Hillary Clinton - Die Uneinsichtige

In ihren neu erschienenen Memoiren lehnt Hillary Clinton jede Verantwortung für die Niederlage gegen Donald Trump ab. Schuld soll ausgerechnet ihre eigene Partei sein. Deshalb sollten sich die Demokraten endlich von Clinton lossagen

Hillary Clinton spricht im Dezember 2016 in Washington über die Arbeit an ihrem Buch über ihre gescheiterte Präsidentschaftskandidatur.
Erneut versucht Hillary Clinton sich reinzuwaschen – ungeachtet des Schadens, den sie damit anrichtet / picture alliance

Autoreninfo

Stephan-Götz Richter ist Herausgeber und Chefredakteur des Online-Magazins „The Globalist“, zusätzlich schreibt er auf seiner deutschen Webseite. Er hat lange Jahre in Washington, D.C. verbracht und lebt und arbeitet seit 2016 in Berlin.

So erreichen Sie Stephan-Götz Richter:

Hillary Rodham Clinton hat unter dem Titel „What Happened“ einen weiteren Band ihrer Memoirenserie vorgelegt. Die Frau, die prädestiniert war, erste Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden, bleibt ihrer langjährigen, divahaften Linie treu: Schuld an jeglichen Fehlern sind immer die anderen

Ob Donald Trump, das FBI, die Russen, das Wahlsystem der USA oder auch ihr parteiinterner Konkurrent Bernie Sanders – Sie sind es im Wesentlichen, die in den Lauf der Geschichte eingegriffen haben und „HRC“ ihren Triumph vermasselt haben. Am Rand ist da ein bisschen von den Email-Malheurs die Rede, aber auch das gilt im Clinton-Universum hauptsächlich als Mitarbeiterversagen. Es wäre schöngeredet, würde man Hillary Clinton als beratungsresistent beschreiben. Im Grunde gilt für sie der alte Witz über die Deutschen „Sie wissen nicht nur immer alles, sondern sie wissen obendrein auch alles besser.“

Der Schein trügt

Dass es ihre Arroganz und Hölzernheit waren, die ihr letztlich den Sieg verwehrten, davon ist selbst jetzt kaum die Rede. Trotz 512 Seiten Text wurde der Moment zur Katharsis verpasst. Man kann sich auch nicht des Eindrucks verwehren, als gehe es Frau Clinton, auch wenn sie das offiziell abstreitet, irgendwie schon wieder um die Vorbereitung der nächsten Kandidatur. In jedem Fall liegt sie Meinungsumfragen zufolge aktuell sogar hinter den desaströs niedrigen Werten von Donald Trump.

Im Narrativ Clintons war es also ein Komplott dunkler Mächte – und nicht etwa ihre eigene Zügellosigkeit, die sie beim rigorosen Einstreichen von Redehonoraren weit jenseits der tiefen Taschen Goldman Sachs an den Tag legte. Demgemäß geht es im Wahlkampf von 2020 um eine Korrektur eines Fehlgriffs der Geschichte. Dabei steht außer Frage, dass Hillary Clinton eine bessere Präsidentin als Donald Trump gewesen wäre. Aber Politik erfolgt nun einmal nicht im Rückspiegel.

Man sagt von Donald Trump, dass er seine Partei verachte. Hillary Clinton tut so, als ob sie ihre, die Demokratische Partei,  liebe. Das ist eine scheinheilige Position. Denn in Wirklichkeit denkt die Diva immer nur insofern an „ihre“ Partei, als diese ihr getreu als Vehikel zum Amtsgewinn dient. Insofern muss man schockiert feststellen, dass Donald Trump eigentlich sehr viel ehrlicher im Umgang mit „seiner“ Partei ist. Ihm geht es nämlich hauptsächlich um sein eigenes Ego. Das ist bei Frau Clinton nicht anders, nur gibt sie sich mit einem anderen Schein.

Beelzebub Sanders

Wer sich an die historischen Traditionen der amerikanischen Parteipolitik erinnert, der kann nicht umhin einzugestehen, dass Hillary Clinton eher eine klassische Establishment-Republikanerin ist, denn eine glühende Demokratin. Dass erweist sich auch an der Tatsache, dass sie in ihrem neuen Buch Bernie Sanders besonders angeht. Dessen Fehler ist aus ihrer Sicht, dass er nicht nur ein reiner Zähl-Kandidat, zum wahlpolitischen Aufwärmen der Kandidatin, war. Dass Sanders sich erdreistete, eine echte Kandidatur zu verfolgen, sei impertinent, geradezu eine Majestätsbeleidigung und obendrein sexistisch.

