Immobilien - Wie die Politik das Wohnen verteuert

Die Politik entdeckt im Wahlkampf ihr Herz für Mieter und Familien, plötzlich wollen alle Parteien den Wohnungsbau ankurbeln. Dabei verhindert der Gesetzgeber mit überzogenen Auflagen und Steuererhöhungen selbst, dass das auch geschieht

Baustelle eines Wohnungsbaus - dahinter reihen sich die Kräne
Eine falsche Immobilienpolitik lässt die Preise für Wohnen nach oben treiben / picture alliance

Autoreninfo

Wolfgang Bok war Ressortleiter und Chefredakteur in Stuttgart und Heilbronn sowie Direktor bei der Berliner Agentur Scholz & Friends. Der promovierte Politologe lehrt an der Hochschule Heilbronn Strategische Kommunikation. Regelmäßig schreibt er für verschiedene Medien Kolumnen zu gesellschaftspolitischen Themen und ist Buchautor.

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Wer heute die Immobilienteile der Zeitungen durchforstet, muss gegen Schwindelgefühle und Übelkeit ankämpfen. Für kümmerliche 50-qm-Wohnungen werden in begehrten Lagen nicht selten mehr als 300.000 Euro verlangt. Wer deutlich geräumiger wohnen will, muss in München, Stuttgart oder Hamburg schon mal mehr als eine Million hinblättern. In diesen Metropolen haben sich die Preise seit 2006 im Schnitt verdoppelt. Gleichwohl rechnet der Verband der Sparda-Banken aufgrund aktueller Studien vor, dass selbst in diesen Hochpreislagen der Erwerb günstiger ist als das Mieten. Auf lange Sicht betrage der Vorteil für Immobilienkäufer im Mittel aller Regionen immerhin 41 Prozent. In den ohnehin schon teuren Ballungszentren etwas weniger.

Was optimistisch stimmen und zum Eigenerwerb animieren soll, ist in Wahrheit eine schlechte Nachricht: Mieter wie Käufer müssen mit weiter steigenden Preisen rechnen. Denn durch diese ermunternde Kalkulation wird die Nachfrage nach Immobilien weiter steigen – mit entsprechenden Renditeerwartungen, die nur durch Preiserhöhungen möglich sind.

Deutsche Politik und EZB sind nicht ganz unbeteiligt

Die Politik, die im Wahlkampf ihr Herz für Mieter und Familien entdeckt, ist daran nicht unschuldig. Dass sich der Erwerb selbst horrend teurer Immobilien rechnet, ist in erster Linie der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zuzuschreiben: Sie drängt die nach Sicherheit dürstenden Bürger regelrecht ins „Betongold”. Auch für ausländische Anleger und internationale Fonds ist Deutschland ein lukrativer Wohnungsmarkt, der sichere Gewinne verspricht. Das treibt die Preise zusätzlich in die Höhe. Doch die Regierung Merkel/Gabriel lässt EZB-Präsident Mario Draghi weiter mit Abermilliarden um sich werfen. Das rechnet sich zwar für die Finanzminister, denn sie verdienen durch Negativzinsen sogar am Schuldenmachen. Die Dummen aber sind die (deutschen) Sparer. Ihnen entginge laut Postbank seit der „Euro-Rettung” 2011 etwa 125 Milliarden Euro an Zinsen.

Neben billigen Krediten ist es das politisch verknappte Bauland, das die Kosten fürs Wohnen nach oben schießen lässt. Zwar sind nur 13,7 Prozent der deutschen Fläche überbaut, gleichwohl soll mit strengen Umweltauflagen der „Flächenfraß” eingedämmt werden. Selbst Kommunen, die noch reichlich Platz hätten, werden so zu Preistreibern beim Bauland. Hohe Umlegungskosten tun ihr Übriges.

