Donald Trump - Ein Verrückter im Weißen Haus?

Die Berichterstattung über Donald Trump vermittelt oft den Eindruck, mit dem Unternehmer sei ein Wahnsinniger US-Präsident geworden. Ein Blick in die Geschichte und hinter die Kulissen verrät jedoch, dass er und seine Regierung durchaus rational agieren

US-Präsident Donald Trump
Donald Trump: verrückter oder effektiver Politiker? / picture alliance

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Kai-Uwe Hülss ist Politikwissenschaftler und Soziologe mit dem Schwerpunkt in politischer und gesellschaftlicher Kultur sowie der Ökonomie. Er betreibt mit „1600 Pennsylvania“ den größten deutschsprachigen Blog zur Politik des Weißen Hauses

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Kai-Uwe Hülss

Ein Selbstdarsteller mit Schauspielerfahrung ist US-Präsident. Ausgestattet ist er mit einer ausgeprägten Dickköpfigkeit und einem Anti-Intellektualismus. Seine scharfen Worte an ausländische Mächte und seine sicherheitspolitischen Entscheidungen animieren Menschen weltweit zu Demonstrationen. Unter dieser Konstellation mutete es als eine Provokation an, dass der Präsident 345 Tage seiner Amtszeit in seinem Privatanwesen Rancho del Cielo verbrachte. 

Was wie eine Beschreibung der Präsidentschaft von Donald Trump anmutet, bezieht sich jedoch auf einen seiner Vorgänger: Ronald Reagan. Dennoch gehört der einst von der Schauspielerzunft in den Politikberuf gewechselte Reagan nicht zuletzt wegen seines Beitrags zum Kollaps der Sowjetunion und zur Beendigung des Kalten Krieges zu den beliebtesten US-Präsidenten aller Zeiten. Ob Präsident Trump den Historikern positiv in Erinnerung bleibt, wird sich zeigen. Nach erst acht Monaten im Amt ist die Präsidentschaft des einstigen Immobilienmoguls noch zu frisch. Eine vergleichsweise kurze Zeit – und doch eine gefühlte Ewigkeit. 

Das Schauspiel des Reality-Stars

Trump beherrscht wie schon im Wahlkampf die Schlagzeilen. Kein Tag vergeht ohne eine Eilmeldung, einen Skandal oder eine von Medien aufgebauschte Erregung. Der einstige Gastgeber der erfolgreichen Reality-TV-Show „The Apprentice“ versteht sich nach wie vor als Nachrichtenmaschine. Mit einem Tweet droht Trump einen Atomkrieg an. Bei Pressekonferenzen schweift er in Hasstiraden ab. Den russischen Präsidenten Putin lobt Trump für die Entlassung von 755 Mitarbeitern im US-amerikanischen diplomatischen Dienst. Rassismus verurteilt er zunächst und relativiert seine Aussagen wenig später. Zudem tauscht Trump sein Personal schneller aus als einst die Kandidaten bei seiner TV-Show. Sitzt mit Trump also ein Verrückter im Oval Office? Ist der 45. US-Präsident dumm oder krank, wie von so manchem Medium oder Ferndiagnostiker behauptet?

Schon 1999 warnte Trump in einem Fernsehinterview vor der Bedrohung, die von einem nuklearen Nordkorea ausgehen würde. Bei „Meet the Press“ plädierte Trump dafür, die Beilegung dieses Konfliktes als oberste Priorität anzugehen. Auf Grund der militärischen Aufrüstung Nordkoreas schlösse sich ansonsten das Zeitfenster für eine möglichst friedliche Streitschlichtung. Trump sollte Recht behalten. Heutzutage steht Nordkorea kurz vor dem letzten Schritt zu einer Nuklearmacht, und die USA finden sich in einer schlechten Verhandlungsposition wieder. Somit sollte man Trumps Rhetorik als Strategiewechsel werten. Die USA schließen keine Optionen zur Beilegung des Konfliktes aus, um sich selbst in eine bessere Verhandlungsposition zu manövrieren. Trump sagt, das Kim-Regime müsse mit „Feuer, Zorn und Macht, wie es die Welt noch nicht gesehen hat,“ bekämpft werden. Das erinnert an Reagans „Reich des Bösen“-Rede über die Sowjetunion. Ob die von Trump ähnlich von Erfolg gekrönt sein wird, das sei dahingestellt. 

