Gesellschaft und Konsum - Politischer Kitsch

Massenproduktion und Massenmedien machen den Kitsch zum ästhetischen Standard unserer Gesellschaft. Dem kann sich auch die Politik nicht entziehen. Ihr Kitsch ist moralisch. Man muss einfach nur für den Frieden und für die Gerechtigkeit sein. Das kostet nichts, gibt aber ein gutes Gefühl

Claudia Roth von den Grünen posiert neben einem Teilnehmer des Christopher Street Day am 13.07.2013 in München
Claudia Roth beim Christopher Street Day: Der politische Kitsch erzeugt wieder den ästhetischen / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Vor Kurzem erschien sein Buch „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ beim Claudius Verlag München.

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Alexander Grau

Massengesellschaften lieben den Kitsch. Er entspricht ihrer Logik. Denn Massenproduktion, Massenkonsum und Massenmedien machen den Kitsch zum ästhetischen Standard: Schnulzige Vorabendserien, unerträgliche Musikshows, dümmliches Gedudel im Hit-Radio, penetrantes Blockbuster-Kino, als „Fashion“ unters Volk geschmissener Moderersatz: man könnte die Liste endlos vorsetzen – quer durch alle Bereiche unserer popkulturellen Wirklichkeit.

Denn dem Massenkonsum verpflichtete Gesellschaften leben davon, das Besondere und Einzigartige massentauglich zu machen. Und das bedeutet vor allem: erwerbbar. Also werden Kunstwerke oder Baudenkmäler als Nippes über die Welt verteilt, die besten Stellen klassischer Musik kerzenscheintauglich auf CD gebannt und van Goghs Sonnenblumen auf alles gedruckt, was sich bedrucken lässt.

Mit dem Gestus der Empörung

Doch Kitsch ist nicht nur eine ästhetische Kategorie. Es gibt auch moralischen Kitsch. Und wie sein vulgärer Verwandter aus der Welt der Dinge, so lebt auch der moralische Kitsch von Übertreibung, Maßlosigkeit und beliebiger Reproduzierbarkeit. In Form eines auf Dauer gestellten Alarmismus ergießt sich der moralische Kitsch über die Gesellschaft und wittert jederzeit und überall Moralverletzungen aller Art. Sein Gestus ist die Empörung.

Bezeichnend dabei ist, dass der moralische Kitsch unter Moral nicht etwa die Einhaltung tradierter Normen versteht, also das, was man früher Anstand und Sitte genannt hätte. Denn Kitsch ist immer hedonistisch. Also lebt er sich dort aus, wo man ohne Selbsteinschränkung und Verzicht gnadenlos im Moralin baden darf: den Menschenrechten, der Gerechtigkeit, der Gleichheit.

Zur Schau getragene Empfindsamkeit

Wie der ästhetische Kitsch, so baut auch der moralische Kitsch vor allem auf Sentimentalität. Sein Feld ist die zu Schau getragene Empfindsamkeit. Dementsprechend geht es ihm nicht um eine rationale Analyse oder gar um das Abwägen verschiedener Perspektiven. Rationalismus und kühle Vernunft sind für ihn schlichter Zynismus. Also kennt er nur weiß und schwarz, helle Welt und dunkle Welt. Zugeständnisse liegen jenseits seines Horizontes.

Damit der moralische Kitsch massenkonsumierbar wird, muss er sich jedoch politisch organisieren. Da der demokratische Politbetrieb aber auf Kompromisse zielt, also auf etwas, was dem kitschigen Bewusstsein wesensfremd ist, gründet es mit Vorliebe NGOs. Hier findet der moralische Kitsch seine ideale Agitationsform. Unbelastet von realpolitischen Erwägungen kann er hier seinem moralischen Maximalismus frönen. Sein Medium ist die Anklage.

Doch moralischer Kitsch zielt, wie jeder Kitsch, nicht auf Sektierer, sondern auf die Masse. Seine Pointe liegt darin, Moral massentauglich zu machen. Jeder kann hoch moralisch sein, zu jeder Zeit. Man muss einfach nur für den Frieden sein, für Gerechtigkeit oder die Menschenrechte. Das kostet nichts, gibt aber ein gutes Gefühl und entlastet von Reflexion.

Moralischer Kitsch in der Politik

Da dieser Verlockung eines einfach zu konsumierenden Moralismus naturgemäß die Wenigsten widerstehen können, wandert der Jargon des moralischen Kitsches in die etablierte Politik. Dies umso mehr, als er Politikern die Möglichkeit gibt, sich medienwirksam als mitfühlend und menschlich zu inszenieren. Das Ergebnis ist der moralische Kitsch in seiner institutionalisierten Form: der politische Kitsch.

Wie jedes kitschige Produkt, so müssen auch die Formeln des politischen Kitsches leicht konsumierbar sein und im Kern belanglos. Vor allem aber müssen sie das sentimentale Bedürfnis des Konsumenten, hier also des Wählers, befriedigen.

Das Ergebnis ist das Wörterbuch des Polit-Kitsches: Darin versammelt sind Phrasen und Wortbildungen wie „soziale Gerechtigkeit“, „Wertegemeinschaft“, „Solidarität“, „demokratische Werte“, „internationale Gemeinschaft“ und so weiter. Sie sagen wenig, doch wer sie hinterfragt, diskreditiert sich selbst. So bekommt der kitschige Jargon die diskursive Lufthoheit.

Auch Politik produziert ästhetischen Kitsch 

Anders als der ästhetische Kitsch hat der politische Kitsch jedoch einen Appellcharakter. Er fordert zu Handlungen auf, vor allem zu symbolischen. Also hält man Mahnwachen, veranstaltet Solidaritätskundgebungen, pinselt „Welcome“-Schildchen oder bildet Lichterketten. So erzeugt der politische Kitsch wieder den ästhetischen.

Da der politische Kitsch, ebenso wie der ästhetische und moralische, ein tragendes Element der Massenkonsumgesellschaft ist, besteht wenig Hoffnung, ihn aus dem öffentlichen Diskurs zu verbannen. Wir werden mit ihm leben müssen. Es bleibt nur die Möglichkeit, ihn als das zu entlarven, was er ist: intellektueller Trash.

