Frankreich - Volksfront gegen den Euro

Ein Wahlsieg der Rechtsextremen Marine Le Pen hätte fatale Folgen für die EU und den Euro. Genauso aber wäre es wohl beim linken Kandidaten Jean-Luc Mélenchon. Je länger die Probleme Europas andauern, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich rechte und linke Kräfte zusammentun

Anhänger des Front National jubeln für Marine le Pen
Der Euro ist nicht nur ein Spaltpilz für Europa, sondern auch zur Waffe radikaler Kräften geworden / picture alliance

Autoreninfo

Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums „Beyond the Obvious“. Zuvor war Stelter von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Heute berät Stelter internationale Unternehmen bei der Vorbereitung auf die Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Im September 2014 erschien seine Piketty-Kritik Die Schulden im 21. Jahrhundert. Sein aktuelles Buch heißt „Eiszeit in der Weltwirtschaft“.

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Noch ist es nicht soweit, dass sich wie in den dreißiger Jahren linke und rechte Radikale zusammentun, um gegen das „Establishment“ zu kämpfen. Doch die französischen Präsidentschaftswahlen, die am kommenden Sonntag in die erste Runde gehen, werfen ein weiteres Schlaglicht auf eine Entwicklung, die auch in anderen Ländern Europas stattfindet. Rechte wie linke Politiker erklären die EU und vor allem den Euro als Ursache allen Übels. Sie versprechen entweder eine Änderung der Politik aus Brüssel und dem als Hauptschuldigen angesehen Berlin oder aber den Austritt aus EU und Euro.

Die jüngsten Umfragen aus Frankreich haben an den Finanzmärkten zu deutlichen Ausschlägen geführt. Der Zinsaufschlag für französische Staatsanleihen gegenüber den deutschen hat sich wieder erhöht, an der französischen Börse kamen die Aktien unter Druck. Dies liegt nicht nur an den nach wie vor guten Umfragewerten für Marine Le Pen vom Front National, sondern auch an der fulminanten Aufholjagd von Jean-Luc Mélenchon, einem strammen anti-deutschen Kommunisten, der Venezuela als Vorbild sieht. Er will den Spitzensteuersatz ab einem Einkommen von 400.000 Euro auf 90 Prozent anheben, ein massives Konjunkturprogramm auflegen und Staatsdefizite zukünftig direkt von der Europäischen Zentralbank (EZB) finanzieren lassen. Sollte sich die EU und vor allem Deutschland diesem Ansinnen verwehren, würde er einen Austritt Frankreichs aus EU und Euro betreiben.

Von diesem Programm sind die Forderungen Marine Le Pens nicht weit entfernt. Wie Mélenchon sieht auch sie die Zukunft Frankreichs in mehr Staatsausgaben, einer direkten Finanzierung durch die Notenbank und mehr Protektionismus. Gemeinsam ist beiden eine anti-deutsche und anti-amerikanische Haltung.

Eurokritiker liegen zusammen bei 41 Prozent

Nun könnte man sich beruhigt zurücklehen und sagen, dass ein Wahlsieg dieser beiden Extremkandidaten sehr unwahrscheinlich ist. Doch so unwahrscheinlich ist er nach jüngsten Umfragen nicht. Danach liegt der unabhängige und pro-europäische Kandidat Emmanuel Macron bei 24 Prozent, Marine Le Pen bei 22, der konservative Kandidat François Fillon (trotz einiger Skandale) bei 20 und Jean-Luc Mélenchon bei beachtlichen 19 Prozent. Benoit Hamon, der ebenfalls europaskeptische Kandidat der Sozialisten, liegt chancenlos unter 10 Prozent. Doch nicht erst seit Brexit und Trump wissen wir, dass es durchaus Überraschungen geben kann.

Der Alptraum der Europäer wäre ein Wahlsieg Marine Le Pens, doch hätte ein Sieg Jean-Luc Mélenchons die gleichen katastrophalen Folgen für EU und Euro. Gelingt es nur einem von beiden, in die Stichwahl zu kommen, wird am Ende ein gemäßigter Kandidat – aller Wahrscheinlichkeit nach Macron – gewinnen. Sollten beide in die Stichwahl kommen, gilt Jean-Luc Mélenchon als sicherer Sieger.

Ein Sieg Macrons würde in den Hauptstädten Europas und an den Börsen Erleichterung auslösen – zu Unrecht. Zwar wäre die unmittelbare Gefahr für das europäische Projekt abgewendet. Angesichts von fast 50 Prozent Franzosen, die eine Anti-EU- und Anti-Euro Haltung unterstützen, dürfte es dem parteilosen Macron aber sehr schwer fallen, in dem ohnehin reformunfähigen Land die erforderlichen Schritte durchzusetzen. Viel wahrscheinlicher sind fünf weitere Jahre ohne großen Fortschritt an deren Ende die Wahlchancen der Extremen noch höher liegen als heute.

Der Gau für die Weltfinanzmärkte

Sollte sich am 23. April sogar ein Wahlsieg von Marine Le Pen oder Jean-Luc Mélenchon abzeichnen, dürfte es bereits in der Nacht an den Finanzmärkten hoch hergehen. In einer aktuellen Studie greift die Deutsche Bank das Thema auf und analysiert die Folgen eines ungeordneten Verfalls der Eurozone auf Wachstum, Wechselkurse und das weltweite Finanzsystem. Müßig zu sagen, dass sich die Finanzkrise von 2009 verglichen mit diesem Szenario wie ein Kindergeburtstag anfühlt. Es wäre der Gau für die Weltfinanzmärkte und damit auch für die Weltwirtschaft, weshalb es umso sträflicher ist, dass unsere Politiker es in den vergangenen Jahren versäumt haben, die Eurozone wirklich zu sanieren.

Konkret erwarten die Analysten der Bank eine Abwertung des Euro beziehungsweise seiner Nachfolgewährungen von im Schnitt 40 Prozent gegenüber dem US-Dollar. Dies, obwohl der Euro schon heute gegenüber dem Dollar unterbewertet ist. Auch eine neue D-Mark käme unter Druck als Folge der tiefen Rezession und der heftigen Vermögensverluste, die Deutschland in diesem Szenario realisieren würde. Ich schreibe bewusst „realisieren“, weil die Verluste so oder so schon eingetreten wären und wir nur noch vor der Wahl stünden, wie diese realisiert würden. Der chaotische Zerfall des Euro im Unterschied zu einem geordneten Prozess wäre das Szenario mit den größten Verlusten.