Das Gerede von Sanders als „Sozialisten“ ist lächerlich. In Deutschland würde er wohl rechts von Wolfgang Schäuble stehen. Dass er obendrein weite Teile der jungen bis „mittelalten“ Wähler im demokratischen Lager auf seiner Seite hatte, verdeutlicht, wie sehr die Politik und Person von Hillary Clinton als veraltet gilt. Das wahre Rennen geht innerhalb der Demokratischen Partei aus Sicht der Wahlkampffinanziers schon jetzt darum, den Wählern den Beelzebub Sanders nach allen Kräften auszutreiben.

Denn diesen Plutokraten sind jegliche politischen Anliegen, die heute vergleichsweise zum politischen Kernbestand der CDU gehören, abgrundtief suspekt. Daher das Clintonsche Bemühen, die Positionen von Sanders – auf deutsche Verhältnisse übertragen – als Dämeleien etwa der Linken, Grünen oder SPD zu karikieren. In den USA selbst halten Sanders und die junge Generation dagegen. Sie fragen, warum man denn für die Demokraten stimmen solle, wenn auch sie unter der Clintonschen Ägide seit einem Vierteljahrhundert nach allen Kräften Steuerpolitik für die Reichen machen.

Zukunftsträger der Partei

Diese Demokraten nehmen das immer wieder vorgebrachte Gegenargument, dass nämlich Sanders und auch Elisabeth Warren mit ihren Positionen die Partei spalten würden, ganz bewusst in Kauf. Denn auch die Republikaner sind ja – dank Trump – mittlerweile eine gespaltene Partei; sie besteht aus einer phobienhaft reaktionären Hälfte und einem klassischen Wirtschaftsflügel. 

Die Demokraten sind dank der Clintons schon viel zu lange der Steigbügelhalter der Plutokraten Amerikas gewesen. Diese geben sich gern liberal im amerikanischen Sinn. Ihre Wahlkampf-Spenden aber geben sie vornehmlich denen, die sich im klassisch britischen Sinn liberal verhalten, also dem Kapital den Rücken freihalten wollen. Der Beweis hierfür liegt in den amerikanischen Statistiken zur Einkommensungleichheit der vergangenen Jahrzehnte, die eine ganz klare Sprache sprechen. Und im vergangenen Vierteljahrhundert hatten die Demokraten für 16 Jahre die Macht im Weißen Haus inne.

Kein Wunder also, dass Hillary Clinton trotz all ihrer Wortwucherei im jüngsten Opus – sie spendiert ihren Lesern sogar 100 Worte zu den passenden Yoga-Atemübungen – zu vielen der politisch wirklich neuralgischen Fragen kaum eine passende Antwort hat. Dafür müssen die Amerikaner sich schon an Bernie Sanders wenden.

Dr. Roland Mock | Do, 14. September 2017 - 16:48

"Dabei steht außer Frage, dass Hillary Clinton eine bessere Präsidentin als Donald Trump gewesen wäre." Seit wann das denn? Außer Frage steht so etwas nur für Linke. Die hätten es besser gefunden, wenn es weiter gegangen wäre mit Obamascher "politischer Korrektisierung" Amerikas. Und der von Clinton geplanten Übertragung der deutschen "Energiewende" auf Amerika. Samt nachfolgender Verdoppelung der Strompreise und Baukosten. Und seit wann steht - bitte schön - Sanders noch "rechts von Schäuble"? Hat der Autor sich einmal dessen Programm angeschaut? Umverteilerei und Abzocke des Steuerzahlers vom allerallerfeinsten. Noch etwas: Ich höre den Ausdruck "Plutokratie" das erste mal
seit dem Ende der DDR. Habe ganz vergessen was das sein soll. Aber ich kann ja mal meinen ehemaligen Staatsbürgerkundelehrer fragen, vielleicht lebt der noch.

