. Andere Länder sind genau so schlimm.

Ich weiß nicht ob man hier von “gemein” und “unfair” reden sollte. Tatsache ist aber, dass bei Euroeinführung eine gemeinsam Inflationsrate von ca. 2% abgemacht wurde. Das muss man auch bei einer gemeinsamer Währung machen sonst funktioniert es eben nicht. Ausgleichszahlungen sollten ja im Euroraum nicht stattfinden. (Wie kann das eigentlich ohne Ausgleichszahlungen funktionieren??) Auch anderer Länder Schulden sind bislang meines Wissens nicht bezahlt worden. Nur Bürgschaften sind übernommen worden.
Nun wenn bei Währungseinheit ein Land 0% Inflation über 10 Jahre aufrecht erhält und ein anderes “nur” 2% schafft so hat das erste Land einen Wettbewerbsvorteil von 21.9% erlangt, was dann schon im ersten Land mehr Arbeitsplätze schafft die dann im zweiten Land verloren gehen wenn der Markt gleich gross ist.

Volkskwirtschaften können nicht "sparen". Sie können nur unspezifische Lieferversprechen auf noch nicht produzierte Güter einsammeln (Geldvermögen). Da der Schuldner die Schulden aber nur durch Güterlieferung abbauen kann muss der Gläubiger sein "gespartes" ausgeben (Schuldenabbau bedeutet immer gleichzeitigen Vermögensabbau). Wenn er das nicht macht verhindert er die produktive Arbeit anderer. Der "Sparer" zwingt also dem "Schuldner" Arbeitslosigkeit auf.
Im Endeffekt sind die Schulden daher Geschenke des Überschussproduzent durch die er den Schludner an der Arbeit hindert. Die Amis haben das verstanden und lassen sich seit Jahrzehnten in gigantischem Umfang von den Deppen der Welt finanzieren.
Die "Sparernationen" exortieren dabei nicht nur Arbeitslosigkeit sondern senken auch noch freiwillig ihr eigenes Wohlstandsniveau. Dümmer gehts nimmer.

denn Deutschland hat sich zum Niedriglohnland entwickelt. In den anderen Ländern der EU sind die Löhne und die Renten höher sowie die Arbeitsbedingungen besser. Exportweltmeister ist Deutschland auf Kosten der Menschen hier und zu Gunsten der internationalen Konzerne geworden.

Weiß nicht so recht. Wir importieren billige China(schrott)ware.Das kostet deutsche Arbeitsplätze.Schiffe werden seit 40 Jahren statt in Hamburg in Südkorea gebaut, mit staatlicher Subventionierung. Airbus hat einen Großteil sener Produktion nach Frankreich und anderswohin verlagert, um dort Arbeitsplätze zu schaffen- die hier verlorengegangen sind. Autos werden (VW) in vielen Ländern der Welt produziert, was dort viele Arbeitsplätze geschaffen hat........

Ich teile Ihre Meinung bezüglich der deutschen Wirtschaftspolitik . Es ist aber nicht nur das, sondern - vor allem was Großbritannien betrifft - die Gängelei durch Deutschland. Es liebt nicht jedes Land von Frau Merkel gesagt zu bekommen, was es zu tun hat. Schade, ein geeintes Europa war eine sehr schöne Vorstellung, doch die reale Durchführung ist leider total daneben gegangen. Irgendwie habe ich das geahnt, als ich 1995 gegen einen Beitritt Österreichs gestimmt habe. Und wehe, wir wählen einmal eine Partei, die den "Supereuropäern" n icht passt, dann werden wir nicht nur abgekanzelt, sondern mit Sanktionen belegt. Wie 2006 bei der Koalition zwischen ÖVP und FPÖ. 2017 haben wir uns nicht mehr getraut, den "falschen" Präsidenten zu wählen. Aber nicht alle Österreicher sind so pragmatisch (um nicht feige zu sagen), Der Stimmenanteil des Verlierers war doch immerhin bei 48%.
Möglicherweise sind die Franzosen mutiger. Und Le Pen bedutet ja nicht automatisch EU Austritt .