Die Kapitalmärkte würden diese Entwicklung bereits vorwegnehmen, sobald sich der Wahlsieg eines der Extremkandidaten abzeichnet. Für den Fall eines Sieges von Marine Le Pen erwartet die Deutsche Bank einen Sturz des Euro um 25 Prozent. Siegt Jean-Luc Mélenchon, dürfte es nicht anders sein. Es käme zu einer massiven Kapitalflucht aus Frankreich. Das Bankensystem könnte nur durch Notkredite der EZB stabilisiert werden. Die Target II-Forderungen der Bundesbank, ohnehin wegen der bereits laufenden Kapitalflucht vor allem aus Italien auf einem Rekordniveau von 830 Milliarden Euro, würden innerhalb weniger Tage die 1000-Milliarden-Grenze überschreiten. Nur durch sofortige Kapitalverkehrskontrollen ließe sich die Kernschmelze des Finanzsystems stoppen. Damit aber wäre die Eurozone faktisch am Ende.

Italien ist weiter

Noch können wir hoffen, dass es bei diesem Szenario bleibt. Doch je länger die Probleme Europas – geringes Wachstum, hohe und weiter ansteigende Verschuldung, demografischer Wandel, ungelöste Migrationskrise – andauern, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich rechte und linke Kräfte zusammentun.

Denn nicht nur in Frankreich ist die Linke euroskeptisch. Auch in Italien wirbt die Opposition praktisch geschlossen für einen Euro-Austritt. Der Fünf Sterne-Bewegung wird in einigen Umfragen die Mehrheit der Sitze bei den kommenden Wahlen vorhergesagt. Sollte sie diese verfehlen, steht mit der rechten Liga Nord ein ebenso eurokritischer Koalitionspartner bereit. Linke und Rechte würden dann gemeinsam gegen das europäische Projekt vorgehen.

Die Italiener sind weiter als Franzosen und Deutsche. Während in Italien der ehemalige stellvertretende Finanzminister und Mitglied der Partei von Ministerpräsident Matteo Renzi, Stefano Fassina, fordert, „mit unabhängigen Kräften auf der demokratischen Rechten“ zusammenzuarbeiten, sind in Frankreich die Lager noch zu verfeindet. In Deutschland ist die Linke noch nicht so weit, sich vom Euro zu distanzieren. Nur die Bundestags-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht hat sich bisher deutlich kritisch zum Euro geäußert. Je unwahrscheinlicher der große europäische Umverteilungsstaat aber wird, wie die Linke ihn sich wünscht, desto weniger lohnt es sich aus ihrer Sicht, am Euro festzuhalten.

Bunkermentalität des Establishments

Das Problem ist dabei offensichtlich: Die etablierten Parteien haben in allen Ländern die Einführung des Euro gegen die ausdrücklichen und begründeten Mahnungen der Ökonomen durchgedrückt. Jetzt, wo die Währungsunion für jedermann offensichtlich nicht funktioniert und statt des versprochenen Wohlstands anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und Rezession in den Krisenländern vorherrschen, können sie nicht zugeben, den größten ökonomischen Fehler der Nachkriegszeit begangen zu haben. Es entsteht eine Art Bunkermentalität, in der man sich mit Mühe von Krise zu Krise hangelt und auf ein Wunder hofft. Doch das wird nicht kommen. Zwar mag die EZB noch den einen oder anderen Trick aus dem Hut zaubern. Schulden aus der Welt schaffen und Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen, kann sie jedoch nicht.

Damit ist es nur eine Frage des wann, nicht ob es zu einem Wahlsieg erklärter Eurogegner in einem wichtigen Mitgliedsland kommt. In Frankreich dürfte es noch nicht soweit sein. Italien bleibt Kandidat Nummer 1.

Thorsten Rosché | Mi, 19. April 2017 - 11:00

........dürfte es noch nicht so weit sein ? Nun, dass werden wir bald wissen, allzu optimistisch bin ich da nicht.

Alex Preiss | Mi, 19. April 2017 - 11:19

Für die Südschiene, zu der ich Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland zähle, ist der Ausstieg aus der Gemeinschaftswährung mit Deutschland der einzig sinnvolle Weg.

Der Euro funktioniert nicht, die EU funktioniert nicht. Nicht einmal die illegale Migration kann dieser Haufen Bürokraten in Brüssel stoppen, während es die Länder im Osten im Alleingang schaffen.
Stattdessen turnt Frontex an der nordafrikanischen Küste herum und agiert als eine Art Rettungsdienst für Gekenterte.

Welchen Nutzen hat diese EU also für die Menschen, wenn sie die drängensten Probleme Europas nicht im Ansatz zu lösen bereit ist ?

Le Pen wird es vielleicht nicht schaffen, aber langfristig werden sowohl Frankreich und Italien aus dem Euro aussteigen, je länger sie warten, desto größer das Siechtum. Die kurzfristigen Irritationen der Finanzmärkte interessieren vielleicht ein paar Banker, die Menschen in Europa haben mittlerweile handfestere Sorgen als Aktienkurse.

Günter Schaumburg | Mi, 19. April 2017 - 12:45

In reply to by Alex Preiss

Pflichte Ihnen, Herr Preiss, bei. Las eben bei Achgut ein Zitat, welches von Lenin
sein soll: Wird ein Kapitalist gehängt, versucht er noch, seinen Strick zu verkaufen.

Wilhelm Maier | Mi, 19. April 2017 - 15:48

In reply to by Günter Schaumburg

ein bischen anders: „Die Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufknüpfen“ so Lenin.

Reinhard Czempik | Mi, 19. April 2017 - 16:35

In reply to by Alex Preiss

Während der Griechenlandkrise jagte monatelang eine Konferenz die andere, man konnte die Kommentare schon fast nicht mehr hören. Worum ging es da? Um die Bankenrettung, letztenends um GELD!
Als vor der Insel Lampedusa zunehmend tote und halbtote Afrikaner landeten, gab es da auch Konferenzen, die einen gesamteuropäischen Masterplan ausgearbeitet hätten, in dem Bewusstsein, dass die Insel Lampedusa genauso zum europäischen Inland gehört, wie z.B. die Insel Sylt. Wie Sie und ich wissen, nichts,rien,nada. Warum?. Es handelt sich doch bei diesem Problem nur um MENSCHEN!
Diese und keine anderen WERTE(ha,ha,ha) werden in Brüssel verteidigt, mit dem Paten Juncker an der Spitze.

Gerdi Franke | Mi, 19. April 2017 - 11:20

Ja, die Hintezimmerpolitik der Eurokraten hat den Bürger immer rausgehalten aus EU-Entscheidungen. Die "Eliten" haben hier ihre Spielchen getrieben. Und auf einmal will hier auch noch der Bürger mitreden. Mit ganz anderen Vorstellungen und Erwartungen! Und die EU hat nur die Alternativen sich zu demokratisieren und anzupassen oder mit wehenden Fahnen unterzugehen.