Steffen Kuester | Do, 14. September 2017 - 17:31

Wer vorgibt, Respekt für Amerikanerinnen zu haben, sollte einmal ein Buch von Ann Coulter lesen (Zum Beispiel "Adios America"). Diese Bestsellerautorin argumentiert stets überzeugend dafür, dass - wobei eigentlich viele Linke und Liberale zustimmen - die amerikanische Regierung seit Jahrzehnten zu beschäftigt damit ist, die Welt zu kontrollieren und dabei vergisst, das eigene Land zu regieren. (An wen erinnert uns das noch gleich...)
Die logischste Erklärung für Nicht-Clinton ist, dass die Amerikaner Trump's Wahlprogramm zugestimmt hatten: keine weiteren Kriege, sichere Grenzen, weniger Steuern, keine politische Korrektheit.
Clinton kann noch so lange schönschreiben. Es steht also - im Gegenteil, lieber Cicero - überhaupt nicht außer Frage, dass Hillary Clinton eine bessere Präsidentin gewesen wäre. Sondern Amerika wäre besser, würde es endlich dem Wählerwunsch nach regiert!

Martin Lederer | Do, 14. September 2017 - 18:05

Sie ist genauso uneinsichtig, wie praktisch das ganze linke politisch-mediale Establishment hier. Wieso macht man ihr einen Vorwurf daraus und all den Politikern und Medienvertretern hier nicht?

Bernhard K. Kopp | Do, 14. September 2017 - 20:08

Die Demokraten müssen sich von HRC lossagen um sich neu zu finden. HRC hat wegen Hillary verloren, und aus keinem anderen Grund. Man darf allerdings auch nicht übersehen, dass die Demokraten, trotz Obama's Charisma, landesweit, mehr als 1000 Wahlämter verloren haben, die nichts mit HRC zu tun haben.

Dimitri Gales | Do, 14. September 2017 - 21:14

"über die Macht zum Geld". Die Clintons haben durch ihre geschäftstüchtige Art schon sehr viel Geld gescheffelt. Die Amerikaner haben genug von dieser Mentalität, von der es im Politmileu Washingtons mehr als genug gibt. Nicht zu vergessen, dass der ehemalige Präsident Clinton an der Subprime-Crisis beteiligt war - die relativ kurze Wachstumsperiode wurde auf Kredit gekauft.
Frau Clinton gilt als eiskalte Karriefrau. Deswegen konnte sich Trump vorteilhaft darstellen: als charismatischer Typ, der die Emotionen des Durchschnitssamerikaners versteht und beantwortet.

Winfried Sautter | Do, 14. September 2017 - 21:42

HRC schiebt sich selbst an den Rand und wird zur Farce. Interessant ist, dass es in der amerikanischen Politik schon immer mal wieder Außenseiter und Radikale gegeben hat - die es aber nie an die Macht geschafft haben: Den Ex-Präsidenten Theodore "Teddy" Roosevelt etwa mit seiner Bull-Moose-Party im Wahlkampf 1912, oder den antisemitischen Populisten Father Charles Coughlin in den 1930ern. Dass es jetzt Trump mit seinen simplen, konfrontativen Parolen geschafft hat, zeugt davon, wie verrottet das politische Establishment in den U.S.A. ist. HRC sollte sich als "part of the problem, not as its solution" begreifen.

Christa Maria Wallau | Fr, 15. September 2017 - 00:05

Eine Frau, die sich um ihrer eigenen Karriere willen
dazu herabläßt, ihrem geilen, verlogenen Mann öffentlich zur Seite zu stehen, stellt für mich keine
wirklich emanzipierte Frau, sondern die weibliche Ausgabe eines machtsüchtigen Mannes dar.
Ob Mann oder Frau - das ist in diesem Falle völlig
gleichgültig. Genauso wie ihr Ehepartner Bill ist
Hillary zu allem bereit, was ihr Geld und Einfluß
bringt und sichert.
D i e s e Haltung haben die US-Amerikaner so was von gründlich satt! Statt des heuchlerisch vornehmtuenden Clinton-Clans nehmen sie dann lieber einen offensichtlichen Lügner und Proleten wie Trump in Kauf, so lange er sich an seine Versprechen hält und ihre Arbeitsplätze sichert.

irgendwie kann ich das nachvollziehen...