Die SPD enttäuscht bei leistbarem Wohnen

Dass nun SPD-Hoffnungsträger Martin Schulz die hohen Mieten anprangert, ist geradezu zynisch: Schließlich kommt aus dem Umweltministerium seiner Parteifreundin Barbara Hendricks eine Energie-Einspar-Verordnung nach der anderen. So steht ein weiteres Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) an, das die Kosten noch einmal um zehn Prozent oder einen Euro pro Quadratmeter für die Mieter hochtreibt, obwohl Bauexperten vorrechnen, dass dadurch nur ein paar Cent an Heizkosten eingespart werden. Auch von der „Regulierungspause”, welche die SPD-Minister Hendricks und Gabriel angekündigt hatten, ist nichts zu sehen: Seit 1990 sind die zu befolgenden Baunormen von 5000 auf 20.000 gestiegen.

Zu den gestiegenen Grundstücks- und Baukosten kommen noch die Erwerbsnebenkosten von rund zehn Prozent. Die sind in Deutschland nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) viel höher als in anderen europäischen Ländern. Haupttreiber ist die Grunderwerbsteuer, die in sieben Bundesländern von 3,5 auf stattliche 6,5 Prozent nahezu verdoppelt wurde. In vier davon, wie in Schleswig-Holstein, stellt die SPD den Ministerpräsidenten. In zwei weiteren regieren die Genossen mit. Nur Bayern (CSU) und Sachsen (CDU/SPD) beließen es bei den 3,5 Prozent, die bis 2006 einheitlich galten. Auch die Grundbuch- und Notarkosten wurden seit 2013 um 25 Prozent angehoben, rechnet der Verband "Haus und Grund" vor. „Ständig steigende Baukosten und stabile Mieten, das geht nicht zusammen”, klagt deren Präsident Kai Warnecke und warnt: „Die Mittelschicht kann sich das Eigenheim bald nicht mehr leisten.”

Daran werden auch die aktuellen Wahlköder wenig ändern. Das gestaffelte Familienbaugeld, das die SPD verspricht, ist auf Einkommensklassen bis maximal 70.000 Euro pro Haushalt begrenzt, die sich eigentlich keine Immobilie leisten können oder nicht in ländliche Gebiete ziehen wollen.

Vor allem Mieter leiden unter zu wenig Angebot 

Die CDU liebäugelt mit einem Baukindergeld und Abschlägen bei der Grunderwerbsteuer, die jedoch den Ländern alleine zufließt. Diese hat sich seit 2007 auf insgesamt 12,4 Milliarden Euro verdoppelt. Weshalb der FDP-Plan, den Ersterwerb bis 500.000 Euro davon ganz freizustellen, kaum Chancen hat. Wie die Klagen über steigende Wohnpreise überhaupt heuchlerisch sind: Ob Länder, Notare oder Makler, sie alle berechnen ihren Anteil prozentual. Je teurer, desto mehr.

Insgesamt zieht der Rat der Immobilienweisen eine verheerende Bilanz: Mit überzogenen Auflagen, Steuererhöhungen und einem blühenden Normenwesen verhindere der Gesetzgeber, dass in Deutschland genug gebaut werde. Und wenn, dann nicht unter 2500 Euro pro Quadratmeter – ohne Grundstück.

Immerhin haben die Erwerber von Immobilien die Chance, irgendwann schuldenfrei im eigenen Heim zu wohnen. So lassen sich die ebenfalls drastisch gestiegenen Nebenkosten (Strom, Wasser, Heizung, Versicherung etc.) leichter schultern. Mieter zahlen hingegen laut Mieterbund zusätzlich 3,19 Euro pro Quadratmeter. Das betrifft 55 Prozent der Bürger, in Städten sogar 73 Prozent. Denn Deutschland ist Mieterland. Auch so produziert man Altersarmut.

Herbert Riedemann | Mi, 12. April 2017 - 11:30

Und den wichtigsten Faktor hat der Autor nicht einmal benannt: Inflation.

Das deutsche Geld hat sein Einführung nach dem Zweiten Weltkrieg um 90% an Wert verloren. Das bedeutet nicht weniger, als dass alle anderen Waren um 90% teurer geworden sind, was hauptsächlich durch den technischen Fortschritt aufgefangen wird.

Nochmal: finanztechnisch sind Häuser um 90% teurer geworden!

Wir sollten daher schellstens zu einer gedeckten Währung innerhalb eines Vollreservesystems zurück finden. Am einfachsten wäre ein Goldstandard oder gleich die Abschaffung der grundsätzlich politisierten und daher unseriösen Zentralbank.