Ich gönne mir mal den Spaß, Ihnen in zwei Dingen den Spaß am Kritisieren zu verderben.

1) "Die Elite" mag es geben und sie mag sogar manchmal gegen ihre Mitmenschen handeln. Aber langfristig bestimmt unsere Kultur unser Schicksal. Bedanken Sie sich also wegen der heutigen Situation hauptsächlich bei unseren Vorvätern, welche das System zu schaffen geholfen und die Politiker ihrer Zeit geprägt haben. "Die Elite" ist übrigens überdurchschnittlich gut gebildet. Es bedeutet ziemlich viel Arbeit, bei einem Elitengespräch auf Augenhöhe mitzureden. Wer macht sich schon diese Mühe...

2) Eine "Demokratisierung der EU" würde bedeuten, dass Bulgaren, Franzosen, Griechen, Italiener, Portugiesen, Ungaren, Iren und Zyprioten künftig direkt über Ihr Eigentum bestimmen könnten. Derzeit können das nur wenige Bürokraten, die immerhin von uns bestimmt werden. Sind Sie sicher, das zu Ende gedacht zu haben, oder wäre nicht eher eine Entbürokratisierung der EU der richtige Weg?

Sehe ich auch so, Herr Cardena. Man kann eine Menge an der EU kritisieren (und ich tue das auch). Mit dem Begriff "Eliten" packt man das Problem jedoch nicht. Außerhalb der "Eliten" gibt es nicht weniger Versager und Dummschwätzer als innerhalb.

Zu 2.) Die ... können nur über mein "Eigentum" bestimmen, wenn das Eigentum aller Länder wie in einer WG zusammengeworfen wird. Genau DAS möchte ich eben nicht. Die EU als Freihandelszone. Aber jeder Staat regiert und finanziert sich selbst.
zu 1.) Die Bolschewiki in Rußland waren auch sehr gebildet. Sie hingen der "wissenschaftlichen Theorie von Marx" an. Sie haben schon unter Lenin, noch mehr unter Stalin Millionen von Menschen umgebracht. Soviel zu den "gebildeten Eliten".

Die Machtergreifung der Bolschewiki muss im Kontext des Erstens Weltkrieges gesehen werden. Ein Riesenthema mit Interessen und Spionen auf allen Seiten.
Aber nur so viel: Wenn die russische Bevölkerung nicht westlich ungebildeter als die Bolschewiki waren, wieso haben sie sich dann überhaupt von denen 70 Jahre lang verarschen lassen?

Marco Cadena | Mi, 19. April 2017 - 11:33

Zunächst darf man einmal darauf hinweisen, dass "der Euro" egal ist. Er ist kein Mensch, um den man sich sorgen muss, sondern ein Tauschmittel. Und offensichtlich kein gutes, wenn man ihn retten muss. Hat schon einmal jemand davon gehört, dass Gold "gerettet" werden muss? Auch meine Schuhe mussten noch nie gerettet werden und vielleicht nicht zufällig gibt es keine Schuh-Zentralplanministerium.

Zweitens weise ich darauf hin, dass sich durch einen Wahlsieg LePens zwar die Gefahr einer rechtsextremen Regierung erhöht, aber das Wort "extrem" unmöglich auf 25% aller Franzosen zutreffen kann.

Und hier liegt wohl die relativ einfache Lösung des extremistischen Problems. Establishment und Bevölkerung müssen jetzt soweit auf die Rechten zugehen, dass die Extremisten keine Gefahr mehr darstellen. Die Linken ernten die Früchte, lange Zeit nicht liberal genug gewesen zu sein.

Ich sehe durchaus noch einige unterschiedliche Optionen für Europa und die EU. Aber viel Zeit bleibt nicht.

gut dargestellt mit dem Retten, nur in der DDR mussten auch Schuhe und ähnliches " gerettet " werden, über Planungskommissionen, deshalb gabs dort auch nichts Brauchbares, wenn überhaupt verfügbar

michael müller | Mi, 19. April 2017 - 11:34

Schon vor fast einem Jahr hat der deutsche Ökonom Heiner Flassbeck, der wohl gute Kontakte in die italienische Regierung hat prognostiziert, daß dort links-& rechtsextreme Gruppierungen sich zu einem Zwechbündnis formieren mit nur einem Ziel......raus aus der EU, raus aus dem Euro !!!

Yvonne Walden | Mi, 19. April 2017 - 12:51

Der EURO wird von vielen Menschen in Europa als Grundübel verteufelt.
Diese Betrachtung erscheint vordergründig.
In Wahrheit vermisst die ganz große Mehrheit der Menschen im Euro-Land eine Partizipation am Wirtschaftswachstum und die fehlende Beteiligung am wachsenden Wohlstand.
Die Reichen und Superreichen werden reicher und reicher, während das angesparte Geld der "kleinen Leute" im Wert stagniert.
Eine solche Entwicklung kann auf Dauer nicht gut gehen.
Das zeigt sich exemplarisch auch in Frankreich.
In Deutschland glauben viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sich infolge des angeblichen Wirtschaftswachstums auf der sicheren Seite zu befinden.
Diese Vermutung dürfte dauerhaft zur Enttäuschung werden.
Solange wir nicht alle möglichst gleichmäßig - durch Steuern und Abgaben - an den Produktionszuwächsen teilhaben dürfen, könnte sich auchdie politische Entwicklung hierzulande dramatisch ändern.
Warum also lassen sich die großen Parteien weiterhin vom Großkapital steuern?

Ein amerikanischer Wissenschaftler hat vor 30 Jahren die Theorie entwickelt:Nimmt man den Reichen weniger Geld weg,profitieren davon die Armen.Alle Industrienationen haben das umgesetzt.Unter der Annahme,die Reichen würden das Geld ausgeben,hätte das vielleicht sogar funktioniert.Heute wissen wir,dass die auf dem Geld sitzenbleiben,aber die Politik muss noch umschwenken.Ich glaube dieser Prozess wird noch ein paar hundert Jahre dauern.

Leider fehlt bei Ihnen mal wieder ein konkrete Forderung.

Während es richtig ist, dass das prozentuale Einkommen der Reichen steigt, während das der Armen und Mittleren stagniert, so erklären Sie nicht einmal, warum das etwas Schlechtes sein soll. Ein gerechtes System garantiert Gleichbehandlung, keine Gleichmachung. Eine Angleichung des Wohltandes wäre Verhandlungssache.