Bingo de Gorona | Fr, 21. April 2017 - 17:10

immer noch nicht begriffen, was die Willkommenen seit 80 Jahren dort zubereitet haben, denn es brennt noch nicht überall und die Linken werden mit Sicherheit das Problem eher verschlechtern, als zu lösen, ansonsten gut beschrieben, die Zeit für Le Pen ist noch nicht da, wie auch für die AfD...

Dr. Roland Mock | Fr, 21. April 2017 - 17:30

Leider ist genau dies das Problem: Ob man links- oder (angeblich) rechtsaußen wählt: Le Pen und Melenchon haben beide das gleiche sozialistische Wirtschaftsprogramm. Und Macron liegt zumindest in der Euro-Politik näher an Schulz als an der Vernunft. Fillon wiederum ist- abgesehen von der Affäre, die er am Hals hat- einer Mehrheit der streikverliebten und klassenkampfbesessenen Franzosen zu rechts. Sollte er - entgegen aktuellen Umfragen - gewählt werden, wird wieder die Pariser Kommune in den Straßen aufgeführt und das Land lahmgelegt. Insofern: Egal wer gewählt wird: Es könnten weitere verlorene fünf Jahre für das wirtschaftlich desolate, aber nichtsdestotrotz chronisch reformunwillige Frankreich werden. Und - da ich keinem der anderen 10 Kandidaten die Lösung des Flüchtlings- und Terrorproblems zutraue- fünf Jahre später tatsächlich Le Pen als Siegerin dastehen.

Walter Wust | Mo, 24. April 2017 - 16:57

In reply to by Dr. Roland Mock

In Brüssel plant man bereits das Scheitern der Regierung sowohl von Frankreich als auch von Deutschland ein. Man sieht darin geradezu die Bedingung für eine politische EU mit Regierungssitz in Brüssel. Sollte Schulz tatsächlich auch noch in Deutschland Kanzler werden, ist die Schuldenunion sicher und damit Alles, was sich deutsche Arbeitnehmer angetan haben an Lohnverzicht und Zinsverlust umsonst. Die Südeuropäer werden die Gewinner deutscher Enthaltung und deutschen Fleisses. Aber das hat der ehemalige Aussenminister Fischer ja deutlich genug gesagt, lasst den Deutschen ruhig arbeiten und Werte schaffen, hauptsächlich Andere profitieren davon.

Reiner Jornitz | Fr, 21. April 2017 - 17:48

Demokratie lebt von verschieden Meinungen und menschlichen Einstellungen. Den Finger jetzt auf Deutschland zu zeigen ist , ein Eingeständnis an den jeweiligen Staat der es nicht fertig gebracht hat in 60 Jahren nicht mehr Geld auszugeben als das man hat!! Reformunwilligkeit , Faulheit , Bequemlichkeit auch in Frankreich sprechen ihre eigene Sprache. Fleiss und Sparsamkeit zahlen sich immer noch aus. Das muss Frankreich , Italien und USA mit ihrem IWF noch kapieren. Was die politische Richtung anbelangt -wer mit dem Zeigefinge auf andere zeigt: Welcher Finger zeigt auf sich selbst " Der Daumen" Selber haben die etablierten Dreck am Stecken und fürchten ihren Macht Verlust und kämpfen mit allen unsauberen Mitteln. Tolle Meinungsvielfalt!!!!

Herr Jornitz, aber eines fehlt in Ihrer Aufzählung. Nämlich, daß auch Deutschland kein Musterschüler war und ist, was staatl. Sparsamkeit angeht. Gut 3 Billionen Schulden sind ja auch kein Portokassenbetrag. Dabei gibt es Fachleute, die beziffern die Schulden Deutschlands noch weit höher. Und lesen Sie mal die Berichte der Rechnungshöfe, wie zig Milliarden pro Jahr verschleudert werden. Ich kann immer nur den Kopf schütteln, worüber sich A. Merkel über Dinge in der Welt aufregt, dabei wäre zuhause soviel aufzuräumen!