Denn nicht nur wäre dann diese staatliche Interventionsspirale nicht notwendig, von der der Autor spricht. Sondern wir wären auch die einzige Ursache der Finanzkrisen los.

Frank Goller | Mi, 12. April 2017 - 11:45

Es gibt weder Wohnraum, noch Grundstücke - geschweige den für den normalen Bürger bezahlbar ! Hier hilft nur die Flucht in den Odenwald, Westerwald oder Richtung Eifel und dann jeden Morgen 1-2 Stunden Stau in der Pendler-Herde.

Herbert Riedemann | Mi, 12. April 2017 - 13:40

In reply to by Frank Goller

Ich wohne in Frankfurt zur Miete in einer schönen Wohnung. Sicher, Häuser mit Garten in Frankfurt sind teuer, aber dann muss man eben vorerst abwägen. Es gibt Schlimmeres als ein bisschen pendeln oder eben kein Haus zu haben. Wichtiger wäre die Inflationspolitik zu unterbinden und die politisierte Zentralbank zu entmachten. Ohne diese wäre Wohnraum 90% billiger!

...... in Frankfurt Herr Riedemann. Sie haben eine, aber sie werden so schnell als Suchender keine finden. Der Rest ihrer Antwort scheint mir ziemlich realitätsfern. Als Angestellter oder Arbeiter können sie abwägen ob Kauf oder Miete ??? Und 3-4 Stunden im Stau bei 6 Tagen Arbeitswoche im Einzelhandel sind nicht so schlimm, schon mal was von PKW Kosten, physische + psychische Belastung und Unfallrisiko gehört. Recht gebe ich ihnen nur EZB Inflationspolitik. Schöne Ostern !

Ist 60 qm und kostet kalt 570 €.
Jeden Tag 4 Stunden ist wirklich hart. Das glaube ich Ihnen. So etwas kann man auch wenigstens "Pendeln" nennen. Unsere neosozialistischen Führer hingegen sprechen bereits davon, dass 60% aller Menschen pendeln, was mich fragen lässt, mit welcher Definition von Pendeln die arbeiten...
Wäre es nicht so aufwendig, könnte man auch einfach seine eigenen Firma gründen. Und zwar dort, wo man lebt.

danke für das Angebot, 60 qm mit 2 Kindern und einem ausgewachsenen Neufundländer, würde für den Hund reichen - nur für die Familie nicht mehr ;-)
Übrigen auch ohne Hund - das werden sie vermutlich vorschlagen- auch zu klein. Der Aufwand wäre nicht das Problem, zur Gründung einer Firma braucht man auch Kapital, es wird wohl erst mal beim pendeln bleiben. Es gibt noch eine Chance - heute Abend den Euro Jackpot knacken !

Bernhard Jasper | Mi, 12. April 2017 - 12:29

Hard facts:

Deutschland hat die zweithöchste Steuer- und Abgabenlast aller Industrienationen.

Außerdem hat Deutschland die niedrichste Eigentumsquote in ganz Europa. Warum sollte man als Wahl-Bürger einer derartigen Politik einen Auftrag erteilen?

Sehr richtig. Wunderlich ist übrigens, wie schnell Mieter ihre Sicht auf solches ändern, wenn sie selbst zum Eigentümer werden; eher nicht so leistungsorientierte Menschen meist durch Erbschaft. Gottohgott, wird dann geschimpft auf die wahlweise "blöden" oder "asozialen" Mieter", den "Abzockerstaat", die "bescheuerten" Gesetze etc. etc. Und wer die Freude hat, z.B. einmal einen Prozeß gegen einen zahlungsunwilligen Mieter zu erleben, erlebt sein Waterloo. Da werden "sozial eingestellte"(sprich naive) Menschen gaaaaaaaaaanz schnell zu "profitgierigen Aasgeiern"; genau jene Spezies, die sie, als sie auf der anderen Seite standen, lauthals bekämpft haben.