Sie erwähnen nicht jene innereuropäische Steuersparmodelle, die dafür sorgen, dass Konzerne 3% aber der Mittelstand 25% Unternehmenssteuer zahlen. Dadurch wird das Wachstum der Konzerne nicht besteuert, das der kleinen aber schon! Klar dass damit die Schere aufgeht. Es sind übrigens nicht zuletzt die Gewerkschaften, die durch "Arbeitsplatzsicherung "für die Bevorteilung von Konzernen sorgen.

Auch erwähnen Sie nicht, dass allein der technische Fortschritt für steigenden Wohlstand sorgt, obwohl die Statistik "stagniert". Dies übrigens vor allem durch die produktive Arbeit jener, die dann reich werden.

Nein, verehrte Frau Walden, das Vermögen der kleinen Leute, zu denen auch ich mich zähle, stagniert nicht, es nimmt ab!! Ich habe mit meinen bescheidenen Er-
sparnissen seit der Null-Zins-Politik des Goldman-Sachs-Mafiosi Mario Draghi -
schlicht der Handlanger unserer unsichtbaren Weltregierung - einen Verlust von ein paar tausend Euro. Der Häuslebau boomt, weil die Bauherren von der Null-Zins-Politik prächtig profitieren. Von den irrsinnigen Zinseinkünften aus Aktien der Rothschilds, Morgans, Quandts und Klattens nicht zu reden.
Bertolt Brecht: Reicher Mann un armer Man ,
standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich,
wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.

1)
Wieso haben Sie in Vergangenheit jene Politiker gewählt, die Mario Draghi zum Mafia-Boss gewählt haben?
2)
Und wieso sparen Sie übermäßig in Bargeld? Dies war zu kaum einer Zeit eine gute Idee, weil die Einfluss-Reichen stets heimlich das Geld abwerten. Dies gilt besonders in Zeiten ohne Goldstandard. Ich empfehle zu diversifizieren, aber besonders Aktien haben langfristig gute Chancen.

Günter Schaumburg | Do, 20. April 2017 - 23:11

In reply to by Jürgen Lohmann

Sehr geehrter Herr Lohmann,
als früherer Ossi, Ausreise September 1989, wählte ich 6 Jahre nicht. Zuvor musste
ich, da Familie und Lehrer, wohl oder übel die Kandidaten der Nationalen Front
wählen. Im Westen angekommen, genoss ich die Freiheit nicht mehr wählen zu
müssen, bis mir Freunde sagten, nicht-zur Wahl-gehen sei undemokratisch. Ich entgegnete:Wo ist das Fräulein Demokratie, ich sehe es nicht. Und: Warum soll ich
wählen, wenn die zu Wählenden nicht dem entsprechen, was mich befördert,
wählen zu wollen? In diesem Jahr weiß ich allerdings, was ich wähle.
Sehr geehrter Herr Lohmann, ich gehöre einer Generation an, die Nachkriegszeit
und Elend erlebt hat. Hunger war stets unser allerbester Feind. Da war es später entlastend, wenn man wusste, dass auf die paar angesparten Kröten 3,4,5 Prozent
Zinsen kamen. Immerhin 300, 400 DM, später Euro, im Jahr. Aktiengeschäfte
waren und sind der Generation, die die unerbittlichen Launen der Geschichte hautnah erleben musste, fremd.

Es hindert Sie doch keiner, Aktien der "Rothschilds, Morgans, Quandts und Klatten" zu kaufen. Dafür müssen Sie kein reicher Mann sein. Und was die ersteren beiden der vier von Ihnen zitierten betrifft: Zufall, daß das jüdische Banker sind?

elke popken | Mi, 19. April 2017 - 13:49

Frau Merkel hat hoffentlich die doku-ard-konrad Adenauer:"Stunden der Entscheidung" gesehen, da hätte sie was grundsätzliches über Politik lernen können! Klug und strategisch clever Entscheidungen umzusetzen. Man " könnte" schon fast Mitleid haben mit dieser frau. Sie steht vor einem scherbenhaufen ihres eigenen Versagens! Führungsrolle in Europa restlos verspielt, Milliarden über den Euro an Banken und Länder in den Sand gesetzt, falsche Migrationspolitik für Europa! Wenn Frankreich aus dem eurobuendnis austritt, Italien sowieso, ist Merkels Schicksal besiegelt. Sie wird in die Geschichte eingehen, aber anders als sie sich das erträumt hat. Einen Adenauer könnte das heutige Deutschland gut gebrauchen. Unsere gesamte politikerkaste hat in den letzten Monaten -Jahren aufs klaeglichste versagt! Zitat Adenauer an Strauss:" eigene karieregeilheit ist der schlechteste Nährboden für einen gutenPolitiker!" Angela Merkel könnte einem adenauer nicht das Wasser reichen!!

in die Geschichte eingehen, Frau Elke. Anders als erträumt. Sie wird überall gehasst, weil Sie in allem versagt. Nur die deutsche Presse, hält wie eine Wand zu ihr. An von ihr gebrachten Problemen,
werden die kommenden Generationen viel zu knabbern haben. Nie gab es seit 1945 eine ignorantere Kanzler/in. Sie ist eine totale Fehlbesetzung, die nur durch die fast gesamt "gekaufte" Presse, am "Leben" gehalten wird. Das allerschlimmste ist, Sie hat die gute Arbeit ihrer Vorgänger und den Ruf Deutschlands, ruiniert. Eine richtige Kriegstreiberin.
Dafür wird Sie gefeiert in diesem Land. Da ist man sprachlos.
Sie schafft nur Probleme, lösen sollen es andere.

Ich glaube sie verkennen Merkel in der Eurokrise. Sie hatte damals extrem hohe Zustimmungswerte bei den Deutschen, weshalb auch die linken Parteien in DE mit Eurobonds, gemeinsamer Arbeitslosenversicherung und Transferzahlungen sich nicht durchsetzen konnten. Das Problem vieler Krisenstaaten ist, dass deren Gewinne sich in der Krise in Nichts aufgelöst haben und nur Schulden blieben. Wenn Merkel auch in der Flüchtlingskrise zuerst an die hiesige Bevölkerung gedacht hätte, wäre die Zustimmung immer noch so hoch und nicht bei 30+%. Deutsche Politiker sollen für die deutschen Interessen arbeiten und wenn die mit den Interessen anderer Völker zusammen gehen, ist das OK. Die Briten sehen ihre Zukunft außerhalb der EU. Ich hätte kein Problem damit, wenn weitere Länder den Euro oder die EU verlassen würden. Das müssen deren Bürger entscheiden, aber wer in der EU und im Euro bleibt, muss auch die Konsequenzen tragen und eine wettbewerbsfähige Wirtschaftsstruktur haben oder entwickeln.