Jörg Meyer | Sa, 25. Februar 2017 - 09:45

...die Verlogenheit des moralisierenden Rigorismus, der sich im Stillen darauf verlässt, dass hartherzigere Naturen das moralisch Unerfreuliche, aber Notwendige betreiben. Steuergelder verteilt die politische Linke gern, um zu "investieren", im Wettbewerb erwirtschaften mögen sie bitte andere. "Refugees" welcome bei Vollversorgung, dass dies seine natürlichen Grenzen hat, ist unbestreitbar, mögen indes andere aufzeigen, von denen man sich dann in seiner ganzen Warmherzigkeit abgrenzen kann. Und gerade im Staatsrundfunk wird unkritisch jede Aussage der NGOs gefeiert, als sei sie lupenreiner Kampf für das Gemeinwohl, obwohl sie nicht selten ein extremer Standpunkt ist. Mit all den Gutmenschen im Nacken mag allmählich niemand mehr für die glasklarsten Notwendigkeiten mehr eintreten. So kann man ein Gemeinwesen auch ruinieren.

Heiko Mühlenstedt | Sa, 25. Februar 2017 - 10:41

Ein gelungener Beitrag, der umfassend beschreibt,
wo und wann man von "Politscher Kitsch" reden kann - bzw. reden muß !

Ludwig Wittgenstein hätte sich über diesen Beitrag gefreut:

"Was sich überhaupt sagen läßt, läßt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muß man schweigen"

Christop Kuhlmann | Sa, 25. Februar 2017 - 11:11

hinterfragt. Das ich das noch erleben darf. Der geistlose Wortschwall, entlarvt als reflexionsfreie Worthülsen politischer Opportunisten in der Scheinwelt öffentlicher Debatten. Doch dieser Kitsch hat mehrere Funktionen. Er verlagert, im Falle des Widerspruchs, die Begründungslast auf den politischen Gegner und ist geeignet diesen als amoralisch zu stigmatisieren. Der Widerspruch muss erheblich mehr Informationen prozessieren um beispielsweise zu begründen warum Abrüstung bei aggressiven Gegnern nicht das geignete Mittel ist den Frieden zu bewahren, während umgekehrt Begriffe wie Friedenspolitik oder Kritik am Säbelrasseln sofort eine unreflektierte Zustimmung hervorrufen, die sich nicht im mindesten mit der konkreten Situation befasst. Die Attraktivität des moralischen Kitsches resultiert, neben einem emotionalen Wohlfühlfaktor, aus der Reduktion von Komplexität, die, in einer immer komplizierter werdenden Welt, weitgehend von Sachkenntnis befreit. Ein enormer strategischer Vorteil.

Holger Stockinger | Sa, 25. Februar 2017 - 11:13

Daß zum "Philosophischen Denken" gottseidank auch das Durchschauen von Machenschaften des jeweils herrschenden Zeitgeistes gehört, hatte im Alten Rom ein Cicero durchaus begriffen. Griechische "Sklaven" konnten per mündlicher Überlieferung sich offenbar noch an Plato oder Sokrates erinnern.

Bertolt Brecht als Schüler Karl Valentins hat eine amüsante Episode zu Sokrates gedichtet. Karl Kraus fiel zu "Hitler" nichts mehr ein - vermutlich deswegen die Konjunktur des "Antifaschismus" heute: Kein Tag ohne Hitlers Frauen, Hitlers Hunde, Hitlers Telefon ...

Bernhard Kraetzig | Sa, 25. Februar 2017 - 11:17

Wieder einmal ein bestechender Text Herr Grau, chapeau !
Ihr beschriebener Kitsch scheint mir eine Reaktion auf eine leere Sehnsucht, ein Nachäffen ehemals tiefster Sinnempfindungsfähigkeit des zerrationalisiertem Individuums zu sein. Das moderne Leben ist nicht echt, es tut nur so. Es ist ein Leben auf der Oberfläche. Ihm fehlt die Tiefe, die Echtheit und die Relevanz der unmittelbaren „Emp-Findung“. Die Wiederherstellung dieses Verlustes liegt m. E. nicht allein in der „kühlen Vernunft“, also im nackten Verstand, sondern im Bewusstsein, dass die Gründe all unseres Tuns und alle unsere ideellen Werte letztlich auf Empfindungen zurückgehen. Diese sollten von klein auf ernstgenommen und kultiviert werden durch Religion, Kunst oder Philosophie, dann werden sie zu Maßstäben, in denen die Ergebnisse des „kühlen Verstandes“ stimmig eingebettet werden können; so verliert der Verstand das kühle, das zynische, und wird mit den Anwendungsmaßstäben zur Vernunft; der Kitsch wird obsolet.

Detlev Flott | Sa, 25. Februar 2017 - 11:35

Sie haben es mal wieder geschafft, mit einem kurzen aber prägnanten Beitrag die Ursachen für unsere Gutmenschenfalle in der wir seit Jahren gefangen sind, aufzudecken.
Wer gegen Friede, Freude UND Eierkuchen ist, gehört zu den abgehängten, biodeutschen, empathielosen,bildungsfernen,häßlichen alten Männern, die nicht fähig sind, unsere komplexe Welt zu begreifen! Jahrzehntelange Indoktrination durch öffentlich rechtliche Medien... hat dafür gesorgt, dass gerade unserer Jugend Rebellion ausgetrieben wurde. Es ist nun einmal bequemer, sich mit den linksliberalen, verweiblichten Ökozielen der Mainstreamparteien (inkl CDU)zu identifizieren, als sich in Oposition hierzu zu begeben und dementsprechend sich als rückständiger, bildungsferner.... "Rechter" zu outen. Hinzu kommt das Wohlgefühl auf der richtigen, moralisch höherwertigen Position auf alle anderen Schmuddelkinder (Pegida,AfD...) herunterblicken zu können.
Wo bleibt unsere rebellische Jugend, die ihren Verstand noch besitzt ?

