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Björn Böhning
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02.12.2008
"Es wird dauern, bis die Linkspartei bereit ist"
Interview mit Björn Böhning

Der Ex-Juso-Vorsitzende und Sprecher der SPD-Linken Björn Böhning will 2009 in den Bundestag. Was der Nachwuchspolitiker tut, um in den Bundestag zu kommen, was er über die Vorgänge in Hessen denkt und wann er eine Zusammenarbeit mit der Linken im Bund für realistisch hält fragten Björn Weidner und Alexander Görlach.

Muss sich die CDU ihrer Vergangenheit in der DDR stellen?
Es wird Zeit, dass die CDU sich mit ihrer Blockpartei-Vergangenheit beschäftigt. Dass mit Stanislaw Tillich jetzt ein herausgehobener Vertreter der Partei zugeben muss, dass er doch verstrickter war in das System der DDR, als bisher bekannt, ist überraschend. Es bietet aber auch Grund zur Sorge, dass die Vergangenheitsbewältigung bei der CDU noch nicht soweit voran geschritten ist, wie die Partei bisher behauptet hat.

Kanzlerin Merkel war wegen ihrer DDR-Vergangenheit auch schon in der Kritik.
Zu Frau Merkel kann ich an dieser Stelle nichts sagen. Ich glaube, dass die CDU insgesamt sehr schnell war, Anfang der 90er Jahre ihre Vergangenheit als Blockflöte unter den Teppich zu kehren. Das ist offensichtlich so schnell gegangen, dass die notwendige Sorgfalt nicht geübt worden ist.

Sie treten im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg gegen Hans-Christian Ströbele an. Was macht sie denn so optimistisch, dass sie den Wahlkreis gewinnen können?
Der Wahlkreis ist erstens ein sehr junger Wahlkreis - der jüngste in Berlin. D.h. wir haben viele junge Wählerinnen und Wähler, die ich gerne gewinnen möchte. Hier sehe ich eine große Chance.

Haben Sie auch inhaltliche Schwerpunkte, die Sie angehen wollen?
Das sind vier Schwerpunkte. Der erste ist "Arbeit für Alle". Für mich steht das Kümmern um Arbeitsplätze vor Ort, insbesondere im Bereich der Kreativwirtschaft, im Mittelpunkt. Zweitens "Bildung für alle": Wir müssen dafür sorgen, dass die Kitas und Schulen ausreichend Plätze vorhalten für die Kinder junger Familien. Das dritte ist "Lebenswertes Wohnen schaffen": wir wollen nicht, dass die Verdrängung der alteingesessenen Bevölkerung weiter voranschreitet. Und das letzte ist für junge Menschen wichtig: Wir brauchen in Deutschland eine flächendeckende Ausstattung mit kostenfreiem Breitbandinternet. Deswegen setze ich mich dafür ein, dass wir im Görlitzer Park ein kostenfreies WLAN zur Verfügung stellen.

Sie wurden in einer Zeitung zitiert, dass Sie auch Hans-Christian Ströbeles Schwächen kennen würden. Und dass Sie sich deswegen auch höhere Chancen ausrechnen. Was sind das für Schwächen?
Man muss nicht alles glauben, was in der Zeitung steht (lacht). Ich will gar keinen Wahlkampf explizit gegen Hans-Christian Ströbele machen. Er hat seine Verdienste, auch in der damaligen BRD. Er war eine wichtige Figur in der deutschen Politik. Ich glaube nur, dass der Bezirk neuen Wind braucht und ein junges Gesicht verdient hat, das für eine moderne linke Politik steht und nicht die Tarifauseinandersetzungen der 70er Jahre jedes Jahr aufs Neue wiederholt. Wir müssen sagen, wie wir den sozialen Wandel gestalten wollen, nicht nur wie wir ihn verhindern können.

Foto: Markus C. Hurek


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Björn Böhning
Björn Böhning war 2004 bis 2007 Bundesvorsitzender der Jusos. Seit 2008 ist er Sprecher der SPD-Linken. Seit 2007 leitet er beim Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, in der Senatskanzlei das Grundsatz- und Planungsreferat.


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