Kostas Aslanidis | Mi, 19. April 2017 - 14:39

um das Volk auszunehmen wie eine Weihnachtsgans. Es sind nicht " Linke" oder " Rechte" sondern logische Menschen. Alles andere sind nur Kampfbegriffe. Mit dem Ende des Euro, ist die EU am Ende. Ein Tag zum feiern. Ich wünsche
Frau Le Pen viel Erfolg. So viel ausnützung der Steuergelder, hat es in der Geschichte nie gegeben.

Der Euro ist erfunden worden, um Europa zu homogenisieren, damit europäische Politiker mehr Macht und Einfluß haben in der großen, weiten Welt. Das wird von ihnen sogar ganz unverblümt immer und immer wieder als ein entscheidender Pluspunkt der europäischen Einigung angeführt, denn 500 Millionen geeinte EU-Bürger mit ihrer dahinerstehenden ökonomischen Power haben nunmal gegenüber der USA oder China ein ganz anderes Gewicht, als bsw. die 10 Millionen Portugiesen oder die 80 Millionen Deutschen für sich allein genommen.

Robert Müller | Fr, 21. April 2017 - 13:29

In reply to by Martin Wessner

Vor dem Euro gab es schon andere Ansätze die europäischen Währungen aneinander zu binden. Als Bretton-Woods (feste Wechselkurse) 1973 kollabierte, haben die Europäer sofort versucht etwas ähnliches wieder aufzubauen (anders als die USA). Der Euro hat also eine lange Vor-Geschichte. Warum flexible Wechselkurse in Europa negativ gesehen wurden, verstehe ich nicht. Auch anderswo gab es immer Versuche die eigene Währung, z.B. an den Dollar zu hängen. Ich vermute die Politiker hassen es wenn jedermann den Erfolg der Politiker an den Wechselkursen ablesen kann. Ich kann mich jedenfalls noch daran erinnern, dass der Franc gegenüber dem DM-Block immer abwertete und das der FR-Regierung das immer missfiel. Irgendwann kam dann eine Politik des "starken Francs" und dann der Euro. Wobei eine "starke" Währung ein Ausweis einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik ist, weil schwache Unternehmen da nicht mit können.

Gerdi Franke | Mi, 19. April 2017 - 14:51

Der größte Gegner dieser Organisation ist doch Deutschland unter Merkel. Die Deutsche Wirtschaft bekommt zwar die Region als absatzgebiet angedient, Aber betrachtet man alle wichtigen Entscheidungen Merkels der letzten fünf bis zehn Jahren gingen sie an den Interessen der EU vorbei und waren nicht abgestimmt. Ob Bankenrettung, Klimakonzept, Atomausstieg, Migrantenpolitik, alles hat weder der EU noch Deutschland weitergeholfen, aber dem Ansehen der EU geschadet! Merkel spricht für und handelt gegen die EU!

Reinhard John | Mi, 19. April 2017 - 15:14

Wir haben es bei der Entscheidung der Politik während der Flüchtlingskinder 2015 in Deutschland erlebt, wenn die Politik zu feige ist, die nötigen und richtigen Konsequenzen zu ziehen. Dieses ständige aussitzen von Problemen auf dem Finanzsektor wird man historisch zu bewerten haben.

helmut armbruster | Mi, 19. April 2017 - 16:15

anstatt von unserem eigenen. Französische oder italienische Wähler können entscheiden wie's mit dem Euro weitergeht, nicht wir.
ich möchte deshalb hier daran erinnern, dass wir in Deutschland nie eine Möglichkeit hatten über den Euro abzustimmen. Der deutsche Wähler konnte weder per Plebiszit noch per regulärer Bundestagswahl gegen den Euro stimmen. Denn ein Plebiszit gab es nie und bei den Bundestagswahlen hat sich nie eine etablierte Partei gegen den Euro positioniert. Und das ist bis heute so geblieben. Welche Partei sollte ich - damals wie heute - wählen, wenn ich gegen den Euro bin?
Wie immer man zum Euro steht, ob man ihn als Fehlgeburt sieht oder nicht, ob man mit seinen baldigen Ende rechnet oder nicht, egal, als deutscher Wähler hätte ich auch gerne die Möglichkeit gehabt, damals wie heute, für oder gegen den Euro zu stimmen zu können.

Ralf Müller | Mi, 19. April 2017 - 16:19

Marine und May sind die Führerinnen Europas, nicht das Merkel. Und das ist grossartig. Mitnichten hätte ein Wahlsieg Marines fatale Folgen für Europa. Im Gegenteil, es hätte befreiende Wirkung. Die EU gehört aufgeräumt, von A bis Z. Der von Schulz, Juncker und Merkel hinterlassene Saftladen ist das Problem Europas, nicht der besen, der wegkehrt. Früher war EU positive besetzt, als es noch EWG war, ab Maastricht ging es nur noch bergab. Und jetzt soll es ein Weiter So! in die Katastrophe geben. Dagegen hilft nur eins: Im ganzen Land - maximaler Widerstand!

Sepp Kneip | Mi, 19. April 2017 - 22:49

In reply to by Ralf Müller

Da bin ich vollkommen bei Ihnen, Herr Müller. Nur sehe ich weit und breit keine Möglichkeit diese Dilemma zu beenden. Das Phantasiegebilde "Vereinigtes Europa" ist derart in die Köpfe der Menschen eingepflanzt worden, dass sebst die ganzen Fehlleistungen Flops und Unzulänglichkeiten der Politiker und der Brüsseler Bürokratie das nicht mehr aus den Köpfen raus kriegen. Die rigorose Forderung nach einem Austritt aus der EU verschreckt die Leute, zumal in Macron ein Konkurrent für Le Pen entstanden ist, der von den Medien hochgejubelt wird. Mag Le Pen auch den ersten Wahlgang gewinnen, wird sie im zweiten unterliegen. Das ist schade, denn dann jubeln die Etablierten und der Weg ist frei für ein "Weiter so".

Arne Bruhn | Mi, 19. April 2017 - 16:21

einem geordneten Prozess wäre das Szenario mit den größten Verlusten." schreibt Herr Stelter. - Da das durchaus verständlich erscheint, müsste logischerweise der 'geordnete Prozess' durch Deutschland eingeleitet werden - durch den eigenen Austritt aus dem Euro - und falls das Risiko der Vergemeinschaftung der jeweiligen Staatesschulden weiter besteht, auch der Dexit. Herr Stelter beschreibt ja richtig, dass die Politiker "versäumt haben, die Eurozone zu sanieren" (sie also ein Sanierungsfall ist) und "die Währungsunion für jedermann offensichtlich nicht funktioniert" kann nur das schnellstmögliche Ende die vernünftigste Lösung sein. Nur - wo im EU-Polit-Stadel gibt es Vernunft???