Yvonne Walden | Mi, 12. April 2017 - 12:31

Immer noch lassen sich Wählerinnen und Wähler täuschen. Insbesondere die Politikerinnen und Politiker der Unionsparteien versprechen weitere Anstrengungen im "sozialen" Wohnungsbau.
Hinter diesen Versprechungen verbergen sich unverhohlen Zusicherungen an vermögende Kapitalanlegerinnen und -Anleger, denen steuerliche Vergünstigungen zugesichert werden zum Bau kleiner Standardwohnungen für diejenigen, die sich mit ihrem Einkommen gerade so über Wasser halten können.
Warum fördern die Regierenden nicht unmittelbar das Wohneigentum gerade derjenigen, die mit eigenen Mitteln hierzu außerstande sind?
Der sogenannte "soziale" Wohnungsbau schafft keinerlei Wohneigentum für Minderbemittelte - im Gegenteil.
Das Immobilienkapital begüterter Kreise wächst durch diese "Mietskasernen" weiter, und nach Ablauf der sogenannten Sozialbindung können diese mit öffentlichen Mitteln gebauten Sozialwohnungen zu Marktpreisen vermietet werden.
Wohneigentum deshalb nur individuell fördern!

80% des "Sozialstaats" geht in die Bürokratie selbst und kommt bei den Bedürftigen nicht an. Würden die Bürokraten ihre Wähler mehr bestechen können, ohne dabei die Wirtschaft zu schädigen, würden sie es tun.

Einfach nur mehr Geld für die Armen zu fordern, ist übrigens keine wirtschaftspolitisch ernsthafte Forderung. Vor allem da durch grundsätzlich unternehmerfeindliche Arbeitsbedingungen immer mehr Hochqualifizierte auswandern, während wir hier ständig neue Asylanten betreuen müssen.

Nennen Sie bitte wenigstens einen anderen Bereich, an dem der Staat das Geld seiner Bürger sparen soll. Zum Beispiel Milliarden für öffentlich finanzierte Spielfilme und Musik oder die Theaterförderung käme in den Sinn. Ebenso die staatliche Kontrolle von Privatschulen. Oder Bürokraten, die dafür sorgen, dass für nassgeflochtene Adventskränze ein anderer Mehrwertsteuersatz als für trockengeflochtene eingehalten wird...

Sepp Kneip | Mi, 12. April 2017 - 12:45

Was mich immer am meisten ärgert, wenn ich über Missstände höre oder lese, seien es die Bau- und Mietpreisexplosionen, sei es die Tatsache, dass für einen arbeitenden Single nicht mal mehr die Hälfte vom Bruttolohn bleibt, sei es die kalte Enteignung im Rahmen der Euro-Rettung sowie der Niedrigzinsdpolitik und so weiter und so weiter, ist die Unverschämtheit der Politiker, dass sie tun, als sei das alles gottgegeben und plötzlich vom Himmel gefallen. Dabei sind das alles Entwicklungen, die durch das Agieren eben dieser Politiker am Bürger vorbei ausgelöst und gefördert wurden. Aber kurz vor den Wahlen ist wieder die Zeit, dem Bürger vorzumachen, dass man diese Missstände beheben will. Die Zeit der großen Versprechungen (Lügen) hat eingesetzt. Genau das ist das große Manko unserer Staatsform, der Demokratie. Sie wird so mehr und mehr zur Farce. Ausgekungelt wird dann alles in milliardenschweren Koalitionsvereinbarungen, die die Schulden noch höher treiben. Alles wie gehabt.

Detlef Dechant | Mi, 12. April 2017 - 13:03

Neben allen Auflagen beim Mietwohnungsbau kommt noch ein weiterer Punkt. Haben sie einmal versucht, einen Mieter, der nicht zahlt oder ihre Wohnung verhunzt, aus dieser herauszukriegen? Und wenn sie es dann doch geschafft haben, bleiben sie, sofern dieser mittellos war, auch noch auf vielen Kosten sitzen. Da bauen sie lieber im Hochpreissektor!