Sehr geehrter Herr Flott, Sie sprechen mir aus der Seele! Auch ich gehöre zu den bildungsfernen Schichten, die sich die in ihrem Kommentar genannten Adjektive zu eigen machen! Darüber hinaus suche ich ständig nach einfachen Lösungen!
Hier meine einfache Antwort auf ihre Frage: Uns geht es noch zu gut. Die meisten Deutschen wachen erst auf, wenn es zuspät ist!

Genau das ist mein Reden seit Jahren, Herr Wagner (auch an Herrn Flott) Und unsere Jugend? Sieht die Welt doch im Smartphone, warum also lesen, und dann auch noch denken?
Rom ist an seiner Dekadenz gescheitert, wir sind auf dem Weg! Nicht nur wegen der Jugend - beileibe nicht - die Älteren sind bequem und satt geworden. Immer wieder bekomme ich zu hören "Reg dich doch darüber nicht auf" - "Ich kümmere mich um Familie, Freunde - das andere interessiert mich nicht / regt mich nur auf" - Es ist zum Heulen!

Chapeau Herr Dr. Grau!
Chapeau Herr Flott!
Alles richtig. Aber bitte: Friede, Freude UND veganer Kuchen... Eier sind auch von vorgestern.

Horst-Joachim Benner | Sa, 25. Februar 2017 - 11:56

Wir leben in einer Welt des Oberflächlichen des Unverbindlichen und Ungefähren, dafür aber mit hohem moralischem und materiellem Anspruch. Alles ist Willkürlich nach Gutdünken aber ohne Vernunft und Verantwortung just nach dem Motto: Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Aber du bist raus!

Christa Wallau | Sa, 25. Februar 2017 - 12:09

Mit diesem Kommentar haben Sie mir wieder einmal aus der Seele gesprochen, lieber Herr Grau. Ich freue mich immer auf Ihre wöchentlichen
Kolumnen.
Es ist genau so, wie Sie schreiben:
Der KITSCH, ob ästhetisch, moralisch oder eben
a u c h politisch, ist ein tragendes Element der Massenkonsumgesellschaft.
Wie die intellektuelle Beschränktheit
(= Dummheit), so gehören auch Geschmacksverirrungen und wohlfeile moralische Attitüden zu den konstituierenden
Bestandteilen einer demokratischen Gesellschaft, in der ja der Durchschnitt regiert.
Die Traurigkeit, die einen überkommt, wenn man realisiert, daß sich daran niemals etwas ändern wird (Es sei denn, wir entwickelten andere polit. Organisationsformen), kann nur dadurch gemildert werden, daß man sich
Menschen sucht, die ähnlich denken/empfinden wie man selbst u. dadurch, daß man sich
kitschfreie Oasen schafft.

Im übrigen bleibt es dabei:
Je wohler sich die Masse fühlt, umso kitschiger geht es zu - und umgekehrt.

Steffen Braun | Sa, 25. Februar 2017 - 12:33

Unser Gemüse ist
- regional
- genfrei
- atomfrei
- chemiefrei
und jetzt NEUNEUNEU
- gegen rechts!

Herbert Schaar | Sa, 25. Februar 2017 - 12:43

Guten Morgen Herr Grau!

Sie haben das so schön auf den Punkt gebracht.

Dafür ein herzliches Dankeschön,
auch, wenn´s kitschig wirkt.

Marc Oelgenschläger | Sa, 25. Februar 2017 - 12:52

Dem Artikel hätte eine Definition von "Massengesellschaft" gut getan. Denn es klingt wie ein abwertender Begriff, wenngleich - Achtung Kitsch! - jeder Mensch unendlich viel wert ist und daher viele nicht mehr wert als einige sein können.

Besonders stört mich das Wort "Massenkonsumgesellschaft", bei dem ein latenter Antikapitalismus durchscheint. Versicherungen zum Beispiel sind stabiler, je mehr Menschen darin einzahlen. Eine arbeitsteilige Gesellschaft ist effizienter, je mehr Menschen mitmachen. Selbst ein Like/Dislike-Verhältnis ist aussagekräftiger, je mehr Menschen geklickt haben.

Kitsch stört mich nicht. Konkrete Doppelstandards aber schon. Also das ständige Reichen-Bashing, während man selbst keine Ahnung von Ökonomie hat. Das Xenophoben-Bashing, während man selbst keinen Flüchtling aufnimmt. Oder das Filterbubble-Bashing, während man selbst Andersdenkenden nie zuhört. By the way, wann kommt mal ein Höcke-Interview?

Christa Wallau | Sa, 25. Februar 2017 - 12:53

Beim Nachdenken über den Inhalt Ihres Essays, lieber Herr Grau, ist mir klar geworden, warum die Deutschen besonders anfällig dafür sind, zu ver-kitschen. Deutsche sind (Geschichte u. Kulturgeschichte lehren es) überdurchschnittlich sentimental, was bedeutet: Mehr auf Gefühle hören als auf den Verstand. Kurz: Das Korrektiv der kritischen, scharfen Ratio ist unterentwickelt.

KUNST und KITSCH sind Antagonisten.
Zur Kunst gehören Können, immense Arbeit und
Verzicht (Opfer). Wo diese Komponenten fehlen
kann nur Kunst-Ersatz (= Kitsch) entstehen.
KITSCH ist gewöhnlich, KUNST außergewöhnlich.

In D sind die Gartenzwerge und die röhrenden Hirsche inzwischen abgelöst worden vom billigen KITSCH DER GUTMENSCHEN mit ihrem "Gestus der Empörung", wie Sie zutreffend bemerken.
Das Schlimmste ist: Die Empörungsmentalität
hat die meisten Medien, welche doch eigentlich korrigierend eingreifen sollten, mit erfaßt, so daß die fatale Veranlagung der Deutschen noch täglich neu befeuert wird.