Trump baut USA unbemerkt um

Trump schießt nicht nur gegen ausländische Regierungen scharf. In der Innenpolitik findet der Präsident noch schärfere Töne und zieht ununterbrochen alle Aufmerksamkeit auf sich. Währenddessen setzen Trumps Minister grundlegende Wahlversprechen um.  Die Öffentlichkeit fokussiert sich auf inhaltsleere „covfeve“-Tweets des Präsidenten und das Versagen der Republikaner bei Reformen wie im Gesundheitswesen. Derweil treibt die Administration ökonomische und ökologische Deregulierungen sowie die Entbürokratisierung auf leisen Sohlen voran. Für diese Vorhaben hat Trump ein für seine Agenda smartes Kabinett zusammengestellt. 

Ein weiterer Umbau findet im Justizsystem statt. Konservative und Christen in Amerika sind durch Trumps Installierung von Neil Gorsuch als Richter am Obersten Gerichtshof erleichtert, einen der ihren in diesem wichtigen Amt zu wissen. Gorsuch wird über Jahrzehnte im Sinne von Trumps Wählerschaft agieren und – zunächst – eine konservative Mehrheit im Supreme Court festigen.

Gleiches gilt für untere Justizebenen. Trump schlägt, beispielsweise bei Bundesrichtern, zumeist junge und strenggläubige Kandidaten vor. Da Bundesrichter vom Präsidenten auf Lebenszeit bestimmt werden, ist eine langfristige Stärkung konservativer Werte in der Justiz zu erwarten.

Dauerhafte Auseinandersetzung mit Establishment

Eine anhaltende Auseinandersetzung zwischen dem politischen Establishment, Anti-Establishment und Trump-Vertrauten lenkt von diesen Errungenschaften ab. Vertrauliche Dokumente gibt man an die Presse weiter, Streit trägt man offen aus. Scharrte Abraham Lincoln noch erfolgreich ein Team aus Rivalen um sich, herrscht bei einer ähnlichen Strategie Chaos in Trumps Weißem Haus. Dies erklärt die Vielzahl an Personalwechseln in den ersten Monaten. Für einen politischen Außenseiter wie Trump, der nahezu ohne Unterstützer aus dem innersten Zirkel des Washingtoner Politbetriebes agieren muss, ist es ein schier aussichtsloses Unterfangen. Einen Wahlkampf gegen etablierte Politiker zu gewinnen ist das eine. Eine Regierung zu führen und tausende Stellen mit loyalen Mitarbeitern zu besetzen, das andere. 

Nicht verrückt, aber ungewöhnlich

Trump hat einen ungewöhnlichen Wahlkampfstil, den die Wenigsten für erfolgversprechend hielten, mit in das Weiße Haus genommen. Bisher geltende Verhaltensweisen und Standards hat er ad absurdum geführt. Hinzu gesellen sich seine Streitsüchtigkeit und von ihm betriebene Verbreitung von Halbwahrheiten (ähnlich wie Reagan), mit denen er sich keine Freunde am Capitol Hill gemacht hat. 

Trump mischt den eingefahrenen und seit Jahrzehnten polarisierenden Politbetrieb so stark auf, wie kaum jemand zuvor. Trumps politischer Stil und Agenda sowie seine Prioritätensetzung sind hoch umstritten. Verrückt ist er jedoch nicht, wie ein genauerer Blick auf die Umsetzung seiner politischen Ziele zeigt. Ebenso wenig wie Obama der Messias im Weißen Haus war, ist Trump die Inkarnation des verrückten Satans. 

