Steve Bannon - Der Navigator geht von Bord

Was immer man von seiner Agenda halten mag: Der entlassene Chefberater Steve Bannon hinterläßt ein Vakuum der Ideen und der Macht im Weißen Haus. Übrig bleibt eine Führung ohne Ziel. Das kann schnell gefährlich werden

Steve Bannon
Mit Steve Bannon hat Donald Trump einen Ideengeber verloren und einen Feind gewonnen / picture alliance

Autoreninfo

Constantin Wißmann schreibt für verschiedene Zeitungen und Magazine. Er hat in London Geschichte studiert und die Berliner Journalisten-Schule absolviert. Er arbeitet für Cicero Online. 

So erreichen Sie Constantin Wißmann:

Am Ende war es nicht mehr überraschend. Dass Steve Bannon nicht mehr lange als oberster Berater von US-Präsident Donald Trump überleben würde, hatte sich schon seit April angedeutet. Damals hatte Trump Bannons Rolle heruntergespielt und gesagt, er, Trump, sei sein eigener Stratege. Aber wie konnte es überhaupt so weit kommen? Galt Bannon doch als Nachfolger Rasputins, der einst die Zarenfamilie in Russland als Vehikel für seine Machtspiele benutzte.

Und hatte der frühere Chefredakteur der Internetseite breitbart.com und Chefideologe der Alt-Right-Bewegung in den USA nicht der Trump-Kampagne erst den nötigen Kick gegeben, um vor allem in den Rust-Belt-Staaten über Hillary Clinton zu triumphieren, in Staaten wie Pennsylvania, Ohio und Michigan, wo die einst stolzen Fabriken der Stahl- und Kohle-Industrie vor sich hin rotten? War der frühere Marineoffizier, Goldmann-Sachs-Broker und Dokumentarfilmer am Ende doch nicht so einflussreich, wie es vor allem die linksliberalen Medien in den USA befürchtet haben? Klar ist nach dem Abgang Bannons nur eins, was auch immer man von seiner Person und seinen Ideen halten mag: Die Konfusion im Weißen Haus wird nicht geringer werden. Denn für was diese Regierung eigentlich steht, wird nun noch schwieriger zu deuten sein. Kein Zufall ist, dass Trump so kurz nach Bannons Entlassung bekannt gegeben hat, die Präsenz der US-Truppen in Afghanistan noch zu stärken. Das steht im klaren Gegensatz zur „America first“-Politik Bannons

Bannons Kampf der Kulturen

Steve Bannon hat nie einen Hehl aus seiner Idee von Politik gemacht. Die entwickelte sich von einem libertären Hass auf den progressiven Staat zu einer Mischung aus Sozial-Darwinismus und Ethno-Nationalismus. Für Bannon befinden sich sich die USA, oder vielmehr der weiße, christliche und europäisch geprägte Teil der USA, in einem globalen Kampf der Kulturen. Das Wachstum der nichtweißen Bevölkerung betrachtet er als Vergrößerung des Feindes im eigenen Land. Um in diesem Kampf zu bestehen, müsse der Rust-Belt wiederbelebt werden, so Bannon, denn die Menschen aus der weißen Arbeiterklasse würden im besten Fall die Dominanz, zumindest aber das Überleben der USA sichern können.

Erreichen wollte er das gerade nicht mit der neoliberalen Wirtschaftspolitik der Republikaner. Der freie Handel und der freie Markt im Herzen der Macht sollte bekämpft, dafür aber ein Infrastrukturfond in Höhe von einer Billion US-Dollar errichtet werden, teilweise durch erhöhte Steuern für die Superreichen. Bannon gerierte sich wie ein rechter Keynesianer. Null- oder Negativzinsen sieht er als Zeichen dafür, dass die westliche Gesellschaft an einem Mangel an Nachfrage leidet, und Geld billig genug ist, um massiv zu investieren. Eine Ankurbelung der Infrastruktur wäre für ihn nicht nur im ökonomischen, sondern auch im militärischen Interesse. Mit ihren ächzenden „Dritte Welt“-Flughäfen, -Straßen und -Brücken, könnten sich die USA nicht mehr verteidigen, argumentiert Bannon. Der Infrastrukturfond war ihm so wichtig, dass er ankündigte, ihn sogar mit Stimmen der Demokraten durch den Kongress zu bringen, sollten sich nicht genügend Republikaner dafür finden lassen.