Uwe Prink | Sa, 25. Februar 2017 - 13:54

Danke für diesen Artikel, Herr Grau. Sie sprechen mir aus der Seele. Wir haben ein klaffendes Loch in der Kultur. Wir versinken in der nivellierenden Gülle der massenhaften Beliebigkeit. Nichts ist mehr echt. Alles ist falsch, alles ist Ware. Politik, Religion, Ideologien, Moral und Anstand; alles verkommt zur Ware, zur inhaltslosen Hülle. Alles ist nur schöner Schein. Niemand äußert sich in der Politik inhaltlich. Nichts als Worthülsen. Es gibt nur noch wenige Politiker, die glaubhaft sind. Und das ist ein wesentlicher Grund für den Rechtstrend. Das Volk dürstet nach Wahrheit, nach Leuten, die authentisch sind, die das durchziehen, was sie sagen. (Trump) Ein gefährlicher Trend. Aber ein folgerichtiger Fakt einer dekadenten, verkommenen Gesellschaft. Es ist ein verdreckter Sumpf. By the way, ich glaube die linke, dicke Frau auf dem Photo hat sich als Claudia Roth verkleidet.

Sabine Barth | Sa, 25. Februar 2017 - 14:00

Ihrer Theorie nach wäre ja dann der neue Heilsbringer der SPD, Martin Schulz, nichts als ein Produzent politischen Kitsches....bisher jedenfalls.
Seine Schlagwörter "Gerechtigkeit","Ftieden", "sozial" usw. sind Zeugen dafür!
Aber das kann Merkel auch, nur ist das "Volk" ihrer müde....

. . . Sie haben Recht, aber was soll er denn anderes sagen? Es ist doch alles abgedroschenes Geschwafel - und über seinen Schatten wird M.Sch. auch nicht springen können - man wird ihn immer an seiner Arbeit und deren Ergebnisse in Brüssel messen.
Ich persönlich bin mir noch nicht so ganz im Klaren, was ich von ihm halten soll, kann oder muß? - Vielleicht doch eine Alternative zur alternativlosen Mutti Merkel?

Der Che aus Würselen, ein Möchte-gern-Robin-Hood, kennt vermutlich nicht die wahren Freuden des Denkens. Sitzenbleiben ist für ihn Qualitätsmerkmal. Differenziertheit gehört nicht zu den Tugenden der Jetzt-SPD. Helmut Schmidt las noch Kant...

Sitzenbleiber und Schulabbrecher haben doch seit einiger Zeit Hochkonjunktur. Das wird ja geradezu zum Qualitätsmerkmal hochstilisiert. Wenn man den Berichten in den großen Blättern glauben darf, sind diese Leute die erfolgreichsten Unternehmensgründer der letzten Jahrzehnte. Im Silicon Valley ist doch jeder zweite Start-Up-Fuzzy ein Schulabbrecher und wird dafür noch gefeiert. Angefangen bei Bill Gates, der es ja unbestreitbar geschafft hat.

Was aber fast nirgendwo steht ist, daß über 9o % aller Start Ups scheitern.

Zu M. Schulz sage ich lieber nichts, ist eh schon alles gesagt worden. Schaun mer mal, wie der Wähler das sieht. NRW ist ja bald.

Wolfgang Henning | Sa, 25. Februar 2017 - 14:30

Die herrschende politische Klasse gibt vor, was das Volk zu denken hat. Da spielt es keine Rolle, ob man die Schlagworte der Genderpolitik, der Willkommenskultur, oder der sozialen Gerechtigkeit als Kitsch erkennt. Was zählt ist die Anpassung an den rot-rot-grünen Mainstream. Wer dagegen aufbegehrt, sich auch nur kritisch (nicht gewalttätig) äußert, oder gar an Demonstrationen teilnimmt, wird als "Rechtsradikaler, Rassist, Faschist oder Nazi" gebrandmarkt. Zudem läuft er Gefahr, gesellschaftlich isoliert zu werden, oder sogar seinen Job zu verlieren. Also, es gilt wieder: "Lieb' Vaterland, magst ruhig sein!"

Willi Mathes | Sa, 25. Februar 2017 - 15:02

Oh,ja Herr Grau !

Moral und Sitte sind in einer selbsternannten Kulturnation bestimmend !
Moralische Empörung, ersetzt zur Zeit , sorgfältiges Nachdenken und Abwägen !

Danke für diesen klarstellenden Kommentar !

Robert Hagen | Sa, 25. Februar 2017 - 15:33

Sehr treffend! Man braucht sich nur mal einen der Nachrichtensender, am frühen Morgen anhören. Über weite Strecken wird er, wie vom Autor benannt, verbreitet: Polittrash.

Ruth Müller | Sa, 25. Februar 2017 - 16:06

Für was bekommt Frau Roth ca. 14.000 Euro im Monat?

Warum werden solche Absurditäten vom Parlament und der Bevölkerung geduldet?

Ist das (Foto) das Sinnbild einer Grünen Zukunft?

Die Mehrheit zahlt und eine alimentierte kinderlose Minderheit feiert selbstgerecht auf deren Kosten.

Absurdistan oder Ablenkung?

PS. (Selbstkritisch) Erst jetzt begreife ich die Parteien die sich für Steuersenkungen einsetzen - leider wollte ich das früher nicht einsehen.

Günter Schaumburg | Sa, 25. Februar 2017 - 16:23

Karneval ja! Jedoch bei Claudia Grün habe ich den
Eindruck, dass für sie das ganze Jahr über närri-
sche (Politik-)Zeit ist. Auch für solches hatte Brecht ein Zitat bereit: Es ist schlimm, in einem Land zu leben, in dem es keinen Humor gibt. Aber noch schlimmer ist es, in einem Land zu leben, in dem man Humor braucht.

ingrid Dietz | Sa, 25. Februar 2017 - 16:48

sehr beliebt bei Frau Merkel und Herr Schulz u a.!
Alles und immer nach dem Motto: nur nicht konkret werden !
Übrigens: Die EU-Eliten schwören auch auf diese nichtssagenden Floskeln !