Dominik Fechner | Mo, 28. August 2017 - 10:31

Liebes Cicero Team ich liebe Ihre Artikel. Am liebsten hätte ich ein Praktikum in Ihrer Redaktion. Seit 10 Jahren interessiere ich mich für die Politik und seit gut 2 Jahren lese ich Ihr Magazin und Ihre Beiträge. Und Ihre Beiträge zum Thema Russlandpolitik, Umgang mit Erdogan und nun über Trump, sind stets offen, dialektisch und stets mit dem Blick auf die Wahrheit gerichtet. Ich denke Herr Hülls, sie geben den realen Zustand des Weisen Hauses wieder und stellen klar, dass es geradezu dumm ist sich von den Tweets und der einseitigen Berichterstattung vieler Medien von den wirklichen politischen Entscheidungen im Weisen Haus ablenken zu lassen. Es wird Zeit, dass wir wieder zu einem sachlichen Diskurs in diesem Thema finden und Donald Trump einfach wahrnehmen als das was er jetzt nun einmal ist: Präsident der USA. Und ich denke es besteht im Interesse der ganzen Welt und insbesondere Deutschland dieses Verhältnis aufrechtzuerhalten und dafür ist auch bei uns Veränderung gefragt.

Thorsten Sippel | Mo, 28. August 2017 - 11:48

Der aktuelle Potus hat eine rüpelhafte Persönlichkeit mit pathologisch narzistischen Ausprägungen, ohne jeglichen Respekt vor der Gewaltenteilung, ohne Respekt vor objektiven Fakten. Klar sind die USA nicht Donald Trump , aber stellen Sie sich bitte mal einen Moment vor, alle würden sich so benehmen wie Trump."Grab her right by her Pussy" ? Ihr Text erweckt den Eindruck des Ausblendens und Nichtsehens, wie es hier in Deutschland bzgl. Radikalität lange in den Medien der Fall war und seitens der Politik auch noch immer ist. Das ist die Gefahr die von Trump ausgeht und ihn gefährlich macht. Er weiss das die Medien ihn für die Gesellschaft sichtbar machen können und das fürchtet er, sowie er zurecht fürchtet das Russlandkontakte seines Wahlkampfteams aufdecken inwieweit er selbst darin verwickelt ist. Also bekämpft er die "Leaks". Das kann man nicht einfach als politischen Alltag, oberflächlich nach dem Motto, hatten wir doch schon so ähnlich, beschreiben. Ihr Text ist nicht vollständig.

helmut armbruster | Mo, 28. August 2017 - 11:53

Ein paar Gedanken, die auch zu Trump passen:
"In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich" (Voltaire)
"Viele verlieren den Verstand nur deshalb nicht, weil sie keinen haben" (Schopenhauer)
"Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht zu allem eine Bemerkung" (Heine)
"Vom Erhabenen zu Lächerlichen ist es nur ein Schritt" (Napoleon)

Christoph Kuhlmann | Mo, 28. August 2017 - 12:55

Unbestritten, Trumps Politik lässt sich als der rationale Versuchbeschreiben, die Regeln und Believs des politischen Establishments durch permanente Normbrüche zu erschüttern. Das Ganze vor dem Hintergrund der weitgehenden Unkenntnis der Checks and Balances des politischen Systems in den USA. Doch ob die US-Regierung nun rational oder chaotisch ist, lässt sich kaum beurteilen, solange man keinen Blick hinter die Kulissen werfen kann, um herauszufinden was nun kalkulierte Provokation ist und was schlicht auf Unvermögen beruht. Eines ist jedenfalls klar, die Bandbreite normativ erlaubter Politiken wird allmählich deutlich. Bei der Differenz zur juristisch legalen Bandbreite, stellt sich damit automatisch die Frage nach der Kontingenz der Werte und Normen des Establishments.