Aber wir haben ja Funktionäre und Berufspolitiker gewählt und keine Fachleute.

Kostas Aslanidis | Fr, 21. April 2017 - 18:09

und dann"?
Der Titel ist ihnen geglückt Herr Grau, zeigt doch die vollständige Konzeptlosigkeit Berlins.
Das Buch "die Unterwerfung" erhält nun eine andere Dimension. Solche Oui sager wie Sarkozy und Hollande, können sich die Franzosen nicht mehr leisten. Es steht viel auf dem Spiel.Was Le Pen sagt ist sehr logisch, aber es kommt von den "Bösen" rechten, das geht gar nicht. Obwohl deren Politik übernommen wurde, da Wahldesaster warten.

Reinhard Czempik | Fr, 21. April 2017 - 18:34

Da ich seit ca. 40 Jahren 5-8 Mal pro Jahr in dieses wunderbare Land aus verschiedensten Gründen reise, ist mir die Stimmung ,das Lebensgefühl und die Denkweise der Franzosen sehr vertraut. Was uns doch sehr von den Franzosen unterscheidet, ist die Art und Weise, wie sie mit Problemen umgehen , jetzt auch gerade mit der politischen und ökonomischen Gesamtsituation in Frankreich und Europa. Da ist so eine unverkrampfte lebensfrohe Lässigkeit vorhanden, die uns komplett abgeht, und deretwegen mir um das dt-frz. Verhälnis nicht bange wird.
Neben der als UNESCO-Kulturerbe zu Recht geadelten Kochkunst und Esskultur beneide ich die Franzosen bei dieser Wahl um die Alternativen, die sie im Vergleich zu unserer uniformen Parteienunkultur doch haben, wie im Artikel von Herrn Grau treffend und differenziert beschrieben wird. Ich lehne mich mal gewagt aus dem Fenster und tippe, dass das kleinste Übel, E. Macron das Rennen machen wird.

Reinhard Schröter | Fr, 21. April 2017 - 18:46

Glücklicherweise entscheiden die Wähler in Frankreich, wen sie zum Präsidenten wählen. Eben so wie zu vor schon die Ameikaner , welche vollkommen unbeeindruckt von der Wünschen deutscher Politiker, Trump gewählt haben.
Es wird nach dem Totalversager Hollande , " das kostet nichts, das bezahlt der Staat", langsam Zeit, dass die Grande Nation wieder zu ihrer Gösse und Stärke zurück findet.
Ungebetene Wahlempfehlungen eines Steinmeiers findet man in Paris, übrigens vollkommen überflüssig.

Dimitri Gales | Fr, 21. April 2017 - 21:03

dass Macron die Stichwahl gewinnen wird, weil es wieder einmal nicht um die Wahl eines Gesellschaftsprojektes oder um Veränderung im anachronistischen Staatswesen geht, sondern um Le Pen zu vermeiden. Darin liegt das tragig-komische in der französischen Gesellschaft und Parteienlandschaft. Zumal dies nicht das erste Mal ist. Auch Hollande wurde gewählt, weil man Sarkozy auf keinen Fall mehr haben wollte.

Die eventuellen Folgen eines Sieges von Le Pen oder Mélenchon werden jedoch hierzulande überbewertet. Die Probleme bleiben unverändert, die wirtschaftlichen und politischen Realitäten auch; auf die wird sich natürlich der neue Präsident einstellen müssen. Aber nahezu alle Franzosen sind erleichtert, dass der äusserst unbeliebte Hollande nicht mehr Präsident sein wird.