Uwe Dippel | Mi, 19. April 2017 - 16:38

Ja, es ist de facto so, dass die Franzosen (oder Italiener) bestimmen werden, wie es mit Deutschland weitergeht.
Das ist aber kein 'Muss', sondern einfach eine Konsequenz der fortdauernden Untätigkeit der Regierung. Die könnte jeden Tag anfangen, gegenzusteuern.
Jemand dort brauchte nur mal Hans-Werner Sinn bei Youtube einzugeben, um ein paar erste Ideen zu sammeln, um anzufangen.

Stattdessen gibt es in Berlin eine durchgängige Vogel-Strauss-Politik, also Kopf in den Sand, und auf 'richtige' Wahlergebnisse hoffen.
Die kommen aber immer seltener; es gab Brexit und Trump und Erdogan. Ja, es gab auch van der Bellen und Rutte; aber letztere beide ohne Überzeugungskraft. In den Niederlanden wird bis heute vergeblich versucht, eine Koalition aufzustellen.

In Berlin wird nur auf September hingearbeitet, damit man nach den Wahlen den Wählern reinen Wein einschenken kann.
Mir ist unklar, wieso die Deutschen sich das alles klaglos gefallen lassen.

Alf Torsten Werner | Mi, 19. April 2017 - 16:49

Wenn, nach Meinung des Autors Stelter, "die etablierten Partien in allen Ländern die Einführung des Euro gegen die ausdrücklichen und begründeten Mahnungen der Ökonomen durchgedrückt haben" und damit "der größte ökonomische Fehler der Nachkriegszeit begangen" wurde, wieso es dann fatal und nicht vielmehr begrüßenswert, wenn Le Pen und andere Gegner siegen?

Dr. Roland Mock | Mi, 19. April 2017 - 20:35

In reply to by Alf Torsten Werner

Weil Le Pen genausowenig Ahnung von Wirtschaft hat wie der aktuelle Präsident Hollande. Oder, falls diese Namen eher fen Finger in die Wunde legen: Genausowenig wie die EU-Granden Juncker und Schulz.

Robert Müller | Mi, 19. April 2017 - 17:03

Das der Euro nicht das Problem ist zeigt DE. Das Problem ist die zu geringe Wettbewerbsfähigkeit im Verhältnis zu den Löhnen. In Spanien wurde das geändert und so schaffen sie jetzt 0.5 Mio Jobs pro Jahr neu. Wenn die Arbeitslosigkeit deutlich unter 10 % fällt, steigen auch die Löhne in ES wieder. Kennen wir aus DE so auch. Die Menschen akzeptieren das aber nicht, auch in DE entstand die Linke deshalb. Ohne Euro ist es möglich den Menschen über Nacht 10% des Lohnes wegzunehmen ohne das die sich politisch wehren können. Nur wer sein Geld in Häusern angelegt hat, verliert nicht. Im übrigen ist das Wachstum in FR zuletzt besser als in DE gewesen. Hollande hat schon einiges erreicht. Was es für Folgen hat die politischen Ränder zu wählen zeigt Syriza in GR. In PT funktioniert es hingegen, vlt. weil dort die wirtschaftliche Substanz besser ist? Kurz: Den Euro zu beenden ist keine Lösung, sondern nur ein neues Wagnis.

das kann keine nachhaltige Lösung sein oder werden.
Lohnstückkosten dadurch zu reduzieren, dass man Löhne entsprechend der Produktivität reduziert ist das Gegenteil einer Wirtschaftsgemeinschaft.
Der Audi kostet ja dann auch nicht die Hälfte. Nein, die Löhne können dann nicht steigen, weil damit die Lohnstückkosten wieder über diejenigen in z.B. Deutschland steigen würden.
Was wäre unter der von Ihnen zitierten 'wirtschaftlichen Substanz' in Portugal zu verstehen? Meines Erachtens macht das wenig Sinn; ist weder wirtschaftlich, noch Manövriermasse.

Andreas Müller | Mi, 19. April 2017 - 19:10

In reply to by Robert Müller

Hallo Herr Müller,
das mit der Wettbewerbsfähigkeit ist ein tragischer Irrtum! Schauen Sie sich mal diese Statistik an:
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/15640/umfrage/handelsbil…
Seit dem Beginn der Eurorettungspolitik von Merkel und Schäuble ist die Eurozone als Ganzes in Überschüsse gerutscht. Das ist u.a. auf die "Erfolge" Spaniens zurückzuführen, die Sie zitieren. Glauben Sie im Ernst, dass der Rest der Welt das auf Dauer und in noch stärkerem Maße akzeptieren wird? Denken Sie an Trump!
Bis 2011 war die Eurozone als Ganzes im "Außenwirtschaftlichen Gleichgewicht", eines der magischen Ziele einer seriösen Wirtschaftspolitik. Die Ungleichgewichte waren rein intern und hätten auch intern abgebaut werden müssen: ja, durch mehr Wettbewerbsfähigkeit im Süden, aber eben auch durch höhere Löhne und mehr Konsum in Nordeuropa, vor allem in Deutschland. Das ist durch Politikversagen vor allem auch in Deutschland unterblieben. Angebotspolitik bis zum bitteren Ende!

Michael Ludwig | Do, 20. April 2017 - 08:56

In reply to by Robert Müller

Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP 250% Steigerung gegenüber 2006 in Spanien ( Tendenz nach oben) .Mit die höchste Steigerung in der Eurozone, dank des Herrn Dragi.
Da Sie vermeidlich ein Anhänger von Flassbeck/Keynes sind ist diese Argumentation
verständlich.
Funktioniert im täglichen Leben problemlos. Sie sind hoch verschuldet und können die Ratenzahlungen Ihrer Kredite nicht mehr bezahlen. Ihre Hausbank freut sich schon auf den Abschluss eines neuen Kreditvertrages mit Ihnen, damit Sie dann weiter Ihre Schulden bedienen können usw, usw. Vielleicht haben Sie so eine tolle
Bank, läuft doch alles super.
Einfach mal die Realität abbilden und nicht irgendwelchen linken Träumern auf den
Leim gehen.

Die ES Bevölkerung profitiert von Draghis, weil die so hoch mit Wohnungskrediten eingedeckt sind, die nun fast keine Zinsen mehr kosten. Daher auch der Konsumboom in Spanien. Es gibt auch einen spanischen Exportboom. Die Spanier sind ähnlich erfolgreich wie DE, aber aus dem roten Bereich heraus. Die Staatsverschuldung schmerzt wegen Draghi auch weniger und über die Zukunft, bei wieder steigenden Zinsen irgendwann, werden sich andere Politiker Gedanken machen müssen. Persönlich kann ich es verstehen, dass z.B. ES jetzt noch nicht die Staatsverschuldung senkt (18% Arbeitslosigkeit!), aber das muss kommen, weil die nächste Wirtschaftskrise bestimmt kommt.