Michaela Diederichs | Sa, 25. Februar 2017 - 17:02

Darin versammelt sind Phrasen und Wortbildungen wie „soziale Gerechtigkeit“, „Wertegemeinschaft“, „Solidarität“, „demokratische Werte“, „internationale Gemeinschaft“ - diese gebetsmühlenartig wiederholte Phrasen sind inzwischen vollkommen sinnentleert. Es ist das Vaterunser der Weltverbesserer, aber beten hat die Welt noch nie verändert. Daher sind sie genau das, was Sie hier benennen: intellektueller Trash. Gut geschrieben, Herr Grau!

Heinz Maier | Sa, 25. Februar 2017 - 17:03

Ein herrlicher Artikel und treffend bebildert.
Aber warum 'ìntellektueller Trash' und nicht einfach das deutsche Wort 'Müll'?

Markus Michaelis | Sa, 25. Februar 2017 - 17:20

Bissig aber leider zum Teil zutreffend. Früher empfand ich es so, dass Intellektuelle (also Menschen, die gerne denken und nichts für gegeben nehmen) zu 90% Links und 8% Liberal waren (war wohl übertrieben, aber doch ein wenig wahr). Heute empfinde ich "LinksLiberal" als eine Ansammlung belangloser Phrasen, zusammengehalten durch den epischen gemeinsamen Kampf gegen Rechts, wobei auch niemand wirklich fragen will, was und warum Rechts ist. Echte Fragen, Abwägungen, die Widersprüchlichkeit und Grenzen aller Systeme und Maßstäbe - irgendwie existiert das alles nicht mehr. Es gibt universelle (quasi göttliche), nicht hinterfragbare Wahrheiten und den gemeinsamen Kampf gegen Rechts. Punkt. Ist doch ganz einfach - es kann jeder leicht mitmachen.

Frederik Weitz | Di, 28. Februar 2017 - 01:24

In reply to by Markus Michaelis

Das gilt aber auch umgekehrt. Kann man sehen in diesem chimärischen Konglomerat von rotgrünlinksversifft, was so gar nichts besagt. Kitschig kann auch der Blick sein: der, der die Unterschiede nicht mehr herausliest. Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, muss das nicht am Buch liegen.
Schließlich bedient Grau mit dem Foto genau den Kitsch, den Rechte sehen wollen - was eben auch nur der übliche Gesinnungskitsch ist. Nun, man kann diesen Zirkel wohl nur mit einem Sprung verlassen und sich hartnäckig weigern, zur einen oder zur anderen Seite dazuzugehören.

Sepp Kneip | Sa, 25. Februar 2017 - 17:30

Herr Grau, was Sie da schreiben ist wohl aus dem Katechismus der Gutmenschen. Aber Sie haben Recht. Genau das ist das Grundübel unserer Zeit. Wir haben Fastnacht und die Gutmenschen haben es bis in die Bütt geschafft. Wenn man sich ihre Büttenreden anhört, Hofberichterstattung hoch drei. Moralische Entrüstung - nicht etwa über die Gesetzesmissachter in der Regierung, nein über diejenigen, die das anprangern. Früher hätte man vielleicht auch mal einen anderen Vortrag gehört. Vielleicht folgenden oder ähnlichen:

Da gabs ne Präsidentenwahl
So hieß sie, doch es war ne Qual.
Man zelebriert ein Mords-Event,
und wählt den Bundespräsident.

Wer wählt ihn denn? Der Bürger nicht.
Nur Promis sonnten sich im Licht.
Im Saal kein einziger Bürger war,
der Präsident jedoch, sei bürgernah.

Es ist schon ein paar Jährchen her.
Wir liebten unser Land gar sehr.
Die Staatsform, die man ihm verlieh,
war ganz und gar Demokratie.

Roland Mock | Sa, 25. Februar 2017 - 17:32

Mann, das war mal wieder gut, Herr Grau. Bis vor wenigen Wochen habe ich zeitgenössische Philosophen für verkappte Kommunisten, Westentaschen-Sartres usw. gehalten. Aber Sie bieten den lebendigen Beweis, daß ein Intellektueller- egal welcher Fason- nicht per se ein notorisch erziehenwollender (meist) Links-Intellektueller sein muß. Und: Auf so etwas muß man erst einmal kommen, diese banale, plakative und oft einfach nur infantile Humanitätsduselei von Claudia, Jürgen & Co. als Kitsch zu bezeichnen. Gleichwohl trifft es dieser Begriff. Danke, fühle mich rhetorisch aufgerüstet.

Sepp Kneip | Sa, 25. Februar 2017 - 17:33

Doch plötzlich tauchte Merkel auf,
das Schicksal nahm dann seinen Lauf.
Regiert wird hierzuland jetzt schlecht,
regiert wird nicht mehr nach dem Recht.

Vieles läuft hier aus der Spur,
in Merkels Kanzlerdiktatur.
Opposition ist obsolet,
die Welt hier ist total verdreht.

Für die, die hier schon immer leben,
die Kanzlerin lässt sie erbeben,
hat sie kein Geld, doch gibt sie's blind,
an die, die doch erst kurz hier sind.

Die Quittung hat sie schon erhalten,
ihr Stern ist langsam am Erkalten.
Die Union im Keller leidet Qual,
der Merkel ist das sch...egal. Helau und Alaf!!

... lieber Herr Kneip, für diese gereimte Büttenrede mit Tiefgang.
Dreimal "Deutschland, Alaaf und helau!"

Claudia Decker | Sa, 25. Februar 2017 - 17:35

Wo das Prinzip der Haftung und des Zu-seinem-Wort-Stehens aus vielen Gesellschaftsstrukturen Verschwunden ist, werden auch politische Statements so unkonkret wie möglich gewählt, dann braucht man nicht dafür zu haften, nicht zu verantworten, ist nicht messbar - dies ist wirklich kitschig - brillant, wenn man sich dabei zu allem Überfluss auch noch moralisch überhöhen kann!
Danke für den guten Artikel!

Guenter Weiss | Sa, 25. Februar 2017 - 17:42

Perfektes Bild zum Text. Jede Überschrift in diesem Text schreit nach dem Namen "Claudia Roth". Die Symbolfigur für den Begriff "Gutmensch". Ein Mensch dem es egal ist, ob er letzendlich gutes tut. Hauptsache man hat das Gefühl besser zu sein als alle anderen.