Infrastruktur-Projekt vor dem Scheitern

Nun ist Bannon gegangen, und die Chance, dass sein großer Plan verwirklicht wird, schwindet dahin. Mit Donald Trump möchte nach seiner Reaktion auf die Ereignisse in Charlottesville erst recht kein Demokrat mehr zusammenarbeiten. Pikanterweise stellte Trump das Infrastruktur-Projekt just in der Pressekonferenz vor, in der er seine Relativierung der Charlottesville-Attacke zurücknahm. Da ging das Vorhaben völlig unter.

Dass Trump die Finesse und die Standhaftigkeit besitzt, die es braucht, ein Projekt solchen Ausmaßes durch den Kongress zu bringen, ist mehr als zweifelhaft. Dass Trumps Tochter Ivanka und ihr Mann Jared Kushner, die Gewinner des Machtkampfes im Weißen Haus, es vorantreiben werden, scheint nahezu ausgeschlossen. Sie repräsentieren den Konservatismus der New Yorker Wall Street: gesellschaftspolitisch und wirtschaftlich liberal. Ein staatlicher Eingriff dieser Größenordnung in die Wirtschaft des Landes, noch dazu durch Steuererhöhungen finanziert, wird in dieser Fraktion kaum Unterstützung finden.

Ideengeber verloren, Feind gewonnen

Doch mit Bannons Abgang hat Trumps Präsidentschaft nicht nur einen ihrer entscheidenden Ideengeber verloren. Sie hat auch einen neuen Feind gewonnen. Bannon wird wieder zu breitbart.com zurückgehen und hat schon verlauten lassen, dass er das Weiße Haus von nun an ins Visier nehmen wird. Besonders die Fraktion um Ivanka Trump und Jared Kushner, die für Bannon wohl nicht mehr als verkleidete Clintonistas sind. Gut möglich, dass das die gesamte Alt-Right-Bewegung, die bisher Trump zu ihrem Helden machte, nun gegen den Präsidenten aufbringt.

Was genau Bannon und andere mächtige Stimmen der Rechten, wie die Kommentatorin Ann Coulter, überhaupt dazu brachte, sich so vehement hinter Trump zu stellen, bleibt schleierhaft. Wie konnte ihnen verborgen bleiben, dass dieser fernsehsüchtige, Fast Food schlemmende TV-Star es schwer haben würde, irgendetwas zustande zu bringen, was über die Erwartungen an einen mittelmäßigen konservativen Präsidenten hinausgeht? Glaubten sie wirklich, dass sich aus dessen Mischung aus Narzissmus, Angeberei, Nationalismus und imperialer Psychose so etwas wie eine Agenda zimmern ließe?

Gut möglich, dass sie es nicht sehen wollten. Traumatisiert von der Wiederwahl Obamas 2012 suchten sie sich den Anti-Obama aus, im Glauben, dass Trump ihre machiavellistische Sicht der Welt teilen würde: dass das Leben Politik ist, und dass es in der Politik darum geht, einen Feind zu definieren, dem man seinen Willen aufzwingen muss. Dass es Trump hauptsächlich darum gehen würde, wie er im Fernsehen rüberkommt, damit hat selbst der oberste Stratege Bannon nicht gerechnet.  

Präsident ohne Willen zur Macht

Es gab böswillige und schlechte US-Präsidenten, und es gab Präsidenten, die die meiste Arbeit an ihr Kabinett und ihren Beratern delegierten. Vielleicht hatte sich Bannon so eine Präsidentschaft von Trump erhofft. Aber es gab bisher keinen Präsidenten, der nur ein Zuschauer des Regierungsprozesses sein wollte, anstatt ihn selbst zu gestalten. Genau so aber führt der Unternehmer Donald Trump derzeit die Regierungsgeschäfte.

Viele fürchteten eine besonders autoritäre Präsidentschaft unter Trump, doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Sie wird geradezu definiert von dem fehlenden Ehrgeiz, dem Land  ihren Willen aufzuzwingen. Vergleichbar ist das in der Geschichte nur zu den letzten Jahren Ronald Reagans. Alternd, überanstrengt, und geschwächt von den Folgen der Iran-Kontra-Affäre, überließ Reagan das Regieren weitgehend seinen Beratern und trat fast nur noch zeremoniell in Erscheinung.