EU-Überschüsse : -> steigender Euro und dadurch weniger Überschüsse. Kennen wir aus DE. Für schwache EU-Unternehmen tödlich. Euro-Intern sind die DE-Überschüsse schon geringer geworden, stattdessen mehr gegenüber Asien, USA (Trump?).

PT hat z.B. ein VW-Werk http://www.dw.com/de/vw-baut-aus-in-portugal/

Andre Berger | Mi, 19. April 2017 - 17:23

Das Problem sind nicht die Folgen eines Euro Ausstiegs, sondern, dass die deutschen und europäischen Politiker dieses Projekt begonnen haben, obwohl es laut Ratschlag aller Finanzexperten im gegeben ordnungspolitischen Rahmen nicht funktionieren kann und obwohl die Folgen eines Scheiterns so gravierend sein würden.

Hier wurde Vabanque gespielt mit dem Wohlstand der Bürger und Steuerzahler, mit der politischen und wirtschaftlichen Zukunft eines ganzen Kontinents.

Apropos Spitzensteuersatz: unter Eisenhower lag er in den USA bei über 90% (beginnend mit Roosevelt der sie auf über 70% anhob). Trotzdem gab es ein hohes Wirtschaftswachtum, die Schulden aus dem Weltkrieg wurden zurückgezahlt und die enormen Kosten des Kalten Krieges wurden finanziert, während gleichzeitig die moderne Infrastruktur aufgebaut wurde, die im Zeitalter des neoliberalen Raubtierkapitalismus gerade in Stücke zerbirst. Bitte verschonen sie mich mit dieser menschenverachtenden Ideologie.

Andre Berger | Mi, 19. April 2017 - 17:32

Die europäischen Eliten waren geblendet von ihrer eigenen Hybris. Mal wieder. Trotz der Geschichte. Ein guter Beleg, dass der Schuldkult um die Fehler von gestern nicht hilft die Probleme von heute und morgen zu lösen.

Auch dieser Artikel zeigt eines: die classe politique misst nur ihre Bevölkerung, nicht aber sich selbst an den Lehren der Geschichte.

Das alles gab es noch früher schon einmal, mit der katholischen Erbsünde und dem dadurch aufgeschwatzten schlechten Gewissen der Menschen, die man mittels Beichte und Buße besser zu kontrollieren suchte.

Auch 1933 waren es nicht die Wahlen, die Hitler an die Macht brachten, sondern die sog. Camarilla um und mit Hindenburg, die aus Hinterzimmern die Fäden zog.

Fast möchte man meinen, es existiert ein Masterplan zur Zerstörung der EU und zur Abschaffung der Demokraie, so wirr und irr wie in DE und der EU Politik gemacht wird.

Alleine, ich glaube nicht an VT. Die schlichte Wahrheit ist: Merkel kanns nicht...

Rolf Pohl | Mi, 19. April 2017 - 18:24

... sind doch gerade die Institutionen der EU. Die hier oben so genannte "Volksfront gegen den Euro" lebte und lebt doch geradezu erst auf wegen des Versagens incl. Rechtsbrüchen (Maastrich-Dublin) der EU und ihrer überdimensionierten Institutionen in Brüssel und Strassburg.

Nicolas Wolf | Mi, 19. April 2017 - 18:35

Na dann ist es ja egal, wen die Franzosen wählen, zahlen werden es ja eh die Deutschen...

Wenn man diese Bestandsaufnahme teilt, was ich zu weiten Teilen tue, dann ist doch die Frage eher, großer Crash schnell oder langsam. Da mit dem Euro in den letzten Jahren nicht sehr viel mehr erreicht wurde, als möglichst viele junge Griechen arbeitslos zu halten, würde ich sagen, die schneller Variante würde dem Spuk auch ein schnelleres Ende bereiten. Vielleicht erlebt es der Schäuble ja noch, das man ihm mal die Frage stellt, was er denn eigentlich die letzten Jahre so getrieben hat, zu wünschen wäre es ihm.

Dr. Lothar Sukstorf | Mi, 19. April 2017 - 18:52

Auch wenn es nicht in das Weltbild des Autors passen möge, Politik wird weltweit nicht ausschließlich für die Finanzmärkte gemacht. Und viele Mrd. Menschen leben und arbeiten nicht dafür, daß die Finanzmärkte blendend darstehen. Selbst die Worst-Case Szenarien täuschen über eins nicht hinweg, es gibt auch ein Leben nach einem Totalcrash und das wäre dann das Ende der Globalisierung. So what, dann dauert es 10-20 Jahre oder länger bis sich Neues herausgebildet hat. Eins, allerdings steht schon jetzt fest, das europäische System des Wolhfahrtsstaates, bzw. des deutschen 100%-Vollkaskostaates, ist zum Scheitern verurteilt. Es ist schlichtweg nicht bezahlbar. Oder nur auf Pump. Und das goutieren die Finanzmärkte nur bedingt; es sei denn sie verdienen wie Goldmann Sachs doppelt und dreifach dran(Hellas).Ein Kanzler Schmidt hätte all diese Implikationen erkannt und eine Strategie entwickelt mit anderen. Wir haben jedoch nur die "Zwergenkanzlerin" Merkel, die mächtigste Frau der Welt.

Christian Bauer | Mi, 19. April 2017 - 19:22

Eine gemeinsame Währung ohne Rechtsrahmen geht gar nicht. Wir haben keinen Rechtsrahmen, die Maastrichtverträge sind zwar Verträge, aber die Zahl der Vertragsbrüche ist hoch. Also existieren sie auch nicht. Nicht nur GR war ein Wackelkandidat für den €uro, auch Italien hat sich nur mit viel Mauschelei in den €uro reingedrängt. Die Deutschen wurden sicherheitshalber nicht gefragt- wer hätte freiwillig seine DM abgegeben? Niemand.
Was wir aber alle übersehen: Die Freiheit, die wir derzeit (noch) haben, ist das Ergebnis ständigen Bemühens. Dies Bemühen um die Grundlage der Demokratie haben wir verlernt, geopfert einem "Heilsversprechen" des Kapitals.
Kluge Menschen haben das kommen sehen. Die derzeit Regierenden gehören nicht dazu.