dass er sie kontinuiert, die Werte und Normen.
Wie gesagt, ich empfehle gerade den sogenannten "Weissen" der USA eher nach Alaska auszuwandern, als sich ständig gegen auch den Wandel der Bevölkerungsstruktur in den USA zu stemmen.
Aber vielleicht ist diese Entwicklung auch überschritten.
Trump erinnert mich auch an Reagan, der aber mit seiner Frau bestimmt auch eine einflussreiche Familie und Folgende an seiner Seite hatte.
in den USA herrscht nicht nur der Präsident.
Bei Obama half die Mehrheit des Volkes aus.
Trump bezieht sich schon auch stark auf seine Wähler, aber auch seine eigene Familie.
Das ist schon recht wackelig und Hillary Clinton hat sich evtl. noch nicht überzeugen lassen, Verliererin zu sein.
Las in Tichys Einblick über sie.
Es ist wichtig, dass Pence als der künftige starke Mann aufgebaut wird.
Dies verhindert nachhaltig Hillary Clinton und erfordert von den Demokraten Argumente und Konzepte statt finanzstarker `Selbstdarsteller´.
Keine US-Hegemonie

Peter Wagner | Mo, 28. August 2017 - 12:55

Ist das Donald Trump auf dem Bild? Dass wir ihn so sympathisch nicht kennen, Bilder sagen oft mehr als Worte, ist ein weiterer Beleg dafür, dass unsere Mainstream-Medien neutrale Berichterstattung inzwischen gegen Volkserziehung oder besser Volksverdummung, ausgetauscht haben. Cicero ist hier eine von wenigen Außnahmen.

Kaum zu glauben für europäische Zeitungsleser: Aber der Mann läuft tatsächlich nicht den ganzen Tag mit halbgeöffnetem zugespitztem Mund herum!
Trump mit zugespitzten halboffenen Mund soll ja mittlerweile ein eigenes fotografisches Genre sein.

Wenn ich mir jedoch noch den ein oder anderen Beitrag des Thomas Jägers oder eines Markus Zieners in Erinnerung rufe, erinnere ich mich auch hier beim Cicero an eine gewisse Pauschalempörung und Hysterie gegenüber dieser US-Administration und seinem Chef.
Der Cicero ist da leider auch ein bisschen Mainstream-Media, leider.

Dr. Lothar Sukstorf | Mo, 28. August 2017 - 13:30

Wo, bitteschön, ist das ärztliche Bulletin, das Trump Oligophrenie bescheinigt? Ich habe bislang noch keines gesehen. Im Wahlkampf hat man ihn untersucht und nur Neigung zu Adipoistas festgestellt.

Marie Werner | Mo, 28. August 2017 - 15:57

endlich ein richtig guter Artikel! Vielen Dank! Genau auf diese sachliche Berichterstattung habe ich gewartet. Einen Mr. Trump benötigen wir in unserer hetzerischen, kulturlosen Gesellschaft ebenso. Nur sehe ich leider weit und breit keinen.

Reinhard Oldemeier | Mo, 28. August 2017 - 16:18

Donald Trump macht Amerika konservativer. Im Schlepptau hat er die abgehängte weiße Mittelschicht. Diese Schicht will das Amerika zurück der 60er mit ihrer Trennung von Schwarz und Weiß. Die Obama-Care kommt zwar allen Amerikanern zugute, aber die Rechte hat es als Konfliktthema erkoren, um Stimmung gegen Migranten und den Schwarzen zu machen. Genauso wie der Mauerbau an der Grenze zu Mexiko.
Die Internetseite Breitbart und deren Macher Bannon ist zwar aus dem Spiel genommen, aber man kann gewiss sein, Einfluss wird er trotzdem nehmen.
Die Republikanische Partei ist von Nationalisten geentert worden. Viele Abgeordnete ist dieses klar geworden, und versuchen nun gegenzusteuern, aber zu spät.
Wenn die amerikanische Gesellschaft auseinander bröselt, ist Charlstenville nur der Auftakt.
Ob Donald Trump den schwelenden Konflikt bereinigt, ist eher fraglich. Eins steht aber fest Amerika muss die Konflikte lösen ansonsten geht dieses Amerika unter.