Sehen Sie "Mieterschutz" einfach so: Es handelt sich hier um den Schutz von Vermögenden vor unüberlegtem Mietwohnungsbau. Und das kommt auch potentiellen Mietern zugute, die so vor den bösen Vermietern geschützt werden. ;-)

Dr. Roland Mock | Mi, 12. April 2017 - 13:13

Der Artikel bringt es auf den Punkt: Der Staat schiebt Vermietern, Unternehmen und sonstwelchen bösen Ausbeutern die Schuld für steigende Mieten zu, ist aber selbst der - mit Abstand- größte Preistreiber auf dem Wohnungsmarkt. Das perfide daran: Lauthals "soziale Gerechtigkeit" fordern und tönen, jeder Arbeitnehmer müsse von seinem Einkommen leben können (Mindestlohn) selbst aber das Existenzminimum durch all die beschriebenen schwachsinnigen Maßnahmen in ungeahnte Höhen treiben. Allein die sog. EEG-Umlage (versteckt im Strompreis) macht inzwischen im Schnitt ca. 20% der Wohnnebenkosten aus. Eine einzige (von vielen) staatliche Gebühr! Was Altersvorsorge betrifft: Auch hier Schwachsinn pur: Der Staat profitiert davon, wenn Menschen durch Erwerb von Wohneigentum nicht im Alter zur sozialen Belastung der Gesellschaft werden. Das Konzept (vorerst) zweier von fünf maßgeblichen Parteien dagegen: Diese Vorsorge durch Erhebung der Vermögenssteuer wieder sukzessive wegzubesteuern.

Dimitri Gales | Mi, 12. April 2017 - 14:28

und längst überfällig. Das beschriebene Phänomen und seine Ursachen sind auch im Nachbarland Frankreich akut. Wohnen wird für den durchschnittlichen Lohnempfänger zum (oft unerschwinglichen) Luxus, insbesondere in Städten wie hier in München. Immer mehr Stadtbewohner werden in die Aussenbezirke verdrängt - aber auch die werden mit der Zeit immer teurer.
Die Politik hat total versagt, und die EZB mit ihrer waghalsigen Euro-Rettungs-Politik hat einen signifikanten Anteil an dem Ganzen.

Wenn es der Artikel so auf den Punkt bringt - warum sind dann offenbar die Verhältnisse in Frankreich genauso wie in Deutschland? Außer der EZB-Politik führt der Autor doch lauter Gründe, die seiner Meinung nach an spezifisch deutsch sind (Abgabenlast, Bürokratie bei Baugrundvergabe, Gebäudedämmung). Ernst gemeinte Frage.

Dr. Roland Mock | Do, 13. April 2017 - 11:05

In reply to by Peter Hartung

@Herrn Hartung: Ich habe es nicht so gelesen, daß der Autor meinte, eine solche Politik werde ausschließlich in D gemacht. Gerade Frankreich ist ja nun das Paradebeispiel der EU für Staatsinterventionismus und entsprechend laufen die Dinge dort auf dem Wohnungsmarkt ähnlich. Unter Hollande hat sich das noch verschärft.

Juliana Keppelen | Mi, 12. April 2017 - 16:16

Nun vieles was in diesem Artikel geschrieben wird stimmt. Wenn ich mich aber in meiner Heimat umschaue wird gerade gebaut wie verrückt obwohl die Gegend mit die höchsten Baulandpreise hat wird fast jeder grüne Winkel in den Gemeinden zu gebaut. Das Gegenstück dazu sehe ich wenn ich durch die neuen Bundesländer fahre da verfallen ganze Dörfer obwohl der Baugrund und die Häuser spottbillig sind gibt es ziemlich leere Ortschaften. Also nicht nur der böse Staat sondern auch die Lage und Angebot und Nachfrage regeln den Preis.

Bernhard Jasper | Mi, 12. April 2017 - 16:33

Das alles geht noch viel weiter. Haben Sie sich einmal die Pendlerströme (Verkehr) morgens und abends angesehen. Das ist im Großraum München, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Hamburg und Berlin etc. sicher ähnlich. Ob Öffentlicher- oder Individualverkehr. Da helfen auch keine Verbote, Gebote und Vorschriften mehr. Und, periphere Bereiche ohne Auto sind gar nicht zu nutzen, oder anders gesagt, mit öffentlichen Nahverkehr gar nicht erschließbar. Flexibel im Verkehr ist nun mal der Individualverkehr. Will sagen, auch wenn wir sogenannte "umweltfreundliche" (Strom aus Kohlekraftwerken?) Antriebsaggregate entwickelt haben, blieb die Konfliktlage in unseren Städten erhalten.