Hans Jürgen Wienroth | Mi, 19. April 2017 - 19:45

Ich sehe Ihren Artikel als Warnung vor extremen Kräften. Leider bleiben Sie uns die Lösung des zu recht erkannten Problems schuldig. Ich stelle mir daher die Frage: Wem nützt der Euro? Mir als Bürger, dem Staat, den Banken oder der Wirtschaft? Warum hat all das auch vor dem Euro funktioniert und soll jetzt nicht mehr funktionieren? Diese Fragen lassen Sie außer Acht in Ihrem Plädoyer gegen die extremen Parteien. Leider sehe auch ich bei den Regierenden keinerlei Bestrebungen zu einer Lösung des Problems.
Ich bewundere daher den Mut der Briten zum Brexit. Damit wird die europäische Politik-Elite endlich zum Denken gezwungen. Hoffentlich kommt es dadurch auch zu einem Umdenken. Denn ein Gefängnis „Europa“, aus dem ein Ausbruch kaum möglich ist, hat mit Demokratie nichts gemein. Beim Eintritt neuer Mitglieder ist die EU dagegen weniger wählerisch.

Dimitri Gales | Mi, 19. April 2017 - 20:26

So schnell würde selbst Le Pen nicht den Euro-Raum verlassen. Sie würde wahrscheinlich eine ähnliche Politik wie die Engländer verfolgen: Volksabstimmung. Ob das Volk den Austritt tatsächlich will, ist nicht sicher.
Sicher ist dagegen, dass mit Le Pen oder Mélenchon die Austeritäts-Politik, wie sie die Merkel-Regierung vertritt, keine Selbstverständlichkeit mehr sein und keine Zukunft mehr haben wird. Denn in Frankreich macht sich eine Oppositionshaltung gegenüber Deutschland breit, bei linken und rechten Parteien - Frankreich fühlt, dass die Gleichmacherei-Politik im Namen der Europa-und Eurodoktrin der Deutschen nur immer den selben Interessengruppen dient. Frankreich funktioniert eben anders als Deutschland, es hat eine eigene gesellschaftliche und ökonomische Struktur.

Martin Wessner | Mi, 19. April 2017 - 22:14

Bravo bravissimo! Wenn man Artikel lesen will, die den Geist des gesunden Menschenverstandes atmen, dann ist man bei Cicero allermeist richtig. Nur bei einer Sache muss ich leichte Kritik anmelden. Zitat: "In Deutschland ist die Linke noch nicht so weit, sich vom Euro zu distanzieren."

Nein. Das stimmt so! jedenfalls nicht.

LINK: http://eurexit.de/aufruf

Marco Holter | Mi, 19. April 2017 - 22:42

Ein ausgesprochen gelungener Artikel. Der Euro mit all seinen Problemen wird im öffentlichen Diskurs derzeit sträflich vernachlässigt. Man hört immer mal wieder was von einem neuen Rettungspaket für Griechenland und sonst nicht viel. Gerade über TARGET 2 ist nur nach viel Recherche was zu finden. Schlimm, dass es trotz jahrelanger Euro Krise, die sich wie von Ihnen beschrieben, schnell verschlimmern kann, immer noch keinen wirklich ausgereiften Plan zu geben scheint, wie man das wieder in den Griff bekommt. Ich fürchte man wird solange "Flickschusterei" betreiben bis das ganze voll vor die Wand fährt.

Max Hoffmann | Mi, 19. April 2017 - 23:44

Ich bete dafür, dass der Wahlausgang in Frankreich ein Desaster für die jetzige EU, für Merkel und deren Schranzen in Brüssel wird.

Martin Wessner | Do, 20. April 2017 - 00:12

Monsieur Melenchon ist ein nationalistischer Sozialist, währendessen Madame LePen eine sozialistische Nationalistin ist. Also praktisch zwei Enden ein und des selben EU-feindlichen Baguettes, das, wenn es von den Bürgern der Grande Nation mit Käse und Wein verspeist wird, mit großer Wahrscheinlichkeit dafür sorgt, dass der Titanic-Dollar, auch euphemistisch "Euro" genannt, hoffentlich alsbald Geschichte sein wird. Ich jedenfalls drückte Monsieur Melenchon ganz dolle meine beiden Daumen, denn welche Wonne und welcher Genuss muss es wohl für einen "kritischen Europafreund" wie mich sein, die ratlosen und entgeisterten Gesichter der Mächtigen in Brüssel und Berlin zu sehen, die nicht die geringste Ahnung haben werden, wie man mit einem Populisten umzugehen hat, der nicht rechts ist. Oh-'la-'la! Auf dieses köstliche 5 Sterne-Mahl französischer Politkochkunst freue ich mich schon jetzt.

Patricia Meyer | Do, 20. April 2017 - 07:56

Mir ,als kleines Licht und Arbeitnehmer,der seit 35 Jahren arbeitet um zu überleben,kann es ziemlich egal sein ob ich mit dem Euro oder der DM absaufe! Zuviel ist verbockt um den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen.Die Bevölkerung ganz Europas wird der Verlierer in diesem unwürdigen Schauspiel sein!

Petra Führmann | Do, 20. April 2017 - 10:18

Lieber Cicero,

es wäre so schön, Sie würden auf das Attribut rechtsEXTREM verzichten; extrem ist in meinen Augen etwas anderes. Rechts würde genügen, so wie links. Noch angenehmer wäre, ganz auf diese Bezeichnungen zu verzichten.

helmut armbruster | Do, 20. April 2017 - 10:33

es ist heute klar und unbestritten, was in Zeiten der Wiedervereinigung nicht offen gesagt und publiziert wurde:
Francois Mitterand verlangte für die Zustimmung Frankreichs zur Wiedervereinigung (die ehemaligen Siegermächte mussten zustimmen)die Einführung des Euro. Absicht war, das wieder vereinigte Deutschland wirtschaftlich zu schwächen und ihm die DM wegzunehmen um so eine wirtschaftliche Dominanz des wieder vereinigten D in Europa zu verhindern. Kohl hat dem zugestimmt um die Wiedervereinigung nicht zu gefährden.
Das erklärt aus heutiger Sicht vieles, u.a. auch warum D es hinnimmt, dass seine Targetforderungen sich inzwischen der Marke von 1000 Milliarden nähern. Ein enormes Ausfallrisiko! Denn im nicht mehr undenkbaren Fall eines Zerfalls der Eurozone wären diese Forderung nichts mehr wert.
Kein Land der Welt mit halbwegs vernünftiger Regierung würde ein solches Risiko für seine Forderungen freiwillig eingehen. Dass D dies tut ist ein Indiz dafür, dass D nicht anders kann.

Martin Lederer | Do, 20. April 2017 - 16:17

Der Euro war und ist wirtschaftlicher Schwachsinn. Deshalb wird er scheitern. Auch nicht anders als der Kommunismus im Osten.

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