Aber diese Berater, eine Vereinigung Neokonservativer, verfolgten unermüdlich eine detaillierte Agenda und waren fest verankert in der Konservativen Partei. Die Verbindung zu den Konservativen hat Trump mit der Entlassung seines Stabschefs Reince Priebus fast gekappt. Jetzt, wo mit Bannon der Navigator von Bord ist, bleibt dem Präsidenten nur eine lose Crew, ungebunden an Tradition oder Ideologie. Auf der Brücke, wo die Führung hingehört – ob gut oder schlecht, progressiv oder reaktionär – ist niemand zu sehen. Der Kapitän spielt lieber Golf. Noch hat die Krise nur die Präsidentschaft erfasst, nicht das Land. Der Riesentanker treibt weiter dahin. Aber was, wenn ein Sturm kommt?

Manuel Fromm | Di, 22. August 2017 - 11:57

Einen solchen Artikel kann man über fast alle Präsidenten der USA schreiben. Kaum einer konnte das Land je ideologisch zusammenführen (außer die, die Krieg geführt haben, was nicht gerade eine positive Leistung ist).
Und welcher Widerspruch ist größer: Bannons Befürwortung staatlicher Infrastrukturprojekte, obwohl er eigentlich für freien Markt ist? Oder die Verweigerung der republikanischen Partei und eigentlich des gesamten politischen Establishments, das Wahlprogramm Donald Trumps umzusetzen?
Ob Bannon wirklich Alt-Right ist, wird selbst von der eigentlich kleinen Alt-Right-Bewegung selbst diskutiert. Dies ist hauptsächlich ein Thema, weil das neubritische Imperium so unglaublich links ist, dass alles dagegen als nationalistisch anmutet. Selbst wenn es nur um den Grenzschutz geht, der in jüngeren Jahren in den USA bereits 30 Mio. mal gebrochen wurde.
Bannons "Ethno-Nationalismus" umfasst übrigens Briten, Schotten, Iren, Franzosen, Deutschen, Italienern und viele andere.

Bennet Lietemayer | Di, 22. August 2017 - 12:07

Die wichtige Frage bleibt: was hatte alle anderen republikanischen und demokratischen Präsidentschaftskandidaten so unattraktiv gemacht, dass stattdessen ein Trump gewählt wurde? Antwort: sein Programm. Niemand hat Trump vertraut. Aber keiner wollte mehr Krieg, mehr Einwanderer, höhere Steuern, mehr Bevormundung. Es ist den Amerikanern hoch anzurechnen, sich für ihre Interessen entschieden zu haben, selbst wenn ihnen aus der Presse ständig "Nationalismus" unterstellt wurde. Der Autor muss halt mal ein Buch VON Ann Coulter lesen, anstatt sich ÜBER sie im linken Magazin The New Republic zu informieren, wenn sie ihm wirklich so schleierhaft bleibt.

Karl Kuhn | Di, 22. August 2017 - 13:01

In reply to by Bennet Lietemayer

"Antwort: sein Programm. Niemand hat Trump vertraut. Aber keiner wollte mehr Krieg, mehr Einwanderer, höhere Steuern, mehr Bevormundung."

Das war aber eigentlich nicht sein Programm. Trumps Programm heißt Trump.

Sehr guter Artikel, Herr Wissmann, lassen Sie sich nicht irremachen!

Josef Garnweitner | Di, 22. August 2017 - 13:41

In reply to by Bennet Lietemayer

keiner wollte mehr Krieg und hat u.a. deshalb Trump gewählt. Nur, kaum ist er richtig im Amt wird mit dem Säbel gerasselt, wie lange nicht mehr. Nordkorea, Drohungen gegen Venezuela, Ausweitung der Präsenz zur See in Sichtweite Chinas, Aufstockung der Truppen in Afghanistan, geplante Erhöhung des Militärbudgets, weil 611 Mrd. Dollar noch nicht genug sind. Besonders, wenn man die Budgets der "Feinde" Amerikas sieht. Der nächste, China, gibt grade mal 4o % dessen aus und das böse, böse Rußland liegt bei 11 % des amerik. Budgets

Stimmt es vielleicht doch, was David Rockefeller gesagt hat:

"Ihr wählt Politiker und wir sagen ihnen, was sie zu tun haben!"