Was schert das die Politik mit ihrer "umweltfreundlichen" Fahrbereitschaft?

P.S.: „Fahren Sie doch einfach mit dem Fahrrad“, die so reden haben im Sinn, dass man dann mit dem eigenen Auto viel besser fahren könne (Ironie aus).

letztens hat ein "grüner" Ministerpräsident auf die Frage "wie komme ich ohne Auto auf die Arbeit ?" geantwortet:

"da muß man sich was intelligentes einfallen lassen !"

ralf müller | Mi, 12. April 2017 - 17:13

Für mich ist die Hauptursache des Preisanstiegs im Mietmarkt die seitens der Politik organisierte Nachfrage nach Wohnraum in urbanen Gebieten.
Sämtliche Migration geht in die Städte. Wer jährlich Hunderttausende hineinholt, der organisiert Nachfrage nach Wohnraum. Das treibt die Preise. Hinzu kommt Spekulation in Erwartung steigender Preise. Dahinter stehen globale Interessengruppen, bspw. Hedgefonds und andere kapitalsammelstellen. Nichts kommt von nichts. Alles hat Gründe. Berlin soll 2030 Londoner Preisniveau haben. So das erklärte Ziel der Immo-Mafia. Glaubt irgendwer an Zufälle? Preise werden gemacht. Kaum ein Markt ist so intransparent wie der Immo-Markt.

Die bösen Hedgefonds. Die "Immo"-Mafia. Lesen Sie doch bitte einfach den Artikel. Da gibt es keine Ideologie, sondern Fakten.

Helmut Königer | Mi, 12. April 2017 - 22:53

Kommunalparlamente verhindern durch Aufstellung von B.Plänen gezielt den Geschosswohnungsbau.
Irrsinnige Forderungen z.b. pro Wohnung 150 bis 300qm Grundstücksanteil d.h. z.b. bei einen 6 Familienhaus ein Grundstücksgröße von 900 - 1800qm.
So ist bei uns, im Raum Ingolstadt / Pfaffenhofen, im Moment der Trend, dadurch werden selbst kleinste Wohnanlagen verhindert.
Der Grund für die Maßnahme, ist reine Klientelpolitik für die Nachbarn. Diese wollen keine Veränderungen.
Alle schreien nach Wohnungen, aber nicht in meiner Nachbarschaft...
Die Misswirtschaft fängt in der kleinen Kirchturmpolitik an und die große Politik macht den Rest.
Wohnungsbau Förderung, Sozialwohnungen, Nachverdichtung, bezahlbarer Wohnraum alles bla, bla, Schlagworte der Politik für deren Sonntagsreden.
Vom viel zitierten Bürokratieabbau, ganz zu schweigen, das krasse Gegenteil ist der Fall.
Bau und Grundstückskosten steigen weiterhin dadurch auch die Mieten.
Mfg. HK Bauunternehmer aus der Region 10 Bayern

Ulrich Epple | Do, 13. April 2017 - 00:54

Es geht hier nicht nur um die Höhe der Mieten. Ein Ein Privatmann, der heute noch vermietet, hat sich selbst enteignet. Denn er hat an seinem Eigentum so gut wie keine Rechte mehr. Vermieten ist nur noch interessant für grosse Investoren mit noch grösseren Rechtsabteilungen. Und auch die vermieten nur noch an Besser- und Bestverdienende. Der "soziale" Wohnungsbau für wen auch immer wird vom Steuerzahler zwangsfinanziert. Denn am kommunalen Bau und den alsbaldigen Reparatur- und Sanierungsarbeiten wird immer noch klotzig verdient. OK, natürlich nicht von den Arbeitern, die bei den "Subunternehmern" beschäftigt sind.