Detlef Kleinert | Mo, 28. August 2017 - 16:42

Abgesehen von der schiefen Formulierung (oberste Priorität - gibt es eine unterste Vorrangigkeit?) ist der Hülss-Beitrag ein Lichtblick in der Scheuklappenhaftigkeit der deutschen (aber auch der amerikanischen) Journaille. Eine Harvard-Studie hat ja belegt, daß das Thema Trump vorzusweise mit Schaum vor dem Mund behandelt wird und daß die ARD da eine besonders traurige Rolle spielt. Cicero sei Dank, daß man in diesem Lande, wenigstens hin und wieder, einen Artikel lesen kann, der außerhalb des mainstreams angesiedelt ist.

Fritz - Ulrich | Mo, 28. August 2017 - 17:00

Der CICERO hat aber lange gebraucht, um endlich mal zu einer Versachlichung um den demokratisch gewählten Präsidenten der USA zu kommen.
Ein Wahnsinniger wird nicht so einfach Milliardär, auch wenn er von seinem Vater ein geringes Startkapital erhalten hat. Und was machen in seinem Geschäftsleben schon ein paar Flops aus?
Die Hetze der linken Szene gegen ihn wird zwar auch nach dem Ende seiner Amtszeit nicht nachlassen, was er aber für die "verlorene Gesellschaft auf dem Land" erreichen wird, wird noch lange von Bestand sein.
Gratuliere zu Ihrem Artikel.

Romuald Veselic | Mo, 28. August 2017 - 17:42

die Ferndiagnosen zum Thema Trump, des Dt. Mainstreams, als wäre dies eine unfehlbare, die ganze Welt heilende, unverrückbare Medizin. Endlich gibt es jemand, der die deutsch genormten Halbmassen zum Schäumen und zur Ohnmacht bringt. Soviel Selbstlob, Selbstbeweihräucherung und Borniertheit in hiesigen Politströmen, gibt's kaum Analoges in (noch) unserem Kosmos.

Wilhelm Maier | Mo, 28. August 2017 - 17:51

Verrückt sind die, die in als Verrückt halten.
So ist es. Die Welt wirg immer Verrückter. Leider.

Ruth Müller | Mo, 28. August 2017 - 18:09

Fühlen sich auch durch Trump vertreten. Warum wird das durch Anti-Trump Presse verschwiegen?
Daran sieht man das ein Teil der Journalisten doch das demokratische Prinzip nicht verinnerlicht haben und nicht objektiv sind. Egal was man jetzt von Trump persönlich hält - er ist der gewählte Präsident der Mehrheit der Amerikaner. Das ist Demokratie und beim nächsten mal ist es jemand anders - so einfach funktioniert das. Leider für Menschen mit einer bestimmten Agenda nicht.

Kostas Aslanidis | Mo, 28. August 2017 - 18:46

nicht dauernd Putin, Assad beleidigen wie der Liebling der Presse Obama, das unter die Gürtellinie ging. Gegen Russland hört langsam die Hetze auf und die Kriegsgefahr wird minimiert. Er ist 1000 mal besser als Clinton. Er hat natürlich ein Korsett, Luft zum Atmen ist knapp.

Rolf Pohl | Mo, 28. August 2017 - 19:03

... ungewiss, so viel ist unsicher.
Was sicher ist und nicht nur so scheint wär: Dieser Präsident ist seit Amtsantritt nur mit sich selbst und dem Feuern und Berufen von Regierungsmitgliedern und Beratern beschäftigt.

Zumindest das weist auf Ver....t hin. ;-)
Eine Laiendiagnose, klar doch.

Dimitri Gales | Mo, 28. August 2017 - 20:30

Artikel über Trump in der deutschen Presselandschaft. Nur weil er einen unkonventionellen Stil an den Tag legt und die etablierte Politkaste Washingtons (undnicht nur dort) damit verstört. Man sollte den Mann nicht unterschätzen. Die Welt sieht heute anders aus als bei Amtseintritt von Obama (dessen Bilanz eher mittelmässig und von Schwächen gezeichnet ist, auch was Nordkorea angeht).
Wenn Trump beispielsweise starke Worte gegenüber Nordkorea gebraucht, dann deshalb, weil die Machthaber dort nur diese Sprache verstehen.
Trump geht davon aus, dass die Globalisierung nicht nur Gutes verheisst, dass der Nationalstaat im absoluten Vordergrund stehen muss. Mit "America first" meint er nicht die Alleinherrschaft, die Domination der USA in der Welt, sondern die Restaurierung nationaler Stärken gegenüber der Globalisierung und Konfliktherden.