Und in der Welt der Rockefellers und Konsorten, der Militärs und der Rüstungsgiganten ist der Milliardär Trump ein kleiner Emporkömmling.

Nur mal eine kurze Frage .

Warum fällt Ihnen das jetzt erst beim Trump auf?

Hatten Sie in den letzten 50 Jahren einen politischen Tiefschlaf, was die Abhängigkeit ( so wie Sie es beschreiben ) von US-Präsidenten betrifft?

solche Bewertungen habe ich schon des öfteren von mir gegeben. Ihnen ist es halt nicht aufgefallen, da Sie offensichtlich meine Kommentare nie gelesen haben. Übrigens habe ich ebenso des öfteren nicht nur die Abhängigkeiten von US-Präsidenten beschrieben. Auch daß in Brüssel 15.ooo Lobbyisten nicht zu unterschätzenden Einfluß haben oder gut 5.ooo Lobbyisten im Bundestag Hausausweise besitzen, also unbeschränkt Zugang haben.

Uns wurde schon in den 195oer Jahren gelehrt, daß die Wirtschaft den Lauf dieser Welt bestimmt und nicht die Politiker. Auch das habe ich hier schon gesagt.

Wenn man jemanden kritisiert, Herr Fischer, wogegen prinzipiell nichts einzuwenden ist, dann sollte man sich aber nicht nur einen Kommentar herauspicken, der einem grade nicht paßt.

Und was Herrn Trump angeht. Er ist ist nun mal der amtierende Präsident der USA. Über wen sollen wir denn sonst aktuell reden? Roosevelt? Carter? Nixon?

Bernd Fischer | Mi, 23. August 2017 - 17:37

In reply to by Josef Garnweitner

Ich kann natürlich nicht alle Meinungsäußerungen von Ihnen hier im Forum vom Cicero "durchlesen" , bevor ich auf einen Beitrag von Ihnen hier antworte.
Oder machen Sie das etwa?

Das ist eben die "Schnelligkeit" der heutigen Zeit bzw. wie hier die Themen rasent und schnell für "uns" zur Diskussion zur Verfügung gestellt werden.

Keine Sorge, ich lese Ihre Beiträge sehr gerne...weil sie meist sachlich sind...und auch meist zutreffend sind.

Aber bei den Beitrag über dem Trump hatten Sie für meine Begriffe den Rahmen und Pfad der "Sachlichkeit" etwas verlassen.

Wie lange soll ich jetzt bereuen? :-))

Im Gegensatz zu Politiker , wenn erwischt, nehme ich aber nichts zurück.

Josef Garnweitner | Do, 24. August 2017 - 14:43

In reply to by Bernd Fischer

Sie brauchen natürlich wirklich nichts zu bereuen. Wir sind - altersunabhängig - erwachsene Menschen, die ihre Meinung sagen dürfen und auch Antworten und Kritik vertragen. Man kanns ja richtigstellen.

Ich bemühe mich immer sachlich zu sein, was natürlich auch immer vom eigenen Wissensstand abhängt. Wobei ich nicht irgendwas nachplappere, sondern seriöse Quellen suche, auch gerne ausländische.

Tja und dann zum Schluß danke für Ihre Antwort. Hat mich gefreut.

Bernd Fischer | Mi, 23. August 2017 - 18:04

In reply to by Josef Garnweitner

Leider ist die Suchfunktion des Cicero ( der Vorwurf muss schon sein ) gegenüber anderen Foren sehr unaktrativ.

Wenn ich zum Beispiel bei der "FAZ" oder "Spiegel Online" so rumklicke und ein interessanter Beitrag erscheint, kann ich auf den Namen des "Schreibers" klicken und sehe sofort was er bisher geschrieben hat, und ich kann mir sofort meine
( natürlich subjektive ) Meinung bilden.

Die Komfortfunktion fehlt beim Cicero.

Oder mache ich was falsch?