Peter Wagner | Sa, 25. Februar 2017 - 17:43

Hervorragende Analyse Herr Grau. Durch den Selbsthass der Deutschen und den Hass auf die eigene Nationalität, entstanden durch das kollektive Gewissen der Deutschen die Schandtaten der Nazizeit zu kompensieren, wird in Politik und Medien die Moral gefährlich überhöht! Wer diesen Moralterror, z.B. die unkontrollierte Aufnahme der Migranten 2015, auch nur ansatzweise kritisiert, wird umgehend mit der Nazikeule erschlagen. Bei politischen Entscheidungen darf nicht die Moral, sondern muß die Vernunft und die Deutschen Intressen im Vordergrund stehen!

Hans Page | Sa, 25. Februar 2017 - 20:11

für diese Zeiten der völligen Umwertung von dem was noch vor wenigen Jahren als normal galt. Vielen Dank für diese hervorragende Analyse, denn vor allem die moralisierenden Gemeinplätze machen sprachlos vor allem wenn man durch Erfahrung weiß dass bestimmte Politiken und Ansätze einfach nicht gut gehen können. Was auch fehlt ist dass die Vertreter von Gemeinplätzen nicht gezwungen werden, zumindest nicht im öffentlichen Diskurs, was ihre Positionen denn dann konkret bedeuten würden, für dieses Land, für Europa, für die Welt. Alleine die Positionen No-Borders oder Menschenrecht bedeutet Einwanderungsrecht klingen gut aber widersprechen der Lebenserfahrung dass das gut gehen kann, außer die hier lebenden wollen sich und ihren Lebensstil wirklich nachhaltig aufgeben. Darüber könnte man diskutieren und demokratisch entscheiden, aber nur so und nicht per andiskutierte und unwidersprochene Kanzlerentscheidung.

Martin Arndt | Sa, 25. Februar 2017 - 20:21

Eine treffende Analyse zum Konnex von Gesinnungsethik und Hedonismus. Beide konvergieren in der Negation, der Unverbindlichkeit des Denkens und der Entlastung von ihm. Wie der Schlager kennt die kitschige Politik auch nur ‚schwarz‘ und ‚weiß‘, eine manichäsich helle und dunkle Welt. Wie es im Schlager nur die Eine gibt, so in der Politik nur den moralischen Maximalismus. Beide verschaffen narkotisierende Euphorie - und werden „ausgebrütet von einer Gesellschaft, deren Zwangsmitglieder Last und Monotonie ihres Daseins anders schwer ertrügen“ (Adorno).

Siegfried Niese | Sa, 25. Februar 2017 - 22:06

Die Regierung unter Angela Merkel hat vor sechs Jahren kurz nach der Reaktorhavarie in Fukushima unter dem Eindruck der von grünen Populisten, Aktivisten und NGO`s im Ausland mit den „German Angst“ erzeugenden Nachrichten angesichts der bevorstehenden Landtagswahl in NRW den schnellen Atomausstieg entschieden, nachdem sie kurze Zeit vorher den sachlich und wirtschaftlich begründeten Beschluss über die Verlängerung der Laufzeit der Kernkraftwerke beschlossen hatte. Der voreilige Atomausstieg eines wirtschaftlich starken Landes ist ein deutscher Sonderweg. Die ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates und anderen G7 Staaten halten an der Kernenergie als Brückentechnologie fest. Der deutsche Ausstieg ist eine Verschwendung von Ressourcen und sollte umgehend revidiert werden.
Über Kernwaffen verfügenden Staaten können ohnehin nicht auf Kernkraftwerke verzichten, da sie die einzige Möglichkeit zur Entsorgung waffenfähiger Spaltstoffe durch ihre „Verbrennung“ eröffnen.

Torsten Knecht | Sa, 25. Februar 2017 - 22:20

.... Merkels Selfies mit Flüchtlingen.

Alle wollen zu Ihr .... Propaganda wirkt.

Kitsch ist menschlich, deshalb gibt es Vorstellungen vom Paradies in Religionen (u. Regionen). Der Ms. sehnt sich danach u. richtet sein Handeln danach aus.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die Verankerung des Strebens nach Glück o. unser GG. sind schon einmal ein guter Schritt dahin. Perfektion gibt es nicht in der Natur nur Evolution. Und wenn aus Kitsch Realität wird ist es kein Kitsch mehr.

Christa Wallau | So, 26. Februar 2017 - 09:29

Das F O T O zum Artikel ist sehr gut ausgewählt!
Es sagt a l l e s .

patrick feldmann | So, 26. Februar 2017 - 09:44

Unter Ihren lesenswerten Beiträge erscheint mir dieser besonders hervorzuragen, Herr Grau!
Denn einerseits analysiert er die Inhaltsleere unserer Politlandschaft, denn in unglücklicher Weise spannt sich die Schwinge des Kitsch ja über alle Blockparteien und er ist der Herrschaftskern der political correc5ness. Und andererseits lassen sich ja von den christlichen Kirchen auch Impulse der moralistischen Verkitschung (bspw. der Bergpredigt) vermelden.
Der Kitsch hat , als ein Preis der Konsumistischen Vereinheitlichung , unsere Gesellschaft fest im Griff:Moralismus statt Politik, Gefühl statt Notwendigkeit.

Bernhard Jasper | So, 26. Februar 2017 - 09:51

Herr Grau, verfolgt man Ihre Beiträge, so kann man feststellen, dass Sie zwar erneut ein komplexes Thema reflektieren und auch auf die ideologischen Kategorien hinweisen, jedoch bleiben Sie erneut an der Oberfläche. Kitsch sind immer die Bilder und Phantasmen, für welche Linke wie Rechte empfänglich sind. Um nicht einer weiteren geistig-moralischen Verwirrung Vorschub zu verleihen, einige weitere Aspekte.

