Post an Wagner - Die Methode Lewitscharoff/ Matussek/ Sarrazin

Die Schelmenkolumne: Unser Autor Alberich lehrt Wagner und die deutsche Seele das Fürchten. Immer montags und immer böse. Heute: Halbwesen im Christentum

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Franziska Daxer

Autoreninfo

Alberich ist Autor der Schelmenkolumne "Post an Wagner". Er ist politischer Feuilletonist, Publizist und Wüterich. Nachdem Alberichs schier end- und erfolgloses Werben um die Rheintöchter bekannt wurde, zog er sich aus der Öffentlichkeit komplett zurück und schrieb die wohl längsten Haikus der Neuzeit. Zuletzt ist sein Empörungsroman "Funktionskleidung gehört abgeschafft, Jack Wolfskin erschossen" im Mariamierscheid-Gedächtnisverlag erschienen.

So erreichen Sie Alberich:

Lieber Wagner,

immer diese künstliche Aufregung.

Nicht Fisch, nicht Fleisch. Halbwesen. Wechselbälger. Untergeschoben durch Teufel, Hexen oder Druden. Willkommen im 15. Jahrhundert. Als es noch gesunde Glaubenspraxis war, als Wechselbalg deklarierte Kinder zu Produkten des Teufels zu erklären und sie damit von der christlichen Taufe auszuschließen.

Achtung, lieber Wagner, Zeitsprung. Sechs Jahrhunderte später. Auf dem Papier – zumindest. Es gibt sie noch immer. Wechselhafte Wesen. Sibylle Lewitscharoff hat das zwar nicht so gemeint. Sondern anders halt.

Ist doch alles gut, sagen Sie. Sie hat sich distanziert, vom Halbwesen. „Widerwärtig“ und „abscheulich“ aber bleibt sie, die künstliche Befruchtung.

Künstlich = schlecht. Irgendwie. Anders, nichtirdisch, gezwungen, unnatürlich. Künstlich vor allem die Debatte. Synthetisch die Kunst, mit der einer gefühlten Angst vor einem gefühlten Weißnichtwas Ausdruck verliehen wird.

Darf ich nicht sagen, was ich denke?, wundert sich die Künstlerin. Doch bitte! Darf Sie, muss Sie. Unbedingt. Um all jene zu entlarven, denen keine rhetorische Verrenkung dann zu ungelenk ist, um Solidarität zu bekunden und die Lewitscharoff-Logik wieder auf menschenwürdiges Terrain zu ziehen. Ganz natürlich halt. Finden Sie nicht?

Und eigentlich haben Sie recht, lieber Wagner. Es geht ihr doch gar nicht um die Kinder. Sondern um die Art und Weise, wie diese entstehen. Um die Künstlichkeit der Empfängnis. Es geht ihr um den Akt. Das Erkennen. Um das Wie. Reinraus sollte es schon sein. Irdisch halt. Natürlich. Mann auf Frau. Rumsen muss es.

Wenn ihr aber das Wie Sorgen bereitet: Wie verhielt es sich noch gleich vor Christi Geburt? Bei Maria? Irgendwie unbefleckt. Ganz ohne Mann, ganz ohne Josef, ganz ohne Rums. Wie künstlich war das denn bitteschön? Apropos Halbwesen, ließe sich rufen. Mal ganz halblustig, halbwissend und halbschlau.

Jetzt schütteln Sie und schütteln zu recht. Also bitte!, sagen Sie? Das ist doch unerhört. Richtig, es ist die Methode Lewitscharoff/Matussek/Sarrazin. Der Beleidigung folgt das Etikett Diskurs. Oder wollen Sie etwa politisch korrekt sein?

Schmerzlichst,

Ihr

Alberich

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