Bernhard Jasper | Do, 13. April 2017 - 08:46

Der „Flächennutzungsplan“ wurde über Jahrzehnte als entmaterialisierte Stadtmauer, als säkularisiertes himmlisches Jerusalem betrachtet, gleichsam als entmaterialisierte Stadtmauer. Gerade bei dem sensiblen Thema Wohnen, ein Grundbedürfnis des Menschen, überlässt der Staat „Entwicklung“ dem Wettbewerb.
Man sollte heute auch die Stadtplaner nach ihrem Gesellschaftsbild befragen, denn über Jahrzehnte wurde kein Wachstum zugelassen. Die Kommunen, oft durch „Rot-Grün“ geprägt, wollten niemals ein Städte-Wachstum. Eine ökologische Stadtpolitik, keine breite flächige Entwicklung. Es geht jedoch auch immer um Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven, gerade für junge Leute. Und die müssen sich bestimmte Zielstädte suchen.
Ohne Ausweisung neuer Flächen, sind gewaltige Konflikte vorprogrammiert, denn Städte werden heute durch interne und externe Wanderungsbewegungen geprägt. Was ich dazu höre ist Konzentration und Verdichtung. Wo sind die mobilisierbaren Gebiets-Reserven für den Wohnungsbau?

Dennis Staudmann | Do, 13. April 2017 - 11:26

kämpft nicht nur gegen imaginären Hass sondern auch gegen deutsche Mieter. So schuf er die sogenannte energetische Sanierung. Dagegen kann sich kein Mieter wehren und die Kosten dürfen vom Vermieter um 11 % auf die Jahresmiete umgelegt werden und das bis zum Ende des Mietverhältnisses. Die Mieterhöhung darf auch grösser sein, als die tatsächlichen Einsparungen der Energiekosten des Mieters. Ein wunderbares Mittel für Vermieter, die gerne die alten Mieter raus haben wollen, um endlich richtig Kasse zu machen. Dann "beglückte" er uns mit der Mietpreisbremse. Diese funktioniert so, dass ich, wenn ich mit ca. 100 anderen Bewerbern an einer Besichtigung teilnehme, den vorherigen Mietbetrag erfragen muss, weil der Vermieter nicht verpflichtet ist, mir diesen freiwillig zu sagen. Das steigert sicher die Chancen enorm, Mieter zu werden. Auch wenn ich später den Vermieter diesbezüglich verklage, bleibt dieser trotz Wuchermiete straffrei und muss mir erst ab dann die reguläre Miete berechnen.

Maren Pauli | Do, 13. April 2017 - 11:28

Wenn der Staat den Wohnungsbau und die Wohnungsvermietung zum großen Teil privaten Eigentümern überlässt, dann agieren die renditeorientierten Eigentümer im eigenen Interesse und nicht im öffentlichen Interesse der Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum. Solange dies nicht als staatliche Aufgabe angegangen wird, wird nur halbherzig an den Auswüchsen der florierenden Immobilienwirtschaft rumgedoktert. Und wenn jemand auf die Idee kommt, seine sauer verdienten Groschen in Betongold anzulegen, um dann sich mit Mietern auseinandersetzen zu müssen, dann wird auch er feststellen müssen, dass damit Ärger und eigene Arbeit verbunden ist, was er vorher, als schön verzinste Lebensversicherungen etc. ihm vorspiegelten, man könne Einkünfte aus Kapital nur mit Unterschriften und u.ä. erwirtschaften, noch nicht erlebt hatte.

Rudolf Eisenblätter | Do, 13. April 2017 - 14:35

Leider machen die meisten Bauwilligen den Fehler einen Bauträger mit der Erstellung eines Hauses zu beauftragen.
Der Rohertrag für den Bauträger liegt bei 28 bis 30 Prozent des Kaufpreise. Bei einem Preis von 400 000 Euro wären das bereits 120000 Euro. Von den restlichen 280 000 Euro wurden bereits die Ausführenden Handwerker bezahlt. Bequemlichkeit hat seinen Preis.