Dr. Lothar Sukstorf | Fr, 15. September 2017 - 10:09

Die Uneinsichtigkeit teilt sie mit ihrer "Busenfreundin" Angela, die ist ebenfalls uneinsichtig, ebenso dreist und stilisieren sich zu den großen Macherinnen auf.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 15. September 2017 - 10:46

US-amerikanische Volk noch einmal Glück gehabt haben, dass es nicht zum Schuldigen an Hillary Clinton wurde?
Rein rechnerisch hat es ja HC gewählt.
Es geht evtl. im Buch um Aufrechnung, Abrechnung und Schuldige.
HC gebührte der Sieg, die Herrschafft? und von dieser Warte aus schreibt sie?
Ich würde bezweifeln, dass ihr Bernie Sanders "geschadet" hat.
Der hat gar nichts dazu getan, plötzlich im Rampenlicht zu stehen, er war nur nicht HC?
Sanders hat die Demokraten nach vorne gebracht - ich halte ihn dennoch für pol. substanzlos -, vor allem wurden die Demokraten nach vorne gebracht durch fast eine Art "Krieg" gegen Trump.
Vielleicht the american way of...?
Ohne Sanders hätte also HC niemals soviele Stimmen bekommen und erst recht deutlich verloren.
Mit HC spricht evtl. keine zukünftige Präsidentin, sondern diejenige, deren Anspruch darauf nicht zu hinterfragen ist?
Das Buch eine Drohung und vielleicht auch allen gegenüber, die sie nicht wählen werden?
Deep Fall of Democracy?

Reinhard Oldemeier | Fr, 15. September 2017 - 10:46

dieses war aber nicht der Fall. Man muß nur die Zeit zurück drehen, als Bill Clinton Präsident war. Sie hat Ihren Mann unterstützt in der Levinski Affäere, obwohl sie so gedmütigt wurde. Sie hat die Strippen gezogen in der demokrtaischen Partei, um einen Posten zu bekommen. Bezeichnet war ein Werbsspot in den letzten Tagen dieser Ära, wo Bill mit einer Butterbrotstüte einem Auto folgt, um der angehenden Senatorin die Pausenbrote zu bringen.
Hillary Clinton war immer überzeugt, dass sie der bessere Paräsident gewesen wäre. Ihre Verbissenheit und ihr Machthunger hat Sie bewogen über Leichen zu gehen. 2 Kandidaturen hat es gebraucht, um sie in die Schranken zu verweisen. Nach der ersten Kanidatur, wurde Sie Außenministerin, mit zweifelhaften Ruf. Dabei hatte sie die Präsidenschaft aber im Blick. Den Amerikanern war diese Frau unheimlich. Sie wurde einfach von Keinem gemocht, nur hat Sie es nicht gemerkt. Es kam einem so vor, wie in dem Fim der Teufel trägt Prada.

Yvonne Walden | Fr, 15. September 2017 - 10:47

Hillary Clinton hätte gut daran getan, auf die politische Linie ihres Partei-Mitbewerbers Bernie Sanders einzuschwenken, anstatt auf ziemlich arrogante Weise ihre Stellung als Außenministerin und Ex-Präsidenten-Gattin herauszukehren.
Vielleicht hätte Frau Clinton ihrem Mitbewerber Sanders sogar den Vortritt lassen sollen - zum Wohle der Demokratischen Partei.
Dann hätten die Kleinen Leute zumindest den Eindruck gewinnen können, die Demokraten seien auf ihrer Seite, auch wenn dies nur bedingt zutreffen sollte.
Sanders hatte jedenfalls ein (angeblich sozialistisches) Programm, mit dem er hätte punkten können.
Wenn es in den USA nicht zum ganz großen politischen Crash kommen soll, muß der dortige Kapitalismus mit allen Mitteln überwunden werden - wie übrigens auch hier in Europa.
Ansonsten werden sich die Abgehängten zunehmend verweigern - mit möglichen fatalen Folgen.

Hans Lutz Oppermann | Fr, 15. September 2017 - 12:09

Doppelte Moral - was der Kandidatin angekreidet wurde, schon bei der ersten Kanditatur gegen Obama würde einem Mann großzügig übersehen - sie hat unterschätzt, wie sehr ihr Eigensinn und ihre Stärke ihr negativ aufgerechnet wird - sie entspricht so gar nicht dem Bild einer Lieblings Schwiegermutter - wie bei Angela Merkel oder Magret Thatcher - denen würde ihre Herrschsucht nie zum Klotz am Bein / Was Clinton nicht, aber Trump gelang war die Ränder ihres Lagers einzuhegen - die Niederlage hat viele Mütter, eine war die strategische Stärke des TEAMS Trump zu unterschätzen - sie hätte viel populistischer sein dürfen und sehr viel mehr Stimmung gegen Trump hätte machen dürfen - aber sie wollte weltmännisch überzeugen, was aber niemand von einer Präsidentin wirklich erwartet.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Um die Freischaltung kümmert sich die kleine Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Wir danken für Ihr Verständnis.