Sepp Lienbacher | Sa, 22. April 2017 - 01:33

Als Kartenhaus – so ist sie angelegt – wird die EU sowieso nicht überleben. Was spricht dagegen, sie von Grund auf neu zu bauen?
Deswegen wünsche ich mir nach der Stichwahl Marine Le Pen als die neue Präsidentin.
Europa braucht Politiker mit Rückgrat für den eigenen Weg – stark und unabhängig - gegen die Allmacht-Ansprüche der USA. Dieser Weg muß die Interessen Rußlands berücksichtigen, welches als direkter Nachbar ein stabiles Europa wünscht. Nur Marine Le Pen und die deutschen Bürger können Angela Merkel verhindern.
Dann hat die EU eine Chance – hat der Frieden eine Chance!

Jana Utz | Sa, 22. April 2017 - 09:01

Frau le Pen gewinnen wird, auch im zweiten Wahlgang, was diese Frau sagt, hat Substanz, aber durch die Medien in rechts und links unterteilt, keine neutrale Berichtserstattung mehr erkennbar. Es muss sich was ändern, und das wird es nur mit Entscheidung bei den Wahlen, wer natürlich für das Komplettfahren vor die Wand für Europa ist, der wählt die jetzigen Parteien, die uns diesen Mist eingebrockt haben. Es geht nicht mehr um Wahlen fürs Volk, sondern gegen das Establishment, allen voran die unfähigste Person namens Merkel, die uns das eingebrockt hat. Diese Parteien haben immer noch nichts begriffen. Viva la France. Frau le Pen.

Gerdi Franke | Sa, 22. April 2017 - 09:12

Die Welt ändet sich und die Bürger wollen eine Änderung. Und die Etablierten spielen beleidigt weil niemand mehr auf sie hört!

helmut armbruster | Sa, 22. April 2017 - 15:30

man ist Grande Nation, Kulturnation par excellence, man hat Haute Cuisine und Haute Couture und Le savoir vivre .Andere können von Frankreich nur lernen, Frankreich braucht von anderen nichts lernen. Man bewundert Napoleon und fühlt sich immer noch als Großmacht.
Das alles ist passé. Die Glanzzeiten Frankreichs sind vorbei , nur haben viele Franzosen das nicht bemerkt.
Ihre Probleme sind hausgemacht.
Viele Millionen Nordafrikaner wurden ins Land gelassen, integriert sind sie aber nicht, obwohl die meisten französisch sprechen. Die Franzosen hat das schlicht nicht interessiert, denn es genügt ja in Frankreich sein zu dürfen.
Protektionismus, Dirigismus und Zentralismus sind nach wie vor Lieblingskinder der Franzosen.
Nur Dank ihnen haben wir überhaupt den Euro, denn Mitterand machte die Abschaffung der DM zur Bedingung für seine Zustimmung zur Wiedervereinigung. Jetzt, wo sie sehen, dass Deutschland auch ohne DM weiterhin wirtschaftlich stark ist, wollen sie den € nicht mehr?!?!

Dr. Lothar Sukstorf | Sa, 22. April 2017 - 18:04

Ich verstehe die ganze Aufregung um Marine Le Pen nicht; wenn sie gewählt wird, haben wir es zu akzeptieren. Wir haben aber auch zu akzeptieren, daß durch nationale Parteien in europäischen Ländern etwas aufbricht, was die sogenannten pol. Eliten jahrelang "künstlich" unter dem Deckel gehalten haben. Unter dem Deckel des: So kann man doch nicht denken, wir sind ja so freiheitlich, wir sind ja so offen, wir sind ja so liberal, wir sind keine Rassisten usw. Damit erreichte man, anders als diese Mainstreams "durfte" nicht gedacht werden. Das Wählerpotential, das "national" in den einzelnen europäischen Ländern sich für "Rechts", was immer abfällig tituliert wird, entscheidet, liegt mit Sicherheit in der EU zwischen 15-20%. Dies hat nun auch überhaupt nichts mit rechten Rattenfängern zu tun. Le Pen würde den Mief über Brüssel, Berlin wegblasen. Merkel und Co. wären dann mal gefordert, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Frischer Wind in der EU tut gut!! Gegenwind für Junckers und Merkel!