Natürlich sind es nicht nur die geschmacklosen Erzeugnisse, die den Anspruch erheben „Kunstwert“ zu besitzen. Auf allen Gebieten begegnen wir diesem Kitsch, überall wird „verkitscht“. Vieles ist unwahr, seicht, süßlich, sentimental-rührselig oder auch heldisch-pathetisch, bis hin zu falscher Heimatliebe. Mir fällt da gerade „Schloss Neuschwanstein“ ein, als idealisierte Vorstellung einer Ritterburg aus der Zeit des Mittelalters errichtet.

Bernhard Jasper | So, 26. Februar 2017 - 09:53

In der letzten Zeit haben sich pseudo-idyllische und dem Revanchismus dienende Arten von Kitsch in der Politik hinzugesellt, die in der Tendenz und Gestaltung offen an Hervorbringungen des Faschismus erinnern, an den nationalen und rassistischen Bluten,- und Boden-Kitsch. Und auch den Kitsch der Apokalypse gibt es. Kitsch ist immer ohne Erneuerungskraft, eine Sehnsucht nach Vergangenheit, denn der Narzismus und Faschismus schaut immer zurück auf die Prä-Moderne. Insofern ist diese unstillbare Sehnsucht nach „Identität“ „intellektueller Trash“, der hinter dem Ganzen durchscheint. Ihr Beitrag bleibt für mich von daher ein „Skizze“ oder eine Art Bestandaufnahme für ein anhaltendes Bemühen um Verständnis.

Solange nicht an zukunftsorientierten Entwürfen gearbeitet wird, treten die Unterschiede auch deutlich zutage.

frank.grundmann | So, 26. Februar 2017 - 10:22

Ein erfreulicher Artikel, spitzbübisch zum Teil. Im Hinblick auf die Tatsache, das es sich bei Herrn Grau um einen promovierten Philosophen handelt, stelle ich mir seit Stunden die Frage ob es sich bei der Formulierung "...unters Volk geschmissener MODERERSATZ:" um einen Tippfehler oder um eine gewollte Verbalisierung eines Zustands hadeln könnte.
Wie auch immer - der Artikel sollte vor allem in den Kreisen unserer ewig wortschöpfenden Politiker Beachtung finden, hält er doch vor allem ihnen einen kristallklaren Spiegel vor.

Josef Garnweitner | Do, 2. März 2017 - 15:28

In reply to by frank.grundmann

auch Philosophen sind Menschen. Nicht immer, aber oft erfrischend normal. Deshalb sind auch die Artikel von Herrn Grau immer gut, punktgenau und gut zu lesen. Wobei das Schmunzeln meist auch nicht zu kurz kommt.

Olaf Romer | So, 26. Februar 2017 - 11:45

Glänzender kann man den gesellschaftlichen und medialen Werteverfall nicht beschreiben. Du bist was Du konsumierst..

Bernd Don | So, 26. Februar 2017 - 12:39

Der Artiklel trifft den Nagel auf den Kopf. Ein leuchtendes Beispiel ist ist die Besetzungsliste der vergangen Wahl zum Bundespräsidenten. Statt sich ernsthaft darüber Gedanken zu machen, wie eine echte Bürgerbeteiligung ausehen könnte, Stichwort: Schöffenberufung bei Gericht, entscheiden vom Schlaerbarden über eine schauspielenden Millionärsgattin bis hin zu einer "Drag-Queen" über das höchste Amt in unserem Staat. Ein Paradebeispiel für politischen Kitsch. Immer häufiger kommen mir die Zeilen von Heinrich Heines Nachtgedanken in den Sinn: ...denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht !

Thomas Wirz | So, 26. Februar 2017 - 13:24

Konservative Kulturkritik a la Grau, die stilvoll daherkommt und letztlich vollkommen substanzlos daher. Entlarven will er den Trash wie Menschenrechte, Solidarität, Moral, Gerechtigkeit etc. Ja und dann? Ein Konservatismus, der einfach nur schmollend in der Ecke hockt und über "linken Kitsch" herzieht, selbst aber nichts Schöpferisches anzubieten vermag - wozu das Ganze? Statt Fundamentalkritik ohne Adressaten wären vielleicht mal eigene Konzepte angesagt.

Patrick Feldmann | Mo, 27. Februar 2017 - 16:58

In reply to by Thomas Wirz

"Trash wie Menschenrechte, ....usf."
Mir scheint, Sie müssen den Beitrag von Herrn Grau nochmal lesen und ich sage dies in der Hoffnung, daß Sie ihn dann vllt. verstehen.

G. erklärt nicht "Menschenrecht etc." zum Trash, sondern er moniert, daß der sogen. Diskurs sich all dieser Begriffe als Wohlfühlversatzstücke andient und sie dadurch vermüllt!

Arnold Voss | So, 26. Februar 2017 - 14:29

Wenn Gerechtigkeit zur politischen Floskel wird, dann hat das nichts mit der Gerechtigkeit selbst zu tun. Erst recht wird sie damit nicht zu Kitsch. Was sollte auch an einer Grundfrage des gesellschaftlichen Zusammenlebens kitschig sein. Es sei denn man befindet sich auf der Seite, die sich darüber lustig machen kann, weil sie der Gerechtigkeit nicht mehr bedarf.

Rose Hundal | So, 26. Februar 2017 - 16:59

das Foto sagt mehr als viele Worte.....wie war das nochmal mit dem Niedergang Roms?
Vielleicht werden "unsere Werte" allen voran von unserer Kanzlerin (Wertekatalog an Präsident Trump etc.) deshalb so ueberstrapaziert, weil sie eben sooo hohl geworden und zu Kitsch verkümmert sind. Einst waren wir ein Land der Dichter und Denker - wie traurig!

gerd wengler | So, 26. Februar 2017 - 18:36

Es gibt einen wichtigen Unterscheid: Im Gegensatz zum ästhetischen Kitsch kann der politische Kitsch die Gesellschaft zerstören. Das kann man im Augenblick beobachten. Das Ganze wird dadurch besonders gefährlich, dass der politische Kitsch aus zwei Quellen kommt: von ehrlich kitschigen Politikern und von unehrlichen Machtpolitikern. Eine wahrhaft teuflische Mischung.