Michael Sander | Di, 22. August 2017 - 12:38

Steve Bannon war sicherlich der führende Kopf hinter der Trump Kampagne. Ein rechter Intellektueller, mit dessen Ideen man sich durchaus redlich auseinandersetzen darf und kann.
Leider bleibt der Artikel von Herrn Wißmann bereits an der Oberfläche stecken. Und so wird eine weitere Chance vertan, zu verstehen, wofür Trump eigentlich stand (oder noch steht) und welche Faktoren zu seinem unerwarteten und weitgehend unverstandenen Wahlsieg geführt haben.

Yvonne Walden | Di, 22. August 2017 - 12:40

Der Auszug von Steve Bannon aus dem Weißen Haus kann nicht nur gefährlich werden; die Verhältnisse im Weißen Haus sind bereits brandgefährlich.
Daß Donald Trump genau das Gegenteil dessen macht, was er im Wahlkampf versprach, war in dieser Form nicht vorhersehbar.
Deshalb ist es längst an der Zeit, daß rational-denkende Kräfte innerhalb der Republikanischen Partei alles daransetzen, diesen Präsidenten aus seiner Position zu entfernen, koste es was es wolle.
Denn angesichts der vollkommenen Unberechenbarkeit, für die Trump steht, könnten Dinge geschehen, die nicht revidierbar sind. Denken wir an Afghanistan, an Nord-Korea und andere angebliche "Schurkenstaaten".
Inzwischen gibt es weltweit wohl nur einen einzigen wirklichen "Schurkenstaat", die USA.
Und solch` einen Staat bezeichnen deutsche Politikerinnen und Politiker als "Verbündeten"?

Christoph Kuhlmann | Di, 22. August 2017 - 12:47

So langsam wird auch Trump klar geworden sein, dass er mit der Umsetzung der meisten Wahlversprechen am Establishment scheitern wird. Alles was er tun kann, ist den Political Correctness Mainstream bis aufs Blut zu reizen und damit vorzuführen. Er muss jetzt erstmal herausfinden, welche Politik überhaupt möglich ist. Dabei ist ihm Bannon keine Hilfe. Der kann nun bei Breitbart seine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen und das Establishment unter Feuer nehmen, ohne Trump zu schaden. Dieser wird in Zukunft konventioneller und diplomatischer auftreten um die nowendigen Mehrheiten zusammen zu bekommen. Ich glaube nicht, dass Bannon ihm dabei in den Rücken fällt. Trump ist auch für Breitbart mit Sicherheit das kleinere Übel. Die Sprache und Einstellungen großer Teile der US-amerikanischen Wähler ist mit den politischen Eliten einfach nicht kompatibel. Das wird mit Sicherheit für Trump ein schwieriger Drahtseilakt zwischen Kooperation und Provokation.

Bernhard Kopp | Di, 22. August 2017 - 14:35

Diagnostisch ist Bannon nicht in allen Punkten falsch. Er verlässt aber die vernünftige Diskussionsbasis, wenn er den Staat, die internationale Politik und die Wirtschaft, mit revolutionärer Disruption verändern will. Evolutionäre Reformen, ganz besonders des 'progressiven, hyper-liberalen, ineffektiven und selbstbezogenen Staates, wären nicht nur in den USA dringlich erforderlich.

Rolf Pohl | Di, 22. August 2017 - 15:10

... zu verstehen, wofür Trump eigentlich stand (oder noch steht) ..."

Wie z.B. verstehen Sie lieber Herr Sander denn den US Präsidenten Trump und wofür er steht?

Wofür er stand ist bekannt, für Immobilien und TV- Shows.
Bieten Sie mir also die Chance Ihre Sicht auf diese Person zu erfahren.
Ich seh in dem Mann derzeit eher einen putzigen, dauerhaft mit sich selbst beschäftigten Menschen ohne erkennbare Kompetenz als US-Präsident. Einen der noch dazu ein sehr beträchtliches Gefahrenpotential für unsere Welt verwaltet.

Aber Herr Sander, ich kann irren und bitte Sie daher um Antwort.

