Steueraffäre - Hoeneß gehört in die Ruhmeshalle für Finanzgenies

Egal ob Uli Hoeneß ins Gefängnis muss oder nicht, der Steuerbetrüger Hoeneß wird unser Steuerwesen revolutionieren

Uli Hoeneß droht eine Haftstrafe: Er soll 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben
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Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der F.A.Z. Sein aktuelles Buch „Wolfgang Bosbach: Endspurt. Wie Politik tatsächlich ist – und wie sie sein sollte” ist im Herbst 2016 erschienen.

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Wenn ein Manager, der nachweislich nichts geerbt, sondern alles selbst erarbeitet hat, in der Lage ist, innerhalb von nicht einmal zehn Jahren 18,5 oder gar 27,2 Millionen Euro an Steuern zu hinterziehen, dann habe ich zunächst einmal Respekt. Denn jede Million an hinterzogenen Steuern auf Kapitalerträge setzen einen mindestens drei bis viermal so hohen Millionenbetrag an Spekulationsgewinnen voraus. So einen Gewinn muss einer erst mal erwirtschaften können. Da kann man nur sagen: Hut ab vor dem Finanzgenie Uli Hoeneß. Diese Fähigkeit zur Gewinnmaximierung sollte er sich eigentlich patentieren lassen.

Mein Respekt vor dem „King of Money“ endet da noch lange nicht. Um solche Profite erwirtschaften zu können, muss man erst einmal 200 bis 300 Millionen Euro auf der hohen Kante haben. In dem man den Cent ehrt, kommt man nicht zu so vielen Euros. Da muss man als Manager des FC Bayern, als Wurstfabrikant und als generell unternehmerischer Mensch vorher schon ein „kleines Vermögen“ erwirtschaftet haben. So viel ich weiß, gibt es in Deutschland noch keine Ruhmeshalle für Finanzgenies. Gäbe es sie, hätte Uli Hoeneß dort einen Ehrenplatz verdient.

Allerdings beschleichen mich doch Zweifel. Können die dreistelligen Millionenbeträge, mit denen Hoeneß sein schweizerisches Steuersparmodell betrieb, wirklich rechtmäßig erworben worden sein? Oder stammen die Millionen aus unversteuertem Einkommen, das er über Jahrzehnte angehäuft hat? Oder hat er vielleicht mit Geldern gezockt, über die er gar nicht privat verfügen konnte, sondern nur in seiner Eigenschaft als angestellter Manager?

Herkunft der Reichtümer unbekannt
 

Das ist wohl die interessanteste Frage in diesem Prozess, nämlich woher Hoeneß das viele Geld hatte. Aber das hat das Münchner Gericht in dem aktuellen Verfahren überhaupt nicht zu interessieren. Im Zweifelsfall wären gesetzeswidrige Praktiken bei dieser Vermögensbildung à la Hoeneß auch längst verjährt. So werden wir wohl nie erfahren, auf welche Weise der Ex-Fußballer so reich geworden ist. Und lernen kann der gemeine Kleinanleger daraus auch nichts.

Warten wir also auf das Urteil in der zweitwichtigsten Frage, auf die Höhe der Strafe für Steuerhinterziehung. Muss Hoeneß hinter Gitter oder nicht? Der Spruch der Münchner Richter wird gewaltige Auswirkungen haben: Falls „Uli Hoeneß Superstar“ ins Gefängnis muss, werden Hunderttausende Steuerhinterzieher vor den Finanzämtern Schlange stehen, um sich per Selbstanzeige ganz schnell „ehrlich zu machen“. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine Kollegen in den Ländern sollten sich schon mal darauf einstellen, Nachtragshaushalte erstellen zu müssen.

Sollte Hoeneß das Gericht jedoch als freier Mann verlassen, dürfen Hunderttausende Steuerhinterzieher sich freuen: Welcher Richter wollte in diesem unseren Lande dann noch einen „Kleinkriminellen“ mit hinterzogenen Steuern in der Größenklasse von ein bis zwei Millionen in den Knast schicken?

Eine Prognose fällt deshalb nicht schwer: Als Manager hat Uli Hoeneß das Fußballgeschäft in Deutschland revolutioniert. Als Steuerbetrüger wird er dasselbe mit unserem Steuerwesen tun – so oder so.

 

 

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