denn als Geschäftsmann weiss er um die Vorteile dominierter Globalisierung.
Er denkt aber m.E. noch im Sinne der USA, H. Clinton schätze ich eher ein als "Cliquen-Vorstand", der die USA dafür arbeiten lässt.
Aber auch Trump lasse ich von meiner Seite aus seine großen Träume nicht durchgehen.
Ich befürchte auch, dass Obama sich einreihte in die Gruppe derjenigen Amis, die an eine , wenn nicht die hegemoniale Stellung der USA in der Welt glaubt.
Es gibt überhaupt kein Indiz dafür ausser Obamas großer diffuser Vision von der Freiheit.
Obama war zu schwach, seine hegemonialen Träume der Welt aufzudrücken.
Trump ist hoffentlich zu intelligent dafür.
Bleibt das Säbelrasseln von Kim Jong Un.
Ich halte es für fremdgesteuert.
Die Frage ist, wer ihn als erstes austauscht bzw. als Bauernopfer benutzt.
Ich würde mir eine asiatische Lösung wünschen, die eine Wiedervereinigung in einem freiheitlich organisierten Asien nicht ausschliesst.
Keine US-Hegemonie für die Welt.
Koexistenz

Günter Schaumburg | Mo, 28. August 2017 - 20:49

Die USA haben diesen Prösidenten für ihr eigenes
Wohlergehen und Fortkommen dringend ge-braucht. Es wird sich zeigen müssen, ob er dem
militärisch-industriellen Komplex die Stirn bieten
kann oder will. Im Interesse des Weltfriedens wird
er daran gemessen werden. Sonst: Eigentlich ha-
ben wir genug Dreck vor der eigenen Tür...

Frank Lammers | Mo, 28. August 2017 - 22:39

Ich habe Cicero zur Zeiten Wolfram Weimers mit Begeisterung gelesen. Was ist nur aus dieser Zeitschrift geworden ? Charlottesville, Kündigung Paris climate agreement, Comey, Nepotismus wie nie zuvor...und dann so ein Artikel...wo ist die Reflektion geblieben ?

Thomas Radl | Di, 29. August 2017 - 09:37

So wird das in den deutschen Medien gerne dargestellt und in den sozialen Medien wohl vielfach auch. Das zeigt allenfalls, auf welchem Niveau heutzutage der öffentliche Diskurs stattfindet und sagt in der Egel mehr über den Trump-Beschreiber als über Trump.
Was man wohl unbestritten feststellen darf, ist, dass er mitunter ein Rüpel ist, wie beim NATO-Gipfel unlängst vorgeführt, wo er den montenegrinischen Ministerpräsident rüde zur Seite schob. Da galt wohl das Motto: Höflichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr! Bei öffentlichen Auftritten (bzw. den Veröffentlichungen der Auftritte) ist mir überhaupt noch nie aufgefallen, dass er irgendwie "höflich" aufgetreten wäre. Vielleicht ein Erziehungsmangel, wahrscheinlich ein Charaktermerkmal. Muss man nicht mögen...
Aber fehlende Höflichkeit und fehlende Intelligenz sind zwei verschiedene Dinge. Leider verschwimmt das allgemein im öffentlichen Diskurs. Ich fürchte, das sagt eine Menge über die am Diskurs Beteiligten!

Leute, die Trump gut kennen, bescheinigen ihm die Auffassungsgabe eines 13jährigen.
Er kann sich angeblich nur 10 Minuten auf eine Thematik konzentrieren. Sind junge Frauen mit Dekollte anwesend, interessiert ihn der Blick auf den Busen des weiblichen Geschlechts mehr als jeder andere Anwesende.
Er beherrscht weder sich selbst noch die Sprache der Diplomatie.
Von seiner Rüpelhaftigkeit einmal ganz abgesehen: Wie konnte dieser Mensch überhaupt US-Präsident werden?
Sind seine Wählerinnen und Wähler wirklich verblödet oder nur politisch irregeleitet?
Diese Fragen sollte jede und jeder beantworten, der sich mit diesem Herrn beschäftigt.