Holger Stockinger | So, 26. Februar 2017 - 23:32

Claudia Roth (Ex-Managerin von "Ton, Steine, Scherben") und immer an "erster Front" bei Publizität spielt mal wieder ihren HEILIGENSCHEIN aus.

Seit Ströbele in der Partei der "Grünen Gerechten" ist kaum jemand so unverfroren gewesen wie sie ...

Holger Stockinger | Mo, 27. Februar 2017 - 00:08

Ob Kitsch zu "steigern" ist?

Ströbele und Roth verteidigen die "Frauenrechte":

Ströbele (RAF-Verteidiger) und Claudia Roth (quasi Merkels Chameleon) vereinigen sich:

Heraus kommt eine Unterwürfigkeit, die mit Schulz & Brüssel ihren Gipfel noch nicht "erklommen" hat ...

Thorsten Rosché | Mo, 27. Februar 2017 - 08:09

Herr Grau, Herr Kissler und Herr Schwennicke, übrigens auch am Sonntag im Presseclub, da gab's gekonnt auf die Tatzen der unsäglichen TAZ Dame. Cicero der einzige Lichtblick in den aktuellen Presselandschaft, aus Sicht eines Bürgers der politischen Mitte !

Torsten Knecht | Mo, 27. Februar 2017 - 20:26

In reply to by Thorsten Rosché

.... war ja lustig, denn die Dame neben Herrn Schwennicke wäre glatt als Lobbyistin eines AG-Verbandes o. Unternehmerin einer Leiharbeits-Firma durchgegangen.

Michael Scholtz | Mo, 27. Februar 2017 - 14:44

Ist nicht wirklich neu, was Herr Grau da schreibt. Man kann zu diesem Thema das - leider nur noch antiquarisch erhältliche - Buch "Das Blöken der Lämmer - die Linke und der Kitsch" aus dem Jahr 1994 nicht genug empfehlen, dessen Autor Gerhard Henschel schon damals erkannt hatte: "Was dem klassischen Spießer der röhrende Hirsch ist, das ist dem linken Spießer der singende Wal" - oder so ähnlich.

Bernhard Jasper | Mo, 27. Februar 2017 - 15:39

Herr Wirz, das ist „l’art pour l’art“ sinngemäß „die Kunst um der Kunst willen“. Sie genügt sich selbst und hat keinen weiteren Zweck.

Konzeptionelle Kompetenz? Fehlanzeige.

Werner Wirth | Mo, 27. Februar 2017 - 21:40

Einer der klügsten Kommentare der letzten Zeit.

Patrick Burger | Di, 28. Februar 2017 - 03:23

„soziale Gerechtigkeit“, „Wertegemeinschaft“, „Solidarität“, „demokratische Werte“, „internationale Gemeinschaft“ -- Kitsch? Ja, die Kapitalisten werden sich sehr freuen wenn wir diese Werten als Kitsch abtun; dann können die Milliardären die Macht an sich reißen und ohne Widerstand regieren. Disco ist Kitsch -- soziale Gerechtigkeit ist eine Waffe gegen Diktatur!

Ulrich Bohl | Di, 28. Februar 2017 - 10:55

Herr Grau, Sie haben einen Nerv getroffen.
Ich denke diese Massenproduktion von Kitsch
ist Teil einer Strategie die Simplifizierung des
Denkens oder gar des Nichtdenkens zu be-
fördern. Wer ernsthaft darüber diskustieren
will, ob der oder die das Dschungelcamp ver-
lassen muss, hat den geistigen Tiefstand er-
reicht. Ich bin der Überzeugung so etwas
ist unerträglich. Aber man schafft sich dadurch
Manipulationsmasse die lenkbar ist und die
alles ungeprüft glaubt und manchmal erst durch
zum Teil schmerzhafte persönlich Erfahrungen
vielleicht zum eigenen Denken animiert wird.
Die Prototypen unserer Gesellschaft sind auf dem
Bild zu sehen. Eine Bundestagsvicepräsidentin.
Was erwarten Sie dann vom Rest der Gesellschaft,
wenn dass die "Spitze" ist?
"Auf seine eigene Art zu denken ist nicht selbstsüchtig. Wer nicht auf seine eigene Art denkt, denkt überhaupt nicht."
Oscar Wilde

Angela Seegers | Di, 28. Februar 2017 - 11:05

Und wie ertragen wir diese Kluft? Lieber Herr Grau. Dass alles "trashig" ist, ahne ich schon seit langem... Aber es gibt zunehmend weniger Bereiche, die davon nicht betroffen sind. Fazit: Das Leben ist was für B(l)ödefelder. Der mit der Badewanne von Loriot. ok, ich entscheide mich für die Ente.

Ruth Falk | Do, 2. März 2017 - 16:59

...und blos keinen Groschen vom Überschuss, auf dem Steuber sitzt, in Bildung investieren, die Konsumidioten könnten ja aufwachen!

Ernst Laub | Do, 2. März 2017 - 23:38

In meinem Land, der Schweiz, sind kitschige Garenzwerge klein und niedlich. In der sogenannten BRD hingegen erreichen sie furchterregende Dimensionen, besonders wenn es sich um Mitglieder der "deutschländischen Elite" handelt.

Peter Zachäus | Fr, 3. März 2017 - 17:29

Das Wunderbare an diesem Beitrag ist doch, dass sich die darin geäußerte Kritik am überheblichen, selbstgerechten Moralismus auch und gerade auf diesen Beitrag selbst anwenden lässt. Intelektuellenkitsch!

Klaus Froböse | Do, 16. März 2017 - 15:12

Bleibt nur noch der beliebte Politiker-Satz zu ergänzen: Wir müssen Fluchtursachen bekämpfen - Wie wohl die 82 Mio. Menschen in Deutschland das anstellen wollen, die Lebensbedingungen von vielleicht 2 Milliarden Menschen nachhaltig zu verbessern? - man kann gespannt sein.

Alfred Vail | Fr, 24. März 2017 - 11:08

Sehr interessanter Artikel.

... und unwahrscheinlich gut passendes Foto ;-)

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