Lieber Herr Pohl,

leider scheint meine Antwort von gestern vom Cicero nicht freigeschaltet zu werden (vielleicht weges des darin enthaltenen Links)
Um es kurz zu machen. Wofür Trump steht oder nicht steht, werden wir frühestens in ein paar Jahren erfahren, wenn man eine erste vorsichtige Bilanz seiner Amtszeit ziehen kann. Alles was wir bis jetzt lesen, sind im Grunde genommen Vorverurteilungen, so wie wir bei Obama umgekehrt viele Vorschusslorberen lesen mussten. Wenn man etwas über das "ideologische Fundament" von Trump erfahren möchte, kommt man meiner Meinung nach an Steve Bannon nicht vorbei. Deshalb meine ich, dass hier eine Chance vertan wurde. Darüber zu schreiben, übersteigt jedoch die Möglichkeiten eines Leserkommentars. Googeln Sie einfach mal nach "Steve Bannon Interview" oder "Steve Bannon Vision". Einen recht informativen Artikel gibt es beispielsweise beim Quarz Magazin "What Steve Bannon really wants".

Bernd Fischer | Di, 22. August 2017 - 17:41

Ich glaube er ( Trump ) müsste Mutter Theresa und Ghandi in einer Person sein, und man würde ihn dafür noch auseinander nehmen. Selten so eine Kampagne gegen einen Präsidenten erlebt.

Wenn Obama ein Häufchen machte dann wurde in Deutschland berichtet er hätte Gold gesponnen........

Absolutes Theater hier...aber so kann man auch seinen " alten Antiamerikanismus" wieder aktivieren der während der Amtszeit von Obama künstlich im "Tiefschlaf" war.

Axel Heinzmann | Di, 22. August 2017 - 18:01

Endlich mal ein paar Fakten ohne linken Schaum vor dem Mund. Trump, dermaleinst Hoffnungsträger aller nicht Linken, entwickelt sich immer mehr zum chaotischen Selbstdarsteller. Aber wie konnte man auch anderes erwarten: Soziales Engagement für die kleinen Leute von einem Milliardär? Von einem Mann des Big Business? Friedenspolitik von einem, in dessen Umfeld es nur so von Militärs wimmelt? Und dann auch noch diese Familienzusammenhänge! - Als er Charlottesville entgegen dem linken Mainstream richtig kommentierte, kam noch Hoffnung auf. Und dann Boston, wo er sich mit der gewalttätigen Linken gemein machte. Ein Bannon wird ihm diesen Irrsinn wohl nicht angeraten haben. Aber das unterscheidet eben (auch Rechts-)Populisten von Ideologen, die man wenigstens irgendwie packen kann, wo das "Geschwätz von gestern" auch morgen noch "interessiert".

Ernst Laub | Mi, 23. August 2017 - 13:08

Was waren das für Machtspiele, für die Rasputin die Zarenfamilie benützen wollte? Rasputin wollte doch ganz einfach den Kriegseintritt Russlands verhindern und später rückgängig machen, was (a) den britischen Geheimdiensten und (b) den russischen Kriegstreibern (denen die Briten bereits Konstantinopel, die Dardanellen und den Bosporus versprochen hatten) vermeiden wollten. Rasputin musste daher sterben, und die wüsten Legenden über ihn wurden daher gekonnt in Umlauf gesetzt: Mit grossem Erfolg bis zum heutigen Tag!

Robert Müller | Mi, 23. August 2017 - 13:55

Mir ist gerade klar geworden, dass "Der Navigator geht von Bord" auf "Der Lotse geht von Bord" anspielt, mit dem Bismarck und sein Verhältnis zu Whilhelm 2 gemeint ist. Im letzten Abschnitt des Textes wird diese These dann ausgearbeitet. Ich habe irgendwo mal eine Karikatur gelesen, mit Trump Fox news sehend und auf seinem Handy tweets schreibend. Eine Alternative wäre Trump beim Golf und auf seinem Handy tweets schreibend. Um die These zu vervollständigen, müsste dann Bannon im Oval Office sitzen und zusehen wie die tweets von seinem Boss über die Ticker laufen.

Im Text wird die Frage aufgeworfen, wer nach Bannon regieren wird. Vielleicht die beiden Parlamente in der USA? Gerade die verhinderten Trump-Gesetze haben doch gezeigt, dass man in den Parlamenten eigene Vorstellungen hat. Imho ist die Struktur für mehr Parlamentarismus und weniger "Monarchie" in der USA vorhanden und könnte genutzt werden.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Um die Freischaltung kümmert sich die kleine Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Wir danken für Ihr Verständnis.