Meine Heldin. Endlich mal jemand der aus erster Hand erfasst hat was bei Trump wirklich Sache ist.
"Er hat die Auffassungsgabe eines 13 Jährigen."
Ja klar, DAS erklärt natürlich alles. Endlich haben wir das Erfolgsrezept zum ultimativen Erfolg.
Blödheit schlägt alles! Erst mal baut man mit diesen überraschend unterschätzten Fähigkeiten ein Firmenimperium auf, wird Selfmademilliardär, nebenbei TV- Star, dann macht man sich noch schnell gegen die gesammelte Konkurrenz zum Präsidentschaftskanditaten in einem Land mit der Bevölkerungszahl Europas und gewinnt dann natürlich locker gegen die hochfavorisierte Idealkandidatin.
Also wenn ich das nur früher gewusst hätte... zwei, dreimal mit dem Kopf gegen die Wand, dreimal zu heiß gebadet und schwupps, wer weiß was aus mir alles geworden wäre.

Hier ein paar mögliche Antworten:
-es gibt auch sehr kluge 13-jährige,-manche werden sogar Milliardär
-Trump hat vielleicht nach 10 Minuten die Thematik erfasst und ist dann desinteressiert...
-was Frauen betrifft war wohl der "liebe" Kennedy der grössere Rüpel....
-die Sprache der Diplomatie ist meist bis ins Mark verlogen-wenn man sie nicht beherrscht,muss das kein Nachteil sein.
-er wurde gewählt weil die Amerikaner eine klare Sprache lieben, und kein ,übrigens auch so typisch deutsches ,pseudointellektuelles Geschwurbel.Sie hatten wenigstens die Wahl...;-wir wohl nicht mehr so richtig.Man sollte Trump also an seinen Taten messen-wie damals ,in der Nachbetrachtung, Reagan.
-Politiker müssen auch nicht sympathisch sein.Das sind echte "Alphatiere" im Allgemeinen eigentlich nie.Sie sollen in erster Linie richtige und vernünftige Entscheidungen treffen.

ich erkenne in der deutschen Politiker*innen Landschaft auch genügend "Rüpelhaftigkeit" ..."undiplomatische Verhaltensweisen"...von gebrochenen Wahlversprechen...und den jetzigen Wahlversprechen die dann spätestens nach der Wahl zur "Lüge" werden.

Aber sich an Trump abarbeiten ist ja viel wichtiger.

Winfried Sautter | Do, 31. August 2017 - 00:42

Die "Berichterstattung" der deutschen Qualitätsmedien über Trump geht einem allmählich selbst auf die strapazierfähigen Nerven. Sich ein dreiviertel Jahr nach der Wahl immer noch daran abzuarbeiten, dass der falsche Kandidat die Wahl gewonnen hat. Und auf was für einem Niveau: Der Spiegel mit Trump als KKK - "sein wahres Gesicht", der Stern mit Star-Sprangled Banner-Hitlergruss - "Sein Kampf". Das Niveau von pickeligen, hormonverwirrten Schülerzeitungsredakteuren (die von der Schulleitung zurecht gewiesen würden). Hätte der Qualitätsjournalismus mal George Packer, "The Unwinding. An Inner History of the New America" gelesen (Englischkenntnisse vorausgesetzt) , dann hätte er eine Ahnung, warum sich die Mehrheit für Trump entschieden hat. Aber es hätte auch nicht ins Weltbild gepasst. Also lieber weiterhin die Pose der beleidigten Leberwurst. Sehr unreif.

Arno Schilz | So, 3. September 2017 - 11:23

Die Medien - und damit ein großer Teil der Öffentlichkeit, achten viel zu sehr auf das Gerede und die Show von Trump und anderen Politikern. Wichtig ist doch, was tatsächlich an Gesetzen etc. gemacht wird.
Ihr Ansatz, Herr Hülss, ist richtig. Weiter so.

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