Walter Wust | Di, 25. April 2017 - 14:02

In reply to by Dr. Lothar Sukstorf

Es wird versucht, Alles was nicht den Vorstellungen und Vorgaben der Brüsseler Clique entspricht, in die rechte Ecke zu verorten. Dabei suggeriert man,daß "rechts" auch unisono "radikal" bedeutet. Diese Unterstellung wird überwiegend von den deutschen Medien massenwirksam praktiziert. Diese EU ist zumindest in der Meinungsvielfalt auf dem besten Weg türkische Verhältnisse zu kopieren. Dieser regelrechte Hass gegenüber Andersdenkenden wie z.B. den Briten, die man dafür bestrafen will, eigene Politik zu gestalten, ist schon auffällig.

Arne Bruhn | Sa, 22. April 2017 - 23:07

Dieses Urteil des Autors über die deutschen Medien ist absolut zutreffend - gilt aber genau so für die deutsche Politikerkaste. "Es kann nicht sein was nicht sein darf" beherrscht diese traumtanzenden Vogel-Strauß-Politiker, egal, um welche Krisen es in der EU geht. Insofern könnte die Wahl von Marine le Pen endlich der Weckruf sein, der zum Aufwachen zwingt - der Brexit war ja noch nicht genug. Allez ! Allez ! Franzosen, stürmt die Brüsseler Bastille!

Yvonne Walden | So, 23. April 2017 - 13:01

Selbst "Bekennende Europäerinnen und Europäer" hegen inzwischen erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Europäischen Union (EU), so wie sie sich heute darstellt.
Lobbyistinnen und Lobbyisten vor allem des Großkapitals und der Finanzindustrie haben nach wie vor leichtes Spiel, wenn es darum geht, europäische Gesetze und Vorschriften in ihrem Sinne zu beeinflussen und zu gestalten.
Und wir "normalen" Bürgerinnen und Bürger dieser EU?
Wir dürfen dabei zuschauen, wie die multinationalen Konzerne ihre Machtstellung ausbauen, noch mehr Gewinne einfahren und die unliebsame Konkurrenz auszuschalten versuchen.
Die sogenannte EURO-Rettung war ja bekanntlich nichts anderes als eine Rettung der Riesenbanken und der Vermögenswerte ihrer Großanleger, die sich bekanntlich verspekuliert hatten.
Sollen im Gegenzug soziale Standards angehoben oder die Bildungsmöglichkeiten auch der Unterschicht verbessert werden, fehlt angeblich das Geld. Diese Ausrede sollten wir uns nicht länger bieten lassen.

Stefan Wietzke | So, 23. April 2017 - 17:21

Es ist im Endeffekt nicht mehr die Frage ob ein EU Sprngsatz Präsident in Frankreich wird, sondern nur noch wann (und Italien ist ja voll aus dem Blick geraten, da könnte die Bombe noch früher platzen).
Das eigentliche Problem Europas ist der totale Niedergang der Sozialdemokratie (Kapitalismus mit fairer Verteilung des Wohlstandszuwachses).
Dadurch kamen nach und nach immer größere Regionen ins rutschen.
Da von diesem Kurs nicht abgewichen wird gehts jetzt die schiefen Ebene nach unten.
Der Blick in die Geschichte lässt wenig Hoffnung in eine Umkehr zu zu. Im Abwärtsstrudel befindliche Systeme klammern sich weiter an die falschen Wahrheiten, denn zu viele haben zu viel zu verlieren. Und um so länger es dauert umso unwahrschelnlicher wird eine Umkehr.
Und so befürchte ich das es auch bei dieser Wahl nicht mehr um die Frage Leben oder Tod sondern nur noch um die Wahl der Todesart geht.

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