Birgit Jacob | Do, 13. April 2017 - 14:38

Ein Aspekt fehlt noch. Die Auflagen verhindern auch, dass potentieller Wohnraum überhaupt vermietet wird. Es gibt unzählige Häuser, wo die Besitzer nicht mehr den vollen Wohnraum benötigen. Eine Umwandlung eines Teils der Fläche in eine Mietwohnung wird nicht selten wegen der Auflagen gar nicht in Angriff genommen. Wer ein Zweifamilienhaus in ein Dreifamilienhaus umwandeln möchte, den trifft es dann noch mehr. Besonders ärgerlich sind die Auflagen zur Wärmemessung. Da zahlt dann der Eigentümer, sofern er auch selbst im Haus wohnt auch noch mit.
Allein die gesetzlichen Auflagen und der zunehmende Bürokratismus verleiten somit privaten Vermietern die Lust Wohnraum überhaupt zu vermieten.

Dr. Lothar Sukstorf | Do, 13. April 2017 - 17:50

früher gab es noch Wohnbauminister, ich meine mich an einen Herren Seebohm zu erinnern...von meinem Vater- selig - lernte ich einst - für Wohnen gibt man ca. 25% des Gehaltes aus. So war das! Ich frage, wer hat zugelassen, daß ein elementares Bedürfnis der Menschen, nach Unterkunft, zu einem Spekulationsobjekt verkommt? Wer? Die politische Klasse seit gut 25 Jahren... geht das so. ABER sonst ist "die Politik" immer gerne dabei, wenn es ums "Bauen" geht. Siehe BER oder die Elbphilharmonie. Politiker meinen offensichtlich, sie können alles, und belegen - einmal mehr - ausser Schwafeln und Dampfplaudereien abzulasssen - daß sie gar nichts können. Oder Planungsverfahren für Projekte, die über 30 Jahre laufen. Auch im Bereich Bauen scheint das Prinzip Erpressung gut zu funktionieren, so geschehen Elbphilharmonie und BER. In der Politik müsste dringend das Haftungsprinzip und Rechenschaft abzulegen, eingeführt werden. Da würden dann aber viele gesiebte Luft atmen.

Ekkehard Möller | Do, 13. April 2017 - 18:35

Wieder mal ein fundierter Kommentar, der die wahren Ursachen für den Wohnungsnotstand aufzeigt, den unsere grünen und roten Weltverbesserer mit Krokodilstränen immer so bejammern. Man sollte Wolfgang Bok eigentlich bei strittigen Fragen auch die eine oder andere Einladung zu den Fernseh-Talkshows zukommen lassen, aber dort will man wohl solche Wahrheiten nicht hören, stören sie doch nur die rotgrüne Meinungsmache bei den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern.

Bernhard Meyer | Fr, 14. April 2017 - 08:00

Bisher dachte ich unsere Poltiker wollen Co2 einsparen? Strompreise!
Mit immer mehr Menschen und immer mehr Wohnungen nebst Heizungen wird das aber nix!

Politiker schaffen es, gleichzeitig auf Gas und Bremse zu steigen :-(.

Yvonne Walden | Sa, 15. April 2017 - 10:40

Eigentlich gehört das Wohnen, also das vielzitierte "Dach über dem Kopf", zu unseren Grundrechten, denn ohne dieses Wohnrecht erscheint eine freie Entfaltung der eigenen Persönlichkeit undenkbar.
Die "freie Entfaltungsmöglichkeit" von Obdachlosen kennt eigentlich jede und jeder.
Was aber unternimmt unsere Gesellschaft, um allen ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen?
Ich schreibe hier bewußt nicht vom "Staat", denn dieser Staat besteht aus Bürgerinnen und Bürgern, die für das Wohlergehen aller verantwortlich zeichnen.
Das Thema "Wohnen" interessiert inzwischen vorrangig Kapitalanlegerinnen und Kapitalanleger, die mit Hilfe von staatlichen Zuschüssen Wohnsilos errichten, diese dann - wegen der staatlichen Subventionierung - für eine gewisse Zeit preisgünstig vermieten (lassen), um nach Auslaufen dieser Sozialverpflichtung möglichst hohe Mieten fordern zu können.
Warum erfolgt diese Wohnungsbauförderung nicht individuell? Damit jede und jeder möglichst Wohneigentum erwerben kann?

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